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Johann Koplenig:

Einheits- und Volksfront

Rede auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, 8. August 1935

(Die eingefügten Seitenzahlen verweisen auf: Johann Koplenig, Reden und Aufsätze 1924-1950, Wien 1951, S. 71-80)

 

|71| Das Referat des Genossen Dimitroff, dem die österreichische Delegation voll und ganz zustimmt, wird von größter Bedeutung für die weitere Entwicklung des Klassenkampfes in Österreich sein und insbesondere für den in Österreich schon weit gediehenen Einigungsprozess der Arbeiterklasse.

Die große Klassenschlacht des Februar, die bewaffneten Kämpfe vom 12. bis 14. Februar 1934, haben das Gesicht Österreichs und der österreichischen Arbeiterklasse gründlich verändert.

Der Februar 1934 sollte zur Abrechnung des österreichischen Faschismus mit der Arbeiterschaft werden. Der Februar sollte zur Zerschlagung der Klassenorganisationen des Proletariats führen. Er sollte gleichzeitig die wachsenden Spannungen im imperialistischen Machtstreit um Österreich durch den Sieg des Heimwehrfaschismus zugunsten Italiens entscheiden.

Die Februarkämpfe haben mit der militärischen Niederlage der kämpfenden Arbeiter geendet, die von der Sozialdemokratie im Stich gelassen wurden, und denen damals noch die Führung der Kommunistischen Partei fehlte. Doch der Faschismus hat sein Hauptziel, die tatsächliche Zerschlagung der Arbeiterbewegung, nicht erreicht. Er vermochte trotz seines militärischen Sieges nicht, die Klassenkraft des österreichischen Proletariats zu zerbrechen.

Die Februarkämpfe haben die politische Krise in Österreich zum Ausdruck gebracht. Mit der militärischen Niederschlagung des Schutzbundes und der im Kampfe stehenden Arbeiter wurden die Elemente der politischen Krise nicht beseitigt, |72| sondern verstärkt. Österreich und sein faschistisches System befinden sich auch heute in einem Zustand der politischen Krise.

Eine der Besonderheiten, unter denen sich der Kampf des österreichischen Proletariats gegen den Faschismus vollzieht, ist das enge Ineinandergreifen der außenpolitischen und innenpolitischen Probleme bei ihrer Einwirkung auf die Gestaltung und auf die Taktik des österreichischen Faschismus (d.h. der autoritären Ständediktatur). Der Kampf der imperialistischen Staaten um Österreich, insbesondere der Kampf zwischen dem faschistischen Italien und dem faschistischen Deutschland, wurde zu einem beherrschenden Moment im Kampf des österreichischen Faschismus gegen und um das Proletariat. Dieser Gegensatz zwischen den imperialistischen Mächten im Kampf um Österreich hat die österreichische Bourgeoisie in zwei Lager gespalten und dadurch auch den österreichischen Faschismus geschwächt.

Die wirtschaftliche Schwäche und die Spaltung des Faschismus haben die Massenbasis des herrschenden Systems auf das stärkste eingeengt. Die Versuche des Faschismus, die Arbeiter zu gewinnen, sind schon dadurch gescheitert, dass er nach dem Februar gezwungen war, offen zum Generalangriff auf die sozialen Rechte der Arbeiterklasse überzugehen. Die Spaltung des Faschismus spaltet gleichzeitig auch die vom Faschismus beeinflussten Schichten des Kleinbürgertums und der Bauernschaft in zwei Lager und verhindert in erster Linie die Konzentration des Kleinbürgertums zu einer faschistischen Massenbewegung. Die verhinderte in Österreich auch die Bildung einer faschistischen Einheitspartei.

Der deutsche Faschismus nützte die Schwäche des österreichischen Faschismus nach den Februarereignissen zu einem Putsch am 25. Juli aus. Die Organisatoren des 25. Juli rechneten mit der Unterstützung der Arbeiterschaft. Der 25. Juli wurde für die Nationalsozialisten zur Niederlage, weil ihnen eben die Unterstützung durch die Arbeiterschaft versagt blieb.

