|
Der
Vormarsch und Aufstieg einer revolutionären Partei und damit einer
revolutionären Bewegung ist nicht immer gradlinig. In der Geschichte
aller revolutionären Parteien, die ein wirkliches Klassenfundament im
Proletariat, große historische Erfahrungen und einen Kern
bolschewistischer Klarheit in der Durchführung ihrer Arbeiten und
Aufgaben besaßen, sind solche Vorgänge zu verzeichnen, daß - bei einer
solchen Entwicklung, wie wir sie in Deutschland haben - eine
Wellenbewegung in der Entwicklung der Wechselbeziehungen einer Partei
mit den ihr nahestehenden Massen nicht nur denkbar, sondern politisch
erklärlich und bald selbstverständlich ist. Das war so im Leben der
bolschewistischen Partei, und das wird im Leben anderer Parteien nicht
anders sein, wenn nicht besondere Ausnahmen von diese Regel auf
irgendeinem Gebiet vorkommen...
Heute
müssen wir unsere Fehler und Schwächen deutlicher sehen und kühner
aufdecken, um nicht nur in der Problemstellung, der notwendigen
inneren Erkenntnis vorwärtszukommen, sondern um der Partei bei der
qualitativen Verbesserung der Arbeit auf allen Gebieter zu helfen.
Nehmen wir ein Beispiel. Wir haben manchmal in der Frage des Kampfes
gegen den Faschismus eine bestimmte Gleichstellung gesehen von
Faschismus und Sozialfaschismus, Hitlerpartei und Sozialdemokratie, in
der Hinsicht, daß wir sagten, daß sie Zwillingsbrüder sind... Die
Zusammensetzung dieser beiden Parteien ist eine ganz verschiedene. Wir
haben gestern im Appell des ZK schon betont, daß die soziale
Zusammensetzung der SPD und der Nazipartei eine andere ist. Das zu
beachten ist notwendig für die strategische Orientierung zur Gewinnung
der Massen für die revolutionäre Klassenarmee und für unsere
Einheitsfrontpolitik. Die Frage der Einheitsfront müssen wir den
sozialdemokratischen Arbeitern ganz anders stellen als bei den
Nazis...
Das
Wichtigste, ist das Herumreißen der Partei zu einer wirklichen
Einheitsfrontpolitik von unten, zur Auslösung von Kämpfen und neuen
Massenaktionen auf verschiedenen Gebieten. Und hier müssen wir
verstehen, in diesen Kämpfen als Partei neue Wege einzuschlagen, die
Hauptorientierung nehmen, die schon in der Vergangenheit in anderer
Form hätte gestellt werden können, die aber jetzt gestellt werden muß,
weil das Tempo der Faschisierung und andererseits der Entwicklung der
revolutionären Bewegung uns dazu verpflichtet...
Das
Wichtigste, was wir zu schaffen haben, wenn wir Kämpfe auslösen
wollen, ist, die schon vorhandene Mauer, die zwischen
sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern steht, zu
beseitigen. Es gab bereits einmal eine Periode, wo dieses Problem von
der Partei gegen den Willen verschiedener Genossen in der Führung
genauso revolutionär gestellt wurde - in der Ruth-Fischer-Periode.
Heute ist unsere Partei gewachsen, reifer geworden, stellt die Fragen
viel klarer und gründlicher. Aber daß während und vor den Wahlen
zwischen den sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern eine
gewisse Mauer bestanden hat, das zu leugnen wäre meiner Auffassung
nach eine Schmeichelei für die Partei und keine richtige Einschätzung
der Tatsachen, die vorhanden sind.
Andererseits müssen wir sehen, daß die Methoden der Bourgeoisie, wie
sie ihre feindlichen Angriffe gegen das Proletariat durchführt, es
ermögllichen, daß heute leider große Teile der Arbeiterklasse sich in
Krallen dieser volksfeindlichen führenden Personen und Parteien
befinden, die wir aus diesen Krallen so schnell wie möglich
herauszuziehen versuchen müssen. Und diese Taktik erfordert die größte
prinzipielle Festigkeit in der Durchführung der Politik der Partei;
sie erfordert die prinzipielle Reinheit jener großen richtigen
Generallinie unserer Partei, die wir viel konkreter, elastischer
überall zur Durchführung bringen müssen...
Und
die Frage steht heute, wieweit es uns gelingt, neben den Methoden die
dem ZK bekannt sind, mit einer großen, in Deutschland neuen,
besonderen Aktion in Erscheinung zu treten. Wir konnten diese Frage
noch nicht ausführlich behandeln, aber ich deute an, daß wir eine
große antifaschistische Aktion in Deutschland durch unsere Partei und
die RGO in die Wege zu leiten haben. Welche Formen und Möglichkeiten
soll sie enthalten? Alle Genossen des ZK sollen darüber nachdenken,
und wenn sie glauben, in zwei oder drei Tagen uns besonders
zweckmäßige Vorschläge unterbreiten zu können, sollen sie es in Form
eines Briefes tun, weil wir - neben der Frage des Aufrufes an die
deutschen Arbeiter überhaupt - diese Frage einer großen
antifaschistischen Aktion stellen müssen.
|