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ZK der KPdSU:

Zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution (1967)

(aus: 50 Jahre Große Sozialistische Oktoberrevolution - Thesen des Zentralkomitees der KPdSU, Moskau 1967, S. 4-9)

 

Am 7. November (25. Oktober) 1917 siegte in Russland als Ergebnis des bewaffneten Aufstandes der Arbeiter und Bauern, der Soldaten und Matrosen, an deren Spitze die bolschewistische Partei stand, unter der Führung des großen Lenin die sozialistische Revolution.

Die Werktätigen stürzten die Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten, zerschmetterten die Ausbeuterordnung. Die Macht übernahm die Arbeiterklasse im Bündnis mit der werktätigen Bauernschaft. Die Revolution errichtete die Diktatur des Proletariats und schuf einen Staat von neuem Typus, die Sozialistische Sowjetrepublik, und einen neuen Typ Demokratie, die Demokratie für die Werktätigen. Damit war die erste und wichtigste politische Bedingung für die Umbildung von Wirtschaft und Kultur, für die Erreichung des großen Zieles der Arbeiterklasse, des Sozialismus und Kommunismus, geschaffen.

Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus ist ein gesetzmäßiger Prozess, ein notwendiges Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich in Russland objektive Bedingungen und subjektive Voraussetzungen einer siegreichen sozialistischen Revolution ergeben. Es wurde zum Mittelpunkt der revolutionären Weltbewegung.

Obwohl Russland vornehmlich ein Agrarland geblieben war, entwickelte sich der Kapitalismus in ihm rasch, und die industrielle Produktion erreichte einen hohen Konzentrationsgrad. Im Lande formierte sich eine Arbeiterklasse, deren Kern das Industrieproletariat war. Die schonungslose Ausbeutung der Arbeiter, der Landmangel und das Elend der Bauern, die politische Entrechtung des Volkes, die Unterjochung der nationalen Minderheiten, die feudal-fronherrliche und patriarchalischen Überbleibsel, die Anhängigkeit vom internationalen Kapital, all das machte Russland zum Mittelpunkt der sozialen und nationalen Unterdrückung, zum Knotenpunkt der Widersprüche des gesamten Systems des Imperialismus und zum schwächsten Glied in diesem System.

Die Revolution 1905-1907 hatte die Grundpfeiler des zaristischen Absolutismus erschüttert, sie war der Prolog der revolutionären Kämpfe der Arbeiterklasse und der Bauernschaft im Jahre 1917.

Eine besondere Schärfe nahmen die sozialökonomischen und politischen Widersprüche in Russland unter den Verhältnissen des ersten Weltkrieges an, der die Wirtschaft des Landes zerrüttete, und den Arbeitern und Bauern unvorstellbare Qualen bereitete. Die Februarrevolution 1917 fegte die zaristische Selbstherrschaft hinweg, aber die Bourgeoisie, die an die Macht gekommen war, wollte und konnte die dringlichsten Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern nicht befriedigen. Erst die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat konnte die Lösung der gesellschaftlichen Grundprobleme sichern. Die Lebensinteressen der werktätigen Massen und ihre tiefe Besorgnis um die Geschicke ihres Landes hielten sie gebieterisch an, revolutionäre Wandlungen zu vollbringen. Die sozialistische Revolution war zu einer unmittelbaren Aufgabe der Praxis geworden.

An der Spitze der Revolution stand die Arbeiterklasse. In schweren Klassenkämpfen gestählt, von der Partei der Bolschewiki geführt, zeichnete sich das Proletariat Russlands durch hohe politische Bewusstheit, durch Organisiertheit und Standhaftigkeit im Kampf gegen alle Arten von Ausbeutung und Unterjochung aus und erwies sich als fähig, die werktätige Bauernschaft zu führen. Es verkörperte die großartigen revolutionären Traditionen des Volkes, in ihm hatte die ruhmreiche Schar der Kämpfer für das Glück der Werktätigen den Nachfolger und Fortsetzer ihres Werkes gefunden. Von Anfang an trat das Proletariat Russlands als eine internationalistische Klasse auf den Plan, die das rote Kampfbanner der ersten Streiter gegen das Kapital, die Fahne der Internationalen Arbeiterassoziation, der I. Internationale, der Helden der Pariser Kommune noch höher hob.

