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1. Die
»Deutsch-Französischen Jahrbücher«
|64| Die neue Zeitschrift hatte nicht Glück und Stern; es ist nur
ein Doppelheft von ihr Ende Februar 1844 erschienen.
Das »gallo-germanische
Prinzip« oder wie es von Ruge umgetauft war; die »intellektuelle
Allianz zwischen Deutschen und Franzosen«, ließ sich nicht
verwirklichen: das »politische Prinzip Frankreichs« wollte nichts
wissen von der deutschen Mitgift, dem »logischen Scharfblick« der
Hegelschen Philosophie, die ihm als sicherer Kompaß in den
metaphysischen Regionen dienen sollte, in denen Ruge die Franzosen
ohne Steuer vor Wind und Wellen treiben sah.
Freilich, wenn nach seinem Zeugnis zunächst Lamartine, Lamennais,
Louis Blanc, Leroux und Proudhon gewonnen werden sollten, so war diese
Liste an sich schon bunt gewürfelt genug. Eine Ahnung von deutscher
Philosophie hatten von ihnen nur Leroux und Proudhon, von denen dieser
in der Provinz lebte und jener die Schriftstellerei einstweilen an den
Nagel gehängt hatte, um über der Erfindung einer Setzmaschine zu
grübeln. Die anderen aber lehnten aus diesen oder jenen religiösen
Mucken ab, selbst Louis Blanc, der die Anarchie in der Politik aus dem
Atheismus in der Philosophie entstehen sah.
An
deutschen Mitarbeitern gewann die Zeitschrift freilich einen
ansehnlichen Stab: neben den Herausgebern selbst waren Heine, Herwegh,
Johann Jacoby Namen ersten Ranges, und auch in zweiter Reihe konnten
sich Moses Heß und F. C. Bernays, ein junger rheinpfälzischer Jurist,
wohl sehen lassen, ganz zu geschweigen des jüngsten von allen,
Friedrich Engels, der hier zuerst, nach manchen schriftstellerischen
Anläufen, mit offenem Visier und in glänzendem Harnisch zum Kampf
antrat. Aber auch diese Schar war bunt genug; manche darunter
verstanden wenig von Hegelscher Philosophie und noch weniger von deren
»logischem Scharfblick«; vor allem zwischen den beiden Herausgebern
selbst tat sich alsbald ein Zwiespalt auf, der ein Zusammenarbeiten
zwischen ihnen unmöglich machte.
Eröffnet wurde das erste Doppelheft der Zeitschrift, das ihr einziges
|65| bleiben sollte, durch einen »Briefwechsel« zwischen Marx,
Ruge, Feuerbach und Bakunin, einem jungen Russen, der sich in Dresden
an Ruge angeschlossen und einen viel bemerkten Aufsatz in den
»Deutschen Jahrbüchern« veröffentlicht hatte. Es sind im ganzen acht
Briefe, die mit den Anfangsbuchstaben der Verfassernamen gezeichnet
sind, wonach je drei von Marx und Ruge, je einer von Bakunin und
Feuerbach herrühren. Ruge hat diesen Briefwechsel später als eine
dramatische Szene bezeichnet, die von ihm verfaßt sei, obgleich er
»wirkliche Briefstellen teilweise« benutzt habe, und er hat ihn auch
in seine »Sämtliche Werke« aufgenommen, bezeichnenderweise aber nur
unter arger Verstümmelung, mit Unterdrückung des letzten Briefes, der
von Marx gezeichnet ist und die Pointe des ganzen Briefwechsels
enthält. Der Inhalt der Briefe läßt keinen Zweifel zu, daß sie von den
Verfassern herrühren, deren Initialen sie tragen, und soweit sie eine
einheitliche Komposition darstellen, spielt Marx die erste Geige in
diesem Konzert, womit nicht bestritten zu werden braucht, daß Ruge an
seinen Briefen sowie an den Briefen Bakunins und Feuerbachs
herumgebastelt haben mag.
Wie
Marx den Briefwechsel schließt, so eröffnet er ihn mit einem kurzen
stimmungsvollen Anschlage: die romantische Reaktion führt zur
Revolution, der Staat ist ein zu ernstes Ding, um zur Harlekinade
gemacht zu werden; man könnte vielleicht ein Schiff voll Narren eine
gute Weile vor dem Winde treiben lassen, aber seinem Schicksal trieb'
es entgegen, eben weil die Narren dies nicht glaubten. Darauf
antwortet Ruge mit einer langen Jeremiade über die unvergängliche
Schafsgeduld der deutschen Philister, »anklagend und hoffnungslos«,
wie er später selbst gesagt hat oder wie Marx ihm sofort höflicher
erwidert: »Ihr Brief ist eine gute Elegie, ein atemversetzender
Grabgesang, aber politisch ist er ganz und gar nicht.«[1]
Gehöre dem Philister die Welt, so lohne es sich, diesen Herrn der Welt
zu studieren. Herr der Welt sei er nur, indem er sie, wie die Würmer
einen Leichnam, mit seiner Gesellschaft ausfülle; so lange er das
Material der Monarchie sei, könne auch der Monarch nur der König der
Philister sein. Aufgeweckter und munterer als sein Vater, habe der
neue König von Preußen den Philisterstaat auf seiner eigenen Basis
aufheben wollen, aber so lange sie blieben, was sie seien, habe er
weder sich noch seine Leute zu freien wirklichen Menschen machen
können. So sei die Rückkehr zum alten verknöcherten Diener- und
Sklavenstaat erfolgt. Aber diese verzweifelte Lage erfülle mit neuer
Hoffnung. Marx weist auf die Unfähigkeit der Herren und die Trägheit
der Diener und Untertanen hin, die alles gehen ließen, wie es Gott
gefalle, und doch reiche beides zusammen schon hin, eine Katastrophe
herbeizuführen. |66| Er weist auf die Feinde des Philistertums,
auf alle denkenden und leidenden Menschen hin, die zu einer
Verständigung gelangt seien, selbst auf das passive
Fortpflanzungssystem der alten Untertanen, das jeden Tag Rekruten für
den Dienst der neuen Menschheit werbe. Noch viel schneller führe das
System des Erwerbes und Handels, des Besitzes und der Ausbeutung der
Menschen zu einem Bruche innerhalb der jetzigen Gesellschaft, den das
alte System nicht zu heilen vermöge, weil es überhaupt nicht heile und
schaffe, sondern nur existiere und genieße. So sei die Aufgabe, die
alte Welt vollkommen ans Tageslicht zu ziehen und die neue positiv
auszubilden.
Bakunin und Feuerbach schreiben, jeder in seiner Art, ebenfalls
ermunternd an Ruge. Darauf bekennt dieser sich »durch den neuen
Anacharsis und den neuen Philosophen« für überzeugt. Hatte Feuerbach
den Untergang der »Deutschen Jahrbücher« mit dem Untergang Polens
verglichen, wo die Anstrengungen weniger Menschen umsonst waren in dem
allgemeinen Sumpf eines verfaulten Volkslebens, so sagt nun Ruge in
einem Brief an Marx: »Ja! Wie Polen der katholische Glaube und die
adelige Freiheit nicht rettet, so konnte uns die theologische
Philosophie und die vornehme Wissenschaft nicht befreien. Wir können
unsere Vergangenheit nicht anders fortführen, als durch den
entschiedensten Bruch mit ihr. Die ›Jahrbücher‹ sind untergegangen,
die Hegelsche Philosophie gehört der Vergangenheit an. Wir wollen in
Paris ein Organ gründen, indem wir uns selbst und ganz Deutschland
völlig frei und mit unerbittlicher Aufrichtigkeit beurteilen.« Er
verspricht, sich um das Merkantilische zu bemühen und ersucht Marx,
sich über den Plan der Zeitschrift zu äußern.
Wie
das erste, so hat Marx das letzte Wort. Es sei klar, daß ein neuer
Sammelpunkt für die wirklich denkenden und unabhängigen Köpfe
geschaffen werden müsse. Aber wenn auch kein Zweifel über das Woher,
so herrsche desto größere Konfusion über das Wohin. »Nicht nur, daß
eine allgemeine Anarchie unter den Reformern ausgebrochen ist, so wird
jeder sich selbst gestehen müssen, daß er keine exakte Anschauung von
dem hat, was werden soll. Indessen ist das gerade wieder der Vorzug
der neuen Richtung, dar wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren,
sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen.
Bisher hatten die Philosophen die Auflösung aller Rätsel in ihrem
Pulte liegen, und die dumme exoterische Welt hatte nur das Maul
aufzusperren, damit ihr die gebratenen Tauben der absoluten
Wissenschaft in den Mund flogen. Die Philosophie hat sich
verweltlicht, und der schlagendste Beweis dafür ist, daß das
philosophische Bewußtsein selbst in die Qual des |67| Kampfes
nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich hineingezogen ist. Ist die
Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht
unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu
vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles
Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik
sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem
Konflikte mit den vorhandenen Mächten.«[2]
Marx will keine dogmatische Fahne aufpflanzen, und der Kommunismus,
wie ihn Cabet, Dézamy, Weitling lehren, ist ihm auch nur eine
dogmatische Abstraktion. Das Hauptinteresse des jetzigen Deutschlands
sei einmal die Religion, dann die Politik; ihnen sei nicht irgendein
System wie die Reise nach Ikarien entgegenzusetzen, vielmehr müsse an
sie, wie sie auch seien, angeknüpft werden.
Marx
verwirft die Meinung der »krassen Sozialisten«, daß die politischen
Fragen unter aller Würde seien. Aus dem Konflikt des politischen
Staats, aus dem Widerspruch seiner ideellen Bestimmung mit seinen
realen Voraussetzungen, lasse sich überall die soziale Wahrheit
entwickeln. »Es hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik
der Politik, an die Parteinahme in der Politik, also an wirkliche
Kämpfe anzuknüpfen. Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit einem
neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder! Wir
entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien. Wir
sagen ihr nicht: Laß ab von deinen Kämpfen, sie sind dummes Zeug, wir
wollen dir die wahre Parole des Kampfes zuschrein. Wir zeigen ihr nur,
warum sie eigentlich kämpft, und das Bewußtsein ist eine Sache, die
sie sich aneignen muß, wenn sie auch nicht will.« So faßt Marx das
Programm der neuen Zeitschrift dahin zusammen: Selbstverständigung
(kritische Philosophie) der Zeit über ihre Kämpfe und Wünsche.
Zu
dieser »Selbstverständigung« ist es nur für Marx gekommen, aber nicht
für Ruge. Schon der »Briefwechsel« zeigte, daß Marx der Treiber war,
Ruge aber nur der Getriebene. Es kam hinzu, daß Ruge nach seiner
Ankunft in Paris erkrankte und sich wenig an der Redaktion beteiligen
konnte. Er war dadurch in seiner wesentlichsten Fähigkeit lahmgelegt,
für die ihm Marx »zu umständlich« erschien. Er konnte der Zeitschrift
nicht die Form und Haltung geben, die er für die passendste hielt, und
selbst nicht einmal eine eigene Arbeit in ihr veröffentlichen.
Gleichwohl stand er der ersten Lieferung noch nicht völlig ablehnend
gegenüber. Er fand »ganz merkwürdige Sachen darin, die in Deutschland
viel Aufsehen machen würden«, wenn er auch tadelte, daß »einige
ungehobelte Sachen mit aufgetischt« seien, die er gebessert haben
würde, aber die nun so in der Eile mitgegangen seien. Es wäre wohl
noch zu einer Fortsetzung |68|* des Unternehmens gekommen, wenn
es nicht an äußeren Hindernissen gescheitert wäre.
