Das Datum des 11. Septembers steht nicht nur seit den Anschlägen auf
das World Trade Center in New York am 11.9.2001 für einen
beispiellosen Terrorakt, sondern schon seit 1973 beispielhaft für den
offenen Terror des Imperialismus. Am 11. September 1973 putsche
Augusto Pinochet gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende,
das faschistische Terrorregime, das installiert wurde, bedeutete für
tausende ChilenInnen Tod, Folter und Vertreibung. Und es war der „rogue
state“ USA, der die Konterrevolution unterstützt und den Sturz
Allendes vorbereitet hat.
Antimonopolistische Politik und Militärputsch
Am 4. September 1970 gewann das linke Bündnis der Unidad Popular (UP)
in Chile die Wahlen, der Sozialist Allende wurde Präsident. Ziel der
Volksfrontregierung war die Schaffung einer demokratischen und
antimonopolistischen Republik, von deren Boden aus der Weg zum
Sozialismus beschritten werden sollte. In diesem Sinne wurden zunächst
konkrete antiimperialistische Maßnahmen initiiert. Als jedoch der
chilenische Kongress die Nationalisierung der Kupferminen, die
Verstaatlichung des Kohle- und Salpeterbergbaus, der Textil- und
Baustoffindustrie sowie des Bankwesens beschloss, als die Landreform
(4% der Bevölkerung verfügten über 80% des Bodens) in Angriff genommen
wurde, wurde der Kampf seitens der ausländischen Monopole und ihrer
imperialistischen Staaten, der bereits seit Allendes Amtsantritt mit
Sabotage und Attentaten begonnen hatte, kontinuierlich verschärft.
Verfügungsgewalt und Profite wesentlicher Konzerne waren in Gefahr:
von ITT, Pepsi, Kennecott und der Chase Manhattan Bank, aber auch der
deutschen Konzerne Bayer und Hoechst sowie der Dresdner Bank. Die
Pläne von ITT, der CIA und chilenischer Unternehmer zum Sturz der
Regierung waren bekannt und in einer Rede vor der UNO legte sie
Allende 1972 offen: „Sie wollen uns ökonomisch strangulieren,
diplomatische Sabotage betreiben, Panik in der Bevölkerung verursachen
und soziale Unruhen herbeiführen, damit, wenn die Regierung die
Kontrolle verliert, die bewaffneten Kräfte das demokratische Regime
eliminieren und eine Diktatur errichten könnten. Das ist, was wir eine
imperialistische Intervention nennen.“ Und genau so kam es ein
dreiviertel Jahr später auch. Die faschistischen Militärs führten am
11.9.1973 mit Hilfe der USA einen blutigen Militärputsch durch, bei
dem Allende ums Leben kam. Der Imperialismus und die Monopole konnten
wieder aufatmen. Westeuropäische Medien wie z.B. die Frankfurter
Allgemeine Zeitung vom 12.9.1973 stellten damals anerkennend fest: „Im
Augenblick der höchsten Gefahr konnten sich die Streitkräfte ihrer
Verantwortung nicht mehr länger entziehen. Sie können nur obsiegen,
wenn sie sofort und mit aller Schärfe reinen Tisch machen.“ In
Anlehnung an Rosa Luxemburg drängt sich die Bemerkung auf: Ordnung
herrscht in Santiago... – die imperialistische Ordnung des
Finanzkapitals.
Verantwortung und Methodik des US-Imperialismus
Die Drahtzieher von damals, Pinochet, US-Präsident Nixon und
Außenminister Henry Kissinger wurden freilich niemals zur
Verantwortung gezogen – letzterer ist sogar stolzer Träger des
Friedensnobelpreises. Wohl kaum für Billigung und Unterstützung von
Verbrechen wie sie in Chile geschahen. Wenn Kissinger angesichts
zahlloser Hinrichtungen und Folterungen im faschistischen Chile meint,
„dass der Regierungswechsel in Chile für uns insgesamt von Vorteil
war – selbst vom Standpunkt der Menschenrechte aus gesehen“, dann
spricht der US-Imperialismus wohl ausreichend für sich selbst. Diese
Ereignisse in Chile sind exemplarisch für die Aggressivität des
US-Imperialismus, wie er sich z.B. auch anhand der amerikanischen
Interventionspolitik in Kuba, Nicaragua, Guatemala und anderen Ländern
manifestierte. Dies alles geschieht immer im Interesse der mächtigen
US-Monopole. Luis Corvalán, Partner Allendes in der UP und
KP-Generalsekretär, schrieb bereits 1967: „Der nordamerikanische
Imperialismus greift zu Methoden der offenen und dreisten
Intervention. Über ein ganzes System von Militärpakten und Missionen
... verwirklicht der nordamerikanische Imperialismus eine direkte
bewaffnete Aggression gegen den Befreiungskampf der ... Völker. Und zu
diesem Zweck ist der Imperialismus zu allem bereit.“
Lehren der Niederlage der Unidad Popular
Bei seinem Amtsantritt sagte Allende: „Als Sozialisten wissen wir
aus der Theorie, welches die Kräfte sind, die historische
Veränderungen bewirken. Engels drückte es so aus: ‚Man kann sich
vorstellen, die alte Gesellschaft könne friedlich in die neue
hineinwachsen in den Ländern, wo die Volksvertretung alle Macht in
sich konzentriert, wo man verfassungsgemäß tun kann, was man will,
sobald man die Majorität des Volkes hinter sich hat.’“ Die
praktische Erfahrung der Geschichte hat diese Einschätzung im
Zeitalter des Imperialismus mit aller Deutlichkeit widerlegt. Dennoch
– und das ist die wesentliche Erkenntnis für zielbewusste
SozialistInnen – ist damit die Strategie der antimonopolistischen
Bündnispolitik und das Anstreben der antimonopolistischen Demokratie
als Etappe auf dem Weg zum Sozialismus als eine richtige bestätigt.
Das beweist eben gerade die Notwendigkeit des brutalen Eingreifens für
den Imperialismus. Und genau darauf müssen nun zukünftig alle
antimonopolistischen, konsequent demokratischen und v.a. die
marxistischen Kräfte vorbereitet sein, darauf, dass der Kampf für die
antimonopolistische Demokratie wohl bereits über einen
antifaschistischen Abwehrkampf führen wird müssen. Der Widerstand
(resp. die antizipierte Gegenoffensive) des Monopolkapitals wird sich
aller repressiven und gewaltsamen Methoden bedienen und – hier traf
die UP-Führung wohl eine partielle Fehleinschätzung – das Militär
bleibt im kapitalistischen Staat immer das Militär der herrschenden
Klasse. Diesen Tatsachen ist das geistig und materiell
verteidigungsbereite und bewaffnete Volk selbst entgegenzustellen.
Gramsci stellte fest: „Nur die Bewaffnung der Arbeiter und der
Landarbeiter wird die Entwaffnung der faschistischen Militärs
ermöglichen können.“ Nur dann wird gesichert sein und tatsächlich
zutreffen, was Allende in seiner letzten Rede geäußert hat: „Man
kann weder durch Verbrechen noch durch Gewalt die gesellschaftlichen
Prozesse aufhalten. Die Geschichte gehört uns, es sind die Völker, die
sie machen.“