1) Die „Neue
Rechte“ als ideologische – theoriepolitische Strömung
Der Begriff der „Neuen Rechten“ steht für eine
uneinheitliche Bewegung rechter Theoretiker und ihrer Anhänger, die
sich seit Ende der 60er Jahre als geistig-politische Gegenbewegung zur
„Neuen Linken“ verstanden.
Als Strömung ist die "Neue Rechte", die inhaltlich
stark an die Nouvelle Droite[1]
aus Frankreich angelehnt ist, nicht in einer großen Organisation
zusammengefasst, sondern sie agiert und kommuniziert über
Studienzentren, Zeitungen, Theoriezirkel, Leserkreise (z.B. von der
Jungen Freiheit) und nicht zuletzt über persönliche Kontakte. Neu sind
nicht so sehr die Inhalte, sondern vielmehr die Form der Vermittlung
dieser Inhalte. Folgendes Zitat von Thora Ruth verdeutlicht sehr gut,
worum es eigentlich geht:
"Wir müssen unsere Aussagen so gestalten, dass sie
nicht mehr ins Klischee der 'Ewig-Gestrigen' passen. Eine Werbeagentur
muss sich auch nach dem Geschmack des Publikums richten und nicht nach
dem eigenen. Und wenn kariert Mode ist, darf man sein Projekt nicht
mit Pünktchen anpreisen. Der Sinn unserer Aussage muss freilich der
gleiche bleiben. Hier sind Zugeständnisse an die Mode zwecklos. [...]
In der Fremdarbeiterfrage etwa erntet man mit der Argumentation 'Die
sollen doch heimgehen' nur verständnisloses Grinsen. Aber welcher
Linke würde nicht zustimmen, wenn man fordert: 'Dem Großkapital muss
es verboten werden, nur um des Profites willen ganze Völkerscharen in
Europa verschieben! Der Mensch soll nicht zur Arbeit, sondern die
Arbeit zum Menschen gebracht werden.' Der Sinn bleibt der gleiche:
'Fremdarbeiter raus!' Die Reaktion der Zuhörer aber wird
grundverschieden sein."[2]
Diesem Zitat lässt sich die Problematik und Gefahr
der „Neuen Rechten“ entnehmen: Sie versucht, rechtsextremes
Gedankengut scheinbar von Hitler zu befreien, indem sie durch
pseudowissenschaftliche Rechtfertigungen ihre völkischen,
rassistischen, antisemitischen, nationalistischen und chauvinistischen
Konzepte verschleiert. Eines der Ziele ist es, die „kulturelle
Hegemonie“ zu erreichen. Damit ist gemeint, die Vorherrschaft in der
allgemeinen Diskussion zu erreichen, mit der Option, deren Themen zu
bestimmen. Diese Theorie geht paradoxerweise auf den italienischen
Kommunisten Antonio Gramsci zurück. Mit "kultureller Hegemonie" meint
er, dass die dauerhafte Macht im Staate erst erreicht werden könne,
wenn man die "Köpfe" der Bevölkerung erobert, also die Menschen von
den eigenen Inhalten überzeuge und die gesellschaftspolitische
Meinungsführerschaft erreiche. Es müsse darum gehen, auf "metapolitischer"
Ebene eine "kulturelle Hegemonie" zu erringen, bevor große politische
Umwälzungen stattfinden können. Die "Neue Rechte" hat sich diese
Theorie angeeignet, nachdem sie diese jedes historisch-konkreten
Klassengehaltes entledigte.
Ein weiterer Versuch der Neuen Rechten, die
Gesellschaft zu erobern ist das Anwenden der „Querfrontstrategie“.
Die Querfrontstrategie ist eine Entwicklung der Rechten der Weimarer
Republik, die versuchten, auf dem Nenner des Sozialismus
Nationalsozialisten und Bolschewisten zusammenzubringen. Natürlich
scheiterte dieses.
Auch heute gibt es immer noch Versuche dieser Art:
z.B. ein aus der PDS (!) hervorgegangener "Runder Tisch nationaler
Sozialisten" oder eben die Bemühungen der "Neuen Rechten". So gab es
zum Beispiel auf einer Demonstration das Transparent "Links und Rechts
vereint für Deutschland". Diese Meinung wurde natürlich von den
anwesenden linken Gegendemonstranten mit ihrem antinationalen
Grundsätzen nicht geteilt. Es gibt noch mehr Fälle dieser Art: Der
Berliner Professor des Otto-Suhr-Instituts Bernd Rabehl, ehemals
bester Freund des 68er Studentenführers Rudi Dutschke, bezeichnete
dessen Kampf als "nationalen" und sprach ihm die internationalistische
Ausrichtung ab. Des weiteren bezeichnete er Deutschland als
"strategisches Rückzugsgebiet ausländischer Bürgerkriege". Er meint
damit die hohe Zahl von politisch Verfolgten (wie z.B. Kurden), die
aus Deutschland ihren Befreiungskampf im Heimatland weiterführen.
Genauso streitet Rabehl jegliche Verstrickung Deutschlands in diese
"ausländischen Bürgerkriege" ab, anscheinend sind z.B. jahrelange
Waffenlieferungen an die Türkei unbemerkt an ihm vorbeigegangen.
