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Die
Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Faschismus
Genossen! Millionen von Arbeitern und Werktätigen in den
kapitalistischen Ländern fragen: wie kann man verhindern, daß der
Faschismus an die Macht gelangt, und wie kann man den Faschismus
stürzen, wenn er gesiegt hat? Die Kommunistische Internationale
antwortet: das erste, was gemacht werden muß, womit man beginnen muß,
ist die Schaffung der Einheitsfront, die Herstellung der
Aktionseinheit der Arbeiter in jedem Betrieb, in jedem Bezirk, in
jedem Gebiet, in jedem Lande, in der ganzen Welt. Die Aktionseinheit
des Proletariats im nationalen und internationalen Maßstab ist die
mächtige Waffe, die die Arbeiterklasse nicht nur zur erfolgreichen
Verteidigung, sondern auch zur erfolgreichen Gegenoffensive gegen den
Faschismus, gegen den Klassenfeind fähig macht.
Die Bedeutung
der Einheitsfront
Ist es
nicht klar, daß gemeinsame Aktionen der Anhänger der Parteien und
Organisationen der zwei Internationalen - der Kommunistischen
Internationale und der II. Internationale - den Massen die Abwehr des
faschistischen Ansturms erleichtern und das politische Gewicht der
Arbeiterklasse erhöhen würden?
Gemeinsame Aktionen der Parteien der beiden Internationalen gegen den
Faschismus würden jedoch nicht nur einen Einfluß auf ihre
gegenwärtigen Anhänger, auf die Kommunisten und die Sozialdemokraten
haben, sie würden auch einen mächtigen Einfluß auf die Reihen der
christlichen, anarchistischen und unorganisierten Arbeiter ausüben,
sogar auf diejenigen, die vorübergehend ein Opfer der faschistischen
Demagogie geworden sind.
Ja
noch mehr. Die machtvolle Einheitsfront des Proletariats würde einen
ungeheuren Einfluß auf alle anderen Schichten des werktätigen Volkes
ausüben, auf die Bauernschaft, auf das städtische Kleinbürgertum, auf
die Intellektuellen. Die Einheitsfront Würde den schwankenden
Schichten den Glauben an die Kräfte der Arbeiterklasse geben.
Aber
auch das ist noch nicht alles. Das Proletariat der imperialistischen
Länder hat potentielle Verbündete nicht nur in den Werktätigen des
eigenen Landes, sondern auch in den unterdrückten Völkern der Kolonien
und Halbkolonien. Die Tatsache, daß das Proletariat im nationalen und
Internationalen Maßstab gespalten ist, daß einer seiner Teile die
Politik der Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie und namentlich ihr
Unterdrückungsregime in den Kolonien und Halbkolonien unterstützt,
stößt die unterdrückten Völker der Kolonien und Halbkolonien von der
Arbeiterklasse ab und schwächt die internationale antiimperialistische
Front. Jeder Schritt auf dem Wege zur Aktionseinheit, der auf die
Unterstützung des Befreiungskampfes der Kolonialvölker durch das
Proletariat der imperialistischen Mutterländer gerichtet ist, bedeutet
die Verwandlung der Kolonien und Halbkolonien in eine der
Hauptreserven des Weltproletariats.
Wenn
wir schließlich in Betracht ziehen, daß die internationale
Aktionseinheit des Proletariats sich auf die ständig wachsende Macht
des proletarischen Staates, des Landes des Sozialismus, der
Sowjetunion, stützt, so sehen wir, welche breiten Perspektiven die
Herstellung der Aktionseinheit des Proletariats im nationalen und
internationalen Maßstab eröffnet.
Die
Herstellung der Aktionseinheit aller Teile der Arbeiterklasse,
unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Partei
und Organisation, ist notwendig, noch bevor die Mehrheit der
Arbeiterklasse sich zum Kampf für den Sturz des Kapitalismus und für
den Sieg der proletarischen Revolution vereinigt haben wird.
Ist es
möglich, diese Aktionseinheit des Proletariats in den einzelnen
Ländern und in der ganzen Welt zu verwirklichen? Jawohl, es ist
möglich, und es ist sofort möglich. Die Kommunistische Internationale
stellt für die Aktionseinheit keinerlei Bedingungen, mit Ausnahme
einer einzigen, elementaren, für alle Arbeiter annehmbaren Bedingung,
und zwar, daß die Aktionseinheit sich gegen den Faschismus, gegen die
Offensive des Kapitals, gegen die Kriegsgefahr, gegen den Klassenfeind
richtet. Das ist unsere Bedingung.
