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1. Die Konzentration des Kapitals. Die
Konzentration des Kapitals in den individuellen Unternehmen. Die
Konzentration des Kapitals in den Trusts. Die Konzentration des
Kapitals in den organisierten "nationalen Wirtschaften" (in den
"staatskapitalistischen Trusts"). 2. Die Zentralisation des
Kapitals. 3. Der Kampf der individuellen Unternehmen. Der Kampf
der Trusts; der Kampf der "staatskapitalistischen Trusts". 4. Die
kapitalistische Expansion der Gegenwart als Sonderfall der
Zentralisation des Kapitals. Die Angliederung gleichartiger
Strukturen (horizontale Zentralisation). Die Angliederung
agrarischer Gebiete (vertikale Zentralisation und Kombination).
Die beiden wichtigsten Prozesse der
kapitalistischen Entwicklung sind die Prozesse der
Konzentration und Zentralisation des Kapitals, die
oft durcheinander geworfen werden, die aber streng unterschieden
werden müssen. Marx gibt folgende Definition dieser Begriffe:
Jedes individuelle Kapital - sagt er - ist
eine größere oder kleinere Konzentration von Produktionsmitteln
mit entsprechendem Kommando über eine größere oder kleinere
Arbeiterarmee. Jede Akkumulation wird das Mittel neuer
Akkumulation. Sie erweitert mit der vermehrten Masse des als
Kapital funktionierenden Reichtums seine Konzentration in den
Händen individueller Kapitalisten, daher die Grundlage der
Produktion auf großer Stufenleiter und der spezifisch
kapitalistischen Produktionsmethoden. Das Wachstum des
gesellschaftlichen Kapitals vollzieht sich im Wachstum vieler
individuellen Kapitale... Zwei Punkte charakterisieren diese Art
Konzentration, welche unmittelbar auf der Akkumulation
beruht oder vielmehr mit ihr identisch ist. [von mir
unterstrichen N.B.] Erstens: Die wachsende Konzentration der
gesellschaftlichen Produktionsmittel in den Händen individueller
Kapitalisten ist, unter sonst gleichbleibenden Umständen,
beschränkt durch den Wachstumsgrad des gesellschaftlichen
Reichtums. Zweitens: Der in jeder besondren Produktionssphäre
ansässige Teil des gesellschaftlichen Kapitals ist verteilt
unter viele Kapitalisten, welche einander als unabhängige und
miteinander konkurrierende Warenproduzenten gegenüberstehn. ...
Dieser Zersplitterung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals in
viele individuelle Kapitale oder der Repulsion seiner Bruchteile
voneinander [Marx untersucht die Teilung der Vermögen usw.
N.B.] wirkt entgegen ihre Attraktion. Es ist dies nicht
mehr einfache, mit der Akkumulation identische Konzentration von
Produktionsmitteln und Kommando über Arbeit. Es ist
Konzentration bereits gebildeter Kapitale, Aufhebung ihrer
individuellen Selbständigkeit, Expropriation von Kapitalist
durch Kapitalist, Verwandlung vieler kleineren in weniger
größere Kapitale. Dieser Prozeß unterscheidet sich von dem
ersten dadurch, daß er nur veränderte Verteilung der bereits
vorhandnen und funktionierenden Kapitale voraussetzt, sein
Spielraum also durch das absolute Wachstum des
gesellschaftlichen Reichtums oder die absoluten Grenzen der
Akkumulation nicht beschränkt ist. Das Kapital schwillt hier in
einer Hand zu großen Massen, weil es dort in vielen Händen
verlorengeht. Es ist die eigentliche Zentralisation im
Unterschied zur Akkumulation und Konzentration. [Von mir
unterstrichen N.B.] [1]
Unter Konzentration verstehen wir also die
Vergrößerung des Kapitals durch Kapitalisierung des Mehrwerts, die
von demselben Kapital vorgenommen wird; unter Zentralisation die
Vereinigung verschiedener individueller Kapitale zu einem
einzigen. Die Konzentration und die Zentralisation des Kapitals
machen verschiedene Entwicklungsphasen durch, die wir untersuchen
müssen. Dabei wollen wir bemerken, daß beide Prozesse, sowohl
Konzentration, als auch Zentralisation, ständig einander
beeinflussen. Eine größere Konzentration des Kapitals beschleunigt
die Aufsaugung kleinerer Unternehmen und umgekehrt: die
Zentralisation verstärkt die Akkumulation des individuellen
Kapitals und verschärft somit den Prozeß der Konzentration.