Zunächst versiegten sehr schnell die Mittel des Literarischen Kontors,
und Fröbel erklärte, das Unternehmen nicht fortführen zu können. Dann
aber machte die preußische Regierung schon auf die erste Kunde vom
Erscheinen der »Deutsch-Französischen Jahrbücher« gegen sie mobil.
Sie
fand damit allerdings nicht einmal bei Metternich, geschweige denn bei
Guizot besondere Gegenliebe; sie mußte sich begnügen, am 18. April
1844 die Oberpräsidenten aller Provinzen zu benachrichtigen, daß die
»Jahrbücher« den Tatbestand des versuchten Hochverrats und
Majestätsverbrechens darstellten; die Oberpräsidenten sollten, ohne
dadurch Aufsehen zu erregen, die Polizeibehörden anweisen, Ruge, Marx,
Heine und Bernays, sobald sie preußischen Boden beträten, unter
Beschlagnahme ihrer Papiere zu verhaften. Das war auch noch recht
harmlos, sintemalen die Nürnberger keinen henken, sie hätten ihn denn
zuvor. Aber gefährlich wurde das böse Gewissen des preußischen Königs
dadurch, daß es mit boshafter Angst die Grenzen zu bewachen verstand.
Auf einem Rheindampfer wurden 100, bei Bergzabern an der
französisch-pfälzischen Grenze weit über 200 Exemplare aufgefangen;
das waren sehr empfindliche Nackenschläge bei der verhältnismäßig
geringen Zahl der Auflage, mit der überhaupt gerechnet werden konnte.
Wo
aber einmal innere Reibungen vorhanden sind, pflegen sie durch äußere
Schwierigkeiten leicht verbittert und verschärft zu werden. Nach
Angabe Ruges haben sie auch seinen Bruch mit Marx beschleunigt oder
gar hervorgerufen, woran insoweit etwas Wahres sein mag, als Marx in
Geldsachen von einer souveränen Gleichgültigkeit, Ruge aber von
krämerhaftem Argwohn war. Er scheute sich nicht, das Gehalt, das Marx
zu beanspruchen hatte, nach dem Muster des Trucksystems in Exemplaren
der »Jahrbücher« auszuzahlen, geriet aber in große Aufregung über die
angebliche Zumutung, sein Vermögen an die Fortsetzung der Zeitschrift
zu wagen, da er doch ohne alle Kenntnis des Buchhandels sei. Eine
solche Zumutung hat Marx in ähnlicher Lage allerdings an sich selbst
gestellt, schwerlich aber an Ruge. Er mag dazu geraten haben, die
Flinte nicht gleich nach dem ersten Mißlingen ins Korn zu werfen, und
darin mag Ruge, der schon über das Ansinnen »zornig« wurde, ein paar
Franken für die Drucklegung von Weitlings Schriften springen zu
lassen, ein gefährliches Attentat auf seinen Geldbeutel gewittert
haben.
Obendrein deutet Ruge selbst auf die wirkliche Ursache des Bruchs hin,
wenn er als seinen unmittelbaren Anlaß einen Streit über Herwegh
angibt, den er, »allerdings vielleicht zu heftig«, einen Lumpen«
genannt, |69|* wogegen Marx Herweghs »große Zukunft« betont
habe. In der Sache hat Ruge recht behalten; Herwegh hat keine »große
Zukunft« gehabt, und die Lebensweise, die er damals in Paris führte,
scheint in der Tat sehr anfechtbar gewesen zu sein; selbst Heine hat
sie scharf gegeißelt und Ruge gibt zu, daß auch Marx keine Freude
daran gehabt habe. Gleichwohl ehrte den »bissigen« und »galligen« Marx
sein hochherziger Irrtum mehr, als sich der »honette« und »noble« Ruge
auf seinen unheimlichen Instinkt einbilden durfte. Denn dem einen kam
es auf den revolutionären Dichter, dem andern aber auf den untadeligen
Spießbürger an.
Dies
war der tiefere Zusammenhang des unbedeutenden Zwischenfalls, der
beide Männer für immer trennte. Für Marx hatte der Bruch mit Ruge
nicht die sachliche Bedeutung, wie etwa seine späteren
Auseinandersetzungen mit Bruno Bauer oder Proudhon. Als Revolutionär
wird er sich lange an Ruge geärgert haben, bis ihm der Streit wegen
Herweghs, wenn er sich wirklich nach Ruges Schilderung abgespielt
haben sollte, die Galle überlaufen ließ.
Will
man Ruge von seiner besten Seite kennenlernen, so muß man die
»Denkwürdigkeiten« lesen, die er zwanzig Jahre später veröffentlicht
hat. Die vier Bände reichen bis zum Untergange der »Deutschen
Jahrbücher«, bis zur Zeit, wo das Leben Ruges vorbildlich war für jene
literarische Vorhut von Schulmeistern und Studenten, die für ein
Bürgertum sprachen, das von kleinem Schacher und großen Illusionen
lebte. Sie enthalten eine Fülle anmutiger Genrebilder aus der Kindheit
Ruges, der auf dem platten Lande in Rügen und Vorpommern aufgewachsen
war, und sie geben ein so lebendiges Bild der frischen
Burschenschaftszeit und der ruchlosen Demagogenjagd, wie es sonst in
der deutschen Literatur nicht existiert. Ihr Verhängnis war nur, daß
sie zu einer Zeit erschienen, wo das deutsche Bürgertum die großen
Illusionen verabschiedete, um den großen Schacher zu beginnen. So
blieben Ruges »Denkwürdigkeiten« fast unbeachtet, während ein
gleichartiges, aber nicht nur historisch, sondern auch literarisch
ungleich minderwertiges Buch, Reuters »Festungstid«, wahre
Beifallsstürme entfesselte. Ruge war wirklicher Burschenschafter
gewesen, während Reuter nur als lustiger Bruder von ungefähr in die
Burschenschaft geraten war; der Bourgeoisie aber, die schon mit den
preußischen Bajonetten liebäugelte, gefiel der »goldene Humor«, mit
dem Reuter über die infame Rechtsverhöhnung der Demagogenjagd
scherzte, ungleich besser, als der »dreiste Humor«, womit Ruge nach
Freiligraths treffendem Worte schilderte, daß ihn die Schufte nicht
untergekriegt und die Kasematten ihn frei gemacht hätten.
|70| Aber gerade in der anschaulichen
Schilderung Ruges empfindet man lebhaft, daß der vormärzliche
Liberalismus trotz aller großen Worte doch nur das reine Philistertum
war und seine Wortführer am letzten Ende immer Philister bleiben
mußten. Unter diesen Philistern war Ruge noch der temperamentvollste,
und innerhalb der ideologischen Schranken hatte er tapfer genug
gekämpft. Jedoch dasselbe Temperament riß ihn um so schneller herum,
als ihm in Paris die großen Gegensätze des modernen Lebens
entgegentraten.
Hatte
er sich mit dem Sozialismus als einer Spielerei philosophischer
Menschenfreunde abgefunden, so schlug ihn der Kommunismus der Pariser
Handwerkerkreise mit der panischen Angst des Spießers, nicht einmal um
seine Haut, sondern nur um seinen Beutel. Hatte er in den
»Deutsch-Französischen Jahrbüchern« der Philosophie Hegels den
Totenschein ausgestellt, so begrüßte er noch im Laufe desselben Jahres
1844 den schrullenhaftesten Ausläufer dieser Philosophie, das Buch
Stirners, als Befreiung von dem Kommunismus, der dümmsten aller
Dummheiten, dem neuen Christentum, das die Einfältigen predigen und
dessen Verwirklichung ein niederträchtiges Schafstalleben sein würde.
Zwischen Marx und Ruge war das Tischtuch für immer zerschnitten.
2. Eine
philosophische Fernsicht
Demnach waren die »Deutsch-Französischen Jahrbücher« ein totgeborenes
Kind. Konnten ihre Herausgeber unmöglich auf die Dauer zusammengehen,
so kam wenig darauf an, wann und wie sie sich trennten und ein
früherer Bruch war sogar einem späteren vorzuziehen. Genug, daß Marx
in seiner »Selbstverständigung« einen großen Schritt vorwärts getan
hatte.
Er hat
zwei Aufsätze in der Zeitschrift veröffentlicht, die »Einleitung« zu
einer »Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie« und eine Anzeige
zweier Schriften, die Bruno Bauer zur Judenfrage veröffentlicht hatte.
Trotz der sehr verschiedenen Gebiete ihres Stoffs hängen sie ihrem
gedanklichen Inhalt nach eng zusammen; wenn Marx später seine »Kritik
der Hegelschen Rechtsphilosophie« dahin zusammengefaßt hat, daß nicht
in dem von Hegel gepriesenen Staat, sondern in der von ihm mißachteten
Gesellschaft der Schlüssel zum Verständnis der geschichtlichen
Entwicklung zu suchen sei, so wird darüber in dem zweiten Aufsatz
sogar eingehender gehandelt als in dem ersten.
|71| Unter einem andern Gesichtspunkte verhalten
sich die beiden Aufsätze wie Mittel und Zweck zueinander. Der erste
gibt einen philosophischen Grundriß des proletarischen Klassenkampfes,
der zweite einen philosophischen Grundriß der sozialistischen
Gesellschaft. Aber weder der eine noch der andere erscheinen wie aus
der Pistole geschossen, sondern beide zeigen die geistige Entwicklung
des Verfassers in streng logischer Folge. Der erste knüpft unmittelbar
an Feuerbach an, der die Kritik der Religion, die Voraussetzung aller
Kritik, im wesentlichen beendet habe. Der Mensch mache die Religion,
die Religion mache nicht den Menschen. Aber so setzt Marx ein, der
Mensch ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der
Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät, die die
Religion als ein verkehrtes Weltbewußtsein produzieren, weil sie eine
verkehrte Welt sind. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar
der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. So
wird es zur Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit
geschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Die Kritik
des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik
der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die
Kritik der Politik.
Für
Deutschland kann diese geschichtliche Aufgabe aber nur durch die
Philosophie gelöst werden. Verneint man die deutschen Zustände von
1843, so steht man, nach französischer Zeitrechnung, kaum im Jahre
1789, noch weniger im Brennpunkt der Gegenwart. Soll die moderne
politisch-soziale Wirklichkeit der Kritik unterworfen werden, so
befindet sie sich außerhalb der deutschen Wirklichkeit, oder sie würde
ihren Gegenstand unter ihrem Gegenstande greifen. Als Beispiel dafür,
daß die deutsche Geschichte, gleich einem ungeschickten Rekruten,
bisher nur die Aufgabe hatte, abgedroschene Geschichten
nachzuexerzieren, bezieht sich Marx auf ein »Hautproblem der modernen
Zeit«, auf das Verhältnis der Industrie, überhaupt der Welt des
Reichtums, zu der politischen Welt.
Dies
Problem beschäftigt die Deutschen in der Form der Schutzzölle, des
Prohibitivsystems der Nationalökonomie. Man beginnt in Deutschland
anzufangen, womit man in Frankreich und England zu enden beginnt. Der
alte faule Zustand, gegen den diese Länder theoretisch im Aufruhr
sind, und den sie nur noch ertragen, wie man Ketten erträgt, wird in
Deutschland als die aufgehende Morgenröte einer schönen Zukunft
begrüßt. Während das Problem in Frankreich und England lautet:
Politische Ökonomie oder Herrschaft der Sozietät über den Reichtum,
lautet es in Deutschland: Nationalökonomie oder Herrschaft des
Privateigentums |72|* über die Nationalität. Dort handelt es
sich um die Lösung und hier handelt es sich erst um die Schürzung des
Knotens.
