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Rosa Luxemburg

von Ivana Jelic

 

Am 5. März 1871 wurde Rosa Luxemburg als jüngste von fünf Kindern, in Zamosc geboren. Zamosc ist ein kleines Städtchen in Polen, das zu dieser Zeit vom zaristischen Russland besetzt war.

Mit etwa drei Jahre siedelte Rosa mit ihrer Familie nach Warschau über. Ab 1880 besuchte sie in Warschau das II. Mädchengymnasium. Das Bildungswesen wurde von besonders antisemitische und antipolnische Dienstvorschriften beherrscht, so war die Behörden- und Dienstsprache Russisch und auch untereinander war den Mädchen der Gebrauch der polnischen Sprache strengstens verboten worden. Für Angehörige polnischer und jüdischer Familien bestand außerdem ein besonders enger Numerus clausus.

Die größeren Lehranstalten Warschaus wurden Herde politischer Verschwörungen, wobei die Vorschriften und Unterdrückungsmaßnahmen dies durchaus förderten. In fast allen höheren Schulen bildeten Jugendliche illegale Zirkel, man las verbotene Werke polnischer Dichter und sozialistische Schriften in denen man zum Kampf gegen die Bourgeoisie und den Zarismus aufrief.

Rosa Luxemburg gehörte zu einem Kreis SchülerInnen die sich mit der marxistisch orientierten "Revolutionär-Sozialistischen Partei Proletariat" auseinandersetzten. Bekannt geworden ist die Partei als "I. Proletariat" oder "Großes Proletariat", sie war im Herbst 1882 in Warschau unter der Leitung Ludwik Warynskis gegründet worden. Die Partei gab in Polen die illegale Zeitschrift "Proletariat" heraus. 1886 wurde sie von den zaristischen Behörden zerschlagen.

Nach ihrem Abschluss im Sommer 1887, warf sich Rosa Luxemburg in den politischen Kampf und arbeitete an dem Wiederaufbau der Partei "Proletariat" mit, die als "II. Proletariat" bekannt werden sollte. Die Partei wuchs und 1888 organisierte sie schon einige Streiks in Warschau. Da die zaristische Geheimpolizei ihr jedoch bald auf die Spur kam, setzten im Herbst 1888 die ersten Verhaftungen ein, bis zum Dezember wurden ca. 40 Mitglieder der Partei verhaftet.

Da Rosa Luxemburgs Tätigkeit in den revolutionären Zirkeln von der Polizei entdeckt wurden, musste sie 1889 das Land verlassen. Sie wählte als Emigrationsland die Schweiz die eine föderative demokratische Republik mit voller Glaubens- und Kultusfreiheit war, außerdem der bedeutendste Sammelpunkt der polnischen und russischen Emigration. Am 18.Februar 1889 meldete sich Rosa Luxemburg in Zürich an.

An der Universität schrieb sie sich, im Oktober 1889, zum Studium der Naturwissenschaften ein. Neben dem Studium beteiligte sie sich an dem starken geistigen Leben in den Spitzen der politischen Emigration und wirkte in der Züricher Arbeiterbewegung mit. Auch zu den führenden russischen Marxisten fand Rosa Luxemburg schnell Kontakt.

Im Jahre 1890 kam auch Leo Jogiches nach Zürich, der nach seiner Ankunft bald mit Rosa zusammen arbeitete. Leo Jogiches wurde 1867 in Wilna geboren, die Schule verließ er frühzeitig um sich der politischen Arbeit zu widmen. Er bemühte sich jüdische Arbeiter und Intellektuelle für den Kampf gegen den Zarismus zu gewinnen und zu organisieren. Die ersten revolutionären Kreise gründete er um das Jahr 1885 in Wilna. Der zaristischen Polizei wurde er bald verdächtig und im Herbst 1888 zum ersten mal verhaftet. Als er dann einberufen wurde und Soldat werden sollte, entschloss er sich zur Flucht.

