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Ernst Thälmann:

Kampfmai unter dem Sturmbanner der roten Einheitsfront!

(nach: Die Rote Fahne, 1. Mai 1932)

 

Die kapitalistische Welt wankt in ihren Fundamenten. Je mehr sich die kapitalistische Weltkrise verschärft, desto offener beschreitet der Imperialismus in allen Ländern den Weg des Krieges. Blutiger Massenmord, imperialistisches Kriegsverbrechen soll die "Erlösung der Menschheit" bringen, nachdem alle übrigen Methoden der kapitalistischen Politik Schiffbruch erlitten haben. Ob unter Hoover oder Brüning, unter MacDonald oder Mussolini, überall zeigt sich der Niedergang des kapitalistischen Systems, überall zeigt sich der Bankrott der kapitalistischen Regierungsmethoden, wobei es keinen Unterscheid mehr gibt, ob die Länder Sieger oder Besiegte im vergangenen Weltkrieg waren.

Wie immer die kapitalistische Weltwirtschaftskrise in den einzelnen Ländern verlaufen und was immer man zur "Rettung" des verfaulenden kapitalistischen Systems unternehmen wird - es gibt keine endgültige Rettung und keinen Wiederaufstieg des Kapitalismus!

Mit den Mitteln krimineller Verbrechen, wie sie der Skandal um Kreuger und Deterding aufgedeckt hat, mit faschistischen Gewaltmethoden und brutaler Ausplünderung der Millionenmassen versucht die herrschende Klasse, sich an der Macht zu halten und die Erhebung der von Erwerbslosigkeit, Hunger und Willkür gepeinigten Werktätigen zu unterdrücken.

Alle Voraussagen, die wir Kommunisten seit Jahren gemacht haben, bestätigen sich. Der Krieg ist keine ferne Drohung mehr, sondern bereits eine Tatsache. Durch den Überfall des räuberischen japanischen Imperialismus und das verbrecherische Komplott des Weltimperialismus soll die Aufteilung Chinas und die Erdrosselung des heroischen Freiheitskampfes der chinesischen Arbeiter und Bauern erzwungen werden.

Die Arbeiter und Werktätigen der ganzen Welt müssen angesichts fortschreitenden Provokationen des japanischen Imperialismus und der weißgardistischen Banden in der Mandschurei der unmittelbaren Gefahr ins Auge sehen, daß schon in den nächsten Wochen die japanischen Imperialisten zum offenen Angriff auf die Sowjetunion übergehen und zur gleichen Stunde die Vasallenstaaten des Imperialismus an der westlichen Sowjetgrenze zu den Waffen greifen, um das Vaterland der Arbeiter und Bauern, das Bollwerk des Sozialismus und der Weltrevolution, den Hort des Friedens, das Land der proletarischen Diktatur kriegerisch zu überfallen.

Jeder Arbeiter, jede Arbeiterin und alle übrigen Werktätigen müssen sich der Tatsache bewußt sein, daß Sieg oder Niederlage in diesem Krieg der kapitalistischen Umwelt gegen das bei allen Ausbeutern und ihren Lakaien verhaßte sozialistische Land ohne Krise und ohne Erwerbslosigkeit zugleich Sieg oder Niederlage des Weltproletariats bedeuten.

In dieser historischen Stunde zwischen Krieg und Frieden begehen wir in diesem Jahr den 1. Mai, den Weltkampftag der Arbeiterklasse!

Wir erheben hoch die Fahnen des revolutionären Internationalismus. Fester denn je schmieden wir das brüderliche Band der proletarischen Solidarität, der Kampfverbundenheit mit dem siegreichen Proletariat der Sowjetunion und den Werktätigen Chinas!

Die herrschende Klasse lassen wir darüber nicht im Zweifel, daß wir alle unsere Kräfte einsetzen und verhundertfachen werden, um jeden Anschlag auf unser sozialistisches Vaterland, die Sowjetunion, im aktiven Bündnis mit unseren französischen und polnischen Klassengenossen, mit den Proletariern aller Länder unter Anwendung aller Mittel des revolutionären Klassenkampfes zu bekämpfen.