Aber
wenn nicht historische, so sind die Deutschen doch philosophische
Zeitgenossen der Gegenwart. Mitten in deren brennende Fragen führt die
Kritik der deutschen Rechts- und Staatsphilosophie, die durch Hegel
ihre konsequenteste Ausbildung erhalten hat. Marx nimmt hier
entschiedene Stellung sowohl zu den beiden Richtungen, die in der
»Rheinischen Zeitung« nebeneinander gegangen waren, als auch zu
Feuerbach. Hatte dieser die Philosophie zum alten Eisen geworfen, so
sagt Marx, wenn man an wirkliche Lebenskeime anknüpfen wolle, so dürfe
man nicht vergessen, daß der wirkliche Lebenskeim des deutschen Volkes
bisher nur unter seinem Hirnschädel gewuchert habe. Den
»Baumwollrittern und Eisenhelden« aber sagte er: Ihr habt ganz recht,
die Philosophie aufzuheben, aber ihr könnt sie nicht aufheben, ohne
sie zu verwirklichen, und umgekehrt dem alten Freunde Bauer und dessen
Gefolge: Ihr habt ganz recht, die Philosophie zu verwirklichen, aber
ihr könnt sie nicht verwirklichen, ohne sie aufzuheben.
Die
Kritik der Rechtsphilosophie verläuft in Aufgaben, für deren Lösung es
nur ein Mittel gibt: die Praxis. Wie kann Deutschland zu einer Praxis
auf der Höhe des Prinzips gelangen, das heißt zu einer Revolution, die
es nicht nur auf die gleiche Stufe mit den modernen Völkern erhebt,
sondern auf die menschliche Höhe, die die nächste Zukunft dieser
Völker sein wird? Wie soll es mit einem Salto mortale nicht nur über
seine eigenen Schranken hinwegsetzen, sondern zugleich über die
Schranken der modernen Völker, die es in der Wirklichkeit als
Befreiung von seinen wirklichen Schranken empfinden und erstreben muß?
Die
Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen,
die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt,
allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die
Massen ergreift, und sie ergreift die Massen, sobald sie radikal wird.
Jedoch eine radikale Revolution bedarf eines passiven Elements, einer
materiellen Grundlage; die Theorie wird in einem Volke immer nur
soweit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürfnisse
ist. Es genügt nicht, daß der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die
Wirklichkeit muß sich selbst zum Gedanken drängen. Daran aber scheint
es in Deutschland zu fehlen, wo die verschiedenen Sphären sich nicht
dramatisch, sondern episch zueinander verhalten, wo sogar das
moralische Selbstgefühl der Mittelklasse nur auf dem Bewußtsein
beruht, die allgemeine Repräsentantin von der philisterhaften
Mittelmäßigkeit aller übrigen Klassen zu sein, wo jede Sphäre der
bürgerlichen Gesellschaft |73| ihre Niederlage erlebt, bevor
sie ihren Sieg gefeiert hat, ihr engherziges Wesen geltend macht,
bevor sie ihr großmütiges Wesen geltend machen kann, so daß jede
Klasse, bevor sie den Kampf mit der über ihr stehenden Klasse beginnt,
in den Kampf mit der unter ihr stehenden verwickelt wird.
Dadurch wird jedoch nicht bewiesen, daß die radikale, die
allgemeinmenschliche, sondern nur daß die halbe, die nur politische
Revolution, die Revolution, die die Pfeiler des Hauses stehen läßt, in
Deutschland unmöglich ist. Hier fehlen ihre Vorbedingungen: auf der
einen Seite eine Klasse, die von ihrer besonderen Situation aus die
allgemeine Emanzipation der Gesellschaft unternimmt und die ganze
Gesellschaft befreit, wenn auch nur unter der Voraussetzung, daß die
ganze Gesellschaft sich in der Situation dieser Klasse befindet, also
zum Beispiel Geld oder Bildung besitzt oder beliebig erwerben kann:
auf der andern Seite eine Klasse, in der sich alle Mängel der
Gesellschaft konzentrieren, eine besondere soziale Sphäre, die für das
notorische Verbrechen der ganzen Gesellschaft gelten muß, so daß die
Befreiung von dieser Sphäre als die allgemeine Selbstbefreiung
erscheint. Die negativ-allgemeine Bedeutung des französischen Adels
und der französischen Klerisei bedingte die positiv-allgemeine
Bedeutung der zunächst angrenzenden und entgegenstehenden Bourgeoisie.
Aus
der Unmöglichkeit der halben schließt nun Marx die »positive
Möglichkeit« der radikalen Revolution. Auf die Frage, wo diese
Möglichkeit bestehe, antwortet er: »In der Bildung einer Klasse mit
radikalen Ketten, einer Klasse der bürgerlichen Gesellschaft, welche
keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft ist, eines Standes, welcher
die Auflösung aller Stände ist, einer Sphäre, welche einen
universellen Charakter durch ihre universellen Leiden besitzt und kein
besonderes Recht in Anspruch nimmt, weil kein besonderes
Unrecht, sondern das Unrecht schlechthin an ihr verübt
wird, welche nicht mehr auf einen historischen, sondern nur
noch auf den menschlichen Titel provozieren kann, welche in
keinem einseitigen Gegensatz zu den Konsequenzen, sondern in einem
allseitigen Gegensatz zu den Voraussetzungen des deutschen
Staatswesens steht, einer Sphäre endlich, welche sich nicht
emanzipieren kann, ohne sich von allen übrigen Sphären der
Gesellschaft und damit alle übrigen Sphären der Gesellschaft zu
emanzipieren, welche mit einem Wort der völlige Verlust des
Menschen ist, also nur durch die völlige Wiedergewinnung des
Menschen sich selbst gewinnen kann. Diese Auflösung der
Gesellschaft als ein besonderer Stand ist das Proletariat.«[3]
Es beginne erst durch die hereinbrechende industrielle Bewegung für
|74| Deutschland zu werden, denn nicht die naturwüchsig
entstandene, sondern die künstlich produzierte Armut, nicht die
mechanische durch die Schwere der Gesellschaft niedergedrückte,
sondern die aus ihrer akuten Auflösung, vorzugsweise aus der Auflösung
des Mittelstandes hervorgehende Menschenmasse bilde das Proletariat,
obgleich allmählich, wie sich von selbst verstehe, auch die
naturwüchsige Armut und die christlich-germanische Leibeigenschaft in
seine Reihen treten.
Wie
die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das
Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, und sobald der
Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volksboden
eingeschlagen ist, wird sich die Emanzipation der Deutschen zu
Menschen vollziehen. Die Emanzipation des Deutschen ist die
Emanzipation des Menschen. Die Philosophie kann nicht verwirklicht
werden ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich
nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie. Wenn alle
inneren Bedingungen erfüllt sind, wird der deutsche Auferstehungstag
verkündet werden durch das Schmettern des gallischen Hahns.
Nach
Form und Inhalt steht dieser Aufsatz in der ersten Reihe der
Jugendarbeiten, die sich von Marx erhalten haben; eine magere Skizze
seiner Grundgedanken kann nicht einmal einen entfernten Begriff von
der überströmenden Gedankenfülle geben, die er in einer epigrammatisch
knappen Form zu bändigen weiß. Die deutschen Professoren, die darin
Fratzenhaftigkeit des Stils und Höhe der Geschmacklosigkeit entdecken
wollten, haben nur ihrer eigenen Fratzenhaftigkeit und
Geschmacklosigkeit ein unrühmliches Zeugnis ausgestellt. Freilich fand
auch Ruge schon die »Epigramme« des Aufsatzes »zu künstlich»; er
tadelte diese »Unform und Überform«, aber entdeckte darin auch ein
»kritisches Talent, das bisweilen in Übermut ausartende Dialektik«
werde. Dies Urteil ist nicht unbillig. Denn der junge Marx hat manches
Mal schon am Klirren seiner scharfen und schweren Waffen seine Freude
gehabt. Übermut ist die Mitgift jeder genialen Jugend.
Noch
ist es nur eine philosophische Fernsicht, die der Aufsatz in die
Zukunft eröffnet. Niemand hat schlüssiger als der spätere Marx
nachgewiesen, daß keine Nation mit einem Salto mortale über notwendige
Stufen ihrer geschichtlichen Entwicklung hinwegsetzen kann. Aber es
sind nicht sowohl unrichtige als dämmernde Umrisse, die seine sichere
Hand zeichnet. Im einzelnen sind die Dinge anders gekommen, aber im
ganzen doch so wie er vorher gesagt hat. Das bezeugt ihm die
Geschichte der deutschen Bourgeoisie sowohl wie die Geschichte des
deutschen Proletariats.
3. Zur Judenfrage
|75| Nicht so packend in der Form, aber in der
Fähigkeit kritischer Zergliederung fast noch überlegen, ist der zweite
Aufsatz, den Marx in den »Deutsch-Französischen Jahrbüchern«
veröffentlicht hat. Er untersuchte in ihm den Unterschied zwischen
menschlicher und politischer Emanzipation, an der Hand zweier
Abhandlungen Bruno Bauers über die Judenfrage.
Diese
Frage war damals noch nicht so in den Niederungen anti- und
philosemitischen Geredes verkommen wie heutzutage. Eine Klasse der
Bevölkerung, die als hervorragendste Trägerin des Kaufmanns- und
Wucherkapitals eine immer größere Macht gewann, entbehrte um ihrer
Religion willen aller bürgerlichen Rechte, es sei denn, daß ihr um
ihres Wuchers willen besondere Vorrechte eingeräumt wurden; der
berühmteste Vertreter des »aufgeklärten Absolutismus«, der Philosoph
von Sanssouci, gab das erbauliche Vorbild, daß er den Geldjuden, die
ihm bei seinen Münzfälschungen und sonstigen zweifelhaften
Finanzoperationen halfen, die »Freiheit von christlichen Bankiers«
gewährte, während er den Philosophen Moses Mendelssohn nur eben in
seinen Staaten duldete, aber nicht etwa, weil er ein Philosoph war und
sich bemühte, seine »Nation« in das deutsche Geistesleben einzuführen,
sondern weil er die Stelle eines Buchhalters bei einem privilegierten
Geldjuden bekleidete. Entließ ihn dieser, so war er vogelfrei.
Aber
auch die bürgerlichen Aufklärer nahmen - mit einzelnen Ausnahmen -
keinen besonderen Anstoß an der Ächtung einer Bevölkerungsklasse um
ihrer Religion willen. Der israelitische Glaube war ihnen widerlich
als Vorbild der religiösen Unduldsamkeit, von dem das Christentum erst
die »Menschenmäkelei« gelernt hatte, und die Juden selbst zeigten
nicht das geringste Interesse für die bürgerliche Aufklärung. Sie
ergötzten sich an der aufklärerischen Kritik der christlichen
Religion, die sie selbst von jeher verflucht hatten, aber sie schrien
über einen Verrat an der Menschheit, wenn die gleiche Kritik an die
jüdische Religion herantrat. So forderten sie die politische
Emanzipation des Judentums, aber nicht im Sinne der
Gleichberechtigung, nicht in der Absicht, ihre Sonderstellung
preiszugeben, sondern vielmehr in der Absicht, sie zu befestigen,
allemal bereit, die liberalen Grundsätze preiszugeben, sobald sie
einem jüdischen Sonderinteresse widerstritten.
Die
Kritik der Religion durch die Junghegelianer hatte sich natürlich auch
auf das Judentum erstreckt, das sie als eine Vorstufe des Christentums
behandelten. Feuerbach hatte das Judentum als die Religion des |76|
Egoismus zergliedert. »Die Juden haben sich in ihrer Eigentümlichkeit
bis auf den heutigen Tag erhalten. Ihr Prinzip, ihr Gott ist das
praktischste Prinzip der Welt - der Egoismus in der Form der Religion.