Ab 1893 wurde Rosa Luxemburg als Studentin der Staatswissenschaften geführt, sie belegte Vorlesungen über Nationalökonomie, Philosophie, Geschichte, Staats- und Verwaltungsrecht und bevorzugte die Vorlesungen von Julius Wolf der Geschichte und Theorie der Nationalökonomie, Finanzwissenschaft, Praktische Nationalökonomie und Texte von Karl Marx behandelte.

Bereits im März 1897, reichte sie ihre sozialistische Dissertation in deutscher Sprache ein. Diese trug den Titel "Die industrielle Entwicklung Polens" und wurde von ihrem Professor Julius Wolf mit großem Lob angenommen. 1898 erschien die Dissertation bei Duncker & Humblot in Leipzig, ein Jahr später wurde die russische Übersetzung in Petersburg veröffentlicht.

Neben dem Studium, war Rosa Luxemburg mit ihren 27 Jahren schon Mitbegründerin und theoretisch tonangebende Vertreterin der Sozialdemokratie Polens, sie war bereits zweimal auf internationalen Kongressen vertreten und hatte Bekanntschaft mit vielen Sozialistinnen in der Schweiz, in Frankreich, Deutschland, England und Russland gemacht. Außerdem hatte sie bereits ein polnisches Blatt geleitet und war in der polnischen wie internationalen sozialdemokratischen Presse anerkannt.

Rosa Luxemburg genügte die mühevolle Kleinarbeit in der polnischen Bewegung, die durch die Illegalität gehemmt war, nicht mehr. Es zog sie nach Deutschland.

Die deutsche Sozialdemokratie besaß, mit August Bebel und Paul Sänger als Parteivorsitzende, mit Wilhelm Liebknecht als Chefredakteur des "Vorwärts" und Karl Kautsky als leitenden Redakteur der "Neuen Zeit" sowie mehr als 100.000 Mitgliedern gegen Enden des 19. Jahrhunderts, in der internationalen Arbeiterbewegung ein hohes Ansehen.

Durch eine Scheinheirat mit Gustav Lübeck, erwarb sie die deutsche Staatangehörigkeit um nicht ständig Gefahr zu laufen des Landes verwiesen zu werden, noch 1897 siedelte sie nach Deutschland um. 1898 war sie sowohl in der deutschen Partei als auch in der illegalen polnischen tätig.

In Berlin arbeitete sie hauptsächlich für die wissenschaftliche Zeitschrift "Neue Zeit" und die "Leipziger Volkszeitung" sie gab der Zeitung die marxistische Prägung und schuf ihr einen Ruf in der ganzen sozialistischen Presse.

Die "Leipziger Volkszeitung " veröffentlichte von Rosa Luxemburg zwei Artikel in denen sie sich mit Eduard Bernsteins Buch: "Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" (Stuttgart 1899) auseinandersetzte. Diese Artikel lösten die berühmte Revisionismus-Debatte aus. Für Bernstein waren neue Reformen der langsame jedoch sichere Weg um die Gesellschaft allmählich in den Sozialismus zu führen. Seine Kritik galt dem nationalökonomischen Ideen von Marx, der Prognose über den Entwicklungsgang der kapitalistischen Gesellschaft und somit der Krisentheorie. Er war der Meinung, dass die kapitalistische Wirtschaft durch die Elastizität des modernen Kreditwesens ihre Produktion auf die jeweilige Marktlage abstimmen könnte und somit eine Krise unwahrscheinlich wäre.

In ihrer Aufsatzreihe versuchte Rosa Luxemburg Bernstein zu widererlegen und entgegnete, dass weder Kredite noch die Unternehmerorganisationen den Widerspruch zwischen der Expansionsfähigkeit der Produktion und der beschränkten Konsumtionsfähigkeit aufheben könnte. Weiters erörtert sie, dass der Sozialismus aufhört objektiv notwendig zu sein, wenn sich der Kapitalismus seinen Lebensbedingungen anpasst, dann ist er nicht mehr wissenschaftlich, sonder nur noch ethisch zu begründen, somit fällt auch das Lebensinteresse weg, dass die Arbeiterklasse zum Umsturz der Gesellschaftsordnung treibt. Der Sozialismus wird das, was er vor Marx gewesen ist, eine Utopie.