Die
Hauptargumente der Gegner der Einheitsfront
Welche
Einwände können die Gegner der Einheitsfront machen und welche
Einwände machen sie?
Die einen sagen: »Die Losung der Einheitsfront ist für die Kommunisten
nur ein Manöver.« Wäre das aber ein Manöver - antworten wir -, dann
muß man fragen, warum ihr dieses »kommunistische Manöver« nicht durch
eure ehrliche Beteiligung an der Einheitsfront entlarvt? Wir erklären
offen: wir wollen die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, damit das
Proletariat in seinem Kampfe gegen die Bourgeoisie erstarke, damit es,
wenn es heute seine Tagesinteressen gegen das angreifende Kapital,
gegen den Faschismus verteidigt, imstande sein soll, morgen die
Voraussetzungen für seine endgültige Befreiung zu schaffen.
»Die
Kommunisten greifen uns an« - sagen die anderen. Aber hört doch, wir
haben bereits wiederholt erklärt: wir werden niemanden angreifen,
weder Personen noch Organisationen, noch Parteien, die für die
Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Klassenfeind sind.
Gleichzeitig aber haben wir im Interesse des Proletariats und seiner
Sache die Pflicht, die Personen, Organisationen und Parteien zu
kritisieren, die die Aktionseinheit der Arbeiter stören.
»Wir
können keine Einheitsfront mit den Kommunisten bilden, weil sie ein
anderes Programm haben« - sagen die Dritten. Aber ihr behauptet doch,
daß ihr ein Programm habt, das sich vom Programm der bürgerlichen
Parteien unterscheidet. Und das hat euch nicht gehindert und hindert
euch nicht daran, Koalitionen mit diesen Parteien zu bilden.
»Die
bürgerlich-demokratischen Parteien sind bessere Verbündete gegen den
Faschismus als die Kommunisten« - sagen die Gegner der Einheitsfront
und die Verteidigung der Koalition mit der Bourgeoisie. Was zeigt aber
die Erfahrung Deutschlands? Dort haben doch die Sozialdemokraten einen
Block mit diesen »besseren« Verbündeten gebildet. Und was sind die
Ergebnisse?
»Wenn
wir eine Einheitsfront mit den Kommunisten bilden, werden die
Kleinbürger Angst vor der ›roten Gefahr‹ bekommen und zu den
Faschisten überlaufen« - hören wir oft. Bedroht etwa die Einheitsfront
die Bauern, die Kleinhändler, die Handwerker, die werktätige
Intelligenz? Nein, die Einheitsfront bedroht die Großbourgeoisie, die
Finanzmagnaten, die Junker und andere Ausbeuter, deren Regime allen
diesen Schichten den völligen Ruin bringt.
»Die
Sozialdemokratie ist für die Demokratie, die Kommunisten aber sind für
die Diktatur, deshalb können wir mit den Kommunisten keine
Einheitsfront bilden« - sagt eine Reihe von sozialdemokratischen
Führern. Aber schlagen wir euch heute etwa eine Einheitsfront zur
Proklamierung der Diktatur des Proletariats vor? Das schlagen wir doch
einstweilen nicht vor.
»Mögen
die Kommunisten die Demokratie anerkennen und für ihre Verteidigung
eintreten, dann sind wir zur Einheitsfront bereit.« Darauf erwidern
wir: wir sind Anhänger der Sowjetdemokratie, der Demokratie der
Werktätigen, der konsequentesten Demokratie der Welt. Aber wir
verteidigen in den kapitalistischen Ländern jeden Fußbreit der
bürgerlich-demokratischen Freiheiten, die der Faschismus und die
bürgerliche Reaktion angreifen, und werden es auch in Zukunft tun,
weil das die Interessen des Klassenkampfes des Proletariats verlangen.
»Aber
die kleinen kommunistischen Parteien werden durch ihre Beteiligung an
jener Einheitsfront, die von der Labour Party verwirklicht wird,
nichts hinzufügen« - sagen z.B. die Führer der Labour Party in
England. Aber erinnert euch, dasselbe haben die österreichischen
sozialdemokratischen Führer in bezug auf die kleine österreichische
Kommunistische Partei behauptet. Was haben aber die Ereignisse
gezeigt? Nicht die österreichische Sozialdemokratie mit Otto Bauer und
Karl Renner an der Spitze behielt recht, sondern die kleine
österreichische Kommunistische Partei, die die faschistische Gefahr in
Österreich rechtzeitig signalisierte und die Arbeiter zum Kampf rief.
