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Friedrich Engels
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Engels", von W. I. Lenin (1895)
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Friedrich
Engels - biografische Notizen
Engels, Friedrich, Philosoph und Politiker, geboren
am 28. November 1820 in Barmen (heute zu Wuppertal), gestorben am 5.
August 1895 in London; Mitbegründer des wissenschaftlichen
Sozialismus, engster Freund und Mitarbeiter von Karl Marx, mit dem er
die theoretischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus
ausarbeitete und mit der ArbeiterInnenbewegung verband. Sein
philosophisches Denken begann in den Auseinandersetzungen der
Junghegelianer und dem Einfluss von Ludwig Feuerbach. Als Kaufmann in
England studierte er die soziale Lage des Proletariats ("Die Lage der
abreitenden Klasse in England", 1845) und legte damit einen Grundstein
zur marxistischen Analyse des Kapitalismus. Führend im "Bund der
Kommunisten", entwarf Engels 1847 die "Grundsätze des Kommunismus",
den Vorläufer des 1848 mit Marx verfassten "Manifests der
Kommunistischen Partei". Seine wesentlichen Beiträge zum
philosophischen und ökonomischen Gedankengut des Marxismus sind (vom
Frühwerk abgesehen): "Die Dialektik der Natur" (1873-1883 entstanden),
"Herrn Eugen Dührungs Umwälzung der Wissenschaft" ("Anti-Dühring",
1878) bzw. "Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur
Wissenschaft" (1882), "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums
und des Staats" (1884). Nach dem Tod von Karl Marx (1883) erstreckte
sich die wissenschaftliche Tätigkeit von Engels außerdem auf die
Fertigstellung und Herausgabe des 2. (1885) und 3. (1894) Bandes des
"Kapitals". 1870 wurde Engels Sekretär im Generalrat der
"Internationalen Arbeiterassoziation" (I. Internationale) und nahm in
dieser Funktion entscheidenden Einfluss auf Organisation und Ausbau
der sozialistischen Bewegung.
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"Friedrich
Engels" von W. I.
Lenin, 1895 |
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Engels wurde 1820 in der Stadt
Barmen in der zum Königreich Preußen gehörenden Rheinprovinz geboren.
Sein Vater war Fabrikant. Im Jahre 1838 sah sich Engels durch
Familienverhältnisse gezwungen, das Gymnasium vorzeitig zu verlassen
und als Angestellter in ein Bremer Handelshaus einzutreten. Die
kaufmännische Berufstätigkeit hinderte Engels nicht, an seiner
wissenschaftlichen und politischen Bildung zu arbeiten. Schon als
Gymnasiast hatte er den Absolutismus und die Beamtenwillkür hassen
gelernt. Das Studium der Philosophie führte ihn weiter. Damals
herrschte in der deutschen Philosophie die Lehre Hegels, und Engels
wurde ihr Anhänger. Obwohl Hegel selber ein Anbeter des
absolutistischen preußischen Staates war, in dessen Diensten er als
Professor der Berliner Universität stand, war die Lehre Hegels
revolutionär. Hegels Glaube an die menschliche Vernunft und ihre
Rechte sowie die Grundthese der Hegelschen Philosophie, daß sich in
der Welt ein ständiger Änderungs- und Entwicklungsprozeß vollziehe,
brachten diejenigen Schüler des Berliner Philosophen, die sich mit der
gegebenen Wirklichkeit nicht abfinden wollten, auf den Gedanken, daß
auch der Kampf gegen diese Wirklichkeit, der Kampf gegen das
bestehende Unrecht und das herrschende Übel im Weltgesetz der ewigen
Entwicklung begründet sei. Wenn alles sich entwickelt, wenn die einen
Einrichtungen durch andere abgelöst werden, warum sollen dann das
autokratische Regiment des preußischen Königs oder des russischen
Zaren, die Bereicherung einer verschwindenden Minderheit auf Kosten
der überwältigenden Mehrheit, die Herrschaft der Bourgeoisie über das
Volk ewig währen? Hegels Philosophie sprach von einer Entwicklung des
Geistes und der Ideen, sie war eine idealistische Philosophie. Aus der
Entwicklung des Geistes leitete sie die Entwicklung der Natur, des
Menschen und der menschlichen Beziehungen, der gesellschaftlichen
Verhältnisse ab. Marx und Engels, die den Hegelschen Begriff des
ewigen Entwicklungsprozesses bewahrten, verwarfen die vorgefaßte
idealistische Anschauung; sie wandten sich dem Leben zu und erkannten,
daß nicht die Entwicklung des Geistes die Entwicklung der Natur
erklärt, sondern umgekehrt, daß der Geist aus der Natur, aus der
Materie zu erklären ist. Im Gegensatz zu Hegel und anderen Hegelianern
waren Marx und Engels Materialisten. Sie betrachteten die Welt und die
Menschen vom materialistischen Standpunkt aus und erkannten, daß,
ebenso wie allen Naturerscheinungen materielle Ursachen zugrunde
liegen, auch die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft durch die
Entwicklung materieller Kräfte, der Produktivkräfte, bedingt ist. Von
der Entwicklung der Produktivkräfte hängen die Verhältnisse ab, die
die Menschen bei der Erzeugung der zur Befriedigung der menschlichen
Bedürfnisse notwendigen Güter eingehen. In diesen Verhältnissen aber
liegt die Erklärung für die Erscheinungen des gesellschaftlichen
Lebens, der menschlichen Bestrebungen, Ideen und Gesetze. Die
Entwicklung der Produktivkräfte erzeugt gesellschaftliche
Verhältnisse, die sich auf das Privateigentum gründen, jetzt aber
sehen wir, wie eben diese Entwicklung der Produktivkräfte die Mehrheit
der Menschen ihres Eigentums beraubt und es in den Händen einer
verschwindenden Minderheit zusammenballt. Diese Entwicklung der
Produktivkräfte vernichtet das Eigentum, die Grundlage der modernen
Gesellschaftsordnung, sie strebt selber dem gleichen Ziel zu, das sich
die Sozialisten gesteckt haben. Die Sozialisten müssen nur verstehen,
welche gesellschaftliche Kraft infolge ihrer Stellung in der modernen
Gesellschaft an der Verwirklichung des Sozialismus interessiert ist,
und dieser Kraft ihre Interessen und ihre historische Mission zum
Bewußtsein bringen. Diese Kraft ist das Proletariat. Engels lernte es
kennen in England, in Manchester, dem Zentrum der englischen
Industrie, wohin er 1842 übergesiedelt war, um als Angestellter in das
Handelshaus einzutreten, dem sein Vater als Teilhaber angehörte.
