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März 1938 - Der Anschluss und seine Hintergründe

von Hannes Puwein

 

1938 besetzten deutsche Truppen unser Land. Die austrofaschistische Regierung war nicht imstande, Österreich gegen die Nazis zu verteidigen. Wurde die österreichische ArbeiterInnenklasse bereits 1934 ihrer demokratischen und sozialen Rechte beraubt, so verlor das österreichische Volk nun auch seine nationale Unabhängigkeit. Konzentrationslager und Krieg folgten.

Österreich ist eine eigene Nation

Der Kapitalismus ändert nicht nur die Produktionsweise, seine Entwicklung ließ einheitliche Wirtschaftsräume entstehen, in denen sich eine Sprache als Verkehrssprache durchsetzte. Der Staat wurde den Erfordernissen der neuen herrschenden Klasse, der Bourgeoisie, angepasst. Österreich war zu dieser Zeit ein eigener Staat, mit der Entwicklung des Kapitalismus und der Bildung eines deutschen Gesamtstaates entwickelte sich die österreichische Nation, allerdings unter schwierigeren Umständen, als dies bei den anderen Nationen geschah. Während die bürgerlichen Demokraten der anderen Sprachgruppen im Habsburger-Vielvölkerstaat um einen eigenen Staat und bürgerliche Demokratie kämpften, verbündete sich die österreichische Bourgeoisie bald mit dem Adel. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Öster­reich zum Nationalstaat, die bürgerlichen Freiheiten hatte nicht die Bourgeoisie, sondern die ArbeiterInnenklasse erkämpft. Die Klassen und ihre politischen Vertretungen, die Parteien, fanden sich mit der neuen Situation nicht zurecht. So sprach sich auch die Sozialdemokratie für den "Anschluss" an ein demokratisches Deutschland aus. Fest steht, dass Österreich auf jeden Fall mit dem Beginn der Ersten Republik eine eigene Nation ist, lediglich die schwierige Nationsentwicklung ließ viele in dieser Zeit daran zweifeln.

Der Februar 1934, die Grundlage für den März 1938

Am 12. Februar 1934 wurden die Organisationen der ArbeiterInnenklasse gewaltsam zerschlagen, die austrofaschistische Diktatur duldete keine Opposition. Angesichts der verzweifelten wirtschaftlichen Lage fühlten sich viele Menschen vom militanten Aktionismus der illegalen Nazis angezogen. Sie dachten, es könne nach einem Anschluss an Hitler-Deutschland nur noch besser werden. Ein fataler Irrtum.

Im Juli 1936 wurde das Hitler-Schuschnigg-Abkommen abgeschlossen. Darin wurde die These vertreten, Österreich sei der  "zweite deutsche Staat". Der Verteidigung unseres Landes wurde damit die geistige Grundlage entzogen. Nazis konnten in der austrofaschistischen Staatspartei "Vaterländische Front" legal aktiv werden, ja es wurden sogar Hitlerfaschisten in die Regierung des Ständestaates aufgenommen. Die illegalen ArbeiterInnenorganisatoren, die zur Verteidigung Österreichs aufforderten, wurden hingegen verfolgt.

Die österreichische Bourgeoisie kapituliert

Die "Revolutionären Sozialisten", KommunistInnen und SozialdemokratInnen waren bereit, das Land gegen die Nazis zu verteidigen. Das austro­faschistische Regime kapitulierte jedoch vor den deutschen Besatzern. Schuschnigg begründete die Kapitulation einerseits mit der militärischen Stärke Hitler-Deutschlands, sprach jedoch auch davon, dass kein "deutsches"(!) Blut fließen dürfe.

Der Sozialist Josef Hindels erklärt den Hintergrund dieses Verhaltens: "Die Ursache für dieses Verhalten Schuschniggs kann nicht allein in seiner Person gefunden werden, sondern in der Klasse, die er repräsentierte: Das reaktionäre Besitzbürgertum Österreichs hatte in der Ersten Republik, die es nie akzeptierte, unaufhörlich den  ‚revolutionären Schutt’ bekämpft, wie die sozialen Errungenschaften der ArbeiterInnenbewegung und das großartige Aufbauwerk des roten Wien in der bürgerlichen Presse genannt wurden. (...) Entweder ein Bündnis mit der Arbeiterklasse im Kampf um die Unabhängigkeit des Landes oder Kapitulation vor dem nazideutschen Aggressor. Einen dritten Weg gab es nicht, konnte es nicht geben. Die entscheidenden Schichten des österreichischen Besitzbürgertums, repräsentiert durch Schuschnigg, entschlossen sich für die Kapitulation. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die wirtschaftliche Unterwanderung Österreichs durch das deutsche Großkapital bereits lange vor dem Einmarsch der Naziwehrmacht begonnen hatte."

Verfolgung und Unterdrückung

Gnadenlos wurde die demokratische Opposition durch das NS-Regime verfolgt. Unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch begann die Verfolgung jüdischer MitbürgerInnen. Massenmorde in den Konzentrationslagern folgten. Die unglaublich dumme antisemitische Ideologie und die grausamen antisemitischen Aktivitäten sollten von der wirtschaftlichen Ausplünderung Österreichs durch Hitler-Deutschland ablenken. Es folgte der Krieg, um für das deutsche Kapital neue wirtschaftliche Einflusszonen zu erobern.

Antifaschismus bedeutet Verteidigung der demokratischen und sozialen Rechte

Die Zerschlagung der ArbeiterInnenorganisationen und die Abschaffung der demokratischen Rechte waren Voraussetzung und Ziel für den Faschismus in Österreich. Die abenteuerliche Politik der reaktionärsten Kräfte des deutschen Kapitals haben Österreich ins Unglück gestürzt. Nur soziale Absicherung kann verhindern, dass rechtsextreme Organisationen Einfluss auf die Massen bekommen.

Ausbau der Demokratie heißt auch Kontrolle des Volkes über die Wirtschaft durch Verstaatlichung der Schlüsselindustrie. Unabhängigkeit Österreichs bedeutet Kontrolle über die wirtschaftlichen Ressourcen des Landes.

 

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Thema: Faschismus

 

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