Rund eine Million Menschen und offizielle Delegationen aus über 60
Staaten versammelten sich am 1. Mai 2005 am Platz der Revolution in
Havanna, der Hauptstadt Kubas. Die Kundgebung zum 1. Mai in Havanna
wurde zu einer Veranstaltung, bei der sich nicht zuletzt die
progressiven und revolutionären Bewegungen Lateinamerikas zu einer
gemeinsamen internationalistischen Demonstration gegen die
Aggressionen und Repressionen des US-Imperialismus, gegen die
Unterstützung des Terrorismus durch die USA, gegen das kontinentale
Unterdrückungsinstrument der "Freihandelszone" ALCA sowie gegen
Besatzung und Krieg versammelten. Bei dieser Kundgebung in Havanna
sprachen u.a. Nicolás Maduro (Präsident der Nationalversammlung
Venezuelas), Comandante Daniel Ortega, Generalsekretär der FSLN
(Nicaragua), Schafik Handal ("Frente Farabundo Martí", El Salvador)
sowie natürlich Comandante en Jefe Fidel Castro, 1. Sekretär der PCC.
- Wir geben untenstehend Fidels Rede zum 1. Mai 2005 wieder.
Vor dem in der
Geschichte der Menschheit mächtigsten Imperium, das in der
Vergangenheit nach Vernichtung unserer Identität als unabhängige
Nation und später nach Vernichtung einer unabwendbaren Revolution
trachtete, stehen wir hier auf diesem glorreichen Platz, nach 46
Jahren heldenhaften Kampfes, an dem die perfidesten Verleumdungen
und brutalsten Verbrechen zerschellten.
Jene Bedrohung
wird noch offener, nachdem in den herrschenden Kreisen des
dekadenten Imperiums das Vormachtstreben und die Arroganz noch
bösartiger zu werden begannen. Kuba begeht die Sünde zu existieren
und - keiner zweifle daran - wird sie auch weiterhin begehen.
Der Schwindel
über den kybernetischen Krieg, mit dessen Vorbereitungen Kuba
angeblich beschäftigt ist, wird von Mal zu Mal lächerlicher,
peinlicher und haltloser; die große Lüge der Herstellung
biologischer Waffen, in die der zornmütige Lügner John Bolton
verwickelt war, dessen zynische Maske sie als perfektes Sinnbild der
gegenwärtigen Regierung der Vereinigten Staaten zu präsentieren
beabsichtigen – und das vielleicht aus gutem Grunde.
Gescheitert ist
ihr wiederholt gestarteter ideologischer Krieg mittels
antikubanischen Hörfunks und Fernsehens an der Spitze einer Unmenge
subversiver Sender, mit denen sie in unsere Radiowellen eindrangen
oder es zumindest versuchten; der Versuch, Kuba von der übrigen Welt
zu isolieren; die Förderung von Faulenzern als Söldner und ihre
Benutzung als trojanisches Pferd; die plumpen Aktionen der
Interessenvertretung unter Anleitung eines speziell dafür
ausgewählten und instruierten Provokateurs, um seinen Ausschluss mit
einem verdienten Tritt in den Hintern zu fördern; die Absichten, uns
mit der Verschärfung der kriminellen Wirtschafts-, Handels- und
Finanzierungsblockade abzuwürgen.
Das ganze
Gegenteil ist der Fall. Das Ansehen Kubas steigt, seine
internationalen Wirtschaftsbeziehungen erweitern sich, und
ungeachtet der zahlreichen Hindernisse, die der hinterlistige und
betrügerische Bewohner des Weißen Hauses in den Weg gelegt hat,
wächst der Handel mit Agrarproduzenten der Vereinigten Staaten.
Gescheitert sind
die Machenschaften, unser Land von der Benutzung des Dollars
auszuschließen. Dieser wurde, unehrenhaft, aus unserem Territorium
vertrieben, wo er während einer sehr schweren Zeit der
Spezialperiode wie ein Louis XIV. der Geldzirkulation geherrscht
hat.
Ihre
Aggressionsprojekte gegen unser Volk sind sämtliche gescheitert.
Hier stehen wir, stärker, vereinter und entschlossener denn je,
dieses außerordentliche Werk der Schaffung einer Gesellschaft
voranzubringen, in der es mehr Gerechtigkeit, mehr Solidarität, mehr
Menschlichkeit und mehr Wohlstand gibt, gleich einem gelobten Land
in sichtbarer Reichweite unserer Hände.
