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Die
kapitalistische Welt wankt in ihren Fundamenten. Je mehr sich die
kapitalistische Weltkrise verschärft, desto offener beschreitet der
Imperialismus in allen Ländern den Weg des Krieges. Blutiger
Massenmord, imperialistisches Kriegsverbrechen soll die „Erlösung der
Menschheit" bringen, nachdem alle übrigen Methoden der
kapitalistischen Politik Schiffbruch erlitten haben. Ob unter Hoover
oder Brüning, unter MacDonald oder Mussolini, überall zeigt sich der
Niedergang des kapitalistischen Systems, überall zeigt sich der
Bankrott der kapitalistischen Regierungsmethoden, wobei es keinen
Unterscheid mehr gibt, ob die Länder Sieger oder Besiegte im
vergangenen Weltkrieg waren.
Wie
immer die kapitalistische Weltwirtschaftskrise in den einzelnen
Ländern verlaufen und was immer man zur „Rettung" des verfaulenden
kapitalistischen Systems unternehmen wird - es gibt keine endgültige
Rettung und keinen Wiederaufstieg des Kapitalismus!
Mit
den Mitteln krimineller Verbrechen, wie sie der Skandal um Kreuger und
Deterding aufgedeckt hat, mit faschistischen Gewaltmethoden und
brutaler Ausplünderung der Millionenmassen versucht die herrschende
Klasse, sich an der Macht zu halten und die Erhebung der von
Erwerbslosigkeit, Hunger und Willkür gepeinigten Werktätigen zu
unterdrücken.
Alle
Voraussagen, die wir Kommunisten seit Jahren gemacht haben, bestätigen
sich. Der Krieg ist keine ferne Drohung mehr, sondern bereits eine
Tatsache. Durch den Überfall des räuberischen japanischen
Imperialismus und das verbrecherische Komplott des Weltimperialismus
soll die Aufteilung Chinas und die Erdrosselung des heroischen
Freiheitskampfes der chinesischen Arbeiter und Bauern erzwungen
werden.
Die
Arbeiter und Werktätigen der ganzen Welt müssen angesichts
fortschreitenden Provokationen des japanischen Imperialismus und der
weißgardistischen Banden in der Mandschurei der unmittelbaren Gefahr
ins Auge sehen, daß schon in den nächsten Wochen die japanischen
Imperialisten zum offenen Angriff auf die Sowjetunion übergehen und
zur gleichen Stunde die Vasallenstaaten des Imperialismus an der
westlichen Sowjetgrenze zu den Waffen greifen, um das Vaterland der
Arbeiter und Bauern, das Bollwerk des Sozialismus und der
Weltrevolution, den Hort des Friedens, das Land der proletarischen
Diktatur kriegerisch zu überfallen.
Jeder
Arbeiter, jede Arbeiterin und alle übrigen Werktätigen müssen sich der
Tatsache bewußt sein, daß Sieg oder Niederlage in diesem Krieg der
kapitalistischen Umwelt gegen das bei allen Ausbeutern und ihren
Lakaien verhaßte sozialistische Land ohne Krise und ohne
Erwerbslosigkeit zugleich Sieg oder Niederlage des Weltproletariats
bedeuten.
In
dieser historischen Stunde zwischen Krieg und Frieden begehen wir in
diesem Jahr den 1. Mai, den Weltkampftag der Arbeiterklasse!
Wir
erheben hoch die Fahnen des revolutionären Internationalismus. Fester
denn je schmieden wir das brüderliche Band der proletarischen
Solidarität, der Kampfverbundenheit mit dem siegreichen Proletariat
der Sowjetunion und den Werktätigen Chinas!
Die
herrschende Klasse lassen wir darüber nicht im Zweifel, daß wir alle
unsere Kräfte einsetzen und verhundertfachen werden, um jeden Anschlag
auf unser sozialistisches Vaterland, die Sowjetunion, im aktiven
Bündnis mit unseren französischen und polnischen Klassengenossen, mit
den Proletariern aller Länder unter Anwendung aller Mittel des
revolutionären Klassenkampfes zu bekämpfen.
