|
<398> Der
Militarismus übt in der Geschichte des Kapitals eine ganz bestimmte
Funktion aus. Er begleitet die Schritte der Akkumulation in allen
ihren geschichtlichen Phasen. In der Periode der sogenannten
"primitiven Akkumulation", d.h. in den Anfängen des europäischen
Kapitals, spielt der Militarismus die entscheidende Rolle bei der
Eroberung der Neuen Welt und der Gewürzländer Indiens, später bei der
Eroberung der modernen Kolonien, Zerstörung der sozialen Verbände der
primitiven Gesellschaften und Aneignung ihrer Produktionsmittel, bei
der Erzwingung des Warenhandels in Ländern, deren soziale Struktur der
Warenwirtschaft hinderlich ist, bei der gewaltsamen Proletarisierung
der Eingeborenen und der Erzwingung der Lohnarbeit in den Kolonien,
bei der Bildung und Ausdehnung von Interessensphären des europäischen
Kapitals in außereuropäischen Gebieten, bei der Erzwingung von
Eisenbahnkonzessionen in rückständigen Ländern und bei der
Vollstreckung der Forderungsrechte des europäischen Kapitals aus
internationalen Anleihen, endlich als Mittel des Konkurrenzkampfes der
kapitalistischen Länder untereinander um Gebiete nichtkapitalistischer
Kultur.
Dazu
kommt noch eine andere wichtige Funktion. Der Militarismus erscheint
auch rein ökonomisch für das Kapital als ein Mittel ersten Ranges zur
Realisierung des Mehrwerts, d.h. als ein Gebiet der Akkumulation. Bei
der Untersuchung der Frage, wer als Abnehmer der Produktenmasse
<399> in Betracht käme, in der der
kapitalisierte Mehrwert steckt, haben wir mehrfach den Hinweis auf den
Staat und seine Organe als Konsumenten abgelehnt. Wir haben sie als
Vertreter abgeleiteter Einkommenquellen in dieselbe Kategorie der
Nutznießer des Mehrwerts (oder zum Teil des Arbeitslohns) eingereiht,
der auch die Vertreter liberaler Berufe sowie allerlei
Schmarotzerexistenzen der heutigen Gesellschaft ("König, Pfaff,
Professor, Hure, Kriegsknecht") angehören. Diese Erledigung der Frage
ist aber erschöpfend nur unter zwei Voraussetzungen: einmal, wenn wir,
im Sinne des Marxschen Schemas der Reproduktion, annehmen, daß der
Staat keine anderen Steuerquellen besitzt als den kapitalistischen
Mehrwert und den kapitalistischen Arbeitslohn (1);
und zweitens, wenn wir den Staat mit seinen Organen nur als
Konsumenten ins Auge fassen. Handelt es sich nämlich um persönliche
Konsumtion der Staatsbeamten (so auch des "Kriegsknechts"), so
bedeutet das - sofern sie aus Arbeitermitteln bestritten wird -
partielle Übertragung der Konsumtion von der Arbeiterklasse auf den
Anhang der Kapitalistenklasse.
Nehmen
wir für einen Augenblick an, der gesamte den Arbeitern abgepreßte
Betrag an indirekten Steuern, der einen Abzug an ihrer Konsumtion
bedeutet, werde darauf verwendet, den Staatsbeamten Gehälter
auszuzahlen und das stehende Heer mit Lebensmitteln zu
verproviantieren. Dann wird in der Reproduktion des gesellschaftlichen
Gesamtkapitals keine Verschiebung eintreten. Sowohl die Abteilung der
Lebensmittel wie infolgedessen auch die Abteilung der
Produktionsmittel bleiben unverändert, denn der Gesamtbedarf der
Gesellschaft hat nach Art und Menge keinen Wechsel erlitten. Was jetzt
verändert worden, ist bloß das Wertverhältnis zwischen v als Ware
Arbeitskraft und den Produkten der Abteilung II, d.h. Lebensmitteln.
Dasselbe v, derselbe Geldausdruck der Arbeitskraft wird jetzt mit
einer geringeren Menge Lebensmittel ausgetauscht. Was geschieht mit
dem so entstehenden Rest an Produkten der <400>
Abteilung II? Er wandert statt an die Arbeiter an Staatsbeamte und das
Heer. An Stelle der Konsumtion der Arbeiter tritt in demselben Umfang
die Konsumtion der Organe des kapitalistischen Staates. Es ist also
bei gleichbleibenden Reproduktionsbedingungen eine Änderung in der
Verteilung des Gesamtprodukts eingetreten: Eine Portion der früher zur
Konsumtion der Arbeiterklasse, zur Deckung des v, bestimmten Produkte
der Abteilung II wird nunmehr dem Anhang der Kapitalistenklasse zur
Konsumtion zugeteilt. Vom Standpunkt der gesellschaftlichen
Reproduktion läuft diese Verschiebung auf dasselbe hinaus wie wenn von
vornherein der relative Mehrwert um den bestimmten Wertbetrag größer,
und zwar dieser Zuwachs dem zur Konsumtion der Kapitalistenklasse
nebst Anhang bestimmten Teil des Mehrwerts zugewiesen wäre.