Neben vielen
anderen sehr bösen Strategien gegen unser Vaterland griff die
US-amerikanische Regierung zu dem plumpen Mittel, Kuba in eine
verfälschte und zynische Liste von terroristischen Ländern
aufzunehmen.
In dieser Woche,
die heute zu Ende geht, veröffentlichte das State Department erneut
seine aktualisierte Liste. Pervers und schurkisch wird hier
bekräftigt: "Kuba stellt sich weiterhin aktiv gegen die von den
Vereinigten Staaten angeführte Koalition, die den Krieg gegen den
internationalen Terrorismus geführt hat."
Warum sollte
Kuba einer Gangster- und Genozidregierung folgen?
Nach dem 11.
September 2001 und dem grausamen Akt an den Twin Towers, geplant und
ausgeführt von fanatischen Chefs, die zu der heute im Weißen Haus
herrschenden Dynastie Finanzbeziehungen hatten und die außerdem von
den Sonderdiensten der Vereinigten Staaten ausgebildet und benutzt
worden waren, konzentrierte sich die Politik des Imperiums auf den -
wie sie ihn bezeichnete - internationalen Kreuzzug gegen den
Terrorismus. Dieser war, erfunden gegen Kuba, Vietnam und andere
Länder, zu einer weltweiten Tragödie geworden. Es wurde die
Nazidoktrin des Präventiv- und Überraschungsangriffs gegen
"jeglichen dunklen Flecken der Welt" proklamiert. Ganz grob wurden
Zahlen von 60 und mehr Staaten - darunter natürlich auch Kuba - als
mögliche Zielscheiben genannt. Unser Volk steht also, wie man an der
Liste sehen konnte, unter den möglichen Zielen an erster Stelle.
So darf sich
keiner wundern, dass wir mit tiefster Verachtung für derartige von
Äthyl und Demenz geprägte Drohungen nur die härtesten Bezeichnungen
übrig haben.
Unter diesem
Vorwand begannen die angeblich der Bekämpfung des Terrorismus
dienenden Kriege. Kuba machte noch am gleichen Tag des 11. September
2001 auf das Absurde eines solchen Kriteriums aufmerksam sowie
darauf, dass die Kriege niemals die Lösung des Problems bringen
werden.
In diesen Tage
erstellte Berichte des Zentrums der Vereinigten Staaten gegen den
Terrorismus ergeben, dass im Jahr 2004 das Dreifache an bedeutenden
Terroristenakten verübt wurde (651 gegenüber 175), verglichen mit
dem Jahr 2003, als die US-amerikanische Regierung die
ungerechtfertigte Invasion gegen Irak startete, als Vorwand eine
ganz bewusste Lüge anführend: die Existenz von
Massenvernichtungswaffen. Was man eigentlich suchte, war Erdöl. Das
Ganze war also ein plumper Eroberungskrieg. Die scheinheilige Rede
Bushs, wonach die Welt heute sicherer sei als vor vier Jahren, wird
von den schmerzlichen Evidenzen erdrückt.
Welche
Glaubwürdigkeit verdient wohl die vom State Department angefertigte
schamlose Vogelscheuche, die außerdem den Fehler beging, ganz oben
auf seine Liste jenes Land zu setzen, das er am wenigsten
befürchtet, das jedoch am deutlichsten seine verwerflichen Lügen
entlarven kann?
Dazu noch
verfällt die Regierung jenes Landes in die Dummheit zu behaupten,
die größten Sorgen bereite die Tatsache, dass jene Staaten (zu denen
an erster Stelle Kuba gehört) in der Lage seien,
Massenvernichtungswaffen zu produzieren sowie andere
destabilisierende Technologien besäßen, die in die Hände der
Terroristen fallen können. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, da
über den Autor dieser Ausgeburt, John Bolton, von mehreren der
wichtigsten Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten
Nachforschungen angestellt werden, denn er hatte seinen Zorn an
jenen Beamten ausgelassen, die den Mut aufgebracht und sich seinen
schamlosen und unhaltbaren Lügen entgegengestellt hatten. Bedeutende
Printmedien sowie Mitglieder der Kommission für Außenbeziehungen des
Senats - diese bekümmern die kriegslüsterne und völkermörderische
Extremistenmafia noch mehr - sind befremdet angesichts dieses
empörenden Verhaltens.