Den Weg zum Sieg der proletarischen Revolution hatte die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus gewiesen. Die Führer des Weltproletariats, Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin, hatten eine tiefschürfende Analyse der Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung geliefert, hatten die akutesten Widersprüche des Kapitalismus aufgedeckt und nachgewiesen, dass er durch die sozialistische Revolution unweigerlich untergehen werde. Sie hatten gezeigt, dass die Arbeiterklasse durch die Geschichte selbst berufen ist, unter Führung der revolutionären Partei im engen Bündnis mit den nichtproletarischen Massen der Werktätigen den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus zu errichten.

Im Klassenkampf war in Russland auf dem festen Fundament des Marxismus-Leninismus eine ständig erstarkende proletarische Partei neuen Typus, die Partei der Bolschewiki, entstanden, die zum ersten Mal den wissenschaftlichen Sozialismus mit der Bewegung der Arbeitermassen vereinigte und die allseitig vorbereitet war, das Proletariat zur Eroberung der Macht zu führen. Sie hatte in sich alles Ehrlichste und Denkende, alles Tapfere und Selbstaufopfernde aufgenommen, was die Generationen der Revolutionäre hervorgebracht hatten, sie hatte es vermocht, die historische Erfahrungen des revolutionären Kampfes der Werktätigen schöpferisch auszuwerten. Die Partei der Bolschewiki gab dem Proletariat Russlands ein wissenschaftliches Programm der demokratischen und sozialistischen Revolution, organisierte es politische und bot es zum Kampf gegen die Selbstherrschaft und die kapitalistische Ordnung auf. Die Politik der Partei der Bolschewiki entsprach den ureigensten Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen und fand daher bei der Mehrheit des Volkes Unterstützung.

An der Spitze der Partei, die die größte Revolution der Geschichte leitete, stand ein genialer Denker und unbeugsamer Revolutionär, Wladimir Iljitsch Lenin. Er war der Inspirator und Organisator der Revolution. Lenin hatte sein ganzes bewusstes Leben dem revolutionären Kampf der Arbeiterklasse geweiht. Unter den neuen historischen Bedingungen der Epoche des Imperialismus entwickelte er die Theorie des Marxismus schöpferisch weiter und hob sie auf eine neue Stufe. Die Leninsche Theorie von der sozialistischen Revolution war ein gewaltiger Beitrag zum wissenschaftlichen Kommunismus. Sie wappnete ideologisch die Partei, die Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen die Herrschaft der Bourgeoisie und für die politische Macht. Auf die Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels gestützt, arbeitete Lenin die wichtigsten theoretischen und praktischen Probleme des Aufbaus des Sozialismus und Kommunismus aus. Lenins Ideen inspirierten immer neue Generationen von Kämpfern für die soziale Umgestaltung der Gesellschaft. Der Leninismus ist ein nie versiegender Quell des revolutionären Denkens und revolutionären Tuns. Der Name Lenin ist zum Symbol der neuen Welt geworden.

Eine hervorragende Eigenschaft der Leninschen Partei ist ihre Fähigkeit, Kader von unerschrockenen Revolutionären zusammenzuschließen, zu stählen und zu erziehen. Die von der Partei herangebildeten prächtigen Organisatoren der Revolution, ihre Heerführer und Theoretiker, Propagandisten und Leiter des Wirtschafts- und Kulturaufbaus haben einen großen Beitrag zur Errichtung des Sozialismus geleistet.

Die Oktoberrevolution war, ihrem Inhalt nach proletarisch, zugleich eine Volksrevolution im wahrsten Sinne des Wortes. Der wesentlichste und wichtigste Ausdruck des Volkscharakters der Oktoberrevolution war das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, war der gemeinsame Kampf und die brüderliche Zusammenarbeit der Werktätigen aller Nationen gegen die Unterdrücker. Die Partei der Bolschewiki, die sich auf das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft stützte, vermochte es, die verschiedenen revolutionären Ströme zu vereinigen und auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Diese Ströme waren die sozialistische Bewegung der Arbeiterklasse für den Sturz der Bourgeoisie, der revolutionäre Kampf der Bauernschaft gegen die Gutsherren, die nationale Befreiungsbewegung für die Gleichberechtigung der Völker und die Forderung des ganzen Volkes nach Frieden und Einstellung des blutigen imperialistischen Krieges. Dank diesem Umstand hat die Oktoberrevolution radikale nicht nur die sozialistischen Hauptaufgaben gelöst, sondern auch die dringenden Aufgaben der demokratischen Entwicklung. Damit war nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der sozialistischen Bewegung der Arbeiterklasse mit der umfassenden allgemein demokratischen Bewegung des Volkes, der Vereinigung des Kampfes für den Sozialismus mit dem Kampf für die Demokratie vor Augen geführt.

