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In
erhöhter Alarmbereitschaft steht das revolutionäre Proletariat der
Welt.
In den
Schützengräben des Klassenkampfes, in denen es so lange stille geduckt
gewartet hatte - ängstlich, ob ein feindlicher Überfall gelänge,
misstrauisch, ob die eigene Kraft zum Vorstoß genüge - flutet neues
Leben. Vorwärts geht es!
Allen voran die kommunistische Jugend!
Wie
die Signalhörner in den Maientag locken, wie die roten Fahnen
schwellen, als wollte die Kraft geblähter Segel das Schiff zu noch
schnellerer Fahrt anspornen!
Die
klassenbewusste Arbeiterschaft der Welt marschiert. Hört ihr den
Schritt der Millionen!?
Der
1. Mai ist stolzer Kampftag.
Jahrzehntelanges Dahindämmern ohne rechten Ausblick auf entscheidende
revolutionäre Situationen, bei einem wachsenden Teil großer und auch
kleiner Führer der Arbeiterklasse, ohne rechten Willen zum
völkerbefreienden Massenkampf hatten die Maifeier zum
spießbürgerlichen Volksfest herabgewürdigt. Mit schönen Reden bei
reichlichem Biergenuss und nachfolgendem Tanzvergnügen wurde des
Frühlings Sieg über den kalten Winter mehr oder weniger poetisch
gedacht. Und wenn dann gar der Gesangverein anstimmte: "O wag es doch
nur einen Tag, nur einen, frei zu sein", dann empfanden die feiernden
Kapitalsklaven, dass sie doch einen Tag frei gewesen waren - und
gingen um so williger wieder zur Arbeit.
Was in
begeisterter Aufwallung der I. Kongress der II. Internationale in
Paris 1889 als trotziges Fanal der ganzen bürgerlichen Welt
entgegengestellt hatte: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch zur
revolutionären Feier des 1. Mai!" war in der sozialdemokratischen
Praxis verschüttet wie der Koloss der ägyptischen Sphinx unter den
rieselnden Sandbergen der Wüste.
Erst
als es dem revolutionären Massensturm der russischen Bolschewisten
gelungen war, durch die erste siegreiche proletarische Revolution der
Welt der Arbeiterschaft aller Herren Länder wieder Selbstvertrauen und
Zukunftsglauben einzuflößen, da wurde mit den wissenschaftlichen
Grundmauern des Marxismus auch der Kerngedanke der revolutionären
Maifeier wieder ausgegraben.
Der
1. Mai der III. Internationale!
Nicht
mehr auf die lange Bank der Jahrhunderte verschiebt dieser 1. Mai das
Endziel der revolutionären Arbeiterbewegung. Nicht mehr auf die
Schultern von Enkel und Urenkel legt er, was die gegenwärtige
Generation sich nicht zu schaffen getraut. Er sieht auch nicht mehr
den Weg zum Endziel als einen idyllischen Frühlingspfad vor sich, mit
Blumen und Sonnenschein, auf dem man so ganz allmählich und
unversehens aus den raueren Gefilden des Kapitalismus in das gelobte
Land des Sozialismus hineinspaziert. Weg mit sozialdemokratischen
Maiillusionen!
Von
uns fordert der 1. Mai: nicht im Ausblick auf dunstige Fernen die
Hände träumerisch in den Schoß zu legen, aber ebenso nicht mit
zugekniffenen Augen müde am Wege liegen zu bleiben. Vorwärts! Überall,
wo du stehst und gehst, winkt das revolutionäre Kampffeld.
Was du
aber heute versäumst, ist aller Zukunft verloren gegangen! Denn auch
das ist eine ernste Lehre der kommunistischen Maifeier. Nicht ist der
Sieg des Kommunismus von vornherein notariell verbrieft und verbürgt.
Nicht kommt das Endziel automatisch ohne unser Zutun, wie der Komet
auf astronomisch zu bestimmender Bahn zu vorherberechneter Stunde.
"Die Menschen machen ihre Geschichte selbst!" Gewiss machen sie sie
nicht als Schöpfer und Wundertäter aus dem Nichts heraus. Aber es
vollzieht sich auch kein historisches Geschehnis von selbst. Der
Utopismus eines sich allmächtig dünkenden Übermenschen ist ebenso
falsch, wie der Fatalismus des sich für ohnmächtig haltenden
Menschleins. Wo ein Wille, da ein Weg - und auch Erfüllung. Denn wenn
schon Willensziele vor den Augen der Masse aufblitzen, so ist damit
auch der Beweis gegeben, dass ihre Erreichung in der Armweite der
Möglichkeit liegt. Wären nicht die entsprechenden wirtschaftlichen und
sozialen Probleme herangereift, könnten im Menschenhirn nicht Gedanken
ihrer Lösung gewälzt werden.
