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Ich
bin aufgefordert worden, an die österreichischen Genossen ein paar
Worte in ihrer Maifestzeitung zu richten. Was kann ich ihnen sagen?
Wie man einen ersten Mai feiern muß, das wissen sie besser als ich.
Das haben sie von Anfang an bewiesen. Von 1890 an haben die
österreichischen Arbeiter ihren Brüdern in allen anderen Ländern Jahr
für Jahr gezeigt, was eine richtige Maifeier im Sinne des Proletariats
ist. Nirgendwo hat man es ihnen gleichmachen oder nur nachmachen
können.
In der
Tat hat die Feier des ersten Mai in Österreich eine weit größere
Bedeutung als anderswo. In Deutschland konnte man 1890 auf die eben
vollzogenen Reichstagswahlen verweisen, die eine so großartige Revue
der deutschen streitbaren Arbeiterklasse waren, daß jede Maifeier
daneben blaß erschien. In Frankreich fielen auf den ersten Mai 1892
die nach allgemeinem Stimmrecht erfolgenden Gemeindewahlen, die den
Arbeitern ebenfalls gewaltige Siege einbrachten; da galt es, am ersten
Mai für die Sache des Proletariats zu arbeiten, nicht zu feiern. Aber
in Österreich haben die Arbeiter noch kein Stimmrecht, und wie es mit
ihrer Preßfreiheit und ihrem Vereins- und Versammlungsrecht steht,
darüber erteilt Auskunft auf Befragen im Reichsrat Herr Ministerialrat
Freiherr von Czapka. Und darum haben die österreichischen Arbeiter
recht und immer recht, wenn sie unter allen Umständen auf ihrer streng
durchgeführten Maifeier bestehen. Für die Arbeiter anderer Länder ist
diese Feier eine vorwiegend internationale Angelegenheit; es kann
daher vorkommen, daß sie wegen eigentümlicher inländischer Umstände in
die zweite Linie zurücktreten muß. Für die Österreicher ist sie nicht
nur eine internationale, sondern auch, und vielleicht vorwiegend, eine
inländische Angelegenheit, und darum steht sie bei ihnen unbedingt und
immer in erster Linie.
Möge sie auch dies
Jahr so brillant verlaufen wie bisher.
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