Sie hielt es für unwahrscheinlich, dass der Kapitalismus sich an neue Konstellationen anpassen und strukturell wandeln könne, also viel langsamer als ursprünglich angenommen seinem Untergang zutreibt.

Die Artikel fanden in der deutschen Sozialdemokratie und in der internationalen Arbeiterbewegung großen Anklang und viel Aufmerksamkeit.

Am 3. (16.) Januar 1905 streikten, wegen Entlassungen, 12600 Arbeiter der Putilow-Werke in Petersburg, dieser dehnte sich schnell aus. Am 9. (22.) Januar umfasste er schon 140 000 Arbeiter, die geführt von Popen Gapon in einem friedlichen Demonstrationszug vor das Winterpalais zogen. Sie forderten in einer Bittschrift bürgerliche Freiheit, Minimalarbeitslohn, Achtstundentag, Trennung der Kirche vom Staat, Übergabe des Bodens an das Volk und Konstituante auf Grund des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Der Zar ließ jedoch die Demonstration gewaltsam auflösen. Etwa 1000Menschen starben und unzählige wurden verwundet. Der "Petersburger Blutsonntag" löste überall Proteststreiks der Arbeiter aus. Hunderttausende beteiligten sich an der Erhebung gegen den Zarismus. Die Revolution war da, auf die Rosa Luxemburg seit Jahren gehofft hatte und deren plötzlichen Ausbruch sie begeistert begrüßte. Bereits am 25. Januar erschien in der "Neuen Zeit" ihr erster Artikel "Revolution in Russland".

Ihre größte Aufgabe sah Rosa Luxemburg in der Auswertung des Revolutionsverlaufs, um den Sozialdemokraten im Lande mit Hinweisen für Taktik zur Seite stehen zu können.

In dem im Mai 1905 veröffentlichen Beitrag "In revolutionärer Stunde: Was weiter?" erläuterte sie Wesen und Ziele der Revolution und die entsprechende Aufgabenstellung für die Arbeiterklasse. Sie charakterisierte in ihren in polnischen Zeitungen und Broschüren veröffentlichten Artikeln die Massen als selbständig handelnde und denkende Menschen. Im Bewusstsein der Massen und in der Massenbewegung sah sie die entscheidende Voraussetzung und Kraft für eine authentische Revolution.

Bald empfand sie ihre nur indirekte Verbindung zum Revolutionsgeschehen als unbefriedigend und entschloss sie sich nach Warschau zu fahren.

Rosa Luxemburg reiste am 28. Dezember 1905 als Korrespondentin des "Vorwärts" unter dem Namen der Berliner Genossin Anna Matschke, die ihren Pass am 8. Dezember im Polizeipräsidium erhalten und unmittelbar danach vom russischen Generalkonsulat das Einreisevisum eingeholt hatte, nach Warschau. In Warschau war der Kriegszustand verkündet worden, während in Russland der Entscheidungskampf zwischen Revolution und Absolutismus tobte.

Noch standen die Arbeiter im Generalstreik, aber der ging ohne Erfolg zu Ende. Der Staatsapparat festigte sich wieder und die Polizei griff energischer zu. Jeden Tag wurden in Warschau ein bis zwei Personen von Soldaten ermordet, Verhaftungen vorgenommen und mit Hausdurchsuchungen besonders die Druckereien schikaniere. Zu ihrem persönlichen Schutz nahm Rosa Luxemburg daher nur an Beratungen der Parteiführung teil und war vorwiegend publizistisch tätig, schrieb Artikel, Aufrufe und Flugblätter.

Im Dezemberstreik wurden die Polizeiverfolgungen hartnäckiger und die Verhaftungen häufiger. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurden Rosa Luxemburg und Leo Jogiches, am 4.März in der Pension der Gräfin Walewska verhaftet.

Rosa wurde zunächst im Polizeigefängnis im Warschauer Rathaus eingesperrt. Am 2. April wurde sie in das berüchtigte X. Pavillon der Warschauer Festung überführt. Trotz ihrer Inhaftierung nahm sie am politischen Leben teil. Nach drei Wochen Haft, hatte sie schon ihre dritte Broschüre abgeschlossen, zwei bereits hinausgeschmuggelt und in Druck gegeben.