Wir
erneuern unseren Appell an alle Proletarier, die Kriegshilfe der
deutschen Bourgeoisie für den japanischen Imperialismus, die
Munitionstransporte und Kriegslieferungen nach der Mandschurei durch
die Tat zu verhindern. Wir sind eingedenk des Wortes, daß der
Begründer unserer Partei, Karl Liebknecht, vor 16 Jahren mitten im
Kriegstaumel bei der illegalen 1. Mai-Demonstration des Jahres 1916
auf dem Potsdamer Platz zu Berlin aussprach, daß der Feind, den wir zu
schlagen haben, im eigenen Lande steht!
Jahrelang hat die Sozialdemokratie und die II. Internationale mit
ihrer schamlosen Hetze gegen die Sowjetunion den Interventionskrieg
vorbereitet. Mit zynischer Offenheit bietet sich der Hitlerfaschisrnus
der deutschen Bourgeoisie und dem internationalen Finanzkapital als
Sturmbock für den Krieg gegen die Sowjetunion an. Seite an Seite mit
dem räuberischen polnischen Imperialismus, mit dem blutbefleckten
Henker Pilsudski, will die Hitlerpartei, wenn sie in Deutschland zur
Macht gelangt, die deutschen Arbeiter und Werktätigen als Landsknechte
für den Raubzug des französischen und amerikanischen Imperialismus
gegen die Sowjetunion verschachern. Das ist es, was auch die
mißbrauchten proletarischen Anhänger in den Reihen der SA- und SS-
Formationen erkennen müssen!
Während wir Kommunisten als einzige Partei in Deutschland gegen die
knechtselige Kapitulation der deutschen Bourgeoisie vor dem
französischen Imperialismus ankämpfen und den Massen den Weg zur
wirklichen Freiheit, zur Zerbrechung der Ketten des Versailler Systems
und des räuberischen Youngplans, den revolutionären Ausweg aus der
Krise zeigen, rüstet die Bourgeoisie zum Krieg gegen das einzige Land,
die einzige Staatsmacht, die den Versailler Vertrag bis heute nicht
anerkennt und seit jeher dem Freiheitskampf der deutschen Werktätigen
gegen die imperialistische Versklavung zur Seite stand: die
Sowjetunion!
Aufrüstung Deutschlands in der imperialistischen Kriegsfront gegen das
Land der proletarischen Diktatur - das ist die Forderung der deutschen
Bourgeoisie auf jener Genfer Konferenz, die die kapitalistischen
Mächte heuchlerisch und scheinheilig „Abrüstungskonferenz" benennen
und auf der allein die Vertreter der Sowjetmacht für den Frieden und
für eine wirkliche Abrüstung kämpfen.
Krieg
gegen die Sowjetunion und die Hungerpeitsche der faschistischen
Diktatur gegen das eigene Volk - das ist der „Ausweg" der Bourgeoisie.
Gegen die verbrecherische Politik der herrschenden Klasse gilt es den
gemeinsamen Kampf, die geschlossene und zum Kampf entschlossene
Einheitsfront der Millionen Arbeiter und Werktätigen in Stadt und Land
zu schmieden!
Jahrelang haben die sozialdemokratischen Führer und die
reformistischen Führer des ADGB ihren Anhängern weismachen wollen, daß
die Politik der Sozialdemokratie eine Politik des „kleineren Übels"
und ein Weg sei, um den Hitlerfaschismus, die terroristische
Kampforganisation der Bourgeoisie, „von der Macht fernzuhalten".
Dreimal rief die SPD in den letzten Monaten ihre Anhänger an die
Wahlurne mit dem Versprechen, durch den Stimmzettel für Hindenburg
oder für Braun-Severing könne Hitler „geschlagen" werden. Dreimal
verkündete die SPD ihren Anhängern, Hitler sei „besiegt" worden.
Was
erweisen die Tatsachen in Wirklichkeit? Heute sehen die
sozialdemokratischen Arbeiter selbst als Ergebnis dieser Politik ihrer
Führer, daß der Hitlerfaschismus nicht geschlagen ist, sondern im
Begriff steht, an die Macht zu gelangen. Heute hämmern die einfachen
Tatsachen jedem Arbeiter, der sehen will, die Erkenntnis ein, daß der
Weg der Sozialdemokratie und ihrer Politik ein Weg der Faschisierung
Deutschlands ist, daß die sozialdemokratischen Führer den
Hitlerfaschismus in den Sattel heben.
