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Ist es
nun ratsam für jemanden, der kein Experte auf dem
Gebiet ökonomischer und sozialer Fragen ist, sich zum
Wesen des Sozialismus zu äußern? Ich denke aus einer
Reihe von Gründen, daß dies der Fall ist.
Laßt
uns die Frage vorerst vom Standpunkt der
wissenschaftlichen Erkenntnisse aus betrachten. Es mag
so erscheinen, als ob es keine wesentlichen
methodologischen Unterschiede zwischen Astronomie und
Ökonomie gäbe: Wissenschaftler beider Gebiete
versuchen allgemein akzeptable Gesetze für eine
begrenzte Anzahl von Phänomenen zu entdecken um deren
Zusammenhänge so verständlich wie möglich zu machen.
Aber in Wirklichkeit existieren solche
methodologischen Unterschiede. Die Entdeckung von
allgemeingültigen Gesetzen im Bereich der Ökonomie
wird dadurch erschwert, daß die zu betrachtenden
ökonomischen Phänomene von vielen Faktoren beeinflußt
sind, die einzeln schwer zu beurteilen sind. Außerdem
waren die Erfahrungen, die sich seit Beginn der
sogenannten "zivilisierten Periode" der menschlichen
Geschichte angesammelt haben - wie wir wissen - stark
von Faktoren beeinflußt und beschränkt, die keineswegs
ausschließlich ökonomischer Natur sind. Zum Beispiel
verdanken die größeren Staatengebilde ihre Existenz
den Eroberungen. Die erobernden Völker machten sich
selbst - gesetzlich und wirtschaftlich gesehen - zur
privilegierten Klasse des eroberten Landes. Sie
sicherten sich das Monopol an Landbesitz und ernannten
Priester aus ihren eigenen Reihen. Diese Priester -
die die Macht über das Erziehungswesen hatten -
institutionalisierten die Teilung der Gesellschaft in
Klassen und schufen ein Wertesystem, das die Menschen
von da an - in einem hohen Grad unbewußt - in ihrem
sozialen Verhalten leitete.
Aber
auch wenn diese historische Tradition eigentlich der
Vergangenheit angehört, haben wir das, was Thorstein
Veblen die "räuberische Phase" der menschlichen
Entwicklung nannte, nirgends wirklich überwunden. Die
wahrnehmbaren ökonomischen Fakten gehören zu eben
dieser Phase und selbst diejenigen Gesetze, die wir
aus ihnen ableiten können sind nicht auf andere Phasen
anwendbar. Da es das reale Ziel des Sozialismus ist,
genau über diese räuberische Phase menschlicher
Entwicklung zu siegen und diese zu überwinden, kann
die heutige wissenschaftliche Ökonomie wenig Licht auf
die zukünftige sozialistische Gesellschaft werfen.
Zum
Zweiten ist der Sozialismus auf ein sozial-ethisches
Ziel ausgerichtet. Wissenschaft kann jedoch keine
Ziele schaffen, geschweige denn sie den Menschen
einflößen:
Wissenschaft kann bestenfalls die Mittel liefern, mit
denen bestimmte Ziele erreicht werden können.
Aber
die Ziele selbst werden von Persönlichkeiten mit
hochgesteckten ethischen Idealen erdacht und - wenn
diese Ziele nicht totgeboren, sondern vital und
kraftvoll sind - werden sie von den vielen Menschen
übernommen und weitergetragen, die teilweise unbewußt
die langsame Weiterentwicklung der Gesellschaft
bestimmen.
Aus
diesen Gründen sollten wir auf der Hut sein und keine
Wissenschaft und wissenschaftliche Methode
überschätzen, wenn es um eine Frage der Probleme der
Menschheit geht; und wir sollten nicht davon ausgehen,
daß Experten die einzigen sind, die ein Recht darauf
haben, sich zu Fragen zu äußern, die die Organisation
der Gesellschaft betreffen.
