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Über das "Manifest der Kommunistischen Partei" (1848)

 

Das „Manifest der Kommunistischen Partie“ ist ursprünglich das von Karl Marx und Friedrich Engels im Auftrag des zweiten Kongresses des „Bundes der Kommunisten“ (November/Dezember 1947) ausgearbeitete, Ende Februar 1848 in London in deutscher Sprache veröffentlichte Programm des Bundes. Schon bald wurde klar, dass seine Bedeutung jedoch weit darüber hinausgeht. Es ist sozusagen die Geburtsurkunde  des wissenschaftlichen Sozialismus und das erste marxistische Parteiprogramm in der internationalen ArbeiterInnenbewegung, es markiert den Beginn der internationalen sozialistischen und kommunistischen Bewegung und ist bis heute die Grundlage des Bekenntnisses marxistischer Parteien und Organisationen auf der ganzen Welt.

Das Manifest gliedert sich in vier Abschnitte. Im ersten legen Marx und Engels den geschichtlichen Prozess der Herausbildung und Entfaltung der modernen kapitalistischen Gesellschaft und ihres inneren Gegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat dar, begründen wissenschaftlich die Unvermeidlichkeit des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus aus den inneren Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise und definieren die welthistorische Mission der ArbeiterInnenklasse.

Der zweite Abschnitt ist der Darlegung des Verhältnisses von ProletarierInnen und KommunistInnen gewidmet. Er enthält neben der Widerlegung bürgerlicher Anwürfe gegen den Kommunismus die erste geschlossene Darlegung der theoretischen Grundlagen der marxistischen Lehre von der Partei und die Bestimmung des zentralen politischen Ziels des proletarischen Klassenkampfes: die Eroberung der politischen Macht durch die ArbeiterInnenklasse und deren Nutzung zur Abschaffung des Ausbeutungssystems.

Der dritte Abschnitt ist eine scharfe Abrechnung mit den nichtproletarischen sozialistischen Theorien verschiedener Schattierungen und mit dem überholten utopischen Sozialismus.

Der vierte Abschnitt umreißt mit der Festlegung der „Stellung der Kommunisten zu den verschiedenen oppositionellen Parteien“ Politik und Taktik der KommunistInnen in den verschiedenen Ländern.

Im Manifest wurden die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus zu einem System zusammengefasst. Marx und Engels legten auf der Grundlage des historischen Materialismus dar, dass die Geschichte der Klassengesellschaft eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Sie begründeten erstmalig den notwendigen Untergang der kapitalistischen und den Sieg der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsformation. Ausgehend von der Entwicklung der Produktivkräfte enthüllten sie die inneren Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise und wiesen nach, dass im Schoße des Kapitalismus selbst die objektiven Bedingungen für seinen Sturz und für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft heranreifen.

Mit der Entwicklung der Produktivkräfte aber hat die Bourgeoisie „nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden – die modernen Arbeiter, die Proletarier.“ (MEW 4, S. 468) Die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle der ArbeiterInnenklasse als Totengräber der kapitalistischen und „als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft“, die W. I. Lenin als das „Wichtigste in der Marxschen Lehre bezeichnete (LW 18, S. 576), steht im Mittelpunkt des Manifests. Die ArbeiterInnenklasse kann sich nur befreien, indem sie die gesamte Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung befreit. In ihrem Befreiungskampf verbündet sie sich mit den anderen werktätigen Klassen und Schichten. Grundlage für das Bündnis ist das gemeinsame Interesse aller werktätigen Klassen an der Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung.

Im Manifest sind die Grundlagen der marxistischen Staatslehre entwickelt. Um die sozialistische Gesellschaft errichten zu können, muss sich das Proletariat zur politisch herrschenden Klasse erheben, die Staatsmacht erobern und mit deren Hilfe die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend umgestalten. „Das Proletariat wird seine Herrschaft dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, all Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren.“ (MEW 4, S. 481)

Zur Verwirklichung ihrer welthistorischen Mission bedarf die ArbeiterInnenklasse einer revolutionären Partei, die aus der ArbeiterInnenklasse hervorgeht, Teil der ArbeiterInnenklasse ist und als deren bewusste und organisierte Vorhut den Kampf des Proletariats führt. Das Wesen der Partei wird dadurch bestimmt, dass sie „theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus“ hat. (MEW 4, S. 474)

Der Befreiungskampf der ArbeiterInnen kann nur erfolgreich sein, wenn er als internationaler Klassenkampf geführt wird. Darum forderte das Manifest, stets von den gemeinsamen internationalen Aufgaben der ArbeiterInnenklasse auszugehen und „in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervor(zu)heben und zur Geltung (zu) bringen.“ (MEW 4, S. 474) Ihren klassischen Ausdruck fand die Idee des proletarischen Internationalismus in dem Schlusssatz des Manifests: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“, der zum Schlachtruf der internationalen revolutionären ArbeiterInnenbewegung geworden ist. Ausgehend von den Positionen des proletarischen Internationalismus begründeten Marx und Engels die Rolle der ArbeiterInnenklasse jedes Landes. Als Teil des internationalen Proletariats – und fest eingegliedert in den internationalen Klassenkampf – hat sie die Aufgabe, die eigene Bourgeoisie zu stürzen, die Führung der Nation zu erkämpfen und sich selbst als Nation zu konstituieren, d.h. die kapitalistische Nation sozial zu erneuern und die werktätigen Klassen und Schichten zur sozialistischen Nation zusammenzuschließen.

Das Manifest wurde unzählige Male neu gedruckt und in fast alle Sprachen übersetzt. Bereits 1890 nannte Engels es „das weitest verbreitete, das internationalste Produkt der gesamten sozialistischen Literatur“ (MEW 4, S. 585) und tatsächlich ist es über die ganze Welt verbreitet und überall Grundlage sozialistischer und kommunistischer Parteien und Organisationen.

Den wesentlichen Inhalt des Manifests gab Lenin mit den Worten wieder: „Mit genialer Klarheit und Ausdruckskraft ist in diesem Werk die neue Weltanschauung umrissen; der konsequente, auch das Gebiet des gesellschaftlichen Lebens umfassende Materialismus, die Dialektik als die umfassendste und tiefste Lehre von der Entwicklung, die Theorie des Klassenkampfes und der welthistorischen revolutionären Rolle des Proletariats, des Schöpfers einer neuen, der kommunistischen Gesellschaft.“ (LW 21, S. 36) 

 

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