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1. Die Überproduktion von Kapital und
ihre Zunahme. 2. Die treibenden Kräfte des Kapitalexports. 3.
Kartelle und Kapitalexport. 4. Kapitalexport und Anleihen. 5.
Kapitalexport und Handelsverträge. 6. Kapitalexport und
Warenexport. 7. Die Verschärfung der Konkurrenz im Kampfe um die
Sphären der Kapitalanlage und die kapitalistische Expansion.
Die internationale Kapitalbewegung kann vom
Standpunkt des kapitalausführenden und vom Standpunkt des
kapitaleinführenden Landes betrachtet werden. In dem ersten Falle
wird vom Kapitalexport die Rede sein.
Der Export von Kapital aus einem bestimmten Lande setzt eine
Überproduktion von Kapital in diesem Lande voraus, das heißt seine
Überakkumulation. Diese Überproduktion wäre in dem Falle absolut,
wenn das zusätzliche Kapital vom kapitalistischen Standpunkt
keinen Ertrag brächte, das heißt, wenn das Kapital C, das bis zu
C + DC angewachsen ist, ebensoviel Profit produzierte, wie vor
seiner Vermehrung durch DC. [1]
Aber es ist für den Kapitalexport keineswegs erforderlich, daß die
Überproduktion diese Schranke erreicht hat.
Wird Kapital ins Ausland geschickt, so
geschieht es nicht, weil es absolut nicht im Inland beschäftigt
werden könnte. Es geschieht, weil es zu höherer Profitrate im
Ausland beschäftigt werden kann.
[2]
Es ist hier ganz verständlich, daß wir, während
fast des ganzen Verlaufes der kapitalistischen Entwicklung
Kapitalexport antreffen. Aber nichtsdestoweniger hat der
Kapitalexport gerade in den letzten Jahrzehnten eine ganz
außerordentliche Bedeutung erlangt, die er früher niemals besessen
hat. Man kann sogar sagen, daß in einem bestimmten Maße ein
neuer Typus der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern
geschaffen worden ist; so sehr ist gerade diese Form des
internationalen Wirtschaftsverkehrs angewachsen.
Hier wirkten und wirken zweierlei Ursachen. Erstens erfolgt die
Akkumulation des Kapitals in einem unerhört schnellen Tempo, wenn
eine großkapitalistische Produktion vorhanden ist, wenn der
technische Fortschritt beständig mit Riesenschritten vorwärts
marschiert und die Produktivität der Arbeit sich erhöht, wenn das
Verkehrswesen sich außerordentlich entwickelt, wenn überhaupt die
Zirkulationsmittel vervollkommnet werden und damit auch der
Umschlag des Kapitals beschleunigt wird. Die Kapitalsmassen, die
nach Anlage suchen, erreichen eine außerordentliche Größe. Aber
andererseits hat die moderne, Organisation des Kapitals, haben die
Kartelle und Trusts die Tendenz, der Anlage von Kapital gewisse
Schranken zu setzen, indem sie einen bestimmten Umfang der
Produktion festsetzen. Was die nichtkartellierten
Produktionszweige anbetrifft, so wird es immer weniger
vorteilhaft, hier Kapital anzulegen; denn die monopolistischen
Organisationen können die Tendenz zum Fall der Profitrate nur auf
Kosten der nichtkartellierten Produktionszweige, durch Erlangung
eines Kartellextraprofits überwinden. Von dem jährlich erzeugten
Mehrwert geht ein Teil, der in den nichtkartellierten
Produktionszweigen erzeugt wird, in die Hände der Besitzer der
kapitalistischen Monopole über, während der Anteil der Außenseiter
fortwährend sinkt. Der ganze Prozeß treibt somit das Kapital aus
dem Lande.
Zweitens: das Bestehen hoher Zölle legt dem Eindringen von Waren
die größten Hindernisse in den Weg. Die Massenproduktion, die
massenhafte Überproduktion machen eine Zunahme des Außenhandels
erforderlich, aber dieser stößt auf die Barriere der hohen
Zollsätze. Zwar entwickelt sich der Außenhandel auch weiterhin,
der auswärtige Absatz nimmt zu, aber alles das erfolgt
ungeachtet und trotz der Hindernisse. Daraus folgt
keineswegs, daß die Zölle keinerlei Wirkungen ausüben. Sie wirken
vor allem auf die Profitrate. Während aber die Zollschranken dem
Warenexport große Hindernisse entgegensetzen, so stören
sie den Kapitalexport keineswegs. Es ist klar, daß die
Kapitalflucht aus dem Lande unter sonst gleichen Bedingungen um so
größer sein muß, je höher die Zölle steigen.
