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1.
Frage: Was ist der Marxismus?
Antwort: Der Marxismus ist die Lehre von den Bedingungen der
Befreiung des Proletariats.
2.
Frage: Was ist das Proletariat?
Antwort: Das Proletariat ist diejenige Klasse der Gesellschaft, welche
ihren Lebensunterhalt einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Arbeitskraft
und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht; deren Wohl und
Wehe, deren Leben und Tod, deren ganze Existenz von der Nachfrage nach
Arbeit, also von dem Wechsel der guten und schlechten Geschäftszeiten,
von den Schwankungen einer zügellosen Konkurrenz abhängt. Das
Proletariat oder die Klasse der Proletarier ist, mit einem Worte, die
arbeitende Klasse.
3.
Frage: Es hat also nicht immer Proletarier gegeben?
Antwort: Nein. Arme und arbeitende Klassen hat es immer gegeben;
auch waren die arbeitenden Klassen meistens arm. Aber solche Arme,
solche Arbeiter, die in den eben angegebenen Umständen lebten, also
Proletarier, hat es nicht immer gegeben, ebensowenig wie die
Konkurrenz immer frei und zügellos war.
4.
Frage: Wie ist das Proletariat entstanden?
Antwort: Das Proletariat ist entstanden durch die industrielle
Revolution, welche in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in
England vor sich ging und welche sich seitdem in allen zivilisierten
Ländern der Welt wiederholt hat. Diese industrielle Revolution wurde
herbeigeführt durch die Erfindung der Dampfmaschine, der verschiedenen
Spinnmaschinen, des mechanischen Webstuhls und einer ganzen Reihe
anderer mechanischer Vorrichtungen. Diese Maschinen, welche sehr teuer
waren und also nur von großen Kapitalisten angeschafft werden konnten,
veränderten die ganze bisherige Weise der Produktion und verdrängten
die bisherigen Arbeiter, indem die Maschinen die Waren wohlfeiler und
besser lieferten, als die Arbeiter sie mit ihren unvollkommenen
Spinnrädern und Webstühlen herstellen konnten.
Diese
Maschinen lieferten dadurch die Industrie gänzlich in die Hände der
großen Kapitalisten und machten das wenige Eigentum der Arbeiter
(Werkzeuge, Wegstühle usw.) völlig wertlos, so dass die Kapitalisten
bald alles in ihre Hände bekamen und die Arbeiter nichts
übrigbehielten. Damit war in der Verfertigung von Kleidungsstoffen das
Fabriksystem eingeführt. - Als der Anstoß zur Einführung der
Maschinerie und des Fabriksystems einmal gegeben war, wurde dieses
System auch sehr bald auf alle übrigen Industriezweige, namentlich auf
die Zeug- und Buchdruckerei, die Töpferei, die Metallwarenindustrie
angewandt. Die Arbeit wurde immer mehr unter die einzelnen Arbeiter
geteilt, so dass der Arbeiter, der früher ein ganzes Stück Arbeit
gemacht hatte, jetzt nur einen Teil dieses Stücks machte.
Diese
Teilung der Arbeit machte es möglich, dass die Produkte schneller und
daher wohlfeiler geliefert werden konnten. Sie reduzierte die
Tätigkeit eines jeden Arbeiters auf einen sehr einfachen, jeden
Augenblick wiederholten, mechanischen Handgriff, der nicht nur
ebensogut, sondern noch viel besser durch eine Maschine gemacht werden
konnte. Auf diese Weise gerieten alle diese Industriezweige, einer
nach dem anderen, unter die Herrschaft der Dampfkraft, der Maschinerie
und des Fabriksystems, gerade wie die Spinnerei und Weberei. Damit
gerieten sie aber zugleich vollständig in die Hände der großen
Kapitalisten, und den Arbeitern wurde auch hier der letzte Rest von
Selbständigkeit entzogen. Allmählich gerieten außer der eigentlichen
Manufaktur auch die Handwerke mehr und mehr unter die Herrschaft des
Fabriksystems, indem auch hier große Kapitalisten durch Anlegung
großer Ateliers, bei denen viele Kosten gespart werden und die Arbeit
ebenfalls sehr geteilt werden kann, die kleinen Meister mehr und mehr
verdrängten.
So
sind wir jetzt dahin gekommen, dass in den zivilisierten Ländern fast
alle Arbeitszweige fabrikmäßig betrieben werden, daß in fast allen
Arbeitszweigen das Handwerk und die Manufaktur durch die große
Industrie verdrängt worden sind. - Dadurch ist der bisherige
Mittelstand, besonders die kleinen Handwerksmeister, mehr und mehr
ruiniert, die frühere Lage der Arbeiter gänzlich umgewälzt und zwei
neue, allmählich alle übrigen verschlingenden Klassen geschaffen
worden, nämlich:
1. Die
Klasse der großen Kapitalisten, welche in allen zivilisierten Ländern
schon jetzt fast ausschließlich im Besitz aller Lebensmittel und der
zur Erzeugung der Lebensmittel nötigen Rohstoffe und Instrumente
(Maschinen, Fabriken) sind. Dies ist die Klasse der Bourgeois oder die
Bourgeoisie.