Die ganze Erfahrung der Arbeiterbewegung hat doch gezeigt, daß die
Kommunisten, sogar wenn sie zahlenmäßig relativ schwach sind, der
Motor der Kampfaktivität des Proletariats sind. Außerdem darf man
nicht vergessen, daß die kommunistischen Parteien Österreichs oder
Englands nicht nur die zehntausende Arbeiter repräsentieren, die
Anhänger dieser Parteien sind, sie sind Teile der internationalen
kommunistischen Bewegung, sie sind Sektionen der Kommunistischen
Internationale, deren führende Partei die Partei eines Proletariats
ist, das bereits gesiegt hat und auf einem Sechstel der Erde regiert.
»Aber
die Einheitsfront hat den Sieg des Faschismus im Saargebiet nicht
verhindern können« - wenden die Gegner der Einheitsfront ein. Eine
merkwürdige Logik haben diese Herrschaften! Erst tun sie alles, um den
Sieg des Faschismus sicherzustellen, und dann behaupten sie
schadenfroh, daß die Einheitsfront, zu der sie sich im allerletzten
Augenblick herbeigelassen haben, nicht zum Sieg der Arbeiter geführt
habe.
»Wollten wir eine Einheitsfront mit den Kommunisten bilden, so würden
wir aus der Koalition austreten müssen, und in die Regierung würden
die reaktionären und faschistischen Parteien eintreten« - sagen die
sozialdemokratischen Führer, die in den Regierungen der verschiedenen
Länder sitzen. Nun gut. Hat die deutsche Sozialdemokratie einer
Koalitionsregierung angehört? Jawohl! Hat die österreichische
Sozialdemokratie der Regierung angehört? Ebenfalls! Waren die
spanischen Sozialisten in einer Regierung mit der Bourgeoisie? Jawohl,
auch sie! Hat in diesen Ländern die Beteiligung der Sozialdemokratie
an den bürgerlichen Koalitionsregierungen den Überfall des Faschismus
auf das Proletariat verhindert? Nein, das hat ihn nicht verhindert.
Also ist es sonnenklar, daß die Beteiligung sozialdemokratischer
Minister an einer bürgerlichen Regierung keinen Schutzwall gegen den
Faschismus bildet.
»Die
Kommunisten handeln diktatorisch, sie wollen uns alles vorschreiben
und diktieren.« Nein. Wir schreiben nichts vor und diktieren nichts.
Wir machen nur unsere Vorschläge, von denen wir überzeugt sind, daß
ihre Verwirklichung im Interesse des werktätigen Volkes liegt. Das ist
nicht nur ein Recht, sondern auch die Pflicht aller, die im Namen der
Arbeiter auftreten. Ihr fürchtet eine »Diktatur« der Kommunisten? Dann
laßt uns gemeinsam alle Vorschläge den Arbeitern vorlegen, eure und
unsere, alle gemeinsam durchberaten zusammen mit allen Arbeitern und
diejenigen Vorschläge auswählen, die für die Sache der Arbeiterklasse
am nützlichsten sind.
Also,
alle diese Argumente gegen die Einheitsfront halten keinerlei Kritik
stand. Das sind eher Ausreden der reaktionären Führer der
Sozialdemokratie, die ihre Einheitsfront mit der Bourgeoisie der
Einheitsfront des Proletariats vorziehen.
Nein!
Diese Ausreden gelten nicht! Das internationale Proletariat hat die
Folgen der Spaltung der Arbeiterbewegung ausgekostet und überzeugt
sich immer mehr davon, daß die Einheitsfront, die Aktionseinheit des
Proletariats im nationalen und internationalen Maßstab notwendig und
durchaus möglich sind.
Inhalt und
Formen der Einheitsfront
Was
ist und was muß der Hauptinhalt der Einheitsfront in der gegebenen
Etappe sein? Die Verteidigung der unmittelbaren wirtschaftlichen und
politischen Interessen der Arbeiterklasse, die Verteidigung der
Arbeiterklasse gegen den Faschismus muß der Ausgangspunkt und der
Hauptinhalt der Einheitsfront in allen kapitalistischen Ländern sein.
Wir
dürfen uns nicht mit bloßen Aufrufen zum Kampf für die proletarische
Diktatur begnügen, sondern müssen solche Losungen und Kampfformen
ausfindig machen und vorschlagen, die sich aus den Lebensbedürfnissen
der Massen, aus dem Grad ihrer Kampffähigkeit in der jeweiligen
Entwicklungsetappe ergeben.
Wir
müssen den Massen zeigen, was sie heute tun müssen, um sich vor der
kapitalistischen Ausplünderung und der faschistischen Barbarei zu
schützen.