Die ursprüngliche Form des Konzentrationsprozesses ist die
Konzentration des Kapitals in dem individuellen Unternehmen.
Diese Form überwog bis zum letzten Viertel des vorigen
Jahrhunderts. Die Akkumulation des gesellschaftlichen Kapitals
erscheint hier als Akkumulation des Kapitals in den einzelnen
Unternehmen, die einander als Konkurrenten gegenüberstehen. Die
Entwicklung der Aktiengesellschaften, die die Möglichkeit gegeben
hat, die Kapitale einer großen Zahl von einzelnen Unternehmen in
Gang zu setzen und die das Prinzip des individuellen Unternehmens
radikal untergraben hat, hat gleichzeitig die Voraussetzungen für
mächtige monopolistische Unternehmerverbände geschaffen. Die
Konzentration des Kapitals hat hier eine andere Form angenommen,
und zwar die Form der Konzentration in den Trusts. Die
Akkumulation des Kapitals vergrößert nicht mehr die Kapitale der
individuellen Produzenten, sie ist zu einem Mittel der
Vergrößerung der Kapitale der Unternehmerverbände geworden. Das
Tempo der Akkumulation wird ungeheuer beschleunigt. Gewaltige
Massen von Mehrwert, die die Bedürfnisse der unbedeutenden
Kapitalistengruppe weit übertreffen, werden in Kapital verwandelt,
um in einen neuen Zyklus der Bewegung einzugehen. Aber die
Entwicklung bleibt auch dabei nicht stehen. Auf verschiedenen
Wegen werden die einzelnen Produktionszweige zu einer
einheitlichen, in bedeutendem Maße organisierten Körperschaft
zusammengefaßt. Das Finanzkapital schlägt das gesamte Land in
eiserne Fesseln. Die "Volkswirtschaft" verwandelt sich in
einen einzigen gewaltigen kombinierten Trust, dessen Teihaber die
Finanzgruppen und der Staat sind. Solche Bildungen nennen wir
staatskapitalistische Trusts. Es ist natürlich unmöglich,
ihre Struktur mit der Struktur eines Trusts im engeren Sinne des
Wortes zu identifizieren; dieser ist eine mehr zentralisierte und
weniger anarchische Organisation. Aber bis zu einem gewissen Grade
und besonders im Vergleich zu der vorhergehenden Phase des
Kapitalismus haben die wirtschaftlich entwickelten Staaten sich in
einem bedeutenden Grade bereits dem Punkt genähert, wo man sie als
eine Art von trustähnlichen Organisationen oder, wie wir sie
genannt haben, als staatskapitalistische Trusts betrachten kann.
Deshalb kann man jetzt von einer Konzentration des Kapitals in
staatskapitalistischen Trusts als den Bestandteilen eines
viel bedeutenderen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Feldes, der
Weltwirtschaft, sprechen.
Freilich haben auch die frühesten Ökonomen von einer "Akkumulation
des Kapitals im Lande" gesprochen, das war einer ihrer
Lieblingsthemen, und schon der Titel des wichtigsten Werkes von
Adam Smith deutete darauf hin. Aber damals hatte dieser Ausdruck
einen wesentlich anderen Sinn, denn die "Volkswirtschaft" oder die
"Wirtschaft des Landes" stellte keineswegs ein kollektives
kapitalistisches Unternehmen dar, einen einheitlichen kombinierten
Trust; dies aber ist die Form, die die fortgeschrittenen Länder
des modernen Kapitalismus in bedeutendem Maße angenommen haben.
