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Johann Koplenig:

Kampf gegen den Faschismus

Referat auf dem 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Österreichs am 18. Februar 1929

(Die eingefügten Seitenzahlen verweisen auf: Johann Koplenig, Reden und Aufsätze 1924-1950, Wien 1951, S. 34-38)

 

|34| Bei Beurteilung der Lage, der Taktik und der Aufgabe der Kommunistischen Partei ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, klar zu sehen, dass sowohl im internationalen Maßstab wie auch in Österreich in den letzten Jahren sich entscheidende Veränderungen vollzogen haben. Der 6. Weltkongress der Kommunistischen Internationale hat auf Grund einer klaren Analyse diese Lage als die dritte Periode der Entwicklung des Kapitalismus in der Nachkriegszeit charakterisiert.

Seit dem 6. Weltkongress sind eine Reihe von wichtigen Ereignissen eingetreten, welche die verstärkte Offensive gegen die Sowjetunion charakterisieren. Auf der anderen Seite sehen wird, dass in Verbindung mit den Kriegsvorbereitungen die revolutionären Kräfte in den Ländern wachsen. Die Verschärfung der Klassengegensätze und die Radikalisierung der Arbeiterklasse sind das Merkmal der gegenwärtigen politischen Lage. Die dritte Periode führt unvermeidlich zu einer Entwicklung der Widersprüche der kapitalistischen Staaten und zu einer allgemeinen Zuspitzung der politischen Lage.

Die allgemeine Verschärfung der Lage, welche auch darin zum Ausdruck kommt, dass in allen Ländern ein verschärfter Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung geführt wird, der Übergang zur Anwendung faschistischer Gewaltmethoden schaffen auch für die Kommunistische Partei eine schwierige Situation. Damit verbunden und verbunden mit der kapitalistischen Stabilisierung sehen wir auch in den kommunistischen Parteien sozialdemokratische Einwirkungen, sehen wir starke Rechtsgefahren, welche die Komintern feststellte. Die Haupt- |35| forderung der Weltkongresses war der verschärfte Kampf gegen rechte opportunistische Abweichungen, der verschärfte Kampf gegen versöhnlerische Strömungen in den kommunistischen Parteien. In der gegenwärtigen Periode zeigen sich besonders gefährliche Abweichungen innerhalb der einzelnen Parteien und insbesondere in den letzten Monaten haben wir klar gesehen, welchen Widerstand die Beschlüsse des 6. Weltkongresses in de Reihen der rechten Elemente gefunden haben.

Wir haben in den letzten Jahren wiederholt bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Lage, der Auswirkungen der Stabilisierung des Kapitalismus darauf hingewiesen, dass diese Stabilisierung in Österreich einen besonders labilen Charakter trägt, dass sie besonders gekennzeichnet ist durch die scharfe Absatzkrise nach dem Krieg und durch die Massenarbeitslosigkeit als Dauererscheinung.

Vor allem ist es wichtig, in bezug auf die Lage in Österreich zu sehen, dass sich entscheidende Veränderungen in den politischen Verhältnissen vollzogen haben, dass ein offen reaktionärer Kurs von der Seipel-Regierung und von den Unternehmern eingeschlagen wird, dass eine verschärfte Offensive gegen das Proletariat auf der ganzen Linie eingesetzt hat. Eine besondere Rolle spielt dabei der Faschismus, der von der Seipel-Regierung und den Unternehmern planmäßig ausgerüstet und gegen die Arbeiterschaft eingesetzt wird.

Die Sozialdemokratische Partei sagt: „Helft uns bei den nächsten Wahlen die Mehrheit zu erringen, dann wird sich wieder eine Wandlung der Demokratie vollziehen.“ Es ist aber nicht so, dass die Demokratie bloß eine Wandlung durchgemacht hat, dass sie von der Bourgeoisie erst voll ausgenützt wird, sondern diese geht bereits daran, die Demokratie zu ersetzen durch faschistische Gewaltmethoden.