Die
sozialdemokratischen Arbeiter, die freigewerkschaftlichen Arbeiter,
die Proletarier im Reichsbanner, die zweimal der Hindenburgparole der
SPD-Führer Folge leisteten, die am 24. April sich in der Dienst der
Braun-Severing-Politik stellten, werden bitter enttäuscht Der von
ihnen gewählte Reichspräsident belohnt sie mit der Forderung auf
Auflösung des Reichsbanners, und die von ihnen gestützte
Brüning-Groener-Regierung zeigt ihr wahres Gesicht noch klarer und
unverhüllter als je zuvor mit dem neuen Groenerplan, die
proletarischen Wehrformationen zu verbieten und auf dem Wege der
Notverordnungsdiktatur Arbeitsdienstpflicht und eine große
faschistische Wehrsportorganisation einzuführen, die die jungen
Arbeiter zu Streikbrechern, Lohndrückern und zu brauchbarem
Kanonenfutter für die imperialistischen Pläne der deutschen
Bourgeoisie machen soll. Severing aber, der Spitzenkandidat der SPD
bei den Preußenwahlen, kündigt bereits unzweideutig die neueste Etappe
der sozialdemokratischen Tolerierungspolitik an, die darin bestehen
soll, die Hitlerpartei auf „legalem" Wege friedlich und freiwillig an
die Regierungsmacht heranzulassen.
Alle
Versprechungen der sozialdemokratischen Führerschaft haben sich als
Irreführung der Massen erwiesen. Die wichtigste Lehre, die die
deutsche Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit aus den drei Wahlen dieses
Frühjahres ableiten muß, ist die Erkenntnis, daß die Arbeiterklasse
niemals mit den Mitteln der bürgerlichen Demokratie zur politischen
Macht aufsteigen kann und daß nur die proletarische Diktatur das
Proletariat befähigt, alle seine Feinde, Kopf und Glieder der
faschistischen Konterrevolution vernichtend zu schlagen und für alle
Zeiten auszumerzen. Zu dieser Grundregel des Marxismus müssen die
sozialdemokratischen Arbeiter zurückkehren, nachdem Hitler nach den
sogenannten „Spielregeln der Demokratie" 162 Mandate in Preußen
erobern konnte. Es gibt keinen demokratischen Weg zum Sozialismus Es
gibt keine „Wirtschaftsdemokratie" im kapitalistischen Land. Es gibt
keine friedliche Ablösung der bürgerlichen Klassenherrschaft, kein
„Hineinwachsen in den Sozialismus". Es gibt keinen Kampf gegen den
Faschismus, der im Parlament oder vom Standpunkt der bürgerlichen
Demokratie aus geführt werden könnte. Denn die bürgerliche Demokratie
und die faschistische Diktatur sind beide nur zwei Formen der Diktatur
des Finanzkapitals.
Diese
Lehre, die die Kommunistische Partei seit Jahr und Tag den Massen
immer von neuem aufgezeigt hat, ist durch die Erfahrungen der letzten
Wahlen hundertfach bestätigt worden. Deshalb gibt es keine frechere
Verleumdung, keine dümmere Unterstellung als die Lüge der Bourgeoisie
und der Hitler- und SPD-Presse, die Kommunistische Partei wolle „eine
Wendung vollziehen", wolle ihre bisherige Klassenlinie und
Klassenpolitik ändern. Diese Klassenpolitik ist durch die Ergebnisse
der letzten Wahlen und die praktischen Tatsachen der Politik der
deutschen Bourgeoisie hundertfach bestätigt und erhärtet worden.
Alles,
was wir Kommunisten unseren sozialdemokratischen Klassenbrüdern über
den wirklichen Inhalt und die Folgen der Politik der SPD, über die
wirkliche Bedeutung der Braun-Severing-Politik in Preußen gesagt
haben, wird heute durch die praktischen Tatsachen unterstrichen.