Die bösen Ziele
solcher Lügen sind bekannt. Einer Meldung vom Freitag, dem 29. April
gemäß wird dieses hysterische Verhalten noch ergänzt dadurch, dass
der illustre Präsident der Vereinigten Staaten das Schatzamt
beauftragte, vom kubanischen Sperrvermögen einen großzügigen Betrag
bereitzustellen, um einer weiteren Forderung der
kubanisch-amerikanischen Extremisten- und Terroristenmafia von Miami
nachzukommen.
Das echt
Unverständliche und Unerklärliche dieser Haltung der US-Regierung
liegt darin, dass das genannte Dokument des State Department zu
einem Zeitpunkt veröffentlicht wird, an dem die jetzige Regierung
mit einer der peinlichsten und heikelsten Episoden ihrer
terroristischen Abenteuer, ihrer Aggressionen und Lügen gegen Kuba
konfrontiert ist. Sind sie dumm, oder besser gesagt, sind sie so
dumm?
Alle Welt weiß,
dass Luis Posada Carriles, der berüchtigste und grausamste Terrorist
der westlichen Hemisphäre, wie es die bedeutendsten Printmedien
dieser Region unseres Planeten anerkennen, US-amerikanisches
Territorium betreten und bei der Regierung jenes Landes Asyl
beantragt hat; jenes Landes, dessen Soldaten Tag um Tag ihr Leben
lassen und dessen Verluste fast 2000 betragen im Namen eines Krieges
gegen den Terrorismus, ausgelöst ab den Ereignissen des 11.
September 2001.
Unsere Bürger,
die diesen noch nie dagewesenen Skandal aus der Nähe verfolgt haben,
wissen recht wohl, worauf ich mich beziehe. In diesem Moment werden
sich viele fragen, ob die Bush-Regierung dieses Monster gebar, das
ihr so schwer wurde im Leib. Die Antwort ist: Die Geburt hat sich
noch unglaublich verzögert ungeachtet dessen, dass die Angelegenheit
die Gesundheit sowohl der Mutter als auch des Kindes gefährden kann
und dass die Anzahl der Geburtshelfer und derer, die ihre Hände mit
im Spiel haben, von Tag zu Tag wächst.
Da wir in den
vergangenen drei Tagen vollauf mit den Abkommen und Dokumenten
beschäftigt waren, die von der Bolivarianischen Republik Venezuela
und Kuba unterzeichnet wurden, sowie speziell mit den Ereignissen im
Zusammenhang mit dem Besuch des Führers der Bolivarianischen
Revolution, unserem lieben Bruder Hugo Chávez Frías, und den
historischen Fortschritten, die wir in äußerst kurzer Zeit im
Schnelllauf in Richtung Integration der lateinamerikanischen und
Völker der Karibik erreichen, nachdem der Beginn der
Unabhängigkeitskämpfe zweihundert Jahre zurückliegt - Völker, die
bis heute vom Kolonialismus und Imperialismus beherrscht und
ausgeplündert wurden, was sie in eine nun bereits unhaltbare
Situation gebracht hat - also aus diesem Grunde konnten wir uns
nicht mit der transzendentalen Situation befassen, die durch den
besonderen Umstand der Rückkehr des Monsters an die Stätte
entstanden war, an der es gezeugt und trainiert worden war im
Hinblick auf eine lange Reihe von Verbrechen, die es gegen das Volk
Kubas und andere Völker beging.
Heute, während
einerseits von jenem Verbrechen gesprochen wurde, das am 6. Oktober
1976 in Barbados verübt wurde, die Sprengung des Passagierflugzeuges
und der Verlust von 70 Menschenleben; zwischen diesem Zeitpunkt und
dem Tag, an dem der junge Italiener in einem Hotel der Hauptstadt
ermordet wurde, waren 20 Jahre vergangen, das bedeutet 20 Jahre
Morde, durch die Regierung der Vereinigten Staaten verübte
Verbrechen, Söldner benutzend und Terroristen von der Sorte Posada
Carriles benutzend.
Man darf auch
nicht die mehr als 45 Jahre von Aggressionen, Söldnereinfällen,
Piratenangriffen, Sabotageakten und schmutzigem Krieg vergessen, die
inmitten einer grässlichen und erbarmungslosen Blockade, das Leben
von tausend und aber tausend Mitbürgern gekostet haben, den Opfern
dieser Terroranschläge. Wie kann die Regierung der Vereinigten
Staaten, und erst recht die jetzige, Kuba anklagen, das Opfer, und
es auf die erste Stelle der Terroristenliste setzen, wenn sie es auf
die erste Stelle der Länder setzen müssten, die fast ein halbes
Jahrhundert lang Opfer des imperialistischen Terrorismus waren
(Ausrufe).