Engels verbrachte hier seine Zeit nicht nur im Fabrikkontor. Er
durchwanderte die schmutzigen Stadtviertel, wo die Arbeiter hausten,
und sah mit eigenen Augen ihr Elend und ihre Not. Aber er begnügte
sich nicht mit persönlichen Beobachtungen; er las alles, was vor ihm
über die Lage der englischen Arbeiterklasse geschrieben worden war, er
studierte sorgfältig alle ihm zugänglichen amtlichen Dokumente. Die
Frucht dieser Studien und Beobachtungen war das 1845 erschienene Buch
"Die Lage der arbeitenden Klasse in England". Wir haben oben bereits
erwähnt, worin das Hauptverdienst von Engels als dem Verfasser der
"Lage der arbeitenden Klasse in England" besteht. Auch vor Engels
hatten sehr viele die Leiden des Proletariats geschildert und auf die
Notwendigkeit hingewiesen, ihm zu helfen. Engels aber hat als erster
gesagt, daß das Proletariat nicht nur eine leidende Klasse ist; daß
gerade die schmachvolle wirtschaftliche Lage, in der sich das
Proletariat befindet, es unaufhaltsam vorwärtstreibt und es zwingt,
für seine endgültige Befreiung zu kämpfen. Das kämpfende Proletariat
aber wird sich selbst helfen. Die politische Bewegung der
Arbeiterklasse wird die Arbeiter unvermeidlich zu der Erkenntnis
führen, daß es für sie keinen anderen Ausweg gibt als den Sozialismus.
Andererseits wird der Sozialismus nur dann eine Macht, wenn er zum
Ziel des politischen Kampfes der Arbeiterklasse geworden ist. Das sind
die Grundgedanken des Buches von Engels über die Lage der
Arbeiterklasse in England. Gedanken, die sich heute das gesamte
denkende und kämpfende Proletariat zu eigen gemacht hat, die aber
damals völlig neu waren. Diese Gedanken wurden in einem hinreißend
geschriebenen Buch niedergelegt, das voll ist von wahrheitsgetreuen
und erschütternden Bildern aus dem Elendsleben des englischen
Proletariats. Dieses Buch war eine furchtbare Anklage gegen den
Kapitalismus und die Bourgeoisie. Der Eindruck, den es hervorrief, war
sehr stark. Man begann sich allenthalben auf das Buch von Engels zu
berufen als auf die beste Darstellung der Lage des modernen
Proletariats. In der Tat: weder vor 1845 noch später ist eine so
eindrucksvolle und wahrheitsgetreue Schilderung der Notlage der
Arbeiterklasse erschienen.
Zum Sozialisten wurde Engels erst
in England. Er trat in Manchester mit den Führern der damaligen
englischen Arbeiterbewegung in Verbindung und begann in der englischen
sozialistischen Presse mitzuarbeiten. Als Engels im Jahre 1844 nach
Deutschland zurückkehrte, wurde er auf der Durchreise in Paris mit
Marx bekannt, mit dem er schon früher in Briefwechsel gestanden hatte.
Marx war in Paris unter dem Einfluß der französischen Sozialisten und
des französischen Lebens ebenfalls zum Sozialisten geworden. Hier
schrieben die Freunde gemeinsam das Buch "Die heilige Familie, oder
Kritik der kritischen Kritik". Dieses Buch, das ein Jahr vor der "Lage
der arbeitenden Klasse in England" erschien und zum größten Teil von
Marx geschrieben ist, enthält die Grundlagen des
revolutionär-materialistischen Sozialismus, dessen Hauptgedanken wir
oben dargelegt haben. "Die heilige Familie", das ist eine scherzhafte
Bezeichnung für die Philosophen Gebrüder Bauer und ihre Anhänger.
