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Ho Chi Minh

"Testament", 10. Mai 1969

(Ho Chi Minh, Reden und Schriften, Leipzig 1980, S. 337-340)

 

 

Im patriotischen Kampf gegen die amerikanische Aggression werden wir gewiss noch größere Schwierigkeiten ertragen, neue Opfer bringen müssen, aber der völlige Sieg ist unausweichlich.

Das ist absolut gewiss. Wenn dieser Tag gekommen ist, möchte ich eine Reise durch den Norden und den Süden machen, um unseren Landsleuten zu gratulieren, unseren heldenhaften Offizieren und Soldaten, um unsere alten, unsere jungen Menschen, unsere vielgeliebten Kinder aufzusuchen.

Dann werde ich mich im Namen unseres Volkes in die Bruderländer des sozialistischen Lagers begeben, in die befreundeten Länder der ganzen Welt, um ihnen dafür zu danken, dass sie von ganzem Herzen unser Volk in seinem patriotischen Kampf gegen die amerikanische Aggression unterstützt haben.

Tu Fu, der bekannte chinesische Dichter der Tang-Periode, hat geschrieben: „Zu allen Zeiten waren diejenigen selten, die das Alter von siebzig Jahren erreichen." Mit meinen neunundsiebzig, die ich in diesem Jahr erreicht habe, gehöre ich zu diesen „seltenen" Leuten, aber mein Geist ist immer noch klar, wenn auch meine Gesundheit im Vergleich zu früheren Jahren etwas geschwächt ist. Wenn man mehr als siebzigmal den Frühling erlebt hat, geht es mit der Gesundheit abwärts, je weiter das Alter fortschreitet. Daran ist nichts Verwunderliches.

Aber wer kann voraussagen, wie lange ich der Revolution, dem Vaterland, dem Volke noch werde dienen können? Darum hinterlasse ich diese wenigen Zeilen im Vorausblick auf jenen Tag, da ich Karl Marx und Lenin, den Verehrungswürdigen, folgen werde und auch unseren revolutionären Ahnen. So werden unsere Landsleute im ganzen Land, die Genossen der Partei und unsere Freunde in der Welt nicht davon überrascht werden.

Zuerst möchte ich von der Partei sprechen. Dank der engen Gemeinschaft, die sie in ihrem Schoß verwirklicht hat, dank der Tatsache, dass sie der Arbeiterklasse, dem Volk, dem Vaterland restlos ergeben ist, hat unsere Partei seit ihrer Gründung vermocht, unser Volk zu einen, zu organisieren, zu leiten, es in den leidenschaftlichen Kampf und von Sieg zu Sieg zu führen.

Die Einheit ist eine überaus kostbare Tradition unserer Partei und unseres Volkes. Mögen alle Genossen, von den Mitgliedern des Zentralkomitees bis zu den Genossen der Basiszellen, den Zusammenschluss, die Einheit der Partei bewahren wie ihren Augapfel.

Im Schoß der Partei gilt es, eine breite Demokratie zu praktizieren, regelmäßig und in ernsthafter Weise Kritik und Selbstkritik zu üben. Das ist das beste Mittel zur Festigung und Entwicklung des Zusammenschlusses und der Einheit in der Partei. Es ist wichtig, dass alle Genossen durch eine wahre Zuneigung untereinander verbunden sind. Wir sind eine an der Macht befindliche Partei. Jedes Parteimitglied, jeder Funktionär muss sich zutiefst die revolutionäre Moral zu eigen machen, ein wahrhaftiges Beispiel liefern für Fleiß, Sparsamkeit, Integrität, Geradheit, völlige Hingabe an die gemeinsame Sache, vorbildliche Selbstlosigkeit. Der Partei muss ihre völlige Reinheit erhalten werden. Es gilt, sich der Rolle als Führer, als wirklich treuer Diener des Volkes als durchaus würdig zu erweisen. Die Mitglieder des Verbandes der Werktätigen Jugend und unsere jungen Menschen sind in ihrer Gesamtheit von ausgezeichneter Natur, brennen darauf, sich einzusetzen für die Aufgaben der Vorhut, fürchten kaum die Schwierigkeiten, streben unablässig nach dem Fortschritt. Unsere Partei muss sich darum kümmern, dass sie mit einer hohen revolutionären Moral ausgerüstet werden, muss sie zu Fortsetzern des Werkes des sozialistischen Aufbaus erziehen, die zugleich „Roter" und „Fachmann" sind.