Unzählige Stimmen behaupten seit geraumer Zeit, daß
nun, da die menschliche Gesellschaft eine Krise
durchmache, ihre Stabilität ernsthaft erschüttert
worden sei. Es ist charakteristisch für solch eine
Situation, daß sich Individuen gleichgültig oder sogar
feindlich gegenüber der kleinen oder großen Gruppe
verhalten, zu der sie gehören. Hierzu eine persönliche
Erfahrung: Ich erörterte vor kurzem mit einem
intelligenten und freundlich gesonnenen Mann die
Bedrohung durch einen erneuten Krieg, der meiner
Meinung nach die Existenz der Menschheit ernsthaft
gefährden würde, und ich bemerkte, daß nur eine
supranationale Organisation Schutz vor dieser Gefahr
gewährleisten könnte. Daraufhin sagte mein Besucher -
sehr ruhig und gelassen - : "Warum bist du so vehement
gegen das Verschwinden der Menschheit?"
Ich bin
mir sicher, daß ein Jahrhundert früher niemand so
leicht eine derartige Bemerkung gemacht hätte. Es ist
die Aussage eines Mannes, der sich vergebens bemüht
hat, sein inneres Gleichgewicht zu finden und der mehr
oder weniger die Hoffnung auf Erfolg verloren hat. Es
ist der Ausdruck einer schmerzhaften Vereinsamung und
Isolation, an der so viele Leute in dieser Zeit
leiden. Was ist die Ursache? Gibt es einen Ausweg?
Es ist
einfach, solche Fragen aufzuwerfen, viel schwieriger
hingegen, sie mit Gewißheit zu beantworten. Doch das
muß ich versuchen, so gut ich kann, obwohl ich mir der
Tatsache bewußt bin, daß unsere Gefühle und unsere
Bestrebungen oft widersprüchlich und obskur sind und
daß sie nicht in einfachen Formeln ausgedrückt werden
können.
Der
Mensch ist gleichzeitig ein Einzel- und ein
Sozialwesen. Als ein Einzelwesen versucht er, seine
eigene Existenz und die derjenigen Menschen zu
schützen, die ihm am nächsten sind sowie seine
Bedürfnisse zu befriedigen und seine angeborenen
Fähigkeiten zu entwickeln. Als ein Sozialwesen
versucht er, die Anerkennung und Zuneigung seiner
Mitmenschen zu gewinnen, ihre Leidenschaften zu
teilen, sie in ihren Sorgen zu trösten und ihre
Lebensumstände zu verbessern. Allein die Existenz
dieser vielseitigen, häufig widerstreitenden
Bestrebungen macht den speziellen Charakter des
Menschen aus, und die jeweilige Kombination bestimmt,
inwieweit ein Individuum sein inneres Gleichgewicht
erreichen und damit etwas zum Wohl der Gesellschaft
beitragen kann. Es ist gut vorstellbar, daß die
relative Kraft dieser beiden Antriebe hauptsächlich
erblich bedingt ist. Aber die Persönlichkeit wird
letztlich weitestgehend von der Umgebung geformt, die
ein Mensch zufällig vorfindet, durch die
Gesellschaftsstruktur, in der er aufwächst, durch die
Traditionen dieser Gesellschaft und dadurch, wie
bestimmte Verhaltensweisen beurteilt werden. Der
abstrakte Begriff "Gesellschaft" bedeutet für den
einzelnen Menschen die Gesamtheit seiner direkten und
indirekten Beziehungen zu seinen Zeitgenossen den
Menschen früherer Generationen. Das Individuum allein
ist in der Lage, zu denken, zu fühlen, zu kämpfen,
selbständig zu arbeiten; aber es ist in seiner
physischen, intellektuellen und emotionalen Existenz
derart abhängig von der Gesellschaft, daß es unmöglich
ist, es außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens zu
betrachten. Es ist die "Gesellschaft" die den Menschen
Kleidung, Wohnung, Werkzeuge, Sprache, die Formen des
Denkens und die meisten Inhalte dieser Gedanken
liefert, sein Leben wird durch die Arbeit möglich
gemacht und durch die Leistungen der vielen Millionen
Menschen früher und heute, die sich hinter dem
Wörtchen "die Gesellschaft" verbergen.