Es gibt viele alte Linke, die sich mittlerweile wie
Rabehl in den Kreisen der "Neuen Rechten" tummeln. Insofern hat die
Etablierung der Querfrontstrategie teilweise geklappt. Auch das
Erreichen der "kulturellen Hegemonie" geht immer weiter voran, wenn
sie auch noch weit davon entfernt sind. Ein Beispiel ist die
Etablierung der Forderung nach Einwanderungsstopp, die noch vor zwei
Jahren nur von Rechten in den Mund genommen wurde; jetzt bezeichnet
schon der Bundesinnenminister Otto Schily 97% der Einwanderer als
"Wirtschaftsflüchtlinge" und benutzt ganz offen einen ehemals
ultrarechten Ausdruck: "Das Boot ist voll." Dieser Ausdruck wurde auch
bereits 1992 in Österreich vom damaligen SPÖ-Zentralsekretär Peter
Marizzi verwendet.
Die „Neue Rechte“ versucht oft mit neuen Begriffen
von der Anknüpfung an die Inhalte des Nationalsozialismus abzulenken.
Als Beispiel des neorassistischen Diskurses, wie neue Sprache altes
Denken kaschieren zu versucht, dient der Begriff „Ethnopluralismus“.
Der Kulturdiskurs der "Neuen Rechten" ersetzt den Rassendiskurs.
Kultur ersetzt den Rassebegriff. Heute wird selten von "nordischer
Rasse", "Untermenschen", wohl jedoch von "Überfremdung",
"Ausländerverträglichkeit", "Kulturverträglichkeit", „Leitkultur“,
"Verpflanzung fremder Kulturen", von einer "Heimat, die Heimat bleiben
muss", "Ausländerkriminalität", organisiertem Verbrechen diverser
ausländischer Clans (Chinesen-, Russenmafia, etc), gesprochen.
Kulturelle Zugehörigkeit wird zur biologischen Kategorie. In rechter
Diktion wird die Einwanderung nicht-europäischer AusländerInnen als
Verstoß gegen biologische Naturgesetz gesehen: die entstehende
Rassenmischung ("Bastardisierung") führe zur Selbstvernichtung der
Menschheit. Die "Neue Rechte" kaschiert derartige Ideen oftmals als
humanistisch und antikapitalistisch, indem der "internationale
Gastarbeiter-Transfer" als "Teil einer kapitalistischen
Arbeitsmarktstrategie" entlarvt wird. Die fremden Kulturen, die von
den "Neuen Rechten" eben noch nach außen verteidigt wurden, werden im
Inneren ausgegrenzt. Die Quintessenz lautet "Ausländer raus".
Vertreter in
Deutschland
Als deutscher Ableger zur Nouvelle Droite versteht
sich das 1980 in Kassel von Pierre Krebs gegründete "Thule-Seminar".
Das Thule-Seminar verfolgt rassistische, freiheits- und
demokratiefeindliche Ziele und ist deshalb als rechtsextremistisch zu
bezeichnen. Einer der Vordenker der Neuen Rechten ist der Soziologe
Dr. Rheinhold Oberlercher, Initiator und geistiger Kopf des "Deutschen
Kolleg" (DK). Er tritt mit dem Anspruch auf, ein theoretisch
fundiertes, in Programm und Strategie durchdachtes und praktisch
durchsetzbares Staats- und Gesellschaftsmodell entworfen zu haben.
Seinen Arbeitsschwerpunkt sieht Oberlercher derzeit in der Schulung
der "jungen nationalen Intelligenz", die er bundesweit in
Wochenendseminaren durchführt.
Oberlerchers neues staatliches Ordnungsmodell führt
zur Abschaffung der individuellen Grund- und Menschenrechte. Der in
seiner Würde und seiner persönlichen Freiheit geschützte Mensch steht
nicht nur nicht mehr im Zentrum der verfassungs- mäßigen Ordnung, er
kommt darin nicht mehr vor. Auch das Gleichheitsprinzip ist
abgeschafft, als "Gleichmacherei" ausdrücklich verboten. Einzige
politische Größte mit Absolutheitsanspruch ist das "Deutsche Volk" und
das "Deutsche Reich". Das Modell der pluralistischen, die allgemeinen
Menschenrechte achtenden demokratischen Gesellschaft wird zugunsten
einer ethnisch-kulturell homogenen, ständisch gegliederten und geistig
gleichgeschalteten Gemeinschaft "loyaler" Reichsbürger abgelöst.
Am stärksten in der Öffentlichkeit als Phänomen der
"Neuen Rechten" ist die "Junge Freiheit" bekannt, die 1986 als
zweimonatlich erscheinende Schüler- und Studentenzeitung gegründet
wurde und mittlerweile als Wochenzeitung mit einer Auflage von ca.
10.000 Exemplaren erscheint. Sie zählt zu den führenden
Theorieorganen, die sich intensiv mit dem Gedanken- und Ideengut der
"Neuen Rechten" beschäftigen. Sie nimmt für sich in Anspruch, als
Organ einer intellektuellen Bewegung zu gelten, die sich an dem
Gesellschaftsentwurf der "Konservativen Revolution"[3]
orientiert. Die "Junge Freiheit" bezeichnet sich als konservative
Wochenzeitung, die sich vorwiegend - parteipolitisch nicht gebunden -
einer Vernetzung von nonkonformen und patriotischen Kräften in
Deutschland verschrieben habe. Durch das unverdächtige Etikett
"konservativ" wird geschickt der zugrundeliegende Rechtsextremismus
verschleiert. Plumpe Angriffe auf konstitutive Bestandteile der
demokratischen Grundordnung, wie bei anderen rechtsextremen
Organisationen üblich, finden sich bei der JF nicht. Statt dessen wird
mit Anspielungen, Suggestion und Vergleichen gearbeitet.