Diese Herren predigten eine Kritik, die über jeder Wirklichkeit steht,
über den Parteien und der Politik, die jede praktische Tätigkeit
verneint und sich damit begnügt, die Umwelt und die in ihr vor sich
gehenden Ereignisse "kritisch" zu betrachten. Die Herren Bauer
urteilten über das Proletariat von oben herab, als über eine
unkritische Masse. Dieser unsinnigen und schädlichen Richtung traten
Marx und Engels entschieden entgegen. Im Namen der wahren menschlichen
Persönlichkeit, des von den herrschenden Klassen und vom Staate
getretenen Arbeiters, fordern sie statt der Betrachtung den Kampf für
eine bessere Gesellschaftsordnung. Die zu diesem Kampf fähige und an
ihm interessierte Kraft sehen sie natürlich im Proletariat. Engels
hatte schon vor der "Heiligen Familie", in den von Marx und Ruge
herausgegebenen "Deutsch-Französischen Jahrbüchern", seine "Umrisse zu
einer Kritik der Nationalökonomie" veröffentlicht, in denen er vom
sozialistischen Standpunkt aus die grundlegenden Erscheinungen der
modernen Wirtschaftsordnung als zwangsläufige Folgen der Herrschaft
des Privateigentums untersuchte. Der Umgang mit Engels trug zweifellos
dazu bei, daß Marx den Entschluß faßte, sich mit der politischen
Ökonomie zu befassen, jener Wissenschaft, in der seine Werke dann eine
wahre Umwälzung hervorgerufen haben.
Die Zeit von 1845 bis 1847
verbrachte Engels in Brüssel und Paris, wo er wissenschaftliche
Studien mit praktischer Tätigkeit unter den deutschen Arbeitern dieser
beiden Städte verband. Hier knüpften Engels und Marx Beziehungen an zu
dem geheimen deutschen "Bund der Kommunisten", der ihnen den Auftrag
gab, die Grundprinzips des von ihnen ausgearbeiteten Sozialismus
darzulegen. So entstand das im Jahre 1848 veröffentliche berühmte
"Manifest der Kommunistischen Partei" von Marx und Engels. Dieses
kleine Büchlein wiegt ganze Bände auf: Sein Geist beseelt und bewegt
bis heute das gesamte organisierte und kämpfende Proletariat der
zivilisierten Welt.
Die Revolution von 1848, die zuerst
in Frankreich ausbrach und dann auch auf andere Länder Westeuropas
übergriff, führte Marx und Engels in die Heimat zurück. Hier, in
Rheinpreußen, leiteten sie die demokratische "Neue Rheinische
Zeitung", die in Köln herausgegeben wurde. Die beiden Freunde waren
die Seele aller revolutionär-demokratischen Bestrebungen in
Rheinpreußen. Sie verteidigten bis zuletzt die Interessen des Volkes
und der Freiheit gegen die Kräfte der Reaktion. Diese gewannen
bekanntlich die Oberhand. Die "Neue Rheinische Zeitung" wurde
verboten, und Marx, der während seines Emigrantenlebens die Rechte
eines preußischen Staatsangehörigen verloren hatte, wurde ausgewiesen;
Engels jedoch nahm an dem bewaffneten Volksaufstand teil, kämpfte in
drei Gefechten für die Freiheit und flüchtete nach der Niederlage der
Aufständischen über die Schweiz nach London.
Auch Marx ließ sich in London
nieder. Engels wurde bald wieder Angestellter und später Teilhaber des
Handelshauses in Manchester, in welchem er schon in den vierziger
Jahren tätig gewesen war. Bis 1870 lebte er in Manchester und Marx in
London, was sie nicht hinderte, den lebhaftesten geistigen Verkehr zu
pflegen: fast täglich wechselten sie Briefe. In diesem Briefwechsel
tauschten die Freunde ihre Ansichten und Kenntnisse aus und arbeiteten
gemeinsam an der Fortentwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus.
Im Jahre 1870 siedelte Engels nach London über, und bis 1883, bis zum
Tode von Marx, währte ihr von angestrengter Arbeit erfülltes
gemeinsames geistiges Leben. Die Frucht dieser Arbeit war - was Marx
anbelangt - "Das Kapital", das größte Werk unseres Zeitalters auf dem
Gebiet der politischen Ökonomie, und, was Engels betrifft, eine ganze
Reihe größerer und kleinerer Schriften. Marx arbeitete an der
Untersuchung der komplizierten Erscheinungen der kapitalistischen
Wirtschaft. Engels beleuchtete in außerordentlich flüssig
geschriebenen, oft polemischen Arbeiten die allgemeinsten
wissenschaftlichen Fragen und die verschiedensten Erscheinungen der
Vergangenheit und Gegenwart im Geiste der materialistischen
Geschichtsauffassung und der ökonomischen Theorie von Marx. Von diesen
Engels'schen Arbeiten seien genannt: die polemische Schrift gegen
Dühring (in ihr werden die tiefsten Probleme der Philosophie, der
Natur- und Gesellschaftswissenschaft untersucht), "Der Ursprung der
Familie, des Privateigentums und des Staates" (russische Übersetzung
in 3. Auflage, St. Petersburg 1895), "Ludwig Feuerbach" (russische
Übersetzung im Genfer "Sozial-Demokrat" Nr. 1 und 2), die
ausgezeichneten Artikel über die Wohnungsfrage und schließlich zwei
kleine, aber sehr wertvolle Artikel über die ökonomische Entwicklung
Rußlands ("Friedrich Engels über Rußland", ins Russische übertragen
von W.I. Sassulitsch, Genf 1894). Marx starb, ohne sein gewaltiges