Da wir fast 72
Stunden keine Notiz von der Geburt hatten, werde ich nun sofort dazu
übergehen, so kurz gefasst wie möglich - unter Berücksichtigung der
Zeit und eurer Anstrengungen in den letzten zwölf Stunden - einen
Vorgeschmack auf die letzten Meldungen zu geben:
Am 29. April
berichtete El Nuevo Herald, angesichts des von Venezuela
eingereichten Auslieferungsgesuches schickten sich die Komplizen des
Terroristen an, das Anwälteteam zu verstärken.
Santiago
Alvarez, bekannter Terrorist und Komplize von Posada Carriles,
erklärte, man sei dabei, die gesetzliche Vertretung mit Anwälten
unterschiedlicher Herkunft zu verstärken.
Der Zeitung
gemäß gehören zu diesen rechtlichen Vertretern des Terroristen
Kendall Coffey, Exstaatsanwalt von Miami – er leitete das
unheilvolle Anwälteteam, das versuchte, den Jungen Elián González
entführt zu halten – und Joaquín Chafardet, auch ein in Venezuela
gut bekannter Anwalt der Mafia, der Posada in Caracas während des
Prozesses wegen Sprengung des Flugzeuges der Cubana vertrat; er hat
eine enge Bindung zu Ricardo Koesling, Vertreter der
Kubanisch-Amerikanischen Nationalstiftung in Venezuela und einer der
Hintermänner der Belagerung der kubanischen Botschaft während des
flüchtigen Staatsstreiches am 11. April 2002.
Die Zeitung
zitiert Versionen, in denen von möglichen, recht baldigen
Erklärungen des "berühmten" Posada Carriles‘ vor der Presse die Rede
ist.
Santiago Alvarez
Fernández Magriña, der bereits erwähnte, der Luis Posada Carriles
zwischen dem 16. und 18. März, vor 44 Tagen also, von Isla Mujeres
nach Miami brachte, sagte mit absoluter Unverschämtheit, Posada
Carriles gehe es gut, er male, höre Nachrichten und lese; wörtlich
gab er gleichzeitig bekannt, es sei sehr wahrscheinlich, dass er in
den nächsten Tagen zur Einreisebehörde bestellt werde. Und wenn er
da ist, werde man ihn sehen und mit ihm reden müssen."
"Man sei bei der
Vorbereitung eines begrenzten Interviews für die nächsten Tage, wenn
es den Anwälten zweckmäßig erscheine, um zu gewissen Punkten
Stellung zu nehmen, die eine Antwort verlangen." Tatsächlich gibt es
eine Million von Punkten, die eine Antwort nötig haben. Wissen Sie
das genau, Herr George W. Bush?
Quellen in der
US-amerikanischen Hauptstadt haben versichert, so Herald, - der, wie
Sie wissen, viele Verbindungen mit der Mafia hat, speziell beziehe
ich mich auf den so genannten El Nuevo Herald - das Asylersuchen
Posadas habe in den hohen US-amerikanischen Ebenen den Effekt einer
"kalten Dusche" ausgelöst. „Es hat starke politische Reibungen
hervorgerufen", so ein hoher Funktionär, der anonym bleiben möchte.
"Es ist der schlechteste Zeitpunkt, den es dafür geben konnte."
Hören Sie den Satz dieses Beamten: "Es ist der schlimmste Moment, in
dem das passieren konnte".
Erhaltenen
Meldungen zufolge weiß die Bush-Regierung nicht, wie sie mit diesem
verwickelten und peinlichen Problem fertig werden kann. Sie halten
eine Zeitbombe in der Hand. Nach dem Spielen mit dem Terrorismus,
seiner Erzeugung, Unterstützung und Entwicklung, hat es nichts
verwunderliches an sich, dass ihnen eine Zeitbombe in die Hände
gefallen ist.
