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Der „Bund der Kommunisten“ war die erste
internationale revolutionäre Organisation der ArbeiterInnenklasse, der
Vorläufer der I. Internationale und zugleich die erste revolutionäre
ArbeiterInnenpartei, die auf dem Boden des wissenschaftlichen
Sozialismus stand.
Der Bund, der von 1847 bis 1852 existierte, bildete
sich unter der direkten Einwirkung von Karl Marx und Friedrich Engels,
stand unter ihrem maßgeblichen Einfluss und zeitweise auch unter ihrer
Leitung. Dem Bund gehörten rund 800 Mitglieder verschiedener
Nationalitäten an, vorwiegend Handwerksgesellen.
Unter den Bedingungen fehlender
bürgerlich-demokratischer Rechte wirkte der Bund als
Geheimorganisation, verstand es jedoch, in legalen Arbeitervereinen zu
wirken und seine Auffassungen durch die Presse zu verbreiten. Sein
Ziel war die Verbreitung marxistischer Erkenntnisse in der
ArbeiterInnenbewegung und die Bildung revolutionärer proletarischer
Massenparteien. „Der Bund der Kommunisten war … eine Gesellschaft, die
die Organisation der proletarischen Partei im geheimen
bewerkstelligte“, schreibt Marx. (MEW 8, S. 461)
Die Gründung des Bundes erfolgte auf zwei
Kongressen in London 1847 durch eine grundlegende Umgestaltung des
1836 gegründeten „Bundes des Gerechten“. Der erste Bundeskongress
(2.-9.6.1847), auf dem Friedrich Engels und Wilhelm Wolff die
marxistischen Kräfte vertraten, beschloss die Umbenennung und die neue
Bundeslosung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“. Er
unterbreitete den Entwurf neuer Statuten und einen in wesentlichen
Teilen von Engels formulierten Programmentwurf zur Diskussion und
legte die Herausgabe eines theoretischen Organs fest.
Auf dem zweiten Kongress (29.11-8.12.1847), zu dem
Marx und Engels delegiert waren, setzten sich ihre theoretischen
Auffassungen endgültig durch. Beide wurden mit der Ausarbeitung des
„Manifests der Kommunistischen Partei“ beauftragt. Neue Statuten des
Bundes, die auf den Grundsätzen des demokratischen Zentralismus
beruhten, wurden angenommen.
Nach Ausbruch der Pariser Februarrevolution 1848
übernahmen Marx und Engels unmittelbar die Führung des Bundes. Die von
ihnen verfassten „Forderungen der Kommunistischen Partei in
Deutschland“ (veröffentlicht Ende März 1848) waren die politische
Plattform des Bundes während der Revolution von 1848/49 in
Deutschland. Der Bund forderte u.a. die Erklärung Deutschlands zu
einer einigen, unteilbaren Republik, die allgemeine Volksbewaffnung,
die entschädigungslose Aufhebung aller Feudallasten, die Umwandlung
aller fürstlichen und anderen feudalen Landgüter, aller Bergwerke,
Gruben und Transportmittel in Staatseigentum, die völlige Trennung von
Kirche und Staat, die Einrichtung von Nationalwerkstätten, die
Garantie der Existenz für alle ArbeiterInnen durch den Staat sowie die
allgemeine unentgeltliche Volkserziehung. Diese Forderungen
orientierten alle demokratischen Kräfte auf den gemeinsamen Kampf.
Die durch die Revolution erkämpften
bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten gestatteten zur
öffentlichen Tätigkeit überzugehen. Die Mitglieder des Bundes kämpften
auf dem linken Flügel der demokratischen Bewegung für eine konsequente
Vollendung der Revolution und waren zugleich bestrebt, in der
politisch noch unklaren proletarischen Massenbewegung das
Klassenbewusstsein zu fördern. In der „Neuen Rheinischen Zeitung“,
deren Redaktion den führenden Kern des Bundes bildete und die faktisch
die Aufgaben der Zentralbehörde wahrnahm, schuf sich der Bund hierfür
eine wirksame Position. Sie war die erste selbständige Zeitung der
deutschen ArbeiterInnenklasse
Nach dem Scheitern eines ersten Versuchs zur
Bildung einer politischen ArbeiterInnenorganisation im nationalen
Rahmen im Frühjahr 1848 ergriffen Marx und Engels Anfang 1849, nachdem
die ArbeiterInnen in der Revolution politische Erfahrungen gesammelt
hatten, erneut organisatorische Maßnahmen zur Schaffung einer breiten,
öffentlichen deutschen ArbeiterInnenpartei. Diese Entwicklung wurde
durch die Kämpfe der Reichsverfassungskampagne (Mai-Juni 1849), an der
sich die Mitglieder des Bundes hervorragend beteiligten, abgebrochen.
Nach der Niederlage der Revolution wurde Ende
August/Anfang September 1849 in London unter der Leitung von Marx eine
neue Zentralbehörde gebildet, die die Reorganisation des Bundes in
Angriff nahm. Marx und Engels verallgemeinerten die Erfahrungen der
Revolution und legten die Aufgaben des Bundes dar. Die Zeitschrift des
Bundes, die „Neue Rheinische Zeitung – Politisch-ökonomische Revue“,
diente der Verbreitung der Lehren der Revolution.
In der von Marx und Engels verfassten „Ansprache
der Zentralbehörde an den Bund“ vom März 1850 grenzte sich der Bund
entschieden von der kleinbürgerlichen Demokratie ab und trat für eine
von bürgerlichen Einflüssen freie ArbeiterInnenpartei ein. Die
Mitglieder des Bundes gewannen zunehmend Einfluss auf die in
Deutschland noch existierenden Arbeitervereine. Im September 1850
spaltete sich die kleinbürgerliche Fraktion unter August Willich und
Karl Schapper vom Bund ab. Die Zentralbehörde wurde nach Köln verlegt.
Die im Mai 1851 einsetzenden Verhaftungen
zahlreicher Mitglieder des Bundes durch die Polizei brachte die
Organisation in Deutschland fast zum Erliegen. Der Kölner
Kommunistenprozess (4.10.-12.11.1852) gegen zwölf führende Mitglieder
des Bundes war die erste Verschwörung der deutschen Reaktion gegen die
ArbeiterInnenbewegung. Marx entlarvte die Fälschungen der Polizei und
die Unhaltbarkeit der Anklage. Dennoch wurden die Angeklagten zum Teil
zu hohen Festungsstrafen verurteilt.
Im November 1852
löste sich auf Antrag von Marx die Organisation des Bundes der
Kommunisten in London auf. Angesichts der neuen Bedingungen des
Klassenkampfes wurde seine Fortdauer auch auf dem Kontinent für nicht
mehr zeitgemäß erklärt. Der Bund hatte den Grundstein für die weitere
Entwicklung der revolutionären ArbeiterInnenbewegung gelegt. In
Programm, Politik und Organisation wurde er zum Vorbild für alle
späteren revolutionären ArbeiterInnenparteien. Programm und
Zusammensetzung machten ihn zu einer internationalen Organisation der
ArbeiterInnenklasse und damit zum Vorläufer der I. Internationale. Er
war eine Schule revolutionärer politischer Kader. Als die
ArbeiterInnenbewegung in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts einen
erneuten Aufschwung nahm, spielten in ihr neben Marx und Engels
zahlreiche weitere ehemalige Mitglieder des Bundes eine hervorragende
Rolle.
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