Deshalb
ist die Abhängigkeit des Einzelnen von der
Gesellschaft ein Naturgesetz, das - wie im Falle von
Ameisen und Bienen - offenbar nicht einfach so
abgeschafft werden kann. Doch während der gesamte
Lebensprozeß von Ameisen und Bienen bis hin zum
kleinsten Detail an starre, erbliche Instinkte
gebunden ist, sind die sozialen Muster und die engen
sozialen Verbindungen der Menschen sehr empfänglich
für verschiedenste Veränderungen. Das Gedächtnis, die
Kapazität, Neues zu versuchen und die Möglichkeit,
mündlich zu kommunizieren haben für den Menschen
Entwicklungen möglich gemacht, die nicht von
biologischen Gegebenheiten diktiert wurden. Solche
Entwicklungen manifestieren sich in Traditionen,
Institutionen und Organisationen, in der Literatur, in
wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften,
in künstlerischen Arbeiten. Das erklärt, weshalb der
Mensch in einem gewissen Sinne sein Leben selbst
beeinflussen kann und daß in diesem Prozeß bewußtes
Denken und Wollen eine Rolle spielt.
Der
Mensch erwirbt mit der Geburt durch Vererbung eine
biologische Grundlage, die wir als fest und
unabänderlich betrachten müssen. Dies schließt die
natürlichen Triebe ein, die für die menschliche
Spezies charakteristisch sind. Darüber hinaus erwirbt
er während seines Lebens eine kulturelle Grundlage,
die er von der Gesellschaft durch Kommunikation und
durch viele andere Arten von Einflüssen übernimmt. Es
ist diese kulturelle Grundlage, die im Lauf der Zeit
Änderungen unterworfen ist, und die zu einem großen
Teil die Beziehungen zwischen dem Individuum und der
Gesellschaft bestimmt. Die moderne Anthropologie hat
uns durch vergleichende Untersuchungen der sogenannten
"primitiven Kulturen" gelehrt, daß das soziale
Verhaften von Menschen sehr unterschiedlich sein kann
und jeweils abhängig ist von den vorherrschenden
kulturellen Mustern und dem in der Gesellschaft
vorherrschenden Organisationstyp. Auf diese Tatsache
können diejenigen bauen, die das Los der Menschen
verbessern wollen: Menschen werden nicht durch ihre
biologischen Konstitution dazu verdammt, einander zu
vernichten oder auf Gedeih und Verderb einem
schrecklichen, selbst auferlegten Schicksal zu
erliegen.
Wenn
wir uns fragen, wie die Gesellschaftsstruktur und die
kulturelle Einstellung des Menschen geändert werden
soll, um das menschliche Leben so befriedigend wie
möglich zu machen, sollten wir uns immer bewußt sein,
daß es bestimmte Bedingungen gibt, die wir unmöglich
verändern können. Wie bereits erwähnt, sieht die
biologische Natur des Menschen in der Praxis keine
Änderung vor. Des weiteren haben technologische und
demographische Entwicklungen der letzten Jahrhunderte
Bedingungen geschaffen, die bleibend sind. Bei einer
relativ hohen Bevölkerungsdichte und mit Blick auf die
Waren, die für ihre Existenz unentbehrlich sind, sind
eine extreme Arbeitsteilung und ein hoch
zentralisierter Produktionsapparat unbedingt
notwendig. Die Zeiten, in denen Individuen oder
relativ kleine Gruppen völlig autark sein konnten -
und die zurückblickend so idyllisch erscheinen - sind
unwiderruflich vorbei. Es ist nur eine leichte
Übertreibung, zu behaupten, daß die Menschheit jetzt
sogar eine weltweite Gemeinschaft in Bezug auf
Produktion und Verbrauch bildet.
An
diesem Punkt angelangt kann ich kurz aufzeigen, was
für mich das Wesen der Krise unserer Zeit ausmacht. Es
betrifft die Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft.