Gleichermaßen
wird berichtet, dass sogar die angeschlagene Kubanisch-Amerikanische
Nationalstiftung, Hauptbeschützerin und -finanziererin von Posada
Carriles, in enger Koordinierung mit der Regierung der Vereinigten
Staaten, besorgt ist, diese Angelegenheit könne ihr bereits
verschwendetes politisches Image noch mehr beschmutzen; und
gleichzeitig befürchten sie, der Terrorist stelle ihnen noch höhere
Anforderungen, da ihm viele Dinge bekannt sind.
In New Yorker
Pressekreisen heißt es, die Regierung der Vereinigten Staaten sei
bei intensiven Verhandlungen mit mehreren mittelamerikanischen
Staaten, um den Terroristen heimlich in ein Land der Region
abzuschieben.
Ebenso wird
berichtet, die Regierung von El Salvador habe die Vereinigten
Staaten über diverse Wege wissen lassen, sie wolle Posada Carriles
in ihrem Lande nicht - alle Welt dem Toten den Leib entnehmend, wie
Ratten, die das sinkende Schiff verlassen -, und es war auch wenig
wahrscheinlich, dass sie den Terroristen akzeptieren würden.
Das endgültige
Bestimmungsland wird von dem Druck seitens des State Department
abhängen. Wir werden erfahren, was für Ergebnisse die vornehme Dame
erreicht hat, die die Stellung der Außenministerin einnimmt und
heute diese Hemisphäre durchreist, um Themen der Demokratie und
Unregierbarkeit oder Regierbarkeit in dieser Hemisphäre zu
debattieren. Sie haben noch nicht einmal mitgekriegt, was passiert,
sie merken nicht einmal, dass in einer Woche, in einer einzigen
Woche, drei Regierungen in ernste Krisen gekommen sind.
Die Journalisten
kommentieren, das Anprangern der Angelegenheit des Posada Carriles
seitens Kuba habe die Behörden der Vereinigten Staaten überrascht,
die sich über den heiklen Charakter des Themas im Klaren sind und
jegliche Absicht, Posada in ihrem Staatsgebiet zu akzeptieren,
geändert haben.
Hier hat einer
der hervorragenden Redner, die mir vorangingen, - es war Schafick -
von der "heißen Kartoffel" gesprochen. Die Kubaner wissen gut, was
eine heiße Kartoffel ist, vielleicht gerade einem noch auf dem Feuer
stehenden Schnellkochtopf entnommen: sie verbrennt die Hände,
verbrennt die Lippen, verbrennt die Zunge, verbrennt alles, und so
ergeht es ihnen, mit einer speziellen Kartoffel, die nicht erkalten
will und die wir außerdem nicht erkalten lassen (Beifall).
Demgegenüber
heißt es in politischen Kreisen von El Salvador, für einige
Führungskräfte der Regierungspartei ARENA könne ein Verwehren von
Hilfe für Posada zu einem Problem werden.
In diesem
Zusammenhang wäre der Exminister des Inneren und Kaffeeunternehmer
Mario Acosta Oertel, sehr eng befreundet mit Posada und denen in
Miami, die zutreffende Person, das Thema des Terroristen in El
Salvador zu bewegen, denn für ihn wäre es freilich ein Problem, ihm
die Unterstützung zu versagen.
Die Ehefrau von
Acosta ist die Kusine des in Kuba inhaftierten Terroristen Otto René
Rodríguez Llerena.
Journalisten
einer bedeutenden Fernsehkette der USA zufolge sind deren Kollegen
in Miami überzeugt, dass Posada Carriles in einem Haus in Florida
verborgen gehalten wird.
Die in Miami
tätigen Reporter jener Kette meinen, der FBI wisse, wo sich Posada
aufhalte und wer ihn begleite. Sie schließen nicht aus, dass unter
den von ihnen benutzten Varianten zum Erzwingen seiner Ausreise aus
dem Land auch darauf zurückgegriffen wird, jenen anzuzeigen, der ihm
Unterschlupf bietet, und die, die ihn einreisen lassen haben, und
die, die ihm die Einreiseerlaubnis gegeben haben, und die, die
wissen, wie er eingereist ist, wo er ist, und nichts sagen.
Diese
Journalisten bekundeten ihr Unverständnis darüber, dass der FBI
Posada nicht verhaftet hat, denn der Terrorist gilt als Flüchtiger
der venezolanischen Justiz, und zwar einer Regierung vor der des
Präsidenten Chávez. Sie sagen jedoch, auch nach Venezuela könne er
nicht ausgeliefert werden, denn die US-Regierung sei überzeugt, das
käme einer Auslieferung an Kuba gleich.