2. Die
Klasse der gänzlich Besitzlosen, welche darauf angewiesen sind, den
Bourgeois ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um dafür die zu ihrem Unterhalt
nötigen Lebensmittel zu erhalten. Diese Klasse heißt die Klasse der
Proletarier oder das Proletariat.
5.
Frage: Unter welchen Bedingungen findet dieser Verkauf der Arbeitskraft der
Proletarier an die Bourgeois statt?
Antwort: Die Arbeitskraft ist eine Ware wie jede andere, und ihr Preis wird
daher genau nach denselben Gesetzen bestimmt werden wie der jeder
anderen Ware. Der Preis einer Ware unter der Herrschaft der großen
Industrie oder der freien Konkurrenz, was, wie wir sehen werden, auf
eins hinauskommt, ist aber im Durchschnitt immer gleich den
Produktionskosten dieser Ware. Der Preis der Arbeitskraft ist also ebenfalls
gleich den Produktionskosten der Arbeitskraft.
Die
Produktionskosten der Arbeitskraft bestehen aber in gerade soviel
Lebensmitteln, als nötig sind, um den Arbeiter in den Stand zu setzen,
arbeitsfähig zu bleiben und die Arbeiterklasse nicht aussterben zu
lassen. Der Arbeiter wird also für seine Arbeitskraft nicht mehr erhalten,
als zu diesem Zwecke nötig ist; der Preis der Arbeitskraft oder der Lohn
wird also das Niedrigste, das Minimum sein, was zum Lebensunterhalt
nötig ist. Da die Geschäftszeiten aber bald schlechter, bald besser
sind, so wird er bald mehr, bald weniger bekommen, gerade wie der
Fabrikant bald mehr, bald weniger für seine Ware bekommt. Aber ebenso
wie der Fabrikant im Durchschnitt der guten und schlechten
Geschäftszeiten doch nicht mehr und nicht weniger für seine Ware
erhält als seine Produktionskosten, ebenso wird der Arbeiter im
Durchschnitt auch nicht mehr und nicht weniger als eben dies Minimum
erhalten. Dies ökonomische Gesetz des Arbeitslohns wird aber um so
strenger durchgeführt werden, je mehr die große Industrie sich aller
Arbeitszweige bemächtigt.
6.
Frage: Welche Arbeiterklassen gab es vor der industriellen Revolution?
Antwort: Die arbeitenden Klassen haben je nach den verschiedenen
Entwickelungsstufen der Gesellschaft in verschiedenen Verhältnissen
gelebt und verschiedene Stellungen zu den besitzenden und herrschenden
Klassen gehabt. Im Altertum waren die Arbeitenden die Sklaven der
Besitzer, wie sie es in vielen zurückgebliebenen Ländern und selbst in
dem südlichen Teil der Vereinigten Staaten noch sind. Im Mittelalter
waren sie die Leibeigenen des grundbesitzenden Adels, wie sie es noch
jetzt in Ungarn, Polen und Russland sind. Im Mittelalter und bis zur
industriellen Revolution gab es außerdem in den Städten
Handwerksgesellen, die im Dienst kleinbürgerlicher Meister arbeiteten,
und allmählich kamen auch mit der Entwicklung der Manufaktur
Manufakturarbeiter auf, welche schon von größeren Kapitalisten
beschäftigt wurden.
7.
Frage: Wodurch unterscheidet sich der Proletarier vom Sklaven?
Antwort: Der Sklave ist ein für allemal verkauft; der Proletarier muss
sich täglich und stündlich selbst verkaufen. Der einzelne Sklave,
Eigentum eines Herrn, hat schon durch das Interesse dieses Herrn eine
gesicherte Existenz, so elend sie sein mag; der einzelne Proletarier,
Eigentum sozusagen der ganzen Bourgeoisklasse, dem seine Arbeit nur
dann abgekauft wird, wenn jemand ihrer bedarf, hat keine gesicherte
Existenz. Diese Existenz ist nur der ganzen Proletarierklasse
gesichert. Der Sklave steht außerhalb der Konkurrenz, der Proletarier
steht in ihr und fühlt alle ihre Schwankungen. Der Sklave gilt für
eine Sache, nicht für ein Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft; der
Proletarier ist als Person, als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft
anerkannt.
Der
Sklave kann also eine bessere Existenz haben als der Proletarier, aber
der Proletarier gehört einer höheren Entwicklungsstufe der
Gesellschaft an und steht selbst auf einer höheren Stufe als der
Sklave. Der Sklave befreit sich, indem er von allen
Privateigentumsverhältnissen nur das Verhältnis der Sklaverei aufhebt
und dadurch erst selbst Proletarier wird; der Proletarier kann sich
nur dadurch befreien, dass er das Privateigentum überhaupt aufhebt.
8.
Frage: Wodurch unterscheidet sich der Proletarier vom Leibeigenen?
