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Selma Schacht:
Für einen kämpferischen 1.
Mai
Rede auf der Mai-Kundgebung
2005 in Wien
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Wir erleben seit Jahren einen Frontalangriffe
auf die Rechte und Interessen der
ArbeitnehmerInnen. Ihre Verteidigung ist für den
ÖGB eine Aufgabe, der dieser "nach
jahrzehntelanger sozialpartnerschaftlicher
Ruhigstellung" nicht gerecht wurde.
Soviel gestreikt und demonstriert wie seit 2003
hat die hiesige Gewerkschaftsbewegung schon seit
Jahrzehnten nicht. ABER:
Wo vorher de facto nichts war, ist es leicht,
ein Bisschen als Erfolg zu sehen. Schließlich
muss der Erfolg einer Protestbewegung auch daran
gemessen werden, ob die darin gestellten
Forderungen durchgesetzt und alle Möglichkeiten
des Protest ausgeschöpft wurden. Und da sieht
die Bilanz für die österreichischen
Gewerkschaften denkbar schlecht aus.
Es gibt jedoch überall Kolleginnen und Kollegen,
die von diesen Gewerkschaftsführungen enttäuscht
sind und die aus ihren eigenen Interessen heraus
klassenkämpferische Positionen vertreten und für
diese Interessen auch kämpfen wollen.
Als MarxistInnen formulieren wir aus unserem
Weltbild die Forderungen und politischen
Eckpunkte in unserem Handeln als
GewerkschafterInnen. Dies drückt sich u.a. durch
eine klare Grundsatzhaltung gegen das
kapitalistische System aus - nicht nur gegen
derzeitige Auswirkungen, die modern mit
"Neoliberalismus" und Globalisierung umschrieben
werden, die aber tatsächlich schlicht und
einfach mit dem systemimmanenten Widerspruch
zwischen privater Aneignung und
gesellschaftlicher Arbeit und dessen
klassenmäßige Ausdrucksform als Widerspruch
zwischen Arbeit und Kapital zusammenhängen.
Wir können derzeit mit der realen Schwäche der
Linken nicht die grundsätzliche Richtung der
Gewerkschaften bestimmen.
Wir können jedoch mit den vielen noch nicht
politisch organisierten Kolleginnen und Kollegen
in den Betrieben mit unserer realen Kampfkraft
und mit klaren Grundsatzpositionen kämpferische
Impulse geben.
Dazu braucht es jedoch in allen Gremien, in
allen Positionen, in allen Betrieben, wo wir
aktiv sind, ein unmissverständliches Nein zu
reformistischen, sozialpartnerschaftlich
verklärten Inhalten und Vorhaben.
Denn in dieser sozialpartnerschaftlichen
Ausrichtung und Orientierung liegt die Schwäche
des ÖGB. Die Stärke der Gewerkschaften liegt
nicht im Verhandlungsgeschick von einigen hohen
FunktionärInnen, sondern in seiner Größe und in
der Möglichkeit Arbeitskämpfe zu organisieren
und durchzuführen. Wenn diese Möglichkeit von
vornherein als unmöglich abgestempelt wird,
lassen sich die Gewerkschaften in vorauseilendem
Gehorsam ihre einzige Machtbasis aus der Hand
nehmen.
Wir müssen den ÖGB in eine autonome und
kämpferische Massenorganisation wandeln, die
keine politische Rücksicht auf die
Sozialdemokratie nimmt, sondern die einizg und
allein den Interessen der lohnabhängigen
Menschen verpflichtet ist.
Nur durch Druck von unten kann, in einer
kapitalistischen Gesellschaft ohne
Systemkonkurrenz, Fortschritt für die Massen an
Ausgebeuteten und Unterdrückten - in nationalem
und internationalem Rahmen - erkämpft werden!
Für einen kämpferischen 1. Mai!
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