Start Über uns Themen Geschichte Marxismus
 

 

"Die Internationale"

 

>> MP3-Dateien >> Historische Hintergründe >> Textvarianten >> Noten >> Kommentar Lenins

 

"Die Internationale" steht im Zentrum des revolutionären sozialistischen Liedguts. Sie ist weltweit wohl das traditionsreichste Musikstück der ArbeiterInnenbewegung, das wie kein anderes Lied für die Einheit der ArbeiterInnenklasse in ihrem entschlossenen Kampf für die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus steht. Wir können MP3-Dateien in vier Sprachen anbieten:

 

 

>> zum Seitenanfang

>> Übersicht: Musik

 

Zur Geschichte der "Internationalen"

Vom 18. März bis zum 28. Mai 1871 bestand die Pariser Kommune als historisch erster Versuch der proletarischen Revolution. Nachdem die Kommune von der französischen Konterrevolution mit Hilfe des preußischen Militärs blutig niedergeschlagen worden war, schrieb der Kommunarde Eugène Pottier (1816-1887) auf der Flucht das Gedicht "L'Internationale". Der Titel bezog sich damals natürlich auf die "Internationale Arbeiterassoziation" (IAA; "I. Internationale"), die als erste internationale revolutionäre Massenorganisation des Proletariats am 28.09.1864 in London gegründet wurde und unter maßgeblichem Einfluss von Karl Marx und Friedrich Engels wirkte. Einer der Höhepunkte der Tätigkeit der IAA war auch die Solidaritätsbewegung für die Pariser Kommune, 1876 wurde die IAA offiziell aufgelöst. 1888, nach Pottiers Tod, wurde sein Text von dem Komponisten Pierre Chrétien Degeyter (1848-1932), Dirigent des Arbeitergesangsvereins von Lille, vertont. Im Laufe der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die "Internationale" überall bekannt, 1904 in Amsterdam wurde das Lied erstmals bei einer Konferenz der II. Internationale gemeinsam von den Delegierten gesungen. Bis 1943 war die russischsprachige "Internationale" die Staatshymne der Sowjetunion. Die im deutschsprachigen Raum verbreitete Version sind die ersten drei Strophen der Übersetzung von Emil Luckhardt (ca. 1910). Sie setzte sich gegenüber konkurrierenden Versionen, darunter u.a. auch eine von Erich Weinert, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts endgültig durch. Heute wird die "Internationale" mittlerweile in den deutschsprachigen Ländern in der Sozialdemokratie normalerweise nicht mehr bei Konferenzen und Veranstaltungen gesungen, die SPD etwa hat sich diesbezüglich als Parteilied "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" auserwählt, die SPÖ singt die erste und die letzte der zehn Strophen des (etwas lahmen...) "Liedes der Arbeit" von Josef Scheu und Josef Zapf (1867/68). Die Sozialistische Jugend Österreich blieb ihrerseits hingegen bei der "Internationalen", ebenso wie praktisch alle Kommunistischen Parteien.

>> zum Seitenanfang

>> Übersicht: Musik

 

"Die Internationale"

(deutscher Text von E. Luckhardt)

Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man noch zum Hungern zwingt!
Das Recht wie Glut im Kraterherde
nun mit Macht zum Durchbruch dringt.
Reinen Tisch macht mit den Bedrängern!
Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger,
alles zu werden, strömt zuhauf!

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht!

Es rettet uns kein höh'res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen,
können wir nur selber tun!
Leeres Wort: des Armen Rechte!
Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
Unmündig nennt man uns und Knechte,
ertragt die Schmach nun länger nicht!

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht!

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei'n.
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muß unser sein;
unser Blut sei nicht mehr der Raben
und der mächt'gen Geier Fraß!
Erst wenn wir sie vertrieben haben,
dann scheint die Sonn' ohn' Unterlaß!

Völker, hört die Signale!
Auf, zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht!

Gewölbe, stark und fest bewehret
die bergen, was man dir entzog.
Dort liegt das Gut, das dir gehöret
und um das man dich betrog.
Ausgebeutet bist du worden!
ausgesogen bis aufs Mark!
Auf Erden rings, in Süd und Norden,
das Recht ist schwach, die Willkür stark!

Refrain

Mit Schlachtenrauch will man uns blenden,
doch zwischen uns soll Friede sein!
Den Dienst verweigert ihr, Soldaten
Gewehre hoch, durchbrecht die Reih'n!
Wenn drauf bestehn die Kannibalen,
daß mit dem Mordstahl kämpfen wir,
so sollen sie es bald erfahren,
auf wen wir richten das Visier!

Schon jubeln Sieges-Signale,
empor, vorwärts, der Tag dringt ein!
Die Internationale
wird die Menschheit sein!

Französisches Original von E. Pottier:

Debout! les damnés de la terre,
Debout! les forçats de la faim!
La raison tonne en son cratère,
C'est l'éruption de la fin.
Du passé faisons table rase,
Foule esclave, debout! debout!
Le monde va changer de base:
Nous ne sommes rien, soyons tout!

C'est la lutte-finale:
Groupons-nous, et demain,
L'Internationale
Sera le genre humain

Il n'est pas de sauvers suprêmes:
Ni Dieu, ni César, ni tribun,
Producteurs, sauvons nous-mêmes!
Décrétons le salut commun!
Pour que le voleur rende gorge,
Pour tirer l'esprit du cachot,
Soufflons nous-mêmes notre forge,
Battons le fer quand il est chaud!