Wir
müssen uns dafür einsetzen, daß die breiteste Einheitsfront
hergestellt wird durch gemeinsame Aktionen der Arbeiterorganisationen
der verschiedenen Richtungen zum Schutz der Lebensinteressen der
werktätigen Massen. Das bedeutet erstens den gemeinsamen Kampf für die
wirkliche Abwälzung der Folgen der Krise auf die Schultern der
herrschenden Klassen, auf die Schultern der Kapitalisten, der
Grundherren, mit einem Wort, auf die Schultern der Reichen.
Das
bedeutet zweitens den gemeinsamen Kampf gegen alle Formen der
faschistischen Offensive, für die Verteidigung der Errungenschaften
und der Rechte der Werktätigen, gegen die Beseitigung der
bürgerlich-demokratischen Freiheiten.
Das
bedeutet drittens den gemeinsamen Kampf gegen die herannahende Gefahr
eines imperialistischen Krieges, einen Kampf, der die Vorbereitung
dieses Krieges erschweren würde.
Wir
müssen unermüdlich die Arbeiterklasse auf den raschen Wechsel der
Formen und Methoden des Kampfes bei Veränderung der Verhältnisse
vorbereiten. In dem Maße, wie die Bewegung wächst und die Einheit der
Arbeiterklasse sich verstärkt, müssen wir weitergehen und den Übergang
von der Verteidigung zum Angriff gegen das Kapital vorbereiten und auf
die Organisierung des politischen Massenstreiks hinsteuern. Dabei muß
die unbedingte Voraussetzung eines solchen Streiks sein, daß die
ausschlaggebenden Gewerkschaften des gegebenen Landes in diesen Streik
hineingezogen werden.
Natürlich können und dürfen die Kommunisten keinen Augenblick auf ihre
selbständige Arbeit zur kommunistischen Aufklärung, Organisierung und
Mobilisierung der Massen verzichten. Um jedoch den Arbeitern den Weg
zur Aktionseinheit zu sichern, muß man gleichzeitig sowohl
kurzfristige als auch langfristige Abkommen über gemeinsame Aktionen
mit sozialdemokratischen Parteien, reformistischen Gewerkschaften und
anderen Organisationen der Werktätigen gegen die Klassenfeinde des
Proletariats anstreben. Die Hauptaufmerksamkeit wird man dabei auf die
Entfaltung von Massenaktionen in den einzelnen Orten lenken müssen,
die von den unteren Organisationen auf Grund von örtlichen Abkommen
durchgeführt werden.
Indem
wir die Bedingungen aller mit ihnen geschlossenen Abkommen loyal
erfüllen, werden wir rücksichtslos jegliche Sabotage der gemeinsamen
Aktionen durch Personen und Organisationen, die an der Einheitsfront
teilnehmen, entlarven. Alle Versuche, Abkommen zu sprengen, und solche
Versuche werden möglicherweise unternommen werden, werden wir dadurch
beantworten, daß wir uns an die Massen wenden und den unermüdlichen
Kampf für die Wiederherstellung der gestörten Aktionseinheit
fortsetzen werden.
Natürlich wird die konkrete Verwirklichung der Einheitsfront in
verschiedenen Ländern auf verschiedene Weise vor sich gehen,
verschiedene Formen annehmen, je nach dem Zustand und dem Charakter
der Arbeiterorganisationen, ihrem politischen Niveau, der konkreten
Situation in dem jeweiligen Lande, je nach den Verschiebungen in der
internationalen Arbeiterbewegung usw.
Solche
Formen können z.B. sein: vereinbarte gemeinsame Aktionen der Arbeiter
von Fall zu Fall aus konkreten Anlässen, für einzelne Forderungen oder
auch auf Grund einer gemeinsamen Plattform; vereinbarte Aktionen in
einzelnen Betrieben oder Industriezweigen; vereinbarte Aktionen im
örtlichen, Gebiets-, Landes- oder internationalen Maßstab; vereinbarte
Aktionen zur Organisierung der Wirtschaftskämpfe der Arbeiter, zur
Durchführung politischer Massenaktionen, zur Organisierung eines
gemeinsamen Selbstschutzes gegen faschistische Überfälle; vereinbarte
Aktionen zur Unterstützung der Gefangenen und ihrer Familien, zum
Kampf gegen die soziale Reaktion; gemeinsame Aktionen zur Verteidigung
der Interessen der Jugend und der Frauen; auf dem Gebiet des
Genossenschaftswesens, der Kultur, des Sports usw. usw.