Es ist selbstverständlich, dass dabei die Bourgeoisie, soweit es in ihre Politik passt, auch die demokratischen Methoden ausnützt, aber wir sehen, dass der Rahmen der Demokratie der Bourgeoisie zu eng wird.

Wenn man über die Perspektive des Faschismus in Österreich spricht, sieht man, dass er in sehr engem Zusammenhang steht mit den Kriegsvorbereitungen. Die imperialistischen Mächte |36| brauchen den Faschismus in Österreich, um hier die Arbeiter niederzuschlagen und Österreich in die Front gegen die Sowjetunion einzureihen.

Was nun die Rolle der Sozialdemokratie in der gegenwärtigen Periode anbelangt, können wir feststellen, dass in allen Ländern eine Rechtsentwicklung der Reformisten, ein offenes Hervortreten der konterrevolutionären Tendenzen zu verzeichnen ist. Man muss sagen, dass sich innerhalb der SPÖ eine Veränderung der sozialen Basis vollzogen hat, das Schwergewicht innerhalb der SPÖ wird immer mehr auf die kleinbürgerlichen Schichten, und soweit es die Arbeiter betrifft, auf die Arbeiteraristokratie übergeht, wie Staatsangestellte, Gemeindeangestellte, teilweise Betriebsräte, welche von der SP immer mehr von einem Organ des Klassenkampfes zu einem Organ der Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern gemacht werden. Es gelingt dies in vielen Fällen. Auf dieser Basis vollzieht sich einerseits eine Konsolidierung der rechten Führung innerhalb der SP. Die Otto Bauer, Adler und wie sie alle heißen, haben aufgehört, linke Zentristen zu sein. Sie sind fast vollständig auf einer Linie mit den Renner und Leuthner. Es hat sich nach dem 15. Juli [1927] innerhalb der SP-Führung, innerhalb der sozialdemokratischen Spitzen eine vollständige Konsolidierung nach rechts vollzogen, während auf der anderen Seite eine Radikalisierung, eine Linksentwicklung vorerst nur bei den fortgeschrittensten Arbeiterschichten festzustellen ist.

Für die nächste Periode ist die wichtigste Aufgabe der Kampf gegen den Faschismus. Wir haben bereits einige Beispiele, wo wir bewiesen und gezeigt haben, dass es möglich ist, mit Erfolg den Kampf gegen den Faschismus zu führen. Das Schwergewicht unserer Arbeit im Kampf gegen den Faschismus muss die Mobilisierung der Massen gegen die Passivität der SP sein, die nichts gegen den Faschismus unternimmt. Wir müssen die Einheitsfront von unten organisieren, die Bildung antifaschistischer Komitees auf Grund der Einheitsfront von unten in den Betrieben. Es ist wichtig, dass das Schwergewicht in den Betrieben ruht und dass nicht etwa in den Versammlungen, zu denen wir einige Sozialdemokraten bekommen, antifaschistische Komitees gewählt werden. Es ist auch festzustellen, dass |37| die Partei ihr Gesicht nicht hinter diesen Komitees verstecken soll, sondern dass die Kommunistische Partei mit Hilfe dieser Komitees den Kampf gegen den Faschismus offen zu führen bereit ist.

Mit der Frage des Kampfes gegen den Faschismus steht im engen Zusammenhang die Frage des Kampfes gegen die Kriegsgefahr.

Wir müssen in unsere Agitation immer wieder auf den Zusammenhang zwischen der Aufrüstung des Faschismus in Österreich und den Rüstungen des Kapitalismus in allen Ländern zum Krieg gegen die Sowjetunion hinweisen. Auch in den Kreisen unserer eigenen Parteigenossen besteht die Auffassung, dass Österreich bei einem Krieg gegen die Sowjetunion nur vom Gesichtspunkt der Waffen- und Munitionslieferung zur Teilnahme an diesem Kriege in Betracht kommt. Das ist unrichtig. Es ist durchaus möglich, dass Österreich auch aktiv einbezogen wird in die Kriegsfront.

