Wie kein anderer Künstler
steht Maxim Gorki mit seinem Werk für den "sozialistischen Realismus."
Heuer am 18. Juni jährt sich sein Tod zum 65. Mal.
Geboren wurde Gorki am
28. März 1868 in - Gorki. Die Stadt heißt damals noch Nischnij
Nowgorod und der Neugeborene eigentlich Alexej Maximowitsch Peschkow.
Im Alter von 2 Jahren ist er Waise und mit 11 muss er seinen
Lebensunterhalt selbst verdienen. Diese Zeit als Tellerwäscher,
Laufjunge und Hafenarbeiter prägt Gorki nachhaltig und fand in seinen
autobiographischen Romanen ("Unter fremden Menschen", "Meine
Kindheit") seinen Niederschlag. Auch der gescheiterte Versuch, an der
Universität zu studieren, fällt in diese Jahre. Als er 1892 seine
erste Erzählung ("Makar Tschudra") veröffentlicht, nimmt er den Namen
"Gorki" (russ. "der Bittere") an. In weiterer Folge arbeitet er als
Zeitungsredakteur. Erst 1898, als die erste Gesamtausgabe seiner
Erzählungen erscheint, wird er einem breiteren Publikum bekannt. Er
knüpft Kontakte mit Kollegen wie Tolstoj und Tschechow.
Gorki beginnt nun auch,
sich politisch zu betätigen, und unterstützt die sozialdemokratische
Arbeiterpartei. Ab deren Spaltung 1903 sympathisiert er mit den
Bolschewiki, hier beginnt auch die Freundschaft mit Lenin. Gorki ist
in der Streik- und Protestbewegung aktiv, sein Gedicht "Der
Sturmvogel" wird zum Symbol der Revolution. Gorki wird wiederholt
verhaftet und von Zar Alexander II. aus der Akademie der
Wissenschaften ausgeschlossen. Dieser Skandal sowie die in ganz Europa
erfolgreichen Inszenierungen seines Dramas "Nachtasyl" begründen
Gorkis Welterfolg. 1906 verlässt er Russland nicht ganz freiwillig und
hält sich in Italien und den USA auf, wo sein Werk "Mutter" entsteht,
das als Prototyp des proletarischen Romans gilt. Als Gorki 1913
zurückkehrt, setzt er sein politisches Engagement fort. Er tritt gegen
die Beteiligung Russlands am Weltkrieg auf und nach dem Sieg der
Revolution spart er nicht mit kritischen Bemerkungen zu ihrer
Methodik, stellt sie selbst jedoch nie in Frage. Er beteiligt sich
aktiv am sozialistischen Aufbau und pflegt den Kontakt zu Lenin. 1919
gründet er in Leningrad das Gorki-Theater. Kurze Zeit später setzt
jedoch ein Wandel ein, die Revolution hält nicht mit Gorkis
Vorstellungen Schritt und davon enttäuscht verlässt er Russland für 10
Jahre. Aber auch sein schlechter Gesundheitszustand veranlasst ihn -
auf Anraten Lenins - zum Aufenthalt in verschiedenen europäischen
Kurorten.
1931 kehrt Gorki
endgültig in die Sowjetunion zurück. Ihn verbindet eine ambivalente
Beziehung mit Stalin, dessen bevorzugter Dichter er ist. 1934 wird er
erster Vorsitzender des Schriftstellerverbandes. Gemeinsam mit Stalin
ist er verantwortlich für die kulturpolitischen Leitlinien. Er tritt
konsequent für den "sozialistischen Realismus" ein, der die
wahrheitsgetreue, konkret-historische Darstellung der Wirklichkeit und
ihrer revolutionären Entwicklung verlangt. Dazu gehören als
wesentliche Forderungen Lebensechtheit, die Darstellung des sozialen
Kampfes um den Fortschritt sowie sozialer Optimismus und die Hoffnung
auf eine bessere Zukunft. Diese Regeln waren bestimmend für die Kunst
der realsozialistischen Länder und sind bis heute die Basis des
proletarischen Kulturschaffens. Das ist, was neben seinem
umfangreichen Werk als Hauptverdienst Gorkis angesehen werden muss.
Auch die Politik wusste das zu würdigen: Als Gorki 1936 an einer
Lungenentzündung stirbt, setzt Stalin persönlich die Urne mit der
Asche seines Lieblingsautors bei.