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Victor Jara: Somos cinco mil

(Bild: "Requiem für Victor Jara" von Wolfgang Mattheuer, 1973)

 

Victor Jara (1932-1973) war einer der bekanntesten und populärsten Musiker Chiles. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei und unterstützte die Volksfrontregierung der Unidad Popular unter Salvador Allende, der 1970 die Präsidentschaftswahlen gewann. Als der von den USA unterstützte faschistische Putsch General Pinochets am 11. September 1973 den friedlichen Weg Chiles zum Sozialismus beendete, wurde Victor Jara mit rund 5.000 weiteren politischen Gefangenen ins Fußballstadion von Santiago gebracht, wo sie misshandelt, gefoltert und ermordet wurden. Jara wurden von einem faschistischen Soldaten mit dem Gewehrkolben die Hände gebrochen, damit er auf der Gitarre nicht mehr die von der Konterrevolution verhassten sozialistischen Freiheitslieder spielen konnte. Als Jara mit zerschlagenen Händen dennoch das Lied "Venceremos!" ("Wir werden siegen!"), die Hymne der Unidad Popular, zu singen begann und seine Mitgefangenen einstimmten, wurde er - vermutlich zwischen dem 12. und 16. September - erschossen. Kurz vor seiner Ermordung schrieb Victor Jara im Stadion sein letztes Gedicht - über die Situation, in der sich er, seine 5.000 Mitgefangenen und Chile befanden. Dieser Text mit dem Titel "Somos cinco mil" wurde später von seiner Frau Joan veröffentlicht.

 

Somos cinco mil

 

Wir sind fünftausend

 

Somos cinco mil

en esta pequeña parte de la ciudad.

Somos cinco mil

¿Cuántos seremos en total

 en las ciudades y en todo el país?

Solo aqui

diez mil manos siembran

 y hacen andar las fabricas.

 

¡Cuánta humanidad

con hambre, frio, pánico, dolor,

presión moral, terror y locura!

 

Seis de los nuestros se perdieron

en el espacio de las estrellas.

 

Un muerto, un golpeado como jamas creí

se podria golpear a un ser humano.

Los otros cuatro quisieron quitarse todos los temores

uno saltó al vacio,

otro golpeandose la cabeza contra el muro,

pero todos con la mirada fija de la muerte.

 

¡Qué espanto causa el rostro del fascismo!

Llevan a cabo sus planes con precisión artera

Sin importarles nada.

La sangre para ellos son medallas.

La matanza es acto de heroismo

¿Es este el mundo que creaste, dios mio?

¿Para esto tus siete dias de asombro y trabajo?

en estas cuatro murallas solo existe un numero

que no progresa,

que lentamente querrá más muerte.

 

Pero de pronto me golpea la conciencia

y veo esta marea sin latido,

pero con el pulso de las máquinas

y los militares mostrando su rostro de matrona

llena de dulzura.

¿Y Mexico, Cuba y el mundo?

¡Que griten esta ignominia!

Somos diez mil manos menos

que no producen.

 

¿Cuántos somos en toda la Patria?

La sangre del companero Presidente

golpea más fuerte que bombas y metrallas

Asi golpeará nuestro puño nuevamente

 

¡Canto que mal me sales

Cuando tengo que cantar espanto!

Espanto como el que vivo

como el que muero, espanto.

De verme entre tanto y tantos

momentos del infinito

en que el silencio y el grito

son las metas de este canto.

Lo que veo nunca vi,

lo que he sentido y que siento

hara brotar el momento...

 

Es sind fünftausend von uns hier

in diesem kleinen Stückchen Stadt.

Wir sind fünftausend.

Ich wüsste gern, wie viele wir sind

in den Städten und im ganzen Land?

Hier allein

sind zehntausend Hände, die pflanzen

und die Fabriken betreiben.

 

Wieviel Menschlichkeit

ausgesetzt dem Hunger, der Kälte, der Angst, der Qual,

der Unterdrückung, dem Terror, dem Wahnsinn?

 

Sechs von uns sind verloren

wie im Weltraum.

 

Einer tot, einer geschlagen, wie ich nie geglaubt hätte,

dass ein Menschenwesen geschlagen werden kann.

Die anderen vier wollten ihre Qualen beenden -

einer sprang ins Nichts,

einer schlug den Kopf gegen die Mauer,

aber alle mit dem starren Blick des Todes.

 

Was für ein Grauen die Fratze des Faschismus schafft!

Sie führen ihre Pläne mit der Präzision von Messern aus.

Ihnen ist alles gleich.

Für sie ist Blut wie ein Orden,

Schlächterei eine Heldentat.

O Gott, ist das die Welt, die du geschaffen hast?

Dafür deine sieben Tage voll Wundern und Taten?

In diesen vier Wänden gibt es nur eine Zahl,

die sich nicht vermehrt.

Die sich mehr und mehr nach dem Tode sehnt.

 

Aber plötzlich erwacht mein Gewissen

und ich sehe diesen Strom ohne Herzklopfen,

nur den Rhythmus von Maschinen

und die Militärs, die ihre Hebammen-Gesichter aufsetzen,

voller Zärtlichkeit.

Lasst Mexiko, Kuba und die Welt

gegen diese Schändlichkeit protestieren!

Wir sind zehntausend Hände,

die nichts produzieren können.

 

Wie viele von uns im ganzen Land?

Das Blut unseres Präsidenten, unseres Compañeros,

wird kühner kämpfen als Bomben und Maschinengewehre!

Auch unsere Faust wird wieder kämpfen.

 

Wie schwer ist das Singen,

wenn ich den Schrecken singen muss.

Den Schrecken, den ich lebe,

den Schrecken, den ich sterbe.

Mich selbst unter so vielen sehen

und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,

in denen Schweigen und Schreie

das Ende meines Gesanges sind.

Was ich sehe, habe ich nie gesehen.

Was ich gefühlt habe und was ich fühle,

wird den Augenblick erschaffen...

 

 

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