Antwort: Der Leibeigene hat den Besitz und die Benutzung eines
Produktionsinstrumentes, eines Stückes Boden, gegen Abgabe eines Teils
des Ertrages oder gegen Leistung von Arbeit. Der Proletarier arbeitet
mit Produktionsinstrumenten eines anderen für Rechnung dieses anderen,
gegen Empfang eines Teils des Ertrages. Der Leibeigene gibt ab, dem
Proletarier wird abgegeben. Der Leibeigene hat eine gesicherte
Existenz, der Proletarier hat sie nicht. Der Leibeigene steht
außerhalb der Konkurrenz, der Proletarier steht in ihr. Der Leibeigene
befreit sich, entweder indem er in die Städte entläuft und dort
Handwerker wird, oder indem er statt Arbeit und Produkten Geld an
seinen Gutsherrn gibt und freier Pächter wird, oder indem er seinen
Feudalherrn verjagt und selbst Eigentümer wird, kurz, indem er auf die
eine oder die andere Weise in die besitzende Klasse und in die
Konkurrenz eintritt. Der Proletarier befreit sich, indem er die
Konkurrenz, das Privateigentum und alle Klassenunterschiede aufhebt.
9. Frage: Wodurch unterscheidet
sich der Proletarier vom Manufakturarbeiter?
Antwort: Der Manufakturarbeiter des sechzehnten bis achtzehnten
Jahrhunderts hatte fast überall noch ein Produktionsinstrument in
seinem Besitz, seinen Webstuhl, die Spinnräder für seine Familie, ein
kleines Feld, das er in Nebenstunden bebaute. Der Proletarier hat das
alles nicht. Der Manufakturarbeiter lebt fast immer auf dem Lande und
in mehr oder weniger patriarchalischen Verhältnissen mit seinem
Gutsherrn oder Arbeitgeber; der Proletarier lebt meist in großen
Städten und steht zu seinem Arbeitgeber in einem reinen
Geldverhältnis. Der Manufakturarbeiter wird durch die große Industrie
aus seinen patriarchalischen Verhältnissen herausgerissen, verliert
den Besitz, den er noch hatte, und wird dadurch selbst erst
Proletarier.
10.
Frage: Was waren die nächsten Folgen der industriellen Revolution und
der Scheidung der Gesellschaft in Bourgeois und Proletarier?
Antwort: Erstens wurde durch die infolge der Maschinenarbeit immer
wohlfeiler werdenden Preise der Industrieerzeugnisse in allen Ländern
der Welt das alte System der Manufaktur oder auf Handarbeit beruhenden
Industrie gänzlich zerstört. Alle halbbarbarischen Länder, welche
bisher mehr oder weniger der geschichtlichen Entwicklung fremd
geblieben waren und deren Industrie bisher auf der Manufaktur beruht
hatte, wurden hierdurch mit Gewalt aus ihrer Abschließung
herausgerissen. Sie kauften die wohlfeileren Waren der Engländer und
ließen ihre eigenen Manufakturarbeiter zugrunde gehen. So sind Länder,
welche seit Jahrtausenden keinen Fortschritt gemacht haben, z.B.
Indien, durch und durch revolutioniert worden, und selbst China geht
jetzt einer Revolution entgegen. Es ist dahin gekommen, dass eine neue
Maschine, die heute in England erfunden wird, binnen einem Jahre
Millionen von Arbeitern in China außer Brot setzt. Auf diese Weise hat
die große Industrie alle Völker der Erde miteinander in Verbindung
gesetzt, alle kleinen Lokalmärkte zum Weltmarkt zusammengeworfen,
überall die Zivilisation und den Fortschritt vorbereitet und es dahin
gebracht, dass alles, was in den zivilisierten Ländern geschieht, auf
alle anderen Länder zurückwirken muss. So dass, wenn jetzt in England
oder Frankreich die Arbeiter sich befreien, dies in allen anderen
Ländern Revolutionen nach sich ziehen muss, welche früher oder später
ebenfalls die Befreiung der dortigen Arbeiter herbeiführen.
Zweitens hat sie überall, wo die große Industrie an die Stelle der
Manufaktur trat, die Bourgeoisie, ihren Reichtum und ihre Macht im
höchsten Grade entwickelt und sie zur ersten Klasse im Lande gemacht.
Die Folge davon war, dass überall, wo dies geschah, die Bourgeoisie
die politische Macht in ihre Hände bekam und die bisher herrschenden
Klassen, die Aristokratie, die Zunftbürger und das beide vertretende
absolute Königtum, verdrängte.
Die
Bourgeoisie vernichtete die Macht der Aristokratie, des Adels, indem
sie die Majorate oder die Unverkäuflichkeit des Grundbesitzes und alle
Adelsvorrechte aufhob. Sie zerstörte die Macht der Zunftbürger, indem
sie alle Zünfte und Handwerksprivilegien aufhob. An die Stelle beider
setzte sie die freie Konkurrenz, d.h. den Zustand der Gesellschaft,
worin jeder das Recht hat, jeden beliebigen Industriezweig zu
betreiben, und worin ihn nichts an dem Betriebe eines solchen
verhindern kann als der Mangel des dazu nötigen Kapitals.
