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"Wir kommen nicht
als Frau zur Welt, wir werden dazu gemacht."
(nach Simone de Beauvoir)
Die
gesellschaftlichen Rollen von Männern und Frauen sind nicht
naturgegeben und auf biologische Unterschiede gegründet, sondern von
der jeweiligen Gesellschaft, in der wir leben geprägt. Wer die Rollen
erkennt, kann darauf beruhenden Diskriminierungen entgegenwirken. Es
ist eine Frage der Toleranz und Offenheit einer Gesellschaft, ob sie
ihren Mitgliedern die Möglichkeit gewährt, den Rollenbildern nicht
nachzuleben. Doch Toleranz hat ihre Grenzen. Diese Grenzen zu
bestimmen liegt in der Hand derer die diskriminieren. Daher gilt es,
Respekt zu leben.
Rollenbilder nicht
unhinterfragt nachleben
Jede
und jeder von uns ist in einer Gesellschaft aufgewachsen, die uns eben
diese Möglichkeit, aus den traditionellen Rollenbildern auszubrechen,
nicht oder nur sehr begrenzt eingeräumt hat. Also ist es jetzt an uns,
uns jeden Tag gegen diese diskriminierenden Rollenbilder und
Stereotypen zu wehren und auch andere dabei zu unterstützen.
Das ist bekanntlich gar nicht so einfach, da die "angewöhnten" oder
"anerzogenen" Verhaltensweisen nicht allzu leicht aus dem Kopf zu
bringen sind (auch nicht aus dem eigenen - selbst wenn man gute
Vorsätze hat).
Benachteiligung ist
real
Die
Behauptung, die Benachteiligung der Frauen gehöre in Österreich der
Vergangenheit an, wird meist von jenen geäußert, die die Zustände
verdecken wollen, oder sie verdrängen. Doch sieht frau oder mann etwas
genauer, wird das Verdeckte nur allzu sichtbar. Frauen sind in
Wirtschaft und Politik stark unterrepräsentiert, was dazu führt, dass
ihre Forderungen zumeist nicht gehört werden. Nach wie vor sind
Haushalt und Kindererziehung keine gemeinschaftlichen Aufgaben sondern
die hauptsächliche Aufgabe von Frauen, was einerseits zu einem
Festhalten an der minderbewerteten und unbezahlten Rolle von Frauen
als Hausfrau und Mutter andererseits zu Doppelbelastung führt.
Verheiratete Frauen sind weit öfter nicht erwerbstätig als ledige
Frauen. Das bedeutet in vielen Fällen eine enorme Abhängigkeit von
Männern. Durch einen ungleichen Bildungszugang, der oft auch durch die
wirtschaftliche Lage der Familien begründet ist, sind Frauen nach wie
vor schlechter qualifiziert als Männer. Frauen sind öfter arbeitslos,
besonders signifikant ist dies bei der Jugendarbeitslosigkeit.
Teilzeitarbeitsplätze, welche mit geringerer Absicherung und
eingeschränkten Aufstiegs- und Verdienstchancen verbunden sind, sind
meist weiblich besetzt. Auch bei gleicher Qualifikation verdienen
Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen, Einkommensunterschiede
liegen bei über 20 %. Diese Aufzählung könnte noch lange weiter
geführt werden. Doch gleich ist all diesen Problemen, dass sie nur auf
Grund dessen ent- und bestehen weil frau eine Frau ist. Geschlecht (gender)
wird somit zu einem bestimmenden Element, welches Frauen gegenüber
Männern benachteiligt. Gegen diese Ungerechtigkeit gilt es
anzukämpfen!
Rahmenbedingungen
Doch
um Gleichberechtigung erlangen zu können, ist es notwendig, dass die
richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das heißt, es muss
zuerst gleiche Chancen für alle geben, um Gleichberechtigung umsetzen
zu können.
Gleiche Chancen heißt:
- Gleichstellungsorientierte und Gender-orientierte Politik in allen
Bereichen, damit die spezifischen Probleme der Frauen gehört werden.
- Gleicher Ausbildungszugang und Förderung, damit Jobs endlich nach
Begabungen und Wünschen und nicht nach Geschlecht verteilt sind.
- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit (weil es kein einziges Argument
dafür gibt, warum es nicht so ist.)