Ärzte die sie am 27. Mai im X. Pavillon untersuchten, kamen zu dem Schluss, dass "Rosa Luxemburg an Blutarmut, hysterischen Erscheinungen und an einem Magen- und Darmkatarrh mit Lebererweiterung leide und einer Mineralwasser sowie Badekur unter entsprechenden hygienischen und diätetischen Bedingungen bedürfte". Mit diesem Attest, 2.000 Rubel Bestechungsgeld und gegen eine Kaution von 3000 Rubeln durfte sie das Gefängnis verlassen. Am 28. Juni 1906 wurde Rosa Luxemburg aus dem Kerker entlassen. Bedingung war, dass sie Warschau bis zum Abschluss der Untersuchung nicht verlassen durfte. Auf Grund eines neuen ärztlichen Attestes wurde ihr Ende Juli jedoch erlaubt, zu einer Kur ins Ausland zu reisen. Trotz aller Gefahren fuhr sie statt dessen sofort nach Petersburg. Sie blieb politisch aktiv und besuchte unter fremden Namen eingekerkerte Revolutionäre.

Als sie sich dann am 10. August 1906 doch in den finnischen Erholungsort Kuokkala begab, nutzte sie die Zeit um die Broschüre "Massenstreik, Partei und Gewerkschaften" zu verfassen.

Sie kam bereits Ende September in Hamburg als Manuskriptdruck heraus. In ihr legte sie ihre Ansichten über den proletarischen Befreiungskampf als Massenbewegung ausführlich dar. Zum einen bewertete sie den politischen Massenstreik als Mittel zur Durchsetzung einzelner Forderungen und zum anderen mit Blick auf künftige gesellschaftliche Veränderungen.

Dem Massenstreik müsse nach dem ersten revolutionsgeschichtlichen Experiment ein höheren Stellenwert eingeräumt werden. Ein Schema des Massenstreiks gäbe es nicht, schon gar nicht ließen sich ökonomische und politische Streiks säuberlich trennen. Zwischen beiden bestünden Wechselwirkungen, ihre Einheit sei eben der Massenstreik, der in der Revolution zur vollen Entfaltung komme. Massenstreiks könnten weder aus freien Stücken inszeniert noch kommandiert werden, das gelinge höchstens bei kurzen Demonstrationsstreiks.

Rosa Luxemburg durfte am 15. September 1906 Kuokkala verlassen, am 18. traf sie in Hamburg ein.

Im Jahre 1906 richtete die deutsche Sozialdemokratie in Berlin eine Parteischule ein. Bis zum Kriegsausbruch wurden hier in jedem Winter etwa dreißig von den Bezirksorganisationen und den Gewerkschaften ausgewählte GenossInnen in den Sozialwissenschaften und in praktischen Fächern der Agitation unterrichtet. Sie war notwendig geworden, um einen qualifizierten Nachwuchs von Redakteuren und anderen FunktionärInnen zu sichern. Rosa übernahm von 1907 an den Lehrgang über Nationalökonomie, d.h. die Einführung in die ökonomischen Lehren von Karl Marx.

In der Vorkriegszeit kritisierte Rosa Luxemburg die um sich greifenden Friedensillusionen und vor allem auch die lähmende Ruhe um die sich der Parteivorstand bemühte. Das Zentrum der Partei war nicht offensiv in den Fragen der Außenpolitik. Noch 1911 sah Bernstein den Krieg für gegenstandslos an, das Friedensbedürfnis sei allgemein, und die Friedenbeteuerungen der Staatsmänner dürften als echt aufgefasst werden. Die Partei hielt das Wettrüsten weder national noch ökonomisch begründet. Die ganze Politik der Partei in dieser Vorkriegszeit bestand in stetem Aus- und Zurückweichen.