Sehen Sie, was
für eine Spitzfindigkeit. Gerade Kuba hat, vom ersten Moment an, auf
sein Recht, ihn zu abzuurteilen, verzichtet, auf sein legitimstes
Recht, denn es waren in höchster Zahl seine Söhne, die Opfer der
Verbrechen dieses Ungeheuers waren, das in den Vereinigten Staaten
hervorgebracht und trainiert und jahrzehntelang benutzt wurde. Wie
sonst könnte man dies alles erklären, oder wie könnte man die
schamlose Erpressung erklären, mit der sie die Regierung der
mächtigsten Supermacht, die es je gegeben hat, unter Druck setzen?
Nach Meinung der
Reporter wird der FBI die Szenarien sorgfältig abwägen, denen sie
sich aussetzen; und sie glauben, dass die Regierung Bush noch nicht
entschieden hat, wie sie den Fall angehen wird - sie sind wirklich
taub, gelähmt, verwirrt -, doch sie nehmen an, dass, wenn Posada an
die Öffentlichkeit tritt, der FBI einen Plan fertig haben wird.
Fernsehjournalisten in Miami kommentieren, die Hauptketten des
US-Fernsehens seien Posada auf der Spur und einige nahe am Aufdecken
seines Aufenthaltsortes. Es gibt Versionen, nach denen er sich in
einer sehr kostspieligen Residenz - geschätzt wird sie auf drei
Millionen Dollar - außerhalb der Stadt Miami verborgen hält. Dort
wird es sein, wo er liest, Nachrichten hört und malt, wie ein neuer
Picasso, dort in den Löchern des Imperiums, dessen Politik und
dessen kulturelles Ideal, zumindest das dieser Regierung, es ist,
Maler zu haben, deren Hände blutbefleckt sind und deren Gehirn jener
grausame Ausspruch entspringt: "Wir haben die Bombe gelegt. Na,
und?" Oder jener, bezüglich des jungen Italieners, Fabio di Celmo,
jener berühmte Satz: "Er befand sich zum falschen Moment am falschen
Ort." Jetzt scheint es, dass sowohl er, als auch die Regierung der
Vereinigten Staaten oder der Präsident der gegenwärtigen
Administration sich zum falschen Moment am falschen Ort befinden
(Beifall).
Und sehen Sie,
was die 180 000 Mann nicht erreichen konnten, die in der Abteilung
Sicherheit arbeiten, weder die 22 Einrichtungen, die im Kampf gegen
den Terrorismus und zum Schutz der internen Sicherheit der
Vereinigten Staaten kooperieren und mitarbeiten, noch die 15
Aufklärungsagenturen, die über hunderte Milliarden Dollar Etat
verfügen; das, was sie nicht machen konnten, was sie nicht finden
konnten, das werden schließlich die nordamerikanischen Presseorgane
tun und herausfinden.
Auch wird
gesagt, der FBI halte den vermeintlichen Aufenthaltsort Posadas
nicht unter Bewachung und Eduardo Soto, Anwalt des Terroristen, habe
es vorgezogen, seine Erklärungen und öffentlichen Interviews dem
hispanischen Fernsehen zu geben, dabei außer Acht lassend, dass
Posada im Augenblick zur bevorzugten Zielscheibe der meisten
Fernsehkanäle des Landes geworden ist, die nun beginnen zu
recherchieren, um ihn zu finden und zu filmen; und sollte ihn der
FBI nicht ausfindig machen, dann werde es das Fernsehen tun.
In einem
jüngsten Schreiben bestätigt der republikanische Senator Norm
Coleman, das US-Department für Sicherheit des Vaterlandes habe ein
Asylgesuch auf den Namen Posada Carriles erhalten.
Erinnern Sie
sich, dass vor einigen Tagen die Universität der
Informatikwissenschaften (UCI) Nachforschungen über das Formular
angestellt hatte, in dem auf die Pflicht des Anwalts oder dessen,
der ein Dokument der Asylbewerbung präsentiert, verwiesen wird, und
dass das Gesetz mehrjährige Haftstrafen für diejenigen vorsieht, die
diese Forderungen verletzen. Was wird das Gesetz über diejenigen
sagen, die hohe, sogar höchste Ämter einnehmen und Komplizen dieser
Verheimlichung sind, die Komplizen dieses Terroristen sind, soweit,
dass sie ihm die Einreise erlauben oder genehmigen, oder vielleicht
noch schlimmer, ihn ohne vorherige Genehmigung hereinbringen? Und da
haben wir eine gelähmte Regierung, in anderthalb Monaten unfähig,
den Terroristen und alle seine zweitrangigen Komplizen, die den
Befehlen der übergeordneten Behörden nicht befolgt hatten,
festzunehmen.