Insofern läuft das Schröpfen der Arbeiterklasse durch den Mechanismus
der indirekten Besteuerung, um daraus die Stützen der kapitalistischen
Staatsmaschinerie zu erhalten, einfach auf eine Vergrößerung des
Mehrwerts, und zwar des konsumierten Teils des Mehrwerts,
hinaus; nur daß diese ergänzende Teilung zwischen Mehrwert und
variablem Kapital post festum, nach dem vollzogenen Austausch
zwischen Kapital und Arbeitskraft geschieht. Haben wir es aber so mit
einem nachträglichen Zuwachs des konsumierten Mehrwerts zu tun, dann
kommt diese Konsumtion der Organe des kapitalistischen Staates - auch
wenn sie auf Kosten der Arbeiterklasse geschieht - als Mittel der
Realisierung des kapitalisierten Mehrwerts nicht in Betracht.
Umgekehrt kann man sagen: Wenn die Arbeiterklasse nicht die
Erhaltungskosten der Staatsbeamten und des "Kriegsknechts" zum größten
Teil tragen würde, so müßten die Kapitalisten selbst diese Kosten ganz
tragen. Sie müßten der Erhaltung dieser Organe ihrer Klassenherrschaft
direkt aus dem Mehrwert eine entsprechende Portion zuweisen, und zwar
entweder auf Kosten der eigenen Konsumtion, die sie entsprechend
einschränken müßten, oder, was das Wahrscheinlichere, auf Kosten des
zur Kapitalisierung bestimmten Teils des Mehrwerts. Sie könnten
weniger kapitalisieren, weil sie mehr zur direkten Erhaltung ihrer
eigenen Klasse verwenden müßten. Die Abwälzung der Erhaltungskosten
ihres Anhangs zum größten Teil auf die Arbeiterklasse (und auf die
Vertreter der einfachen Warenproduktion: Bauern, Handwerker) erlaubt
es den Kapitalisten, eine größere Portion des Mehrwerts für die
Kapitalisierung zu befreien. Sie schafft aber noch vorerst keineswegs
die Möglichkeit dieser Kapitalisierung, d.h., sie schafft noch kein
neues Absatzgebiet, um mit diesem befreiten Mehrwert auch tatsächlich
neue Waren herstellen und sie auch realisieren zu können. Anders wenn
die durch das Steuer- <401> system in der
Hand des Staates konzentrierten Mittel zur Produktion von
Kriegsmitteln verwendet werden.
Auf
der Basis der indirekten Besteuerung und Hochschutzzölle werden die
Kosten des Militarismus in der Hauptsache bestritten durch die
Arbeiterklasse und das Bauerntum. Beide Steuerquoten sind gesondert zu
betrachten. Was die Arbeiterklasse betrifft, so läuft das Geschäft
ökonomisch auf das Folgende hinaus. Vorausgesetzt, daß eine Erhöhung
der Löhne bis zum Ausgleich der Lebensmittelverteuerung nicht
stattfindet - was gegenwärtig für die große Masse der Arbeiterklasse
zutrifft und was selbst für die gewerkschaftlich organisierte
Minderheit durch den Druck der Kartelle und Unternehmerorganisationen
in hohem Grade bewirkt wird (2), so bedeutet die
indirekte Besteuerung die Übertragung eines Teils der Kaufkraft der
Arbeiterklasse auf den Staat. Das variable Kapital als Geldkapital von
einer bestimmten Größe dient nach wie vor dazu, die entsprechende
Menge lebendige Arbeit in Bewegung zu setzen, also das entsprechende
konstante Kapital zu Produktionszwecken zu benutzen und die
entsprechende Menge Mehrwert zu produzieren. Nachdem diese Zirkulation
des Kapitals vollzogen, geht eine Teilung zwischen der Arbeiterklasse
und dem Staate vor sich: Ein Teil der von ihr im Austausch gegen die
Arbeitskraft erhaltenen Geldmenge wird an den Staat abgeführt. Während
das ganze frühere variable Kapital in seiner Sachgestalt als
Arbeitskraft vom Kapital angeeignet wird, bleibt von der Geldform des
variablen Kapitals nur ein Teil in der Hand der Arbeiterklasse,
während ein anderer Teil in den Besitz des Staates gelangt. Die
Transaktion geht jedesmal nach vollzogener Kapitalzirkulation zwischen
Kapital und Arbeit vor sich, sozusagen hinter dem Rücken des Kapitals,
sie berührt unmittelbar in nichts diesen fundamentalen Teil der
Kapitalzirkulation und Mehrwertproduktion und geht sie zunächst nichts
an. Wohl aber berührt sie die Bedingungen der Reproduktion des
Gesamtkapitals. Die Übertragung eines Teils der Kaufkraft der
Arbeiterklasse auf den Staat bedeutet, daß der Anteil der
Arbeiterklasse an der Konsumtion der Lebensmittel in demselben Maße
geringer geworden ist. Für das Gesamtkapital ist dies identisch mit
der Tatsache, daß es bei der gleichen Größe des variablen Kapitals
(als Geldkapital und als Arbeitskraft) und gleicher Masse angeeigneten
Mehrwerts eine geringere Menge Lebensmittel zur Erhaltung der
Arbeiterklasse produzieren muß, ihr tatsächlich eine Anweisung
<402> auf einen geringeren Anteil am
Gesamtprodukt gibt. Daraus ergibt sich, daß bei der Reproduktion des
Gesamtkapitals nunmehr eine geringere Menge Lebensmittel produziert
werden wird, als es der Wertgröße des variablen Kapitals entspricht,
da sich ja das Wertverhältnis zwischen dem variablen Kapital und der
Menge Lebensmittel, worin es realisiert wird, selbst verändert hat;
die Höhe der indirekten Besteuerung äußert sich in der Preiserhöhung
der Lebensmittel, während der Geldausdruck der Arbeitskraft nach
unserer Voraussetzung unverändert bleibt oder sich nicht im Verhältnis
zur Preiserhöhung der Lebensmittel verändert.