Es
wäre jedoch ungenügend, wollte man sich nur mit dem Abschluß eines
Pakts über gemeinsame Aktionen und mit der Schaffung von
Kontaktkommissionen aus den an der Einheitsfront beteiligten Parteien
und Organisationen zufrieden geben, wie wir sie z.B. in Frankreich
haben. Das ist nur der erste Schritt. Ein Pakt ist ein Hilfsmittel zur
Durchführung gemeinsamer Aktionen, aber er ist an und für sich noch
nicht die Einheitsfront. Eine Kontaktkommission zwischen den Leitungen
der Kommunistischen Partei und der Sozialistischen Partei ist
notwendig, um die Durchführung gemeinsamer Aktionen zu erleichtern,
jedoch genügt sie an sich bei weitem noch nicht zur wirklichen
Entfaltung der Einheitsfront, zur Hineinziehung der breitesten Massen
in den Kampf gegen den Faschismus.
Die
Kommunisten und alle revolutionären Arbeiter müssen sich dafür
einsetzen, daß wählbare (in den Ländern der faschistischen Diktatur
aus den angesehensten Teilnehmern der Einheitsfrontbewegung
zusammengesetzte) überparteiliche Klassenorgane der Einheitsfront in
den Betrieben, unter den Erwerbslosen, in den Arbeiterbezirken, unter
den kleinen Leuten in den Städten und auf dem Lande gebildet werden.
Nur solche Organe können durch die Einheitsfrontbewegung auch die
riesige unorganisierte Masse der Werktätigen erfassen, können die
Entwicklung der Initiative der Massen im Kampfe gegen die Offensive
des Kapitals, gegen Faschismus und Reaktion und auf dieser Grundlage
auch die Schaffung eines notwendigen breiten Arbeiterfunktionärkörpers
der Einheitsfront, die Erziehung von Hunderten und Tausenden
parteilosen Bolschewiki in den kapitalistischen Ländern fördern.
Die
gemeinsamen Aktionen der organisierten Arbeiter sind der Beginn, die
Grundlage. Doch dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, daß die
überwiegende Mehrzahl der Arbeiter die unorganisierten Massen bilden.
So beträgt in Frankreich die Zahl der organisierten Arbeiter, der
Kommunisten, der Sozialisten, der Mitglieder von Gewerkschaften
verschiedener Richtungen - insgesamt ungefähr eine Million, die
Gesamtzahl der Arbeiter aber beträgt 11 Millionen. In England gehören
den Gewerkschaften und den Parteien aller Richtungen ungefähr 5
Millionen an. Dabei beträgt die Gesamtzahl der Arbeiter 14 Millionen.
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika gibt es ungefähr 5
Millionen organisierte Arbeiter, die Gesamtzahl der Arbeiter beträgt
dort aber 38 Millionen. Ungefähr dasselbe Verhältnis besteht auch in
einer Reihe anderer Länder. In »normalen« Zeiten steht diese Masse im
wesentlichen außerhalb des politischen Lebens. Gegenwärtig aber gerät
diese gewaltige Masse immer mehr in Bewegung, wird in das politische
Leben hineingezogen, betritt die politische Arena.
Die
Schaffung von überparteilichen Klassenorganen ist die beste Form der
Herstellung, Erweiterung und Stärkung der Einheitsfront in den Tiefen
der breitesten Massen. Diese Organe werden auch das beste Bollwerk
bilden gegen alle Versuche der Gegner der Einheitsfront, die
hergestellte Aktionseinheit der Arbeiterklasse zu stören.
Über die
antifaschistische Volksfront
Bei
der Mobilisierung der werktätigen Massen zum Kampf gegen den
Faschismus ist die Schaffung einer breiten antifaschistischen
Volksfront auf der Grundlage der proletarischen Einheitsfront eine
besonders wichtige Aufgabe. Der Erfolg des gesamten Kampfes des
Proletariats ist eng verbunden mit der Herstellung des Kampfbündnisses
des Proletariats mit der werktätigen Bauernschaft und der Hauptmasse
des städtischen Kleinbürgertums, das die Mehrheit der Bevölkerung
sogar in den industriell entwickelten Ländern bildet.
Der
Faschismus, der diese Massen gewinnen will, versucht in seiner
Agitation, die arbeitenden Massen in Stadt und Land dem revolutionären
Proletariat entgegenzustellen und den Kleinbürger mit dem Gespenst der
»roten Gefahr« zu schrecken. Wir müssen den Spieß umdrehen und den
werktätigen Bauern, den Handwerkern sowie der werktätigen Intelligenz
zeigen, woher ihnen die wirkliche Gefahr droht: wir müssen ihnen
konkret zeigen, wer dem Bauern die Last der Steuern und Abgaben
aufbürdet, aus ihm Wucherzinsen herauspreßt; wer selbst den besten
Boden und alle Reichtümer besitzt, aber den Bauern und seine Familie
von seiner Scholle vertreibt und ihn der Arbeitslosigkeit und dem
Elend preisgibt. Wir müssen konkret aufzeigen, geduldig und beharrlich
erklären, wer Handwerker und Gewerbetreibende durch Steuern, Gebühren,
hohen Pachtzins und für sie unerträgliche Konkurrenz ruiniert; wer die
breiten Massen der werktätigen Intelligenz auf die Straße wirft und
arbeitslos macht.