Dieser Brief des
Senators bedeutet, dass es nun endlich eine Meldung über ein
sorgfältig gehütetes Dokument gibt, nach dem wir mit viel Interesse
in den letzten Tagen recherchiert haben.
Wie heißt es in
diesem Schreiben wörtlich?
"Sehr
geehrter Herr Huhes,
Ich danke Ihnen,
dass Sie sich die Zeit nahmen und sich an mich in der Angelegenheit
Luis Posada Carriles wandten.
Wie Sie wissen,
wurde Herr Carriles vonder panamaischen Präsidentin Mireya Moscoso
am 26. August 2004 begnadigt. Der Anwalt von Herrn Carriles hat
vorgebracht, dieser sei vor einigen Wochen über Mexiko in die
Vereinigten Staaten eingereist.
Ich habe Ihre
Besorgnis im Hinblick auf das Department Sicherheit des Vaterlandes
(DHS) geteilt.
DHS bestätigte
mir, der Anwalt von Herrn Carriles habe ein Asylgesuch für seinen
Mandanten vorgelegt. Jedoch ist Carriles aufgrund seiner vergangenen
terroristischen Akte, die er selbst zugibt, geplant und ausgeführt
zu haben, nicht asylberechtigt.
DHS kann nicht
bestätigen, dass Posada Carriles in das Land eingereist ist, hat
jedoch die wesentlichen mit der Durchsetzung der Gesetze
beauftragten Agenturen auf seine mögliche Anwesenheit aufmerksam
gemacht." Wenn sie es wissen will, braucht diese Einrichtung nur
diesen Herrn Santiago Alvarez zu suchen, der ihn in dem Boot von
Isla Mujeres nach Miami gebracht hat. Das werden sie nie dementieren
können, das müssen sie hinnehmen, was ihnen ein Alptraum erscheinen
könnte, aber es ist kein Alptraum, es ist eine unwiderlegbare und
unzerstörbare Wahrheit. In fünf Minuten hätten sie erforschen
können, wo die Kreatur war, die die Behörden in diesem Land, die
Sonderdienste und die Regierung erzeugt hatten.
Der Senator sagt
weiter: "Wird er ausfindig gemacht, kann er wegen seiner vergangenen
terroristischen Aktivitäten einer sofortigen Ausweisung aus den
Vereinigten Staaten ausgesetzt werden.
Ich danke Ihnen
nochmals für Ihre Zeit zwecks Kontaktaufnahme. Ich schätze Ihren
Rat, und sollte ich in der Zukunft Ihnen irgendwie nützlich sein
können, dann zögern Sie bitte nicht, mich dies wissen zu lassen.
Mit aufrichtigen
Grüßen
Norm Coleman
Senat der
Vereinigten Staaten"
Wie abzusehen
ist, erwarten uns in den nächsten Tagen Meldungen von großem
Interesse. Die Regierung der Vereinigten Staaten , erpresst von den
eigenen Raben, die sie gezüchtet haben, haben nicht den Mut
aufgebracht, das zu tun, was ihnen zu tun bleibt: sofort Posada
Carriles zu verhaften, die nationalen und internationalen Gesetze zu
erfüllen und ihn dem venezolanischen Gericht auszuliefern. Ich sagte
schon, dass Kuba darauf verzichtete, gerade deshalb, damit es keinen
Vorwand gäbe.
Dort in
Venezuela gibt es eine bolivarianische Regierung, die ein riesiges
Prestige in der Welt genießt, das Land füllt sich mit Journalisten,
sooft es will. Wird es einen besseren Ort geben, ihn abzuurteilen,
nachdem Kuba verzichtet hat? Welchen Vorwand können sie jetzt
finden, um ihn nicht dorthin auszuliefern?