Nach
welcher Richtung wird nun die Verschiebung in den sachlichen
Verhältnissen der Reproduktion stattfinden? Durch die relative
Verringerung der zur Erneuerung der Arbeitskraft erforderlichen Menge
Lebensmittel wird eine entsprechende Menge konstantes Kapital und
lebendige Arbeit frei. Dieses konstante Kapital und diese lebendige
Arbeit können für anderweitige Produktion verwendet werden, sofern
sich ein neuer zahlungsfähiger Bedarf in der Gesellschaft findet. Den
neuen Bedarf stellt aber nunmehr der Staat mit dem von ihm vermöge der
Steuergesetzgebung angeeigneten Teil der Kaufkraft der Arbeiterklasse
dar. Der Bedarf des Staates richtet sich aber diesmal nicht auf
Lebensmittel (von dem gleichfalls aus Steuern gedeckten Bedarf an
Lebensmitteln zur Erhaltung der Staatsbeamten sehen wir hier nach
allem früher sub "dritte Personen" Behandelten ab), sondern auf eine
spezifische Produktenart, auf Kriegsmittel des Militarismus zu Lande
und zu Wasser.
Um uns
die Verschiebungen, die sich dabei in der gesellschaftlichen
Reproduktion ergeben, näher anzusehen, nehmen wir wieder als Beispiel
das zweite Marxsche Schema der Akkumulation:
|
I. |
5.000 c + |
1.000 v + |
1.000 m = |
7.000 |
Produktionsmittel. |
|
II: |
1.430 c + |
285 v + |
285 m = |
2.000 |
Konsummittel. |
Nehmen
wir nun an, durch die indirekten Steuern und die dadurch erzeugte
Teuerung der Lebensmittel werde der Reallohn, d.h. die Konsumtion der
Arbeiterklasse, im ganzen um den Wertbetrag von 100 verringert. Die
Arbeiter bekommen also nach wie vor 1.000 v + 285 v = 1.285 v in Geld,
erlangen aber dafür in Wirklichkeit Lebensmittel nur im Werte von
1.185. Die Geldsumme von 100, die dem Preisaufschlag der Lebensmittel
gleicht, gelangt als Steuer an den Staat. Dieser hat außerdem von den
Bauern usw. an Steuern für Militärrüstzeug, sagen wir, 150 in der
Hand, zusammen 250. Diese 250 stellen eine neue Nachfrage, und zwar
nach Kriegsmittel dar. Uns gehen jedoch vorläufig nur die 100, die aus
Arbeits- <403> löhnen herstammen, an. Zur
Befriedigung dieses Bedarfs an Kriegsmitteln zum Werte von 100
entsteht ein entsprechender Produktionszweig, der - unter
Voraussetzung einer gleichen, d.h. durchschnittlichen organischen
Zusammensetzung, wie sie im Marxschen Schema angenommen worden - eines
konstanten Kapitals von 71,5 und eines variablen von 14,25 bedarf:
71,5 c + 14,25 v + 14,25 m = 100 (Kriegsmittel).
Für
den Bedarf dieses Produktionszweigs werden ferner Produktionsmittel im
Wertbetrage von 71,5 und Lebensmittel im Wertbetrage von zirka 13
(entsprechend der nunmehr auch für diese Arbeiter geltenden
Verminderung ihres Reallohns um zirka 1/13)
hergestellt werden müssen.
Darauf
kann sofort erwidert werden, daß der aus dieser neuen
Absatzerweiterung sich ergebende Gewinn für das Kapital nur ein
scheinbarer sei, denn die Verringerung der tatsächlichen Konsumtion
der Arbeiterklasse wird die entsprechende Einschränkung der
Lebensmittelproduktion zur unvermeidlichen Folge haben. Diese
Einschränkung wird sich für die Abteilung II in der folgenden
Proportion ausdrücken. 71,5 c + 14,25 v + 14,25 m = 100.
Dementsprechend wird aber ferner auch die Abteilung der
Produktionsmittel ihren Umfang einschränken müssen, so daß beide
Abteilungen infolge der Verringerung der Konsumtion der Arbeiterklasse
sich wie folgt gestalten werden:
|
I. |
4.949,00 c + |
989,75 v + |
989,75 m = |
6.928,50 |
|
II: |
1.358,50 c + |
270,75 v + |
270,75 m = |
1.900,00 |
Wenn
jetzt dieselben 100 durch die Vermittlung des Staates eine Produktion
von Kriegsmitteln zum gleichen Wertbetrage ins Leben rufen und
dementsprechend auch die Produktion von Produktionsmitteln wieder
beleben, so erscheint das auf den ersten Blick nur eine äußere
Verschiebung in der Sachgestalt der gesellschaftlichen Produktion:
Statt einer Menge Lebensmittel produziere man eine Menge Kriegsmittel.
Das Kapital habe mit der einen Hand nur gewonnen, was es aus der
anderen verloren habe. Oder die Sache kann auch so gefaßt werden: Was
der großen Anzahl Kapitalisten, die Lebensmittel für die Arbeitermasse
produzieren, an Absatz abgehe, komme einer kleinen Gruppe von
Großindustriellen der Kriegsmittelbranche zugute.
