Start Über uns Themen Geschichte Marxismus
 

 

Die Frau in der Gesellschaft

von Leila Hadj-Abdou

 

"Wir kommen nicht als Frau zur Welt, wir werden dazu gemacht." 
(nach Simone de Beauvoir)

Die gesellschaftlichen Rollen von Männern und Frauen sind nicht naturgegeben und auf biologische Unterschiede gegründet, sondern von der jeweiligen Gesellschaft, in der wir leben geprägt. Wer die Rollen erkennt, kann darauf beruhenden Diskriminierungen entgegenwirken. Es ist eine Frage der Toleranz und Offenheit einer Gesellschaft, ob sie ihren Mitgliedern die Möglichkeit gewährt, den Rollenbildern nicht nachzuleben. Doch Toleranz hat ihre Grenzen. Diese Grenzen zu bestimmen liegt in der Hand derer die diskriminieren. Daher gilt es, Respekt zu leben.

Rollenbilder nicht unhinterfragt nachleben

Jede und jeder von uns ist in einer Gesellschaft aufgewachsen, die uns eben diese Möglichkeit, aus den traditionellen Rollenbildern auszubrechen, nicht oder nur sehr begrenzt eingeräumt hat. Also ist es jetzt an uns, uns jeden Tag gegen diese diskriminierenden Rollenbilder und Stereotypen zu wehren und auch andere dabei zu unterstützen.

Das ist bekanntlich gar nicht so einfach, da die "angewöhnten" oder "anerzogenen" Verhaltensweisen nicht allzu leicht aus dem Kopf zu bringen sind (auch nicht aus dem eigenen - selbst wenn man gute Vorsätze hat).

Benachteiligung ist real

Die Behauptung, die Benachteiligung der Frauen gehöre in Österreich der Vergangenheit an, wird meist von jenen geäußert, die die Zustände verdecken wollen, oder sie verdrängen. Doch sieht frau oder mann etwas genauer, wird das Verdeckte nur allzu sichtbar. Frauen sind in Wirtschaft und Politik stark unterrepräsentiert, was dazu führt, dass ihre Forderungen zumeist nicht gehört werden. Nach wie vor sind Haushalt und Kindererziehung keine gemeinschaftlichen Aufgaben sondern die hauptsächliche Aufgabe von Frauen, was einerseits zu einem Festhalten an der minderbewerteten und unbezahlten Rolle von Frauen als Hausfrau und Mutter andererseits zu Doppelbelastung führt. Verheiratete Frauen sind weit öfter nicht erwerbstätig als ledige Frauen. Das bedeutet in vielen Fällen eine enorme Abhängigkeit von Männern. Durch einen ungleichen Bildungszugang, der oft auch durch die wirtschaftliche Lage der Familien begründet ist, sind Frauen nach wie vor schlechter qualifiziert als Männer. Frauen sind öfter arbeitslos, besonders signifikant ist dies bei der Jugendarbeitslosigkeit. Teilzeitarbeitsplätze, welche mit geringerer Absicherung und eingeschränkten Aufstiegs- und Verdienstchancen verbunden sind, sind meist weiblich besetzt. Auch bei gleicher Qualifikation verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen, Einkommensunterschiede liegen bei über 20 %. Diese Aufzählung könnte noch lange weiter geführt werden. Doch gleich ist all diesen Problemen, dass sie nur auf Grund dessen ent- und bestehen weil frau eine Frau ist. Geschlecht (gender) wird somit zu einem bestimmenden Element, welches Frauen gegenüber Männern benachteiligt. Gegen diese Ungerechtigkeit gilt es anzukämpfen!

Rahmenbedingungen

Doch um Gleichberechtigung erlangen zu können, ist es notwendig, dass die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das heißt, es muss zuerst gleiche Chancen für alle geben, um Gleichberechtigung umsetzen zu können.

Gleiche Chancen heißt:

- Gleichstellungsorientierte und Gender-orientierte Politik in allen Bereichen, damit die spezifischen Probleme der Frauen gehört werden.

- Gleicher Ausbildungszugang und Förderung, damit Jobs endlich nach Begabungen und Wünschen und nicht nach Geschlecht verteilt sind. 

- Gleicher Lohn für gleiche Arbeit (weil es kein einziges Argument dafür gibt, warum es nicht so ist.)

