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"Lenins Werk" |
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von Clara
Zetkin, 1928 |
Lenin
hat durch die Tat bewiesen, daß er unser genialster, unser bester
Führer war. Die proletarische Revolution Rußlands steht vor uns, das
gewaltigste Ereignis dieser Zeit, der erste große historische Beweis
für Marxens Lehre, daß die Befreiung des Proletariats aus dem Joche
des Kapitalismus das Werk des Proletariats selbst sein muß. Steht es
damit vielleicht in Widerspruch, daß - soweit geschichtliches
Geschehen eines Menschen Werk sein kann - die Revolution, die
Sowjetrußland geschaffen hat, Lenins Werk ist? Keineswegs. Lenin war
unbestritten das denkende, lenkende Hirn, das leidenschaftlich
glühende Herz, der unbeugsame Wille der proletarischen Revolution.
Lenin aber konnte das nur sein, weil zwei Quellströme revolutionärer
Schöpfungskraft sich in ihm vereinigten. Er war bis in die tiefsten
und letzten Fasern seines Wesens von der Überzeugung erfüllt, daß die
wirtschaftliche, die gesellschaftliche Entwicklung zur Verwirklichung
des Kommunismus durch das Proletariat führt und daß die Eroberung der
Macht der große, entscheidende weltgeschichtliche Schritt zu diesem
Ziel ist. Er war bis in die tiefsten, letzten Fasern seines Wesens mit
den russischen Proletariern und Bauern, den Ausgebeuteten und
Unterdrückten der ganzen Welt verbunden. Er liebte sie um ihres
Leidens und Duldens willen, das er als eigene Qual empfand, und er
achtete sie, hatte unerschütterliches Vertrauen zu ihnen als den
revolutionären Kämpfern gegen die Ausbeutungs - und Herrschaftsgewalt
des Besitzes, als den Werkleuten eines neuen, vollkommenen
Gesellschaftsbaus. So lebte und webte in Lenin die wissenschaftliche
Lehre des revolutionären internationalen Sozialismus zusammen mit dem
besten, fortgeschrittensten Fühlen und Denken, Erkennen, Wollen und
Handeln des Proletariats. Beides verschmolz miteinander zu einem
unlöslichen Ganzen. Das höchste geschichtliche Wesen des Proletariats
als revolutionärer Klasse fand in Lenin klaren Ausdruck, gab seinem
Riesenwillen das leuchtende Ziel und befeuerte seine nie ermattende
Tatkraft. In lebendiger Wechselwirkung aber brachte Lenin den Massen
der Mühseligen und Beladenen eben dieses, ihr historisches Wesen und
ihre Bedeutung als revolutionäre Klasse, zum Bewußtsein und ballte
ihre erweckte Erkenntnis zu revolutionärem Willen und revolutionärer
Tat zusammen. Lenin und das russische Proletariat, das Weltproletariat
wurden eins. Mit dem Herzen und [dem] Verstand ging er in die
Arbeiterschaft ein. Nie war er zufriedener, glücklicher, als wenn er
unmittelbar unter den Arbeitern und Bauern lehrte, organisierte und
die Geister vorbereitete, die politische Macht in die eigene starke
Faust zu nehmen und auf dem steinigen, dornenreichen Weg zum
Kommunismus vorwärtszuschreiten. Lenin ward der große, der
unsterbliche Arbeiter der Weltrevolution.
Von Plechanow war Lenin zu Marx geführt worden. Jedoch er blieb nicht
bei Plechanow stehen, und er setzte nicht nur Marxens Lehre in die Tat
um, er ergänzte sie und entwickelte sie weiter, auch dabei die Theorie
zur Praxis gestaltend. Dank unermüdlichem Studium, schärfster
Beobachtung aller sozialen Vorgänge und Erscheinungen und lebendigstem
Zusammenhang mit den fronenden Massen gewann er die überragende
Einsicht und Kraft, Plechanows Werk gegen Plechanow selbst zu
verteidigen, als dieser zum Menschewik wurde und mehr und mehr die
frühere klare, revolutionäre Orientierung verlor. Er kehrte die Waffen
erbarmungsloser Kritik gegen die Menschewiki und Sozialrevolutionäre,
gegen alle in Rußland und jenseits seiner Grenzen, deren Lehren und
Handeln das revolutionäre Bewußtsein des Proletariats trüben, seine
revolutionäre Tatkraft schwach und siech machen konnten.