Der Einzelne ist sich seiner Abhängigkeit von der
Gesellschaft bewußter als je zuvor. Aber er erfährt
diese Abhängigkeit nicht als etwas Positives,
Organisches, als Schutzgewalt, sondern eher als eine
Bedrohung seiner naturgegebenen Rechte, oder sogar
seiner ökonomischen Existenz. Außerdem ist seine
Stellung in der Gesellschaft so, daß die egoistischen
Triebe ständig hervorgehoben, während die sozialen
Triebe, die er von Natur aus hat, schwächer werden und
immer mehr verkümmern. Alle Menschen leiden unter
diesem Prozeß der Verschlechterung - ganz gleich
welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben. Als
unwissentlich Gefangene ihrer eigenen Ichbezogenheit
fühlen sie sich unsicher, einsam und des
ursprünglichen, einfachen und schlichten Genusses des
Lebens beraubt. Der Mensch kann den Sinn seines kurzen
und bedrohten Lebens nur innerhalb der Gesellschaft
finden.
Die
ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft
heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache
des Übels. Wir sehen vor uns eine riesige Gemeinschaft
von Erzeugern, deren Mitglieder unaufhörlich bestrebt
sind, einander die Früchte ihrer kollektiven Arbeit zu
entziehen, - nicht mit Gewalt, aber in getreuer
Einhaltung der gesetzlich feststehenden Regeln. In
dieser Hinsicht ist es wichtig, zu realisieren, daß
die Produktionsmittel - d.h. die ganze produktive
Kapazität, die für das Produzieren von
Verbrauchsgütern wie auch zusätzlichen
lnvestitionsgütern erforderlich ist, - gesetzlich
gesehen im privaten Besitz von Individuen sein können
und zum größten Teil ist das auch so.
Um es
einfacher zu machen werde ich im folgenden all jene
als "Arbeiter" bezeichnen, die kein Eigentum an
Produktionsmitteln besitzen - auch wenn dies nicht der
üblichen Verwendung des Ausdrucks entspricht. Der
Eigentümer der Produktionsmittel ist in einer
Position, in der er die Arbeitskraft des Arbeiters
kaufen kann. Mit den Produktionsmitteln produziert der
Arbeiter neue Waren, die ins Eigentum des Kapitalisten
übergehen. Wesentlich in diesem Prozeß ist die
Relation zwischen dem, was der Arbeiter verdient und
dem, was ihm dafür bezahlt wird - beides gemessen am
wirklichen Wert. Dadurch daß der Arbeitsvertrag
"offen" ist, wird das was der Arbeiter erhält nicht
vom wirklichen Wert der produzierten Waren bestimmt
sondern durch seinen Minimalbedarf und durch die
Erfordernisse des Kapitalisten im Zusammenhang mit der
Zahl der Arbeiter, die miteinander um die
Arbeitsplätze konkurrieren. Es ist wichtig, zu
verstehen, daß sogar in der [ökonomischen] Theorie die
Bezahlung des Arbeiters nicht vom Wert seines Produkts
bestimmt wird.
Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen Händen
konzentriert zu werden - teils aufgrund der Konkurrenz
zwischen den Kapitalisten und teils, weil die
technologische Entwicklung und die wachsende
Arbeitsteilung die Entstehung von größeren Einheiten
auf Kosten der kleineren vorantreiben. Das Ergebnis
dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie von privatem
Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer
demokratisch organisierten politischen Gesellschaft
überprüft werden kann. Dies ist so, da die Mitglieder
der gesetzgebenden Organe von politischen Parteien
ausgewählt sind, die im Wesentlichen von
Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig
beeinflußt werden und in der Praxis die Wähler von der
Legislative trennen. Die Folge ist, daß die
"Volksvertreter" die Interessen der
unterprivilegierten Schicht der Bevölkerung nicht
ausreichend schützen. Außerdem kontrollieren unter den
vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten
zwangsläufig direkt oder indirekt die
Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung). Es
ist deshalb äußerst schwierig und, für den einzelnen
Bürger in den meisten Fällen fast unmöglich, objektive
Schlüsse zu ziehen und in intelligenter Weise Gebrauch
von seinen politischen Rechten zu machen.
