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Proletarische Literatur: Lyrik
Kurt Tucholsky: Die freie Marktwirtschaft
Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen. Ihr sollt auf euern Direktor vertrauen. Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen. Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen. Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein, wir wollen freie Wirtschaftler sein! Fort, die Gruppen - sei unser Panier! Na, ihr nicht. Aber wir.
keine Renten und keine Versicherungen, Ihr solltet euch allesamt was schämen, von dem armen Staat noch Geld zu nehmen! Ihr sollt nicht mehr zusammenstehn - wollt ihr wohl auseinandergehn! Keine Kartelle in unserm Revier! Ihr nicht. Aber wir.
Trusts, Kartelle, Verbände, Konzerne. Wir stehen neben den Hochofenflammen in Interessengemeinschaften fest zusammen. Wir diktieren die Preise und die Verträge - kein Schutzgesetz sei uns im Wege. Gut organisiert sitzen wir hier... Ihr nicht. Aber wir.
Bertolt Brecht: Lob der Dialektik
Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt. Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre. Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es. Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut: Jetzt beginne ich erst. Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt: Was wir wollen, geht niemals. Wer noch lebt, sage nicht: niemals! Das Sichere ist nicht sicher. So, wie es ist, bleibt es nicht. Wenn die Herrschenden gesprochen haben Werden die Beherrschten sprechen. Wer wagt zu sagen: niemals? An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns. An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns. Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich! Wer verloren ist, kämpfe! Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein? Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen Und aus Niemals wird: Heute noch!
Bertolt Brecht: Lob des Revolutionärs
Wenn die Unterdrückung zunimmt Werden viele entmutigt Aber sein Mut wächst.
Um den Lohngroschen, um das Teewasser Und um die Macht im Staat. Er fragt das Eigentum: Woher kommst du? Er fragt die Ansichten: Wem nützt ihr?
Dort wird er sprechen Und wo Unterdrückung herrscht und von Schicksal die Rede ist Wird er die Namen nennen.
Setzt sich die Unzufriedenheit zu Tisch Das Essen wird schlecht Und als eng wird erkannt die Kammer.
Geht der Aufruhr, und wo er verjagt ist Bleibt die Unruhe doch.
Bertolt Brecht: Der große Oktober
O großer Oktober der Arbeiterklasse! Endliches Sichaufrichten der so lange Niedergebeugten! O Soldaten, die ihr Endlich die Gewehre in die richtige Richtung gerichtet! Die den Boden bestellten im Frühjahr Taten es nicht für sich selber. Der Sommer Beugte sie tiefer. Noch die Ernte Ging in die Scheuer der Herren. Aber der Oktober Sah das Brot schon in den richtigen Händen! Seitdem Hat die Welt ihre Hoffnung. Der Kumpel in Wales und der mandschurische Kuli Und der pennsylvanische Arbeiter, der unter dem Hund lebt Und der deutsche, mein Bruder, der jenen Noch beneidet: sie alle Wissen, es gibt Einen Oktober. Selbst die Flugzeuge der Faschisten, die Gegen ihn heraufkommen, sieht Der Soldat der spanischen Miliz darum Mit geringerer Sorge. Aber in Moskau, der berühmten Hauptstadt Aller Arbeiter Bewegt sich allhährlich über den Roten Platz, Der unendliche Zug der Sieger. Mit sich führend die Embleme ihrer Fabriken Abbilder der Traktoren und die Wollbüsche der Textilwerke Auch die Ährenbündel der Getreidefabriken. Über sich ihre Kampfflugzeuge Die den Himmel verdunkeln, und vor sich Ihre Regimenter und Tankgeschwader. Auf breiten Tuchstreifen Tragen sie ihre Losungen und Die Bildnisse ihrer großen Lehrer. Die Tücher Sind durchsichtig, so daß All dies zugleich sichtbar ist. Schmal, an dünnen Stecken Wehen die hohen Fahnen. In den entfernteren Straßen Wenn der Zug ins Halten kommt Leben Tänze auf und Weltfestspiele. Fröhlich Ziehen die Züge, viele nebeneinander, fröhlich Aber allen Unterdrückern Eine Drohung. O großer Oktober der Arbeiterklasse!
Bertolt Brecht:
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