Was Marx, der Weitsichtige, in seinem „Bürgerkrieg in Frankreich" nur
angedeutet hatte, arbeitete Lenin als festbegründete, wegweisende
Erkenntnis heraus. Nämlich, daß das Proletariat den politischen
Machtapparat der Bourgeoisie nicht einfach übernehmen und in den
Dienst seiner Interessen stellen kann, daß es vielmehr den
bürgerlichen Staat zerschlagen und seinen eigenen staatlichen
Machtapparat schaffen muß. Er entdeckte, daß die Sowjets diesen
Machtapparat bilden, daß sie das Werkzeug sind für die Durchführung
der proletarischen Diktatur. In Verbindung mit dieser grundlegenden
Theorie setzte sich Lenin eingehend, lichtvoll mit der bürgerlichen
Demokratie auseinander als der höchsten und letzten politischen Form
der bürgerlichen Klassenherrschaft. Unerbittlich zerfetzte er alle
Illusionen, als ob dem Proletariat durch die Demokratie erspart werden
könne, den harten, opferreichen Weg des revolutionären Klassenkampfes,
des Bürgerkrieges zu gehen, um zur Freiheit, um zum Kommunismus zu
gelangen. Die Richtigkeit seiner theoretischen Auffassung bewies er
durch die proletarische Revolution in Rußland.
In der Partei der Bolschewiki, der jetzigen Kommunistischen Partei,
schuf Lenin das starke Verbindungsglied zwischen sich und den
breitesten schaffenden Massen. Gewiß, Hunderte, Tausende Ungenannter
und Unbekannter, ein Stab glänzender Führer haben hingebungsvoll ihre
Kraft, ihr Leben an das Werden und Reifen dieser Partei gesetzt.
Nichtsdestoweniger bleibt es wahr, daß sie Blut vom Blut und Geist vom
Geist Lenins ist. Mehr als jeder andere hat er dazu getan, daß die
bolschewistische Partei sich ideologisch und organisatorisch zur
führenden Klassenpartei des Proletariats in der russischen Revolution
entwickelt hat, daß die Kommunistische Partei Sowjetrußlands heute
führend als Musterpartei an der Spitze der Kommunistischen
Internationale steht. Sie ist beispielgebend durch ihren festen,
geschlossenen Aufbau als Organisation, eine Organisation, die Trägerin
und Werkzeug zielklarer revolutionärer Einsicht, eisenharten
revolutionären Willens und schrankenloser Hingebung an die Sache des
Proletariats ist. Denn es ist und bleibt eine Binsenwahrheit, daß
nicht die Organisationsform allein, wie wichtig sie auch ist, über das
Wesen und Wirken einer Partei entscheidet. Letzten Endes ist es der
revolutionäre Geist in ihr, der Leben und Tat gibt. In dieser
Beziehung verdankt die Kommunistische Partei Rußlands Lenin
Wertvollstes. Um den Preis einer Trennung von Martow und Genossen
setzte er durch, daß laut Statut die Partei keine nur zahlenden
Mitglieder duldet, daß jedes Mitglied sich aktiv betätigen muß. So ist
die Partei eine Erzieherin großen Stils zu revolutionärem
Pflichtbewußtsein und revolutionärer Pflichterfüllung geworden. Nur so
konnte sie ihre schwere geschichtliche Aufgabe erfüllen, das Empfinden
revolutionärer Notwendigkeit und die Kampfentschlossenheit breitester
Massen rasch der Führung zu übermitteln und die Erkenntnis, den
Opfersinn, die Kühnheit der Führung in diesen Massen lebendig wirksam
zu machen. Die Führung aber war vor allem: Lenin. Dank ihm fand die
revolutionäre Situation revolutionäre proletarische Massen und eine
führende Klassenpartei, die einander ebenbürtig waren.
Der Bedeutung und dem Wert von Lenins Werk als unvergleichlicher
Führer der proletarischen Revolution in Rußland steht zur Seite seine
weltgeschichtliche Leistung als Schöpfer und Führer der
Kommunistischen Internationale. Sie ist nicht mechanische Wiederholung
und Übertragung „des russischen Beispiels" auf ein umfangreicheres,
weltweites Wirkungsfeld. Die Kommunistische Internationale ist eine
Schöpfung für sich, so innig und fest auch die historischen
Zusammenhänge sind, die sie mit der russischen Revolution und ihrem
Leben, ihrer Entwicklung verbinden. Befruchtet durch die reichen,
unerschöpflichen Lehren der russischen Revolution, angespornt durch
das unvergleichliche Heldentum, den kühnen Sinn, die Opferbereitschaft
des russischen Proletariats, soll die Kommunistische Internationale
für das Weltproletariat die gleiche historische Aufgabe lösen, die die
bolschewistische Partei für die Arbeiter Rußlands erfüllt hat. Sie
soll eine zielklare, wegsichere Führerin in den revolutionären Kämpfen
sein, die mit der Eroberung der Staatsmacht durch das Proletariat die
Bahn frei legen für den Aufbau des Kommunismus.
Es liegt auf der Hand, wie ungeheuer schwierig die Aufgabe ist, die
von der Geschichte der Kommunistischen Internationale gestellt wurde.