Parallel mit der Veränderung der Formen der Konzentration erfolgte
eine Veränderung der Formen der Zentralisation. Bei
individueller Form der Unternehmen standen sich im
Konkurrenzkampf einzelne Kapitalisten gegenüber. Die
"Volkswirtschaft" und die "Weltwirtschaft" waren nur die
Gesamtheit dieser verhältnismäßig kleinen Einheiten, die
miteinander durch den Austausch verbunden waren und deren
Konkurrenz hauptsächlich im "nationalen" Rahmen erfolgte. Der
Zentralisationsprozeß erfolgte in der Form der Aufsaugung der
kleinen Kapitalisten, des Wachstums der großen individuellen
Unternehmen. Nach Maßgabe des Wachstums der großen und größten
Unternehmen nahm der extensive Charakter der Konkurrenz
(in den gegebenen territorialen Grenzen) immer mehr ab; die Zahl
der Konkurrenten nahm parallel mit dem Zentralisationsprozeß ab.
Aber die Intensität der Konkurrenz nahm in ungeheurem
Maße zu, denn eine geringere Anzahl größerer Unternehmen warf
nunmehr eine solche Menge von Waren auf den Markt, wie man sie in
früheren Epochen nie gekannt hatte. Die Konzentration und die
Zentralisation der Kapitale führte schließlich zur Bildung von
Trusts. Der Konkurrenzkampf erreichte eine noch höhere Stufe.
Aus der Konkurrenz zahlreicher individueller Unternehmen
verwandelte er sich in eine erbitterte Konkurrenz einiger
gewaltiger kapitalistischer Vereinigungen, die eine komplizierte
und in bedeutendem Maße im voraus berechnete Politik betreiben.
Endlich hört die Konkurrenz in dem ganzen Produktionszweig auf. Um
so heftiger entbrennt der Kampf um die Teilung des Mehrwerts unter
den Syndikaten der verschiedenen Produktionszweige:
Organisationen, die Fertigwaren erzeugen, erheben sich zum Kampf
gegen die Syndikate in der Rohstofferzeugung und umgekehrt. Der
Zentralisationsprozeß entwickelt sich Schritt für Schritt weiter.
Gemischte Unternehmungen und Bankkonzerne fassen die gesamte
nationale Produktion zusammen, die die Form eines Verbandes der
Verbänden annimmt und sich somit in einen staatskapitalistischen
Trust verwandelt. Die Konkurrenz erreicht die höchste und letzte
denkbare Entwicklungsstufe: die Konkurrenz der
staatskapitalistischen Trusts auf dem Weltmarkt. In den
Grenzen der "nationalen" Wirtschaften wird sie auf ein Minimum
reduziert, aber nur, um in gewaltigem, in keiner der
vorhergehenden Epochen möglichen Umfange aufs neue zu entbrennen.
Eine Konkurrenz unter den "nationalen Wirtschaften", d.h. unter
ihren herrschenden Klassen, hat es natürlich auch vorher gegeben.
Aber sie hatte einen ganz anderen Charakter, da die innere
Struktur dieser "nationalen" Wirtschaften eine ganz andere war.
Die "nationale Wirtschaft" trat auf dem Weltmarkt nicht als ein
einheitliches organisiertes, wirtschaftlich ungewöhnlich mächtiges
Ganzes auf: in ihrem Innern herrschte die unbedingte freie
Konkurrenz. Und umgekehrt: die Konkurrenz auf dem Weltmarkt war
äußerst schwach. Heute, in der Epoche des Finanzkapitalismus, ist
das alles ganz anders: der Schwerpunkt liegt jetzt in der
Konkurrenz von gewaltigen, geschlossenen und organisierten
wirtschaftlichen Organismen, die aber eine kolossale Kampfkraft im
internationalen Wettbewerb der "Nationen" verfügen. Hier feiert
die Konkurrenz ihre wildesten Orgien, und zugleich mit ihr
verwandelt sich der Prozeß der Zentralisation des Kapitals
und erreicht eine höhere Phase. Die Aufsaugung kleiner Kapitale,
die Aufsaugung schwacher Trusts, ja sogar die Aufsaugung großer
Trusts tritt in den Hintergrund und erscheint als ein Kinderspiel
gegenüber der Aufsaugung ganzer Länder, die gewaltsam von ihren
wirtschaftlichen Mittelpunkten losgerissen und in das
wirtschaftliche System der siegreichen "Nation" einbezogen werden.