Werk über das Kapital in endgültiger Form bearbeitet zu haben. Im
Rohentwurf war es jedoch schon fertig. Und nun machte sich Engels nach
dem Tode seines Freundes an die schwere Arbeit, Band II und III des
"Kapitals" zu bearbeiten und herauszugeben. Im Jahre 1885 gab er Band
II, 1894 Band III heraus (zur Bearbeitung von Band IV kam er nicht
mehr). Die Herausgabe dieser beiden Bände erforderte außerordentlich
viel Arbeit. Der österreichische Sozialdemokrat Adler hat mit Recht
gesagt, Engels habe seinem genialen Freund mit der Herausgabe von Band
II und III des "Kapitals" ein großartiges Denkmal gesetzt, auf dem er,
ohne es beabsichtigt zu haben, seinen eigenen Namenszug mit
unauslöschlichen Lettern eingetragen hat. In der Tat, diese beiden
Bände des "Kapitals" sind das Werk von zweien: von Marx und von
Engels. Antike Sagen berichten von manchen rührenden Beispielen der
Freundschaft. Das europäische Proletariat kann sagen, daß seine
Wissenschaft von zwei Gelehrten und Kämpfern geschaffen worden ist,
deren Verhältnis die rührendsten Sagen der Alten über menschliche
Freundschaft in den Schatten stellt. Engels hat stets - und im
allgemeinen durchaus mit Recht - Marx den Vorrang gegeben. Einem alten
Freund schrieb er: "Bei Marx' Lebzeiten habe ich die zweite Violine
gespielt". Seine Liebe zu dem lebenden Marx und seine Ehrfurcht vor
dem Andenken des Verstorbenen waren grenzenlos. Dieser harte Kämpfer
und strenge Denker konnte aus tiefstem Herzen lieben.
Nach der Bewegung von 1848/1849
beschäftigten sich Marx und Engels im Exil nicht nur mit
wissenschaftlichen Arbeiten. Marx gründete 1864 die "Internationale
Arbeiterassoziation" und leitete diese Vereinigung im Laufe eines
vollen Jahrzehnts. Auch Engels nahm an ihrer Arbeit lebhaften Anteil.
Die Tätigkeit der "Internationalen Arbeiterassoziation", die nach dem
Plane von Marx die Proletarier aller Länder vereinigen sollte, war für
die Entwicklung der Arbeiterbewegung von ungeheurer Tragweite. Aber
auch nach der Auflösung der "Internationalen Arbeiterassoziation" in
den siebziger Jahren hörten Marx und Engels nicht auf, als Einiger der
Arbeiterklasse zu wirken. Im Gegenteil: man könnte sagen, daß ihre
Bedeutung als geistige Führer der Arbeiterbewegung immer größer wurde,
weil auch die Bewegung selbst ununterbrochen wuchs. Nach dem Tode von
Marx war es Engels allein, der fortfuhr, als Berater und Führer der
europäischen Sozialisten zu wirken. Sowohl die deutschen Sozialisten,
deren Kraft trotz der Regierungsverfolgungen schnell und
ununterbrochen zunahm, als auch die Vertreter zurückgebliebener
Länder, beispielsweise Spanien, Rumänen, Russen, die ihre ersten
Schritte überlegen und erwägen mußten, wandten sich an ihn um Rat und
Anleitung. Sie alle schöpften aus der reichen Schatzkammer der
Kenntnisse und Erfahrungen des alten Engels.
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"Friedrich Engels" von Clara
Zetkin, 1895 |
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Das in einem Ziele geeinte Proletariat aller Länder
betrauert gemeinsam einen der Besten und Größten aller Zeiten. Am 5.
August, abends 10½ Uhr, starb in London der zweite der Geistesriesen,
welche die kämpfende Arbeiterklasse als die größten ihrer Pfadfinder
und Führer, als die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus ehrt.
Friedrich Engels, der allzeit gewappnete, unbezwungene Streiter für
die Befreiung des Proletariats, wurde im 75. Lebensjahre von dem
Allbezwinger Tod dahingerafft. Nicht als müder Mann ging er von
hinnen, sondern als einer, den der Sensemann von fruchtbarer Arbeit
ruft. Wohl ist Engels im Greisenalter gestorben, und doch nicht als
Greis, an geistiger Frische, an Energie des Willens,
leidenschaftlicher Begeisterung und froher Tatkraft einer der
Jüngsten, die mit uns strebten und kämpften. Seit Marx’ Tode (14. März
1883) hat das Proletariat keinen herberen Verlust erlitten.
Was
Engels für den Befreiungskampf der Ausgebeuteten geleistet, es ist
untrennbar mit den Leistungen Marx’ verbunden, und es verpflichtet zu
ewiger Dankbarkeit. In der Geschichte des revolutionären Werdegangs
der neuen Zeit steht es unverwischbar verzeichnet, und in den Annalen
der Wissenschaft ist es mit flammenden Zügen eingegraben.
Als
Theoretiker hat Engels mit Marx zusammen die unerschütterlich feste
wissenschaftliche Grundlage für den Befreiungskampf der Enterbten
aufgebaut. Mit ihm zusammen schmiedete er den klassenbewußten
Arbeitern das schneidige, wuchtige geistige Rüstzeug, das den Gegner
unfehlbar fällt. Und als der Freund von ihm genommen ward, ohne das
Werk seines Lebens vollendet zu haben, da fiel Engels als geistigem
Erben und Testamentsvollstrecker die unvergleichlich hohe und
schwierige Aufgabe zu, das Unvollendete zum Abschluß zu bringen. Er
hat es getan, wie kein zweiter außer ihm es zu tun vermocht.