Es gilt, das gleiche Ziel zu erreichen und dafür in der ganzen Welt in
internationaler Solidarität die Ausgeplünderten und Versklavten zu
mobilisieren, die mehr als durch die Sprache getrennt sind durch die
verschiedensten Stufen der wirtschaftlichen, politischen und
kulturellen Entwicklung und ihren Niederschlag in der Psyche der
Menschen. Sicherlich: Der Weltkapitalismus hat nivellierend,
ausgleichend gewirkt, indem er den Proletarier in England, den
Fellachen in Ägypten, den indischen Bauern unter eine Ausbeutung und
Peitsche brachte. Jedennoch: Welch ungeheures Beginnen, diese Massen,
diese bunten, verschiedenartigen Riesenmassen zusammenzuballen in
einem einheitlichen Zielwillen und zu einer einheitlichen Tat! Solche
Zusammenballung hat zur Voraussetzung den felsenfesten Glauben daran,
daß die vereinigten Proletarier, die Unterdrückten aller Länder - mit
den Worten des Kommunistischen Manifests -durch den revolutionären
Kampf „nichts zu verlieren haben als ihre Ketten und eine Welt zu
gewinnen". Sie hat zur Voraussetzung die klarste, schärfste
Herausarbeitung des Allgemeinen, Verbindenden im Hinblick auf das Ziel
und die klügste, liebevollste Beachtung und Berücksichtigung des
historisch Gegebenen als des Ausgangspunktes für das zu Erreichende.
Der Führer der russischen Revolution und der bolschewistischen Partei
war wie niemand sonst berufen, zum Begründer und Führer der
Kommunistischen Internationale zu werden. Großrußland ist eine
Internationale, eine Welt der sozialen Entwicklungsetappen im kleinen,
die Überreste des urwüchsigen Kommunismus wie Massenausbeutung und
Massenknechtung durch den Kapitalismus umschloß. Tagtäglich wird in
der Folge die russische Revolution vor Probleme der Nationalität und
Internationalität gestellt. Jedoch mehr als alles legitimierte die
russische Revolution selbst in den Augen des Weltproletariats Lenin
als den geborenen und in strenger Zucht geschulten und gestählten
Führer der Kommunistischen Internationale. Sie schrieb die Urkunde
seiner reifen Meisterschaft. Und wahrhaftig, er hat diese
Meisterschaft unter den schwierigsten Umständen bewahrt seit den
ersten Anfängen dieser Kampforganisation der Enterbten und Unfreien
aller Länder bis zu dem letzten Tage, an dem er an ihrem Erblühen und
ihrem Eingreifen in die Geschichte teilhaben konnte.
Für ungezählte Millionen Befreiungssehnsüchtiger war Lenins Name das
Symbol ihrer Hoffnungen und ein Synonym der russischen Revolution. Er
vereinigte die revolutionäre Vorhut des Proletariats der einzelnen
Länder in dem Drängen nach einer Internationale der Tat, einer
Weltorganisation, die im Zeichen der russischen Revolution stehen,
kämpfen, siegen würde. Lenins Initiative ist es in hervorragendem Maße
zu verdanken, daß dieses Drängen im März 1919 Leben und Gestalt
gewann. Bei jedem Schritt nach vorwärts in der Entwicklung der
Kommunistischen Internationale ging er wegweisend, tätig voran. Die
feste Zusammenschweißung der einzelnen kommunistischen Landesparteien
zu einer einheitlichen, straff zentralisierten Weltorganisation unter
einheitlicher, strenger Disziplin; die reinliche Scheidung der
Kommunisten von den Reformisten, Zentristen und Halbzentristen auf der
einen Seite, von den unklaren Stimmungsrevolutionären und Putschisten
auf der anderen; die Sammlung der breitesten Massen des Proletariats
wie aller sozialen Schichten, die in steigenden Gegensatz zu der
Ausbeutungs - und Knechtschaftsmacht des Kapitals geraten, in [der]
Einheitsfront zum Kampf für die Eroberung der politischen Macht und
die Aufrichtung der proletarischen Diktatur: All das sind Marksteine
der Geschichte des revolutionären Weltproletariats, die unverwischbar
und unzerstörbar den Namen Lenins tragen.
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"Lenin"
von N.
Krupskaja, Rede in der Trauersitzung des II. Sowjetkongresses der
UdSSR am 26. Januar 1924
Genossen! Was ich Ihnen zu sagen habe, erinnert am wenigsten an eine
Parlamentsrede. Da ich jedoch zu Vertretern der Republiken der
Werktätigen spreche, zu vertrauten, teuren Genossen, die vor der
Aufgabe stehen, das Leben auf neuen Fundamenten aufzubauen, so glaube
ich, Genossen, daß ich mich an keinerlei Konventionen gebunden zu
fühlen brauche.