Wir erneuern unseren Appell an alle Proletarier, die Kriegshilfe der deutschen Bourgeoisie für den japanischen Imperialismus, die Munitionstransporte und Kriegslieferungen nach der Mandschurei durch die Tat zu verhindern. Wir sind eingedenk des Wortes, daß der Begründer unserer Partei, Karl Liebknecht, vor 16 Jahren mitten im Kriegstaumel bei der illegalen 1. Mai-Demonstration des Jahres 1916 auf dem Potsdamer Platz zu Berlin aussprach, daß der Feind, den wir zu schlagen haben, im eigenen Lande steht!

Jahrelang hat die Sozialdemokratie und die II. Internationale mit ihrer schamlosen Hetze gegen die Sowjetunion den Interventionskrieg vorbereitet. Mit zynischer Offenheit bietet sich der Hitlerfaschisrnus der deutschen Bourgeoisie und dem internationalen Finanzkapital als Sturmbock für den Krieg gegen die Sowjetunion an. Seite an Seite mit dem räuberischen polnischen Imperialismus, mit dem blutbefleckten Henker Pilsudski, will die Hitlerpartei, wenn sie in Deutschland zur Macht gelangt, die deutschen Arbeiter und Werktätigen als Landsknechte für den Raubzug des französischen und amerikanischen Imperialismus gegen die Sowjetunion verschachern. Das ist es, was auch die mißbrauchten proletarischen Anhänger in den Reihen der SA- und SS- Formationen erkennen müssen!

Während wir Kommunisten als einzige Partei in Deutschland gegen die knechtselige Kapitulation der deutschen Bourgeoisie vor dem französischen Imperialismus ankämpfen und den Massen den Weg zur wirklichen Freiheit, zur Zerbrechung der Ketten des Versailler Systems und des räuberischen Youngplans, den revolutionären Ausweg aus der Krise zeigen, rüstet die Bourgeoisie zum Krieg gegen das einzige Land, die einzige Staatsmacht, die den Versailler Vertrag bis heute nicht anerkennt und seit jeher dem Freiheitskampf der deutschen Werktätigen gegen die imperialistische Versklavung zur Seite stand: die Sowjetunion!

Aufrüstung Deutschlands in der imperialistischen Kriegsfront gegen das Land der proletarischen Diktatur - das ist die Forderung der deutschen Bourgeoisie auf jener Genfer Konferenz, die die kapitalistischen Mächte heuchlerisch und scheinheilig "Abrüstungskonferenz" benennen und auf der allein die Vertreter der Sowjetmacht für den Frieden und für eine wirkliche Abrüstung kämpfen.

Krieg gegen die Sowjetunion und die Hungerpeitsche der faschistischen Diktatur gegen das eigene Volk - das ist der "Ausweg" der Bourgeoisie. Gegen die verbrecherische Politik der herrschenden Klasse gilt es den gemeinsamen Kampf, die geschlossene und zum Kampf entschlossene Einheitsfront der Millionen Arbeiter und Werktätigen in Stadt und Land zu schmieden!

Jahrelang haben die sozialdemokratischen Führer und die reformistischen Führer des ADGB ihren Anhängern weismachen wollen, daß die Politik der Sozialdemokratie eine Politik des "kleineren Übels" und ein Weg sei, um den Hitlerfaschismus, die terroristische Kampforganisation der Bourgeoisie, "von der Macht fernzuhalten". Dreimal rief die SPD in den letzten Monaten ihre Anhänger an die Wahlurne mit dem Versprechen, durch den Stimmzettel für Hindenburg oder für Braun-Severing könne Hitler "geschlagen" werden. Dreimal verkündete die SPD ihren Anhängern, Hitler sei "besiegt" worden.

Was erweisen die Tatsachen in Wirklichkeit? Heute sehen die sozialdemokratischen Arbeiter selbst als Ergebnis dieser Politik ihrer Führer, daß der Hitlerfaschismus nicht geschlagen ist, sondern im Begriff steht, an die Macht zu gelangen. Heute hämmern die einfachen Tatsachen jedem Arbeiter, der sehen will, die Erkenntnis ein, daß der Weg der Sozialdemokratie und ihrer Politik ein Weg der Faschisierung Deutschlands ist, daß die sozialdemokratischen Führer den Hitlerfaschismus in den Sattel heben.