Im Sommer 1913 brachte die Regierung eine von Ludendorff ausgearbeitete Militärvorlage ein, die Sozialdemokratie beschränkte sich auf rein Parlamentarische Proteste und bewilligte am 30. Juni sogar die Kosten, weil sie diesmal durch Vermögenssteuern gedeckt werden sollten. Rosa Luxemburg unterstrich den Grundsatz, dass angesichts der herannahenden Kriegsgefahr auch nicht der Schein einer Zustimmung zur Rüstungspolitik und einen Vertrauens zur Regierung erweckt werden dürfte. Statt die Öffentlichkeit zu beruhigen, müsse die Arbeiterpartei die Menschen aufrütteln, damit sie sich gegen die Kriegsgefahr auflehnen. Von ihren Kritikern wurde sie daraufhin als wortradikaler Hysterikerin bezeichnet.

Rosas Angriffe auf diese Gesamtpolitik der Partei hatte die Konsequenz, dass im März 1913 eine allgemeine verpflichtende Pressekonferenz der Partei, der Redaktionen der "Leipziger Zeitung" nahe legte, auf die Kritik der Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes zu verzichten. Damit wurde auch Rosa Luxemburg aus der "Leipziger Volkszeitung" entlassen.

In Versammlungen im Frankfurter Bezirk im September 1913 hatte Rosa Luxemburg ausgerufen:" Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen ausländischen Brüder zu erheben, so erklären wir: Nein, das tun wir nicht!"

Darin sah man Aufforderung der Soldaten zum Ungehorsam und führte am 20. Februar 1914 vor der 1. Strafkammer des Landesgerichtes in Frankfurt am Main zur Anklage. Das Urteil lautete ein Jahr Gefängnis, doch sie musste die Haftstrafe nicht gleich antreten und blieb einstweilen noch frei.

Eine für den 2. August von der Generalkommission der Gewerkschaften einberufene Konferenz der Verbandsvorstände beschloss, die Maßnahmen der Regierung bei der Mobilmachung zu unterstützen und während des Krieges keine Lohnkämpfe zu führen

Am 4. August 1914 stimmte die sozialdemokratische Parlamentsfraktion geschlossen für die Kredite. Auch Karl Liebknecht fügte sich der Disziplin. Vielfach wurde die Nachricht nicht geglaubt. Das sozialdemokratische Blatt Rumäniens erklärte sie für eine ungeheuerliche Lüge. Lenin hielt die Nummer des "Vorwärts" mit dem Bericht über die Reichstagssitzung für eine Fälschung des deutschen Generalstabs. Das Versagen der führenden deutschen Sozialdemokratie bedeutete den Sieg des Nationalismus auf der ganzen Linie.

Am gleichen 4. August, versammelten sich in der Wohnung Rosa Luxemburgs eine kleine Zahl GenossInnen, die beschlossen den Kampf gegen den Krieg und die Kriegspolitik aufzunehmen. Dies war auch der Beginn des Spartakus(bundes).

Bei der zweite Abstimmung über die Kriegskredite im Reichstag am 2. Dezember 1914 , stimmte nur Karl Liebknecht als einziger dagegen. Die Regierung Deutschlands befürchtete, dass sich die Antikriegshaltung auch in der Bevölkerung verbreiten könnte, je länger der Krieg die Bevölkerung belastete. Daher mussten entschiedene Kriegsgegner wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht isoliert werden.

Rosa Luxemburg erhielt im Dezember 1914 vom Frankfurter Landesgericht den Strafantrittsbefehl und die Genehmigung, die Strafe von einem Jahr in einem Berliner Gefängnis absitzen zu dürfen. Erst Ende des Jahres 1915 konnte sie einen geheimen Briefwechsel mit Karl Liebknecht aufnehmen, sofort entwickelte sie politische Initiative. Im Gefängnis verfasste sie auch das Manuskript "Die Krise der Sozialdemokratie".

Die Führung der Gruppe Internationale, die seit dem 27. Januar 1916 unter der anonymen Bezeichnung "Spartakus" regelmäßig "Politische Briefe" herausgab, lag im 1. Halbjahr 1916 in den Händen von Karl Liebknecht, Franz Mehring, Ernst Meyer, Leo Jogiches, Wilhelm Piek, Käte Duncker und Hugo Eberlein. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis schloss sich ihnen auch Rosa Luxemburg wieder an.

