Ein
Gespenst geht um...
Zukunft braucht Herkunft - 150 Jahre Kommunistisches
Manifest
von Hannes Puwein
Manche/r wird vielleicht denken, ein Schriftstück mit dem Namen
"Manifest der Kommunistischen Partei" wäre für uns SozialistInnen
bedeutungslos. Zur Namensgebung sei jedoch gesagt, dass das Manifest
vor der Spaltung unserer Bewegung in sozialdemokratische und
kommunistische Parteien geschrieben wurde. Marx und Engels verwendeten
für sich sowohl die Bezeichnung Kommunisten als auch Sozialisten. Das
Kommunistische Manifest ist heute so aktuell wie damals.
Vor ungefähr 150 Jahren wurde von Karl Marx und Friedrich Engels das
Kommunistische Manifest geschrieben, das zum grundlegenden Dokument
der ArbeiterInnenbewegung werden sollte. Das Manifest erklärt die
Mechanismen des Klassenkampfes, fordert das Proletariat zur
Organisierung auf, betont die internationale Bedeutung der
revolutionären Ziele, es demaskiert die bürgerliche Ideologie als
bloßes Mittel, um die Herrschaft der Bourgeoisie zu rechtfertigen und
legt auch den Charakter solcher Ideologien dar, die sich zwar mit der
sozialen Frage befassen, die Klasseninteressen des Proletariates
jedoch fremden Interessen unterordnen. Das Manifest versteht es,
weitreichende revolutionäre Zielsetzung und gesellschaftliche Analyse
mit Anforderungen an die praktische Politik zu verbinden, und somit
eine revolutionäre Tagespolitik zu schaffen.
Das Manifest wurde zu Beginn der modernen ArbeiterInnenbewegung
geschaffen. Für uns SozialistInnen stellt sich die Aufgabe "Politik im
Sinne des Manifests in Verbindung mit heutiger Tagespolitik" zu machen.
Oft kommt der Vorwurf, die Lehren von Marx und Engels hätten zwar eine
historische Bedeutung, seien jedoch heute überholt. Das Ziel, den
Menschen als wichtiger einzuschätzen als den Profit, kann nie überholt
sein. Durch unsere Beschäftigung mit den sozialistischen Klassikern
wollen wir zu einer Positionierung unserer Partei auf Seiten der
ArbeiterInnenklasse beitragen.
Unser
Leben wird geprägt durch die Auseinandersetzung zwischen den Klassen,
jedes Individuum und jede Organisation definiert sich durch seine
Stellung im Klassenkampf, das ist der Kampf zwischen den
EigentümerInnen der Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Werkzeug
usw.) und den ArbeiterInnen (ArbeiterInnen, Angestellte, Beamte usw.),
egal, ob In- oder AusländerInnen. Die Frage, ob man/frau für oder
gegen den Klassenkampf sein soll, stellt sich nicht, da das
Privateigentum an Produktionsmitteln den Klassenkampf bedingt. Es geht
vielmehr darum, wie der Klassenkampf erfolgreich im Interesse der
ArbeiterInnenklasse zu führen ist. Grundvoraussetzung dafür ist es,
die Sozialdemokratie als Partei der Arbeitenden zu sehen.
Selbstverständlich haben sich zwar die Formen menschlicher Arbeit
durch den technischen Fortschritt weiterentwickelt, am Kampf zwischen
Arbeit und Kapital, am Wesen der Lohnarbeit an sich, ändert das jedoch
nichts. Jemand, der den ganzen Tag am Bildschirm arbeitet und dafür
Gehalt bezieht, hat dieselben Klasseninteressen wie sein/e Kollege/in
an der Werkbank. Sozialdemokratischer Politik muss es durch das
Hervorheben des gemeinsamen Klasseninteresses gelingen, alle
Lohnabhängigen für sich zu gewinnen. Radikale Arbeitszeitverkürzung
bei vollem Lohnausgleich, Sicherheit am Arbeitsplatz und staatliche
Lehrwerkstätten sind drei von vielen Forderungen in diesem Sinn.
Marx und Engels fordern, die ArbeiterInnenklasse soll sich als
Partei organisieren und somit von der Klasse an sich zur Klasse für
sich werden. Die Sozialdemokratische Partei darf nicht bloß zu einem
losen Zusammenschluss verkommen, der nur unmittelbar vor Wahlen in
Erscheinung tritt, starke Strukturen, innerorganisatorische Demokratie
und das ständige Aufzeigen von Problemen und Lösungsansätzen, sowie
die Bindung der FunktionsträgerInnen an Beschlüsse der Basis sind
notwendig, um die Aufgabe als Klassenpartei erfüllen zu können. Eine
fortschrittliche Organisation darf nicht bloßes Spiegelbild der
Gesellschaft sein, die sie verändern will. Es stellt sich die Frage,
wie weit eine Organisation glaubhaft für die Verbesserung der Lage der
Frauen eintreten kann, selbst jedoch kaum Frauen in entscheidenden
Funktionen hat. Die Vertretung der Frauen entsprechend dem
Bevölkerungsanteil in allen politischen Gremien ist eine wichtige
Bedingung für fortschrittliche Politik. Um dieses zu gewährleisten,
braucht es zum Beispiel: gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Befreiung
der Frauen von der Mehrfachbelastung (Haushalt, Erziehung, Arbeit,
Pflege, usw.), genügend kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen.