Der Egoismus sammelt, konzentriert den Menschen auf sich, aber er
macht ihn theoretisch borniert, weil gleichgültig gegen alles, was
nicht unmittelbar auf das Wohl des Selbst sich bezieht.« Ähnlich Bruno
Bauer, der den Juden nachsagte, daß sie sich in den Spalten und Ritzen
der bürgerlichen Gesellschaft eingenistet hätten, um ihre unsicheren
Elemente auszubeuten, gleich den Göttern Epikurs, die in den
Zwischenräumen der Welt wohnten, wo sie der bestimmten Arbeit
überhoben seien. Ihre Religion sei tierische Schlauheit und List,
womit sich das sinnliche Bedürfnis befriedige; sie hätten sich von
jeher dem geschichtlichen Fortschritt widersetzt und sich in ihrem
Hasse aller Völker das abenteuerlichste und beschränkteste Volksleben
gestiftet.
Allein
wenn Feuerbach das Wesen der jüdischen Religion aus dem Wesen der
Juden erklärte, so sah Bauer trotz der Gründlichkeit, Kühnheit und
Schärfe, die Marx seinen Abhandlungen über die Judenfrage nachrühmte,
diese Frage doch nur erst durch die theologische Brille. Wie die
Christen, so können die Juden zur Freiheit nur durchdringen, indem sie
ihre Religion überwinden. Der christliche Staat könne seinem
religiösen Wesen nach die Juden nicht emanzipieren, aber so könnten
auch die Juden ihrem religiösen Wesen nach nicht emanzipiert werden.
Christen und Juden müßten aufhören, Christen und Juden zu sein, wenn
sie frei sein wollten. Da aber das Judentum als Religion von dem
Christentum als Religion überholt worden sei, so habe der Jude einen
beschwerlicheren und weiteren Weg zur Freiheit als der Christ. Nach
Bauers Ansicht mußten die Juden erst das Christentum und die Hegelsche
Philosophie nachexerzieren, ehe sie frei werden konnten.
Dagegen warf Marx ein, daß es nicht genüge, zu untersuchen, wer
emanzipieren und wer emanzipiert werden solle, sondern die Kritik habe
zu fragen, um welche Art von Emanzipation es sich handle, ob um die
politische oder die menschliche Emanzipation. Die Juden wie die
Christen seien in verschiedenen Staaten politisch vollständig
emanzipiert, ohne deshalb menschlich emanzipiert zu sein. Es müsse
also zwischen der politischen und der menschlichen Emanzipation ein
Unterschied bestehen.
Das
Wesen der politischen Emanzipation sei der ausgebildete moderne Staat,
und dieser Staat sei auch der vollendete christliche Staat, denn der
christlich-germanische Staat, der Staat der Privilegien, sei erst der
unvollkommene, noch theologische, noch nicht in politischer Reinheit
|77| ausgebildete Staat. Der politische Staat in seiner
höchsten Ausbildung verlange aber weder vom Juden die Aufhebung des
Judentums, noch vom Menschen überhaupt die Aufhebung der Religion; er
habe die Juden emanzipiert und müsse sie seinem Wesen nach
emanzipieren. Wo die Staatsverfassung ausdrücklich die Ausübung
politischer Rechte für unabhängig vom religiösen Glauben erkläre, da
halte man gleichwohl einen Menschen ohne Religion für keinen
anständigen Menschen. Das Dasein der Religion widerspreche also der
Vollendung des Staates nicht. Die politische Emanzipation des Juden,
des Christen, überhaupt des religiösen Menschen, sei die Emanzipation
des Staats vom Judentum, vom Christentum, überhaupt von der Religion.
Der Staat könne sich von einer Schranke befreien, ohne daß der Mensch
wirklich von ihr frei wäre, und darin zeige sich die Grenze der
politischen Emanzipation.
Marx
spinnt nun diesen Gedanken noch weiter aus. Der Staat als Staat
verneine das Privateigentum; der Mensch erkläre auf politische Weise
das Privateigentum für aufgehoben, sobald er den Zensus für aktive und
passive Wählbarkeit aufhebe, wie es in vielen nordamerikanischen
Freistaaten geschehen sei. Der Staat hebe den Unterschied der Geburt,
des Standes, der Bildung, der Beschäftigung in seiner Weise auf, wenn
er Geburt, Stand, Bildung, Beschäftigung für unpolitische Unterschiede
erkläre, wenn er ohne Rücksicht auf diese Unterschiede jedes Glied des
Volks zum gleichmäßigen Teilnehmer der Volkssouveränität ausrufe.
Nichtsdestoweniger lasse der Staat das Privateigentum, die Bildung,
die Beschäftigung auf ihre Weise, das heißt als Privateigentum, als
Bildung, als Beschäftigung wirken und ihr besonderes Wesen geltend
machen. Weit entfernt, diese faktischen Unterschiede aufzuheben,
existiere er vielmehr nur unter ihrer Voraussetzung, empfinde er sich
vielmehr nur als politischer Staat und mache er seine Allgemeinheit
geltend nur im Gegensatz zu diesen seinen Elementen. Der vollendete
politische Staat sei seinem Wesen nach das Gattungsleben der
Menschheit im Gegensatz zu seinem materiellen Leben. Alle
Voraussetzungen dieses egoistischen Lebens blieben außerhalb der
Staatssphäre in der bürgerlichen Gesellschaft bestehen, aber als
Eigenschaften der bürgerlichen Gesellschaft. Das Verhältnis des
politischen Staats zu seinen Voraussetzungen, mögen dies nun
materielle Elemente sein wie das Privateigentum oder aber geistige
Elemente wie die Religion, sei der Widerstreit zwischen dem
allgemeinen und dem Privatinteresse. Der Konflikt, worin sich der
Mensch als Bekenner einer besonderen Religion mit seinem
Staatsbürgertum, mit den anderen Menschen als Gliedern des
Gemeinwesens befinde, reduziere |78| sich auf die Spaltung
zwischen dem politischen Staat und der bürgerlichen Gesellschaft.
Die
bürgerliche Gesellschaft ist die Grundlage des modernen Staats, wie
die antike Sklaverei die Grundlage des antiken Staats war. Der moderne
Staat erkannte seine Geburtsstätte durch die Verkündung der
allgemeinen Menschenrechte an, deren Genuß den Juden ebenso zusteht
wie der Genuß der politischen Rechte. Die allgemeinen Menschenrechte
erkennen das egoistische, bürgerliche Individuum und die zügellose
Bewegung der geistigen und materiellen Elemente an, die den Inhalt
seiner Lebenslage, den Inhalt des heutigen bürgerlichen Lebens bilden.
Sie befreien den Menschen nicht von der Religion, sondern geben ihm
Religionsfreiheit; sie befreien ihn nicht vom Eigentum, sondern geben
ihm die Freiheit des Eigentums; sie befreien ihn nicht vom Schmutze
des Erwerbes, sondern geben ihm Gewerbefreiheit. Die politische
Revolution hat die bürgerliche Gesellschaft geschaffen, indem sie das
buntscheckige Feudalwesen zertrümmerte, alle die Stände,
Korporationen, Innungen, die ebenso viele Ausdrücke der Trennung des
Volks von seinem Gemeinwesen waren; sie schuf den politischen Staat
als allgemeine Angelegenheit, als wirklichen Staat.
Demnach faßt Marx zusammen: »Die politische Emanzipation ist die
Reduktion des Menschen, einerseits auf das Mitglied der bürgerlichen
Gesellschaft, auf das egoistische unabhängige Individuum,
andrerseits auf den Staatsbürger, auf die moralische Person.
Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten
Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch in
seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen
individuellen Verhältnissen, Gattungswesen geworden ist, erst
wenn der Mensch seine ›forces propres‹ [Mehring übersetzt: eigenen
Kräfte] als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert
hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt
der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche
Emanzipation vollbracht.«[4]
Es
blieb noch die Behauptung zu prüfen, daß der Christ
emanzipationsfähiger sei als der Jude, eine Behauptung, die Bauer aus
der jüdischen Religion zu erklären gesucht hatte. Marx knüpft an
Feuerbach an, der die jüdische Religion aus dem Juden, nicht aber den
Juden aus der jüdischen Religion erklärt hatte. Allein er geht auch
über Feuerbach hinaus, indem er das besondere gesellschaftliche
Element ermittelt, das sich in der jüdischen Religion widerspiegelt.
Welches sei der weltliche Grund des Judentums? Das praktische
Bedürfnis, der Eigennutz. Welches sei der weltliche Kultus des Juden?
Der Schacher. Welches sein |79| weltlicher Gott? Das Geld. »Nun
wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also
vom praktischen, realen Judentum, wäre die Selbstemanzipation unsrer
Zeit. Eine Organisation der Gesellschaft, welche die Voraussetzungen
des Schachers, also die Möglichkeit des Schachers aufhöbe, hätte den
Juden unmöglich gemacht. Sein religiöses Bewußtsein würde wie ein
fader Dunst in der wirklichen Lebensluft der Gesellschaft sich
auflösen. Andrerseits: wenn der Jude dies sein praktisches
Wesen als nichtig erkennt und an seiner Aufhebung arbeitet, arbeitet
er aus seiner bisherigen Entwicklung heraus, an der menschlichen
Emanzipation schlechthin und kehrt sich gegen den höchsten
praktischen Ausdruck der menschlichen Selbstentfremdung.«[5]
Marx erkennt im Judentum ein allgemeines, gegenwärtiges, antisoziales
Element, das durch die geschichtliche Entwicklung, an der die Juden in
dieser schlechten Beziehung eifrig mitgearbeitet haben, auf seine
jetzige Höhe getrieben worden sei, wo es sich notwendig auflösen
müsse.
Was
Marx mit diesem Aufsatz erreichte, war ein zwiefacher Gewinn. Er sah
dem Zusammenhange zwischen Gesellschaft und Staat auf den Grund. Der
Staat ist nicht, wie Hegel meinte, die Wirklichkeit der sittlichen
Idee, das absolut Vernünftige und der absolute Selbstzweck, sondern er
muß sich mit der ungleich bescheideneren Aufgabe begnügen, die
Anarchie der bürgerlichen Gesellschaft zu schützen, die ihn zu ihrem
Wächter bestellt hat: den allgemeinen Kampf von Mann wider Mann,
Individuum wider Individuum, den Krieg aller nur mehr durch ihre
Individualität voneinander abgeschlossenen Individuen gegeneinander,
die allgemeine zügellose Bewegung der aus den feudalen Fesseln
befreiten elementarischen Lebensmächte, die tatsächliche Sklaverei,
wenn auch scheinbare Freiheit und Unabhängigkeit des Individuums, das
die zügellose Bewegung seiner entfremdeten Lebenselemente wie
Eigentum, Industrie, Religion für seine eigene Freiheit nimmt, während
sie vielmehr seine vollendete Knechtschaft und Unmenschlichkeit ist.
Dann
aber hatte Marx erkannt, daß die religiösen Tagesfragen nur noch eine
gesellschaftliche Bedeutung haben. Die Entwicklung des Judentums wies
er nicht in der religiösen Theorie, sondern in der industriellen und
kommerziellen Praxis nach, die in der jüdischen Religion einen
phantastischen Reflex findet. Das praktische Judentum ist nichts als
die vollendete christliche Welt. Da die bürgerliche Gesellschaft
durchaus kommerziellen jüdischen Wesens ist, so gehört der Jude
notwendig zu ihr und kann die politische Emanzipation beanspruchen wie
den Genuß der allgemeinen Menschenrechte. Die menschliche Emanzipation
jedoch ist eine neue Organisation der gesellschaftlichen Kräfte, die
den Menschen |80|* zum Herrn seiner Lebensquellen macht; in
dämmernden Umrissen erscheint hier das Bild der sozialistischen
Gesellschaft.