Als sie das Gefängnis Ende Januar 1916 verlassen hatte, wurde ihr Manuskript "Die Krise der Sozialdemokratie" gedruckt. Sie benutzte das Pseudonym Junius.

Die Junius-Broschüre gehört zu den ersten Arbeiten, die die Ursachen des Weltkrieges analysiert. In ihr zeigte sie den verbrecherischen Anteil des deutschen Imperialismus am Ausbruch und Verlauf des Krieges auf und erhellte zugleich die Krise der deutschen Sozialdemokratie. Sie wollte aufklären, überzeugen und die Probleme lösen die der Krieg stellte. Zu Recht prangerte Rosa Luxemburg die Politik der Kriegskreditbewilligung und des Stillhaltens im Krieg als Verrat an und rief zum Widerstand auf.

Angst vor der Antikriegsbewegung veranlassten die Militärbehörden zu neuen Schlägen gegen die Führung der Spartakusgruppe. Über Rosa Luxemburg wurde am 8. Juli 1916 "im Interesse der öffentlichen Sicherheit bis auf weiteres die militärische Sicherheitshaft verhängt". Zwei Tage später wurde sie verhaftet. Im Gefängnis blieb es ihr wichtigstes Anliegen, die Spartakusgruppe weiter zu unterstützen und mehr Menschen als bisher zur Auflehnung gegen den Krieg zu motivieren. Auch Karl Liebknecht wurde am 28. Juni 1916 verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Als am 28. Oktober1918 die Admiralität 80.000 Matrosen in eine Entscheidungsschlacht schicken wollte, verweigerte die gesamte Besatzung der Flotte den Befehl, daraufhin wurden 600 Matrosen verhaftet. Die Matrosen vereinigten sich mit dem Arbeitern von Kiel und organisierten am 3.November einen Aufstand. Die Bewegung steigerte sich in wenigen Tagen zum Generalstreik in den Betrieben und auf den Schiffen. Die am 3. November mit dem Aufstand der Matrosen in Kiel begonnene Revolution hatte schnell viele Gebiete Deutschlands erfasst. Rosa Luxemburg konnte am Abend des 8. November 1918 das Gefängnis verlassen.

Die Spartakusgruppe und Vollzugsausschuss der revolutionären Obleute riefen für den 9. November ebenfalls zum Kampf. In Flugblättern forderten sie den Sturz der Monarchie, die Errichtung einer sozialistischen Republik, die Übernahme der Regierung durch Vertreter der Arbeiter- und Soldatenräte, Tausende folgten dem Streikaufruf.

In Berlin strömten am 9. November die Arbeiter aus dem Betrieben. Sie demonstrierten, stürmten Kasernen und befreiten die politischen Gefangenen, gegen Mittag des 9. November war Berlin bereits in den Händen der revolutionärer Arbeiter. Der Umsturz in allen anderen Großstädten vollzog sich daraufhin automatisch.

Der Spartakusbund wurde nun am 11. November offiziell gegründet. Der Bund war aber noch keine Partei, sondern schloss sich der zu Ostern 1917 gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) an. Der Spartakusbund hielt jedoch seine eigene Organisation mit eigenem Programm und eigener Aktionsdisziplin aufrecht. Die Spartakuszentrale wurde aus dreizehn GenossInnen gebildet, an deren Spitze Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Leo Jogiches standen.

Dem Spartakusbund gelang es nur mit Mühe eine Druckgelegenheit zu finden, so dass die Zeitschrift "Rote Fahne" gedruckt werden konnte. Am 17. November verfasste Rosa Luxemburg die am nächsten Tag in der "Roten Fahne" abgedruckten Artikel "Der Anfang" und "Das alte Spiel". Darin warnte sie vor Illusionen über das Erreichte.