Die
Einführung der freien Konkurrenz ist also die öffentliche Erklärung,
dass von nun an die Mitglieder der Gesellschaft nur noch insoweit
ungleich sind, als ihre Kapitalien ungleich sind, dass das Kapital die
entscheidende Macht und damit die Kapitalisten, die Bourgeois, die
erste Klasse in der Gesellschaft geworden sind. Die freie Konkurrenz
ist aber für den Anfang der großen Industrie notwendig, weil sie der
einzige Gesellschaftszustand ist, in dem die große Industrie aufkommen
kann. Die Bourgeoisie, nachdem sie so die gesellschaftliche Macht des
Adels und der Zunftbürger vernichtet hatte, vernichtete auch ihre
politische Macht. Wie sie sich in der Gesellschaft zur ersten Klasse
erhoben hatte, proklamierte sie sich auch in politischer Form als
erste Klasse. Sie tat dies durch die Einführung des
Repräsentativsystems, welches auf der bürgerlichen Gleichheit vor dem
Gesetz, der gesetzlichen Anerkennung der freien Konkurrenz beruht und
in den europäischen Ländern unter der Form der konstitutionellen
Monarchie eingeführt wurde. In diesen konstitutionellen Monarchien
sind nur diejenigen Wähler, welche ein gewisses Kapital besitzen, also
nur die Bourgeois; diese Bourgeoiswähler wählen die Deputierten, und
diese Bourgeoisdeputierten wählen, vermittels des Rechts der
Steuerverweigerung, eine Bourgeoisregierung.
Drittens entwickelte sie überall das Proletariat in demselben Maße,
wie sie die Bourgeoisie entwickelt. In demselben Verhältnis, wie die
Bourgeois reicher wurden, in demselben Verhältnis wurden die
Proletarier zahlreicher. Denn da die Proletarier nur durch das Kapital
beschäftigt werden können und das Kapital sich nur dann vermehrt, wenn
es Arbeit beschäftigt, so hält die Vermehrung des Proletariats genau
Schritt mit der Vermehrung des Kapitals. Zu gleicher Zeit zieht sie
die Bourgeois so wie die Proletarier in großen Städten zusammen, in
denen die Industrie sich am vorteilhaftesten betreiben läßt, und gibt
durch diese Zusammenwerfung großer Massen auf einen Fleck den
Proletariern das Bewusstsein ihrer Stärke. Ferner, je mehr sie sich
entwickelt, je mehr neue Maschinen erfunden werden, welche die
Handarbeit verdrängen, desto mehr drückt die große Industrie den Lohn,
wie schon gesagt, auf sein Minimum herab und macht dadurch die Lage
des Proletariats mehr und mehr unerträglich. So bereitet sie
einerseits durch die wachsende Unzufriedenheit, andererseits durch die
wachsende Macht des Proletariats eine Revolution der Gesellschaft
durch das Proletariat vor.
11.
Frage: Was waren die weiteren Folgen der industriellen Revolution?
Antwort: Die große Industrie schuf in der Dampfmaschine und den
übrigen Maschinen die Mittel, die industrielle Produktion in kurzer
Zeit und mit wenig Kosten ins unendliche zu vermehren. Die aus dieser
großen Industrie notwendig hervorgehende freie Konkurrenz nahm bei
dieser Leichtigkeit der Produktion sehr bald einen äußerst heftigen
Charakter an; eine Menge Kapitalisten warfen sich auf die Industrie,
und in kurzer Zeit wurde mehr produziert, als gebraucht werden konnte.
Die Folge davon war, daß die fabrizierten Waren nicht verkauft werden
konnten und dass eine sogenannte Handelskrisis eintrat. Die Fabriken
mußten stillstehen, die Fabrikanten machten Bankrott, und die Arbeiter
kamen außer Brot. Das größte Elend trat überall ein. Nach einiger Zeit
waren die überflüssigen Produkte verkauft, die Fabriken fingen wieder
an zu arbeiten, der Lohn stieg, und allmählich gingen die Geschäfte
wieder besser als je. Aber nicht lange, so waren wieder zuviel Waren
produziert, und eine neue Krisis trat ein, die gerade wieder denselben
Verlauf nahm wie die vorige. So hat seit dem Anfang dieses
Jahrhunderts der Zustand der Industrie fortwährend zwischen Epochen
der Prosperität und Epochen der Krise geschwankt, und fast regelmäßig
alle fünf bis sieben Jahre ist eine solche Krisis eingetreten,
welche jedesmal mit dem größten Elend der Arbeiter, mit allgemeiner
revolutionärer Aufregung und mit der größten Gefahr für den ganzen
bestehenden Zustand verknüpft war.
12.
Frage: Was folgt aus diesen sich regelmäßig wiederholenden
Handelskrisen?
