Start Über uns Themen Geschichte Marxismus
 

 

 

W. I. Lenin: 1870 - 1924 - 2005

Eine Würdigung zum 135. Geburtstag Lenins

von Tibor Zenker

 

 

Vor 135 Jahren, am 22. April 1870, wird der Familie Uljanow der Sohn Wladimir, liebevoll Wolodja genannt, geboren. Er ist das dritte Kind von Maria und Ilja Uljanow, die damals im russischen Simbirsk wohnen. Im selben Jahr beginnt der Deutsch-Französische Krieg, in dessen Gefolge das Deutsche Reich konstituiert wird und es zur Erhebung der Pariser Kommune kommt. Karl Marx höchstpersönlich wird in diesem Jahr zuständiger Sekretär der Internationalen Arbeiter-Assoziation für Russland, wo die sozialistische Bewegung damals kaum vorhanden ist. Es wird am eben erst geborenen Wolodja Uljanow liegen, in Russland eine marxistisch-revolutionäre Partei zu schaffen, die Werktätigen zur und durch die Revolution zu führen und den ersten sozialistischen Staat der Menschheitsgeschichte zu begründen.

Während seines Studiums der Rechtswissenschaften, das er 1891 abschließt, kommt Wladimir Uljanow in tieferen Kontakt mit der Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus. Er wird in dieser Zeit ein überzeugter marxistischer Revolutionär. In den folgenden fünf Jahren macht sich der junge Jurist bereits einen Namen in der revolutionären Bewegung Russlands, nicht zuletzt durch die Gründung des „Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“ in Petersburg. Diese Tätigkeit bringt ihn auch mit der zaristischen Autokratie in Konflikt: der „Kampfbund“ wird aufgelöst und seine Mitglieder werden in die sibirische Verbannung geschickt. Als 1898 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) gegründet wird, befindet sich Lenin immer noch in der Verbannung, wo er auch Nadeschda Krupskaja, eine bedeutende russische Revolutionärin, heiratet.

Nach der Verbannung geht Wladimir Uljanow im Jahr 1900 ins westeuropäische Exil. Hier nimmt er auch den Decknamen „Lenin“ an, der sich vom sibirischen Fluss Lenina ableiten soll. 1901 erscheint erstmals die marxistische Zeitung „Iskra“, die Lenin gemeinsam mit Plechanow, Martow, Axelrod, Potressow und Vera Sassulitsch herausgibt. Im Jahr 1903 kommt es am II. Parteitag zur Spaltung der SDAPR: auf der einen Seiten stehen die revolutionär-marxistischen „Bolschewiki“ („Mehrheitler“), die Lenin anführt, auf der anderen Seite steht die opportunistisch-revisionistische Fraktion der „Menschewiki“ („Minderheitler“), deren falsche Konzepte damals u.a. von Plechanow, Martow und Trotzki vertreten werden. Analog zur Parteispaltung kommt es zum Bruch in der Redaktion der „Iskra“ – die „neue Iskra“ wird in weiterer Folge ohne Beteiligung Lenins ein Sprachrohr der revisionistischen und reformistischen Kräfte.

Als es 1905 zur ersten russischen Revolution kommt, kann Lenin für einige Zeit wieder direkt in Russland wirken. Aus den Erfahrungen dieser gescheiterten Revolution entwickelt Lenin wichtige Thesen über die bürgerlich-demokratische Revolution, über ihren Zusammenhang mit der sozialistischen Revolution, über die Agrarfrage, das Parteikonzept und anderes. Ebenso kann Lenin in diesem Zusammenhang die Fehler der ideologisch zurückgebliebenen „Revolutionäre“ aufzeigen. Als Folge des Scheiterns der Revolution geht Lenin wieder in die Emigration und hält sich großteils in der Schweiz auf. Lenin entfaltet in dieser Zeit einen schonungslosen Kampf gegen den Einfluss des Revisionismus und Opportunismus in der II. Internationale. Den Zusammenbruch derselben infolge des Beginns des Ersten Weltkrieges kann er – nicht zuletzt aufgrund des grassierenden Nationalchauvinismus’ in der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie – nicht verhindern. Es verbleibt einzig die SDAPR (B), also Lenins Bolschewiki, als diejenige sozialdemokratische Partei Europas, die in aller Klarheit den imperialistischen Krieg ablehnt, das bedingungslose Selbstbestimmungsrecht der Nationen einfordert und für die revolutionäre Beendigung des Krieges eintritt.