Die sozialistische Revolution ist keine Verschwörung, kein Spitzenputsch einer Gruppe „aktiver Revolutionäre“, sondern die Bewegung und der Kampf der Millionen, an deren Spitze die von der marxistisch-leninistischen Partei geführte Arbeiterklasse steht. Die Leninsche Partei bezeigte 1917 das große Beispiel historischer Initiative, richtiger Einschätzung des Verhältnisses der Klassenkräfte und der konkreten Besonderheiten des Augenblicks. In den verschiedenen Phasen der Revolution wandte die Partei eine elastische und verschiedenartige Taktik an, benutzte sie friedliche und nichtfriedliche, legale und illegale Kampfesmittel, bezeigte die Fähigkeit, diese miteinander zu verknüpfen und von den einen Formen und Methoden zu anderen überzugehen. Das ist einer der grundsätzlichen Unterschiede, die zwischen der Strategie und Taktik des Leninismus einerseits und dem sozialdemokratischen Reformismus wie auch dem kleinbürgerlichen Abenteurertum andererseits bestehen.

Das zutiefst revolutionäre, demokratische Wesen des neuen sozialistischen Staates offenbarte sich bereits anschaulich in den ersten Dekreten und Maßnahmen der Sowjetmacht.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution stürzte das System der Ausbeutung und Unterjochung. Das Proletariat kämpfte für die Befreiung von der Lohnsklaverei: es wurde zum Herrn der Fabriken und Werke. Die werktätige Bauernschaft litt unter dem Bodenmangel: die Sowjetmacht schaffte den gutsherrlichen Grundbesitz ab und übergab Grund und Boden den Bauern. Die Sowjetmacht nationalisierte die Großindustrie, Grund und Boden, die Eisenbahnen und Banken, sie führte das Außenhandelsmonopol ein. Erstmalig in der Geschichte waren alle Naturschätze und die wichtigsten Produktionsmittel Volksgut geworden. In den entscheidenden Wirtschaftszweigen fasste das Volkseigentum an den Produktionsmitteln fasten Fuß und wurde zur ökonomischen Grundlage des Sozialismus. Die unterdrückten Nationalitäten des zaristischen Russland waren entrechtet: die Sowjetmacht proklamierte die Gleichberechtigung der Nationen und ihr Selbstbestimmungsrecht. Die Teilung in Stände und die Ständeprivilegien wurden abgeschafft und die erniedrigenden Gesetze aufgehoben, die die Frauen rechtlich beeinträchtigten.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution riss unser Land aus dem Strudel des blutigen imperialistischen Krieges heraus. Das Volk wünschte leidenschaftlich den Frieden: Das Dekret über den Frieden wurde bereits am ersten Tag der Revolution unterzeichnet; das Land wurde vor der nationalen Katastrophe gerettet, der es die herrschenden Klassen preisgegeben hatten. Die Völker Russlands wurden davor bewahrt, durch das Auslandskapital unterjocht zu werden.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution erschütterte die Welt des Kapitalismus bis auf die Grundfesten. Die Welt spaltete sich in zwei Systeme, das sozialistische und das kapitalistische. Der Sowjetstaat begann, in den Beziehungen zwischen den Völkern und Ländern neue Grundsätze zur Geltung zu bringen. Die ökonomische, soziale und politische Entsklavung der Volksmassen wurde zum Ziel der durch die Revolution hervorgebrachten Abreiter- und Bauernmacht. Darin besteht der tiefe Sinn des revolutionären Humanismus des Oktobers. Die Menschheit hatte in ihrem Kampf gegen Annexionskriege, für Frieden und Sicherheit der Völker, für sozialen Fortschritt ein verlässliches Bollwerk gewonnen.

Die weltgeschichtliche Bedeutung der Oktoberrevolution besteht darin, dass sie Wege zur revolutionären Umbildung wies und Formen und Methoden dieser Umbildung entdeckte, die internationalen Charakter gewannen. Die Erfahrungen, die bei der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gemacht wurden, sind eine unerschöpfliche Schatzkammer der Theorie und Praxis des revolutionären Kampfes, sind ein Vorbild wissenschaftlicher Strategie und Taktik.

 

 

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