Die
Situation in einem Wirtschaftssystem, das auf dem
Privateigentum an Kapital basiert, wird durch zwei
Hauptprinzipien charakterisiert: erstens sind die
Produktionsmittel (das Kapital) in privatem Besitz,
und die Eigentümer verfügen darüber, wie es ihnen paßt;
zweitens ist der Arbeitsvertrag offen. Natürlich gibt
es keine rein kapitalistische Gesellschaft. Vor allem
sollte beachtet werden, daß es den Arbeitern durch
lange und bittere politische Kämpfe gelungen ist,
bestimmten Kategorien von Arbeitern, eine ein wenig
verbesserte Form des "nichtorganisierten
Arbeitervertrags" zu sichern. Aber als Ganzes genommen
unterscheidet sich die heutige Wirtschaft nicht sehr
von einem "reinem" Kapitalismus.
Die
Produktion ist für den Profit da - nicht für den
Bedarf. Es gibt keine Vorsorge dafür, daß all jene,
die fähig und bereit sind, zu arbeiten, immer Arbeit
finden können. Es gibt fast immer eine ,,Herr von
Arbeitslosen". Der Arbeiter lebt dauernd in der Angst,
seinen Job zu verlieren. Da arbeitslose und schlecht
bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt darstellen,
ist die Warenproduktion beschränkt und große Not ist
die Folge. Technologischer Fortschritt führt häufig zu
mehr Arbeitslosigkeit statt zu einem Milderung der
Last der Arbeit für alle. Das Gewinnmotiv ist in
Verbindung mit der Konkurrenz zwischen den
Kapitalisten für Instabilität in der Akkumulation und
Verwendung des Kapitals verantwortlich und dies
bedeutet zunehmende Depressionen. Unbegrenzte
Konkurrenz führt zu einer riesigen Verschwendung von
Arbeit und zu dieser Lähmung des sozialen Bewußtseins
von Individuen, die ich zuvor erwähnt habe.
Diese
Lähmung der Einzelnen halte ich für das größte Übel
des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet
darunter. Dem Studenten wird ein übertriebenes
Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu
ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung für
seine zukünftige Karriere anzusehen.
Ich bin
davon überzeugt, daß es nur einen Weg gibt, dieses
Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches
Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem
Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen
orientiert. in solch einer Wirtschaft gehören die
Produktionsmittel der Gesellschaft selbst und ihr
Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die
Produktion auf den Bedarf der Gemeinschaft einstellt,
würde die durchzuführende Arbeit unter all denjenigen
verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten und sie
würde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen
Lebensunterhalt garantieren. Die Bildung hätte zum
Ziel, daß die Individuen zusätzlich zur Förderung
ihrer eigenen angeborenen Fähigkeiten einen
Verantwortungssinn für die Mitmenschen entwickeln
anstelle der Verherrlichung von Macht und Erfolg in
unserer gegenwärtigen Gesellschaft.
Dennoch
ist es notwendig festzuhalten, daß eine Planwirtschaft
noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als
solche kann mit der totalen Versklavung des
Individuums einhergehen. Sozialismus erfordert die
Lösung einiger äußerst schwieriger sozio-politischer
Probleme: Wie ist es angesichts weitreichender
Zentralisierung politischer und ökonomischer Kräfte
möglich, eine Bürokratie daran zu hindern, allmächtig
und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des
Einzelnen geschützt und dadurch ein demokratisches
Gegengewicht zur Bürokratie gesichert werden?
In
unserem Zeitalter des Wandels ist Klarheit über die
Ziele und Probleme des Sozialismus von größter
Bedeutung. Da unter den gegenwärtigen Umständen die
offene und ungehinderte Diskussion dieser Probleme
einem allgegenwärtigen Tabu unterliegt halte ich die
Gründung dieser Zeitschrift für ausgesprochen wichtig. |
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Why Socialism?
(Monthly Review, May 1949)
Is it
advisable for one who is not an expert on economic
and social issues to express views on the subject of
socialism? I believe for a number of reasons that it
is.