Aber es gibt noch einige andere Ursachen für die besondere Schwäche des faschistischen Regimes in Österreich. Eines der ungünstigsten Momente für den österreichischen Faschismus ist die besondere Schwäche seines Wirtschaftssystems, die zu |73| einer riesigen Arbeitslosigkeit geführt hat. Das faschistische System war nicht imstande, hier Wandel zu schaffen.

Dazu kommt, dass die Spaltung des Faschismus sich auch auf die führenden Kreise der Wirtschaft auswirkt. Die Sabotage eines Teiles des Industriellenverbandes, der nationalsozialistisch orientiert ist, sowie der noch immer im wesentlichen ungebrochene Widerstand der unter dem führenden Einfluss des deutschen Kapitals stehenden Schwerindustrie erhöhen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des österreichischen Faschismus.

Die Schwierigkeiten des österreichischen Faschismus steigern und verschärfen die Gegensätze und die Cliquenkämpfe im Lager der Regierung selbst. Die Heimwehren und die klerikalen Kräfte im österreichischen Faschismus, die sich zum gemeinsamen Kampf gegen die Arbeiterschaft und den Nationalsozialismus zusammengeschlossen haben, kämpfen um die Führung im eigenen Lager. Wie vermochte sich nun dieses schwächliche faschistische System, hinter dem nur eine Minderheit der Bevölkerung steht, dem die Arbeiterschaft geschlossen als Gegner gegenübersteht, in dessen Rücken der Nationalsozialismus als feindliche Kraft operiert, so lange aufrechtzuerhalten? Ich glaube, die folgenden Momente haben dabei entscheidend mitgespielt:

1. Der österreichische Faschismus verstand es, aus den imperialistischen Gegensätzen in Mitteleuropa geschickt Kapital zu schlagen, indem er sich nicht nur auf die italienischen Bajonette stützt, sondern sich auch die Unterstützung Frankreichs, Englands und die wohlwollende Duldung der Kleinen Entente sicherte.

2. Die antifaschistische Front ist in Österreich noch nicht zur breiten Entfaltung gekommen und hat noch nicht die werktätige Bauernschaft und die Mittelschichten erfasst; die Spaltung innerhalb der Arbeiterklasse ist noch nicht überwunden.

3. Es ist noch nicht gelungen, den Kampf der Arbeiter gegen die wirtschaftliche Offensive des Faschismus auf breiter Grundlage zu entfachen und zu organisieren.

4. Die proletarische Einheitsfront ist noch nicht zur Anziehungskraft für die unzufriedenen Massen der kleinbürgerlichen Mittelschichten und der werktätigen Bauernschaft geworden. |74|

Die Rolle der Kommunistischen Partei 

Wie hat sich der Prozess der Entwicklung innerhalb der österreichischen Arbeiterklasse seit den Februarkämpfen vollzogen und was war die Rolle der Kommunistischen Partei?

Der Reformismus hat in Österreich in den Februartagen einen schweren Schlag erlitten. Er verfügt heute über keine feste Organisation. Seine Ideologie der Klassenzusammenarbeit mit der Bourgeoisie wird von den breiten Arbeitermassen abgelehnt. Aber es wäre trotzdem unrichtig zu glauben, dass der Reformismus in Österreich gar keinen Einfluss mehr besitzt. Die Traditionen der alten Sozialdemokratischen Partei, persönliche Bindungen usw. wirken auch heute noch in den Massen weiter.

Große Teile der früheren sozialdemokratischen Arbeiter, vor allem die ältere Arbeitergeneration, stehen heute der Entwicklung abwartend gegenüber. Ein kleiner Teil hat sich in der aus der alten Sozialdemokratie entstandenen Organisation der „Revolutionären Sozialisten“ zusammengeschlossen.