Vertreter in
Österreich
In Österreich ist die sogenannte "Neue Rechte" eng
mit Jörg Haiders FPÖ verbunden und hat in der Partei ihren wichtigsten
und massenwirksamsten Vertreter gefunden. In der
Ausländerfeindlichkeit hat die FPÖ das neu-rechte Ziel der kulturellen
Hegemonie bereits erreicht.
Weit mehr ÖsterreicherInnen stimmen den
FPÖ-Inhalten zu, als sie WählerInnen hat.
Für Heribert Schiedl ist "die sogenannte 'Neue
Rechte' in ihrem Versuch, den Faschismus zu enthitlern, gescheitert."[4]
Er begründet diese These anhand des Beispiels der Grazer Zeitschrift
Aula, deren Absturz auch Jürgen Hatzenbichler (Burschenschaftler und
Ex-Neonazi, Mitte der 80er Jahre "Stellvertretender Führer" der
militanten Neonazisekte "Nationale Front"...) und Andreas Mölzer
(Kulturbeauftragter und Chefideologe der FPÖ) nicht stoppen konnten.
Sie hatten versucht, das "freiheitliche Magazin" Aula als innovatives
Theorieorgan einer erneuerten rechtsextremen Szene zu positionieren.
1995 geriet die Aula als mutmaßliche
Stichwortgeberin der Bekennerbriefschreiber der "Bajuwarischen
Befreiungsarmee" (BBA) ins Visier der Terrorfahnder, dann wurde auch
noch ihr Geschäftsführer Herwig Nachtmann nach dem NS-Verbotsgesetz
verurteilt. Als sich dann sogar Haider vom Blatt distanzierte,
verließen Hatzenbichler und Mölzer das Blatt und betätigten sich in
der Österreich-Ausgabe der deutschen Wochenzeitung "Junge Freiheit".
Ab Oktober 1997 machte sich das Redaktionsteam rund
um Mölzer und Hatzenbichler selbstständig und konzentrierten sich in
der Zur Zeit (ZZ) v.a. auf österreichische Themen. Die Startauflage
des Wochenblattes lag bei 20- und 30.000 Stück und sollte, so Mölzer
"alle, die intellektuell interessiert und nicht links sind"[5]
erreichen.
Als "Wien"-Redakteur wurde Klaus Wiesinger
eingesetzt, Helmut Müller als Kulturredakteur, der rechte Historiker
und Universitätsprofessor Lothar Höbelt als Kolumnist und Verfasser
von Kommentaren, der einstige CV-er Rene Lysander-Scheibe als
Fotoredakteur. Für Kolumnen, Kommentare und Beiträge schreiben weiters
der Osteuropaexperte Carl – Gustav Ströhm , der
katholisch-konservative Robert Prantner, der ehemalige FAZ-
Korrespondent Andreas Razumowsky, usw. Man versucht als möglichst
seriöse Zeitschrift aufzutreten und bemüht sich um diesen Schein,
indem man verschiedene Gesprächspartner für sich gewinnt. Dabei
biederten sich der ZZ bereits Thomas Klestil, Bernhard Görg, Fritz
Muliar, Alexander Van der Bellen, Alfred Gusenbauer und zur
allgemeinen Verwunderung sogar Alfred Hrdlicka an. In der ZZ Nr. 38
(15. — 21.9. 2000) wird der sozialdemokratische Ex-Innenminister Karl
Schlögl ausführlich zu Berührungspunkten zwischen der F und der SP
interviewt. Überschrift: "Über die Freiheitlichen und die Optionen der
SPÖ. Das Land braucht nun Konsens".
Was die Inhalte der Zeitschrift betrifft, so drehen
sich diese schwerpunktmäßig um Themen wie Migration und die damit
verbundene Sorge um den Erhalt der eigenständigen österreichischen
Identität und Kultur, die Darstellung der "linken Hegemonie" in der
österreichischen politischen und publizistischen Landschaft, das
Eintreten für eine auf die Gemeinschaft bezogenen Familienpolitik und
Berichte über österreichische Innenpolitik, Kritik am Establishment
und ausführliche Berichterstattung über die FPÖ. Rechtsextreme
Akademiker oder Bildungsbürger inszenieren sich gerne als Querdenker
und Tabubrecher. Sie stellen sich gerne als tragische Helden dar, die
völlig verantwortungslos gegenüber den Folgen ihres Tuns erscheinen.
Die "Verwissenschaftlichung" rechtsextremer Anschauungen á la "Neue
Rechte" darf nicht zu falschen und voreiligen Schlüssen führen.
Rechtsextreme Intellektuelle beziehen sich in erster Linie auf
Erkenntnisse der Soziobiologie und Verhaltensforschung, deren
Vertreter Konrad Lorenz, Otto König, Eibl-Eibesfeldt und C.
Lévi-Strauss oft in rechtsextremen Zitierzusammenhängen aufscheinen.
Wissenschaft ist nicht ideologiefrei und dient der
extremen Rechten seit jeher zur Immunisierung der eigenen
Weltanschauung.