Das
Dioskurenpaar Marx-Engels - sie waren die ersten, welche die
geschichtliche Aufgabe und die geschichtliche Macht des Proletariats
klar erkannten. Nicht bloß mit dem warmen Herzen des Menschenfreundes
fühlten sie mit der leidenden Arbeiterklasse, sondern als tiefe
Forscher und kühne Denker erblickten sie in dem kämpfenden Proletariat
den Hauptträger der modernen geschichtlichen Entwicklung. Sie wiesen
die geschichtlich treibende Kraft der Klassenkämpfe nach. Gründlich
räumten sie auf mit dem Wahnglauben an die befreiende Kraft der
Attentate auf die Tränendrüsen und den Gerechtigkeitssinn der
Besitzenden. Sie lehrten die Enterbten, ihre Befreiung einzig und
allein zu erwarten und zu erringen durch den bewußten Kampf von Klasse
gegen Klasse. Die Befreiung der Arbeiterklasse muß das Werk der
Arbeiterklasse selbst sein.
"Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" riefen sie bereits 1848 in
dem unsterblichen Kommunistischen
Manifest der Welt der Arbeit zu. Und wieder und wieder
verwiesen sie das Proletariat auf die Eroberung der politischen Macht,
der Staatsgewalt, als den einzigen Weg, der in die sonnige
Zukunftsgesellschaft hinüberführt.
Von
Etappe zu Etappe hat Engels den Eroberungsmarsch der zielbewußten
Arbeiterklasse allerwärts begleitet, stets anregend, befruchtend,
ratend, helfend mit Wort und Tat; niemals den Überblick über die
allgemeine Situation verlierend, die kühle Wertung der Verhältnisse;
als Taktiker und Stratege unvergleichlich wie als Theoretiker.
Was
das Proletariat und insbesondere die deutsche Arbeiterklasse Engels
verdankt und mit ihm verliert, ist unermeßlich. Wohl hat er selbst uns
gelehrt, daß die sozialistische Bewegung aus den Verhältnissen
emporwächst und nicht mit Personen steht und fällt. Aber seine
Persönlichkeit ragte so hoch, sein Wirken war so umfassend und tief,
daß sein Verschwinden eine klaffende Lücke läßt, die niemand
auszufüllen vermag.
Die
Proletarierinnen aber schulden ihm besonders dankbares Erinnern. Nicht
nur für ihren Befreiungskampf als Ausgebeutete hat er die
wissenschaftliche Grundlage geschaffen, auch für ihr
Emanzipationsringen als Frauen.
Das
Streben des weiblichen Geschlechts nach voller Gleichberechtigung ward
von dem Philistertum vor allem mit dem Hinweis bekämpft auf die
Unvereinbarkeit des vollen Menschseins der Frau mit dem Wesen der
Familie und den Pflichten ihr gegenüber. Und die auf der Sklaverei der
Frau beruhende vaterrechtliche Familie galt dem Philistertum als die
Familie an und für sich, als die einzig mögliche sittliche,
wirtschaftliche, soziale Norm des Zusammenlebens der Geschlechter bis
in alle Ewigkeit. Wohl hatten die Utopisten, vor allem Fourier, wohl
hatten Marx und Engels im
Kommunistischen Manifest mit glänzender Schärfe gezeigt, daß
der Kapitalismus "dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen
Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis
zurückgeführt" hat. Engels aber war es vorbehalten, Spießbürgers
Köhlerglauben an den ewigen Bestand der vaterrechtlichen Familie für
immer zu zertrümmern. Im Anschluß an die Arbeiten Morgans und
Bachofens, die er erweiterte, vertiefte, als Bausteine eines wunderbar
logischen und klaren Gefüges ordnete, wies er wissenschaftlich
unanfechtbar nach, daß die Familie wie jedes andere soziale Gebilde
unter der treibenden Kraft der Wirtschafts- und Eigentumsverhältnisse
wächst und sich verändert, daß ihre Formen ein stetes Werden und
Vergehen erfahren. Seine meisterhafte Studie "Der
Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats" ist
von grundlegender Bedeutung für den Befreiungskampf des gesamten
weiblichen Geschlechts.
Mit
Engels ist ein universaler Gelehrter, ist eine jener allseitig
harmonisch entwickelten, kraftstrotzenden Persönlichkeiten gestorben,
wie sie uns in den Zeiten der Renaissance und der Großen Französischen
Revolution entgegentreten und entzücken. Eine Persönlichkeit von
unsagbarem Zauber des Wesens, ein Lebenskünstler in der edelsten und
umfassendsten Bedeutung des Wortes. Vom wärmsten Empfinden beseelt und
opferfreudig ohne schwächliche Rührseligkeit, kraftvoll und
selbstbewußt ohne Eigendünkel, tapfer und kühn ohne Ruhmredigkeit,
ritterlich und dabei natürlich, einfach, schlicht und liebenswürdig
nicht aus Konvention, sondern aus wahrer Herzensgüte.