Marx und Engels entlarven einige politische Strömungen, die zwar
vorgeben, sich mit dem Interesse der ArbeiterInnen zu beschäftigen, in
Wirklichkeit jedoch das Interesse einer anderen Klasse vertreten.
Heute spielen rechte Populisten mit den Ängsten der Menschen, lenken
von der Klassenfrage ab, indem sie AusländerInnen die Schuld an der
sozialen Lage geben. Die sogenannte Sozialpartnerschaft hat dem
Klassenbewusstsein schwer geschadet, der Klassenkampf wurde auf den
Konferenztisch verlegt, die Menschen verloren das Gefühl, durch
eigenes Engagement neue Rechte erkämpfen zu können. Nicht das
gemeinsame Interesse von UnternehmerInnen und ArbeiterInnen haben die
sozialen Errungenschaften gebracht, sondern die reale Stärke der
ArbeiterInnenbewegung.
Die Ideologie der Sozialpartnerschaft wird heute durch den totalen
Marktliberalismus verdrängt, für den soziale Errungenschaften nur
noch Standortnachteile sind und der Mensch nur noch Kostenfaktor.
Die ArbeiterInnenbewegung kann heute mit der verschärften Gangart des
Kapitals nicht umgehen. Ein Zurück zur "Sozialpartnerschaft" ist
unmöglich, da von Seiten des Kapitals kaum noch Interesse daran
besteht. Es ist wichtiger denn je, zu erkennen, dass soziale
Errungenschaften gegen den Willen der UnternehmerInnen durchgesetzt
werden müssen, und das auch mit Streiks.
Die Beteiligung an der Regierung darf für die Sozialdemokratie kein
Selbstzweck sein, sondern ist nur sinnvoll, wenn in dieser Regierung
Klassenmacht, d.h. Politik im Sinne der ArbeiterInnenklasse, ausgeübt
werden kann. In der heutigen Situation, wo ständig Kürzungen im
Sozialbereich vorgenommen werden, verliert die Sozialdemokratie das
Vertrauen der Masse und arbeitet an ihrer eigenen Marginalisierung.
Sozialdemokratie und Gewerkschaft müssen in der Tagespolitik zum
Beispiel für folgende Forderungen eintreten:
1.
Umverteilung von Kapital zu Arbeit in Form von Reallohnerhöhung,
Wertschöpfungsabgabe, Kapital- und Vermögensbesteuerung, usw..
2.
Statt Flexibilisierung, Verlängerung der Ladenöffnungszeiten und Sonntagsarbeit, radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
3.
Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Form von öffentlichen
Lehrwerkstätten, Ersetzung des dualen Ausbildungssystems durch ein
triales. Strafsteuer für Betriebe, die nicht oder nur mäßig ausbilden,
kein Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst, usw.
Marx und Engels begründen den Internationalismus der
ArbeiterInnenbewegung. Die Auseinandersetzungen zwischen Arbeit und
Kapital beschränken sich nicht auf Österreich, sie finden in
weltweitem Maßstab statt. Die Abwanderung von Betrieben in Länder mit
niedrigeren Lohnkosten bewirkt eine katastrophale Spirale. Schon im
Manifest wurde die Entwicklung einer globalisierten Wirtschaft
beschrieben. Durch den weltweiten Drang nach Profit werden Mensch und
Natur ausgebeutet. Beispiele dafür gibt es genug, wie etwa Semperit
und Eskimo-Iglo. Die internationale Solidarität der ArbeiterInnen kann
diese Logik durchbrechen. Funktionierende Vernetzungen von
Gewerkschaften und linken Parteien müssen auf internationaler Ebene
geschaffen werden. Die Rolle westlicher Konzerne und Regierungen bei
der Unterstützung von brutalen, aber ihnen zugeneigten Diktaturen in
der Dritten Welt muss aufgezeigt werden. Die österreichische
Sozialdemokratie muss sich mit den Befreiungsbewegungen der Dritten
Welt solidarisieren und ihnen Möglichkeiten bieten, vor einer
internationalen Öffentlichkeit aufzutreten, wofür die Neutralität
Österreichs unverzichtbar ist.
Heute wie damals geht es darum, das Privateigentum an
Produktionsmitteln aufzuheben, allen Menschen ein würdiges Leben und
Arbeit zu garantieren und für eine neue sozialistische Gesellschaft zu
kämpfen.
"Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben
wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum
für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade
dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also
vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die
Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als
notwendige Bedingung voraussetzt." (Zitat aus dem
Kommunistischen Manifest)
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