Let us first
consider the question from the point of view of
scientific knowledge. It might appear that there are
no essential methodological differences between
astronomy and economics: scientists in both fields
attempt to discover laws of general acceptability
for a circumscribed group of phenomena in order to
make the interconnection of these phenomena as
clearly understandable as possible. But in reality
such methodological differences do exist. The
discovery of general laws in the field of economics
is made difficult by the circumstance that observed
economic phenomena are often affected by many
factors which are very hard to evaluate separately.
In addition, the experience which has accumulated
since the beginning of the so-called civilized
period of human history has – as is well known –
been largely influenced and limited by causes which
are by no means exclusively economic in nature. For
example, most of the major states of history owed
their existence to conquest. The conquering peoples
established themselves, legally and economically, as
the privileged class of the conquered country. They
seized for themselves a monopoly of the land
ownership and appointed a priesthood from among
their own ranks. The priests, in control of
education, made the class division of society into a
permanent institution and created a system of values
by which the people were thenceforth, to a large
extent unconsciously, guided in their social
behavior.
But historic
tradition is, so to speak, of yesterday; nowhere
have we really overcome what Thorstein Veblen called
"the predatory phase" of human development. The
observable economic facts belong to that phase and
even such laws as we can derive from them are not
applicable to other phases. Since the real purpose
of socialism is precisely to overcome and advance
beyond the predatory phase of human development,
economic science in its present state can throw
little light on the socialist society of the future.
Second,
socialism is directed towards a social-ethical end.
Science, however, cannot create ends and, even less,
instill them in human beings; science, at most, can
supply the means by which to attain certain ends.
But the ends themselves are conceived by
personalities with lofty ethical ideals and – if
these ends are not stillborn, but vital and vigorous
– are adopted and carried forward by those many
human beings who, half unconsciously, determine the
slow evolution of society.
For these
reasons, we should be on our guard not to
overestimate science and scientific methods when it
is a question of human problems; and we should not
assume that experts are the only ones who have a
right to express themselves on questions affecting
the organization of society.
Innumerable
voices have been asserting for some time now that
human society is passing through a crisis, that its
stability has been gravely shattered. It is
characteristic of such a situation that individuals
feel indifferent or even hostile toward the group,
small or large, to which they belong. In order to
illustrate my meaning, let me record here a personal
experience. I recently discussed with an intelligent
and well-disposed man the threat of another war,
which in my opinion would seriously endanger the
existence of mankind, and I remarked that only a
supra-national organization would offer protection
from that danger. Thereupon my visitor, very calmly
and coolly, said to me: "Why are you so deeply
opposed to the disappearance of the human race?"
I am sure that
as little as a century ago no one would have so
lightly made a statement of this kind. It is the
statement of a man who has striven in vain to attain
an equilibrium within himself and has more or less
lost hope of succeeding. It is the expression of a
painful solitude and isolation from which so many
people are suffering in these days. What is the
cause? Is there a way out?
It is easy to
raise such questions, but difficult to answer them
with any degree of assurance. I must try, however,
as best I can, although I am very conscious of the
fact that our feelings and strivings are often
contradictory and obscure and that they cannot be
expressed in easy and simple formulas.
Man is, at one
and the same time, a solitary being and a social
being. As a solitary being, he attempts to protect
his own existence and that of those who are closest
to him, to satisfy his personal desires, and to
develop his innate abilities. As a social being, he
seeks to gain the recognition and affection of his
fellow human beings, to share in their pleasures, to
comfort them in their sorrows, and to improve their
conditions of life. Only the existence of these
varied, frequently conflicting, strivings accounts
for the special character of a man, and their
specific combination determines the extent to which
an individual can achieve an inner equilibrium and
can contribute to the well-being of society. It is
quite possible that the relative strength of these
two drives is, in the main, fixed by inheritance.