Wohl
ziemt uns an seinem Grabe der aufrichtige, tiefe Schmerz um das, was
wir mit ihm verloren. Ebenso aber die stolze, freudige Erhebung an
dem, was wir an ihm besessen und was er uns als reiches, köstliches
Erbe hinterläßt. Keinen würdigeren Dank, keinen passenderen
Scheidegruß für Friedrich Engels als den Ruf:
Vorwärts in den Kampf! Vorwärts zum Sieg!
  
"Friedrich Engels - Zu seinem 30. Todestag am 5. August 1925"
von Hermann
Duncker
"Ich habe mein Leben lang das getan, wozu ich gemacht war, nämlich
zweite Violine spielen, und ich glaube auch meine Sache ganz passabel
gemacht zu haben. Und ich war froh, so eine famose erste Violine zu
haben wie Marx."
Es
gibt wenige Beispiele von solch ehrgeizloser Bescheidenheit zugunsten
der geistigen Bewertung eines Freundes, wie sie aus den
vorangestellten und vielen ähnlichen Worten von Friedrich Engels über
sein Verhältnis zu Marx herausklingen.[1] Man könnte zurückgehen bis
auf Plato, der in seinen in Gesprächsform abgefaßten Schriften seine
eigene Lehre fast immer seinem verstorbenen Lehrer Sokrates in den
Mund gelegt hat. Und doch ist Engels, der nur zwei Jahre jünger als
Marx war, niemals eigentlich ein Schüler von Marx gewesen.
In
einer sehr selbständig durchkämpften Sturm- und Drangperiode hatte der
junge Engels sich von einer stark religiösen Einstellung, wie er sie
in seinem "christlich-preußischen" Elternhaus in Barmen überkommen
hatte, zur philosophischen und politischen Freigeisterei
durchgerungen. Über Schleiermacher und Strauß hatte er sich zu Hegel
und schließlich zu Feuerbach gefunden. Für Engels' persönliche
Entwicklung traf in besonderer Weise das Marx-Wort zu: "Die Kritik der
Religion ist die Voraussetzung aller Kritik" (1844).
Aber
Engels war auch bereits Revolutionär und Sozialist geworden, als er
24jährig in Paris den Freundschafts- und Geistesbund mit Marx schloß,
der für die Geschichte der modernen Arbeiterbewegung, für die
Ausbildung des wissenschaftlichen Kommunismus, für den Befreiungskampf
des Proletariats in der heutigen Epoche der Weltrevolution das
bedeutendste Fundament geistigen Schaffens gelegt hat. Ohne Engels
wäre Marx wahrscheinlich schon aus wirtschaftlichen Gründen auf halbem
Wege zusammengebrochen. "Bloß Dir verdanke ich es, daß dies möglich
war!" schreibt Marx an Engels 1867 nach Fertigstellung des 1. Bandes
des "Kapitals".[2] Ohne Marx aber hätte Engels vielleicht nicht die
geistige Konzentration festgehalten, die seinem universell
beschwingten Geist die stete kommunistisch-revolutionäre Zielrichtung
gegeben hat.
Durch
die pietätvollen Untersuchungen von Gustav Mayer über den jungen
Engels sind wir in die Lage versetzt, die frühreife Genialität von
Engels zu bewundern. Es ist sehr bezeichnend, daß erst lange nach dem
Tode von Engels ein glücklicher Zufall diese ganze Frühperiode
literarischen Schaffens von Engels aufgedeckt hat. Engels selbst hatte
nie den Schleier über seinem Pseudonym "Oswald" gelüftet.
Gehen
wir ein paar Jahre weiter: Welcher Schriftsteller hat als 24jähriger
mit einem Buche wie "Die Lage der arbeitenden Klassen in England"
(1845) sein geistiges Reifezeugnis vor der Welt ablegen können? Und
schon ein Jahr zuvor hatte Engels die "Umrisse zu einer Kritik der
Nationalökonomie" (1844) verfaßt, die deutlich zeigen, wie viel an
eigener kommunistischer Kritik Engels in die Kampfgenossenschaft mit
Marx einbrachte.
Diese
Erstlingswerke stehen den ersten literarischen Leistungen von Marx
keineswegs nach. Im Gegenteil, in der Ökonomie hatte Engels, der schon
zwei Jahre (1842 bis 1844) kaufmännischer Tätigkeit in dem
industriellen Musterlande England hinter sich hatte und dort auch der
revolutionären Arbeiterbewegung des Chartismus nähergekommen war,
damals Marx zweifellos etwas zu geben. Und wie Engels als Politiker
dachte, zeigt hinlänglich bereits seine erste Korrespondenz aus London
an die von Karl Marx redigierte "Rheinische Zeitung" (vom 30. November
1842), die mit den Worten schließt:
"Die
,gesetzliche Revolution' hatte alles gelähmt... Der Nutzen, der daraus
für die Besitzlosen hervorgegangen ist, bleibt aber bestehen; es ist
das Bewußtsein, daß eine Revolution auf friedlichem Wege eine
Unmöglichkeit ist, und daß nur eine gewaltsame Umwälzung der
bestehenden unnatürlichen Verhältnisse, ein radikaler Sturz der
adligen und industriellen Aristokratie die materielle Lage der
Proletarier verbessern kann... erst aus den Interessen können sich die
Prinzipien entwickeln, das heißt, die Revolution wird keine
politische, sondern eine soziale sein."
Der
Materialist, der proletarische Revolutionär, der Sozialist Engels wird
hier schon deutlich sichtbar.
