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In engster Kampfgemeinschaft mit dem Proletariat der
Welt wird heute die klassenbewusste Arbeiterschaft Österreichs gegen
kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung demonstrieren. Angesichts
der unvermeidlichen bevorstehenden Kämpfe ist unsere Hauptaufgabe am
Tag des 1. Mai, die Vergangenheit zu prüfen, aus ihr die Lehren zu
ziehen.
Das österreichische Proletariat hat
eine Periode kapitalistischer „Sanierung“ hinter sich, aus welcher es
reichlich Erfahrung schöpfen kann. Teuerung, Lohnraub,
Arbeitslosigkeit, Preisgabe von bisher Errungenem, totale
Unternehmerwillkür, dies sind für jeden Arbeiter und jede Arbeiterin
im täglichen Leben die sichtbar zutage tretenden Ergebnisse dieser
Periode. Die fortschreitende Kolonialisierung Österreichs und die
Unterjochung unter die Fremdherrschaft des internationalen Kapitals
fordern täglich neue Opfer, laden den Fluch tausender proletarischer
Existenzen auf sich, die im Kampf um das tägliche Brot erliegen.
Das Genfer Sanierungswerk, von
vielen als Erlösung begrüßt, drückt immer schwerer auf die arbeitenden
Massen und wird immer unerträglicher für sie. Trotz scheinbarer
Stabilisierung der Krone ist durch die Tatsache eines direkt und
indirekt vollzogenen Lohnabbaus die Kaufkraft der breiten Schichten
des arbeitenden Volkes gesunken. Die unmittelbaren Folgen davon sind:
Stockung des Wirtschaftslebens, Verschärfung der Industriekrise,
weiteres Steigen der Arbeitslosigkeit, fortschreitende Verelendung des
Proletariats und der kleinbürgerlichen Schichten. Saniert wurde nicht
der Staat, nicht die |4| Volkswirtschaft, sondern die
Bourgeoisie, die die Möglichkeit hat, alle Kosten der Sanierung auf
die Schultern der Arbeiterklasse abzuwälzen.
Je näher das Genfer Werk seinem
Ziele, der vollständigen Kolonialisierung Österreichs, entgegengeht,
desto stärker muss naturnotwendigerweise der Druck auf die Massen zum
Ausdruck kommen. Der Lohndruck und die Aussperrungen der letzten Zeit
und insbesondere die in den letzten Monaten erfolgten konzentrierten
Vorstöße der Unternehmer im Bergbau verfolgen die offenkundige Tendenz
einer allgemeinen Offensive auf die Kollektivverträge und bedeuten in
der Weiterverfolgung dieser Linie die Einleitung eines allgemeinen
Angriffs der Unternehmer zur Beseitigung des Achtstundentages.
Die kapitalistische Offensive auf
wirtschaftlichem Gebiet findet ihre Ergänzung in der fortschreitenden
Reaktion auf politischem Gebiet. Die von der Regierung getroffenen
Maßnahmen zur Entpolitisierung der Wehrmacht, die den Zweck verfolgen,
die Proletarier im Waffenrock ihrer Klasse zu entfremden, die fast
täglichen Erscheinungen der bürgerlichen Klassenjustiz, das Anwachsen
der bürgerlichen Reaktion, das besonders in den Alpenländern sichtlich
zum Ausdruck kommt, sind die natürlichen Folgen der durch das Genfer
Abkommen für Österreich vorgezeichneten Politik. Es soll nicht nur das
österreichische Proletariat wirtschaftliche auf das Niveau des Kulis
herabgedrückt, sondern es soll vor allem politisch entrechtet und als
willenloses Werkzeug im Dienste der internationalen Reaktion
missbraucht werden. Klar und deutlich liegt heute für die
österreichische Arbeiterklasse die Entscheidung zutage:
Entweder vollständige Versklavung
und Unterjochung im Dienste des internationalen Kapitals oder
revolutionärer Klassenkampf zur Sprengung der ihm durch das Genfer
Abkommen auferlegten Sklavenketten.
Die Sozialdemokratie hat im Laufe
eines Jahres bewiesen, dass sie keinen ernstlichen Kampf gegen das
Zustandekommen des Genfer Vertrages geführt hatte und durch ihre
vollständige Passivität auch alle Maßnahmen zu dessen Durchführung
unterstützte. In allen wirtschaftlichen Kämpfen der Arbeiter, welche
|5| tatsächlich eine ernstliche Gefährdung des Sanierungswerkes
darstellten, in den Kämpfen der Eisenbahner, der Postler und
Bergarbeiter, haben die sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer
die Kampffront der Arbeiter zerschlagen und dadurch die Auswirkung
dieser Kämpfe auf Staat und Regierung verhindert.
Die Folgen dieser Politik zeigen
sich darin, dass einerseits viele Arbeiter angeekelt und entmutigt aus
den Gewerkschaften austreten und dem Indifferentismus anheim fallen
und andererseits in einem Zersetzungsprozess innerhalb der
Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratie sucht neue Wege, um
diesen Prozess aufzuhalten. Die von ihre erhobene Forderung nach
Alters- und Invaliditätsversicherung soll in der österreichischen
Arbeiterschaft neue Illusionen erwecken und ihr einziges Bestreben,
die Erreichung der Mehrheit bei kommenden Wahlen, den Massen
verständlich machen.
Die Einheitsfront des Proletariats
ist die Voraussetzung für den Erfolg seiner kommenden Kämpfe. Sie ist
eine unbedingte Notwendigkeit, von der jeder Arbeiter täglich aufs
neues überzeugt werden muss. In den wichtigsten Industriegebieten
stehen in nächster Zeit Neuwahlen der Betriebsräte bevor. Hier gilt es
den Hebel anzusetzen.
Durch die Wahl revolutionärer
Betriebsräte muss sich das Proletariat Organe der proletarischen
Einheitsfront schaffen, welche die Führung seiner Kämpfe gegen
Unternehmerwillkür und Lohnraub und für die Erhaltung seiner
bisherigen Errungenschaften übernehmen. Die Einberufung eines
Reichsbetriebsrätekongresses, mit oder ohne Unterstützung der
Gewerkschaftsführer, wird die nächste Etappe auf dem Wege zur
Einheitsfront sein.
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