Der industrielle Schutz (!), der so bemessen
ist, daß die ausländische Ware den Markt neben der inländischen
behaupten kann, bietet für den Ausländer keine Veranlassung
innerhalb der Zollgrenze eine Fabrik zu errichten. Erst wenn der
Zoll so hoch wird, daß der fremde Fabrikant und Importeur seines
Absatzes teilweise oder ganz verlustig geht, tritt der Zeitpunkt
ein, in welchem die immer mit großen Kosten und Gefahren
verbundene Gründung im Auslande in Angriff genommen wird.
Prohibitive Tarife mit solcher Wirkung sind in der MacKinley-
und Dingley-Bill der Vereinigten Staaten aus den Jahren 1890 und
1897, ferner in der russischen Gesetzgebung von 1877, 1881, 1885
und 1891 und in der französischen von 1881 und 1892 enthalten.
[3]
Die Zölle beeinflussen den Kapitalexport auch
auf andere Weise. Und zwar dienen sie selbst als Lockmittel für
die Kapitalisten. Soweit das Kapital bereits eingeführt ist und
beginnt im "fremden" Lande zu funktionieren, genießt es denselben
"Zollschutz" wie die einheimischen Unternehmer.
[4] Das ergibt wiederum eine
ungeheure Verstärkung der Tendenz zum Kapitalexport.
Dieser Export darf aber nicht an und für sich, außerhalb des
Zusammenhangs mit anderen äußerst wichtigen wirtschaftlichen und
politischen Erscheinungen, von denen er begleitet ist, betrachtet
werden.
Wen wir z.B. staatliche oder kommunale Anleihen nehmen,
so darf hier keineswegs angenommen werden, daß der Anleihgeber nur
Zinsen erhält. Gewöhnlich wird bei Abschluß der Anleihe auch eine
ganze Reihe anderer Verpflichtungen festgelegt, in erster Linie
die Verpflichtung zu Bestellungen (Waffenkäufe,
Munitionskäufe, Käufe von Panzerschiffen, Eisenbahnmaterial usw.)
oder die Gewährung von Konzessionen zum Bau eines
Eisenbahnnetzes, von Straßenbahnen, zur Anlage von Telegraphen-
und Telephonlinien, zum Bau von Häfen, zur Erschließung von
Bergwerken, zur Ausbeutung von Wäldern usw. Solche Abmachungen
sind entweder im Anleihevertrag selbst als Bedingung enthalten
oder sie stellen die unvermeidliche Folge des ganzen "Gangs der
Dinge" dar. Als Beispiel führen wir die Beschreibung einer
Konzession an, die die persische Regierung der (russischen)
Diskont- und Kreditbank Persiens für den Bau einer Eisenbahn von
Dschulfa nach Täbriz (im Jahre 1903) erteilt hatte:
Die Spurenweite ist die russische. Die
Geltungsdauer der Konzession beträgt 75 Jahre. Die persische
Regierung erhält nach 35 Jahren ein Recht zum Rückkauf der
Eisenbahn, wobei sie verpflichtet ist, alle investierten
Kapitalien mit den Zinsen für fünf Jahre zu ersetzen, wenn diese
Verzinsung bereits durch die Konzession der Bahn erreicht worden
war. Die Bank erhält auf Grund der Konzession das Recht, in
einer Zone von 60 Werst zu beiden Seiten der Bahn Kohlen- und
Erdöllager auszubeuten und Zufuhrbahnen zu diesen Bergwerken zu
bauen. Die Bank erhält auch das Vorzugsrecht für den Bau der
Eisenbahnlinie Täbris-Kaswin und das ausschließliche Recht, im
Laufe von acht Jahren eine Feldbahn zwischen diesen Punkten zu
bauen und Kohlen- und Erdöllager in einer Zone von 60 Werst zu
beiden Seiten der Bahn auszubeuten. Nach Abzug eines Betrags von
7 Prozent für alle für den Bau der Eisenbahn verwandten
Kapitalien zugunsten des Konzessionärs wird die restliche
Reineinnahme zu gleichen Teilen zwischen dem Konzessionär und
der persischen Regierung verteilt. Von der Erdöl- und
Kohlengewinnung zahlt der Konzessionär 5 Prozent der
Reineinnahme an die persische Regierung. Alle
Konzessionsunternehmungen werden für immer von allen persischen
Steuern und Gebühren befreit.