In den
»Deutsch-Französischen Jahrbüchern« ackerte Marx noch auf
philosophischem Felde, aber in den Furchen, die sein kritischer Pflug
zog, sproßten die Keime einer materialistischen Geschichtsauffassung
auf, die im Lichte der französischen Zivilisation rasch in die Halme
schossen.
4. Französische
Zivilisation
Bei
der Art, wie Marx arbeitete, ist es sehr wahrscheinlich, daß er die
beiden Aufsätze über die Hegelsche Rechtsphilosophie und die
Judenfrage wenigstens in ihren Grundrissen schon entworfen hatte, als
er noch in Deutschland lebte, in den ersten Monaten seiner glücklichen
Ehe. Wenn sie sich aber schon um die große französische Revolution
bewegten, so lag es um so näher, daß Marx sich in die Geschichte
dieser Revolution stürzte, sobald ihm der Aufenthalt in Paris
gestattete, ihre Quellen zu erforschen, sowie nicht minder die Quellen
ihrer Vorgeschichte, des französischen Materialismus wie ihrer
Nachgeschichte, des französischen Sozialismus.
Paris
durfte sich damals mit Recht rühmen, an der Spitze der bürgerlichen
Zivilisation zu marschieren. In der Julirevolution von 1830 hatte die
französische Bourgeoisie nach einer Reihe weltgeschichtlicher
Illusionen und Katastrophen endlich gesichert, was sie in der großen
Revolution von 1789 begonnen hatte. Ihre Talente reckten sich
behaglich aus, aber wenn der Widerstand der alten Mächte noch längst
nicht gebrochen war, so meldeten sich neue Mächte an, und in
unablässigem Hin und Her wogte ein Kampf der Geister, wie nirgends
sonst in Europa, und am wenigsten in dem grabesstillen Deutschland.
In
dies stählende Wellenbad hat sich Marx mit breiter Brust geworfen.
Nicht in lobendem Sinn, aber um so beweiskräftiger, schrieb Ruge im
Mai 1844 an Feuerbach, Marx lese sehr viel und arbeite mit ungemeiner
Intensivität, aber er vollende nichts, breche überall ab und stürze
sich immer von neuem in ein endloses Büchermeer. Er sei gereizt und
heftig, am meisten wenn er sich krank gearbeitet und drei, ja vier
Nächte hintereinander nicht ins Bett gekommen sei. Die »Kritik der
Hegelschen Philosophie« lasse er nun wieder liegen und wolle seinen
Pariser Aufenthalt dazu benutzen, was Ruge sehr richtig fand, eine
Geschichte |81|* des Konvents zu schreiben, wozu er das
Material aufgehäuft und sehr fruchtbare Gesichtspunkte gefaßt habe.
Marx
hat die Geschichte des Konvents nicht geschrieben, aber die Angaben
Ruges werden dadurch nicht widerlegt, sondern vielmehr um so
glaubhafter. Je tiefer Marx in das historische Wesen der Revolution
von 1789 eindrang, um so eher konnte er auf die Kritik der Hegelschen
Philosophie als ein Mittel zur »Selbstverständigung« über die Kämpfe
und Wünsche der Zeit verzichten, jedoch um so weniger konnte er sich
an der Geschichte des Konvents genügen lassen, der zwar ein Maximum
der politischen Energie, der politischen Macht und des politischen
Verstandes dargestellt, aber sich der gesellschaftlichen Anarchie
gegenüber ohnmächtig erwiesen hatte.
Außer
den spärlichen Andeutungen Ruges hat sich leider kein Zeugnis
erhalten, woraus sich im einzelnen auf den Gang der Studien schließen
läßt, die Marx im Frühling und Sommer des Jahres 1844 getrieben hat.
Aber im ganzen läßt sich wohl erkennen, wie sich die Dinge gestaltet
haben. Das Studium der Französischen Revolution führte Marx auf jene
Geschichtsliteratur des »dritten Standes«, die unter der bourbonischen
Restauration entstanden und von großen Talenten gepflegt worden war,
um die historische Existenz ihrer Klasse bis ins elfte Jahrhundert zu
verfolgen und die französische Geschichte seit dem Mittelalter als
eine ununterbrochene Reihe von Klassenkämpfen darzustellen. Diesen
Historikern - er nennt namentlich Guizot und Thierry - verdankte Marx
die Kenntnis von dem geschichtlichen Wesen der Klassen und ihrer
Kämpfe, deren ökonomische Anatomie er dann aus den bürgerlichen
Ökonomen lernte, von denen er namentlich Ricardo nennt. Er selbst hat
stets abgelehnt, die Theorie des Klassenkampfs entdeckt zu haben; was
er für sich beanspruchte, war nur, nachgewiesen zu haben, daß die
Existenz der Klassen an bestimmte historische Entwicklungskämpfe der
Produktion gebunden sei, daß der Klassenkampf notwendig zur Diktatur
des Proletariats führe und daß diese Diktatur selbst nur den Übergang
zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft
bilde. Diese Gedankenreihen haben sich in Marx während seines Pariser
Exils entwickelt.
Die
glänzendste und schärfste Waffe, womit der »dritte Stand« gegen die
herrschenden Klassen kämpfte, war im achtzehnten Jahrhundert die
materialistische Philosophie. Auch sie hat Marx eifrig zur Zeit seines
Pariser Exils studiert, weniger in derjenigen ihrer beiden Richtungen,
die von Descartes ausging und sich in die Naturwissenschaft verlief,
als in derjenigen, die an Locke anknüpfte und in die
Gesellschaftswissenschaft |82|* mündete. Helvétius und Holbach,
die den Materialismus ins gesellschaftliche Leben übertragen, die
natürliche Gleichheit der menschlichen Intelligenzen, die Einheit
zwischen dem Fortschritt der Vernunft und dem Fortschritt der
Industrie, die natürliche Güte der Menschheit, die Allmacht der
Erziehung zu Hauptgesichtspunkten ihres Systems gemacht hatten, waren
ebenfalls Sterne, die den Pariser Arbeiten des jungen Marx geleuchtet
haben. Er taufte ihre Lehre als »realen Humanismus«, sowie er auch
Feuerbachs Philosophie taufte; nur daß der Materialismus der Helvétius
und Holbach die »soziale Basis des Kommunismus« geworden war.
Den
Kommunismus und Sozialismus zu studieren, wie Marx schon in der
»Rheinischen Zeitung« angekündigt hatte, bot Paris nun vollends die
reichlichste Gelegenheit. Was sich hier seinen Blicken darstellte, war
ein Bild von einer fast verwirrenden Fülle der Gedanken und Gestalten.
Die geistige Luft war mit sozialistischen Keimen gesättigt, und selbst
das »Journal des Débats«, das klassische Blatt der herrschenden
Geldaristokratie, das von der Regierung mit einer beträchtlichen
Jahresspende unterstützt wurde, konnte sich dieser Strömung nicht
entziehen, wenn es auch nur die sozusagen sozialistischen
Schauerromane Eugène Sues in seinem Feuilleton veröffentlichte. Den
Gegenpol dazu bildeten geniale Denker wie Leroux, die schon das
Proletariat gebar. Dazwischen standen die Trümmer der Saint-Simonisten
und die rührige Sekte der Fourieristen, die in Considérant ihren
Führer und in der »Friedlichen Demokratie« ihr Organ hatte,
christliche Sozialisten, wie der katholische Priester Lamennais oder
der ehemalige Carbonari Buchez, kleinbürgerliche Sozialisten wie
Sismondi, Buret, Pecqueur, Vidal, nicht zuletzt auch die schöne
Literatur, in deren oft hervorragendsten Schöpfungen wie den Liedern
Bérangers oder den Romanen der George Sand, sozialistische Lichter und
Schatten spielten.
Eigentümlich aber war allen diesen sozialistischen Systemen, daß sie
auf die Einsicht und das Wohlwollen der besitzenden Klassen rechneten,
die durch eine friedliche Propaganda von der Notwendigkeit
gesellschaftlicher Reformen oder Umwälzungen überzeugt werden müßten.
Wenn sie selbst aus den Enttäuschungen der großen Revolution geboren
waren, so verschmähten sie den politischen Weg, der zu diesen
Enttäuschungen geführt hatte; den leidenden Massen sollte geholfen
werden, da sie sich selbst nicht helfen konnten. Die Arbeiteraufstände
der dreißiger Jahre waren gescheitert, und in der Tat hatten ihre
entschlossensten Führer, Männer wie Barbès und Blanqui, weder eine
sozialistische Theorie noch bestimmte praktische Mittel einer sozialen
Umwälzung gekannt.
|83| Allein deshalb wuchs die Arbeiterbewegung
nur um so schneller an, und mit dem Seherblick des Dichters
kennzeichnete Heinrich Heine das Problem, das daraus entstand, mit den
Worten: »Die Kommunisten sind die einzige Partei in Frankreich, die
eine entschlossene Beachtung verdient. Ich würde für die Trümmer des
Saint-Simonismus, dessen Bekenner unter seltsamen Aushängeschildern
noch immer am Leben sind, sowie auch für die Fourieristen, die noch
frisch und rührig wirken, dieselbe Aufmerksamkeit beanspruchen, aber
diese ehrenwerten Männer bewegt doch nur das Wort, die soziale Frage
als Frage, der überlieferte Begriff, und sie werden nicht getrieben
von dämonischer Notwendigkeit, sie sind nicht die prädestinierten
Knechte, womit der höchste Weltwille seine ungeheuren Beschlüsse
durchsetzt. Früh oder spät wird die zerstreute Familie Saint-Simons
und der ganze Generalstab der Fourierischen zu dem wachsenden Heere
des Kommunismus übergehen, und, dem rohen Bedürfnis das gestaltende
Wort verleihend, gleichsam die Rolle der Kirchenväter übernehmen.« So
schrieb Heine am 15. Juni 1843, und noch hatte sich das Jahr nicht
gewendet, als der Mann nach Paris kam, der das vollbrachte, was Heine
in seiner dichterischen Sprache von den Saint-Simonisten und
Fourieristen beanspruchte, der dem rohen Bedürfnis das gestaltende
Wort verlieh.
Vermutlich schon auf deutscher Erde und jedenfalls noch vom
philosophischen Standpunkte aus hatte sich Marx gegen die Konstruktion
der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten, gegen das
Aufpflanzen einer dogmatischen Fahne, gegen die Ansicht der krassen
Sozialisten erklärt, daß die Beschäftigung mit den politischen Fragen
unter aller Würde sei. Und wenn er gemeint hatte, es genüge nicht, daß
der Gedanke zur Wirklichkeit dränge, die Wirklichkeit müsse sich
selbst zum Gedanken drängen, so erfüllte sich ihm auch diese
Bedingung. Seitdem im Jahre 1839 der letzte Arbeiteraufstand
niedergeschlagen worden war, begannen sich Arbeiterbewegung und
Sozialismus in drei Richtungen zu nähern.