Die „Revolutionären Sozialisten“ stehen auf dem Boden der Einheitsfront und bekennen sich zur Diktatur des Proletariats. Sie lehnen die reformistischen Verständigungsversuche mit dem Faschismus ab, aber sie haben den Bruch mit der II. Internationale noch nicht vollzogen. Organisatorisch sind sie schwach, doch ihr ideologischer Einfluss geht weit über den Rahmen ihrer Organisation hinaus. Sie beschränken ihre Tätigkeit hauptsächlich auf die Propaganda und Agitation, wobei sie alle Unklarheiten insbesondere der sozialistischen Arbeiter widerspiegeln.

Auch der Nationalsozialismus hat große Anstrengungen gemacht, um Einfluss auf die Arbeiter zu gewinnen. Unmittelbar nach dem Februar ist es ihm gelungen, Teile der Arbeiter zu verwirren, aber nach dem Juliputsch ist sein Einfluss zurückgegangen. Dennoch bleibt auch heute der Nationalsozialismus in Österreich eine sehr ernste Gefahr.

Unsere Partei hat zweifellos bedeutende Erfolge zu verzeichnen. Die Partei ist aus einer kleinen zu einer großen Partei geworden, die heute Masseneinfluss besitzt. Dank unserer Einheitsfrontpolitik ist es gelungen, die wichtigsten Massen- |75| organisationen, den Schutzbund und die Freien Gewerkschaften auf der Grundlage des revolutionären Klassenkampfes wiederaufzubauen. Es ist uns gelungen, die Gewerkschaftseinheit herzustellen.

Und das entscheidende politischen Ergebnis der proletarischen Einheitsfront in Österreich ist die Tatsache, dass die Einheitsfront es dem Faschismus unmöglich gemacht hat, sich innerhalb der Arbeiterklasse eine Massenbasis zu schaffen und so seine Diktatur zu festigen.

Die Partei wäre nach dem Februar nicht imstande gewesen, große Teile der sozialdemokratischen Arbeiter um ihr Banner zu sammeln, wenn die Kommunisten sich nicht schon vor dem Februar, und vor allem in den entscheidenden Februartagen selbst, Schulter an Schulter mit den Schutzbündlern in die Kampffront gegen den Faschismus eingegliedert hätten. Die Kommunisten zeigten den Weg des siegreichen Kampfes, den die breiten Massen der sozialdemokratischen Arbeiter nach den Erfahrungen des Februar als richtig anerkannten.

Die Kommunistische Partei wurde nach dem Februar zur einzigen konsequenten Verteidigerin der Arbeiterorganisationen, der Freien Gewerkschaften und des Schutzbundes. Das Kraftbewusstsein der österreichischen Arbeiterschaft lag vor allem in der Stärke ihrer Organisationen. Die Kommunisten wurden vor dem Februar aus diesen Organisationen ausgeschlossen, wenn sie es wagten, Kritik an den Führern zu üben. Als aber der größte Teil der sozialdemokratischen Führer diese Organisationen im Stiche ließ, übernahm die Kommunistische Partei die Initiative zu ihrer Verteidigung. Sie stützte sich dabei auf den Willen und die Initiative der unteren und mittleren Funktionäre und breiter Teile der Mitglieder, die ihre Organisationen nicht zerschlagen lassen wollten.

