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Am 18. März 2006 beteiligten sich
über 300 Menschen an der Wiener Demonstration gegen
Krieg und Besatzung, darunter Mitglieder der
palästinensischen, irakischen und syrischen Gemeinde
sowie AktivistInnen der AIK, des APC, des ASt, der
ATIGF, der KI, der KJÖ, des KSV, der Linkswende, von
Revolution und der SJ. Für die SJ-Stamokap hat
Genossin Nelli Berger bei der Abschlusskundgebung
vor der US-Botschaft das Wort ergriffen. Wir
dokumentieren im Folgenden ihren Redebeitrag:
Liebe
Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und
Freunde!
Vor
drei Jahren hat die imperialistische US-Regierung,
unterstützt von der amerikanischen Rüstungsindustrie
und den Ölkonzernen, den militärischen Angriff auf
das irakische Volk gestartet. Dies war vorerst der
Höhepunkt ihres imperialistischen Streifzugs durch
den Nahen Osten. Es wird aber leider in Zukunft
nicht der Letzte sein. Denn es reicht den USA nicht,
das irakische Erdöl zu kontrollieren, und es reicht
den USA nicht, die wichtigste Pipeline durch
Afghanistan zu kontrollieren. Sie wollen die ganzen
umliegenden Staaten auch kontrollieren, um ihr
Einflussgebiet abzusichern. Drohungen und verbale
Angriffe aus Washington richten sich in letzter Zeit
immer häufiger gegen Damaskus und Teheran.
Mit
Vorwänden werden die dortigen Regierungen
provoziert. Indem einem Land untersagt werden soll,
für ihre Stromversorgung selbst zu sorgen, indem
einem Land untersagt wird, darauf zu schauen, dass
alle Einwohnerinnen und Einwohner Licht und Heizung
haben. Indem einem Land untersagt wird, das zu tun,
was die USA, Deutschland, Frankreich und Russland
schon immer und selbstverständlich tun: Atomstrom zu
produzieren.
Das
iranische, das palästinensische und das syrische
Volk werden als ein aus lauter religiösen
Extremisten bestehendes, unmündiges Volk
dargestellt, das nicht selbstständig entscheiden
kann, wen es wählt und welche Entscheidungen es
trifft. Doch in welchem Land werden Menschen von
demokratischen Wahlen ausgeschlossen und die
Ergebnisse verfälscht, damit der „richtige“
Präsident an die Macht kommt? In den USA.
Die
Berichterstattungen zeigen nur ein einseitiges Bild
der Situation im Iran oder in Palästina. Während ein
Angriff auf ein palästinensisches Gefängnis durch
israelische Panzer erfolgt, ohne Vorwarnung, ohne
ersichtlichen Grund, rein aufgrund einer Vermutung
oder Vorahnung, wovon Regierungschefs in den USA und
in Israel anscheinend häufig heimgesucht werden,
während also staatliche Institutionen des
palästinensischen Volkes angegriffen und zerstört
werden, deren Gefangene von israelischen Soldaten
verschleppt wurden, wird dieser Vorfall in der
europäische Presse als Sieg gegen den Terror
dargestellt!
Und
mit Verwunderung wird dann berichtet, dass sich die
Menschen gegen all dies zur Wehr setzten und
Widerstand gegen die USA und die westliche Welt zum
Ausdruck bringen. Doch wer kann Widerstand nicht
verstehen, wenn man ständig in Gefahr lebt, dass die
westliche Welt den Angriff auf sein Land oder seine
Stadt beschließen könnte. Wenn ständig Angriffe
durch israelische Besatzungssoldaten erfolgen, ohne
dass die restliche Welt dies verurteilt oder
mittlerweile auch nur Beachtung schenkt. Wenn
täglich in Palästina oder im Irak Menschen durch
imperialistische Waffen und Bomben sterben.
Friede kann nur erreicht werden, wenn die
Aggressionen gegen Syrien und den Iran gestoppt
werden. Friede kann nur erreicht werden, wenn das
irakische, das afghanische und das palästinensische
Volk selbst über ihr Land, ihre Regierung, ihre
Vertreter, ihr Leben bestimmen können!
Lenin
hatte dies bereits vor etwa 90 Jahren beschrieben.
Als er schrieb, dass es zu ständigen Kämpfen um die
Neuaufteilung der Welt durch die imperialistischen
Zentren kommt. Lenin hatte erkannt, dass die
mächtigsten imperialistischen Kräfte jede
Gelegenheit nützen werden, zusätzliche
Einflussgebiete zu gewinnen. Lenin hatte recht mit
der 5. These seiner Imperialismustheorie. Die
jüngste Neuaufteilung hat mit Jugoslawien angefangen
und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Denn
jetzt will die Europäische Union bei dieser
Neuaufteilung auch ein Wörtchen mitreden. Es wird
eine europäische Armee aufgestellt um die
wirtschaftlichen Interessen der Mitgliedsländer
nicht nur in Europa und in den Nachbarländern,
sondern langfristig auf der ganzen Welt
durchzusetzen. Und Österreich ist hierbei keine
Ausnahe. Auch Österreich leistet seinen Beitrag und
ist mitverantwortlich für Repressionen, Aggressionen
und Armut!
Für
uns als linke Organisation kann die Losung daher nur
heißen: Wir wollen diese Europäische Union nicht!
Wir brauchen keine Kampftruppen, um andere Völker zu
unterdrücken! „Keine Unterordnung unter
EU-Interessen!“ - Das sind nicht unsere Interessen,
das sind ausschließlich die Interessen der
Großkonzerne!
Nur
gemeinsam haben wir gegen die imperialistischen
Machthaber eine Chance. Wir müssen gemeinsam für das
Selbstbestimmungsrecht aller Menschen kämpfen, egal
welche Religion sie haben, welches Geschlecht,
welche Hautfarbe und welche Nationalität! Nur wenn
die Menschen das Recht haben, in Freiheit und
Gerechtigkeit zu leben und ihre eigenen politischen
Vertreterinnen und Vertreter zu wählen, gibt es eine
Chance auf dauerhaften Frieden. Frieden kann nicht
mit Bomben erzwungen werden. Friede ist nur dann
möglich, wenn es keine Konkurrenz mehr zwischen
kapitalistischen Staaten gibt, wenn nicht mehr der
Profit Denken und Handeln bestimmt. Kämpfen wir
gemeinsam für den Frieden!
Stopp
der Besetzung Palästinas!
Stopp
den Aggressionen des US- und EU-Imperialismus!
Selbstbestimmungsrecht für alle Völker dieser Erde!
Hoch
die internationale Solidarität!
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