Zunächst in der demokratisch-sozialistischen Partei. Mit ihrem
Sozialismus war es schwach bestellt, denn sie setzte sich aus
kleinbürgerlichen und proletarischen Elementen zusammen, und die
Schlagworte, die sie auf ihre Fahne schrieb: Organisation der Arbeit
und Recht auf Arbeit, waren kleinbürgerliche Utopien, die sich in der
kapitalistischen Gesellschaft nicht verwirklichen ließen. In ihr ist
die Arbeit so organisiert, wie sie nach den Lebensbedingungen dieser
Gesellschaft organisiert sein muß, nämlich als Lohnarbeit, die das
Kapital voraussetzt und nur mit dem Kapital aufgehoben werden kann.
Nicht anders steht es mit |84| dem Recht auf Arbeit, das sich
nur verwirklichen läßt durch das Gemeineigentum an den
Arbeitswerkzeugen, also durch Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft,
an deren Wurzeln die Axt zu legen die Häupter dieser Partei, Louis
Blanc, Ledru-Rollin, Ferdinand Flocon, feierlich ablehnten. Sie
wollten weder Kommunisten noch Sozialisten sein.
Aber
so utopisch die sozialen Ziele dieser Partei waren, so vollzog sie
doch einen entscheidenden Fortschritt, indem sie den politischen Weg
zu ihnen einschlug. Sie erklärte jede soziale Reform für unmöglich
ohne politische Reform; die Eroberung der politischen Macht sei der
einzige Hebel, womit die leidenden Massen sich retten könnten. Sie
forderte das allgemeine Stimmrecht, und diese Forderung fand einen
lebhaften Widerhall innerhalb des Proletariats, das, der Handstreiche
und Verschwörungen müde, nach wirksameren Waffen seines Klassenkampfes
suchte.
Noch
größere Scharen sammelten sich um die Fahne des Arbeiterkommunismus,
die Cabet entfaltete. Er war ursprünglich Jakobiner, aber auf
literarischem Wege, namentlich durch die Utopie Thomas Mores, zum
Kommunismus bekehrt worden. Er bekannte ihn ebenso offen, wie ihn die
demokratisch-sozialistische Partei verwarf, aber er stimmte insoweit
mit ihr überein, als er die politische Demokratie für ein notwendiges
Übergangsstadium erklärte. Dadurch wurde die »Reise nach Ikarien«,
worin Cabet die Gesellschaft der Zukunft zu zeichnen versuchte,
ungleich volkstümlicher als die genialen Zukunftsphantasien Fouriers,
mit denen sie sich in ihrem engbrüstigen Zuschnitt sonst nicht
entfernt messen konnte.
Endlich erhoben sich aus dem Schoße des Proletariats helle Stimmen,
die unzweideutig bekundeten, daß diese Klasse mündig zu werden begann.
Marx kannte Leroux und Proudhon, die beide als Schriftsetzer der
Arbeiterklasse angehörten, schon aus der »Rheinischen Zeitung« und
hatte damals versprochen, ihre Schriften gründlich zu studieren. Das
lag ihm um so näher, als Leroux wie Proudhon an die deutsche
Philosophie anzuknüpfen versuchten, beide freilich mit großen
Mißverständnissen. Von Proudhon hat Marx selbst bezeugt, daß er ihn in
langen, oft übernächtigen Unterhaltungen über die Hegelsche
Philosophie aufzuklären gesucht habe. Sie sind zusammengekommen, um
sich alsbald wieder zu trennen, aber nach dem Tode Proudhons hat Marx
willig den großen Anstoß anerkannt, den dessen erstes Auftreten
gegeben habe und den auch er zweifellos empfangen hat. In Proudhons
Erstlingsschrift, die unter Verzicht auf alle Utopien das
Privateigentum als die Ursache aller sozialen Übel einer gründlichen
und rücksichtslosen Kritik |85| unterwarf, sah Marx das erste
wissenschaftliche Manifest des modernen Proletariats.
Alle
diese Richtungen bahnten die Verschmelzung zwischen der
Arbeiterbewegung und dem Sozialismus an, aber wie sie untereinander in
Widerspruch standen, so verlief sich jede nach den ersten Schritten in
neue Widersprüche. Für Marx kam es nun zunächst nach dem Studium des
Sozialismus auf das Studium des Proletariats an. Im Juli 1844 schrieb
Ruge an einen gemeinsamen Freund in Deutschland: »Marx hat sich in den
deutschen hiesigen Kommunismus gestürzt - gesellig heißt das, denn
unmöglich kann er das traurige Treiben politisch wichtig finden. Eine
so partielle Wunde, als die Handwerksburschen und nun wieder diese
anderthalb hier eroberten zu machen imstande sind, kann Deutschland
aushalten, ohne viel daran zu doktern.« Alsbald sollte Ruge belehrt
werden, weshalb Marx das Treiben der anderthalb Handwerksburschen
wichtig nahm.
5. Der »Vorwärts!«
und die Ausweisung
Über
das persönliche Leben, das Marx in seinem Pariser Exil geführt hat,
liegen nicht allzu viele Nachrichten vor. Seine Gattin schenkte ihm
das erste Töchterchen und reiste dann in die Heimat, um es den
Verwandten vorzustellen. Mit den Freunden in Köln dauerte der alte
Verkehr fort; durch eine Spende von tausend Talern haben sie
wesentlich dazu beigetragen, daß dies Jahr für Marx so fruchtbar
werden konnte.
In
nahem Verkehr stand Marx mit Heinrich Heine, und er hatte seinen
Anteil daran, wenn das Jahr 1844 einen Höhepunkt in diesem
Dichterleben bezeichnete. Das »Wintermärchen« und das »Weberlied«, so
auch die unsterblichen Satiren auf die deutschen Despoten hat Marx aus
der Taufe heben helfen. Er hat nur wenige Monde mit dem Dichter
verkehrt, aber auch ihm die Treue gehalten, selbst als das Geschrei
der Philister noch ärger über Heine erscholl als über Herwegh; Marx
hat selbst großmütig geschwiegen, als Heine auf seinem Krankenlager
ihn wider die Wahrheit als Zeugen aufrief für die Unverfänglichkeit
der Jahrespension, die der Dichter vom Ministerium Guizot bezogen
hatte. Hatte Marx, als halber Knabe noch, auch vergeblich nach dem
dichterischen Lorbeer getrachtet, so bewahrte er der Poetenzunft doch
immer eine lebhafte Sympathie und große Nachsicht mit ihren kleinen
Schwächen. Er meinte wohl, Dichter seien wunderliche Käuze, die man
|86| ihre Wege gehen lassen müsse, die man nicht mit dem Maße
gewöhnlicher oder selbst ungewöhnlicher Menschen messen dürfe; sie
wollten geschmeichelt sein, wenn sie singen sollten, mit einer
scharfen Kritik dürfe man ihnen nicht kommen.
In
Heine sah Marx aber zudem nicht nur den Dichter, sondern auch den
Kämpfer. In dem Streit zwischen Börne und Heine, der in jener Zeit
sich zu einer Art Prüfstein der Geister ausgebildet hatte, trat er mit
aller Entschiedenheit für Heine ein. Er meinte, eine tölpelhaftere
Behandlung, als Heines Schrift über Börne von den
christlich-germanischen Eseln erfahren habe, sei noch in keiner
Periode der deutschen Literatur anzutreffen gewesen, obgleich es
keiner an Tölpeln gefehlt habe. Durch den Lärm über Heines angeblichen
Verrat, durch den sich selbst Engels und Lassalle, beide freilich in
sehr jungen Jahren, anfechten ließen, ist Marx niemals beirrt worden.
»Wir brauchen ja wenige Zeichen, uns zu verstehen«, schrieb Heine
einmal an ihn, um das »verworrene Gekritzel« seiner Handschrift zu
entschuldigen, aber das Wort hatte einen tieferen Sinn als den
äußerlichen, worin es gemeint war.
Marx
saß noch auf der Schulbank, als Heine im Jahre 1834 schon entdeckte,
daß der »Freiheitssinn« unserer klassischen Literatur »unter den
Gelehrten, Dichtern und Literaten viel minder« als »in der großen,
aktiven Masse, unter Handwerkern und Gewerbsleuten« sich ausspreche,
und zehn Jahre später, zur Zeit, wo Marx in Paris lebte, entdeckte er,
daß »die Proletarier in ihrem Ankampfe gegen das Bestehende die
fortgeschrittensten Geister, die großen Philosophen als Führer«
besäßen. Die Freiheit und Sicherheit dieses Urteils versteht man
vollends, wenn man erwägt, daß Heine dazwischen den beißendsten Spott
über das beständige Kannegießern in den kleinen
Flüchtlingskonventikeln ergoß, in denen Börne den großen
Tyrannenhasser spielte. Heine erkannte, daß es zwei ganz verschiedene
Dinge waren, ob sich Börne oder Marx mit »anderthalb
Handwerksburschen« abgab.
Was
ihn mit Marx verband, war der Geist der deutschen Philosophie und der
Geist des französischen Sozialismus, war die gründliche Abneigung
gegen die christlich-germanische Bärenhäuterei, das falsche
Teutonentum, das mit seinen radikalen Schlagworten das Kostüm
altdeutscher Narrheit ein wenig modernisierte. Die Maßmann und Venedey,
die in Heines Satire fortleben, stapften doch nur in den Spuren
Börnes, so hoch dieser an Geist und Witz über ihnen stehen mochte. Ihm
fehlte jeder Sinn für Kunst und Philosophie, gemäß seinem berufenen
Worte, daß Goethe ein gereimter und Hegel ein ungereimter Knecht
|87| gewesen sei, aber wenn er mit den großen Überlieferungen der
deutschen Geschichte brach, so gewann er kein geistesverwandtes
Verhältnis zu den neuen Mächten der westeuropäischen Kultur. Heine
dagegen konnte auf Goethe und Hegel nicht verzichten, ohne sich selbst
aufzugeben, und stürzte sich auf den französischen Sozialismus mit
heißer Begier als eine neue Quelle geistigen Lebens. Seine Schriften
leben fort und fort; sie erregen den Zorn der Enkel noch ebenso, wie
sie den Zorn der Großväter erregt haben, während die Schriften Börnes
vergessen sind, wegen des »kurzen Hundetrabs« ihres Stils viel weniger
als ihres Inhalts.
So
abgeschmackt, fade und kleinlich habe er sich Börne doch nicht
vorgestellt, meinte Marx gegenüber den heimlichen Klatschereien, die
Börne schon gegen Heine verbreitet hatte, als beide noch Schulter an
Schulter standen, und die Börnes literarische Erben unklug genug
waren, aus dessen Nachlaß zu veröffentlichen. An dem unbestreitbar
ehrlichen Charakter des Klätschers würde Marx deshalb doch nicht
gezweifelt haben, wenn er über den Streit geschrieben hätte, wie es
seine Absicht war. Es gibt im öffentlichen Leben nicht leicht ärgere
Jesuiten als die beschränkten und buchstabengläubigen Radikalen, die
im fadenscheinigen Mantel ihrer Tugendhaftigkeit vor keinen
Verdächtigungen der feineren und freieren Geister zurückscheuen, denen
es gegeben ist, die tieferen Zusammenhänge des geschichtlichen Lebens
zu erkennen. Marx hat es immer mit diesen gehalten, niemals mit jenen,
zumal da er die tugendsame Rasse aus eigener Erfahrung gründlich
kannte.