2)
Rechtsextremistische Parteien in Deutschland
[6]
2.1) Die
Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD)
Die 1964 gegründete NPD wird seit März 1996 von Udo
VOIGT als Bundesvorsitzendem geführt. Unter seiner Leitung hat sich
die NPD systematisch für Neonazis und Skinheads geöffnet und diese in
die Partei und ihre Aktivitäten eingebunden. So sind heute mehrere
Neonazis Mitglieder der Bundes- vorstände von NPD und ihrer
Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN). Durch diese
gezielte Strategie ist es der Partei insbesondere in den ostdeutschen
Ländern gelungen, vergleichsweise schnell neue und insbesondere junge
Mitglieder zu werben. Nach dem Tiefstand mit 3.500 Mitgliedern im
Jahre 1996 hat die NPD gegenwärtig ca. 6.000 Mitglieder.
Bislang schien sie an der Grenze ihrer
diesbezüglichen Integrationsfähigkeit angelangt zu sein, wie die
Stagnation der Mitgliederzahlen von 1998 bis zur Mitte dieses Jahres
belegt. Im Zuge der Verbotsdiskussion ist hier - neben einer
Steigerung des Bekanntheitsgrads - auch mit einer Art Mitleidseffekt
zu rechnen, welcher der NPD neuen Zulauf bescheren könnte. Die Partei
selbst spricht von über 700 neuen Interessenten.
Als einzige rechtsextremistische Partei verfügt die
NPD mit den JN über eine zahlenmäßig relevante (ca. 350 Mitglieder)
Jugendorganisation. Diese hat jedoch im Zuge des Öffnungsprozesses zur
Neonazi-Szene an eigenständiger Bedeutung verloren und orientiert sich
zunehmend an der Mutterpartei. Als weitere Unterorganisation der
Partei existiert der "Nationaldemokratische Hochschulbund" (NHB).
Wichtigste Publikation ist das monatlich mit ca. 10.000 Exemplaren
erscheinende Parteiorgan "Deutsche Stimme".
Auch wenn die NPD Bestrebungen gegen die
freiheitliche demokratische Grundordnung entfaltet, schließt dies
nicht aus, dass sich die Partei in der Regel an demokratische
Spielregeln hält. So will sie grundsätzlich über die Parlamente zur
politischen Macht gelangen. Die Partei spricht seit Ende 1997 von
einem "Drei-Säulen- Konzept", bestehend aus dem "Kampf um die Straße",
dem "Kampf um die Köpfe" und dem "Kampf um die Parlamente". Mit dem
"Kampf um die Straße" versucht die NPD, ihre Mobilisierungsfähigkeit
auszubauen und sichtbar öffentliche Präsenz zu zeigen. Dazu dienen
zentrale Großveranstaltungen wie auch viele kleine regionale
Demonstrationszüge, dieses Jahr bislang über 30, an denen oft
mehrheitlich Neonazis und Skinheads teilnahmen.
Die NPD verfolgt keinen stringenten
politisch-ideologischen Kurs, sondern sucht unterschiedliches Klientel
zu bedienen. So sollen einerseits sowohl ehemalige SED-Mitglieder als
auch frühere Anhänger der Neonazi-Szene eingebunden und andererseits
die langjährigen älteren Mitglieder nicht verprellt werden. Gleichwohl
sieht sich die NPD grundsätzlich als Speerspitze einer
"sozialrevolutionären Erneuerungsbewegung". Ihrem Selbstverständnis
nach ist sie eine Partei, die den Kurs eines "deutschen Sozialismus"
mit dezidiert antikapitalistischen Elementen verfolgt und für die in
einem "nationalen Sozialismus die höchste Form der Volksgemeinschaft
verwirklicht" wird. Mit diesem, vom Nationalsozialismus entliehenen
kollektivistischen Modell wendet sich die NPD unmittelbar gegen die
freiheitliche demokratische Grundordnung.
Dieser Ansatz schlägt sich in der NPD auch in einer
rassistisch motivierten Fremdenfeindlichkeit nieder. Da der Partei
zufolge eine "Volksgemeinschaft" biologisch begründet ist, lehnt sie
eine "multikulturelle - und damit für sie zugleich "multikriminelle" -
Gesellschaft grundsätzlich ab, sieht die Lösung für wirtschafts- und
sozialpolitische Probleme nahezu ausschließlich in einer rigiden
Ausländerpolitik und plädiert folglich vehement für
"Ausländerrückführung statt Integration".
Die NPD ist gegenwärtig die auffälligste
rechtsextremistische Partei in Deutschland. Als Wahlpartei ist sie
nicht von besonderer Bedeutung. Bei der Landtagswahl in
Schleswig-Holstein am 27. Februar trat sie als einzige
rechtsextremistische Partei an. Gleichwohl erhielt sie nur 1 % (=
15.106 Stimmen). Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14.
Mai trat die NPD nur vereinzelt in 11 Wahlkreisen an und erzielte
lediglich 2.351 Stimmen (0,0 %).
Gefahren für die innere Sicherheit ergeben sich
eher aus ihrer Agitation und Hetze beim "Kampf um die Straße". Dabei
liefert die NPD mit ihrer aufrührerischen Diktion wie beispielsweise
"Umsturz, politisches Soldatentum, Schlacht" eine Scheinlegitimation
auch für Straftaten. Sie gefällt sich in der Rolle des Bürgerschrecks,
hervorgerufen nicht zuletzt durch das martialische Auftreten von
Demonstrationsteilnehmern.
