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Ho Chi Minh:

Der Leninismus und die Befreiung der unterdrückten Völker

(Ho Chi Minh, Reden und Schriften, Leipzig 1980, S. 193 - 199)

 

 

Am 22. April 1870 wurde im alten zaristischen Rußland der Führer und geniale Lehrer der Werktätigen und Unterdrückten der ganzen Welt, W. I. Lenin, geboren. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts trat der Kapitalismus in sein höchstes und letztes Stadium - den Imperialismus - ein. Es begann die Ära der proletarischen Revolutionen. Lenin war der geniale Fortsetzer des großen Werkes von Marx und Engels unter den neuen historischen Bedingungen.

Lenin führte einen unversöhnlichen Kampf gegen die Reformisten und anderen Verfälscher des Marxismus und hob den wissenschaftlichen Sozialismus auf eine höhere Stufe. Er bereicherte den Marxismus - die große ideologische Waffe des Proletariats -, leistete einen hervorragenden Beitrag zur Theorie von der Diktatur des Proletariats, entwickelte die marxistische Lehre vom Bündnis der Arbeiter und Bauern, von der nationalen und kolonialen Frage, vom proletarischen Internationalismus, vom Aufbau und von der Festigung der proletarischen Partei neuen Typus als der einzigen Organisation, die fähig ist, den vielseitigen Kampf der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker zu führen. Lenin schuf eine neue, vollkommene Theorie der sozialistischen Revolution und bewies die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande.

Lenin half den Werktätigen, die unter dem Joch des Imperialismus litten, die Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung, die Forderungen und objektiven Bedingungen des politischen Kampf es auf den verschiedenen Etappen der proletarischen Revolution und der ganzen Befreiungsbewegung besser zu begreifen. Er lehrte die unterdrückten Massen, das komplizierte Knäuel der gegenwärtigen Ereignisse zu entwirren. Er gab ihnen eine großartige Waffe für den Kampf um ihre Befreiung - die Theorie und Taktik der Bolschewiki.

Die von Lenin geschaffene Kommunistische Partei Rußlands war ein begeisterndes Vorbild für die Völker der ganzen Welt. Unter der weisen Führung des großen Lenin, des genialen Strategen und Taktikers, führte die Kommunistische Partei das Proletariat Rußlands zur Eroberung der Macht und zur Errichtung des ersten Staates der Werktätigen, die eine neue Epoche in der Geschichte der Menschheit einleitete. Die Sowjetunion ist für alle friedliebenden, demokratischen Völker das unverbrüchliche Bollwerk ihrer Unabhängigkeit und Freiheit. Nach dem zweiten Weltkrieg entstand als Gegengewicht zum imperialistischen Lager das starke Lager des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China an der Spitze.

Der Name Lenins und seine Lehre sind untrennbar mit allen Erfolgen des Lagers des Friedens und der Demokratie verbunden, das sich von der Elbe bis zum Stillen Ozean und vom Polarkreis bis zum Wendekreis erstreckt. Aus diesem Grunde ist für alle Ausgebeuteten und Entrechteten das Banner Lenins, das die Kommunisten aller Länder vorantragen, das Symbol ihres Glaubens und die Fackel ihrer Hoffnung.

Der heroische Kampf des Sowjetvolkes für den Aufbau des Kommunismus begeistert die Völker und zeigt ihnen den Weg zu einem wahrhaft menschenwürdigen Leben. Die unbeirrbare Friedenspolitik, die die Sowjetregierung befolgt und deren erster und deutlicher Ausdruck Lenins Dekret über den Frieden war, das gleich nach dem Sieg der sozialistischen Revolution angenommen wurde, begeistert die breiten Volksmassen zum Kampf für die Erhaltung und Festigung des Friedens, gegen die Kriegsbrandstifter mit dem amerikanischen Imperialismus an der Spitze. Lenins Grundsätze des Rechtes der Nationen auf Selbstbestimmung, der friedlichen Koexistenz, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder, der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Vorteils in den Beziehungen zwischen den Staaten, die der Außenpolitik der Sowjetunion zugrunde liegen, weisen den Völkern der kolonialen und abhängigen Länder den Weg im Kampf um nationale Einheit und Unabhängigkeit.

Für die Völker Asiens wie für die Völker der ganzen Welt, die um Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie und Sozialismus kämpfen, ist Lenins Lehre wie die lebenspendende Sonne. Lenin wandte der nationalen Befreiungsbewegung der Völker Asiens, die er als einen integrierenden Bestandteil des internationalen Kampfes der Werktätigen gegen die imperialistischen Unterdrücker ansah, stets große Aufmerksamkeit zu. Lenin wies darauf hin, daß mit dem Erwachen Asiens und dem Beginn des Kampfes des fortgeschrittenen europäischen Proletariats um die Macht, Anfang des 20. Jahrhunderts, eine neue Seite der Weltgeschichte aufgeschlagen wurde. Im Jahre 1913 schrieb W. I. Lenin: "Das ganze herrschende Europa, die gesamte europäische Bourgeoisie steht im Bunde mit allen Kräften der Reaktion und des Mittelalters in China.