Die sozialdemokratischen Arbeiter, die freigewerkschaftlichen Arbeiter, die Proletarier im Reichsbanner, die zweimal der Hindenburgparole der SPD-Führer Folge leisteten, die am 24. April sich in der Dienst der Braun-Severing-Politik stellten, werden bitter enttäuscht Der von ihnen gewählte Reichspräsident belohnt sie mit der Forderung auf Auflösung des Reichsbanners, und die von ihnen gestützte Brüning-Groener-Regierung zeigt ihr wahres Gesicht noch klarer und unverhüllter als je zuvor mit dem neuen Groenerplan, die proletarischen Wehrformationen zu verbieten und auf dem Wege der Notverordnungsdiktatur Arbeitsdienstpflicht und eine große faschistische Wehrsportorganisation einzuführen, die die jungen Arbeiter zu Streikbrechern, Lohndrückern und zu brauchbarem Kanonenfutter für die imperialistischen Pläne der deutschen Bourgeoisie machen soll. Severing aber, der Spitzenkandidat der SPD bei den Preußenwahlen, kündigt bereits unzweideutig die neueste Etappe der sozialdemokratischen Tolerierungspolitik an, die darin bestehen soll, die Hitlerpartei auf "legalem" Wege friedlich und freiwillig an die Regierungsmacht heranzulassen.

Alle Versprechungen der sozialdemokratischen Führerschaft haben sich als Irreführung der Massen erwiesen. Die wichtigste Lehre, die die deutsche Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit aus den drei Wahlen dieses Frühjahres ableiten muß, ist die Erkenntnis, daß die Arbeiterklasse niemals mit den Mitteln der bürgerlichen Demokratie zur politischen Macht aufsteigen kann und daß nur die proletarische Diktatur das Proletariat befähigt, alle seine Feinde, Kopf und Glieder der faschistischen Konterrevolution vernichtend zu schlagen und für alle Zeiten auszumerzen. Zu dieser Grundregel des Marxismus müssen die sozialdemokratischen Arbeiter zurückkehren, nachdem Hitler nach den sogenannten "Spielregeln der Demokratie" 162 Mandate in Preußen erobern konnte. Es gibt keinen demokratischen Weg zum Sozialismus Es gibt keine "Wirtschaftsdemokratie" im kapitalistischen Land. Es gibt keine friedliche Ablösung der bürgerlichen Klassenherrschaft, kein "Hineinwachsen in den Sozialismus". Es gibt keinen Kampf gegen den Faschismus, der im Parlament oder vom Standpunkt der bürgerlichen Demokratie aus geführt werden könnte. Denn die bürgerliche Demokratie und die faschistische Diktatur sind beide nur zwei Formen der Diktatur des Finanzkapitals.

Diese Lehre, die die Kommunistische Partei seit Jahr und Tag den Massen immer von neuem aufgezeigt hat, ist durch die Erfahrungen der letzten Wahlen hundertfach bestätigt worden. Deshalb gibt es keine frechere Verleumdung, keine dümmere Unterstellung als die Lüge der Bourgeoisie und der Hitler- und SPD-Presse, die Kommunistische Partei wolle "eine Wendung vollziehen", wolle ihre bisherige Klassenlinie und Klassenpolitik ändern. Diese Klassenpolitik ist durch die Ergebnisse der letzten Wahlen und die praktischen Tatsachen der Politik der deutschen Bourgeoisie hundertfach bestätigt und erhärtet worden.