Die imperialistische Annexion ist somit ein Sonderfall der
allgemeinen kapitalistischen Tendenz zur Zentralisation des
Kapitals, zu seiner Zentralisation in dem maximalen Umfang, der
der Konkurrenz der staatskapitalistischen Trusts entspricht. Als
Schauplatz dieses Kampfes dient die Weltwirtschaft, seine
wirtschaftliche und politische Schranke ist der die ganze Welt
umspannende Trust, das einheitliche Weltreich, das dem
Finanzkapital der Sieger unterworfen ist, die alles übrige
assimiliert haben, - ein Ideal, von dem die feurigsten Köpfe
vergangener Epochen nicht einmal zu träumen wagten.
Zwei Arten der Zentralisation können unterschieden werden: die
erste Art, wenn eine wirtschaftliche Einheit eine andere
verschluckt, die ihr ähnlich ist; der zweite Fall ist die
vertikale Zentralisation, wen die betreffende wirtschaftliche
Einheit eine andere verschluckt, die nicht von der gleichen Art
ist. In diesem Falle haben wir es mit einer "wirtschaftlichen
Ergänzung" oder Kombination zu tun. Jetzt, da die Konkurrenz und
Zentralisation der Kapitale im Weltausmaß reproduziert wird,
finden wir auch diese beiden Typen wieder. Wenn ein Land, wenn ein
staatskapitalistischer Trust einen anderen, weniger starken aber
mit annähernd derselben wirtschaftlichen Struktur verschluckt, so
liegt in diesem Falle eine horizontale Zentralisation des Kapitals
vor. Wenn aber in den staatskapitalistischen Trust eine ihn
ergänzende wirtschaftliche Einheit, wie z.B. ein Agrarland
einbezogen wird, so haben wir es mit der Bildung einer Kombination
zu tun. Im Grunde genommen kommen hier dieselben Widersprüche zum
Ausdruck und sind dieselben Kräfte am Werk wie auch im Rahmen der
"nationalen Wirtschaften"; insbesondere führt ja die Verteuerung
der Rohstoffe zur Entstehung gemischter, kombinierter
Unternehmungen. Im höchsten Stadium des Kampfes wird also derselbe
Widerspruch zwischen den verschiedenen Produktionszweigen, aber in
bedeutend größerem Ausmaß reproduziert.
Der konkrete Entwicklungsprozeß der modernen Weltwirtschaft kennt
beide Formen. Als Beispiel einer horizontalen imperialistischen
Annexion kann die Eroberung von Belgien durch Deutschland, als
Beispiel einer vertikalen Annexion die Besetzung von Ägypten durch
England dienen. Trotzdem wird der Imperialismus gewöhnlich als
bloße koloniale Eroberungspolitik behandelt Eine solche ganz
falsche Vorstellung konnte früher in einem gewissen Maße dadurch
gerechtfertigt werden, daß die Bourgeoisie, die sich in der
Richtung des geringsten Widerstandes bewegte, bestrebt war, ihr
Gebiet auf Kosten der freien oder nur schwachen "Widerstand
leistenden" Länder auszudehnen. Jetzt aber bricht die Zeit einer
wahren Weltumteilung an. Ähnlich wie die im Rahmen des Staates
miteinander konkurrierenden Trusts anfangs auf Kosten "dritter
Personen" (der Außenseiter) wachsen und erst nach Vernichtung
dieser Gruppen den Kampf untereinander mit besonderer Heftigkeit
aufnehmen, entwickelt sich auch der Konkurrenzkampf unter den
staatskapitalistischen Trusts: erst kämpfen sie miteinander um die
freien Länder, um das jus primi occupantis; dann gehen sie an eine
Umteilung der Kolonien; bei einer weiteren Zuspitzung des Kampfes
wird auch das Gebiet der Metropole in den Prozeß der Umteilung
einbezogen. Auch hier folgt die Entwicklung der Linie des
geringsten Widerstandes, und als erste verschwinden die
allerschwächsten staatskapitalistischen Trusts. So wirkt sich das
allgemeine Gesetz der kapitalistischen Produktion aus, das nur mit
der Aufhebung der kapitalistischen Produktion selbst aufgehoben
werden kann.
Anmerkung:
1.
Karl Marx: Kapital,
Bd.1, S. 589 u. 590. |