Mehr noch: die Kommunistische Partei wurde zum Bannerträger der proletarischen Einheit. Sie verkörpert nach dem Februar den Willen der Arbeiter, jede Zersplitterung zu verhindern, die Spaltung zu überwinden und die Einheit der Arbeiterbewegung auf höherer Stufe und auf revolutionärer Grundlage wiederherzustellen. Die Partei berücksichtigt dabei die Gefühle der sozialdemokratischen Arbeiter, die jahrelang |76| fest von der Richtigkeit der Politik ihrer Partei, von der Richtigkeit des Weges, den sie bisher gegangen war, überzeugt waren, und die nun ihre große Enttäuschung erlebten. Diese Arbeiter hatten als Sozialdemokraten gekämpft, wenn sie auch unbewusst schon längst keine Sozialdemokraten mehr waren. Ohne irgendwelche Konzessionen in Bezug auf unsere Kritik an der Politik der Sozialdemokratie zu machen, stellten wir bei den sozialdemokratischen Arbeitern und Funktionären eine gewisse Kontinuität zwischen ihrer Vergangenheit und ihrem Übertritt zur Kommunistischen Partei her. Wir knüpften an die besten Kampf- und Organisationstraditionen der österreichischen Arbeiterbewegung an und schufen bei den Arbeitern das Bewusstsein, dass diese Kampftraditionen in der Kommunistischen Partei ihre Fortsetzung finden.

Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Einheitsfront spielt in Österreich die Frage der Gewerkschaftseinheit. Unserer Erfahrungen zeigen, dass die Frage der Gewerkschaftseinheit nicht von der allgemeinen Einheitsfrontpolitik losgelöst werden kann. Alle unsere Vorschläge, die wir immer wieder machten, um zu einer Einigung zu kommen, waren lange Zeit ergebnislos. Als aber am Jahrestag der Februarkämpfe die Einheitsfront der Kommunistischen Partei mit den „Revolutionären Sozialisten“ und dem Schutzbund imstande war, in zahlreichen Wiener Betrieben Kundgebungen und kurze Streiks zu organisieren, war dies auch für die weitere Entwicklung der Gewerkschaftseinheit entscheidend.

Die entscheidende und wichtigste Frage der Einheitsfront in Österreich ist das Verhältnis zu den „Revolutionären Sozialisten“. Die besonderen Bedingungen nach dem Februar brachten es mit sich, dass die Frage der Aktionseinheit von vornherein auf engste mit der Frage der organisatorischen Vereinigung verbunden war. Die „Revolutionären Sozialisten“ bejahten die Notwendigkeit der Einheitsfront, aber in der Praxis, bei der Durchführung der Einheitsfront, kommen in ihrer Führung Schwankungen unter dem Einfluss teils reformistischer, teils auch trotzkistischer Elemente zum Ausdruck. Die der Einheitsfront widerstrebenden Strömungen bei einem Teil der „Revolutionären Sozialisten“ wurden bis Februar 1935 stark |77| zurückgedrängt. Nicht nur in den unteren Organisationen, sondern auch in den zentralen Einheitsfrontkomitees hat sich eine kameradschaftliche Zusammenarbeit ergeben.

Dies änderte sich nach dem Februar 1935, als die Führung der „Revolutionären Sozialisten“ eine Kampagne gegen den geeinigten Schutzbund, gegen die Kommunistische Internationale und die Sowjetunion eröffnete. Die „Revolutionären Sozialisten“ haben durch diese Schwenkung nicht nur der gesamten Bewegung, sondern auch sich selbst geschadet.

Wir kennen nicht alle Gründe, die sie zu ihrer Haltung bewogen haben, aber wir glauben, dass folgende Gründe sie entscheidend beeinflussten. Sie fürchteten, dass wir die Einheitsfront nur als Vorwand betrachten, ihnen Mitglieder wegzunehmen, und dass wir sie verschlucken wollten. Sie konnten sich vom Gegenteil überzeugen.

Das letzte Plenum unserer Zentralkomitees hat mit Recht darauf hingewiesen, dass die „Revolutionären Sozialisten“ ihre größten Erfolge gerade dann erzielten, wenn sie die Einheitsfront mit uns festigten, und dass sie Rückschläge gerade dann erlitten, wenn sie die Einheitsfront mit uns lockerten. Es geht uns nicht darum, den „Revolutionären Sozialisten“ Mitglieder wegzunehmen, es geht uns darum, durch die Einheitsfront die Kampfkraft der Arbeiter zu stärken und die organisatorische Vereinigung vorzubereiten. 