Alles, was wir Kommunisten unseren sozialdemokratischen Klassenbrüdern über den wirklichen Inhalt und die Folgen der Politik der SPD, über die wirkliche Bedeutung der Braun-Severing-Politik in Preußen gesagt haben, wird heute durch die praktischen Tatsachen unterstrichen. Gerade die Wahl vom 24. April hat uns hundertmal recht gegeben, daß das preußische Bollwerk der Brüning-Politik ein Sprungbrett für den Hitlerfaschismus ist und daß die Sozialdemokratie als Partei nach wie vor die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie darstellt, deren ganze Politik von der Todfeindschaft gegen die soziale Revolution und gegen jede wirkliche Kampfhandlung des Proletariats gegen Hunger, Faschismus und imperialistischen Krieg geleitet ist. Gerade, weil es uns ernst ist mit der Herstellung der roten Einheitsfront zur wirklichen Niederringung des Faschismus, werden wir Kommunisten keinen Augenblick die Schuld der SPD-Führer an dem Wachstum des Hitlerfaschismus vergessen und keinen Augenblick darauf verzichten, ihre aktuelle Rolle als Büttel der Bourgeoisie bei der Faschisierung Deutschlands anzuprangern. Wer darauf verzichten wollte, wer die Rolle der SPD als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie, wegen der wachsenden Bedeutung des Hitlerfaschismus als der unmittelbaren Terror- und Kampforganisation der Bourgeoisie, leugnen wollte, würde Verrat am proletarischen Klassenkampf, Verrat an den Interessen der Arbeiter, nicht zuletzt der sozialdemokratischen Arbeiter und SAJ-Mitgliedschaft selbst begehen.

Daß die Entwicklung der proletarischen Revolution bis zum Siege kein gradliniger Weg ist, haben wir Kommunisten den Massen nie verhehlt. Gerade die Manöver der Bourgeoisie mit der wechselseitigen Ausnutzung des Hitlerfaschismus und der Sozialdemokratie durch das herrschende Finanzkapital in Deutschland erleichtern die Irreführung der werktätigen Massen und erschweren die Aufgabe der Kommunisten, in der Klassenfront des revolutionären Freiheitskampfes die Mehrheit des Proletariats, die entscheidenden Millionenmassen der Arbeiterklasse zu sammeln und zum Kampf zu führen. Doch nichts kann den schließlichen Sieg der deutschen Arbeiterklasse über alle ihre Feinde aufhalten, wenn sie im Angesichte des faschistischen Todfeinde ihre Kräfte zusammenreißt und jene unüberwindliche rote Einheitsfront herstellt, deren dringende Notwendigkeit nach den Preußenwahlen auch von immer breiteren Massen der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter erkannt wird.

Wenn wir am 1. Mai unseren Ruf nach dieser geschlossenen Kampffront gegen den Faschismus erneuern, so tun wir dies als die einzige Partei, die wirklich seit je diesen Kampf führte, so gedenken wir dabei zugleich jener tapferen Kampfgefährten aus unseren Reihen, die zu Hunderten im Kampf gegen den Faschismus fielen, zu Tausenden in den Kerkern schmachten, deren Blut und deren Qualen Zeugnis dafür ablegen, daß wir immer in der vordersten Front im Kampf gegen den Faschismus gestanden haben, während die SPD-Führer der Hitlerbewegung direkt Hilfsdienste leisteten und leisten.

Angesichts der Tatsache, daß die Methoden der sozialdemokratischen Politik dem Hitlerfaschismus den Weg zur Regierungsmacht geöffnet haben, werden wir Kommunisten alles tun, um unsererseits die Millionenmassen der revolutionären Arbeiter und Arbeiterinnen vereint mit den sozialdemokratischen und freigewerkschaftlichen Arbeitern auf dem Wege des wirtschaftlichen Kampfes gegen den Hitlerfaschismus voranzuführen. Wir werden alles tun, um dem Hitlerfaschismus den Weg zur Regierungsmacht zu versperren, seinen Terror zu brechen und ihn durch den neuen roten Vormarsch der Arbeiterklasse entscheidend zu schlagen. Daß dies nicht auf dem Wege der sozialdemokratischen Politik möglich ist, sondern nur mit den Methoden des revolutionären Massenkampfes, mit dem Einsatz der proletarischen Klassenkraft im Betrieb, auf den Stempelstellen, in Stadt und Land - das ist durch die Erfahrungen der letzten Wochen klar erwiesen.