Gerade die Wahl vom 24. April hat uns hundertmal recht gegeben, daß
das preußische Bollwerk der Brüning-Politik ein Sprungbrett für den
Hitlerfaschismus ist und daß die Sozialdemokratie als Partei nach wie
vor die soziale Hauptstütze der Bourgeoisie darstellt, deren ganze
Politik von der Todfeindschaft gegen die soziale Revolution und gegen
jede wirkliche Kampfhandlung des Proletariats gegen Hunger, Faschismus
und imperialistischen Krieg geleitet ist. Gerade, weil es uns ernst
ist mit der Herstellung der roten Einheitsfront zur wirklichen
Niederringung des Faschismus, werden wir Kommunisten keinen Augenblick
die Schuld der SPD-Führer an dem Wachstum des Hitlerfaschismus
vergessen und keinen Augenblick darauf verzichten, ihre aktuelle Rolle
als Büttel der Bourgeoisie bei der Faschisierung Deutschlands
anzuprangern. Wer darauf verzichten wollte, wer die Rolle der SPD als
soziale Hauptstütze der Bourgeoisie, wegen der wachsenden Bedeutung
des Hitlerfaschismus als der unmittelbaren Terror- und
Kampforganisation der Bourgeoisie, leugnen wollte, würde Verrat am
proletarischen Klassenkampf, Verrat an den Interessen der Arbeiter,
nicht zuletzt der sozialdemokratischen Arbeiter und SAJ-Mitgliedschaft
selbst begehen.
Daß
die Entwicklung der proletarischen Revolution bis zum Siege kein
gradliniger Weg ist, haben wir Kommunisten den Massen nie verhehlt.
Gerade die Manöver der Bourgeoisie mit der wechselseitigen Ausnutzung
des Hitlerfaschismus und der Sozialdemokratie durch das herrschende
Finanzkapital in Deutschland erleichtern die Irreführung der
werktätigen Massen und erschweren die Aufgabe der Kommunisten, in der
Klassenfront des revolutionären Freiheitskampfes die Mehrheit des
Proletariats, die entscheidenden Millionenmassen der Arbeiterklasse zu
sammeln und zum Kampf zu führen. Doch nichts kann den schließlichen
Sieg der deutschen Arbeiterklasse über alle ihre Feinde aufhalten,
wenn sie im Angesichte des faschistischen Todfeinde ihre Kräfte
zusammenreißt und jene unüberwindliche rote Einheitsfront herstellt,
deren dringende Notwendigkeit nach den Preußenwahlen auch von immer
breiteren Massen der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter erkannt
wird.
Wenn
wir am 1. Mai unseren Ruf nach dieser geschlossenen Kampffront gegen
den Faschismus erneuern, so tun wir dies als die einzige Partei, die
wirklich seit je diesen Kampf führte, so gedenken wir dabei zugleich
jener tapferen Kampfgefährten aus unseren Reihen, die zu Hunderten im
Kampf gegen den Faschismus fielen, zu Tausenden in den Kerkern
schmachten, deren Blut und deren Qualen Zeugnis dafür ablegen, daß wir
immer in der vordersten Front im Kampf gegen den Faschismus gestanden
haben, während die SPD-Führer der Hitlerbewegung direkt Hilfsdienste
leisteten und leisten.
Angesichts der Tatsache, daß die Methoden der sozialdemokratischen
Politik dem Hitlerfaschismus den Weg zur Regierungsmacht geöffnet
haben, werden wir Kommunisten alles tun, um unsererseits die
Millionenmassen der revolutionären Arbeiter und Arbeiterinnen vereint
mit den sozialdemokratischen und freigewerkschaftlichen Arbeitern auf
dem Wege des wirtschaftlichen Kampfes gegen den Hitlerfaschismus
voranzuführen. Wir werden alles tun, um dem Hitlerfaschismus den Weg
zur Regierungsmacht zu versperren, seinen Terror zu brechen und ihn
durch den neuen roten Vormarsch der Arbeiterklasse entscheidend zu
schlagen. Daß dies nicht auf dem Wege der sozialdemokratischen Politik
möglich ist, sondern nur mit den Methoden des revolutionären
Massenkampfes, mit dem Einsatz der proletarischen Klassenkraft im
Betrieb, auf den Stempelstellen, in Stadt und Land - das ist durch die
Erfahrungen der letzten Wochen klar erwiesen.