In
späteren Jahren hat Marx von »russischen Aristokraten« gesprochen, die
ihn in seinem Pariser Exil auf Händen getragen hätten, freilich mit
dem Hinzufügen, das sei nicht hoch anzuschlagen gewesen. Die russische
Aristokratie werde auf deutschen Universitäten erzogen und verlebe in
Paris ihre Jünglingszeit. Sie hasche immer nach dem Extremsten, was
der Westen liefere; das hindere aber dieselben Russen nicht, Halunken
zu werden, sobald sie in den Staatsdienst getreten seien. Marx scheint
dabei an einen Grafen Tolstoi, einen heimlichen Agenten der russischen
Regierung, oder sonst wen gedacht zu haben; nicht jedoch hat er dabei
ein Auge gehabt oder konnte ein Auge haben auf den russischen
Aristokraten, auf dessen geistige Entwicklung er in jenen Tagen großen
Einfluß gehabt hat: nämlich Michail Bakunin. Dieser hat sich dazu noch
in einer Zeit bekannt, wo sich die Wege beider Männer weit getrennt
hatten; auch in dem Streit zwischen Marx und Ruge nahm Bakunin sehr
entschieden Partei, für Marx und gegen Ruge, der bis dahin sein
Beschützer gewesen war.
|88| Dieser Streit flammte im Sommer 1844 noch
einmal auf, und nunmehr öffentlich. In Paris erschien seit Neujahr
1844, zweimal in der Woche, der »Vorwärts!«, der nicht eben den
feinsten Ursprung hatte. Ein gewisser Heinrich Börnstein, der in
Theater- und sonstigen Reklamegeschäften machte, hatte ihn für die
Zwecke seines Geschäftsbetriebs gegründet, und zwar mit einem
reichlichen Trinkgelde, das ihm der Komponist Meyerbeer gespendet
hatte; man weiß ja aus Heine, wie sehr dieser königlich-preußische
Generalmusikdirektor, der mit Vorliebe in Paris lebte, auf eine
weitverzweigte Reklame versessen und auch wohl angewiesen war. Als
geriebener Geschäftsmann hing Börnstein dem »Vorwärts!« aber ein
patriotisches Mäntelchen um und ließ das Blatt von Adalbert von
Bornstedt redigieren, einem ehemals preußischen Offizier und
nunmehrigen Allerweltsspitzel, der sowohl »Konfident« Metternichs war
als auch von der Berliner Regierung bezahlt wurde. In der Tat wurden
die »Deutsch-Französischen Jahrbücher« sofort nach ihrem Erscheinen
vom »Vorwärts!« mit einer Schimpfsalve begrüßt, von der schwer zu
sagen ist, ob sie alberner oder pöbelhafter war.
Bei
alledem aber wollte das Geschäft nicht glücken. Im Interesse einer
fingerfertigen Übersetzungsfabrik, die Börnstein eingerichtet hatte,
um neue Stücke der Pariser Bühne mit unglaublicher Fixigkeit an die
deutschen Theaterdirektionen zu vertreiben, mußte er die jungdeutschen
Dramatiker auszustechen suchen, und wieder, um diesen Zweck bei den
nun einmal rebellisch gewordenen Spießern zu erreichen, mußte er
einiges vom »gemäßigten Fortschritt« faseln und dem »Ultrawesen« nicht
nur nach links, sondern auch nach rechts absagen. In derselben
Notwendigkeit befand sich Bornstedt, wenn er die Flüchtlingskreise
nicht kopfscheu machen wollte, in denen unverdächtig zu verkehren ja
die Vorbedingung seines Sündensoldes war. Allein die preußische
Regierung war so verblendet, daß sie ihre eigenen staatsretterischen
Notwendigkeiten nicht begriff und den »Vorwärts!« in ihren Staaten
verbot, worauf andere deutsche Regierungen das gleiche taten.
Bornstedt gab nun das Spiel im Anfang Mai als hoffnungslos auf, aber
nicht so Börnstein. Er wollte seine Geschäfte machen, so oder so, und
sagte sich mit der Kaltblütigkeit eines geriebenen Spekulanten, daß
der »Vorwärts!«, wenn er nun einmal in Preußen verboten bleiben solle,
auch alle Würze eines verbotenen Blattes erhalten müsse, so daß es dem
preußischen Spießbürger lohne, ihn auf Schleichwegen zu beziehen. Es
war ihm deshalb sehr willkommen, als ihm der jugendliche Heißsporn
Bernays einen gepfefferten Artikel für den »Vorwärts!« anbot, und nach
einigem Geplänkel erhielt Bernays die redaktionelle Leitung des
|89| Blatts an der Stelle Bornstedts. Nunmehr beteiligten sich
auch andere Flüchtlinge am »Vorwärts!«, aus jeglichem Mangel an einem
andern Organ, unabhängig von der Redaktion und jeder auf eigene
Verantwortung.
Unter
den ersten befand sich Ruge. Auch er plänkelte erst unter seinem Namen
mit Börnstein, wobei er sogar, als wäre er noch völlig einverstanden
mit Marx, dessen Aufsätze in den »Deutsch-Französischen Jahrbüchern«
verteidigte. Ein paar Monate darauf veröffentlichte er zwei neue
Artikel, ein paar kurze Bemerkungen über die preußische Politik und
einen langen Klatschartikel über die preußische Dynastie, worin vom
»trinkenden König« und der »hinkenden Königin«, von ihrer »rein
spirituellen« Ehe usw. gesprochen wurde, beide aber nicht mehr unter
seinem Namen, sondern mit der Unterschrift: Ein Preuße, was auf Marx
als Verfasser hindeutete. Ruge selbst war Dresdner Stadtverordneter
und als solcher bei der sächsischen Gesandtschaft in Paris angemeldet;
Bernays war bayrischer Rheinpfälzer und Börnstein ein geborener
Hamburger, der später viel in Österreich, aber niemals in Preußen
gelebt hatte.
Was
Ruge mit der irreführenden Unterschrift seiner Artikel bezweckt hat,
wird sich heute nicht mehr feststellen lassen. Er hatte sich
inzwischen, wie seine Briefe an seine Freunde und Verwandten zeigen,
in einen wütenden Haß gegen Marx als einen »ganz gemeinen Kerl« und
»unverschämten Juden« hineingeredet, und es ist auch unbestreitbar,
daß er zwei Jahre später in einer reumütigen Bittschrift an den
preußischen Minister des Innern seine Pariser Exilsgenossen verraten
und diesen »namenlosen jungen Leuten« wider besseres Wissen die Sünden
aufgebürdet hat, die er selbst im »Vorwärts!« begangen hatte. Es ist
immerhin aber auch möglich, daß Ruge, um den von preußischen Dingen
handelnden Artikeln einen stärkeren Nachdruck zu geben, sie als von
einem Preußen herrührend bezeichnet hat. Dann handelte er aber äußerst
leichtfertig, und es war sehr begreiflich, daß Marx sich beeilte, den
Streich des angeblichen »Preußen« zu parieren.
Es
geschah natürlich in einer seiner würdigen Weise. Er knüpfte an die
paar sozusagen sachlichen Bemerkungen Ruges über die preußische
Politik an und erledigte den langen Klatschartikel über die preußische
Dynastie mit der Fußnote, die er seiner Erwiderung beigab: »Spezielle
Gründe veranlassen mich zu der Erklärung, daß der vorstehende Aufsatz
der erste ist, den ich dem ›Vorwärts!‹ habe zukommen lassen.«[6]
Es ist beiläufig auch der letzte geblieben.
In der
Sache handelte es sich um den schlesischen Weberaufstand von |90|
1844, den Ruge als eine gleichgültige Sache behandelt hatte; ihm habe
die politische Seele gefehlt und ohne eine politische Seele sei eine
soziale Revolution unmöglich. Was Marx dagegen einwandte, hatte er im
Grunde schon im Aufsatze zur Judenfrage gesagt. Die politische Gewalt
kann keine sozialen Übel heilen, weil der Staat nicht Zustände
aufheben kann, deren Produkt er ist. Marx wandte sich scharf gegen den
Utopismus, indem er sagte, daß sich der Sozialismus nicht ohne
Revolution ausführen lasse, aber er wandte sich nicht minder scharf
gegen den Blanquismus, indem er ausführte, daß der politische Verstand
den sozialen Instinkt betrüge, wenn er durch kleine nutzlose Putsche
vorwärts zu kommen suche. Mit epigrammatischer Schärfe erklärte Marx
das Wesen der Revolution: »jede Revolution löst die alte
Gesellschaft auf; insofern ist sie sozial. Jede Revolution
stürzt die alte Gewalt; insofern ist sie politisch.«[7]
Die soziale Revolution mit einer politischen Seele, die Ruge verlange,
sei sinnlos, dagegen vernünftig sei eine politische Revolution mit
einer sozialen Seele. Die Revolution überhaupt - der Umsturz der
bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse - sei ein
politischer Akt. Der Sozialismus bedürfe dieses politischen Akts,
soweit er der Zerstörung und Auflösung bedürfe. Wo aber seine
organisierende Tätigkeit beginne, wo sein Selbstzweck, seine Seele
hervortrete, da schleudere der Sozialismus die politische Hülle weg.
Knüpfte Marx mit diesen Gedanken an den Aufsatz zur Judenfrage an, so
hatte der schlesische Weberaufstand schnell bestätigt, was er über die
Mattigkeit des Klassenkampfs in Deutschland gesagt hatte. In der
»Kölnischen Zeitung« sei jetzt mehr Kommunismus als weiland in der
»Rheinischen«, hatte ihm sein Freund Jung aus Köln geschrieben; sie
eröffne eine Subskription für die Familien der gefallenen oder
gefangenen Weber; für den gleichen Zweck seien bei einem
Abschiedsdiner für den Regierungspräsidenten von den höchsten Beamten
und reichsten Kaufleuten der Stadt hundert Taler gesammelt worden;
überall in der Bourgeoisie rege sich Sympathie für die gefährlichen
Rebellen; »was bei Ihnen vor wenigen Monaten eine kühne, völlig neue
Aufstellung war, ist schon fast zur Gewißheit des Gemeinplatzes
geworden.« Die allseitige Teilnahme für die Weber machte Marx gegen
die Unterschätzung des Aufstandes durch Ruge geltend, »aber der
geringe Widerstand der Bourgeoisie gegen soziale Tendenzen und Ideen«
täuschte ihn nun doch nicht. Er sah voraus, daß die Arbeiterbewegung
die politischen Antipathien und Gegensätze innerhalb der herrschenden
Klassen ersticken und die ganze Feindschaft der Politik gegen sich
lenken werde, sobald sie eine entschiedene Macht erlangt habe. Marx
deckte |91| den tiefsten Unterschied zwischen
der bürgerlichen und der proletarischen Emanzipation auf, indem er
jene als ein Produkt gesellschaftlichen Wohlbefindens, diese als ein
Produkt gesellschaftlicher Not nachwies. Die Isolierung vom
politischen Gemein-, vom Staatswesen sei die Ursache der bürgerlichen,
die Isolierung vom menschlichen Wesen, vom wahren Gemeinwesen des
Menschen, sei die Ursache der proletarischen Revolution. Wie die
Isolierung von diesem Wesen unverhältnismäßig allseitiger,
unerträglicher, fürchterlicher, widerspruchsvoller sei als die
Isolierung vom politischen Gemeinwesen, so sei ihre Aufhebung, selbst
als partielle Erscheinung wie in dem schlesischen Weberaufstande, um
so viel unendlicher, wie der Mensch unendlicher sei als der
Staatsbürger und das menschliche Leben als das politische Leben.