Einige ehemals führende Neonazis sind bis in die
Leitungsebene der NPD vorgedrungen. Sie bietet damit auch Neonazis aus
verbotenen Organisationen ein legales Vehikel zur politischen
Agitation. Die Folgen zeigen sich nicht nur in einer zunehmend
aggressiven Diktion der maßgeblichen Funktionäre, sondern auch in dem
Umstand, dass einige Mitglieder und Funktionäre in gewalttätige
Aktivitäten oder Straftaten involviert waren. Dieser Tatsache stehen
die wiederholten Bekundungen der Parteiführung gegenüber, nach denen
sie derartige Handlungen strikt ablehnt.
2.1.1) "Junge
Nationaldemokraten" (JN)
Die 1969 gegründeten JN sind nach der Satzung der
NPD "integraler Bestandteil" der Mutterpartei, verfügen jedoch über
einen eigenständigen Handlungsspielraum. Der JN-Bundesvorsitzende
Sascha ROßMÜLLER sowie weitere JN-Funktionäre gehören dem
NPD-Bundesvorstand an.
Im Zuge der auf dem Bundeskongress 1996 erfolgten
Umwandlung der JN in eine Kaderorganisation, die sich aus
Mitgliedsanwärtern, Mitgliedern/Aktivisten, Kaderanwärtern und Kadern
zusammensetzt - mittlere und höhere Führungsebenen werden nur noch
durch Kaderanwärter und Kader besetzt - erhielten die JN eine
neonazistische Ausrichtung. Insbesondere den von den Partei- und
Organisationsverboten der 90er-Jahre betroffenen Neonazis boten sich
die JN aufgrund ihrer Kaderstruktur als aktive Organisation an und
stellten somit ein Auffangbecken für die Neonazi-Szene dar. So gehören
zur JN-Anhängerschaft und Führungsschicht inzwischen eine größere
Anzahl kooperationsbereiter Neonazis. Aus diesen Positionen wirken die
den JN angehörenden Neonazis in das nicht organisierte neonazistische
Lager, z.B. in die Freien Kameradschaften hinein und führen der
Organisation neue Mitglieder zu. Im gleichen Maße verstärken sie
jedoch auch den neonazistischen Einfluss der JN auf die NPD.
Nicht zuletzt durch das zwischen den JN und
Neonazis bestehende Kooperationsverhältnis haben sich die JN zu einer
Nahtstelle zwischen NPD, Neonazis und anderen rechtsextremistischen
Gruppierungen entwickelt, die sich insbesondere in gemeinsamen, als
"nationaler Widerstand" bezeichneten Aktionsbündnissen widerspiegelt.
Beispielhaft hierfür sind die gemeinsam mit der NPD durchgeführten
überregionalen Veranstaltungen wie die im Verlaufe des Jahres 1999
durchgeführten Demonstrationen gegen die Wehrmachtsausstellung in
Kiel, Köln, Hamburg sowie in Osnabrück. Die aktionistische und
verstärkt neonazistische Ausrichtung der JN findet zunehmend Resonanz
bei nicht parteigebundenen rechtsextremistischen Skinheads und
Neonazis, aus denen sich die Teilnehmer für Großdemonstrationen der
NPD rekrutieren.
Auf europäischer Ebene streben die JN die
Zusammenarbeit mit anderen nationalistischen Organisationen zu einer
europäischen nationalistischen Einheitsfront an. In diesem Kontext
stand die Durchführung des "6. Europäischen Kongresses der Jugend" am
30. Oktober in Falkenberg (Bayern), an dem rund 500 Personen, darunter
auch Gäste aus Frankreich, Griechenland, Italien, Irland, Litauen,
Österreich, Rumänien, Schweden und den USA teilnahmen. Die
"Europäischen Kongresse der Jugend" werden seit 1994 von den JN in
Deutschland durchgeführt, 1998 fand der Kongress in Griechenland
statt.
2.2) "Die
Republikaner" (REP)
Die 1983 gegründeten REP verfügen gegenwärtig - bei
abnehmender Tendenz - über 14.000 Mitglieder in 16 Landesverbänden.
Bundesvorsitzender ist seit 1994 der Rechtsanwalt
Dr. Rolf Schliere, er ist zugleich Vorsitzender der Landtagsfraktion
in Baden Württemberg.
Permanente Wahlniederlagen sowie daraus
resultierende innerparteiliche Querelen über den richtigen Kurs der
Partei prägen seit spätestens Mitte der 90er Jahre die Situation der
REP. Damit einher geht ein steter Bedeutungsverlust, der trotz aller
Bemühungen durch die gegenwärtige Parteiführung bislang nicht zu
stoppen ist.
Während die Partei zur Landtagswahl in
Schleswig-Holstein am 27. Februar gar nicht antrat, erreichte sie bei
der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 1,1 % (= 83.251
Stimmen, 1995: 0,8 %).
Bei den REP liegen nach wie vor tatsächliche
Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen vor, auch wenn
nicht jedes einzelne Mitglied verfassungsfeindliche Ziele verfolgen
mag. Zwar ist ihr Bundesvorsitzender Schlierer um ein seriöses
rechtskonservatives Erscheinungsbild bemüht, doch zeigen
einflussreiche Gruppen und Funktionäre der Partei unverändert ihre
Ablehnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. So lässt die
Art ihrer Kritik an den bestehenden Verhältnissen in der Gesamtschau
einen fundamentalen Gegensatz zum Menschenbild des Grundgesetzes
erkennen sowie eine generelle Ablehnung wesentlicher Prinzipien der
Verfassung. In unterschiedlicher Intensität äußert sich dies in den
von den REP vertretenen klassischen rechtsextremistischen
Agitationsfeldern: Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Relativierung
der Verbrechen des Nationalsozialismus und Agitation gegen das
Demokratieprinzip.