"Die
Menschheit stellt sich immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn
genauer betrachtet wird sich stets finden, dass die Aufgabe selbst nur
entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon
vorhanden oder wenigstens im Prozess ihres Werdens begriffen sind."
(Marx 1859.)
Der
Kommunismus ist aber nicht nur eine "Möglichkeit", das war er schon
seit langem. Er ist heute dringendste Notwendigkeit und dadurch erhält
der l. Mai 1923 seine besondere Note. Es ist die verzweifelte
Offensive des Kapitals gegen das Proletariat, das den Kommunismus zur
Frage des Tages macht. Vorbei sind die Zeiten, wo ein aufsteigender,
aus dem Vollen wirtschaftender Kapitalismus versuchen konnte,
ungebärdige Arbeiterschichten durch klug gespendete Trinkgelder von
revolutionärer Einstellung abzubringen und sie mit der bürgerlichen
Gesellschaft zu versöhnen. Wer kann heute noch ernsthaft glauben, dass
das Elend im Kapitalismus reformierbar sei, dass man aus einem wilden
Kapitalismus einen gezähmten zivilisierten Kapitalismus machen könne?!
Wer hofft noch, Feigen von den Disteln zu ernten?
Die
Entwicklung verläuft freilich nicht gradlinig und eindeutig. In
ungeheuren Wellenlinien - jeweils von der Krise bis zur Hochkonjunktur
- stieg der Kapitalismus an bis zum Siege des Imperialismus in allen
kapitalistischen Ländern und damit bis zum Weltkrieg. Und wiederum in
Wellenlinien - von akut zugespitzten Krisen über Teil- und
Scheinkonjunkturen bis zur Fortsetzung der Krise - sinkt jetzt der
Kapitalismus zurück, vollzieht sich der ökonomische Zusammenbruch der
bürgerlichen Gesellschaft. Aber der Kapitalismus dankt nie freiwillig
ab. Er neigt nicht zum Selbstmord aus auswegloser Verzweiflung, wie er
jetzt das Dulderleben so manches zermürbten, politisch indifferenten
Proletariers beschließt. Im Gegenteil: ihm ist der Hieb die beste
Parade. Und so tritt uns die Offensive des Kapitals überall und in den
verschiedensten Formen entgegen: im rücksichtslos erzwungenen
Lohnabbau, in der Abwälzung aller Staats- und Steuerlasten auf die
Schultern des Proletariers, in der kapitalistischen Unterminierung von
Sowjetrussland, des einzigen Hortes kommunistischer Freiheit in der
Welt, und vor allem in dem Schreckensaufgebot des Faschismus. Die
Kapitalistenklasse, der die Diktatur des Proletariats in
Sowjetrussland leibhaftig gegenüber trat, hat rasch begriffen, dass
ein Hüben und Drüben nur gilt, dass sie mit eiserner Ferse das
Proletariat politisch und geistig niedertreten muss, damit es
wirtschaftlich in noch ungeheuerlichere Verkürzung der Lebenshaltung
und des Lebens sich füge. Millionen und aber Millionen stiftet der
Weltkapitalismus für diese Zwecke. Gigantisch entwirft er seine
Feldzugspläne, geschlossen stehen seine Reihen! Und das Proletariat?
Kein Land - Sowjetrussland ausgenommen -, wo es schon einmütig zur
Abwehr entschlossen! Kein Land - außer Sowjetrussland -, wo es nicht
im leidigen Bruderkrieg sich selbst zerfleischt! Das gleiche
furchtbare soziale Schicksal steht vor jedem einzelnen Proletarier,
aber wo ist die Einheitsfront, die mit gewaltigem Ruck den Felsblock
von des Grabes Türe wälzt?
Der 1.
Mai will dein Gelöbnis, junger Proletarier: allen voran dich in den
Befreiungskampf zu stürzen, rastlos und entschlossen mit dem
Kapitalismus zu ringen um jede Minute, jeden Schweißtropfen, der der
marxistischen Selbstbildung und der revolutionären Propaganda gehört.
Dir
rufen die in Elend und Verzweiflung zugrunde gegangenen
Proletariergenerationen zu: Räche uns! Es blicken auf dich die im
Freiheitskampfe gefallenen Helden des Kommunismus: Folge uns! Auf dich
hoffen die Millionen der lebenden revolutionären Kämpfer Russlands,
die im gewaltigen Ringen gegen das Weltkapital und die
kapitalistischen Instinkte der Vergangenheit heroisch durchgehalten
haben: Helft uns, indem ihr euch selbst helft! Die kommunistische
Jugend kennt ihre Pflicht. Allen voran am 1. Mai!
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