Dafür besitzt das ganze junge Asien, das heißt Hunderte Millionen von Werktätigen in Asien, einen zuverlässigen Verbündeten im Proletariat aller zivilisierten Länder. Keine Macht der Welt wird seinen Sieg aufhalten können, der sowohl die Völker Europas als auch die Völker Asiens befreien wird.

Heute, da etwas über die Hälfte des 20. Jahrhunderts vergangen ist, umfaßt "das junge Asien", von dem Lenin sprach, die Volksrepublik China, die Mongolische Volksrepublik, die Koreanische Demokratische Volksrepublik und die Demokratische Republik Vietnam. In anderen Gebieten Asiens haben sich ebenso junge Kräfte zum Kampf um die nationale Befreiung erhoben. Die wissenschaftliche Voraussicht des großen Strategen der Revolution hat sich bewahrheitet, und zwar so schnell, daß es im Lager der Imperialisten Entsetzen hervorruft!

Wenn die von ihren marxistisch-leninistischen Parteien geführten unterdrückten Völker Asiens schon gewisse Siege errungen haben, so deshalb, weil sie das große Vermächtnis Wladimir Iljitschs erfüllten. "Hier erwächst Ihnen eine Aufgabe", sagte er den Revolutionären des Ostens, "wie sie vor Kommunisten der ganzen Welt bisher nie gestanden hat: gestützt auf die allgemeine kommunistische Theorie und Praxis, müssen sie unter Anpassung an die spezifischen Bedingungen, die es in den europäischen Ländern nicht gibt, diese Theorie und Praxis auf Verhältnisse anzuwenden verstehen, wo die Hauptmasse der Bevölkerung Bauern sind und wo es den Kampf nicht gegen das Kapital, sondern gegen die Überreste des Mittelalters zu führen gilt."

Diese Hinweise sind besonders wertvoll für ein Land wie das unsrige, wo 90 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, wo noch so viele Überreste der verfaulten Feudalordnung der Mandarine erhalten sind. Der Sieg der großen chinesischen Revolution, der unter Führung der ruhmreichen Kommunistischen Partei Chinas und ihres Führers, des Genossen Mao Tse-tung, erfochten wurde, ist ein Triumph der Ideen des Leninismus. Gerade deshalb, weil, wie Mao Tse-tung sagte, die Salven der Oktoberrevolution den Marxismus-Leninismus nach China brachten, haben sich 600 Millionen Menschen für immer aus den Krallen des Imperialismus befreit.

Die Sowjetunion - das Land des siegreichen Sozialismus -hat immer die Leninschen Prinzipien des Internationalismus befolgt und der nationalen Befreiungsbewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern große moralische Unterstützung gewährt. So hat die Sowjetunion durch ihre unbeirrbare Friedenspolitik und ihre große Autorität in der ganzen Welt den Völkern Koreas und Vietnams, die ihr Vaterland gegen die Gefahr verteidigten, in die sie die amerikanischen Imperialisten und deren Bundesgenossen gestürzt hatten, große Hilfe angedeihen lassen. Die diplomatische Tätigkeit der UdSSR hat auf die Einstellung des Feuers in Korea und Vietnam entscheidenden Einfluß gehabt.

Das im Geiste des proletarischen Internationalismus erzogene vietnamesische Volk schätzt die moralische Unterstützung der Völker der ganzen Welt, so auch der Werktätigen Frankreichs, die für die Beendigung des Krieges in Indochina kämpften.

Wie allen kommunistischen und Arbeiterparteien hat Lenin auch uns ein unschätzbares Kleinod hinterlassen - seine Lehre von den ideologischen Grundlagen, den organisatorischen Grundsätzen, der Theorie und Taktik der revolutionären Partei. Der Leninismus ist eine gewaltige ideologische Kraft, die auch unserer Partei die Richtung weist und es ihr ermöglicht, zur höchsten Form der Organisation der Werktätigen zu werden, die Vernunft, Ehre und Gewissen unserer Nation verkörpert.

Die Partei der Werktätigen Vietnams hat das Banner des Leninismus erhoben und das Vertrauen des Volkes erobert, das in ihr seinen bewußten Vortrupp sieht. Unsere Partei hat es verstanden, Kraft und Initiative aus dem Volke zu schöpfen, das sich niemals mit Sklaverei und kolonialem Joch abgefunden hat.