Wir haben sogar
unterbreitet, dass Venezuela das größte Recht hat; dass wir aber
sogar ein internationales, völlig unparteiisches, Tribunal, an einem
Ort, den die Parteien vereinbaren, akzeptieren würden damit dieser
Mörder verurteilt wird. Und es ist nicht so, dass es sich um eine
wirklich wichtige Persönlichkeit handeln würde, das Wichtige an der
Figur ist, dass es der Welt die gewaltige Heuchelei, die Lügen, die
Unmoral und den Zynismus enthüllt, mit dem das Imperium die Welt
unterjocht hält. Das Wichtige ist dies, nicht zu vergessen. Die Welt
fordert, dass die Ungerechtigkeit verurteilt wird, die Welt fordert,
dass die Heuchelei verurteilt wird, die Welt fordert, dass die
imperialen Methoden zum Betrügen und Beherrschen oder zur immer
unhaltbaren Machtausübung über die Welt verurteilt wird.
Ich versprach,
mich nicht allzu sehr auszudehnen, es fehlt nur noch, denen zu
danken, die hier gesprochen haben (Beifall).
Wir
befürchteten, dass sich die Veranstaltung verlängern würde. Wir
wissen, dass Sommer ist, dass die Sonne stark scheint, dass Sie früh
mit der Mobilmachung begannen, die, aus der Nachbarprovinz La
Habana, um 22 Uhr, und dass Sie um 2 Uhr schon unterwegs waren, um
mehr als eine Million dreihunderttausend Mitbürger zu versammeln,
die man von hier nicht sehen kann, denn jeder Freiraum und alle an
diesen Platz angrenzenden Alleen sind mit Mitbürgern gefüllt.
Sie haben die
unendlichsten Anerkennung für Ihre revolutionären und patriotischen
Geist verdient, für Ihre Unterstützung für eine so gerechte Sache,
für diesen Beweis der Würde und des revolutionären Geistes; die
Stille und die ungeteilte Aufmerksamkeit, mit der Sie die mutigen,
berührenden und aussagekräftigen Worte all jener gelauscht haben,
die am heutigen Tag diese Tribüne betreten haben, um unsere
Information zu erweitern und unsere Kenntnisse über die Gräueltaten,
die vom Yankee-Imperialismus gegen die Völker Lateinamerikas verübt
werden, und deren Worte unser Vertrauen und unsere Überzeugung
gestärkt haben, dass unsere Völker frei sein werden und sich eng
vereinen werden, um die gleiche Sache zu verteidigen, die wir hier
verteidigen, in der gleichen Sprache, in der sie und andere hier
sprachen, einschließlich der der englischen Sprache; denn
letztendlich, und es wird nicht schwierig sein, und wir denken auch
an jenes Volk, das zu einer Zeit seinen Kampf gegen den
Kolonialismus begann, und an das, viele dessen Söhne gegen den
Faschismus kämpfend starben, sie werden sich mit ihren
lateinamerikanischen Brüdern im Kampf um Gerechtigkeit vereinen, im
Kampf um die Wahrheit, im Kampf um das Überleben unserer Gattung,
das heute auf dem Spiel steht.
Wir werden diese
Veranstaltung nie vergessen, wir werden nie die solidarischen Worte
unserer Brüder aus Süd-, Mittel- und Nordamerikas vergessen. Die
Sprache wird keine Hürde sein, denn alle, die wir Spanisch oder
Portugiesisch sprechen, werden Englisch lernen, und eines Tages
werden die, die Englisch sprechen, die Sprachen der Lateinamerikaner
lernen, Spanisch und Portugiesisch (Beifall).
Wie ich neulich
sagte und wie es auch die Hauptlosung der Mobilmachung zum
diesjährigen Ersten Mai geworden ist: „... Auf dieser Erde, bei
dieser Menschheit gibt es eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit." Das
haben Sie hier heute bewiesen (Beifall und Ausrufe: "Fidel, Fidel!")
Und beim
Betrachten dieser gigantischen und bewegten Menschenmenge habe ich,
so als sei es heute, jenen unvergesslichen 15. Oktober 1976 vor
Augen, den Augenblick, an dem wir die Opfer des monströsen
Sabotageaktes an dem kubanischen Flugzeug auf Barbados
verabschiedeten und der mich zu dem Ausruf veranlasste: "Wenn ein
energisches und mannhaftes Volk weint, erzittert die
Ungerechtigkeit!"
Wir werden schon
sehen!
Es lebe der 30.
Jahrestag - den wir auch heute begehen - des ruhmreichen und
beispielhaften Sieges des heldenhaften Volkes von Vietnam, den der
Imperialismus niemals vergessen darf!
Vaterland oder
Tod!
Wir werden
siegen!