Aber
das genügt nicht.
Das
Grundlegende, das Entscheidendste, für die Herstellung der
antifaschistischen Volksfront ist die entschiedene Aktion des
revolutionären Proletariats zur Verteidigung der Forderungen dieser
Schichten und insbesondere der werktätigen Bauernschaft, der
Forderungen, die den Grundinteressen des Proletariats entsprechen,
wobei man im Laufe des Kampfes die Forderungen der Arbeiterklasse mit
diesen Forderungen verknüpfen muß.
Von
großer Bedeutung für die Schaffung der antifaschistischen Volksfront
ist das richtige Herangehen an jene Organisationen und Parteien, denen
die werktätige Bauernschaft und die Hauptmassen des städtischen
Kleinbürgertums in großer Zahl angehören.
In den
kapitalistischen Ländern befinden sich die meisten dieser Parteien und
Organisationen - sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen
- noch unter dem Einfluß der Bourgeoisie und leisten ihr Gefolgschaft.
Die soziale Zusammensetzung dieser Parteien und Organisationen ist
nicht einheitlich. In ihnen befinden sich reiche Großbauern neben
landlosen Bauern, große Geschäftsleute neben kleinen Krämern, aber die
Führung in ihnen gehört den ersten, den Agenten des Großkapitals. Das
verpflichtet uns, an diese Organisationen in verschiedener Weise
heranzutreten, zu berücksichtigen, daß die Mitgliedermasse oft das
wahre politische Gesicht ihrer eigenen Leitung nicht kennt. Unter
bestimmten Umständen können und müssen wir unsere Anstrengungen darauf
richten, diese Parteien und Organisationen oder einzelne Teile von
ihnen trotz ihrer bürgerlichen Leitung für die antifaschistische
Volksfront zu gewinnen. So steht es z.B. gegenwärtig in Frankreich mit
der radikalen Partei, in den Vereinigten Staaten - mit den
verschiedenen Farmerorganisationen, in Polen - mit »Stronictwo Ludowe«,
in Jugoslawien - mit der kroatischen Bauernpartei, in Bulgarien - mit
dem Landwirtebund, in Griechenland - mit den Agraristen usw. Aber
unabhängig davon, ob Aussichten auf die Gewinnung solcher Parteien und
Organisationen für die Volksfront bestehen, muß unsere Taktik unter
allen Uniständen darauf gerichtet sein, die ihnen angehörenden
Kleinbauern, Handwerker, Gewerbetreibende usw. in die
antifaschistische Volksfront hineinzuziehen.
Ihr
seht also, daß wir hier auf der ganzen Linie aufräumen müssen mit der
in unserer Praxis nicht selten vorkommenden Ignorierung,
Geringschätzung der verschiedenen Organisationen und Parteien der
Bauernschaft, der Handwerker und der Massen des städtischen
Kleinbürgertums.
Die
politische Einheit der Arbeiterklasse
Genossen! Die Entwicklung der Einheitsfront des gemeinsamen Kampfes
der kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter gegen den
Faschismus und die Kapitalsoffensive wirft auch die Frage der
politischen Einheit, der einheitlichen politischen Massenpartei der
Arbeiterklasse auf. Die sozialdemokratischen Arbeiter überzeugen sich
an Hand der Erfahrung immer mehr, daß der Kampf gegen den Klassenfeind
eine einheitliche politische Führung erfordert, da die Dualität der
Führung die weitere Entwicklung und Verstärkung des einheitlichen
Kampfes der Arbeiterklasse erschwert.
Die
Interessen des Klassenkampfes des Proletariats und der Erfolg der
proletarischen Revolution machen es gebieterisch notwendig, daß in
jedem Lande eine einheitliche Partei des Proletariats bestehe. Dies zu
erreichen, ist natürlich nicht so leicht und einfach. Dies erfordert
zähe Arbeit und zähen Kampf und wird notwendigerweise ein mehr oder
weniger langwieriger Prozeß sein. Die kommunistischen Parteien müssen,
gestützt auf den wachsenden Drang der Arbeiter nach der Vereinigung
der sozialdemokratischen Parteien oder einzelner Organisationen mit
den kommunistischen Parteien, entschlossen und zuversichtlich die
Initiative der Durchführung dieser Vereinigung in ihre Hand nehmen.