Volksbewegung für den Frieden 

Eine der Hauptschwächen unserer Partei besteht darin, dass wir noch nicht imstande waren, über den Rahmen der proletarischen Einheitsfront hinaus auch die unzufriedenen kleinbürgerlichen Mittelschichten und die werktätigen Bauern in die Kampffront gegen den Faschismus einzubeziehen. Wir begrüßen die Erfolge unserer französischen Partei, die durch ihre Volksfrontpolitik allen Parteien ein Beispiel gibt. Wir halten es für notwendig, dass die Erfahrungen unserer französischen Genossen auch für die Länder mit faschistischer Diktatur verwertet |78| werden. Aber ich sehe eine bestimmte Gefahr darin, dass manche Genossen glauben können, man brauche jetzt nur die Volksfront mit allen ihren Perspektiven einfach zu proklamieren, um den Schlüssel zum Erfolg in der Hand zu haben. Wir müssen klar erkennen, dass die vom Genossen Dimitroff in seinem Referat aufgezeigte Politik sehr große Konsequenzen für unserer ganze Massenarbeit hat.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Volksfront in Frankreich erst unter dem starken Druck der proletarischen Einheitsfront zustande gekommen ist. Dies zeigt uns vor allem, welch große Anziehungskraft die proletarischen Einheitsfront auf die Mittelschichten und auch auf die werktätigen Bauern ausüben kann. Gerade damit wurde das Argument der Reformisten widerlegt, die behaupteten, dass die Einheitsfront mit den Kommunisten die Kleinbürger und die Mittelschichten abstoße. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Volksfront in Frankreich gerade deshalb zustande gekommen ist, weil die proletarische Einheitsfront auch zur Vertreterin der unmittelbaren Interessen der Bauern und der Mittelschichten geworden ist und weil, wie Genosse Thorez hier so treffend sagte, die französischen Kommunisten zu Anwälten der Verteidigung der unmittelbaren Interessen aller Schichten der Werktätigen geworden sind.

Ich glaube, dass gerade dieser Gedanke als Richtlinie bei der Organisierung einer breiten, über den Rahmen der proletarischen Einheitsfront hinausreichenden antifaschistischen Volksfront genommen werden muss.

Welche Möglichkeit gibt es für eine breite antifaschistische Volksbewegung in Österreich? Ich werdet verstehen, Genossen, dass diese Frage gerade für Österreich nicht so einfach zu beantworten ist. In Österreich stehen große Massen der Bauern und der kleinbürgerlichen Schichten der Herrschaft des schwarz-grünen Faschismus feindlich gegenüber. Große Teile von ihnen jedoch setzen heute noch ihre Hoffnung auf den Nationalsozialismus. Im Namen der Verteidigung Österreichs gegen den Hitler-Faschismus unterdrückt der Heimwehrfaschismus mit brutaler Gewalt alle Freiheitsbestrebungen der Werktätigen. Der österreichische Faschismus gießt damit nur Wasser auf die Mühlen der Nazis und erleichtert es ihnen, den Hass breiter |79| Volksmassen gegen das bestehende System für die Sache des Hitler-Faschismus demagogisch auszunützen.

Der Kampf der Werktätigen Österreichs ist in erster Linie ein Kampf um ihrer Freiheit. Dieser Kampf ist gleichzeitig ein Kampf um den vom Faschismus bedrohten Frieden. Wer bedroht den Frieden in Österreich am stärksten? Der Hitler-Faschismus, der nach Österreich greift. Aber auch der österreichische Faschismus, der durch die Unterdrückung des werktätigen Volkes jene Kräfte niederhält, die allein imstande sind, den Frieden Österreichs gegen den Zugriff des deutschen Kriegstreibers zu schützen; auch er ist eine Gefahr für den Frieden.