- Staatlich finanzierte Verhütungsmittel und Abtreibung, um nicht
immer wieder in wirtschaftliche Nöte und Abhängigkeiten zu geraten,
ohne es verhindern zu können und ein selbstbestimmtes Leben führen zu
können. (Jedes Jahr sind 80 Millionen Schwangerschaften ungewollt,
oder zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt nicht gewollt - Jedes Jahr
sterben weltweit 78.000 Frauen an den Folgen unsachgemäß
durchgeführter Abtreibungen, jede vierte Abtreibung wird an Mädchen
zwischen 15 und 19 Jahren vorgenommen)
- Genügend Kinderbetreuungsplätze um die gleichen Berufschancen
wahrnehmen zu können.
- Geschlechtsneutrale Formulierung in allen Gesetzestexten und
öffentlichen Dokumenten aber auch im täglichen Gebrauch um endlich
nicht nur Papier, sondern auch Menschen klar zu machen, dass es nicht
nur Männer gibt, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind.
Das tägliche Leben in unserer Gesellschaft ist geprägt durch
ungerechte Behandlung , Diskriminierung, Sexismus und Rassismus. Ob es
nun Arbeiterinnen und Arbeiter, Migrantinnen und Migranten, Lesben und
Schwule oder Frauen betrifft, stets gilt es diesen Kräften entgegen zu
wirken - sowohl politisch als auch persönlich - und das Tag für Tag.
Das bedeutet auch, die herrschende Politik nicht einfach so zu
akzeptieren!
Die blau/schwarze
"zurück an den Herd" - Politik
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Frauenpolitik wird einfach ignoriert: zunächst Abschaffung des
Frauenministeriums, dafür Schaffung einer Männersektion
- Streichung der Bildungskarenz (Verhinderung des Wiedereinstiegs ins
Berufsleben)
- Kindergeld + Abschaffung der Mitversicherung von kinderlosen Frauen
(Frauenpolitik wird hier mit Familienpolitik gleich gesetzt. Dies
zeigt nur all zu deutlich, dass Frauen nicht als Frauen sondern
zuallererst als Mütter gesehen werden)
- Studiengebühren (Treffen besonders Frauen, weil sie hinter den
männlichen Familienmitgliedern bei finanziellen Problemen meist
zurückstehen müssen)
- Aussagen wie: "Die Frauen sollen sich wieder auf ihre Rolle
zurückbesinnen."
Die Institution
Kirche
"Wenn
der Ehemann das (im Falle einer HIV-Infektion enthaltsam zu leben)
nicht will, dann ist es besser, dass er seine Frau infiziert, als ein
Kondom zu nehmen." - so Carlo Caffarra (Sprecher des Papstes) zum
Thema Verhütung.
Die katholische Kirche stellt bis heute eine durch und durch
vermännlichte Institution dar, in der Frauen weitgehend ausgeblendet
werden. Macht, Rassismus und Sexismus gehen auch hier vor der
gepriesenen Nächstenliebe. Bis heute wird das Bild vermittelt, Gott,
der Schöpfer allen Lebens, sei männlich.
Nur allzu leicht lässt sich so die angebliche Minderwertigkeit der
Frau verbreiten, schließlich kann ja Glaube nicht hinterfragt werden -
oder...?
Frauen als
Sexobjekte
Nach
wie vor gibt es klare Regeln die Frauen vorgeben wie sie zu sein
hätten um überhaupt als Frau akzeptiert zu werden. Frauenmagazine,
Werbeplakate und ähnliches "helfen" Frauen dabei eine echte Frau zu
werden. Die krassesten Folgen dieser Hilfe reichen bis zu Bulimie und
Magersucht. Ganz zu schweigen von der damit einhergehenden Reduzierung
von Frauen auf Sexobjekte.
Wenn frau sich dagegen wehrt und ihrer Rolle nicht entspricht, wird
sie nur allzu oft als Mannweib in die Lächerlichkeit gezogen.
Die hier aufgezählten Bereiche und Problemfelder erheben keineswegs
den Anspruch auf Vollständigkeit, denn Diskriminierung von Frauen ist
zahlreich und weitgehend. Dies sollte damit aber exemplarisch zum
Ausdruck gebracht werden. Frauen und Männer sind nicht gleich, schon
allein durch ihre Erziehung werden sie unterschiedlich geprägt. Das
wäre an sich kein Problem, sondern Bereicherung, solange sie
gleichwertig behandelt werden, solange daraus keine unterschiedliche
Bewertung, keine Diskriminierung und eine Respektlosigkeit gegenüber
allem nicht der Norm entsprechenden entstehen würde.
Doch solange das Gegenteil der Fall ist, solange Männer über Frauen
bestimmen, solange Kapital über Menschen bestimmt, solange gilt es
darauf hinzuweisen und sich dagegen zu wehren!
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