Die Sache der Vereinigung der Kräfte der Arbeiterklasse zu einer
einheitlichen revolutionären proletarischen Partei im Moment, da die
internationale Arbeiterbewegung in die Periode der Überwindung der
Spaltung tritt, ist unsere Sache, die Sache der Kommunistischen
Internationale.
Genügt
aber zur Herstellung der Einheitsfront der kommunistischen und
sozialdemokratischen Parteien ein Abkommen über den Kampf gegen den
Faschismus, die Kapitalsoffensive und den Krieg, so ist die Schaffung
der politischen Einheit nur auf der Grundlage einer Reihe von
bestimmten Bedingungen prinzipiellen Charakters möglich.
Diese
Vereinigung ist nur möglich:
erstens, unter der Bedingung der vollständigen Unabhängigkeit von der
Bourgeoisie und des vollständigen Aufgebens des Blocks der
Sozialdemokratie mit der Bourgeoisie;
zweitens, unter der Bedingung, daß vorher die Aktionseinheit
hergestellt wird;
drittens, unter der Bedingung, daß die Notwendigkeit des
revolutionären Sturzes der Herrschaft der Bourgeoisie und der
Aufrichtung der Diktatur des Proletariats in der Form von Sowjets
anerkannt wird;
viertens, unter der Bedingung, daß darauf verzichtet wird, die eigene
Bourgeoisie im imperialistischen Krieg zu unterstützen;
fünftens, unter der Bedingung, daß die Partei auf der Grundlage des
demokratischen Zentralismus aufgebaut wird, der die Einheit des
Willens und der Aktion gewährleistet und an Hand der Erfahrung der
russischen Bolschewiki erprobt wurde.
Wir
müssen die sozialdemokratischen Arbeiter geduldig und
kameradschaftlich aufklären, warum die politische Einheit der
Arbeiterklasse ohne diese Bedingungen unmöglich ist. Zusammen mit
ihnen müssen wir Sinn und Bedeutung dieser Bedingungen erörtern.
Warum
ist zur Verwirklichung der politischen Einheit des Proletariats die
vollständige Unabhängigkeit von der Bourgeoisie und das Aufgeben des
Blocks der Sozialdemokratie mit der Bourgeoisie nötig?
Weil
die ganze Erfahrung der Arbeiterbewegung und insbesondere die
Erfahrung der 15 Jahre Koalitionspolitik in Deutschland gezeigt hat,
daß die Politik der Arbeitsgemeinschaft, die Politik der Abhängigkeit
von der Bourgeoisie zur Niederlage der Arbeiterklasse und zum Sieg des
Faschismus führt. Und nur der Weg des unversöhnlichen Klassenkampfes
gegen die Bourgeoisie, der Weg der Bolschewiki ist der sichere Weg zum
Siege.
Warum
ist die vorherige Herstellung der Aktionseinheit die Voraussetzung der
politischen Einheit?
Weil
die Aktionseinheit zur Zurückschlagung der Offensive des Kapitals und
des Faschismus möglich und notwendig ist bevor noch die Mehrheit der
Arbeiter sich auf der gemeinsamen politischen Plattform des Sturzes
des Kapitalismus vereinigt; die Ausarbeitung der Einheit der
Auffassungen über die grundlegenden Wege und die Ziele des Kampfes des
Proletariats, ohne die die Vereinigung der Parteien nicht möglich ist,
erfordert jedoch eine mehr oder weniger lange Zeit. Und am besten wird
die Einheit der Anschauungen im gemeinsamen Kampf gegen den
Klassenfeind schon heute ausgearbeitet. Statt der Einheitsfront die
sofortige Vereinigung vorschlagen, heißt, das Pferd hinter den Wagen
stellen und glauben, daß der Wagen vorwärtsgehen wird. Gerade weil die
Frage der politischen Einheit für uns kein Manöver ist wie für viele
sozialdemokratische Führer, bestehen wir auf der Verwirklichung der
Aktionseinheit als einer der wichtigsten Etappen im Kampfe für die
politische Einheit.
Warum
ist die Anerkennung des revolutionären Sturzes der Bourgeoisie und der
Aufrichtung der Diktatur des Proletariats in der Form der
Sowjetregierung notwendig?