Wir glauben, dass die Möglichkeit besteht, auf der Grundlage der proletarischen Einheitsfront in Österreich eine breite Volksbewegung für die Wiederherstellung der Freiheitsrechte der Werktätigen, für den Frieden, für die Unabhängigkeit des österreichischen Volkes zu schaffen. Aber vorläufig sind nur die Elemente einer solchen Bewegung vorhanden, sie haben noch keine feste Gestalt angenommen.

Die erste und wichtigste Voraussetzung und die Basis des Zusammenschlusses breiter Volksmassen gegen Krieg und Faschismus ist die Festigung der proletarischen Einheitsfront, ist die Aktivierung der noch abseits stehenden früheren sozialdemokratischen Arbeiter durch die Freien Gewerkschaften. Eine weitere Voraussetzung ist, dass wir gleichzeitig in die faschistischen Gewerkschaften, in alle christlichen Arbeiter- und Bauernorganisationen eindringen. Nur durch ein gute Massenarbeit in diesen Organisationen werden wir auch die Voraussetzunge schaffen für den gemeinsamen Kampf breiter Volksschichten gegen den Heimwehrfaschismus und den Hitler-Faschismus.

Wir lenken schon heute die Aufmerksamkeit der christlichen Arbeiter- und Bauernorganisationen auf die wachsenden Tendenzen der Heimwehr, diese Organisationen entweder zu liquidieren oder unter ihre Führung zu stellen. Die Heimwehr steht unter dem Druck des Hitler-Faschismus. Die Heimwehrspitzen sind heute noch die Stützpunkte des italienischen Imperialismus in Österreich, aber große Teile der Mitglieder und der Unterführer der Heimwehr sympathisieren offen mit dem Hitler- |80| Faschismus. Die Regierung der Heimwehr und der Klerikalen wird auf diese Weise immer weniger fähig, die Unabhängigkeit Österreichs gegen den Hitler-Faschismus ernsthaft zu verteidigen. Ein totalitäres Heimwehrsystem würde die Gefahr einer Gleichschaltung mit dem Hitler-Faschismus verstärken.

In diesem Prozess kann die proletarische Einheitsfront alle Kräfte, die gegen die Totalitätsbestrebungen des Heimwehrfaschismus, gegen die Gleichschaltung Österreichs mit dem Hitler-Faschismus kämpfen, zu Verbündeten der Arbeiterklasse im Kampf für Freiheit, Frieden und Unabhängigkeit gewinnen. Auf dieser Grundlage kann sich in Österreich eine Volksfront entwickeln.

Die Volksfront in Österreich wird unter diesen Umständen zur Freiheits- und Friedensfront, zur Verteidigerin der Unabhängigkeit Österreichs gegen den Hitler-Faschismus und sein Schrittmacher im Lager des österreichischen Faschismus. Die Herstellung einer breiten Friedensfront ist die besondere Volksfrontpolitik in Österreich. Die Volksfront wäre die Vereinigung aller Kräfte, die im Kampf für die Wiederherstellung der demokratischen Freiheitsrechte gleichzeitig auch den Frieden, das heißt die Unabhängigkeit Österreichs gegenüber dem Hitler-Faschismus verteidigen.

Unsere Partei hat nach dem Februar 1934 die Verantwortung für das Schicksal der österreichischen Arbeiterklasse übernommen. Das Bewusstsein dieser Verantwortung war die Voraussetzung ihrer Erfolge. Aber wir geben uns mit diesen Erfolgen nicht zufrieden. Wir messen sie an unserer Aufgaben, und wir müssen sagen: nicht alles ist schon in Ordnung. Wir haben auch ernste Schwächen und wir müssen alles tun, um sie rasch zu überwinden. Auf uns liegt heute die Verantwortung nicht nur für die österreichische Arbeiterklasse, auf uns liegt auch ein großes Stück Verantwortung für den Frieden in Europa.

 

Literatur zum Faschismus

Thema: Faschismus

 

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