Antwort: Erstens: Dass die große Industrie, obwohl sie selbst in ihrer
ersten Entwicklungsepoche die freie Konkurrenz erzeugt hat, jetzt
dennoch der freien Konkurrenz entwachsen ist; dass die Konkurrenz und
überhaupt der Betrieb der industriellen Produktion durch einzelne für
sie eine Fessel geworden ist, welche sie sprengen muss und wird; dass
die große Industrie, solange sie auf dem jetzigen Fuße betrieben wird,
sich nur durch eine von sieben zu sieben Jahren sich wiederholende
allgemeine Verwirrung erhalten kann, welche jedesmal die ganze
Zivilisation bedroht und nicht nur die Proletarier ins Elend stürzt,
sondern auch eine große Anzahl von Bourgeois ruiniert; dass also die
große Industrie selbst entweder ganz aufgegeben werden muss, was eine
absolute Unmöglichkeit ist; oder dass sie eine ganz neue Organisation
der Gesellschaft durchaus notwendig macht, in welcher nicht mehr
einzelne, einander Konkurrenz machende Fabrikanten, sondern die ganze
Gesellschaft nach einem festen Plan und nach den Bedürfnissen aller
die industrielle Produktion leitet.
Zweitens: Dass die große Industrie und die durch sie möglich gemachte
Ausdehnung der Produktion ins unendliche einen Zustand der
Gesellschaft möglich machen, in welchem so viel von allen
Lebensbedürfnissen produziert wird, dass jedes Mitglied der
Gesellschaft dadurch in den Stand gesetzt wird, alle seine Kräfte und
Anlagen in vollständiger Freiheit zu entwickeln und zu betätigen. So
dass also gerade diejenige Eigenschaft der großen Industrie, welche in
der heutigen Gesellschaft alles Elend und alle Handelskrisen erzeugt,
gerade dieselbe ist, welche unter einer anderen gesellschaftlichen
Organisation eben dieses Elend und diese unglückbereitenden
Schwankungen vernichten wird. So dass also aufs klarste bewiesen ist:
1.
dass von jetzt an alle diese Übel nur der für die Verhältnisse nicht
mehr passenden Gesellschaftsordnung zuzuschreiben sind und
2.
dass die Mittel vorhanden sind, um durch eine neue
Gesellschaftsordnung diese Übel gänzlich zu beseitigen.
13.
Frage: Welcher Art wird diese neue Gesellschaftsordnung sein müssen?
Antwort: Sie wird vor allen Dingen den Betrieb der Industrie und aller
Produktionszweige überhaupt aus den Händen der einzelnen, einander
Konkurrenz machenden Individuen nehmen und dafür alle diese
Produktionszweige durch die ganze Gesellschaft, d.h. für
gemeinschaftliche Rechnung, nach gemeinschaftlichem Plan und unter
Beteiligung aller Mitglieder der Gesellschaft, betreiben lassen
müssen. Sie wird also die Konkurrenz aufheben und die Assoziation an
ihre Stelle setzen. Da nun der Betrieb der Industrie durch einzelne
das Privateigentum zur notwendigen Folge hatte und die Konkurrenz
weiter nichts ist als die Art und Weise des Betriebs der Industrie
durch einzelne Privateigentümer, so ist das Privateigentum vom
einzelnen Betrieb der Industrie und der Konkurrenz nicht zu trennen.
Das Privateigentum wird also ebenfalls abgeschafft werden müssen, und
an seine Stelle wird die gemeinsame Benutzung aller
Produktionsinstrumente und die Verteilung aller Produkte nach
gemeinsamer Übereinkunft oder die sogenannte Gütergemeinschaft treten.
Die Abschaffung des Privateigentums ist sogar die kürzeste und
bezeichnendste Zusammenfassung der aus der Entwicklung der Industrie
notwendig hervorgehenden Umgestaltung der gesamten
Gesellschaftsordnung und wird daher mit Recht von den Kommunisten als
Hauptforderung hervorgehoben.
14.
Frage: Die Abschaffung des Privateigentums war also früher nicht
möglich?
Antwort: Nein. Jede Veränderung in der gesellschaftlichen Ordnung,
jede Umwälzung der Eigentumsverhältnisse ist die notwendige Folge der
Erzeugung neuer Produktivkräfte gewesen, welche den alten
Eigentumsverhältnissen sich nicht mehr fügen wollten. Das
Privateigentum selbst ist so entstanden. Denn das Privateigentum hat
nicht immer existiert, sondern, als gegen das Ende des Mittelalters in
der Manufaktur eine neue Art der Produktion erschaffen wurde, welche
sich dem damaligen feudalen und Zunfteigentum nicht unterordnen ließ,
da erzeugte diese, den alten Eigentumsverhältnissen entwachsene
Manufaktur eine neue Eigentumsform, das Privateigentum. Für die
Manufaktur und für die erste Entwicklungsstufe der großen Industrie
war aber keine andere Eigentumsform möglich als das Privateigentum,
keine andre Gesellschaftsordnung als die auf dem Privateigentum
beruhende. Solange nicht so viel produziert werden kann, dass nicht
nur für alle genug vorhanden ist, sondern auch noch ein Überschuss von
Produkten zur Vermehrung des gesellschaftlichen Kapitals und zur
weiteren Ausbildung der Produktivkräfte bleibt, solange muss es immer
eine herrschende, über die Produktivkräfte der Gesellschaft verfügende
und eine arme, unterdrückte Klasse geben. Wie diese Klassen beschaffen
sein werden, wird von der Entwicklungsstufe der Produktion abhängen.