But the personality that finally emerges is largely
formed by the environment in which a man happens to
find himself during his development, by the
structure of the society in which he grows up, by
the tradition of that society, and by its appraisal
of particular types of behavior. The abstract
concept "society" means to the individual human
being the sum total of his direct and indirect
relations to his contemporaries and to all the
people of earlier generations. The individual is
able to think, feel, strive, and work by himself;
but he depends so much upon society – in his
physical, intellectual, and emotional existence –
that it is impossible to think of him, or to
understand him, outside the framework of society. It
is "society" which provides man with food, clothing,
a home, the tools of work, language, the forms of
thought, and most of the content of thought; his
life is made possible through the labor and the
accomplishments of the many millions past and
present who are all hidden behind the small word
"society."
It is evident,
therefore, that the dependence of the individual
upon society is a fact of nature which cannot be
abolished – just as in the case of ants and bees.
However, while the whole life process of ants and
bees is fixed down to the smallest detail by rigid,
hereditary instincts, the social pattern and
interrelationships of human beings are very variable
and susceptible to change. Memory, the capacity to
make new combinations, the gift of oral
communication have made possible developments among
human being which are not dictated by biological
necessities. Such developments manifest themselves
in traditions, institutions, and organizations; in
literature; in scientific and engineering
accomplishments; in works of art. This explains how
it happens that, in a certain sense, man can
influence his life through his own conduct, and that
in this process conscious thinking and wanting can
play a part.
Man acquires
at birth, through heredity, a biological
constitution which we must consider fixed and
unalterable, including the natural urges which are
characteristic of the human species. In addition,
during his lifetime, he acquires a cultural
constitution which he adopts from society through
communication and through many other types of
influences. It is this cultural constitution which,
with the passage of time, is subject to change and
which determines to a very large extent the
relationship between the individual and society.
Modern anthropology has taught us, through
comparative investigation of so-called primitive
cultures, that the social behavior of human beings
may differ greatly, depending upon prevailing
cultural patterns and the types of organization
which predominate in society. It is on this that
those who are striving to improve the lot of man may
ground their hopes: human beings are not condemned,
because of their biological constitution, to
annihilate each other or to be at the mercy of a
cruel, self-inflicted fate.
If we ask
ourselves how the structure of society and the
cultural attitude of man should be changed in order
to make human life as satisfying as possible, we
should constantly be conscious of the fact that
there are certain conditions which we are unable to
modify. As mentioned before, the biological nature
of man is, for all practical purposes, not subject
to change. Furthermore, technological and
demographic developments of the last few centuries
have created conditions which are here to stay. In
relatively densely settled populations with the
goods which are indispensable to their continued
existence, an extreme division of labor and a
highly-centralized productive apparatus are
absolutely necessary. The time – which, looking
back, seems so idyllic – is gone forever when
individuals or relatively small groups could be
completely self-sufficient. It is only a slight
exaggeration to say that mankind constitutes even
now a planetary community of production and
consumption.
I have now
reached the point where I may indicate briefly what
to me constitutes the essence of the crisis of our
time. It concerns the relationship of the individual
to society. The individual has become more conscious
than ever of his dependence upon society. But he
does not experience this dependence as a positive
asset, as an organic tie, as a protective force, but
rather as a threat to his natural rights, or even to
his economic existence. Moreover, his position in
society is such that the egotistical drives of his
make-up are constantly being accentuated, while his
social drives, which are by nature weaker,
progressively deteriorate. All human beings,
whatever their position in society, are suffering
from this process of deterioration. Unknowingly
prisoners of their own egotism, they feel insecure,
lonely, and deprived of the naive, simple, and
unsophisticated enjoyment of life. Man can find
meaning in life, short and perilous as it is, only
through devoting himself to society.
The economic
anarchy of capitalist society as it exists today is,
in my opinion, the real source of the evil. We see
before us a huge community of producers the members
of which are unceasingly striving to deprive each
other of the fruits of their collective labor—not by
force, but on the whole in faithful compliance with
legally established rules. In this respect, it is
important to realize that the means of production –
that is to say, the entire productive capacity that
is needed for producing consumer goods as well as
additional capital goods – may legally be, and for
the most part are, the private property of
individuals.