Als die "Rote Fahne" das Programm des Spartakusbundes veröffentlichte, waren Revolution und Konterrevolution bereits ins Handgemenge gekommen. In Berlin rief eine Truppe "regierungstreuer" Soldaten Ebert zum Präsidenten der Republik aus und forderte ihn zum Staatsstreich auf. Schon im November kam es an vielen Orten Deutschlands zu blutigen Zusammenstößen zwischen aufgehetzten Fronttruppen und Arbeiter.

Neben dem Spartakusbund bestand die Gruppe der Linksradikalen, die ihr Zentrum in Bremen mit Verzweigungen im Norden, in Sachsen und im Rheinland hatten. Sie stimmten mit dem Spartakusbund in den Grundfragen überein, waren aber von Anfang an enger mit den Bolschewiki verbunden.

Der Spartakusbund bemühte sich, diesen Flügel für sich zu gewinnen und forderte die schleunige Einberufung eines Parteitages. Die Parteiführung der USPD widerstand diesem Drängen der Linken hartnäckig. Deshalb berief die Leitung des Spartakusbundes zum Jahresende eine eigene Reichskonferenz ein. Ihr erster Akt war die Gründung der "Kommunistischen Partei Deutschland". Die gleichzeitig tagende Linksradikale schloss sich der neuen Partei an.

Seit dem Jahreswechsel richtete sich die Hetze und Verfolgungsjagd der Konterrevolution gegen die Kommunistische Partei Deutschlands (Spartakusbund) und ganz besonders gegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Ganz offen wurde in Presse zum Mord aufgerufen. Überall schürten Riesenplakate den Hass und forderte auf, die Revolution endlich zu enthaupten. Auch das sozialdemokratische "Vorwärts" beteiligte sich an den Hetzkampagne.

Am 7., 8., 11. und 13. Januar 1919 erschienen in der "Roten Fahne" Rosa Luxemburgs Artikel "Was machen die Führer?", "Versäumte Plichten", "Das Versagen der Führer" und "Kartenhäuser", in denen sie über unentschlossene Organisation und mangelnde Führungskraft als bittere Lehre der Revolutionswochen seit dem 9. November und über die nunmehr unvermeidliche Niederlage reflektierte.

Am 15.Januar 1919 holte man zum entscheidenden Schlag aus. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden in der Mannheimer Straße 43 in Berlin-Wilmersdorf, in der Wohnung der Familie Marcusson, aufgespürt und von der dortigen Bürgerwehr verhaftet. Am Abend wurden sie ins Eden-Hotel, das Stabsquartier der Gardekavallerieschützendivision, verschleppt, in dem Hauptmann Pabst befehligte und sich von Noske telefonisch für die Ermordung der beiden einen Freibrief verschaffte. Karl Liebknecht wurde nach schweren Misshandlung im Tiergarten hinterrücks erschossen und von den Mordschützen als unbekannter Toter in das Leichenschauhaus eingeliefert. Unmittelbar danach wurde Rosa Luxemburg unter dem Vorwand, sie werde in das Moabiter Gefängnis überführt, aus dem Hotel geschleift, beschimpft, misshandelt, von dem Soldaten Runge mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen, in ein Auto gestoßen, von Leutnant Vogel erschossen und in den Landwehrkanal geworfen. Am nächsten Tag meldete die "BZ am Mittag" : "Liebknecht auf der Flucht erschossen - Rosa Luxemburg von der Menge getötet"

Rosa Luxemburgs Leichnam wurde am 31. Mai 1919 an der Schleuse bei der Freiarchenbrücke im Berliner Landwehrkanal entdeckt. Sie wurde am 13. Juni 1919 auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde an der Seite von Karl Liebknecht beigesetzt.

Leo Jogiches deckte noch das Verbrechen an den beiden Führern des Spartakusbundes auf und veröffentlichte neben den Aussagen der Zeugen ein Dokument, das dass fotografische Bild vom Gelage der Mörder nach der Tat zeigt. Am 10. März 1919 wurde er verhaftet und im Gefängnis des Polizeipräsidiums vom Kriminalbeamten Tamschik ermordet.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden zwar ermordet doch ihre Gedanken und Taten für den Kampf einer sozialistischen Welt, konnten nicht zerstört werden.

 

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