Das vom Landbau abhängige Mittelalter gibt uns den Baron und den
Leibeigenen, die Städte des späteren Mittelalters zeigen uns den
Zunftmeister und den Gesellen und Tagelöhner, das siebzehnte
Jahrhundert hat den Manufakturisten und den Manufakturarbeiter, das
neunzehnte den großen Fabrikanten und den Proletarier.
Es ist
klar, das bisher die Produktivkräfte noch nicht so weit entwickelt
waren, dass für alle genug produziert werden konnte, und dass das
Privateigentum für diese Produktivkräfte eine Fessel, eine Schranke
geworden war. Jetzt aber, wo durch die Entwicklung der großen
Industrie erstens Kapitalien und Produktivkräfte in einem nie vorher
gekannten Maße erzeugt und die Mittel vorhanden sind, diese
Produktivkräfte in kurzer Zeit ins unendliche zu vermehren; wo
zweitens diese Produktivkräfte in den Händen weniger Bourgeois
zusammengedrängt sind, während die große Masse des Volks immer mehr zu
Proletariern wird, während ihre Lage in demselben Maße elender und
unerträglicher wird, in welchem die Reichtümer der Bourgeois sich
vermehren; wo drittens diese gewaltigen und leicht zu vermehrenden
Produktivkräfte so sehr dem Privateigentum und den Bourgeois über den
Kopf gewachsen sind, dass sie jeden Augenblick die gewaltsamsten
Störungen in der gesellschaftlichen Ordnung hervorrufen, jetzt erst
ist die Aufhebung des Privateigentums nicht nur möglich, sondern sogar
durchaus notwendig geworden.
15.
Frage: Wird die Aufhebung des Privateigentums auf friedlichem Wege
möglich sein?
Antwort: Es wäre zu wünschen, dass dies geschehen könnte, und die
Kommunisten wären gewiss die letzten, die sich dagegen auflehnen
würden. Die Kommunisten wissen zu gut, dass alle Verschwörungen nicht
nur nutzlos, sondern sogar schädlich sind. Sie wissen zu gut, dass
Revolutionen nicht absichtlich und willkürlich gemacht werden, sondern
dass sie überall und zu jeder Zeit die notwendige Folge von Umständen
waren, welche von dem Willen und der Leitung einzelner Parteien und
ganzer Klassen durchaus unabhängig sind.
Sie
sehen aber auch, dass die Entwicklung des Proletariats in fast allen
zivilisierten Ländern gewaltsam unterdrückt und dass hierdurch von den
Gegnern der Kommunisten auf eine Revolution mit aller Macht
hingearbeitet wird. Wird hierdurch das unterdrückte Proletariat
zuletzt in eine Revolution hineingejagt, so werden wir Kommunisten
dann ebensogut mit der Tat wie jetzt mit dem Wort die Sache der
Proletarier verteidigen.
16.
Frage: Wird die Abschaffung des Privateigentums mit einem Schlage
möglich sein?
Antwort: Nein, ebensowenig wie sich mit einem Schlage die schon
bestehenden Produktivkräfte so weit werden vervielfältigen lassen, als
zur Herstellung der Gemeinschaft nötig ist. Die aller
Wahrscheinlichkeit nach eintretende Revolution des Proletariats wird
also nur allmählich die jetzige Gesellschaft umgestalten und erst dann
das Privateigentum abschaffen können, wenn die dazu nötige Masse von
Produktionsmitteln geschaffen ist.
17.
Frage: Welchen Entwicklungsgang wird diese Revolution nehmen?
Antwort: Sie wird vor allen Dingen eine demokratische Staatsverfassung
und damit direkt oder indirekt die politische Herrschaft des
Proletariats herstellen. Direkt in England, wo die Proletarier schon
die Majorität des Volks ausmachen. Indirekt in Frankreich und
Deutschland, wo die Majorität des Volkes nicht nur aus Proletariern,
sondern auch aus kleinen Bauern und Bürgern besteht, welche eben erst
im Übergang ins Proletariat begriffen sind und in allen ihren
politischen Interessen mehr und mehr vom Proletariat abhängig werden
und sich daher bald den Forderungen des Proletariats fügen müssen.
Dies wird vielleicht einen zweiten Kampf kosten, der aber nur mit dem
Siege des Proletariats endigen kann.
Die
Demokratie würde dem Proletariat ganz nutzlos sein, wenn sie nicht
sofort als Mittel zur Durchsetzung weiterer, direkt das Privateigentum
angreifender und die Existenz des Proletariats sicherstellender
Maßregeln benutzt würde. Die hauptsächlichsten dieser Maßregeln, wie
sie sich schon jetzt als notwendige Folgen der bestehenden
Verhältnisse ergeben, sind folgende:
1.
Beschränkung des Privateigentums durch Progressivsteuern, starke
Erbschaftssteuern, Abschaffung der Erbschaft der Seitenlinien (Brüder,
Neffen etc.), Zwangsanleihen pp.
2.
Allmähliche Expropriation der Grundeigentümer, Fabrikanten,
Eisenbahnbesitzer und Schiffsreeder, teils durch Konkurrenz der
Staatsindustrie, teils direkt gegen Entschädigung in Papiergeld.
3.
Konfiskation der Güter aller Emigranten und Rebellen gegen die
Majorität des Volkes.
