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Nadeshda Konstantinowna Krupskaja - eine Revolutionärin

von Alexandra Kollontai

 

Sie war ein ungewöhnlicher, ein hervorragender Mensch, die bedeutendste Gestalt einer russischen Frau in unserer großen Revolution. Sie war eine aufrechte und unermüdliche Mitkämpferin Lenins, seine Frau, Freundin und Gefährtin.

Sie war Lenin eine unersetzliche Kampfgefährtin in den ersten Jahren der Schaffung und des Aufbaus der Partei, als die hasserfüllten zaristischen Henker die Bolschewiki verhafteten, in die Gefängnisse warfen und verbannten. Nadeshda Konstantinowna kämpfte mutig und standhaft für den Sieg der Idee Lenins und für die Festigung der Partei. Leidenschaftlich verteidigte sie die Partei gegen die Intrigen der Menschewiki und gegen die anderen Feinde des Bolschewismus.
Nadeshda Konstantinowna war rein äußerlich sehr zurückhaltend und selbst beherrscht. Gleichzeitig war sie aber unerbittlich gegenüber den Feinden der Partei, hasste labile und schwankende Kampfgefährten zutiefst und von ganzem Herzen. Mit welch unerschöpflicher Geduld und Herzlichkeit aber verstand sie es, die Arbeiter zu begeistern und ihnen die genialen Ideen Lenins sowie die Ziele und Aufgaben der Bolschewiki zu erläutern! Als Lenin viele Jahre fern von der Heimat im Exil leben musste und auch von dort aus die Tätigkeit der Partei leitete, war Nadeshda Konstantinowna nicht nur einfach seine persönliche Sekretärin, sondern ersetzte den ganzen Apparat des Auslandsbüros der Partei. Das war in den verantwortungsvollsten Jahren des Kampfes unserer Partei, die während des ersten Weltkrieges die große Revolution von 1917 vorbereitete. Nadeshda Konstantinowna hielt nicht nur die Verbindung mit den Bolschewiki in Russland aufrecht, sondern führte auch - sie beherrschte einige Fremdsprachen - einen ungeheuer großen Schriftverkehr mit den Anhängern Lenins in anderen Ländern. Viele von ihnen bildeten später den Kern der kommunistischen Parteien in einigen Ländern Europas, Asiens und Amerikas.

Nadeshda Konstantinowna war ungewöhnlich arbeitsfähig. In ihrer Arbeit war sie fleißig, exakt und sorgfältig. Bei ihr reichte für alles die Zeit, Energie und herzliche Anteilnahme. Junge Bolschewiki, die Russland hatten verlassen müssen, suchten und fanden bei Nadeshda Konstantinowna Rat und moralische Unterstützung.
Mit klugen und herzlichen Worten verstand sie es, deren Glauben an den Sieg der Linie der Partei und an die Verwirklichung der großen Ideen des Kommunismus zu festigen.

Im April 1917 kehrte Nadeshda Konstantinowna zusammen mit Lenin nach Russland zurück. Der angespannte revolutionäre Kampf der Partei Lenins gegen die Bourgeoisie, die die Macht an sich gerissen hatte, führte in den Oktobertagen schließlich zum Sieg. Unter der Sowjetmacht beauftragte die Partei Nadeshda Konstantinowna mit verantwortlichen staatlichen Funktionen auf dem Gebiet der Volksbildung.