Doch
so stellt sich die Sache dar, nur solange man auf dem Standpunkt des
Einzelkapitals steht. Von diesem Standpunkt ist es freilich gehupft
wie gesprungen, ob die Produktion sich auf dieses oder jenes Gebiet
wendet. Für das Einzelkapital existieren überhaupt die Abteilungen der
Gesamt- <404> produktion, wie sie das Schema
unterscheidet, nicht, sondern einfach Waren und Käufer, und für den
Einzelkapitalisten ist es deshalb an sich völlig gleichgültig, ob er
Lebensmittel oder Todesmittel, Fleischkonserven oder Panzerplatten
produziert.
Dieser
Standpunkt wird häufig von Gegnern des Militarismus ins Feld geführt,
um darzutun, daß die Kriegsrüstungen als wirtschaftliche Anlage für
das Kapital nur den einen Kapitalisten zugute kommen lassen, was sie
den anderen genommen haben.(3) Auf der anderen Seite
suchen das Kapital und sein Apologet diesen Standpunkt der
Arbeiterklasse zu oktroyieren, indem sie ihr einreden, durch die
indirekten Steuern und den Staatsbedarf trete nur eine Verschiebung in
der sachlichen Form der Reproduktion ein; statt anderer Waren
produziere man Kreuzer und Kanonen, dank denen der Arbeiter seine
Beschäftigung und sein Brot im gleichen oder noch größeren Maße, ob
hier oder dort, finde.
Was
die Arbeiter betrifft, so zeigt ein Blick auf das Schema, was daran
Wahres ist. Angenommen zur Erleichterung des Vergleichs, daß die
Produktion der Kriegsmittel genausoviel Arbeiter wie früher die
Herstellung von Lebensmitteln für die Lohnarbeiter beschäftige, ergibt
sich, daß sie jetzt bei einer Arbeitsleistung, die dem Lohn von 1.285
v entspricht, Lebensmittel für 1.185 kriegen.
Anders
vom Standpunkte des Gesamtkapitals. Für dieses erscheinen die 100 in
der Hand des Staates, die eine Nachfrage nach Kriegsmitteln
darstellen, als neues Absatzgebiet. Diese Geldsumme war ursprünglich
variables Kapital. Sie hat als solche ihren Dienst getan, sich gegen
lebendige Arbeit ausgetauscht, die Mehrwert erzeugt hat. Hinterdrein
unterbricht sie die Zirkulation des variablen Kapitals, löst sich von
ihr ab und erscheint im Besitze des Staates als neue Kaufkraft wieder.
Gleichsam aus nichts erschaffen, wirkt sie genauso wie ein
neuerschlossenes Absatzgebiet. <405>
Freilich, das Kapital wird zunächst um 100 geringeren Absatz an
Lebensmitteln für die Arbeiter haben. Für den Einzelkapitalisten ist
der Arbeiter auch ein ebenso guter Konsument und Warenabnehmer wie
jeder andere, wie ein Kapitalist, der Staat, der Bauer, "das Ausland"
usw. Vergessen wir jedoch nicht, daß für das Gesamtkapital die
Ernährung der Arbeiterklasse nur Malum necessarium, nur ein Umweg zum
eigentlichen Zweck der Produktion: zur Erzeugung und Realisierung des
Mehrwerts, ist. Gelingt es, dieselbe Menge Mehrwert herauszupressen,
ohne der Arbeitskraft dieselbe Menge Lebensmittel zuführen zu müssen,
um so glänzender das Geschäft. Es läuft zunächst auf dasselbe hinaus,
wie wenn es - ohne Lebensmittelteuerung - dem Kapital gelungen wäre,
die Geldlöhne entsprechend herabzudrücken, ohne die Leistung der
Arbeiter zu verringern. Zieht doch dauernde Lohnreduktion gleichfalls
im weiteten Gefolge die Einschränkung der Lebensmittelproduktion nach
sich. Sowenig sich das Kapital graue Haare wachsen laßt, daß es
weniger Lebensmittel für die Arbeiter wird produzieren müssen, wenn es
an ihren Löhnen Beutelschneiderei treibt, vielmehr diesem Geschäft bei
jeder Gelegenheit mit Lust und Liebe nachgeht, ebensowenig verursacht
es dem Kapital im ganzen Beschwerden, daß die Arbeiterklasse dank der
indirekten Besteuerung, die nicht durch Lohnerhöhungen wettgemacht
wird, eine geringere Nachfrage nach Lebensmitteln darstellt. Freilich
bleibt bei direkten Lohnreduktionen die Differenz an variablem Kapital
in der Tasche des Kapitalisten und vergrößert, bei gleichbleibenden
Warenpreisen, den relativen Mehrwert, während sie jetzt in die
Staatskasse wandert. Allein andererseits sind allgemeine und dauernde
Reduktionen an Geldlöhnen zu allen Zeiten, namentlich aber bei hoher
Entwicklung der gewerkschaftlichen Organisationen, nur selten
durchführbar. Der fromme Wunsch des Kapitals stößt hier auf starke
Schranken sozialer und politischer Natur. Hingegen setzt sich die
Herabdrückung der Reallöhne vermittelst der indirekten Besteuerung
prompt, glatt und generell durch, worauf sich der Widerstand meist
erst nach längerer Zeit, auf politischem Gebiete und ohne
unmittelbares ökonomisches Resultat zu äußern pflegt. Ergibt sich
daraus hinterdrein eine Einschränkung der Lebensmittelproduktion, so
erscheint das Geschäft vom Standpunkte des Gesamtkapitals nicht als
ein Verlust an Absatz, sondern als eine Ersparnis an Unkosten bei der
Produktion von Mehrwert. Die Herstellung von Lebensmitteln für
Arbeiter ist eine Bedingung sine qua non der Produktion des Mehrwerts,
nämlich die Reproduktion der lebendigen Arbeitskraft, niemals aber ein
Mittel der Realisierung des Mehrwerts.