4.
Organisation der Arbeit oder Beschäftigung der Proletarier auf den
Nationalgütern, Fabriken und Werkstätten, wodurch die Konkurrenz der
Arbeiter unter sich beseitigt und die Fabrikanten, solange sie noch
bestehen, genötigt werden, denselben erhöhten Lohn zu zahlen wie der
Staat.
5.
Gleicher Arbeitszwang für alle Mitglieder der Gesellschaft bis zur
vollständigen Aufhebung des Privateigentums. Bildung industrieller
Armeen, besonders für die Agrikultur.
6.
Zentralisierung des Kreditsystems und Geldhandels in den Händen des
Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und Unterdrückung
aller Privatbanken und Bankiers.
7.
Vermehrung der Nationalfabriken, Werkstätten, Eisenbahnen und Schiffe,
Urbarmachung aller Ländereien und Verbesserung der schon urbar
gemachten, in demselben Verhältnis, in welchem sich die der Nation zur
Verfügung stehenden Kapitalien und Arbeiter vermehren.
8.
Erziehung sämtlicher Kinder, von dem Augenblicke an, wo sie der ersten
mütterlichen Pflege entbehren können, in Nationalanstalten und auf
Nationalkosten. Erziehung und Fabrikation zusammen.
9.
Errichtung großer Paläste auf den Nationalgütern als gemeinschaftliche
Wohnungen für Gemeinden von Staatsbürgern, welche sowohl Industrie wie
Ackerbau treiben und die Vorteile sowohl des städtischen wie des
Landlebens in sich vereinigen, ohne die Einseitigkeiten und Nachteile
beider Lebensweisen zu teilen.
10.
Zerstörung aller ungesunden und schlecht gebauten Wohnungen und
Stadtviertel.
11.
Gleiches Erbrecht für uneheliche wie für eheliche Kinder.
12.
Konzentration alles Transportwesens in den Händen der Nation.
Alle
diese Maßregeln können natürlich nicht mit einem Male durchgeführt
werden. Aber die eine wird immer die andre nach sich ziehen. Ist
einmal der erste radikale Angriff gegen das Privateigentum geschehen,
so wird das Proletariat sich gezwungen sehen, immer weiter zu gehen,
immer mehr alles Kapital, allen Ackerbau, alle Industrie, allen
Transport, allen Austausch in den Händen des Staates zu konzentrieren.
Dahin arbeiten alle diese Maßregeln; und sie werden genau in demselben
Verhältnis ausführbar werden und ihre zentralisierenden Konsequenzen
entwickeln, in welchem die Produktivkräfte des Landes durch die Arbeit
des Proletariats vervielfältigt werden. Endlich, wenn alles Kapital,
alle Produktion und aller Austausch in den Händen der Nation
zusammengedrängt sind, ist das Privateigentum von selbst weggefallen,
das Geld überflüssig geworden und die Produktion so weit vermehrt und
die Menschen so weit verändert, daß auch die letzten Verkehrsformen
der alten Gesellschaft fallen können.
18.
Frage: Was werden die Folgen der schließlichen Beseitigung des
Privateigentums sein?
Antwort: Dadurch, dass die Gesellschaft die Benutzung sämtlicher
Produktivkräfte und Verkehrsmittel sowie den Austausch und die
Verteilung der Produkte den Händen der Privatkapitalisten entnimmt und
nach einem aus den vorhandenen Mitteln und den Bedürfnissen der ganzen
Gesellschaft sich ergebenden Plan verwaltet, werden vor allen Dingen
alle die schlimmen Folgen beseitigt, welche jetzt noch mit dem Betrieb
der großen Industrie verknüpft sind. Die Krisen fallen weg; die
ausgedehnte Produktion, welche für die jetzige Ordnung der
Gesellschaft eine Überproduktion und eine so mächtige Ursache des
Elends ist, wird dann nicht einmal hinreichen und noch viel weiter
ausgedehnt werden müssen. Statt Elend herbeizuführen, wird die
Überproduktion über die nächsten Bedürfnisse der Gesellschaft hinaus
die Befriedigung der Bedürfnisse aller sicherstellen, neue Bedürfnisse
und zugleich die Mittel, sie zu befriedigen, erzeugen.
Sie
wird die Bedingung und Veranlassung neuer Fortschritte sein, sie wird
diese Fortschritte zustande bringen, ohne daß dadurch, wie bisher
jedesmal, die Gesellschaftsordnung in Verwirrung gebracht werde. Die
große Industrie, befreit von dem Druck des Privateigentums, wird sich
in einer Ausdehnung entwickeln, gegen die ihre jetzige Ausbildung
ebenso kleinlich erscheint wie die Manufaktur gegen die große
Industrie unserer Tage. Diese Entwicklung der Industrie wird der
Gesellschaft eine hinreichende Masse von Produkten zur Verfügung
stellen, um damit die Bedürfnisse aller zu befriedigen. Ebenso wird
der Ackerbau, der auch durch den Druck des Privateigentums und der
Parzellierung daran verhindert wird, sich die schon gemachten
Verbesserungen und wissenschaftlichen Entwicklungen anzueignen, einen
ganz neuen Aufschwung nehmen und der Gesellschaft eine vollständig
hinreichende Menge von Produkten zur Verfügung stellen.