Genossen, als ich in diesen Tagen an der Bahre Wladimir Iljitschs
stand, habe ich über sein ganzes Leben nachgedacht, und jetzt möchte
ich Ihnen folgendes sagen. Sein Herz schlug voll heißer Liebe zu allen
Werktätigen, zu allen Unterdrückten. Niemals hat er selbst darüber
gesprochen, und auch ich hätte das wahrscheinlich in einer anderen,
weniger feierlichen Minute nicht gesagt. Ich spreche davon, weil er
dieses Gefühl von der russischen heldenhaften revolutionären Bewegung
als Erbe erhalten hat. Dieses Gefühl ließ ihn leidenschaftlich und
brennenden Herzens nach einer Antwort suchen auf die Frage: Auf
welchen Wegen kann die Befreiung der Werktätigen herbeigeführt werden?
Antwort auf seine Fragen erhielt er bei Marx. Doch nicht wie ein
Buchgelehrter ging er an Marx heran. Er trat an Marx heran wie ein
Mensch, der Antworten auf quälende, dringende Fragen sucht. Und bei
ihm fand er diese Antworten. Mit ihnen ging er zu den Arbeitern.
Man
schrieb die neunziger Jahre. Damals konnte er nicht auf Kundgebungen
sprechen. Er ging nach Petrograd in Arbeiterzirkel. Er ging hin, um
dort zu berichten, was er selbst bei Marx erfahren, um von den
Antworten zu erzählen, die er bei ihm gefunden hatte. Er ging zu den
Arbeitern nicht wie ein hochmütiger Lehrmeister, sondern als ein
Genosse. Und er sprach und erzählte nicht nur, sondern hörte
aufmerksam an, was die Arbeiter ihm sagten. Und die Petersburger
Arbeiter erzählten ihm nicht nur von den Zuständen in den Fabriken,
nicht nur von der Knechtung der Arbeiter. Sie erzählten ihm auch von
ihrem Dorf.
Im
Saale des Gewerkschaftshauses, an der Bahre Wladimir IIjitschs, habe
ich einen Arbeiter gesehen, der damals einem Zirkel Wladimir Iljitschs
angehört hatte. Es war ein Bauer aus Tula. Und dieser Tulaer Bauer,
ein Arbeiter des Semjannikow-Werkes, sagte einmal zu Wladimir
Iljitsch: „Hier in der Stadt fällt es mir schwer, alles zu erklären,
ich werde in mein Tulaer Gouvernement gehen und dort alles berichten,
was Sie sagen; ich werde es meinen Angehörigen und den anderen Bauern
sagen. Sie werden mir glauben. Ich bin ja einer von ihnen. Und dort
können uns keine Gendarmen stören.“
Wir sprechen heute viel vom Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern.
Dieses Bündnis, Genossen, verdanken wir der Geschichte selbst. Der
russische Arbeiter war einerseits Arbeiter, anderseits war er Bauer.
Die Arbeit unter den Petersburger Arbeitern, die Gespräche mit ihnen
und das aufmerksame Anhören ihrer Reden ließen Wladimir Iljitsch den
großen Marxschen Gedanken begreifen, jenen Gedanken, daß die
Arbeiterklasse der Vortrupp aller Werktätigen ist und daß ihr die
werktätigen Massen und alle Unterdrückten folgen, daß darin ihre Kraft
und das Unterpfand ihres Sieges liegt. Nur als Führer aller
Werktätigen kann die Arbeiterklasse siegen. Das begriff Wladimir
Iljitsch, als er unter den Petersburger Arbeitern wirkte. Und dieser
Gedanke, diese Idee war der Leitstern für seine ganze weitere
Tätigkeit, für jeden seiner Schritte. Er wollte die Macht für die
Arbeiterklasse. Er begriff, daß die Arbeiterklasse diese Macht nicht
deshalb braucht, um sich ein süßes Leben auf Kosten anderer
Werktätiger zu sichern; er verstand, daß es die historische Aufgabe
der Arbeiterklasse ist, alle Unterdrückten, alle Werktätigen zu
befreien. Diese Grundidee drückte dem gesamten Wirken Wladimir
Iljitschs ihren Stempel auf.
Genossen Vertreter der Sowjetrepubliken, der Republiken der
Werktätigen! An Sie wende ich mich und bitte Sie, sich diese Idee
Wladimir Iljitschs besonders zu Herzen zu nehmen.
Ich möchte, Genossen, noch ein paar letzte Worte sagen. Genossen,
unser Wladimir Iljitsch ist gestorben, er, den wir liebten, den wir
verehrten, ist nicht mehr.
Genossen Kommunisten, erhebt das Banner, das Lenin teuer war, das
Banner des Kommunismus, noch höher!
Genossen Arbeiter und Arbeiterinnen, Genossen Bauern und Bäuerinnen,
Werktätige der ganzen Welt, schließt eure Reihen einmütig zusammen,
stellt euch unter das Banner Lenins, unter das Banner des Kommunismus!
