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Jewgeni Jewtuschenko:

Feiert den 1. Mai!

(aus: Jewtuschenko, Gedichte, Wien 1963, S. 24-25)

 

Ich schrieb ein Gedicht einst

zum Ersten Mai

und machte mir

nicht viel Gedanken,

dass es allzu lärmend und dröhnend sei

und mir allzu leicht von der Hand ging.

Doch als ich,

meines Triumphes gewiss,

dem Vater die Verse zeigte,

da holte er schweigend aus seinem Tisch

ein Flugblatt aus alten Zeiten.

Dort war ein Gedicht -

ich sag es offen,

es war nicht von Mängeln frei,

doch brach's

aus der Tiefe jeder Strophe:

"Feiert den Ersten Mai!"

"Arbeiter, Brüder!

Die Stunde ist nah,

für die Freiheit das Leben zu wagen!"

Wie schämte ich mich

meiner Verse da,

so kunstvoll - um nichts zu sagen!

Wie legen wir

all die Leidenschaft,

die erhebt,

in die Worte hinein:

"Kommunismus"

und

"Sowjetmacht",

"Revolution"

und

"Erster Mai!"

Spießruten laufen

ließ man dafür

und peitschte

die Haut in Striemen,

man starb dafür -

und da werfen wir

so achtlos

herum mit ihnen.

Was hat den für Sinn

das leere Schrein?

Um Schmeichelei'n

zu genießen?

Man wird

nicht erschossen dafür

vom Feind.

Denn da gibt's nichts,

wofür

zu erschießen.

Es weisen uns mahnend

auf vieles hin,

die für die Wahrheit

geopferten Leben...

Genossen,

man muss den Worten den Sinn,

den alten Klang wieder geben!

Sehn wir

als Schwüre

die Worte an,

werden wir behutsamer sein.

Wir schreiten zum Kommunismus voran!

Feiert den Ersten Mai!

 

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