In der
ökonomischen Theorie ist dann freilich Marx weit über Engels'
damaliges Wissen hinausgewachsen, und Engels fühlte sich hier
späterhin bloß als Mitarbeiter und Berater, der freilich viel aus
seiner ökonomischen Praxis beisteuern konnte. Nach Marxens Tod hat er
durch die Herausgabe des 2. und 3. Bandes des "Kapitals" (1885 und
1894) das theoretische Lebenswerk von Karl Marx, soweit es ein
kongenialer Mitarbeiter konnte, gesichtet und der Nachwelt zugänglich
gemacht.
Die
Herausbildung der materialistischen Geschichtsauffassung ist das
philosophische Feld, auf dem sich die jungen Freunde zuerst (1845)
fanden. Beide hatten einzeln ihren Weg zu Hegel und dann von Hegel zu
Feuerbach gemacht. Beiden genügte aber die blutleere Menschheits- und
Menschlichkeitsabstraktion Feuerbachs nicht mehr. So stießen sie zum
Quellgebiet des dialektischen Materialismus durch.
Marx
stand dabei wohl die stärkere Prägnanz des Ausdrucks zu Gebote. Er hat
auch die Theorie in ihrer universellen Bedeutung zuerst klar
formuliert. "Sie trägt daher auch mit Recht seinen Namen", sagt
Engels.
Vierzig Jahre sind dann die beiden Freunde in rastlosem geistigem
Schaffen eng verbunden gewesen. Das "tolle Jahr" 1848, die
Reaktionsperiode, die Kriege der 60er Jahre, Glück und Ende der I.
Internationale, den Deutsch-Französischen Krieg, Bismarcks "Revolution
von oben", die ersten Gehversuche der modernen Arbeiterbewegung in
Deutschland, Frankreich usw., die opportunistischen Entgleisungen von
Lassalle bis Gotha und darüber hinaus - alles haben Marx und Engels
von ihrem englischen Leuchtturm aus sorgsam verfolgt und
leidenschaftlich kritisiert.
Wie
das Kommunistische Manifest Marx und Engels zu Verfassern gehabt hat,
ohne daß wir heute in der Lage sind, den geistigen Anteil jedes
einzelnen von den beiden herauszulösen, so ist der wissenschaftliche
Kommunismus überhaupt das gemeinsame Werk von Marx und Engels. Und
wenn wir von "Marxismus" sprechen, so doch nur unter der
stillschweigenden Einbeziehung auch der gewaltigen Lebensarbeit von
Friedrich Engels. Die Arbeitsteilung zwischen Marx und Engels brachte
es mit sich, daß Marx vor allem die Ausarbeitung der ökonomischen
Lehre oblag, während Engels die Gegenwartsfragen in ihrer Bedeutung
für den Klassenkampf des Proletariats untersuchte und den
wissenschaftlichen Kommunismus polemisch vertrat. Dieses
parteipolitische Kriegs- und Außenministerium verführte Engels nicht
gerade zu politischer Sanftmut. Seine Streitschrift gegen Dühring
zeigt am stärksten seine kampfesfrohe, aller gemäßigten Toleranz
abholde Natur. Und wie wetterte Engels gegen den parlamentarischen
Kretinismus, gegen die Verbürgerlichung der Arbeiterpartei in England,
gegen die Illusion vom frisch-fromm-fröhlichen Hineinwachsen in den
Sozialismus, wie sie sich in Deutschland breitmachte, und gegen
tausend anderes mehr!
Und
diesen Engels hat man immer wieder versucht, dem bösen Marx gegenüber
als den Gemäßigten und Versöhnlichen hinzustellen! Bernstein und die
deutschen Revisionisten schlachteten weidlich das Vorwort von Engels
zu den "Klassenkämpfen" aus, in dem die "Gesetzlichkeit um jeden
Preis" gepriesen schien - aber nur durch schmähliche Auslassungen
seitens der deutschen Herausgeber im Parteivorstand der SPD, über die
sich Engels noch wenige Wochen vor seinem Tode bitter beklagt hat. Zur
Zeit des Weltkrieges griffen die Sozialpatrioten begierig auf alte.
Kriegsartikel von Engels zurück, freilich auch wieder ohne darauf
hinzuweisen, daß Engels seinerzeit nur für einen revolutionären Krieg
gegen den Zarismus eingetreten war.
Auch
auf philosophischem Gebiet ist zum Teil schon vor dem Weltkrieg, zum
Teil neuerdings [3] versucht worden, einen Gegensatz zwischen Marx und
Engels zu konstruieren, diesen zum Vulgarus zu machen. Diese Versuche
hat schon Lenin in seinem Buch über den Empiriokritizismus scharf und
treffend zurückgewiesen.
Auch
M. Beer, der verdienstvolle Historiker des Sozialismus, hat erst
unlängst sein gutes Buch durch eine höchst ungerechte Charakteristik
Engels' entstellt. Dabei ist es nebensächlich, ob man, wie Beer es
tut, Engels "nur ein Talent" nennt gegenüber dem Genie von Marx. Wenn
Engels selbst das einmal so formuliert hatte, so gilt hier sicherlich
- daß, wenn zwei dasselbe tun, es nicht dasselbe ist! Aber schlimm ist
es, wenn Beer Engels direkt als Reformisten und Parlamentsgläubigen
hinstellt, wenn er gerade Engels "im großen und ganzen eine mäßigende
Wirkung" auf die SPD nachsagt.