- Staatlich finanzierte Verhütungsmittel und Abtreibung, um nicht immer wieder in wirtschaftliche Nöte und Abhängigkeiten zu geraten, ohne es verhindern zu können und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. (Jedes Jahr sind 80 Millionen Schwangerschaften ungewollt, oder zumindest zum jeweiligen Zeitpunkt nicht gewollt - Jedes Jahr sterben weltweit 78.000 Frauen an den Folgen unsachgemäß durchgeführter Abtreibungen, jede vierte Abtreibung wird an Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren vorgenommen)

- Genügend Kinderbetreuungsplätze um die gleichen Berufschancen wahrnehmen zu können.

- Geschlechtsneutrale Formulierung in allen Gesetzestexten und öffentlichen Dokumenten aber auch im täglichen Gebrauch um endlich nicht nur Papier, sondern auch Menschen klar zu machen, dass es nicht nur Männer gibt, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind.

Das tägliche Leben in unserer Gesellschaft ist geprägt durch ungerechte Behandlung , Diskriminierung, Sexismus und Rassismus. Ob es nun Arbeiterinnen und Arbeiter, Migrantinnen und Migranten, Lesben und Schwule oder Frauen betrifft, stets gilt es diesen Kräften entgegen zu wirken - sowohl politisch als auch persönlich - und das Tag für Tag. Das bedeutet auch, die herrschende Politik nicht einfach so zu akzeptieren!

Die blau/schwarze "zurück an den Herd" - Politik

- Frauenpolitik wird einfach ignoriert: zunächst Abschaffung des Frauenministeriums, dafür Schaffung einer Männersektion

- Streichung der Bildungskarenz (Verhinderung des Wiedereinstiegs ins Berufsleben)

- Kindergeld + Abschaffung der Mitversicherung von kinderlosen Frauen (Frauenpolitik wird hier mit Familienpolitik gleich gesetzt. Dies zeigt nur all zu deutlich, dass Frauen nicht als Frauen sondern zuallererst als Mütter gesehen werden)

- Studiengebühren (Treffen besonders Frauen, weil sie hinter den männlichen Familienmitgliedern bei finanziellen Problemen meist zurückstehen müssen)

- Aussagen wie: "Die Frauen sollen sich wieder auf ihre Rolle zurückbesinnen."

Die Institution Kirche

"Wenn der Ehemann das (im Falle einer HIV-Infektion enthaltsam zu leben) nicht will, dann ist es besser, dass er seine Frau infiziert, als ein Kondom zu nehmen." - so Carlo Caffarra (Sprecher des Papstes) zum Thema Verhütung.

Die katholische Kirche stellt bis heute eine durch und durch vermännlichte Institution dar, in der Frauen weitgehend ausgeblendet werden. Macht, Rassismus und Sexismus gehen auch hier vor der gepriesenen Nächstenliebe. Bis heute wird das Bild vermittelt, Gott, der Schöpfer allen Lebens, sei männlich.

Nur allzu leicht lässt sich so die angebliche Minderwertigkeit der Frau verbreiten, schließlich kann ja Glaube nicht hinterfragt werden - oder...?

Frauen als Sexobjekte

Nach wie vor gibt es klare Regeln die Frauen vorgeben wie sie zu sein hätten um überhaupt als Frau akzeptiert zu werden. Frauenmagazine, Werbeplakate und ähnliches "helfen" Frauen dabei eine echte Frau zu werden. Die krassesten Folgen dieser Hilfe reichen bis zu Bulimie und Magersucht. Ganz zu schweigen von der damit einhergehenden Reduzierung von Frauen auf Sexobjekte.

Wenn frau sich dagegen wehrt und ihrer Rolle nicht entspricht, wird sie nur allzu oft als Mannweib in die Lächerlichkeit gezogen.

Die hier aufgezählten Bereiche und Problemfelder erheben keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit, denn Diskriminierung von Frauen ist zahlreich und weitgehend. Dies sollte damit aber exemplarisch zum Ausdruck gebracht werden. Frauen und Männer sind nicht gleich, schon allein durch ihre Erziehung werden sie unterschiedlich geprägt. Das wäre an sich kein Problem, sondern Bereicherung, solange sie gleichwertig behandelt werden, solange daraus keine unterschiedliche Bewertung, keine Diskriminierung und eine Respektlosigkeit gegenüber allem nicht der Norm entsprechenden entstehen würde.

Doch solange das Gegenteil der Fall ist, solange Männer über Frauen bestimmen, solange Kapital über Menschen bestimmt, solange gilt es darauf hinzuweisen und sich dagegen zu wehren!

 

zum Seitenanfang

Thema: Frauen

 

Stamokap-Strömung in der SJÖ - politbuero@stamokap.org