Lenin ist das Symbol der Einheit der Partei, der Geschlossenheit ihrer Reihen, der Wahrung der revolutionären Disziplin, der uneingeschränkten Hingabe an die große Sache des Kommunismus und der unerschütterlichen Gewißheit des Sieges. All dies begeistert die Partei der Werktätigen Vietnams, die als erprobte Methode zur Beseitigung von Mängeln und Fehlern tagtäglich Kritik und Selbstkritik übt, zum Kampf gegen Leichtsinn und Selbstzufriedenheit. Da unsere Partei keine anderen Interessen hat als die Interessen von Volk und Vaterland, achtet sie unablässig auf die Hebung des Niveaus ihrer Arbeit. Bestrebt, ihre Aufgaben zu erfüllen, wendet die Partei ständig die Lehre des Leninismus an, um ihre Schlagkraft, ihre politische Aktivität, ihre organisatorische Geschlossenheit und das ideologische Niveau ihrer Mitglieder zu erhöhen.

Unser Volk und die Mitglieder unserer Partei sind im Feuer eines langwierigen und harten patriotischen Krieges gestählt, in dessen Verlauf sie unermeßliche Schwierigkeiten und Leiden ertragen mußten. Acht Jahre lang führten sie ihren heldenhaften Kampf, der vom Siege des vietnamesischen Volkes und der Wiederherstellung des Friedens in Indochina gekrönt wurde. Das Genfer Abkommen ist eine internationale Anerkennung des nationalen Befreiungskampfes des vietnamesischen Volkes und seiner Brüder in Laos und Kampuchea, ihres großen Opfergeistes und ihres Heldenmutes. Unsere Partei kann stolz darauf sein, daß sie das Volk in diesen Jahren konsequent, beharrlich und aufopfernd in seinem Kampf geführt hat. Heute, da der Frieden wiederhergestellt ist, setzen wir den Kampf für die strikte Einhaltung des Genfer Abkommens fort. Zuverlässigen Meldungen zufolge ist erst vor kurzem festgestellt worden, daß die Gegenseite die Vereinbarung 2 114mal übertrat, davon 467mal im Gebiet von Nam Bo. Die furchtbare Bilanz dieser Wortbrüchigkeit sind 806 Tote, 3 501 Verwundete und 12 741 grundlos Inhaftierte.

Im September vorigen Jahres hat die Partei der Werktätigen Vietnams mehrere Beschlüsse über den Kampf unseres Volkes für die unbedingte Einhaltung des Genfer Abkommens, gegen den Versuch seiner Übertretung gefaßt. Unsere Hauptaufgabe besteht jetzt darin, den Frieden zu festigen, die Bodenreform zu vollenden, für den wirtschaftlichen Aufschwung zu arbeiten, das Leben auf dem nördlich des 17. Breitengrades gelegenen Gebiet in Gang zu bringen und den politischen Kampf unserer Landsleute im ganzen Lande zu unterstützen. Bei der Festlegung der Linie für diesen Kampf des gesamten vietnamesischen Volkes haben wir die Losungen aufgestellt: den Frieden festigen, die Einheit des Landes sichern, die nationale Unabhängigkeit endgültig erkämpfen, die Demokratie im ganzen Lande durchsetzen. Jetzt müssen wir um die Erfüllung dieser Hauptaufgaben kämpfen. Bei alledem darf man aber nicht außer acht lassen, daß nach den von den Imperialisten in Manila und Bangkok abgehaltenen Konferenzen eine neue Lage in Asien entstanden ist. Die amerikanische Einmischung in die Angelegenheiten Indochinas tritt jetzt offener zutage, und die Versuche, das Genfer Abkommen zu brechen, häuften sich.

Um ihre Ziele zu erreichen, würden die amerikanischen Imperialisten und ihre Lakaien verschiedener Schattierungen gern die Spaltung des Landes verewigen, ihre Herrschaft über Südvietnam aufrechterhalten, die demokratischen Kräfte unterdrücken und die allgemeinen Wahlen im Jahre 1956 vereiteln.

Unter diesen Bedingungen ist der politische Kampf, der auf den Abschluß des Waffenstillstandes abzielte, in ein neues Stadium getreten, nämlich in das Stadium des politischen Kampfes gegen eine Wiederaufnahme des Krieges und für das Zustandekommen der nationalen Einheit durch allgemeine Wahlen im Juli 1956.

Die Fragen des Friedens, der Einheit, der nationalen Unabhängigkeit und der Demokratie sind eng miteinander verbunden. Ohne Festigung des Friedens kann die Einheit Vietnams durch allgemeine Wahlen nicht erreicht werden. Und wenn umgekehrt die nationale Einigung durch allgemeine Wahlen nicht erreicht werden kann, ist es nicht möglich, eine sichere Grundlage für den Frieden zu schaffen.

Die letzten Ereignisse und die Analyse der politischen Lage haben unsere Partei davon überzeugt, daß der Kampf des vietnamesischen Volkes für Frieden, Unabhängigkeit und Demokratie hart und schwer sein und daß es auf seinem Wege viele Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden haben wird. Aber unsere Partei zweifelt nicht daran, daß dieser Kampf siegreich sein wird.

Wir schöpfen aus der lebensspendenden Lehre des Leninismus unsere Kraft im Kampf für den Triumph der heiligen Sache der Einheit, Unabhängigkeit und Demokratie und für den Sieg des Sozialismus.

 

 

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