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Zum Internationalen Frauentag 2005

von Nelli Berger

 

Den heutigen Internationale Frauentag sollten wir zum Anlass nehmen, uns zu überlegen, welche Ziele wir in der Frauenpolitik erreichen wollen, welche wir in diesem System noch erreichen können und auf welchem Weg wir dies können. 

Für uns als Sozialistinnen und Sozialisten ist die Gleichheit zwischen den Menschen die oberste Zielsetzung, die es zu erreichen gilt. Gleichheit zwischen Menschen verschiedener Herkunft, verschiedenen Alters und verschiedenen Geschlechts. Alle Menschen müssen die selben Möglichkeiten haben ihre Bedürfnisse zu befriedigen. 

Doch gerade weil wir Marxistinnen und Marxisten sind, sehen wir, dass eine vollständige Gleichheit in einem kapitalistischen System nicht möglich ist. Denn solange es den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit gibt, solange sich die Bourgeoisie immense Profite in Form des Mehrwerts, den die Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter schaffen, aneignen, wird sie immer dafür sorgen, dass es einen Unterschied zwischen den Menschen gibt. Wie Marx und Engels bereits im kommunistischen Manifest formulierten: "Der Bourgeois sieht in seiner Frau ein bloßes Produktionsinstrument." 

Frauen erfüllen in der kapitalistischen Produktion nicht nur nach wie vor die wichtige Aufgabe der Lohndrückerinnen, sondern müssen auch die unbezahlte Reproduktionsarbeit, sei es bei der Kindererziehung, in der Pflege der Alten oder in der Erledigung des Hauhaltes leisten. Diese Arbeiten dürfen in einem kapitalistischen System, das nach Profitlogik agiert, gar nicht finanziert werden, da sonst die Profite sinken würden. Dies wäre unrentabel. Es ist daher gar nicht im Sinne des herrschenden Systems, die Stellung der Frauen grundlegend zu verändern. Solange die Arbeiterinnen und Arbeiter von der Lohnarbeit abhängig sind und die Produktionsmittel nicht vergesellschaftet sind, es also einen ökonomischen und sozialen Unterschied zwischen den Menschen gibt, kann es keine Gleichheit zwischen Männern und Frauen geben. 

Jedoch sehen wir auch, dass Verbesserungen der Stellung der Frau in diesem System möglich sind und für diese gilt es zu kämpfen. Frauen haben in der Vergangenheit bereits viel gekämpft und viel erreicht. Jedoch können sie nur so viel erreichen, wie es der Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft zulassen können, ohne selbst in Frage gestellt zu werden. Das Frauenwahlrecht, die Möglichkeit für Frauen, politische Versammlungen abzuhalten und Organisationen zu gründen, die Selbstbestimmung über ihr Leben, sind Möglichkeiten, die Frauen zu stärken und zu schulen, ihnen die Mechanismen der Unterdrückung aufzuzeigen und ihnen die Notwendigkeit zum Kampf für eine andere Gesellschaftsform darzulegen. 

Und wir müssen gemeinsam für Veränderungen und in letzter Instanz für den Sozialismus kämpfen! Die Feinde der Frauen sind nicht die Männer per se, sondern der Kapitalismus! Es ist unsere Aufgabe, die Menschen weiterhin und mit aller Kraft zu sensibilisieren, die Ungleichheiten aufzuzeigen, ihnen zu erklären, dass Gleichheit notwendig ist und keine Gefahr darstellt, wie es uns die Herrschenden glauben machen wollen. Denn nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen! 

Eine vollkommene Gleichheit zwischen den Menschen, unabhängig von Herkunft und Geschlecht, werden wir nur in einer neuen, in der sozialistischen Gesellschaftsordnung erreichen. Friedrich Engels bringt die Bedingungen auf den Punkt: "Eine wirkliche Gleichberechtigung von Frau und Mann kann nach meiner Überzeugung erst eine Wahrheit werden, wenn die Ausbeutung beider durch das Kapital beseitigt und die private Hausarbeit sozialisiert worden ist." 

Aber auch im Sozialismus kommt die Gleichheit nicht von alleine, sondern sie muss gemeinsam aktiv erkämpft und erarbeitet werden. Auch im Sozialismus wird es keinen Automatismus zur Gleichstellung zwischen Männern und Frauen geben, jedoch ist der Sozialismus die einzige Gesellschaftsform, in der dies Überhaupt möglich ist, wo die ökonomischen Unterschiede zwischen den Menschen aufgehoben werden. 

Für Gleichberechtigung zu sein, heißt für den Sozialismus zu kämpfen!

 

Wien, 8. März 2005

Thema: Frauen

 

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