For the sake
of simplicity, in the discussion that follows I
shall call "workers" all those who do not share in
the ownership of the means of production – although
this does not quite correspond to the customary use
of the term. The owner of the means of production is
in a position to purchase the labor power of the
worker. By using the means of production, the worker
produces new goods which become the property of the
capitalist. The essential point about this process
is the relation between what the worker produces and
what he is paid, both measured in terms of real
value. Insofar as the labor contract is "free," what
the worker receives is determined not by the real
value of the goods he produces, but by his minimum
needs and by the capitalists' requirements for labor
power in relation to the number of workers competing
for jobs. It is important to understand that even in
theory the payment of the worker is not determined
by the value of his product.
Private
capital tends to become concentrated in few hands,
partly because of competition among the capitalists,
and partly because technological development and the
increasing division of labor encourage the formation
of larger units of production at the expense of
smaller ones. The result of these developments is an
oligarchy of private capital the enormous power of
which cannot be effectively checked even by a
democratically organized political society. This is
true since the members of legislative bodies are
selected by political parties, largely financed or
otherwise influenced by private capitalists who, for
all practical purposes, separate the electorate from
the legislature. The consequence is that the
representatives of the people do not in fact
sufficiently protect the interests of the
underprivileged sections of the population.
Moreover, under existing conditions, private
capitalists inevitably control, directly or
indirectly, the main sources of information (press,
radio, education). It is thus extremely difficult,
and indeed in most cases quite impossible, for the
individual citizen to come to objective conclusions
and to make intelligent use of his political rights.
The
situation prevailing in an economy based on the
private ownership of capital is thus characterized
by two main principles: first, means of production
(capital) are privately owned and the owners dispose
of them as they see fit; second, the labor contract
is free. Of course, there is no such thing as a pure
capitalist society in this sense. In particular, it
should be noted that the workers, through long and
bitter political struggles, have succeeded in
securing a somewhat improved form of the "free labor
contract" for certain categories of workers. But
taken as a whole, the present day economy does not
differ much from "pure" capitalism.
Production is
carried on for profit, not for use. There is no
provision that all those able and willing to work
will always be in a position to find employment; an
"army of unemployed" almost always exists. The
worker is constantly in fear of losing his job.
Since unemployed and poorly paid workers do not
provide a profitable market, the production of
consumers' goods is restricted, and great hardship
is the consequence. Technological progress
frequently results in more unemployment rather than
in an easing of the burden of work for all. The
profit motive, in conjunction with competition among
capitalists, is responsible for an instability in
the accumulation and utilization of capital which
leads to increasingly severe depressions. Unlimited
competition leads to a huge waste of labor, and to
that crippling of the social consciousness of
individuals which I mentioned before.
This crippling
of individuals I consider the worst evil of
capitalism. Our whole educational system suffers
from this evil. An exaggerated competitive attitude
is inculcated into the student, who is trained to
worship acquisitive success as a preparation for his
future career.
I am
convinced there is only one way to eliminate these
grave evils, namely through the establishment of a
socialist economy, accompanied by an educational
system which would be oriented toward social goals.
In such an economy, the means of production are
owned by society itself and are utilized in a
planned fashion. A planned economy, which adjusts
production to the needs of the community, would
distribute the work to be done among all those able
to work and would guarantee a livelihood to every
man, woman, and child. The education of the
individual, in addition to promoting his own innate
abilities, would attempt to develop in him a sense
of responsibility for his fellow men in place of the
glorification of power and success in our present
society.
Nevertheless,
it is necessary to remember that a planned economy
is not yet socialism. A planned economy as such may
be accompanied by the complete enslavement of the
individual. The achievement of socialism requires
the solution of some extremely difficult
socio-political problems: how is it possible, in
view of the far-reaching centralization of political
and economic power, to prevent bureaucracy from
becoming all-powerful and overweening? How can the
rights of the individual be protected and therewith
a democratic counterweight to the power of
bureaucracy be assured?
Clarity about the aims and problems of socialism is
of greatest significance in our age of transition.
Since, under present circumstances, free and
unhindered discussion of these problems has come
under a powerful taboo, I consider the foundation of
this magazine to be an important public service.
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