Auf
diese Weise wird die Gesellschaft Produkte genug hervorbringen, um die
Verteilung so einrichten zu können, dass die Bedürfnisse aller
Mitglieder befriedigt werden. Die Trennung der Gesellschaft in
verschiedene, einander entgegengesetzte Klassen wird hiermit
überflüssig. Sie wird aber nicht nur überflüssig, sie ist sogar
unverträglich mit der neuen Gesellschaftsordnung. Die Existenz der
Klassen ist hervorgegangen aus der Teilung der Arbeit, und die Teilung
der Arbeit in ihrer bisherigen Weise fällt gänzlich weg. Denn um die
industrielle und Ackerbauproduktion auf die geschilderte Höhe zu
bringen, genügen die mechanischen und chemischen Hilfsmittel nicht
allein; die Fähigkeiten der diese Hilfsmittel in Bewegung setzenden
Menschen müssen ebenfalls in entsprechendem Maße entwickelt sein.
Ebenso wie die Bauern und Manufakturarbeiter des vorigen Jahrhunderts
ihre ganze Lebensweise veränderten und selbst ganz andere Menschen
wurden, als sie in die große Industrie hineingerissen wurden, ebenso
wird der gemeinsame Betrieb der Produktion durch die ganze
Gesellschaft und die daraus folgende neue Entwicklung der Produktion
ganz andere Menschen bedürfen und auch erzeugen. Der gemeinsame
Betrieb der Produktion kann nicht durch Menschen geschehen wie die
heutigen, deren jeder einem einzigen Produktionszweig untergeordnet,
an ihn gekettet, von ihm ausgebeutet ist, deren jeder nur eine seiner
Anlagen auf Kosten aller anderen entwickelt hat, nur einen Zweig oder
nur den Zweig eines Zweiges der Gesamtproduktion kennt.
Schon
die jetzige Industrie kann solche Menschen immer weniger gebrauchen.
Die gemeinsam und planmäßig von der ganzen Gesellschaft betriebene
Industrie setzt vollends Menschen voraus, deren Anlagen nach allen
Seiten hin entwickelt sind, die imstande sind, das gesamte System der
Produktion zu überschauen. Die durch die Maschinen schon jetzt
untergrabene Teilung der Arbeit, die den einen zum Bauern, den anderen
zum Schuster, den dritten zum Fabrikarbeiter, den vierten zum
Börsenspekulanten macht, wird also gänzlich verschwinden. Die
Erziehung wird die jungen Leute das ganze System der Produktion rasch
durchmachen lassen können, sie wird sie in Stand setzen, der Reihe
nach von einem zum andern Produktionszweig überzugehen, je nachdem die
Bedürfnisse der Gesellschaft oder ihre eigenen Neigungen sie dazu
veranlassen. Sie wird ihnen also den einseitigen Charakter nehmen, den
die jetzige Teilung der Arbeit jedem einzelnen aufdrückt. Auf diese
Weise wird die kommunistisch organisierte Gesellschaft ihren
Mitgliedern Gelegenheit geben, ihre allseitig entwickelten Anlagen
allseitig zu betätigen. Damit aber verschwinden notwendig auch die
verschiedenen Klassen. So dass die kommunistisch organisierte
Gesellschaft einerseits mit dem Bestand der Klassen unverträglich ist
und andrerseits die Herstellung dieser Gesellschaft selbst die Mittel
bietet, diese Klassenunterschiede aufzuheben.
Es
geht hieraus hervor, dass der Gegensatz zwischen Stadt und Land
ebenfalls verschwinden wird. Der Betrieb des Ackerbaues und der
Industrie durch dieselben Menschen, statt durch zwei verschiedene
Klassen, ist schon aus ganz materiellen Ursachen eine notwendige
Bedingung der kommunistischen Assoziation. Die Zersplitterung der
ackerbauenden Bevölkerung auf dem Lande, neben der Zusammendrängung
der industriellen in den großen Städten, ist ein Zustand, der nur
einer noch unentwickelten Stufe des Ackerbaues und der Industrie
entspricht, ein Hindernis aller weiteren Entwicklung, das schon jetzt
sehr fühlbar wird.
Die
allgemeine Assoziation aller Gesellschaftsmitglieder zur gemeinsamen
und planmäßigen Ausbeutung der Produktionskräfte, die Ausdehnung der
Produktion in einem Grade, dass sie die Bedürfnisse aller befriedigen
wird, das Aufhören des Zustandes, in dem die Bedürfnisse der einen auf
Kosten der andern befriedigt werden, die gänzliche Vernichtung der
Klassen und ihrer Gegensätze, die allseitige Entwickelung der
Fähigkeiten aller Gesellschaftsmitglieder durch die Beseitigung der
bisherigen Teilung der Arbeit, durch die industrielle Erziehung, durch
den Wechsel der Tätigkeit, durch die Teilnahme aller an den durch alle
erzeugten Genüssen, durch die Verschmelzung von Stadt und Land - das
sind die Hauptresultate der Abschaffung des Privateigentums.
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