Die REP erscheinen als die gemäßigtste der drei
rechtsextremistischen Parteien. Sie treten kaum als Veranstalter von
Demonstrationen und öffentlichen Aktionen auf, sondern agieren nahezu
ausschließlich als Wahlpartei mit nur mäßigen Erfolgen. Außer in ihren
Hochburgen verfügt die Partei zudem nur über geringes politisches
Einflusspotenzial. Allerdings birgt der gezielte Versuch der REP, ihre
rechtsextremistischen Zielsetzungen zu verschleiern und sich als eine
rechtskonservative Partei darzustellen, die Gefahr in sich,
gutgläubige Demokraten zur Stimmabgabe für die REP zu verleiten.
2.3.) "Deutsche
Volksunion" (DVU)
Die 1987 als Partei gegründete DVU mit Sitz in
München ist mit gegenwärtig ca. 17.000
Mitgliedern - bei allerdings abnehmender Tendenz -
die größte rechtsextremistische Partei in Deutschland. Gründer,
bislang einziger Vorsitzender und Großfinanzier der Partei ist der
Münchener Verleger Dr. Gerhard Frey, der wegen seiner Finanzkraft und
seines autoritären Führungsstils die Partei völlig dominiert. Diese
beispiellose Konzentration aller wesentlichen Parteifunktionen auf
eine Person bedingt zwangsläufig das Fehlen innerparteilicher
Demokratie. Folglich existieren nur formal funktionierende
Parteistrukturen in allen Bundesländern. Es ist keine wirkliche aktive
Mitgestaltung der Basis an der sachpolitischen Willensbildung
erkennbar, bei Personalentscheidungen wird einzig die Treue zu Frey
als Kriterium gewertet.
Zentrales Ideologieelement der DVU ist ihr
gleichermaßen tiefgreifender wie übersteigerter völkisch geprägter
Nationalismus. Demnach ist das alleinbestimmende
Identifikationsmerkmal der Partei das Begriffsumfeld "Deutschland" und
die deutsche Nation. So sieht die DVU die umfassende Bestandssicherung
aller Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens einschließlich des
völkischen Protektionismus gegen antideutsche Bestrebungen als
politischen Auftrag.
Vor diesem Hintergrund greift die DVU im
Wesentlichen die typischen rechtsextremistischen Agitationsfelder auf.
Besondere Schwerpunkte bilden die Themen "Fremdenfeindlichkeit" und
"Antisemitismus" sowie ein umfassender "Revisionismus". "Ausländer"
und "Juden" werden plakativ als anti-deutsche Feindbilder und Gefahren
dargestellt.
Der ideologische Hintergrund sowie die politischen
Zielsetzungen der DVU weisen tatsächliche Anhaltspunkte für
Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung auf.
Eine aggressiv-kämpferische Haltung dürfte indessen nur schwerlich
nachzuweisen sein.
Primär ist die DVU eine Wahlpartei, das heißt, sie verfolgt ihre
verfassungsfeindlichen Zielsetzungen in der Hauptsache durch die
Teilnahme an Wahlen und - bei Erfolg - durch parlamentarische Arbeit,
die oftmals wenig systematisch wirkt. Die DVU verfügt nur über eine
sehr geringe Stammwählerschaft und ist deshalb jeweils auf
Protestwähler angewiesen, die sie bei Wahlen entsprechend aggressiv
durch aufwendige Plakatierungen sowie Postwurfsendungen umwirbt.
Öffentliche Veranstaltungen und eine organisierte Teilnahme an
Demonstrationen oder sonstige außerparlamentarische Aktionen finden
kaum statt. Insofern ist in dieser Hinsicht kein unmittelbares
Gefährdungspotenzial vorhanden. Gleichwohl hat die DVU bei der
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 1998 gezeigt, dass sie unter bestimmten
Rahmenbedingungen sogar zweistellige Ergebnisse erzielen kann.
3) Ein
Beispiel für das Erreichen der kulturellen Hegemonie:
Das
Anit-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ 1993
3.1) Erste Versuche
und Ansätze
Seit sich die rechte Szene in Österreich neu
formiert hat, gibt es den Wunsch oder die Idee eines Anti -
Ausländervolksbegehren. Auch im Punkt 8 des NSDAP Parteiprogramms von
1928 wird ein totaler Einwanderungsstopp gefordert. Auch die NDP[7]
unter Norbert Burger erkannte, welches Potential in dieser Frage
steckte. Mit ihr konnte diese noch immer den Anschluss Österreichs an
Deutschland fordernde Partei Wähler ansprechen und Sympathisanten
gewinnen. Die 1966 gegründete NDP schwenkte erst in den 70ern voll auf
die Anti - Ausländer Linie. Bei der Bundesversammlung vom 8. 11. 1974
in Krems wurde beschlossen, eine Anti - Gastarbeiter - Volksbegehren
in das Parteiprogramm aufzunehmen.[8]
Innerhalb der NDP wurde eine eigene „Volksinitiative für eine
Ausländerbegrenzung“ gegründet, welche die Aufgabe erhielt, dieses
Volksbegehren vorzubereiten. Das NDP Volksbegehren scheiterte aber an
der organisatorischen Unfähigkeit der Partei. Die Idee, den neuen
Rassismus mit Hilfe eines Volksbegehrens zum öffentlichkeitswirksamen
Kampfmittel zu machen wurde allerdings rasch von anderen Rechten
aufgegriffen. So versuchte auch die Aktion - Neue - Rechte (ANR)
ebenfalls 1974 ein Anti - Fremdarbeiter Volksbegehren zu organisieren.