Weil
die Erfahrung des Sieges der großen Oktoberrevolution einerseits und
die bitteren Lehren in Deutschland, Österreich und Spanien
andererseits für die ganze Nachkriegsperiode von neuem bestätigt
haben, daß der Sieg des Proletariats nur durch den revolutionären
Sturz der Bourgeoisie möglich ist und daß die Bourgeoisie die
Arbeiterbewegung eher in einem Blutmeer ersticken wird, als daß sie
zuläßt, daß das Proletariat den Sozialismus auf friedlichem Wege
errichtet. Die Erfahrung der Oktoberrevolution hat anschaulich
gezeigt, daß der grundlegende Inhalt der proletarischen Revolution die
Frage der proletarischen Diktatur ist, die berufen ist, den Widerstand
der gestürzten Ausbeuter zu unterdrücken, die Revolution für den Kampf
mit dem Imperialismus zu bewaffnen und die Revolution bis zum
vollständigen Sieg des Sozialismus zu führen. Um die Diktatur des
Proletariats als Diktatur der überwältigenden Mehrheit über eine
verschwindende Minderheit, die Ausbeuter, zu verwirklichen - und nur
als solche kann sie verwirklicht werden -, dazu sind die Sowjets
notwendig, die alle Schichten der Arbeiterklasse, die Hauptmassen der
Bauernschaft und andere Werktätige umfassen, ohne deren Erwachen, ohne
deren Eingliederung in die Front des revolutionären Kampfes die
Verankerung des Sieges des Proletariats unmöglich ist.
Warum
ist der Verzicht auf die Unterstützung der Bourgeoisie im
imperialistischen Krieg eine Vorbedingung der politischen Einheit?
Weil
die Bourgeoisie den imperialistischen Krieg um ihrer räuberischen
Ziele willen gegen die Interessen der erdrückenden Mehrheit der Völker
führt, unter welchem Deckmantel der Krieg auch geführt werden mag.
Weil alle Imperialisten die fieberhaften Kriegsrüstungen mit der
äußersten Verstärkung der Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen
im Lande verbinden. Die Bourgeoisie in einem solchen Kriege zu
unterstützen, bedeutet Verrat an den Interessen des Landes und an der
internationalen Arbeiterklasse üben.
Warum
ist schließlich der Aufbau der Partei auf der Grundlage des
demokratischen Zentralismus eine Vorbedingung der Einheit?
Weil
nur eine auf der Grundlage des demokratischen Zentralismus aufgebaute
Partei imstande ist, die Willens- und Aktionseinheit zu gewährleisten,
weil nur sie imstande ist, das Proletariat zum Siege über die
Bourgeoisie zu führen, die über eine so mächtige Waffe wie der
zentralisierte Staatsapparat verfügt. Die Anwendung des Prinzips des
demokratischen Zentralismus hat an Hand der Erfahrungen der russischen
bolschewistischen Partei eine glänzende historische Prüfung bestanden.
Ja,
Genossen, wir sind für die einheitliche politische Massenpartei der
Arbeiterklasse. Daher ist es notwendig, die politische Vereinigung auf
Grund der angeführten Bedingungen anzustreben.
Wir
sind für die politische Einheit der Arbeiterklasse! Deshalb sind wir
bereit, mit allen Sozialdemokraten, die für die Einheitsfront sind und
die Vereinigung nach den erwähnten Grundsätzen aufrichtig
unterstützen, auf das engste zusammenzuarbeiten. Doch gerade deshalb,
weil wir für die Vereinigung sind, werden wir entschlossen gegen alle
»linken« Demagogen kämpfen, die die Enttäuschung der
sozialdemokratischen Arbeiter zur Schaffung neuer sozialistischer
Parteien oder Internationalen ausnützen wollen, die sich gegen die
kommunistische Bewegung richten und damit die Spaltung der
Arbeiterklasse vertiefen.
Wir
begrüßen das zunehmende Streben der sozialdemokratischen Arbeiter nach
der Einheitsfront mit den Kommunisten. In dieser Tatsache erblicken
wir das Erstarken ihres revolutionären Bewußtseins und die beginnende
Überwindung der Spaltung der Arbeiterklasse. In der Überzeugung, daß
die Aktionseinheit eine dringende Notwendigkeit und der sicherste Weg
zur Schaffung auch der politischen Einheit des Proletariats ist,
erklären wir, daß die Kommunistische Internationale und ihre Sektionen
bereit sind, Verhandlungen mit der II. Internationale und ihren
Sektionen aufzunehmen über die Herstellung der Einheit der
Arbeiterklasse im Kampfe gegen die Kapitalsoffensive, gegen den
Faschismus und gegen die Gefahr eines imperialistischen Krieges.
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