Nicht
zum erstenmal, sondern wiederholt in den hinter uns liegenden Monaten
haben wir den sozialdemokratischen und freigewerkschaftlich
organisierten Arbeitern ein ehrliches proletarisches Kampfbündnis
angeboten. Wir haben dabei niemals Zweifel daran gelassen, daß bei
allen Tageskämpfen unser großes Ziel unverrückbar vor uns steht: Alle
Macht in die Hände der Arbeiterklasse! Eine sozialistische
Räterepublik! Die proletarische Diktatur an die Stelle der immer
faschistischer werdenden bürgerlich-kapitalistischen Republik!
Heute
auch nur ein Jota davon aufzugeben wäre nicht nur schändlicher Verrat
im Angesicht des zum Bürgerkrieg rüstenden Klassenfeinds, wäre nicht
nur verhängnisvoll für die Kommunistische Partei, sondern damit
zugleich für die ganze Arbeiterklasse!
Nicht
wir, sondern die sozialdemokratischen Arbeiter müssen die Front
wechseln: Heraus aus der Hindenburgfront, in die euch eure Führer
hineinmanövriert haben, in der euch ein Höltermann den Befehl erteilt,
jede aktive Kampfhandlung gegen die Faschisten zu unterlassen! Hinein
in die Einheitsfront des proletarischen Klassenkampfes!
Das
ist es, was wir den sozialdemokratischen Arbeitern an diesem 1. Mai
zurufen: Macht Schluß mit der Politik eurer Führer, der Politik des
Paktierens mit der bürgerlichen Klasse und ihren Ministern, mit den
Unternehmern, mit den Generalen! Besinnt euch auf eure eigene
Klassenkraft! Entschließt euch zu den Methoden, die allein Erfolg
gegen Hunger und Faschismus bringen können, den Methoden des
Klassenkampfes!
Kämpft
mit uns für eure proletarischen Forderungen und wirklichen
Klasseninteressen! Das ist die einzige Bedingung, die das
Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und die revolutionäre
Gewerkschaftsopposition in ihrem Aufruf an alle deutschen Arbeiter zur
Bildung der Einheitsfront im Kampf gegen die neuen Angriffe auf die
Löhne und Unterstützungssätze stellt.
„Wir
sind bereit", so heißt es in diesem Aufruf, zu dem in jedem Betrieb,
an jeder Stempelstelle, in jeder proletarischen Organisation Stellung
genommen werden muß, „mit jeder Organisation, in der Arbeiter
vereinigt sind und die wirklich den Kampf gegen Lohn- und
Unterstützungsabbau führen will, gemeinsam zu kämpfen".
Vergleicht dieses neue Angebot mit den Erklärungen der
sozialdemokratischen Führer, mit den Worten Severings in Hamburg, daß
er sich freuen würde, „wenn die Bewegung der Nationalsozialisten von
klaren politischen Köpfen geführt würde, mit denen man Politik treiben
und ein Stück auf dem Wege zum Wiederaufbau Deutschlands zusammengehen
könnte".
Ist es
nicht eine Welt, die jeden ehrlichen sozialdemokratischen Arbeiter von
diesen Bekenntnissen der SPD-Führer zur Koalitionsbereitschaft mit
Nationalsozialisten trennt?
Was
aber trennt den sozialdemokratischen Arbeiter noch von seinen
kommunistischen Klassengenossen außer der künstlichen Mauer, die die
sozialdemokratischen Führer und die reformistischen ADGB-Führer
aufgerichtet haben, weil für sie nicht der Hitlerfaschismus, sondern
die proletarische Revolution das größte Übel ist?