  
"Das Werk
Lenins"
von Antonio
Gramsci, 14.9.1918
Die
bürgerliche Presse allen Länder insbesondere die französische (diese
besondere Hervorhebung erfolgt aus verständlichen Gründen
[1]), hat ihre grenzenlose Freude über das Attentat auf Lenin
[2] nicht verborgen. Die unheilvollen
Totengräber aus dem Lager des Antisozialismus haben schamlos frohlockt
über den ängeblichen blutigen Leichnam (O grausames Schicksal, wieviel
fromme Wünsche, wieviel süße Ideale hast du zerstört!), haben die
Mörderin als Heldin gepriesen, haben die typisch bürgerliche Taktik
des Terrorismus und des politischen Verbrechens wieder hervorgeholt.
Die
Totengräber sind betrogen worden: Lenin lebt, und wir wünschen für das
Wohlergehen und das Glück des Proletariats, daß er schnell wieder zu
Kräften kommt und seinen Posten als Kämpfer für den internationalen
Sozialismus wieder einnimmt.
Auch der journalistische Freudentanz wird seine historische Wirkung
haben; die Proletarier haben seine gesellschaftliche Bedeutung erfaßt:
Lenin ist der meistgehaßte Mann der Welt, wie es einst Karl Marx war.
[Zwölf Zeilen von
der Zensur gestrichen.]
Lenin
hat sein ganzes Leben der Sache des Proletariats gewidmet; der von ihm
geleistete Beitrag für die Entwicklung der Organisation und für die
Verbreitung der sozialistischen Ideen in Rußland ist gewaltig. Als ein
Mann des Denkens und der Tat wurzelt seine Kraft in einem moralischen
Charakter; die Popularität, die er unter den Arbeitermassen genießt,
ist eine spontane Huldigung an seine strenge Unversöhnlichkeit
gegenüber dem kapitalistischen Regime. Er hat sich niemals vom
oberflächlichen Schein der modernen Gesellschaft blenden lassen, den
andere mit der Wirklichkeit verwechselten; weshalb sie von einem
Irrtum in den anderen fielen.
Indem
er die von Marx entwickelte Methode anwendet, findet Lenin, daß die
tiefe und unüberwindliche Kluft, die der Kapitalismus zwischen dem
Proletariat und der Bourgeoisie geschlagen hat, und der ständig
wachsende Antagonismus der .beiden Klassen die Wirklichkeit sind. Bei
der Erklärung der sozialen und politischen Phänomene und bei der
Festlegung des Weges der Partei in allen ihren Lebensphasen verlor er
niemals die mächtigste Triebkraft aller ökonomischen und politischen
Aktivität aus den Augen: den Klassenkampf. Er gehört zur Schar der
glühendsten und überzeugtesten Verfechter des Internationalismus der
Arbeiterbewegung. Jede proletarische Aktion muß dem Internationalismus
untergeordnet und mit ihm koordiniert sein, muß einen
internationalistischen Charakter haben. Jede Initiative, die, wann
auch immer - und sei es auch nur vorübergehend - in Widerspruch zu
diesem höchsten Ideal gerät, muß unerbittlich bekämpft werden, weil
jede auch noch so kleine Abweichung von dem Weg, der direkt zum Sieg
des internationalen Sozialismus führt, den Interessen des Proletariats
- sowohl den langfristigen als auch den augenblicklichen -
entgegengesetzt ist und nur dazu dient, den Kampf zu verschärfen und
die Klassenherrschaft der Bourgeoisie zu verlängern.
Er,
der "Fanatiker", der "Utopist", gründet sein Denken und Handeln sowie
das der Partei allein auf diese tiefe und unüberwindliche Wirklichkeit
des modernen Lebens, nicht auf Phänomene, die sich a n der Oberfläche
zeigen, von denen die Sozialisten, die sich davon blenden lassen, zu
Illusionen und Irrtümern verleitet werden, die die Geschlossenheit der
Bewegung aufs Spiel setzen.
Darum
erlebte es Lenin immer, daß seine Auffassungen sich durchsetzten,
während jene, die ihn seines "Utopismus" wegen tadelten und ihren
eigenen "Realismus" hervorhoben, von den großen historischen
Ereignissen erbarmungslos überrollt wurden.
Gleich nach dem Ausbruch der Revolution und vor der Abfahrt nach
Rußland hatte Lenin seinen Genossen die Warnung zukommen lassen: "Mißtraut
Kerenski!"; die Ereignisse, die sich dann abspielten, haben ihm voll
und ganz recht gegeben. Im Enthusiasmus der ersten Stunde nach dem
Zusammenbruch des Zarismus hatten sich die Mehrheit der Arbeiterklasse
und viele ihrer Führer von den Phrasen dieses Mannes überreden lassen,
der durch seine kleinbürgerliche Mentalität, durch das Fehlen
jeglichen Programms und jedweder sozialistischen Auffassung von der
Gesellschaft die Revolution zum Zusammenbruch hätte führen und das
russische Proletariat auf einen für die Zukunft unserer Bewegung
gefährlichen Weg hätte leiten können.
