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Sie war ein ungewöhnlicher, ein hervorragender
Mensch, die bedeutendste Gestalt einer russischen Frau in unserer
großen Revolution. Sie war eine aufrechte und unermüdliche
Mitkämpferin Lenins, seine Frau, Freundin und Gefährtin.
Sie war Lenin eine unersetzliche Kampfgefährtin in den ersten Jahren
der Schaffung und des Aufbaus der Partei, als die hasserfüllten
zaristischen Henker die Bolschewiki verhafteten, in die Gefängnisse
warfen und verbannten. Nadeshda Konstantinowna kämpfte mutig und
standhaft für den Sieg der Idee Lenins und für die Festigung der
Partei. Leidenschaftlich verteidigte sie die Partei gegen die Intrigen
der Menschewiki und gegen die anderen Feinde des Bolschewismus.
Nadeshda Konstantinowna war rein äußerlich sehr zurückhaltend und
selbst beherrscht. Gleichzeitig war sie aber unerbittlich gegenüber
den Feinden der Partei, hasste labile und schwankende Kampfgefährten
zutiefst und von ganzem Herzen. Mit welch unerschöpflicher Geduld und
Herzlichkeit aber verstand sie es, die Arbeiter zu begeistern und
ihnen die genialen Ideen Lenins sowie die Ziele und Aufgaben der
Bolschewiki zu erläutern! Als Lenin viele Jahre fern von der Heimat im
Exil leben musste und auch von dort aus die Tätigkeit der Partei
leitete, war Nadeshda Konstantinowna nicht nur einfach seine
persönliche Sekretärin, sondern ersetzte den ganzen Apparat des
Auslandsbüros der Partei. Das war in den verantwortungsvollsten Jahren
des Kampfes unserer Partei, die während des ersten Weltkrieges die
große Revolution von 1917 vorbereitete. Nadeshda Konstantinowna hielt
nicht nur die Verbindung mit den Bolschewiki in Russland aufrecht,
sondern führte auch - sie beherrschte einige Fremdsprachen - einen
ungeheuer großen Schriftverkehr mit den Anhängern Lenins in anderen
Ländern. Viele von ihnen bildeten später den Kern der kommunistischen
Parteien in einigen Ländern Europas, Asiens und Amerikas.
Nadeshda Konstantinowna war ungewöhnlich arbeitsfähig. In ihrer Arbeit
war sie fleißig, exakt und sorgfältig. Bei ihr reichte für alles die
Zeit, Energie und herzliche Anteilnahme. Junge Bolschewiki, die
Russland hatten verlassen müssen, suchten und fanden bei Nadeshda
Konstantinowna Rat und moralische Unterstützung.
Mit klugen und herzlichen Worten verstand sie es, deren Glauben an den
Sieg der Linie der Partei und an die Verwirklichung der großen Ideen
des Kommunismus zu festigen.
Im April 1917 kehrte Nadeshda Konstantinowna zusammen mit Lenin nach
Russland zurück. Der angespannte revolutionäre Kampf der Partei Lenins
gegen die Bourgeoisie, die die Macht an sich gerissen hatte, führte in
den Oktobertagen schließlich zum Sieg. Unter der Sowjetmacht
beauftragte die Partei Nadeshda Konstantinowna mit verantwortlichen
staatlichen Funktionen auf dem Gebiet der Volksbildung.
Nadeshda Konstantinowna war von Beruf Pädagogin und verstand deshalb
ausgezeichnet, dass der Kampf gegen Unwissenheit sowie kulturelle und
politische Rückständigkeit des Volkes eine der Hauptaufgaben der
jungen Sowjetrepublik darstellte. Ihr war klar, dass der
sozialistische Aufbau nur möglich war, wenn die Volksbildung umfassend
entwickelt ist. Nadeshda Konstantinowna wurde so zu einer Politikerin,
der das sowjetische Volk eine gewaltige und gleichzeitig ehrenvolle
Aufgabe übertragen hatte, die in der Beseitigung des Analphabetentums
und in der Schaffung von Schulen, Lehrgängen, Bibliotheken u. a. im
ganzen Land bestand. Nadeshda Konstantinowna sorgte in den ersten
Jahren der Sowjetmacht für bessere Lebensbedingungen und für die
Befriedigung der Bedürfnisse der Lehrer. Sie reagierte mit großer
Anteilnahme auf die Belange der Schüler und Studenten. Nadeshda
Konstantinowna Krupskaja unterbreitete auf Beratungen und Kundgebungen
konkrete Vorschläge zur Erweiterung der Arbeit auf dem Gebiet der
Volksbildung. Nadeshda Konstantinowna trat stets mit gut durchdachten
Reden auf. Sie erläuterte die Probleme mit Worten, die jede Arbeiterin
und jede Bäuerin verstand. Sie sprach leise, aber ihre Stimme klang
angenehm. Ihre Herzenswärme schwang in ihren Reden mit.