Die Heranbildung und Erziehung der kommenden revolutionären Generation ist eine überaus wichtige und notwendige Aufgabe. Unser werktätiges Volk, in der Ebene wie in den Gebirgsregionen, hat seit Jahrhunderten Tausende Entbehrungen und Schwierigkeiten ertragen, es hat Ausbeutung, feudale und koloniale Unterdrückung erduldet, es hat darüber hinaus unter zahlreichen Kriegsjahren gelitten. Nichtsdestoweniger beweist unser Volk einen großen Heroismus, großen Mut, brennende Begeisterung und großen Fleiß bei der Arbeit. Seit ihrer Gründung ist es der Partei stets gefolgt und immer treu geblieben. Die Partei muss einen guten Plan entwerfen, um Wirtschaft und Kultur zu entwickeln, damit das Lebensniveau des Volkes ständig gehoben wird.

Der Widerstandskrieg gegen die amerikanische Aggression kann sich noch lange hinziehen. Es kann sein, dass unsere Landsleute neue Opfer an Gütern, an Menschenleben auf sich nehmen müssen. Wie dem auch sei, wir müssen entschlossen sein, den amerikanischen Aggressor bis zum endgültigen Sieg zu bekämpfen.

Unsere Flüsse, unsere Berge, unsere Menschen werden immer bleiben, ist der Yankee geschlagen, erbauen wir das Land zehnmal schöner als je.

Ungeachtet der Schwierigkeiten und Entbehrungen wird unser Volk gewiss den Sieg davontragen. Die amerikanischen Imperialisten müssen sich mit Gewissheit aus dem Staube machen. Unsere Landsleute in Nord und Süd werden gewiss wieder unter einem Dach vereint sein. Unser Land wird die vorzügliche Ehre haben, im heroischen Kampf zwei große imperialistische Mächte, die französische und die amerikanische, besiegt und einen würdigen Beitrag zur nationalen Befreiungsbewegung geleistet zu haben. Um die kommunistische Weltbewegung: Ich habe mein ganzes Leben dem Dienst an der Revolution gewidmet. Je mehr Stolz ich empfinde, die internationale kommunistische Arbeiterbewegung anwachsen zu sehen, um so mehr leide ich unter den Meinungsverschiedenheiten, die gegenwärtig die Bruderparteien voneinander trennen. Unsere Partei leistet ihr Bestes, um wirksam beizutragen zur Wiederherstellung der Einheit zwischen den Bruderparteien auf der Basis des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus in einer Weise, die den Forderungen des Herzens und der Vernunft entspricht.

Ich glaube fest daran, dass die Bruderparteien und Bruderländer sich wieder einigen werden.

Zu persönlichen Angelegenheiten:

Während meines ganzen Lebens habe ich dem Vaterland, der Revolution und dem Volk von ganzem Herzen gedient, Müsste ich jetzt diese Welt verlassen, hätte ich mir nichts vorzuwerfen und bedaure nur, nicht länger und noch mehr dienen zu können.

Man soll es vermeiden, nach meinem Tode große Beisetzungsfeierlichkeiten zu veranstalten, um Zeit und Geld des Volkes nicht zu vergeuden.

Zum Schluss möchte ich unserem ganzen Volk, unserer Partei, allen unseren bewaffneten Kräften, meinen Nichten und Neffen, den Jugendlichen und Kindern meine grenzenlose Zuneigung bekunden.

Ich richte ferner einen Brudergruß an die Genossen, an die Freunde, die Menschen und die Kinder in aller Welt. Mein letzter Wunsch ist, dass unsere ganze Partei, unser ganzes Volk, eng zusammengeschlossen im Kampf, ein friedliches, vereinigtes, unabhängiges, demokratisches, blühendes Vietnam erbaut und damit einen würdigen Beitrag zur Weltrevolution leistet.

 

 

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