<406> Nehmen wir
unser Beispiel wieder auf:
|
I. |
5.000 c + |
1.000 v + |
1.000 m = |
7.000 |
Produktionsmittel. |
|
II: |
1.430 c + |
285 v + |
285 m = |
2.000 |
Konsummittel. |
Auf
den ersten Blick scheint es, als ob hier die Abteilung II auch bei der
Herstellung der Konsumtionsmittel für die Arbeiter Mehrwert erzeugen
und realisieren würde, ebenso die Abteilung I, sofern sie
Produktionsmittel herstellt, die zu jener Produktion von Lebensmitteln
erforderlich sind. Doch der Schein verschwindet, wenn wir das
gesellschaftliche Gesamtprodukt betrachten. Dieses stellt sich so dar:
6.430 c + 1.285 v + 1.285 m = 9.000.
Nun
träte eine Verringerung der Konsumtion der Arbeiter um 100 ein. Die
Verschiebung in der Reproduktion infolge der entsprechenden
Einschränkung beider Abteilungen wird sich so ausdrücken:
|
I. |
4.949,00 c + |
989,75 v + |
989,75 m = |
6.928,50 |
|
II: |
1.358,50 c + |
270,75 v + |
270,75 m = |
1.900,00 |
Und
das gesellschaftliche Gesamtprodukt: 6.307,5 c + 1.260,5 v + 1.260,5 m
= 8.828,5.
Es ist
auf den ersten Blick ein allgemeiner Ausfall in dem Produktionsumfang
und auch in der Produktion von Mehrwert zu konstatieren. Dies aber
nur, solange wir abstrakte Wertgrößen in der Gliederung des
Gesamtprodukts, nicht seine sachlichen Zusammenhänge im Auge haben.
Sehen wir näher zu, dann stellt sich heraus, daß der Ausfall gänzlich
die Erhaltungskosten der Arbeitskraft und nur diese berührt. Es werden
nunmehr weniger Lebensmittel und Produktionsmittel hergestellt, diese
dienten aber ausschließlich dazu, Arbeiter zu erhalten. Es wird jetzt
ein geringeres Kapital beschäftigt und ein geringeres Produkt
hergestellt. Aber Zweck der kapitalistischen Produktion ist nicht,
schlechthin ein möglichst großes Kapital zu beschäftigen, sondern
einen möglichst großen Mehrwert zu erzielen. Das Defizit an Kapital
ist aber hier nur dadurch entstanden, daß die Erhaltung der Arbeiter
ein geringeres Kapital erfordert. Wenn früher 1.285 der Wertausdruck
der gesamten Erhaltungskosten der beschäftigten Arbeiter in der
Gesellschaft war, so muß der nun entstandene Ausfall im Gesamtprodukt
= 171,5 (9.000 - 8.828,5) ganz von diesen Erhaltungskosten abgezogen
werden, und wir bekommen dann die veränderte Zusammensetzung des
gesellschaftlichen Produkts: 6.430 c + 1.113,5 v + 1.285 m = 8.828,5.
Das
konstante Kapital und der Mehrwert blieben unverändert, das
<407> variable Kapital der Gesellschaft, die
bezahlte Arbeit allein hat sich verringert. Oder, da die unveränderte
Größe des konstanten Kapitals frappieren mag, nehmen wir, wie es auch
exakt dem Vorgang entspricht, eine der Verringerung der Lebensmittel
der Arbeiter entsprechende Verringerung des konstanten Kapitals an,
dann erhalten wir die folgende Gliederung des gesellschaftlichen
Gesamtprodukts: 6.307,5 c + 1.236 v + 1.285 m = 8.828,5.
Der
Mehrwert bleibt in beiden Fällen unverändert, trotz der Verringerung
des Gesamtprodukts, denn die Erhaltungskosten der Arbeiter und nur
diese haben sich verringert.
Die
Sache läßt sich auch so darstellen. Das gesellschaftliche
Gesamtprodukt kann seinem Werte nach in drei proportionelle Teile
eingeteilt werden, die jeweilig ausschließlich das gesamte konstante
Kapital der Gesellschaft, das gesamte variable Kapital und den
gesamten Mehrwert repräsentieren. Und zwar so, wie wenn in der ersten
Portion Produkte nicht ein Atom neu hinzugetretene Arbeit, in der
zweiten und dritten nicht ein Atom Produktionsmittel erhalten wäre. Da
diese Produktenmasse als solche, ihrer Sachgestalt nach, ganz das
Ergebnis der gegebenen Produktionsperiode, aus der sie hervorgegangen
ist, so kann man - obwohl das konstante Kapital als Wertgröße Resultat
früherer Produktionsperioden ist und nur auf neue Produkte übertragen
wird - auch die gesamte Anzahl der beschäftigten Arbeiter in drei
Kategorien einteilen: in solche, die ausschließlich das gesamte
konstante Kapital der Gesellschaft herstellen, in solche, deren
ausschließlicher Beruf es ist, für die Erhaltung sämtlicher Arbeiter
zu sorgen, endlich in solche, die ausschließlich den gesamten Mehrwert
der Kapitalistenklasse schaffen.