Refrain

L'etat comprime et la loi triche;
L'impot saigne le malheurex;
Nul devoir ne s'impose au riche;
Le droit du pauvre est un mot creux.
C'est assez languir ein tutelle,
L'egalite veut d'autres lois;
"Pas de droit sans devoirs, dit-elle,
Egaux pas de devoirs sans droits!"

Refrain

Hideux dans leur apotheose,
Le rois de la mine et du rail
Ont-ils jamias fait autre chose
Que devaliser le travail?
Dans les coffres-forts de la bande
Ce qu'il a cree s'est fondu.
En dedretant qu'on le luirende
Le peuple ne veut que son du.

Refrain

Le rois nous soulaient de fumees,
Paix entre nous, guerre aux tyrans!
Appliquons la greve aux armees,
Crosse en l'air et rompons les rangs!
S'il s'obstinent, ces cannibales,
A faire de nous bientot que nos balles
Sont pour nos propres generaux.

Refrain

Ouvriers, paysans, nous sommes
Le grand Parti des travailleurs;
La terre n'appartient qu'aux hommes,
L'oisif ira loger ailleurs.
Combien de nos chairs se repaissent!
Mais, si les corbeaux, les vautours,
Un de ces matins, disparaissent,
Le soleil brillera toujours!

Refrain

 
 
>> zum Seitenanfang

>> Übersicht: Musik

 

>> zum Seitenanfang

>> Übersicht: Musik

 

Lenin über E. Pottier und die Bedeutung der "Internationalen":

W. I. Lenin: Eugène Pottier – Zum 25. Jahrestag seines Todes

(zuerst veröffentlicht in: Prawda, Nr. 2, 3. Januar 1913; eigene Übersetzung)

Im November vergangenen Jahres – 1912 – jährte sich der Tod des französischen Arbeiterdichters Eugène Pottier, des Autors des berühmten proletarischen Liedes „Die Internationale“ („Wacht auf, Verdammte dieser Erde“, etc.), zum 25. Mal.

Dieses Lied wurde in alle europäischen und andere Sprachen übersetzt. In welchem Land auch immer ein klassenbewusster Arbeiter sich wieder findet, wohin auch immer ihn das Schicksal verschlägt, wie sehr er sich auch als Fremder fühlen mag, ohne Sprache, ohne Freunde, fern seines Geburtslandes – so kann er selbst dennoch Genossen und Freunde finden durch den vertrauten Refrain der „Internationalen“. Die Arbeiter aller Länder haben das Lied ihres hervorragenden Kämpfers, dieses proletarischen Dichters, übernommen und es zur weltweiten Hymne des Proletariats gemacht.

Und die Arbeiter aller Länder ehren nun das Andenken an Eugène Pottier. Seine Frau und seine Tochter leben noch – und sie leben in Armut, so wie der Autor der „Internationalen“ sein ganzes Leben über. Er wurde am 4. Oktober 1816 in Paris geboren. Er war 14, als er sein erstes Lied komponierte, und es hieß: „Lang lebe die Freiheit!“. 1848 war er ein Barrikadenkämpfer in den Reihen der Arbeiter bei ihrer Schlacht gegen die Bourgeoisie. (…)

Von 1840 an reagierte er auf alle bedeutenden Ereignisse in der Geschichte Frankreichs mit Liedern, die das Bewusstsein der zurückhaltenden Menschen weckten, die die Arbeiter zur Einheit aufriefen und die an der Bourgeoisie und der bürgerlichen Regierung Frankreichs schärfste Kritik übten.

In den Tagen, als sich die große Pariser Kommune konstituierte (1871), wurde Pottier als Mitglied gewählt. Von 3.600 gezählten Stimmen erhielt er 3.352. Er nahm Teil an allen Aktivitäten der Kommune, der ersten proletarischen Regierung der Welt.

Nach dem Fall der Kommune war Pottier gezwungen, zunächst nach England und dann nach Amerika zu fliehen. Sein berühmtes Lied „Die Internationale“ wurde im Juni 1871 geschrieben – man könnte sagen: am Tag nach der blutigen Niederlage im Mai.

Die Kommune wurde niedergeschlagen – aber Pottiers „Internationale“ verbreitete ihre Ideen über die ganze Welt und sie sind heute lebendiger als je zuvor. (…)

Es war nur neun Jahre nach den Tagen der Kommune, dass Pottier nach Frankreich zurückkehrte, wo er sofort der Arbeiterpartei beitrat. (…)

Am 8. November 1887 trugen die Pariser Arbeiter Eugène Pottiers Sarg zum Friedhof Père-Lachaise, wo die ermordeten Kommunarden begraben sind. Die Polizei griff den Trauerzug sogar auf brutale Weise an, um den Arbeitern die mitgeführte rote Fahne zu entreißen. Eine große Menge nahm Teil am öffentlichen Begräbnis. Von allen Seiten waren Rufe „Lang lebe Pottier!“ zu hören. Pottier starb in Armut. Aber er hinterließ ein Andenken, das länger bestehen wird als jede Handarbeit. Er war einer der größten Propagandisten des proletarischen Liedes. Als er sein erstes Lied komponierte, gab es unter den Arbeitern höchstens eine zweistellige Anzahl von Sozialisten. Heute kennen Eugène Pottiers historisches Lied zig Millionen von Proletariern.

 

 

Stamokap-Strömung in der SJÖ - politbuero@stamokap.org