Es war nicht erstaunlich, dass Nadeshda Konstantinowna aus allen
Gegenden des Landes Briefe erhielt, Zehntausende Briefe. Sie freute
sich sehr und war stolz darauf, wenn der Brief einer Kolchosbäuerin
oder Arbeiterin das Wachstum ihres politischen Reifegrades und ihrer
bewussten Teilnahme am Aufbau des Sozialismus unter Beweis stellte.
Wenn Nadeshda Konstantinowna auf Mängel und Unordnung in unserem
Sowjetstaat und im Alltag hingewiesen wurde, antwortete sie sicher und
ruhig: "Das alles wird die Partei überwinden. Das alles werden wir
umgestalten." Nadeshda Konstantinowna ließ selbst in den schwersten
Situationen oder bei politischen Misserfolgen niemals den Mut sinken.
Bei all jenen, denen das Glück zuteil geworden war, sie persönlich zu
kennen, wird sie für immer als unerschütterlich standhafter und
zielstrebiger Mensch in Erinnerung bleiben
Die meisten kennen jetzt Nadeshda Konstantinowna nur von Aufnahmen aus
den letzten Lebensjahren, als ihre Gesundheit bereits stark
untergraben war. Sie trug einfache, dunkle Kleider, war glatt gekämmt
und ernst. Wer sie jedoch näher kannte, weiß, dass in ihr bis zu ihrem
Tode die Lebensfreude sprühte. In ihrer Jugend aber hatte Nadeshda
Krupskaja über alle Massen gern gelacht und gescherzt. Die Verdienste
von Nadeshda Konstantinowna als aktive Parteifunktionärin und
Politikerin sind gut bekannt. Aber nur wenige wissen um ihre
Verdienste auf dem Gebiet der Parteiarbeit unter den Frauen.
1905 erschien in Russland die legale Ausgabe der Broschüre "Die
werktätige Frau" von N. K. Krupskaja unter dem Pseudonym Sablina. In
der Broschüre wurde die Notwendigkeit begründet, die breite Masse der
Frauen in den revolutionären Kampf um ihre Befreiung von der
Rechtlosigkeit in der Politik und im Alltagsleben einzubeziehen, ihr
politisches Bewusstsein zu heben und sie in die Arbeit der Partei zu
integrieren. Nadeshda Konstantinowna gehörte zum Redaktionskollegium
der ersten Ausgabe der Zeitschrift »Arbeiterin«, arbeitete mit uns,
die wir zum Prawda-Verlag gehörten, in der Redaktion des "Listok
Rabotnizy" (Blatt der Arbeiterin) sowie mit der Zeitschrift
»Kommunistin« zusammen und beteiligte sich an der Herausgabe der
ersten Hefte der Zeitschrift "Bäuerin". Sie nahm auch an Beratungen
der Partei über die Arbeit unter den Frauen und an einigen
internationalen Konferenzen kommunistischer Frauenorganisationen teil.
Wenn Entwürfe von Dekreten der Sowjetmacht erörtert wurden, die in
erster Linie die Frauen betrafen, beriet sich Lenin mit Nadeshda
Konstantinowna, und auch wir, die Mitarbeiterinnen der
Frauenabteilung, holten uns gern Rat von ihr ein, was die Fragen der
Abteilung betraf Nadeshda Konstantinowna verhielt sich neben der
Arbeit unter den Frauen mit besonderer Herzlichkeit und Aufmerksamkeit
zur Jugend Sie leistete einen großen Beitrag zur Schaffung und
Festigung des Komsomol.
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