Erfolgt eine Einschränkung der Konsumtion der Arbeiter, dann wird nur
aus der zweiten Kategorie eine entsprechende Anzahl Arbeiter
entlassen. Aber diese Arbeiter schaffen von vornherein keinen Mehrwert
für das Kapital, ihre Entlassung ist also vom Standpunkt des Kapitals
kein Verlust, sondern ein Gewinn, Verminderung der Kosten der
Mehrwertproduktion.
Hingegen winkt der gleichzeitig entstehende Absatz auf seiten des
Staates mit allen Reizen eines neuen Gebietes zur Realisierung des
Mehrwerts. Ein Teil der in der Zirkulation des variablen Kapitals
begriffenen Geldsumme springt aus der Bahn dieser Zirkulation heraus
und stellt in der Hand des Staates eine neue Nachfrage dar. Daß
steuertechnisch der Vorgang ein anderer, nämlich der Betrag der
indirekten Steuern faktisch von dem Kapital dem Staate vorgestreckt
und erst bei dem Warenkauf <408> im Preis
vom Konsumenten dem Kapitalisten zurückerstattet wird, ändert nichts
an der ökonomischen Seite des Vorgangs. Ökonomisch ist es
entscheidend, daß die als variables Kapital fungierende Geldsumme erst
den Austausch zwischen Kapital und Arbeitskraft vermittelt, um
hinterher, bei dem Austausch zwischen Arbeiter als Konsumenten und
Kapitalist als Warenverkäufer, zu einem Teil aus der Hand des
Arbeiters an den Staat als Steuer zu wandern. Die von dem Kapital in
die Zirkulation geworfene Geldsumme erfüllt damit erst vollauf ihre
Funktion im Austausch mit der Arbeitskraft, um darauf in der Hand des
Staates eine ganz neue Laufbahn zu beginnen, nämlich als fremde, dem
Kapital wie dem Arbeiter äußerliche Kaufkraft, die sich auf neue
Produkte, auf einen besonderen Zweig der Produktion richtet, der weder
zur Erhaltung der Kapitalistenklasse noch zur Erhaltung der
Arbeiterklasse dient und in dem das Kapital daher eine neue
Gelegenheit findet, Mehrwert sowohl zu erzeugen wie zu realisieren.
Früher, als wir die Verwendung der aus dem Arbeiter ausgepreßten
indirekten Steuern zu Gehältern für Staatsbeamte und zur Versorgung
des Heeres betrachteten, hat sich herausgestellt, daß die "Ersparnis"
an der Konsumtion der Arbeiterklasse ökonomisch dazu führt, die Kosten
der persönlichen Konsumtion des Anhangs der Kapitalistenklasse und der
Werkzeuge ihrer Klassenherrschaft von den Kapitalisten auf die
Arbeiter, vom Mehrwert auf das variable Kapital abzuschieben und im
gleichen Maße den Mehrwert für Kapitalisierungszwecke frei zu machen.
Jetzt sehen wir, wie die Verwendung der dem Arbeiter abgepreßten
Steuern zur Herstellung von Kriegsmitteln dem Kapital eine neue
Möglichkeit der Akkumulation bietet.
Praktisch wirkt der Militarismus auf Grundlage der indirekten Steuern
nach beiden Richtungen, indem er auf Kosten der normalen
Lebensbedingungen der Arbeiterklasse sowohl die Erhaltung der Organe
der Kapitalsherrschaft, der stehenden Heere, wie das großartigste
Akkumulationsgebiet des Kapitals sichert.(4)
Wenden
wir uns an die zweite Quelle der Kaufkraft des Staates, in unserem
Beispiel die 150 von dem Gesamtbetrag der 250, die in Kriegsmitteln
angelegt werden. Die 150 unterscheiden sich wesentlich von der bis
jetzt betrachteten Summe von 100. Sie rühren nicht von den Arbeitern,
<409> sondern vom Kleinbürgertum -
Handwerkern und Bauern - her. (Von dem relativ kleinen Anteil der
Kapitalistenklasse selbst an den Steuern sehen wir hier ab.)
Die
von der Bauernmasse - die wir hier als Vertreterin der
nichtproletarischen Konsumentenmasse nehmen wollen - an den Staat in
Gestalt von Steuern abgeführte Geldsumme ist nicht ursprünglich vom
Kapital vorgeschossen und löst sich nicht von der Kapitalzirkulation
ab. Sie ist in der Hand der Bauernmasse das Äquivalent realisierter
Waren, Wertniederschlag der einfachen Warenproduktion. Was hier auf
den Staat übertragen wird, ist ein Teil der Kaufkraft
nichtkapitalistischer Konsumenten, also Kaufkraft, die von vornherein
dem Kapital dazu dient, für Zwecke der Akkumulation den Mehrwert zu
realisieren. Es fragt sich, ob sich für das Kapital aus der
Übertragung der Kaufkraft dieser Schichten auf den Staat zu
militaristischen Zwecken ökonomische Veränderungen ergeben und welcher
Art. Auf den ersten Blick handelt es sich auch hier um Verschiebungen
in der sachlichen Gestalt der Reproduktion. Statt einer Menge
Produktionsmittel und Lebensmittel für die bäuerlichen Konsumenten
wird das Kapital im gleichen Wertbetrage Kriegsmittel für den Staat
produzieren. Tatsächlich ist die Verschiebung eine tiefergreifende.
