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Vor
135 Jahren, am 22. April 1870, wird der Familie Uljanow der
Sohn Wladimir, liebevoll Wolodja genannt, geboren. Er ist das
dritte Kind von Maria und Ilja Uljanow, die damals im
russischen Simbirsk wohnen. Im selben Jahr beginnt der
Deutsch-Französische Krieg, in dessen Gefolge das Deutsche
Reich konstituiert wird und es zur Erhebung der Pariser
Kommune kommt. Karl Marx höchstpersönlich wird in diesem Jahr
zuständiger Sekretär der Internationalen Arbeiter-Assoziation
für Russland, wo die sozialistische Bewegung damals kaum
vorhanden ist. Es wird am eben erst geborenen Wolodja Uljanow
liegen, in Russland eine marxistisch-revolutionäre Partei zu
schaffen, die Werktätigen zur und durch die Revolution zu
führen und den ersten sozialistischen Staat der
Menschheitsgeschichte zu begründen.
Während seines Studiums der Rechtswissenschaften, das er 1891
abschließt, kommt Wladimir Uljanow in tieferen Kontakt mit der
Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus. Er wird in dieser
Zeit ein überzeugter marxistischer Revolutionär. In den
folgenden fünf Jahren macht sich der junge Jurist bereits
einen Namen in der revolutionären Bewegung Russlands, nicht
zuletzt durch die Gründung des "Kampfbundes zur Befreiung der
Arbeiterklasse" in Petersburg. Diese Tätigkeit bringt ihn auch
mit der zaristischen Autokratie in Konflikt: der "Kampfbund"
wird aufgelöst und seine Mitglieder werden in die sibirische
Verbannung geschickt. Als 1898 die Sozialdemokratische
Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) gegründet wird, befindet sich
Lenin immer noch in der Verbannung, wo er auch Nadeschda
Krupskaja, eine bedeutende russische Revolutionärin, heiratet.
Nach
der Verbannung geht Wladimir Uljanow im Jahr 1900 ins
westeuropäische Exil. Hier nimmt er auch den Decknamen "Lenin"
an, der sich vom sibirischen Fluss Lenina ableiten soll. 1901
erscheint erstmals die marxistische Zeitung "Iskra", die Lenin
gemeinsam mit Plechanow, Martow, Axelrod, Potressow und Vera
Sassulitsch herausgibt. Im Jahr 1903 kommt es am II. Parteitag
zur Spaltung der SDAPR: auf der einen Seiten stehen die
revolutionär-marxistischen "Bolschewiki" ("Mehrheitler"), die
Lenin anführt, auf der anderen Seite steht die
opportunistisch-revisionistische Fraktion der "Menschewiki" ("Minderheitler"),
deren falsche Konzepte damals u.a. von Plechanow, Martow und
Trotzki vertreten werden. Analog zur Parteispaltung kommt es
zum Bruch in der Redaktion der "Iskra" - die "neue Iskra" wird
in weiterer Folge ohne Beteiligung Lenins ein Sprachrohr der
revisionistischen und reformistischen Kräfte.
Als
es 1905 zur ersten russischen Revolution kommt, kann Lenin für
einige Zeit wieder direkt in Russland wirken. Aus den
Erfahrungen dieser gescheiterten Revolution entwickelt Lenin
wichtige Thesen über die bürgerlich-demokratische Revolution,
über ihren Zusammenhang mit der sozialistischen Revolution,
über die Agrarfrage, das Parteikonzept und anderes. Ebenso
kann Lenin in diesem Zusammenhang die Fehler der ideologisch
zurückgebliebenen "Revolutionäre" aufzeigen. Als Folge des
Scheiterns der Revolution geht Lenin wieder in die Emigration
und hält sich großteils in der Schweiz auf. Lenin entfaltet in
dieser Zeit einen schonungslosen Kampf gegen den Einfluss des
Revisionismus und Opportunismus in der II. Internationale. Den
Zusammenbruch derselben infolge des Beginns des Ersten
Weltkrieges kann er - nicht zuletzt aufgrund des grassierenden
Nationalchauvinismus’ in der deutschen und österreichischen
Sozialdemokratie - nicht verhindern. Es verbleibt einzig die
SDAPR (B), also Lenins Bolschewiki, als diejenige
sozialdemokratische Partei Europas, die in aller Klarheit den
imperialistischen Krieg ablehnt, das bedingungslose
Selbstbestimmungsrecht der Nationen einfordert und für die
revolutionäre Beendigung des Krieges eintritt.