Im dritten Kriegsjahr, 1916, verfasst Lenin sein vielleicht wichtigstes Werk: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Anknüpfend an durchaus brauchbare Vorarbeiten von Rudolf Hilferding, Rosa Luxemburg und Nikolai Bucharin stellt er als erster den gegenwärtigen imperialistischen Kapitalismus systematisch dar. Seine Analyse fördert das Wesen des Monopolkapitalismus zutage, seine Zusammenhänge und Existenzbedingungen, aber auch seinen historischen Charakter als „Vorabend der sozialistischen Revolution“. Lenins Imperialismustheorie ist bis heute zweifellos das wichtigste Analyse- und Erklärungswerkzeug für alle MarxistInnen, die Staat und Ökonomie der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft einer genauen Betrachtung unterziehen wollen.

Nach dem Sturz des Zarismus durch die Februarrevolution 1917 kann Lenin wieder nach Russland zurückkehren. Mit seinen „Aprilthesen“ stellt Lenin das Programm für den Übergang der bürgerlichen in die sozialistische Revolution dar. Durch die Konterrevolution wird Lenin abermals kurz ins Exil – diesmal nach Finnland – gezwungen, erst kurz vor der Oktoberrevolution kann er nach Petrograd zurückkehren. In dieser Zeit beendet Lenin die Arbeit an einem weiteren wichtigen Werk: „Staat und Revolution“. An dieser Schrift sind verschiedene Dinge bedeutsam. Zunächst geht es Lenin v.a. um die Verteidigung der Staats- und Revolutionstheorie im Sinne von Karl Marx und Friedrich Engels gegen revisionistische Entstellungen u.a. von menschewistischer oder auch „austromarxistischer“ Seite. Andererseits kommt Lenin mehrmals darauf zu sprechen, dass der Imperialismus mit dem Weltkrieg in eine neue Phase eingetreten ist, nämlich in den staatsmonopolistischen Kapitalismus (Stamokap). Die daraus entwickelte Stamokap-Theorie, in deren Mittelpunkt das Verwachsen von ökonomischer Monopolmacht und politisch-militärischer Staatsmacht steht, ist die bis heute wichtigste Präzisierung und Vertiefung der Leninschen Imperialismustheorie von 1916/17.

Anfang Oktober traf Lenin also wieder in Petrograd ein (dass dies in Wirklichkeit nicht als Heizer verkleidet auf Jalavas Lokomotive 2-9-3 geschah, sondern Lenin als Priester verkleidet ankam, möge der historischen Dimension keinen Abbruch tun). Auf Initiative Lenins wird im ZK der SDAPR (B) der bewaffnete Aufstand beschlossen, der am 7. November im Petrograd erfolgreich ist und den Sieg der sozialistischen Oktoberrevolution entscheidet.

Lenin selbst übernimmt als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare die Leitung der revolutionären Regierung des ersten sozialistischen Staates der Welt. Unter seiner Führung kann die Revolution gegen die innere Konterrevolution und die imperialistischen Interventionen erfolgreich verteidigt werden. Auf Lenins Initiative wird 1919 die III. Internationale gegründet. Auf Basis von Lenins Direktiven über den GOELRO-Plan und die „Neue ökonomische Politik“ (NÖP) nehmen die russischen, ukrainischen, weißrussischen und transkaukasischen ArbeiterInnen, Bauern und Bäuerinnen den Aufbau des Sozialismus in ihrem Land in Angriff. Im Dezember 1922 beschließt der X. Gesamtrussische Sowjetkongress die Gründung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) – in dieser Zeit ist Lenin bereits körperlich gezeichnet von seinem Leben für die revolutionäre Sache des Proletariats.

Am 21. Januar 1924 stirbt der größte Revolutionär der Menschheitsgeschichte, der Führer, Theoretiker und Lehrer der Werktätigen aller Länder, in Gorki. Bis heute steht ihm zum Dank sein Mausoleum am Roten Platz in Moskau, wo ihm täglich unzählige Menschen Ehre erweisen und Respekt bekunden. Und nicht einmal die nun bürgerliche russische Staatsmacht wagt es seit dem vorläufigen Sieg der Konterrevolution vor 15 Jahren, am Denkmal des wahrhaften Volkshelden Lenin zu rütteln.

Im Denken, im Gedächtnis und im Herzen aller revolutionären MarxistInnen des Jahres 2005 lebt Lenin weiter – als größter sozialistischer Theoretiker neben Karl Marx und Friedrich Engels und beutendster revolutionärer Praktiker des 20. Jahrhunderts. Nur unter unbedingter Berücksichtigung seiner Vorgaben, Hinweise, Ideen und Methoden werden heutige revolutionäre Bewegungen und hinkünftige Revolutionen die Menschheit endgültig vom Kapitalismus befreien können. – In diesem Sinne gilt auch nach 135 Jahren:

Es lebe Wladimir Iljitsch Lenin!

Es lebe der Marxismus-Leninismus!

Es lebe die sozialistische Revolution!

Wien, 22. April 2005

 

 

Stamokap-Strömung in der SJÖ - politbuero@stamokap.org