Vor allem wird die durch den Mechanismus der Besteuerung vom Staate
flüssig gemachte Kaufkraft der nichtkapitalistischen Konsumenten
quantitativ eine viel größere sein als die, welche für ihre eigene
Konsumtion tatsächlich auftreten würde.
Es ist
ja das moderne Steuersystem selbst, das in hohem Maße bei den Bauern
die Warenwirtschaft erst erzwingt. Der Druck der Besteuerung zwingt
den Bauern, fortschreitend einen immer größeren Teil seines Produkts
in Ware zu verwandeln, macht ihn aber auch gleichzeitig immer mehr zum
Käufer, treibt das Produkt der Bauernwirtschaft durch die Zirkulation
und verwandelt zwangsweise die Bauern erst in Abnehmer auch für
Kapitalprodukte. Ferner auch unter der Voraussetzung der bäuerlichen
Warenproduktion entlockt das Steuersystem der Bauernwirtschaft eine
größere Kaufkraft, als sie sich ohnehin aktiv betätigen würde.
Was
sonst als Ersparnis der Bauern, des kleinen Mittelstandes aufgeschatzt
wäre, um in Sparkassen und Banken das anlagesuchende Kapital zu
vergrößern, wird jetzt im Besitze des Staates umgekehrt eine Nachfrage
und Anlagemöglichkeit für das Kapital. Ferner tritt hier an Stelle
einer großen Anzahl kleiner zersplitterter und zeitlich
auseinanderfallender Warennachfragen, die vielfach auch durch die
einfache Warenproduktion befriedigt wären, also für die
Kapitalakkumulation nicht in Betracht <410>
kämen, eine zur großen einheitlichen kompakten Potenz zusammengefaßte
Nachfrage des Staates. Diese setzt aber zu ihrer Befriedigung von
vornherein die Großindustrie auf höchster Stufenleiter, also für die
Mehrwertproduktion und Akkumulation günstigste Bedingungen voraus. In
Gestalt der militaristischen Aufträge des Staates wird die zu einer
gewaltigen Größe konzentrierte Kaufkraft der Konsumentenmassen
außerdem der Willkür, den subjektiven Schwankungen der persönlichen
Konsumtion entrückt und mit einer fast automatischen Regelmäßigkeit,
mit einem rhythmischen Wachstum begabt. Endlich befindet sich der
Hebel dieser automatischen und rhythmischen Bewegung der
militaristischen Kapitalproduktion in der Hand des Kapitals selbst -
durch den Apparat der parlamentarischen Gesetzgebung und des zur
Herstellung der sogenannten öffentlichen Meinung bestimmten
Zeitungswesens. Dadurch scheint dieses spezifische Gebiet der
Kapitalakkumulation zunächst von unbestimmter Ausdehnungsfähigkeit.
Während jede andere Gebietserweiterung des Absatzes und der
Operationsbasis für das Kapital in hohem Maße von geschichtlichen,
sozialen, politischen Momenten abhängig ist, die außerhalb der
Willenssphäre des Kapitals spielen, stellt die Produktion für den
Militarismus ein Gebiet dar, dessen regelmäßige stoßweise Erweiterung
in erster Linie in den bestimmenden Willen des Kapitals selbst gegeben
zu sein scheint.
Die
geschichtlichen Notwendigkeiten der verschärften Weltkonkurrenz des
Kapitals um seine Akkumulationsbedingungen verwandeln sich so für das
Kapital selbst in ein erstklassiges Akkumulationsfeld. Je energischer
das Kapital den Militarismus gebraucht, um die Produktionsmittel und
Arbeitskräfte nichtkapitalistischer Länder und Gesellschaften durch
die Welt- und Kolonialpolitik sich selbst zu assimilieren, um so
energischer arbeitet derselbe Militarismus daheim, in den
kapitalistischen Ländern, dahin, den nichtkapitalistischen Schichten
dieser Länder, d.h. den Vertretern der einfachen Warenproduktion,
sowie der Arbeiterklasse fortschreitend die Kaufkraft zu entziehen,
d.h., die ersteren immer mehr der Produktivkräfte zu berauben, die
letztere in ihrer Lebenshaltung herabzudrücken, um auf beider Kosten
die Kapitalakkumulation gewaltig zu steigern. Von beiden Seiten
schlagen aber die Bedingungen der Akkumulation auf einer gewissen Höhe
in Bedingungen des Untergangs für das Kapital um.
Je
gewalttätiger das Kapital vermittelst des Militarismus draußen in der
Welt wie bei sich daheim mit der Existenz nichtkapitalistischer
Schichten aufräumt und die Existenzbedingungen aller arbeitenden
Schichten <411> herabdrückt, um so mehr
verwandelt sich die Tagesgeschichte der Kapitalakkumulation auf der
Weltbühne in eine fortlaufende Kette politischer und sozialer
Katastrophen und Konvulsionen, die zusammen mit den periodischen
wirtschaftlichen Katastrophen in Gestalt der Krisen die Fortsetzung
der Akkumulation zur Unmöglichkeit, die Rebellion der internationalen
Arbeiterklasse gegen die Kapitalsherrschaft zur Notwendigkeit machen
werden, selbst ehe sie noch ökonomisch auf ihre natürliche
selbstgeschaffene Schranke gestoßen ist.