Demgegenüber braucht man sich nur vor Augen zu halten, wie Lenin in
seiner "Neuauflage" und Fortführung des wissenschaftlichen Kommunismus
wieder und wieder gerade auch an Engels anknüpft und sich auf Engels
beruft, so in seiner Staatslehre, so in seiner Beurteilung der
taktischen Notwendigkeit von Kompromissen, so in der Erfassung des
Agrarproblems, so in der Stellung zur Religion usw. usw. Auch den
Opportunismus in der Arbeiterbewegung hat Engels bereits als
Folgeerscheinung der Nutznießung imperialistischer Monopolprofite
nachgewiesen. Und nicht müde wurde Lenin, jenen Brief von Engels an
Bebel (vom 11. Dezember 1884) zu zitieren:
"Die
,reine Demokratie' kann im Moment der Revolution ... als letzter
Rettungsanker der ganzen bürgerlichen und selbst feudalen Wirtschaft
momentan Bedeutung bekommen ... ,So verstärkte' die gesamte
feudal-bureaukratische Masse 1848, März bis September, die Liberalen,
um die revolutionäre Masse niederzuhalten. ... Jedenfalls ist unser
einziger Gegner am Tage der Krise und am Tag nachher - die um die
reine Demokratie sich gruppierende Gesamtreaktion." [4]
Die 30
Jahre, die seit dem Tode von Engels verflossen sind, sind Jahre der
gewaltigsten Entwicklungen und Umwälzungen geworden: aus dem
Kapitalismus der freien Konkurrenz wurde der Monopolkapitalismus, aus
der revolutionären deutschen Sozialdemokratie eine konterrevolutionäre
kleinbürgerliche Partei. Aber dafür erstand der Kommunismus der III.
Internationale, die stolz darauf ist, das geistige Erbe von Marx und
Engels zu bewahren und in die Tat umzusetzen. Marx, Engels und Lenin,
das ist das leuchtende Dreigestirn, das dem Schiffer auf den
Wellenbergen und in den Wellentälern der proletarischen Bewegung im
Zeitalter der Weltkriege und der Weltrevolution den sicheren Kurs und
das unverrückbare Ziel seiner Fahrt anzeigt.
Anmerkungen:
1)
Vergl. noch besonders die Anmerkung von Engels zur Autorschaft des
"Marxismus", in Marx/Engels, Ausgewählte Schriften, Bd. II, S. 359.
278
2)
Karl Marx, "Das Kapital', Bd. I, S. 828
3) So
von Friedrich Adler auf dem Gebiet der Naturwissenschaft. Es ist
direkt eine Verhöhnung des Materialismus und seines Vorkämpfers Engels
und zugleich ein Beweis, wie die Sozialdemokratie die Traditionen
fälscht unter dem Vorwand, sie zu pflegen, wenn zum 30. Todestage eine
Gedenkschrjft zu "Ehren" des Naturwissenschaftlers Engels erscheint,
die Friedrich Adlers revisionistische Artikel enthält. Mit diesem Buch
("Marxismus und Naturwissenschaft", Verlag Laub) werden wir uns noch
befassen.
3)
Friedrich Engels, Briefe an Bebel, Dietz Verlag, Berlin 1958, S.
102/103.
|
  
Persönliches über Friedrich
Engels
|
Die älteste Tochter von Karl Marx, die nach ihrer Mutter Jenny
genannt wurde, führte in London eine Art "Poesiealbum" (oder
"Stammbuch"), in das sich FreundInnen und Verwandte eintrugen.
Auch Friedrich Engels ist als enger Freund der Familie Marx in diesem Büchlein mit einigen Antworten zu
den darin vorgegebenen Fragebögen eingetragen. Hier also Engels'
"persönliche Bekenntnisse":
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|
Frage |
Antwort |
|
Ihre
Lieblingstugend |
Fröhlichkeit |
|
Ihre
Lieblingstugend beim Mann |
sich um seine
eignen Angelegenheiten zu kümmern |
|
Ihre
Lieblingstugend bei der Frau |
keine Sachen zu
verlegen |
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Haupteigenschaft |
alles halb zu
wissen |
|
Auffassung vom
Glück |
Château Margaux
1848 |
|
Auffassung vom
Unglück |
zum Zahnarzt zu müssen |
|
Das Laster, das
Sie entschuldigen |
Unmäßigkeit aller
Art |
|
Das Laster, das
Sie verabscheuen |
Heuchelei |
|
Abneigung |
affektierte,
hochnäsige Frauen |
|
Lieblingsbeschäftigung |
necken und geneckt
werden |
|
Lieblingsdichter |
Reineke de Vos,
Shakespeare, Aristo etc. |
|
Lieblingsschriftsteller |
Goethe, Lessing,
Dr. Samelson |
|
Lieblingsheldin |
zu viel, um eine
zu nennen |
|
Lieblingsblume |
Blaue Glockenblume |
|
Lieblingsfarbe |
alle, bis auf
Anilinfarbe |
|
Lieblingsgericht |
kalt: Salat, heiß:
Irish Stew |
|
Personen , die Sie am
wenigsten mögen |
Spurgeon |
|
Lieblingsmaxime |
keine zu haben |
|
Lieblingsmotto |
immer mit der Ruhe |
|