Aus unserem Parteitagsbericht geht ein Rückgang unserer Parteimitgliedschaft hervor. Aber nicht das ist das Entscheidende. Viel entscheidender, wichtiger und geradezu gefährlicher ist der Rückgang unseres Einflusses in den Betrieben. Gefährlich ist die Tatsache, dass zum Beispiel in Wien im Jahre 1927 60 Betriebszellen waren, in welchen 1044 Genossen erfasst wurden. Im Jahre 1929 haben wir 34 Betriebszellen mit 454 Arbeitern. Das ist ein ernstes Moment und eine entscheidende Frage. Es muss Schluss gemacht werden mit der Auffassung, wir in Österreich könnten nichts machen, bei uns sei der Einfluss der SP und der Gewerkschaftsbürokratie zu stark. Wir haben immer wieder bewiesen, dass dort, wo nur einzelne Genossen in Betrieben mit Unterstützung der Parteiorganisation außerhalb des Betriebes es verstehen, aktiv zu arbeiten, sie auch Erfolge haben. Die Voraussetzungen dazu sind vorhanden in allen Betrieben. Aber notwendig hierzu ist die Umstellung unserer Arbeit in den Betrieben.

Damit im Zusammenhang steht die Frage der Kontrolle der Organisation und Leitung der Parteimitgliedschaft durch die Zentrale.

Es ist klar, dass eine richtige bolschewistische Politik nur |38| möglich ist auf Grund einer wirklichen marxistisch-leninistischen Theorie. Wir schritten an die Organisierung von Kursen und Parteischulen in der Provinz. Bei diesen Schulen und Kursen zeigt es sich, dass innerhalb der Mitgliedschaft ein großer Hunger nach Wissen vorhanden ist und auch der Wille zum Lernen. Wir müssen diese Arbeit verstärken, doch sie wird nur dann praktischen Wert haben, wenn sie verbunden wird mit den politischen aktuellen Problemen der Tagesarbeit. Nur dann werden wir zur Herausbildung eines wirklich guten Funktionärkaders kommen.

Zum Schluss noch einiges über die Notwendigkeit des Kampfes gegen die rechten Gefahren in unserer Partei, gegen die vorhandenen sozialdemokratischen, opportunistischen Auffassungen. Im EKKI-Brief wurde darauf hingewiesen, dass gerade in der österreichischen Partei angesichts der starken SP die rechten Gefahren besonders groß sind. Jetzt, wo wir vom Bankrott des Austromarxismus sprechen, sind in unserer Partei Tendenzen vorhanden, diesen Austromarxismus in der Partei wieder aufleben zu lassen. Der Kampf gegen die rechte Gefahr ist nicht beendet, er muss weitergeführt werden in Verbindung mit der Selbstkritik, mit der Durchführung der vom Parteitag beschlossenen Aufgaben.

Wir müssen uns darüber klar sein, dass, wenn die Partei nach Überwindung aller rechten sozialdemokratischen und opportunistischen Strömungen dazu übergehen wird, ihre Arbeit zu verbessern, wenn sie selbständig die Initiative im Kampfe gegen den Faschismus und zu selbständigem Vorgehen überhaupt ergreifen wird, der Staatsapparat und die ganze Kraft der SP gegen die Kommunistische Partei konzentriert werden wird. Wir müssen aber auch unsere Parteiorganisation vorbereiten auf die Möglichkeit von Verfolgungen, von Unterbindung der legalen Arbeit. Wir müssen aber trotzdem einen scharfen Kampf für die Beibehaltung der Legalität führen. Die Partei wird nicht vor dem Staatsapparat, nicht vor den faschistischen Gewaltmethoden zurückweichen, sie wird nicht kapitulieren.

 

Literatur zum Faschismus

Thema: Faschismus

 

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