Der
Kapitalismus ist die erste Wirtschaftsform mit propagandistischer
Kraft, eine Form, die die Tendenz hat, sich auf dem Erdrund
auszubreiten und alle anderen Wirtschaftsformen zu verdrängen, die
keine andere neben sich duldet. Er ist aber zugleich die erste, die
allein, ohne andere Wirtschaftsformen als ihr Milieu und ihren
Nährboden, nicht zu existieren vermag, die also gleichzeitig mit der
Tendenz, zur Weltform zu werden, an der inneren Unfähigkeit
zerschellt, eine Weltform der Produktion zu sein. Er ist ein
lebendiger historischer Widerspruch in sich selbst, seine
Akkumulationsbewegung ist der Ausdruck, die fortlaufende Lösung und
zugleich Potenzierung des Widerspruchs. Auf einer gewissen Höhe der
Entwicklung kann dieser Widerspruch nicht anders gelöst werden als
durch die Anwendung der Grundlagen des Sozialismus - derjenigen
Wirtschaftsform, die zugleich von Hause aus Weltform und in sich ein
harmonisches System, weil sie nicht auf die Akkumulation, sondern auf
die Befriedigung der Lebensbedürfnisse der arbeitenden Menschheit
selbst durch die Entfaltung aller Produktivkräfte des Erdrundes
gerichtet sein wird.
Fußnoten:
(1) Diese Annahme
macht z B. in der Tat Dr. Renner zur Grundlage seiner Schrift über die
Steuern. "Alles, was in einem Jahre an Werten geschaffen wird", sagt
er, "spaltet sich in diese vier Teile. Und also können die Steuern
eines Jahres nur aus ihnen geschöpft werden: Profit, Zins, Rente und
Lohn sind die vier besonderen Steuerquellen." (Das arbeitende Volk und
die Steuern, Wien 1909, S. 9.) Renner erinnert sich zwar gleich darauf
den Existenz der Bauern, erledigt sie aber mit einem Satz: "Ein Bauer
zum Beispiel ist zugleich Unternehmer, Arbeiter und Grundeigentümer,
er bezieht in seinem Wirtschaftsvertrag unter einem den Lohn,
den Profit und die Rente." Es ist klar, daß eine solche Spaltung des
Bauerntums in alle Kategorien der kapitalistischen Produktion und die
Betrachtung des Bauern als seines eigenen Unternehmers,. Lohnarbeiters
und Grundherrn in einer Person eine blutleere Abstraktion ist. Die
ökonomische Besonderheit des Bauerntums - will man es schon, wie
Renner, als eine unterschiedslose Kategorie behandeln - besteht gerade
darin, daß es weder zum kapitalistischen Unternehmertum noch zum
Lohnproletariat gehört und daß es nicht kapitalistische sondern
einfache Warenproduktion repräsentiert. <=
(2) Die Behandlung
der Kartelle und Trusts als eine spezifischen Erscheinung der
imperialistischen Phase auf dem Boden des inneren Konkurrenzkampfes
zwischen einzelnen Kapitalgruppen um die Monopolisierung der
vorhandenen Akkumulatiosgebiete und um die Verteilung des Profits
liegt außerhalb des Rahmens dieser Arbeit. <=
(3) In einer von
den russischen Marxisten seinerzeit sehr gefeierten Antwort an
Woronzow schrieb z.B. Professor Manuilow:
"Hier muß streng unterschieden werden
zwischen der Unternehmergruppe, die Gegenstände des Kriegsbedarfs
herstellt, und der Gesamtheit der Kapitalistenklasse. Für die
Fabrikanten, die Kanonen, Gewehre und sonstiges Kriegsmaterial
produzieren, ist die Existenz des Militärs zweifellos vorteilhaft und
unentbehrlich. Es ist sehr wohl möglich, daß die Abschaffung des
Systems des bewaffneten Friedens für die Firma Krupp einen Ruin
bedeuten würde, es handelt sich aber nicht um irgendeine besondere
Gruppe von Unternehmen, sondern lediglich um die Kapitalisten als
Klasse, um die kapitalistische Produktion im ganzen." Von diesem
letzteren Standpunkte aber sei zu bemerken, daß "wenn die Steuerlast
vorwiegend auf der Masse der arbeitenden Bevölkerung liegt, jede
Vergrößerung dieser Last die Kaufkraft der Bevölkerung, damit aber
auch die Nachfrage nach Waren verringert". Diese Tatsache beweise, "daß
der Militarismus vom Standpunkte der Produktion des Kriegsmaterials
betrachtet, wohl die einen Kapitalisten bereichert, die anderen aber
schädigt, auf der einen Seite einen Gewinn, auf der anderen aber einen
Verlust bedeutet". "Der Bote der Jurisprudenz", 1890, Heft I:
Militarismus und Kapitalismus.) <=
(4) Im Endergebnis
führt die Verkümmerung der normalen Bedingungen, unter denen sich die
Arbeitskraft erneuert, zur Verkümmerung der Arbeitskraft selbst, zur
Verminderung ihrer durchschnittlichen Intensität und Produktivität,
also auch zur Gefährdung der Bedingungen der Mehrwertproduktion.
Allein diese weiteren Resultate, die erst nach längeren Zeitperioden
dem Kapital fühlbar werden, fallen in seinen ökonomischen Berechnungen
zunächst nicht ins Gewicht. Sie äußern sich freilich unmittelbar in
einer allgemeinen Verschärfung der Abwehrreaktionen der Lohnarbeiter.
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