Nicht zum erstenmal, sondern wiederholt in den hinter uns liegenden Monaten haben wir den sozialdemokratischen und freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern ein ehrliches proletarisches Kampfbündnis angeboten. Wir haben dabei niemals Zweifel daran gelassen, daß bei allen Tageskämpfen unser großes Ziel unverrückbar vor uns steht: Alle Macht in die Hände der Arbeiterklasse! Eine sozialistische Räterepublik! Die proletarische Diktatur an die Stelle der immer faschistischer werdenden bürgerlich-kapitalistischen Republik!

Heute auch nur ein Jota davon aufzugeben wäre nicht nur schändlicher Verrat im Angesicht des zum Bürgerkrieg rüstenden Klassenfeinds, wäre nicht nur verhängnisvoll für die Kommunistische Partei, sondern damit zugleich für die ganze Arbeiterklasse!

Nicht wir, sondern die sozialdemokratischen Arbeiter müssen die Front wechseln: Heraus aus der Hindenburgfront, in die euch eure Führer hineinmanövriert haben, in der euch ein Höltermann den Befehl erteilt, jede aktive Kampfhandlung gegen die Faschisten zu unterlassen! Hinein in die Einheitsfront des proletarischen Klassenkampfes!

Das ist es, was wir den sozialdemokratischen Arbeitern an diesem 1. Mai zurufen: Macht Schluß mit der Politik eurer Führer, der Politik des Paktierens mit der bürgerlichen Klasse und ihren Ministern, mit den Unternehmern, mit den Generalen! Besinnt euch auf eure eigene Klassenkraft! Entschließt euch zu den Methoden, die allein Erfolg gegen Hunger und Faschismus bringen können, den Methoden des Klassenkampfes!

Kämpft mit uns für eure proletarischen Forderungen und wirklichen Klasseninteressen! Das ist die einzige Bedingung, die das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und die revolutionäre Gewerkschaftsopposition in ihrem Aufruf an alle deutschen Arbeiter zur Bildung der Einheitsfront im Kampf gegen die neuen Angriffe auf die Löhne und Unterstützungssätze stellt.

"Wir sind bereit", so heißt es in diesem Aufruf, zu dem in jedem Betrieb, an jeder Stempelstelle, in jeder proletarischen Organisation Stellung genommen werden muß, "mit jeder Organisation, in der Arbeiter vereinigt sind und die wirklich den Kampf gegen Lohn- und Unterstützungsabbau führen will, gemeinsam zu kämpfen".

Vergleicht dieses neue Angebot mit den Erklärungen der sozialdemokratischen Führer, mit den Worten Severings in Hamburg, daß er sich freuen würde, "wenn die Bewegung der Nationalsozialisten von klaren politischen Köpfen geführt würde, mit denen man Politik treiben und ein Stück auf dem Wege zum Wiederaufbau Deutschlands zusammengehen könnte".

Ist es nicht eine Welt, die jeden ehrlichen sozialdemokratischen Arbeiter von diesen Bekenntnissen der SPD-Führer zur Koalitionsbereitschaft mit Nationalsozialisten trennt?

Was aber trennt den sozialdemokratischen Arbeiter noch von seinen kommunistischen Klassengenossen außer der künstlichen Mauer, die die sozialdemokratischen Führer und die reformistischen ADGB-Führer aufgerichtet haben, weil für sie nicht der Hitlerfaschismus, sondern die proletarische Revolution das größte Übel ist?