[Drei Zeilen von der
Zensur gestrichen.]
In
Rußland angekommen, begann Lenin sofort damit, seinen zutiefst
sozialistischen Kampf einzuleiten, den man mit dem Motto von Lassalle
zusammenfassen könnte: "Sagen, was ist!": eine unnachgiebige und
unversöhnliche Kritik des Imperialismus der Kadetten
(Konstitutionell-Demokratische Partei, die größte liberale Partei
Rußlands), der Phrasendrescherei von Kerenski und der
Klassenzusammenarbeit der Menschewiki.
Gestützt auf das kritische und umfassende Studium der ökonomischen und
politischen Bedingungen Rußlands, des Charakters der russischen
Bourgeoisie und der historischen Mission des russischen Proletariats,
war Lenin gegen Ende des Jahres 1905 zu der Schlußfolgerung gelangt,
daß sich jeder politische Kampf durch den hohen Grad des
proletarischen Klassenbewußtseins und durch den Entwicklungsstand des
Klassenkampfes in Rußland notwendigerweise in einen sozialen Kampf
gegen die bürgerliche Ordnung verwandeln würde. Diese besondere Lage,
in der sich die russische Gesellschaft befand, wurde auch durch die
Unfähigkeit der Kapitalistenklasse bewiesen, einen ernsthaften Kampf
gegen den Zarismus zu führen, um ihn durch die eigene politische
Herrschaft zu ersetzen. Nach der Revolution von 1905, bei der sich in
einem ersten Versuch die enorme Kraft des Proletariats gezeigt hatte,
hatte die Bourgeoisie Angst vor jeder politischen Bewegung, an der das
Proletariat teilnehmen würde. Durch die historische Notwendigkeit
ihrer Selbsterhaltung wurde sie in ihrem Wesen konterrevolutionär.
Diese Geisteshaltung drückte Miljukow [3] in
einer seiner Reden vor der Duma aus, indem er versicherte, daß er die
militärische Niederlage der Revolution vorzöge.
Der
Sturz der Selbstherrschaft hat keineswegs die Gefühle und die Richtung
der russischen Bourgeoisie verändert - im Gegenteil: Ihr reaktionäres
Wesen verstärkte sich immer mehr in. dem Maße, wie die Kraft und das
Bewußtsein des Proletariats Gestalt gewannen. Die historische These
von Lenin bewahrheitete sich: Das Proletariat wurde zum gigantischen
Protagonisten der Geschichte, aber ein offenherziger, enthusiastischer
Gigant, voller Vertrauen in sich und in die anderen. Der Klassenkampf,
wie er in einer Umwelt des feudalen Despotismus geführt worden war,
hatte ihm das Bewußtsein seiner sozisien Einheit gegeben, seiner
historischen Macht, aber er hatte es nicht zur kühlen und
realistischen Methode erzogen, hatte in ihnen noch keinen konkreten
Willen geformt. Die Bourgeoisie zog sich hinterhältig zurück, verbarg
Ihre grundlegenden Charakterzüge hinter hochklingenden Phrasen für ihr
illusionistisches Wirken bediente sie sich Kerenskis, des am Anfang
der Revolution unter den Massen populärsten Mannes; die Menschewiki
und die Sozialrevolutionäre (nicht Marxisten, sondern die Erben der
Terroristenpartei, kleinbürgerliche Intellektuelle) halfen ihr mit
ihrer Klassenzusammenarbeit unbewußt, ihre reaktionären und
imperialistischen Absichten zu verheimlichen.
Gegen
diesen Betrug erhob sich energisch die bolschewistische Partei mit
Lenin an der Spitze, indem sie unerbittlich die wirklichen Absichten
der russischen Bourgeoisie demaskierte und die unheilvolle Taktik der
Menschewiki bekämpfte, die das Proletariat, an Händen und Füßen
gebunden, an die Bourgeoisie auslieferten. Die Bolschewiki forderten:
"Alle Macht den Sowjets", weil nur so eine Garantie gegen die
reaktionären Machenschaften der besitzenden Klassen geschaffen werden
konnte.
Unter
dem Einfluß der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre haben sich die
Sowjets anfangs selbst gegen eine solche Lösung gestellt und es
vorgezogen, die Macht mit den verschiedenen Elementen der liberalen
Bourgeoisie zu teilen; ausgenommen eine fortgeschrittenere Minderheit,
ließ auch die Masse, welche die von Kerenski und den Menschewiki in
der Regierung mystifizierte Natur der Dinge nicht klar erkannte, die
Sache laufen, wie sie lief.
[Siebzehn Zeilen
von, der Zensur gestrichen.]