[5]
Zu den "Mitteln der Einwirkung" kommt auch die
Einwirkung der staatlichen Macht hinzu, die den Handel mit
ausländischen Anleihen und mit ausländischen Wertpapieren
überhaupt verbieten kann. So erhielt das französische
Finanzministerium am 6. Februar 1880 durch ein spezielles Gesetz
die Vollmacht, den Handel mit ausländischen Wertpapieren zu
verbieten und auch die Zulassung ausländischer Anleihen an den
französischen Börsen zu verhindern. (Im Jahre 1909 lehnte die
französische Regierung eine Anleihe für Argentinien ab, weil
dieses im Jahre 1908 Bestellungen bei Krupp und nicht bei
Schneider in Creusot gemacht hatte; im Jahre 1909 wurde eine
bulgarische Anleihe wegen unzureichender Garantien für
Bestellungen abgelehnt; sie wurde dann von einem
österreichisch-deutschen Bankkonsortium übernommen; seit vier
Jahrzehnten werden deutsche Staatspapiere nicht zugelassen; im
September 1910 wurde eine ungarische Anleihe abgelehnt; eine
serbische Anleihe wurde unter der Bedingung abgeschlossen, daß
Schneider Bestellungen erhielt; nach der Revolution von 1905
bestellte Rußland in Frankreich für Anleihen Panzerschiffe usw.
[6]
Außer Bestellungen und Konzessionen können für die Gewährung einer
Anleihe bestimmte Zugeständnisse in den Handelsverträgen
ausbedungen werden. (Siehe z.B. den russisch-französischen
Handelsvertrag vom 16. (29.) September 1905, der bis 1917
verlängert worden ist; den schwedisch-französischen Vertrag vom 2.
Dezember 1908; die Vereinbarungen mit Dänemark im Jahre 1908; den
französisch-japanischen Zolltarif vom 19. August 1911;
gleichzeitig wurde die Zulassung der Aktien der United States
Steel Corporation auf der Pariser Börse abgelehnt wegen der hohen
Belastung von Weinen, Seidenwaren und Automobilen im Payne-Tarif
von 1909). [7]
Endlich nimmt bei einem Export von Kapital durch Privatpersonen
und industrielle Gesellschaften oder Banken wiederum die Ausfuhr
von Waren aus dem Mutterlande zu, da diese ausländischen
Unternehmungen selbst eine gewisse Nachfrage erzeugen und dann
durch ihre Tätigkeit den zum größten Teil von ihnen abhängigen
Markt erweitern. Man muß dabei im Auge behalten, daß die
"ausländischen" Unternehmungen, wie wir das im ersten Abschnitt
gesehen haben, Unternehmungen sind, die durch die größten Banken
oder durch Bankkonsortien finanziert werden und über eine
kolossale Wirtschaftsmacht verfügen.
[8] Ein Beispiel: in der
deutschen afrikanischen Kolonie Kamerun befindet sich ein Drittel
des Grund und Bodens in den Händen von privaten Eigentümern, wovon
der größte Teil den Besitz von nur zwei Gesellschaften darstellt.
Die Gesellschaft Süd-Kamerun. besitzt ein Gebiet von 7.700.000
Hektar.
Die Gesellschaft Nordwest-Kamerun ein solches von 8.800.000
Hektar, das heißt ein Besitztum, das sechsmal so groß ist wie das
Königreich Sachsen (1.500.000 Hektar) und größer als ganz Bayern
(7.500.000 Hektar). [9] Und
wenn auch kein eigener Landbesitz vorhanden ist, so steht die
Finanzmacht zur Verfügung. Wenn die Deutsche Bank die Bagdadbahn
baut, so benutzt sie in der Türkei nicht nur deutsches Material,
das unmittelbar für den Bahnbau bestimmt ist, sondern schafft auch
ein ganzes Netz von Marktbeziehungen, in das gerade deutsche Waren
leicht eindringen können. Der Kapitalexport schafft somit auch für
die Industrie, die in der Heimat dieses Kapitals produziert,
günstige Bedingungen.
Der Kapitalexport verschärft die Beziehungen unter den Großmächten
außerordentlich. Schon der Kampf um die Möglichkeit der
Kapitalanlage, das heißt der Kampf um Konzessionen usw. wird
beständig durch militärischen Druck bekräftigt. Jede Regierung und
jedes "Land", das ein Objekt der Politik der Finanzmänner der
Großmächte ist, gibt gewöhnlich denjenigen unter den Konkurrenten
nach, der ihm in militärischer Hinsicht am stärksten erscheint.
