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Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld
haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die
wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch Notverordnungen
aufgehoben werden.
Über
die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir
selbe daher mit Stillschweigen übergehen. Sie regierte von 715 vor
Christo bis zum Jahre 1 nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig
gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber
wenigstens, warum.
Die
Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. Geld.
Geld
ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine
Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren
kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen
kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher
das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da - meist
nicht da. Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat
garantiert; dieses vollzieht sich derart, dass jeder
Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehen und dort für sein Papier Gold
einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind
gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld
haften. Dieses nennt man Golddeckung.
Der
Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven
Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem
Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfluss der
Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird
in den Staatsbanken der sog. Diskont ausgewürfelt; es ist den
Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.
Was
die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.
Wenn
die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie
nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer
das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger
wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die
anderen und dann bilden sie einen Trust, das heißt; sie verpflichten
sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können
sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Dass der
Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muss, ist eine
Theorie, die heute allgemein fallengelassen worden ist.
Eine
wichtige Rolle im Handel spielt der Export. Export ist, wenn die
anderen kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es
unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muss das Ausland
einheimische, als deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht
konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import,
welches im Plural eine Zigarre ist. Weil billiger Weizen ungesund und
lange nicht so bekömmlich ist wie teurer Roggen, haben wir den
Schutzzoll, der den Zoll schützt sowie auch die deutsche
Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft wohnt seit fünfundzwanzig
Jahren am Rande des Abgrunds und fühlt sich dort ziemlich wohl. Sie
ist verschuldet, weil die Schwerindustrie ihr nichts übrig lässt, und
die Schwerindustrie ist nicht auf der Höhe, weil die Landwirtschaft
ihr zu viel fortnimmt. Dieses nennt man den Ausgleich der Interessen.
Von beiden Institutionen werden hohe Steuern gefordert, und muss der
Konsument sie auch bezahlen.
Jede
Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen
Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das
nicht, so erfolgt eine sog. Stützungsaktion, bei der alle, bis auf
den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die
Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja
dann auch meist nichts mehr.
Wenn
die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man
dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer
solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den
kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende
Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein
wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei
wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der
Generalversammlung in die Opposition gehen und etwas zu Protokoll
geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die
Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerlässlich:
stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her.
Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er
eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaften haftet dem
Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen
Ausreden, in denen gesagt ist, warum A.-G. keine Steuern bezahlen
kann, werden in einer sogenannten Bilanz zusammengestellt.
Die
Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die
Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das
Restaurant zu ersetzen. Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an:
dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch
meist nur bis zu ihrer eigenen Nasenspitze sehn. Schreien die Leute
auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist
fest. In diesem Fall kommt - am nächsten Tage - das Publikum gelaufen
und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die
Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man
Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion:
ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer.
In der
Wirtschaft gibt s auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch
sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden.
Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die
Metaphysik des Pokerspielers.
Ich
hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben, und füge noch hinzu,
dass sie so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen,
Wechselunterschriften und sämtliche anderen Handelsverpflichtungen -:
also ohne jedes Obligo.
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