Das Programm bestand nur aus wenigen Zeilen:
„1) Sofortiger Fremdarbeiter-Einreisestop! (sic)
2) Keine österreichische Staatsbürgerschaft für
Balkanesen!
3) Sofortige Ausweisung aller nicht nachweislich
nützlich beschäftigten Fremdarbeiter!
4) Ausreichende Überwachung und stufenweiser,
möglichst rascher Abbau der restlichen!“[9]
Dieser Versuch scheiterte ebenfalls an der
Organisation dieser Gruppe. Das dieses Thema allerdings sehr wohl sich
dazu eignete Menschen zu mobilisieren und anzusprechen zeigte
Bundespräsidentenwahl im Jahre 1980. Mit den bereits erwähnten Slogan
„Gegen Überfremdung - für ein deutsches Österreich“ gelangt es dem
Terroristen Norbert Burger 140.000 Stimmen zu erhalten Aufgrund des
Erfolgs bei Wahl 1980 versuchte es die NDP 1982 nochmals mit einem
Anti-Gastarbeitervolksbegehren. Gemeinsam mit rechtsextremen Gruppen
wie die Ausländer-Halt-Bewegung rund um Gerd Honsik, der ANR und den
Waffenstudenten gegen Integration versuchte man die erforderlichen
Unterschriften zu sammeln. Damals gelang es allerdings nicht die
notwendigen Unterschriften zu sammeln.
Es sollte bis 1991 dauern, bis diese Idee wieder
aufkeimte. Aufgrund der Wende im ehemaligen Ostblock und der damit
verbunden Ostöffnung rückte die Ausländerpolitik in den Mittelpunkt
des politischen Diskurses. Plötzlich beschäftigten sich auch
Parlamentsparteien und Regierung mit der Zuwanderung. Die
Gewerkschaften und er damalige Sozialminister machten sich Sorgen um
die Arbeitsplätze der ÖsterreicherInnen und spielten so den Ball
rechtsextremer und rechter Organisationen zu. So brachte 1991 die
„Liste Kritischer Studenten“ das Buch „Fremde in Österreich“ heraus,
welches „ein Volksbegehren zur Ausländerfrage vorbereiten soll,
welches die Inländerfeinde in Parteien, Medien und Universitäten
endlich zwingt, den Mehrheitswillen zu akzeptieren.“[10].
In diesem Buch werden pseudowissenschaftliche Argumente gesammelt um
Aktivisten eine Argumentationshilfe zu geben.
In diesem Jahr tauchen auch im „Nahebereich der
FPÖ“[11] Volksbegehren
Ideen auf. So wird in FPÖ nahen Zeitschriften für ein von Heinrich
Birnleitner organisierten Volksbegehren geworben. Über dieses
Volksbegehren wird sowohl in den „Fakten“ von H.J. Rosenkranz, als
auch in den FP Organen „Aula“ und „Identität“ mit Wohlgefallen
berichtet. Wieder einmal erscheinen die Grenzen zwischen den
Organisationen des Rechtsextremismus als fließend.
Schließlich forderte die damalige
Spitzenfunktionärin der FPÖ Kriemhild Trattnig in einem Interview ein
„Volksbegehren zur Ausländerpolitik“. Diese Idee, die seit jeher von
rechtsextremen Elementen in Österreich gehegt und bis dato erfolglos
versucht wurde, die Idee die Ausländerfeindlichkeit und die Angst vor
Neuen und sozialen Veränderungen miteinander in Verbindung zu stellen,
wurde also 1991 von der damals drittgrößten österreichischen
Parlamentspartei aufgenommen.
3.2) Das „Österreich
zuerst“ Volksbegehren der FPÖ
1992/93 war es dann tatsächlich so weit. Die
Freiheitlichen präsentierten Ende 1992 ein Konzept für ein
Antiausländervolksbegehren mit dem Titel „Österreich zuerst“. Um sich
dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit zu entziehen, bezeichnete Jörg
Haider dieses Volksbegehren nicht als Antiausländervolksbegehren,
sondern als Pro-Inländervolksbegehren. Es ging Haider dabei aber nicht
um Sachpolitik, um die Sinne der Lösung von Problemen, sondern
vielmehr darum, ein ausländerfeindliches Klima in der Bevölkerung zu
schaffen, das bei der nächsten Wahl der FPÖ zugute kommen sollte.[12]
Für viele österreichische Rechtsextreme ging der Wunschtraum eines
Volksbegehren in Erfüllung. So jubelte zum Beispiel Horst Jakob
Rosenkranz in Fakten 17/92: „Endlich! Ausländer Volksbegehren ist
da!“. Das Titelblatt dieser Ausgabe zeigt über dieser Schlagzeile ein
Foto mehrerer dunkelhäutiger Männer vor einem geschlossenen
Fahrkartenschalter der ÖBB. Der sarkastische Untertext zu diesem Bild
lautet „Bald wird der Fahrkartenschalter geöffnet“. Wie gut dieses
Volksbegehren bei Rechtsextremisten und Neonazis ankommt, beweist die
massive Unterstützung für dieses Volksbegehren aus diesen Reihen. Auch
Gerd Honsik solidarisiert sich mit der FPÖ. Also jener Mann der in der
AUS eine tragende Rolle hatte und sich in seiner Zeitung „Halt“ über
den Wahlsieg Jörg Haiders bei den Wiener Landtagswahlen 1991 freute.