Im
dritten Kriegsjahr, 1916, verfasst Lenin sein vielleicht
wichtigstes Werk: "Der Imperialismus als höchstes Stadium des
Kapitalismus". Anknüpfend an durchaus brauchbare Vorarbeiten
von Rudolf Hilferding, Rosa Luxemburg und Nikolai Bucharin
stellt er als erster den gegenwärtigen imperialistischen
Kapitalismus systematisch dar. Seine Analyse fördert das Wesen
des Monopolkapitalismus zutage, seine Zusammenhänge und
Existenzbedingungen, aber auch seinen historischen Charakter
als "Vorabend der sozialistischen Revolution". Lenins
Imperialismustheorie ist bis heute zweifellos das wichtigste
Analyse- und Erklärungswerkzeug für alle MarxistInnen, die
Staat und Ökonomie der bürgerlich-kapitalistischen
Gesellschaft einer genauen Betrachtung unterziehen wollen.
Nach
dem Sturz des Zarismus durch die Februarrevolution 1917 kann
Lenin wieder nach Russland zurückkehren. Mit seinen
"Aprilthesen" stellt Lenin das Programm für den Übergang der
bürgerlichen in die sozialistische Revolution dar. Durch die
Konterrevolution wird Lenin abermals kurz ins Exil - diesmal
nach Finnland - gezwungen, erst kurz vor der Oktoberrevolution
kann er nach Petrograd zurückkehren. In dieser Zeit beendet
Lenin die Arbeit an einem weiteren wichtigen Werk: "Staat und
Revolution". An dieser Schrift sind verschiedene Dinge
bedeutsam. Zunächst geht es Lenin v.a. um die Verteidigung der
Staats- und Revolutionstheorie im Sinne von Karl Marx und
Friedrich Engels gegen revisionistische Entstellungen u.a. von
menschewistischer oder auch "austromarxistischer" Seite.
Andererseits kommt Lenin mehrmals darauf zu sprechen, dass der
Imperialismus mit dem Weltkrieg in eine neue Phase eingetreten
ist, nämlich in den staatsmonopolistischen Kapitalismus
(Stamokap). Die daraus entwickelte Stamokap-Theorie, in deren
Mittelpunkt das Verwachsen von ökonomischer Monopolmacht und
politisch-militärischer Staatsmacht steht, ist die bis heute
wichtigste Präzisierung und Vertiefung der Leninschen
Imperialismustheorie von 1916/17.
Anfang Oktober traf Lenin also wieder in Petrograd ein (dass
dies in Wirklichkeit nicht als Heizer verkleidet auf Jalavas
Lokomotive 2-9-3 geschah, sondern Lenin als Priester
verkleidet ankam, möge der historischen Dimension keinen
Abbruch tun). Auf Initiative Lenins wird im ZK der SDAPR (B)
der bewaffnete Aufstand beschlossen, der am 7. November im
Petrograd erfolgreich ist und den Sieg der sozialistischen
Oktoberrevolution entscheidet.
Lenin
selbst übernimmt als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare
die Leitung der revolutionären Regierung des ersten
sozialistischen Staates der Welt. Unter seiner Führung kann
die Revolution gegen die innere Konterrevolution und die
imperialistischen Interventionen erfolgreich verteidigt
werden. Auf Lenins Initiative wird 1919 die III.
Internationale gegründet. Auf Basis von Lenins Direktiven über
den GOELRO-Plan und die "Neue ökonomische Politik" (NÖP)
nehmen die russischen, ukrainischen, weißrussischen und
transkaukasischen ArbeiterInnen, Bauern und Bäuerinnen den
Aufbau des Sozialismus in ihrem Land in Angriff. Im Dezember
1922 beschließt der X. Gesamtrussische Sowjetkongress die
Gründung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken
(UdSSR) - in dieser Zeit ist Lenin bereits körperlich
gezeichnet von seinem Leben für die revolutionäre Sache des
Proletariats.
Am
21. Januar 1924 stirbt der größte Revolutionär der
Menschheitsgeschichte, der Führer, Theoretiker und Lehrer der
Werktätigen aller Länder, in Gorki. Bis heute steht ihm zum
Dank sein Mausoleum am Roten Platz in Moskau, wo ihm täglich
unzählige Menschen Ehre erweisen und Respekt bekunden. Und
nicht einmal die nun bürgerliche russische Staatsmacht wagt es
seit dem vorläufigen Sieg der Konterrevolution vor 15 Jahren,
am Denkmal des wahrhaften Volkshelden Lenin zu rütteln.
Im Denken, im Gedächtnis
und im Herzen aller revolutionären MarxistInnen des Jahres
2005 lebt Lenin weiter - als größter sozialistischer
Theoretiker neben Karl Marx und Friedrich Engels und
beutendster revolutionärer Praktiker des 20. Jahrhunderts. Nur
unter unbedingter Berücksichtigung seiner Vorgaben, Hinweise,
Ideen und Methoden werden heutige revolutionäre Bewegungen und
hinkünftige Revolutionen die Menschheit endgültig vom
Kapitalismus befreien können. - In diesem Sinne gilt auch nach
135 Jahren:
Es
lebe Wladimir Iljitsch Lenin!
Es
lebe der Marxismus-Leninismus!
Es
lebe die sozialistische Revolution!
Wien, 22. April 2005 |