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Johann Koplenig:

Nach der Moskauer Deklaration der Großmächte

Rede im Moskauer Rundfunk für Österreich, November 1943

 

Der österreichische Freiheitskampf hat jetzt eine neue entscheidende Wendung genommen. Die großen demokratischen Weltmächte haben dem österreichischen Volk die Hand gereicht, um ihm zu helfen, sich von der deutschen Fremdherrschaft zu befreien und die Freiheit und Unabhängigkeit für unser Österreich zu erringen. Damit ist für das österreichische Volk die Zeit gekommen, alle seine Kräfte zum Kampf gegen Hitler zu vereinigen und mit entscheidenden Taten einzusetzen. Die deutschen Faschisten, die in ihrer wilden Raubgier und ihrer aufgeblasenen Überheblichkeit glaubten, die ganze Welt ebenso wie unser Land unterwerfen zu können, stehen heute vor ihrer endgültigen vernichtenden Niederlage. Die Moskauer Konferenz hat die verzweifelten Versuche Hitlers, die Isolierung zu durchbrechen, und seine Spekulationen auf Uneinigkeit unter den Verbündeten endgültig zerschlagen. Das Schicksal der Hitler-Herrschaft und damit der deutschen Fremdherrschaft in Österreich ist besiegelt.

Wir sind auch in den dunkelsten Stunden unseres Landes niemals schwankend geworden in unserer festen Überzeugung, dass Österreich als freies und unabhängiges Land wieder erstehen wird. Wir haben niemals den Glauben an das österreichische Volk und seine eigene geschichtliche Aufgabe im großen Kampf der Völker gegen die Hitler-Tyrannei verloren. Heute wird das Hoffen und Sehnen aller österreichischen Patrioten zur Gewissheit, dass unser Land seinen Platz unter den freien Völkern einnehmen wird.

Durch die Erklärung der drei großen demokratischen Mächte wurde die Bahn freigemacht für die breiteste Entfaltung des österreichischen Freiheitskampfes. Die Moskauer Deklaration zeigt uns den Weg, um der Katastrophe zu entgehen, in die der Hitler-Faschismus auch unser Volk hineinreißen will. Die drei demokratischen Großmächte stellen jedoch auch die Mitverantwortung fest, die Österreich im Hitlerschen Raubkrieg auf sich geladen hat.

Uns wurde eine große Chance gegeben. Es liegt an uns, sie zu nützen. Die Zeit der Halbheiten ist vorbei. Nur ein Volk, das von tiefstem Hass gegen seine Unterdrücker erfüllt ist, kann seine Freiheit erobern. Nur ein Volk, das von leidenschaftlichem und kämpferischem Patriotismus erfüllt ist, wird seine Unabhängigkeit erobern. Nur ein Volk, das bereit ist, für seine Freiheit Opfer zu bringen, ist imstande, seine Ketten zu brechen und den Sieg zu erringen.

Es ist die Aufgabe der österreichischen Patrioten, jeder Unterstützung des Hitler-Krieges durch Österreicher in der Wehrmacht und in Industrie und Verkehr ein Ende zu machen. Es ist ihre Aufgabe, den Hass des Volkes gegen die deutschen Okkupanten und ihre Helfershelfer voll zu entfesseln, die Kriegsmaschine Hitlers mit allen Mitteln zu sabotieren und dadurch Hitlers Niederlage zu beschleunigen. Es ist die Aufgabe der österreichischen Patrioten, den bewaffneten Kampf gegen die deutschen Okkupanten zu organisieren. Es gilt, die österreichischen Soldaten an der Front und in der Heimat aus der Hitler-Armee zu reißen und aus den Soldaten Hitlers Soldaten der österreichischen Freiheit zu machen. Es gilt, im Kampfe gegen die deutsche Fremdherrschaft und die Verräter Österreichs eine feste und unerschütterliche Einheit unseres Volkes zu schmieden.

Die Einigung des Volkes ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit und des Glaubens, die im März 1938 begann und von Hitler gewaltsam unterbrochen wurde, muss erneuert und zu einer mächtigen österreichischen Freiheitsfront werden. So werden wir den Beitrag zu unserer eigenen Befreiung leisten, den die freien Völker mit Recht von uns erwarten. Österreich will und wird beweisen, dass es seinen freiheitlichen Traditionen treu ist. Unser Volk darf die freien Völker nicht enttäuschen. Es wird seinen Platz im Freiheitskampf gegen den Hitler-Faschismus einnehmen. Die Zeit drängt. Jeder Tag ist von entscheidender Bedeutung. Vorwärts zum Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs!

 

Literatur: österreichische Nation

Thema: Faschismus

 

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