Wenn an diesem 1. Mai die proletarischen Massen Deutschlands aufmarschieren, dann müssen sie sich bewußt sein, daß wir in Deutschland den größten und schwersten Kämpfen entgegengehen. Eben erst hat der Reichsfinanzminister Dietrich erklärt, der kommende Winter würde noch schwerer sein als der vergangene, den der Reichskanzler Brüning schon als den schwersten Winter seit hundert Jahren gekennzeichnet hatte. Die Diktatur Brüning-Groener-Hindenburg bereitet einen politischen Generalangriff von weittragender Bedeutung vor. Die proletarische Jugend soll in erster Linie getroffen und unterdrückt werden. Arbeitsdienstpflicht, neue Zwangsarbeit und Wehrsport sind die Parolen, unter denen Deutschland für den drohenden Krieg gegen die Sowjetunion erneuert werden soll. Der Bundesgenosse der sozialdemokratischen ADGB-Führer, Minister Stegerwald, hat das Recht der Unternehmer auf neuen Lohnabbau proklamiert. Über acht Millionen Betriebsarbeiter sind davon bedroht. Der Unterstützungsabbau an den Erwerbslosen wird brutaler denn je gesteigert. Millionen Erwerbslose können ihren Kindern keinen Teller Suppe, kaum ein Stück trocken Brot mehr geben. Neuer Rentenabbau wird vorbereitet! Die Sozialversicherung soll beseitigt werden! Den Angestellten und Beamten wird erneut das Gehalt gekürzt.

Die schwarzbraune Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten - ein weiterer gefährlicher Schritt auf dem Wege zur offenen faschistischen Diktatur - ist nur eine Frage der Zeit. Ein schrankenloses Diktaturregiment bedroht die werktätigen Millionenmassen in Deutschland. Das papierne "Verbot" der SA verhindert nicht, daß die nach wie vor bestehenden SA-Organisationen im Dunkel ihrer Illegalität neue Mordanschläge gegen Proletarier verüben und über kurz oder lang in den staatlich sanktionierten Sport- oder Dienstpflichtorganisationen oder in anderer Form zu neuem Leben erwachen werden. Neuer Terror, neue Verbote und brutale Anschläge bedrohen die Legalität der Arbeiterorganisationen.

Während das werktätige Volk in Deutschland durch die innenpolitischen Vorgänge von den großen außenpolitischen Fragen abgelenkt wurde, vollziehen sich hinter den Kulissen der imperialistischen Diplomatie Ereignisse, die die arbeitenden Millionenmassen Deutschlands in den imperialistischen Krieg gegen die Sowjetunion verstricken wollen.

Zum Hunger den Faschismus, zum Faschismus den Krieg! Das ist das Programm der herrschenden Klasse in allen Ländern des Kapitalismus.

Nur eins vergessen die Herren in Berlin, Paris und New York: Stärker als ihre Macht ist die des Proletariats, wenn es sich einig und geschlossen zum gemeinsamen Kampf gegen das fluchwürdige kapitalistische System erhebt, das sich nur noch mit der brutalsten Gewalt an der Macht erhalten kann.

Millionen sollen auf der Schlachtbank des neuen imperialistischen Krieges geopfert werden, um die Herrschaft der Millionäre zu sichern. Millionen werden es sein, die diesen verbrecherischen Anschlag vereiteln und im Geiste Lenins, im Geiste Karl Liebknechts gegen ihre wirklichen Feinde marschieren!

An allen Fronten des Klassenkrieges und zu jeder Zeit und Stunde vorwärts unter den roten Fahnen der Kommunistischen Internationale, unter dem Sturmbanner des revolutionären Marxismus bis zur Beseitigung der kapitalistischen Diktatur und zum Siege der proletarischen Diktatur, die das Tor zum Sozialismus öffnet!

Es lebe die rote Einheitsfront! Es lebe der geschlossene, einheitliche revolutionäre Klassenkampf aller Arbeiter im Betrieb und an der Stempelstelle, der Angestellten in den Büros, den Banken und Warenhäusern, im Kampfbündnis mit den armen Bauern und den notleidenden Mittelständlern, mit allen Ausgebeuteten und Unterdrückten in Stadt und Land!

Es lebe der gemeinsame Kampf der sozialdemokratischen, der freigewerkschaftlichen und unorganisierten Arbeiter und Arbeiterinnen, der Reichsbannerarbeiter, Schulter an Schulter mit den Kommunisten gegen den gemeinsamen Klassenfeind, gegen den Hungerfeldzug der Ausbeuter und den Terror des blutbefleckten Faschismus, gegen die Diktatur der Bourgeoisie, für den siegreichen Vormarsch der Arbeiterklasse im Kampf zur Eroberung der politischen Macht.

 

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