Wenn jetzt einige (besonders englische) Pazifisten glauben, auf
die herrschenden Klassen durch logische Argumente einwirken und
ihnen einreden zu können, sie müßten aus dem Grunde abrüsten, weil
Waren unabhängig von der Zahl der Dreadnoughts ihren Absatz
finden, so werden sie eine schwere Enttäuschung erleben. Denn die
"friedliche" Politik, die vor dem Kriege betrieben wurde, und die
nach ihm betrieben wird, sie beruhte gerade auf der ständigen
Drohung mit den Waffen. Wie der englische Schriftsteller
Brailsford richtig bemerkt, hört der "ständige Krieg von Stahl und
Gold sogar in Friedenszeiten nicht für eine Minute auf".
[10] Noch deutlicher
kennzeichnet Sartorius von Waltershausen, ein bedeutender
Theoretiker des deutschen Imperialismus die Atmosphäre der
erbitterten Konkurrenz:
Die zunehmende Industrialisierung der Welt
ist eine Tatsache, mit welcher jede Weltwirtschaftspolitik zu
rechnen hat. Manche Gebiete mögen ungeeignet sein, in anderen
mag der Vorgang nur ausnahmsweise oder langsam glücken, aber im
ganzen können die heutigen Industriestaaten auf eine andauernde
Vorherrschaft nicht rechnen. Den Gang der Entwicklung kann
niemand aufhalten, und sollte ein Staat seinen Untergang die
Gründung in einem anderen verbieten, so würden davon die
Geschäftsleute eines dritten nur Nutzen ziehen. Das Richtige ist
aber, die Hand rechtzeitig im Spiele haben ... Die ökonomische
Welt steht nicht still, eine. Neuerung schiebt die andere. Für
ein tatkräftiges Volk bietet sich immer wieder Gelegenheit
zuzugreifen. "Carpe diem" heißt es auch hier.
[11]
Aber wenn der Druck der militärischen Macht zu
Konzessionen und allen möglichen Privilegien führt, so bedarf auch
die weitere Betätigung des Kapitals eines besonderen "Schutzes".
Früher lag der Schwerpunkt in der Warenausfuhr, und die
Exporteure riskierten nur ihre Ware, d.h. ihr zirkulierendes
Kapital. Jetzt liegen die Dinge ganz anders. Im "fremden" Lande
wirken ungeheure Summen, hauptsächlich von fixem Kapital,
das in gewaltigen Anlagen investiert ist: in Eisenbahnen, die
Tausende von Kilometern erschließen, in teuren elektrischen
Unternehmungen, in großen Plantagen usw. usw. Die Kapitalisten des
exportierenden Landes sind auf das Äußerste an dem "Schutz" ihres
Reichtums interessiert, und deshalb werden sie alles tun, um nur
die Möglichkeit einer weiteren Akkumulation zu behalten.
[12]
Wenn das ausgebeutete Land in militärischer Hinsicht schwach ist,
so verwandelt sich die "friedliche Durchdringung" (die "pénétration
pacifique") des Kapitals gar bald in eine gleichfalls "friedliche"
Okkupation bzw. in eine Aufteilung des betreffenden Landes, oder
aber sie führt zum bewaffneten Kampf unter den Ländern, die im
Konkurrenzkampf und die Sphären der Kapitalanlage stehen. In
dieser Hinsicht ist das Schicksal der Türkei im Zusammenhang mit
der französisch-deutschen Konkurrenz äußerst typisch. Zur
Illustration führen wir nur zwei Auszüge aus den Schriften
deutscher und französischer Imperialisten an, die lange vor dem
Kriege erschienen sind.
Das türkische Kaiserreich ist also
überschwemmt von germanischen Horden (hordes germaniques), von
Kaufleuten und commis voyageurs ... So breitet sich allmählich
das Netz der deutschen Banken über das gesamte türkische
Kaiserreich aus, wo es Industrien unterhält, sich Verkehrsmittel
aneignet und mit den ausländischen Finanzunternehmungen
konkurriert ... Mit einem Worte: diese Banken bemühen sich
dank ihrer mächtigen politischen Unterstützung [von mir
unterstrichen. N.B.], um die endgültige Festsetzung des
deutschen Einflusses in der ganzen Levante.