Die
Ereignisse entwickelten sich in einer Weise, die der massiven und
zwingenden Kritik Lenins und der Bolschewiki in yollem Maße recht gab,
die behauptet hatten, daß die, Bourgeoisie weder den Willen noch die
Fähigkeit habe, für die Aufgaben der. Revolution eine demokratische
Lösung zu finden, sondern daß sie - unbewußt von den mit der
Bourgeoisie. zusammenarbeitenden Sozialisten unterstützt - das Land zu
einer Militärdiktatur führen würde, als notwendigem politischem
Mittel, um ihre imperialistischen und reaktionären Ziele zu verfolgen.
Die Massen der Arbeiter und Bauern begannen durch die Propaganda der
Bolschewiki, sich dessen bewußt zu werden, was im Gange war. Sie
gewannen eine immer größere politische Fähigkeit und, immer stärkeres
politisches Empfinden: Ihre Verbitterung brach zum ersten Male im Juli
mit dem Petrograder Aufstand durch, der von Kerenski ohne
Schwierigkeiten niedergeschlagen wurde. Obgleich durch die
verhängnisvolle Politik Kerenskis gerechtfertigt, hatte dieser
Aufstand doch nicht die Unterstützung der Bolschewiki und Lenins, weil
die Sowjets noch gegen, die Übernahme der gesamten Macht in ihre Hände
waren und weil sich - in der Konsequenz - jeder Aufstand gegen die
Sowjets richtete, die - so oder so - die Klasse repräsentierten.
Daher
mußte man die klassenbewußte Propaganda fortsetzen und die Arbeiter
dazu bringen, in die Sowjets Delegierte zu schicken, die von der
Notwendigkeit überzeugt waren, daß die Sowjets alle Macht im Land
übernähmen. Auch dadurch wird der zutiefst demokratische Charakter der
bolschewistischen Handlungsweise deutlich, die die Massen selbst
politische Fähigkeit, und politisches Bewußtsein erwerben ließ, damit
sich die Diktatur des Proletariats in organischer Weise installieren
und als ausgereifte Form des ökonomisch-politischen Regimes der
Gesellschaft entstehen konnte.
Zur
Beschleunigung des Ablaufs der Ereignisse trug, außer der immer
provokatorischer werdenden Haltung der Bourgeoisie, der von Kornilow
unternommene militärische Versuch bei, auf Petrograd zu marschieren,
um sich in den Besitz der Macht zu bringen; und dann begann Kerenski
durch seine napoleonischen Gesten, durch die Bildung eines aus
bekannten Reaktionären bestehenden Kabinetts, durch sein nicht auf
Grund allgemeinen Wahlrechts gewähltes Parlament und schließlich durch
das Verbot des gesamtrussischen Kongresses der Sowjets, einen
wahrhaften Staatsstreich gegen das Volk; das war der Anfang des Verrat
der Bourgeoisie an der Revolution.
Die
Thesen Lenins und der Bolschewiki, die seit Beginn der Revolution von
ihnen durch beharrliche und zähe Arbeit vertreten, bekräftigt und
propagiert wurden, fanden in der Realität eine absolute Bestätigung:
Das Proletariat, das ganze Proletariat in Stadt und Land scharte sich
entschlossen um die Bolschewiki, beseitigte die persönliche Diktatur
Kerenskis und übertrug die Macht an den Kongreß der Sowjets ganz
Rußlands.
Natürlich vertraute der gesamtrussische Kongreß der Sowjets, der trotz
des Verbots von Kerenski einberufen worden war, unter allgemeinem
Beifall die Würde des Präsidenten des Rats der Volkskommissare Lenin
an, der soviel Aufopferung für die Sache des Proletariats und soviel
Scharfblick bei der Beurteilung der Fakten und beim Entwurf des
Aktionsprogramms der Arbeiterklasse bewiesen hatte.
[Fünfunddreißig
Zeilen von der Zensur gestrichen.]
Die
bürgerliche Presse aller Länder hat Lenin immer als einen "Diktator"
dargestellt, der sich mit Gewalt einem unermeßlich großen Volk
aufgezwungen hat und es grausam unterdrückt. Der Bourgeoisie gelingt
es nicht, eine Gesellschaft zu. begreifen, die nicht ihren doktrinären
Schemata entspricht; die Diktatur ist für sie Napoleon oder wenigstens
Clemenceau [4], sie ist der zentralisierte
Despotismus der ganzen politischen Macht in den Händen eines
einzelnen, ausgeübt durch eine Hierarchie von mit Flinten bewaffneten
Sklaven oder von Bürohengsten. Deshalb hat die Bourgeoisie über die
Nachricht des Attentats auf unseren Genossen frohlockt und hat seinen
Tod hinausposaunt: Wenn der unersetzbare "Diktator" verschwunden ist,
müßte nach ihrer Konzeption das ganze neue Regime jämmerlich
zusammenbrechen.