Nicht selten sah man junge Skins beim Verteilen von Werbematerial für
dieses Volksbegehren. Doch gerade diese Radikalität führte zu einem
Misserfolg dieses Vorhabens. Nachdem es im Zuge der Vorbereitungen für
dieses Volksbegehren auch innerparteilich zu Streitereien kam,
verabschiedeten sich nach einiger Zeit die letzten Liberalen rund um
Heide Schmidt die FPÖ und gründeten das Liberale Forum (LIF). Die
Kirchen Österreichs stellten sich entschieden gegen dieses
Volksbegehren und hielten so viele gläubige Menschen davon ab, dieses
zu unterzeichnen. Als Jörg Haider gegen Ende der Volksbegehrenkampagne
erkennen musste, dass der breite Widerstand der ÖsterreicherInnen
seine Erwartung einer hohen Beteiligung zunichte zu machen begann,
steigerten sich seine Aussagen zu einer in der zweiten Republik
beispiellosen Aggressivität.[13]
Seine Angriffe richteten sich gegen Kardinäle, Künstler und Politiker.
Spätestens jetzt war klar, in welche Richtung dieses angebliche „Pro -
Inländervolksbegehren“ ging.
Die FPÖ setzte sich die Latte für dieses
Volksbegehren sehr hoch und erwartete rund 1,5 Millionen
Unterschriften. Damals unterzeichneten aber „nur“ 417.000
ÖsterreicherInnen dieses Antiausländervolksbegehren. Wenn man aber
bedenkt, welche intensiven Gegenmeinungen aus allen ideologischen
Richtungen es gegen dieses Volksbegehren gab, so erscheinen mir
417.000 Unterschriften doch als hohe Zahl.
4)
Kontinuitäten von der NDP über die AUS zur FPÖ
Die Forderung nach einen Antiausländervolksbegehren
zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser
Institutionen. Verwirklicht wurde dieses Forderung dann eben 1992/93
durch das „Österreich zuerst“ Volksbegehren der FPÖ. Es gab nicht nur
die Kontinuität der Forderung nach diesem Volksbegehren sondern auch
die Kontinuität einiger Personen, die an allen untersuchten Gruppen
und Institutionen beteiligt waren. Horst Jakob Rosenkranz oder Gerd
Honsik waren sowohl bei der NDP, als auch bei AUS tätig. Die
Zeitschrift „Fakten“ wird von Rosenkranz herausgegeben und seine Frau
Barbara ist Abgeordnete der Freiheitlichen zum niederösterreichischen
Landtag. Das Ehepaar Rosenkranz versteht es sehr gut die Forderungen
der FPÖ mit jenen der Rechtsextremen Leserschaft der „Fakten“ zu
verknüpfen. Darüber hinaus sollten mit dieser Angstpolitik neue Wähler
angesprochen werden. Ganz unverblümt argumentierte Jörg Haider mit
falschen Zahlen[14] und
schürte so die Angst und Verunsicherung. Für die FPÖ mögen 417.000
Unterschriften wohl ein Misserfolg sein, für das rechte Lager
allerdings bot sich eine Artikulierungsmöglichkeit wie selten zuvor in
diesem Land. Ein NDP, ANR oder AUS Volksbegehren hätte wohl nie so
viele Menschen dazu bewegen können, dies zu unterschreiben. Mit diesem
Volksbegehren hat die radikale Sprache und die plumpe
Fremdenfeindlichkeit der Neonazibanden und der rechtsextremen
Untergrundgruppen in den politischen Diskurs Einzug genommen.
Schlussbemerkungen:
Uns
als Demokraten, Friedensaktivisten und Linke bleibt eines: Wachsam
sein!
Wachsam und kritisch hinterfragen, wer was in den Medien vertritt.
Wachsam sein, wenn wir pseudowissenschaftliche Argumentationsketten
entdecken!
Wachsam sein, um gegen jede Form von Rechtsextremismus und
Rechtspopulismus vorzugehen.
Die
„Neue Rechte“ macht ihre Unauffälligkeit so gefährlich!
[7]
1966/67 kam es erstmals in Europa seit den 2. Weltkrieg zu einer
wirtschaftlichen Rezession. In diese Zeit fallen auch die Erfolge
der deutschen NPD, die in drei deutsche Landtage einziehen konnte.
Diese Entwicklung bestärkte die radikalen Elemente in der FPÖ eine
neue nationale, rechte Partei zu gründen.[7] Diese radikalen FPÖ -
Aussteiger rekrutieren sich fast vollständig aus dem Kreise
ehemaliger Südtirolaktivisten rund um Norbert Burger. Neben ihm sind
das noch hochrangige ehemaliger Nazis, wie der HJ - Führer Otto
Erlach, der ehemalige NSDAP Landesleiter von Österreich Leopold Tavs
und anderer ehemalige SS-ler. 1966 wird die NDP als Verein in
Innsbruck angemeldet, die Konstituierung als Bundesorganisation
findet im Februar 1967 in Linz statt. Zum ersten Obmann wird Rudolf
Watschinger gewählt, es ist aber von jeher klar, dass Norbert Burger
der starke Mann der NDP und die eigentliche Nummer 1 ist.
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