[13]
So entrüstet sich ein französischer Bourgeois
über die germanischen Horden. Aber ebenso sehr ist auch der
Deutsche entrüstet:
Systematisch gingen die Franzosen ferner seit
Jahrzehnten darauf aus, auch die Türkei unter ihre
Schutzherrschaft zu bringen, indem sie ihr im ganzen
2.200.000.000 Franken liehen. Unter diesem Geld stecken allein
gegen eine halbe Milliarde für Eisenbahnbauten, so daß also
heute noch Frankreich in der Türkei mehr Bahnen gebaut hat als
irgendeine andere Nation. Die Hafenanlagen der wichtigsten
türkischen Seestädte sind in französischen Händen. Z.B. die von
Saloniki, Smyrna und Beirut. Auch den Leuchtturmdienst haben die
Franzosen an den türkischen Küsten in den Händen. Endlich
arbeitet in Konstantinopel die wichtigste Bank der Türkei, die
Ottomanbank, ganz unter französischem Einfluß: wer kann sich im
Orient einem solch gewaltigen Kapitaldruck politisch entziehen!
Die französische Diplomatie nutzt denn auch dieses ihr
Übergewicht namentlich in letzter Zeit auf das äußerste aus!
[14]
Der Export des Kapitals wird in seinem
gegenwärtigen Umfang und seiner gegenwärtigen Bedeutung, wie wir
sehen, durch die Besonderheiten der wirtschaftlichen Entwicklung
der letzten Jahre hervorgerufen. Wenn wir ihn vom Standpunkt der
Ausbreitung der organisatorischen Formen des modernen Kapitalismus
betrachten, so stellt er nichts anderes dar, als die Inbesitznahme
und Monopolisierung neuer Sphären für die Anlage von Kapital durch
die monopolistischen Unternehmungen einer Großmacht, oder wenn wir
den Prozeß in seiner Gesamtheit nehmen, durch die organisierte
"nationale" Industrie, durch das "nationale" Finanzkapital. Der
Kapitalexport stellt die bequemste Methode der Wirtschaftspolitik
der Finanzgruppen dar, da er am leichtesten zur Unterwerfung neuer
Gebiete führt. Das ist der Grund, weshalb die Verschärfung der
Konkurrenz. unter den verschiedenen Staaten hier besonders krasse
Formen annimmt. So führt die Internationalisierung des
Wirtschaftslebens auch hier unvermeidlich zu einer Entscheidung
der strittigen Fragen durch Feuer und Schwert.
Anmerkungen:
1.
Karl Marx: Kapital, Bd.
III, 1, S. 233.
2.
Ebenda, S. 238.
3.
Sartorius von Waltershausen,
a.a.O., S. 179.
4.
Sartorius, ebenda,
S.180.
5.
M.P. Pawlowitsch: Die großen
Eisenbahn- und Seeewege der Zukunft, St. Petersburg 1913,
S. 143.
6.
S. Schilder, a.a.O., S.
343 ff.
7.
Ebenda, S.353.
8.
Bei Pawlowitsch wird der Leser viele Beispiele der Politik der
Banken auf dem Gebiet des Eisenbahnbaus finden, durch den ganze
Länder praktisch den kapitalistischen "nationalen" Haifischen zum
Fraße vorgeworfen werden.
9.
Siehe das äußerst interessante Buch
Deutsche Kolonialreform,
das 2. Buch, das der Verfasser, den der Pseudonym als einen
"Auslandsdeutschen" zeichnet, unter dem Titel
Staatsstreich oder Reformen
herausgegeben hat. Zürich 1905, S. 1318.
10.
H.N. Brailsford: The War of Steel
and Gold, 1914.
11.
Sartorius. a.a.O., S.190
u. 191.
12.
"Kapital", sagt der Quarterly
Reviewer, "flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher
Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das
Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr
kleinen Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechenden
Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es
überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 60 Prozent, positiv
waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze
unter seinem Fuß: 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen,
das es nicht riskiert. selbst auf die Gefahr des Galgens." (P.J.
Dunning, zitiert bei Marx,
Kapital, Bd. I, S. 726)
13.
Dubief: Le chemin de fer de Bagdad in
Revue économique internationale,
1912. tome 2, p.7 u. folg. Seiten.
14.
Deutsche Kolonialreform,
S.1396 u. 1397. Man darf nicht vergessen, daß das Buch im Jahre
1905 geschrieben worden ist. Seit der Zeit haben sich das
Kräfteverhältnis und die Weltkarte stark verändert. |