[Dreiundsechzig
Zeilen von der Zensur gestrichen.]
Er
wurde überfallen, als er aus einem Betrieb kam,, wo er vor den
Arbeitern eine Rede gehalten hatte. Der "grausame Diktator" setzt also
seine Mission als Propagandist fort, ist immer in Kontakt mit den
Proleten, denen er Worte des Glaubens an den Sozialismus überbringt,
Ansporn zum zähen revolutionären Widerstand, für den Aufbau, für die
Verbesserung und den Fortschritt auf Grund der Arbeit, der
Uneigennützigkeit und der Opferbereitschaft. Er wurde vom Revolver
einer Frau getroffen, einer Sozialrevolutionärin, einer alten
Kämpferin des revolutionären Terrorismus,. Die Episode enthält das
ganze Drama der russischen Revolution. Lenin ist der kühle Theoretiker
der historischen Realität, der versucht, eine neue Gesellschaft
organisch auf einer soliden und dauerhaften Basis aufzubauen, nach den
Lehren der marxistischen Konzeption; er ist der Revolutionär, der
arbeitet, ohne sich wilde Illusionen zu machen, der dem Verstand und
der Weisheit folgt. Dora Kaplan war eine Menschenrechtlerin, eine
Utopistin, eine geistige Tochter des französischen Jakobinismus, der
es nicht, gelingt, die historische Funktion der Organisation und des
Klassenkampfes zu verstehen, die glaubt, daß der Sozialismus
sofortigen Frieden zwischen den Menschen bedeute, ein idyllisches
Paradies der Freude und der Liebe. Sie versteht nicht, wie komplex die
Gesellschaft und wie schwierig die Aufgabe der Revolutionäre ist,
sobald sie Träger der sozialen Verantwortung geworden sind. Sie
handelte sicher in dem guten Glauben, die russischen Menschen
beglücken zu können, indem sie sie von dem "Ungeheuer" befreite. Ganz
gewiß nicht guten Glaubens sind ihre bourgeoisen Verherrlicher, die
widerlichen Leichenfledderer in der kapitalistischen Presse. Sie haben
den Sozialrevolutionär Tschaikowski gerühmt, der sich bereit gefunden
hatte sich in Archangelsk an die Spitze der antibolschewistischen
Bewegung zu setzen, und der die Sowjetmacht gestürzt hatte
[5]: jetzt, da er seine antisozialistische Aufgabe erfüllt hat
und von der russischen Bourgeoisie, angeführt vom Obersten Schaplin,
in die Verbannung geschickt worden ist, verspottet man ihn als alten
Narren, als Träumer.
Die
revolutionäre Justiz hat Dora Kaplan bestraft; der alte Tschaikowski
büßt auf einer vereisten Insel seine Schuld, sich zum Werkzeug der
Bourgeoisie gemacht zu haben, und es ist die Bourgeoisie, die ihn
bestraft hat und über ihn lacht.
[nach: Gramsci, Antonio: Zur Politik,
Geschichte und Kultur, Leipzig 1980, S. 24 - 30]
Anmerkungen:
1. Da durch die Annullierung der Auslandsanleihen des Zarismus durch
die Sowjetregierung die französische Bourgeoisie schwere Verluste
erlitten hatte, nahm ihre Presse eine extrem antisowjetische Position
ein.
2. Am 30.8.1918, als Lenin eine Kundgebung im Petrograder
Michelsonwerk verließ, wurde er von der Sozialrevolutionärin Fanja
(nicht Dora) Kaplan durch Revolverschüsse schwer verwundet.
3. Pawel Nikolajewitsch Miljukow (1859-1943): Führer der
großbürgerlichen Konstitutionell-demokratischen Partei (Kadetten),
Außenminister in der Kerenski-Regierung.
4. Georges Clemenceau (1841-1929): französischer Staatsmann,
entschiedener Vertreter des französischen Imperialismus; als
Ministerpräsident im letzten Jahr des ersten Weltkriegs (seit November
1917) und Vorsitzender der Versailler Friedenskonferenz trat er für
die drückendsten Friedensbedingungen gegenüber Deutschland ein.
5. Nicht Tschaikowski hatte die Sowjetmacht in Archangelsk gestürzt,
sondern die amerikanisch-britischen Interventionstruppen, die,
begünstigt durch die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, im März 1918
in Murmansk gelandet und von dort sofort auf Archangelsk vorgestoßen
waren und eine sogenannte "Regierung des ganzen Nordgebietes" unter
dem Vorsitz des Sozialrevolutionärs Tschaikowski einsetzten. Am 13. 3.
1920 befreite die Rote Armee Murmansk und warf die Interventen ins
Meer. (Siehe: N.J. Kopylow, Die Zerschlagung der
amerikanisch-englischen militärischen Intervention im sowjetischen
Norden 1918 bis 1920, Berlin 1954.)
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