Nadeshda Konstantinowna war von Beruf Pädagogin und verstand deshalb ausgezeichnet, dass der Kampf gegen Unwissenheit sowie kulturelle und politische Rückständigkeit des Volkes eine der Hauptaufgaben der jungen Sowjetrepublik darstellte. Ihr war klar, dass der sozialistische Aufbau nur möglich war, wenn die Volksbildung umfassend entwickelt ist. Nadeshda Konstantinowna wurde so zu einer Politikerin, der das sowjetische Volk eine gewaltige und gleichzeitig ehrenvolle Aufgabe übertragen hatte, die in der Beseitigung des Analphabetentums und in der Schaffung von Schulen, Lehrgängen, Bibliotheken u. a. im ganzen Land bestand. Nadeshda Konstantinowna sorgte in den ersten Jahren der Sowjetmacht für bessere Lebensbedingungen und für die Befriedigung der Bedürfnisse der Lehrer. Sie reagierte mit großer Anteilnahme auf die Belange der Schüler und Studenten. Nadeshda Konstantinowna Krupskaja unterbreitete auf Beratungen und Kundgebungen konkrete Vorschläge zur Erweiterung der Arbeit auf dem Gebiet der Volksbildung. Nadeshda Konstantinowna trat stets mit gut durchdachten Reden auf. Sie erläuterte die Probleme mit Worten, die jede Arbeiterin und jede Bäuerin verstand. Sie sprach leise, aber ihre Stimme klang angenehm. Ihre Herzenswärme schwang in ihren Reden mit.
Es war nicht erstaunlich, dass Nadeshda Konstantinowna aus allen Gegenden des Landes Briefe erhielt, Zehntausende Briefe. Sie freute sich sehr und war stolz darauf, wenn der Brief einer Kolchosbäuerin oder Arbeiterin das Wachstum ihres politischen Reifegrades und ihrer bewussten Teilnahme am Aufbau des Sozialismus unter Beweis stellte. Wenn Nadeshda Konstantinowna auf Mängel und Unordnung in unserem Sowjetstaat und im Alltag hingewiesen wurde, antwortete sie sicher und ruhig: "Das alles wird die Partei überwinden. Das alles werden wir umgestalten." Nadeshda Konstantinowna ließ selbst in den schwersten Situationen oder bei politischen Misserfolgen niemals den Mut sinken. Bei all jenen, denen das Glück zuteil geworden war, sie persönlich zu kennen, wird sie für immer als unerschütterlich standhafter und zielstrebiger Mensch in Erinnerung bleiben

Die meisten kennen jetzt Nadeshda Konstantinowna nur von Aufnahmen aus den letzten Lebensjahren, als ihre Gesundheit bereits stark untergraben war. Sie trug einfache, dunkle Kleider, war glatt gekämmt und ernst. Wer sie jedoch näher kannte, weiß, dass in ihr bis zu ihrem Tode die Lebensfreude sprühte. In ihrer Jugend aber hatte Nadeshda Krupskaja über alle Massen gern gelacht und gescherzt. Die Verdienste von Nadeshda Konstantinowna als aktive Parteifunktionärin und Politikerin sind gut bekannt. Aber nur wenige wissen um ihre Verdienste auf dem Gebiet der Parteiarbeit unter den Frauen.

1905 erschien in Russland die legale Ausgabe der Broschüre "Die werktätige Frau" von N. K. Krupskaja unter dem Pseudonym Sablina. In der Broschüre wurde die Notwendigkeit begründet, die breite Masse der Frauen in den revolutionären Kampf um ihre Befreiung von der Rechtlosigkeit in der Politik und im Alltagsleben einzubeziehen, ihr politisches Bewusstsein zu heben und sie in die Arbeit der Partei zu integrieren. Nadeshda Konstantinowna gehörte zum Redaktionskollegium der ersten Ausgabe der Zeitschrift »Arbeiterin«, arbeitete mit uns, die wir zum Prawda-Verlag gehörten, in der Redaktion des "Listok Rabotnizy" (Blatt der Arbeiterin) sowie mit der Zeitschrift »Kommunistin« zusammen und beteiligte sich an der Herausgabe der ersten Hefte der Zeitschrift "Bäuerin". Sie nahm auch an Beratungen der Partei über die Arbeit unter den Frauen und an einigen internationalen Konferenzen kommunistischer Frauenorganisationen teil. Wenn Entwürfe von Dekreten der Sowjetmacht erörtert wurden, die in erster Linie die Frauen betrafen, beriet sich Lenin mit Nadeshda Konstantinowna, und auch wir, die Mitarbeiterinnen der Frauenabteilung, holten uns gern Rat von ihr ein, was die Fragen der Abteilung betraf Nadeshda Konstantinowna verhielt sich neben der Arbeit unter den Frauen mit besonderer Herzlichkeit und Aufmerksamkeit zur Jugend Sie leistete einen großen Beitrag zur Schaffung und Festigung des Komsomol.

 

 

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