Wenn
an diesem 1. Mai die proletarischen Massen Deutschlands
aufmarschieren, dann müssen sie sich bewußt sein, daß wir in
Deutschland den größten und schwersten Kämpfen entgegengehen. Eben
erst hat der Reichsfinanzminister Dietrich erklärt, der kommende
Winter würde noch schwerer sein als der vergangene, den der
Reichskanzler Brüning schon als den schwersten Winter seit hundert
Jahren gekennzeichnet hatte. Die Diktatur Brüning-Groener-Hindenburg
bereitet einen politischen Generalangriff von weittragender Bedeutung
vor. Die proletarische Jugend soll in erster Linie getroffen und
unterdrückt werden. Arbeitsdienstpflicht, neue Zwangsarbeit und
Wehrsport sind die Parolen, unter denen Deutschland für den drohenden
Krieg gegen die Sowjetunion erneuert werden soll. Der Bundesgenosse
der sozialdemokratischen ADGB-Führer, Minister Stegerwald, hat das
Recht der Unternehmer auf neuen Lohnabbau proklamiert. Über acht
Millionen Betriebsarbeiter sind davon bedroht. Der Unterstützungsabbau
an den Erwerbslosen wird brutaler denn je gesteigert. Millionen
Erwerbslose können ihren Kindern keinen Teller Suppe, kaum ein Stück
trocken Brot mehr geben. Neuer Rentenabbau wird vorbereitet! Die
Sozialversicherung soll beseitigt werden! Den Angestellten und Beamten
wird erneut das Gehalt gekürzt.
Die
schwarzbraune Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten - ein
weiterer gefährlicher Schritt auf dem Wege zur offenen faschistischen
Diktatur - ist nur eine Frage der Zeit. Ein schrankenloses
Diktaturregiment bedroht die werktätigen Millionenmassen in
Deutschland. Das papierne „Verbot" der SA verhindert nicht, daß die
nach wie vor bestehenden SA-Organisationen im Dunkel ihrer Illegalität
neue Mordanschläge gegen Proletarier verüben und über kurz oder lang
in den staatlich sanktionierten Sport- oder
Dienstpflichtorganisationen oder in anderer Form zu neuem Leben
erwachen werden. Neuer Terror, neue Verbote und brutale Anschläge
bedrohen die Legalität der Arbeiterorganisationen.
Während das werktätige Volk in Deutschland durch die innenpolitischen
Vorgänge von den großen außenpolitischen Fragen abgelenkt wurde,
vollziehen sich hinter den Kulissen der imperialistischen Diplomatie
Ereignisse, die die arbeitenden Millionenmassen Deutschlands in den
imperialistischen Krieg gegen die Sowjetunion verstricken wollen.
Zum
Hunger den Faschismus, zum Faschismus den Krieg! Das ist das Programm
der herrschenden Klasse in allen Ländern des Kapitalismus.
Nur
eins vergessen die Herren in Berlin, Paris und New York: Stärker als
ihre Macht ist die des Proletariats, wenn es sich einig und
geschlossen zum gemeinsamen Kampf gegen das fluchwürdige
kapitalistische System erhebt, das sich nur noch mit der brutalsten
Gewalt an der Macht erhalten kann.
Millionen sollen auf der Schlachtbank des neuen imperialistischen
Krieges geopfert werden, um die Herrschaft der Millionäre zu sichern.
Millionen werden es sein, die diesen verbrecherischen Anschlag
vereiteln und im Geiste Lenins, im Geiste Karl Liebknechts gegen ihre
wirklichen Feinde marschieren!
An
allen Fronten des Klassenkrieges und zu jeder Zeit und Stunde vorwärts
unter den roten Fahnen der Kommunistischen Internationale, unter dem
Sturmbanner des revolutionären Marxismus bis zur Beseitigung der
kapitalistischen Diktatur und zum Siege der proletarischen Diktatur,
die das Tor zum Sozialismus öffnet!
Es
lebe die rote Einheitsfront! Es lebe der geschlossene, einheitliche
revolutionäre Klassenkampf aller Arbeiter im Betrieb und an der
Stempelstelle, der Angestellten in den Büros, den Banken und
Warenhäusern, im Kampfbündnis mit den armen Bauern und den
notleidenden Mittelständlern, mit allen Ausgebeuteten und
Unterdrückten in Stadt und Land!
Es
lebe der gemeinsame Kampf der sozialdemokratischen, der
freigewerkschaftlichen und unorganisierten Arbeiter und Arbeiterinnen,
der Reichsbannerarbeiter, Schulter an Schulter mit den Kommunisten
gegen den gemeinsamen Klassenfeind, gegen den Hungerfeldzug der
Ausbeuter und den Terror des blutbefleckten Faschismus, gegen die
Diktatur der Bourgeoisie, für den siegreichen Vormarsch der
Arbeiterklasse im Kampf zur Eroberung der politischen Macht.
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