Hieraus ergibt sich, daß Marx über diesen Aufstand ganz anders
urteilte als Ruge. »Zunächst erinnere man sich an das Weberlied,
an diese kühne Parole des Kampfes, worin ... das Proletariat
sogleich seinen Gegensatz gegen die Gesellschaft des Privateigentums
in schlagender, scharfer, rücksichtsloser, gewaltsamer Weise
herausschreit. Der schlesische Aufstand beginnt grade damit,
womit die französischen und englischen Aufstände enden, mit dem
Bewußtsein über das Wesen des Proletariats. Die Aktion selbst trägt
diesen überlegenen Charakter. Nicht nur die Maschinen, diese
Rivalen des Arbeiters, werden zerstört, sondern auch die
Kaufmannsbücher, diese Titel des Eigentums, und während alle
anderen Bewegungen sich zunächst nur gegen den Industrieherrn,
den sichtbaren Feind kehrten, kehrt sich diese Bewegung zugleich gegen
den Bankier, den versteckten Feind. Endlich ist kein einziger
englischer Arbeiteraufstand mit gleicher Tapferkeit, Überlegung und
Ausdauer geführt worden.«[8]
Im
Anschluß daran erinnerte Marx an die genialen Schriften Weitlings, die
in theoretischer Hinsicht oft selbst über Proudhon hinausgingen,
sosehr sie in der Ausführung nachständen. »Wo hätte die Bourgeoisie -
ihre Philosophen und Schriftgelehrten eingerechnet - ein ähnliches
Werk- wie Weitlings ›Garantien der Harmonie und Freiheit‹ in
bezug auf die Emanzipation der Bourgeoisie - die politische
Emanzipation - aufzuweisen? Vergleicht man die nüchterne, kleinlaute
Mittelmäßigkeit der deutschen politischen Literatur mit diesem
maßlosen und brillanten literarischen Debüt der deutschen
Arbeiter; vergleicht man diese riesenhaften Kinderschuhe des
Proletariats mit der Zwerghaftigkeit der ausgetretenen politischen
Schuhe der deutschen Bourgeoisie, so muß man dem deutschen
Aschenbrödel eine Athletengestalt prophezeien.« Marx nennt
das deutsche Proletariat den Theoretiker des |92| europäischen
Proletariats, wie das englische Proletariat sein Nationalökonom und
das französische Proletariat sein Politiker sei.
Was er
über Weitlings Schriften sagt, ist durch das Urteil der Nachwelt
bestätigt worden. Sie waren für ihre Zeit geniale Leistungen, um so
genialer, als der deutsche Schneidergeselle noch vor Louis Blanc,
Cabet und Proudhon, und wirksamer als sie, die Verständigung zwischen
Arbeiterbewegung und Sozialismus angebahnt hatte. Seltsamer erscheint
heute, was Marx über die geschichtliche Bedeutung des schlesischen
Weberaufstandes sagt. Er legt ihm Tendenzen unter, die ihm gewiß ganz
fremd gewesen sind, und Ruge scheint die Rebellion der Weber als
bloßen Hungeraufruhr ohne tiefere Bedeutung viel richtiger
eingeschätzt zu haben. Jedoch wie bei ihrem früheren Streit über
Herwegh, so zeigte sich auch hier und noch schlagender, daß alles
Unrecht der Philister gegenüber dem Genie darin besteht, Recht zu
haben. Nur daß am letzten Ende ein großes Herz immer den Sieg
davonträgt über einen kleinen Verstand!
Die
»anderthalb Handwerksburschen«, auf die Ruge verächtlich herabsah,
während Marx sie eifrig studierte, waren im Bunde der Gerechten
organisiert, der sich während der dreißiger Jahre im Anschluß an die
französischen Geheimbünde entwickelt hatte und in deren letzte
Niederlage im Jahre 1839 verwickelt worden war. Es war ihm insofern
zum Heil gewesen, als sich seine versprengten Elemente nicht nur in
dem alten Mittelpunkte Paris wieder gesammelt, sondern auch den Bund
nach England und der Schweiz verbreitet hatten, wo ihm die Vereins-
und Versammlungsfreiheit breiteren Spielraum bot, so daß diese
Absenker sich kräftiger entwickelten als der alte Stamm. Die Pariser
Organisation stand unter der Leitung des Danzigers Hermann Ewerbeck,
der, wie er Cabets Utopie ins Deutsche übersetzte, auch noch in Cabets
moralisierendem Utopismus befangen war. Ihm geistig überlegen erwies
sich Weitling, der die Agitation in der Schweiz leitete, und
mindestens an revolutionärer Entschlossenheit wurde Ewerbeck auch
durch die Londoner Führer des Bundes übertroffen, den Uhrmacher Josef
Moll, den Schuhmacher Heinrich Bauer und Karl Schapper, einen
ehemaligen Studenten der Forstwissenschaft, der sich bald als
Schriftsetzer, bald als Sprachlehrer durchs Leben schlug.
Von
dem »imponierenden Eindruck« dieser »drei wirklichen Männer« wird Marx
zuerst durch Friedrich Engels gehört haben, der ihn im September 1844
bei einer Durchreise in Paris aufsuchte und zehn Tage mit ihm
verkehrte. Sie fanden nun vollauf die weitgehende Übereinstimmung
ihrer Gedanken bestätigt, die schon ihre Beiträge zu den |93|
»Deutsch-Französischen Jahrbüchern« verraten hatten. Gegen diese
Auffassung hatte sich inzwischen ihr alter Freund Bruno Bauer in einer
von ihm gegründeten »Literaturzeitung« gekehrt, und seine Kritik kam
just während ihres Zusammenseins zu ihrer Kenntnis. Sie entschlossen
sich kurzer Hand, ihm zu antworten, und Engels schrieb sofort nieder,
was er zu sagen hatte. Marx aber ging nach seiner Weise tiefer auf die
Sache ein, als ursprünglich beabsichtigt war, und stellte in
angestrengter Arbeit während der nächsten Monate zwanzig Druckbogen
her, mit deren Abschluß im Januar 1845 zugleich sein Aufenthalt in
Paris abschloß.
Seitdem Bernays die Redaktion des »Vorwärts!« übernommen hatte, ging
er gegen die »christlich-germanischen Pinsel« in Berlin scharf ins
Zeug und ließ es auch an »Majestätsbeleidigungen« nicht fehlen. Zumal
Heine sandte einen seiner zündenden Pfeile nach dem andern gegen den
»neuen Alexander« im Berliner Schloß. Das legitime Königtum
petitionierte daraufhin beim Polizeiknüppel des illegitimen
Bürgerkönigtums um einen Gewaltstreich gegen den »Vorwärts!«. Guizot
erwies sich jedoch als harthörig; er war bei aller reaktionären
Gesinnung ein gebildeter Mann und wußte zudem, welches Gaudium er der
heimischen Opposition machen würde, wenn er sich als Büttel der
preußischen Despoten erwiese. Er wurde erst etwas willfähriger, als
der »Vorwärts!« einen »verruchten Artikel« über das Attentat des
Bürgermeisters Tschech auf Friedrich Wilhelm IV. veröffentlicht hatte.
Nach einer Beratung im Ministerrat erklärte sich Guizot bereit, gegen
den »Vorwärts!« einzuschreiten, und gleich in zweifacher Weise: einmal
auf zuchtpolizeilichem Wege, indem man den verantwortlichen Redakteur
wegen mangelnder Kautionsleistung belangte, dann aber auch auf
strafrechtlichem Wege, indem man ihn wegen Aufforderung zum Königsmord
vor die Geschworenen stellte.
Mit
dem ersten Vorschlage war man in Berlin einverstanden, doch erwies er
sich bei seiner Ausführung als ein Schlag ins Wasser: Bernays wurde zu
zwei Monaten Gefängnis und dreihundert Franken Geldstrafe verurteilt,
weil er die gesetzlich erforderliche Kaution nicht gestellt hatte,
jedoch der »Vorwärts!« erklärte sofort, daß er fortan als
Monatsschrift erscheinen würde, wozu er keiner Kaution bedurfte. Von
dem zweiten Vorschlage Guizots wollte man in Berlin aber ganz und gar
nichts wissen, in der vermutlich sehr berechtigten Angst, daß Pariser
Geschworene für den König von Preußen ihrem Gewissen keinen Zwang
antun würden. Man quengelte also weiter, Guizot möge die Redakteure
und Mitarbeiter des »Vorwärts!« ausweisen.
Nach
längeren Verhandlungen ließ sich der französische Minister |94|
endlich breitschlagen: wie man damals annahm und wie Engels noch in
seiner Grabrede auf Frau Marx betont hat, durch die unschöne
Vermittlung Alexander von Humboldts, der mit dem preußischen Minister
des Auswärtigen verschwägert war. Neuerdings ist Humboldts Andenken
von dieser Beschuldigung zu entlasten versucht worden durch die
Angabe, daß die preußischen Archive nichts darüber enthielten. Das ist
aber kein Gegenbeweis, denn erstens sind die Akten über die traurige
Affäre nur unvollständig erhalten, und zweitens werden solche Dinge
nie schriftlich abgemacht. Was wirklich Neues aus den Archiven
beigebracht worden ist, beweist vielmehr nur, daß sich ein
entscheidender Akt hinter den Kulissen abgespielt hat. In Berlin war
man am wütendsten auf Heine, der elf seiner schärfsten Satiren auf die
preußische Wirtschaft und namentlich auch auf den König im »Vorwärts!«
veröffentlicht hatte. Aber auf der andern Seite war Heine für Guizot
der kitzlichste Punkt der kitzlichen Sache. Er war ein Dichter von
europäischem Namen und galt den Franzosen fast als ein nationaler
Dichter. Dies schwerste Bedenken Guizots muß - da er selbst nicht wohl
darüber sprechen konnte - irgendein Vogel dem preußischen Gesandten in
Paris in die Ohren gezwitschert haben, denn am 4. Oktober meldete er
urplötzlich nach Berlin, es sei sehr zweifelhaft, ob Heine, von dem
nur zwei Gedichte im »Vorwärts!« gestanden hätten, zur Redaktion des
Blattes gehöre, und nunmehr verstand man auch in Berlin.
Heine
blieb unbehelligt, dagegen erging gegen eine Reihe anderer deutscher
Flüchtlinge, die für den »Vorwärts!« geschrieben hatten oder im
Verdacht standen, es getan zu haben, am 11. Januar 1845 der
Ausweisungsbefehl; unter ihnen Marx, Ruge, Bakunin, Börnstein und
Bernays. Ein Teil von ihnen rettete sich: Börnstein, indem er sich
verpflichtete, auf die Herausgabe des »Vorwärts!« zu verzichten, Ruge,
indem er sich beim sächsischen Gesandten und bei französischen
Deputierten die Stiefel ablief, um zu versichern, ein wie loyaler
Staatsbürger er sei. Für dergleichen war Marx natürlich nicht zu
haben; er siedelte nach Brüssel über.
Sein
Pariser Exil hatte wenig über ein Jahr gewährt, aber es war die
bedeutsamste Zeit seiner Lehr- und Wanderjahre gewesen: reich an
Anregungen und Erfahrungen, reicher durch den Gewinn eines
Waffengefährten, den er je länger, je notwendiger brauchte, um das
große Werk seines Lebens zu vollbringen.
Fußnoten:
[1] Karl Marx: Briefe aus den »Deutsch-Franzoesischen
Jahrbüchern«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 338.
<=
[2] Karl Marx: Briefe aus den »Deutsch-Franzoesischen
Jahrbüchern«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 344.
<=
[3] Karl Marx: Zur Kritik der Hegelschen
Rechtsphilosophie. Einleitung, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke,
Bd. 1, S. 390. <=
[4] Karl Marx: Zur Judenfrage, in: Karl
Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 370. <=
[5] Karl Marx: Zur Judenfrage, in: Karl
Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 372. <=
[6] Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem
Artikel »Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem
Preußen«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 392.
<=
[7] Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem
Artikel »Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem
Preußen«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 409.
<=
[8] Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem
Artikel »Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem
Preußen«, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 1, S. 404/405.
<=
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