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Lärm und Stille
Manchmal kann es
geschehen,
hörst du den Puls
der Welt,
als blieben die
Wolken stehen,
wie wenn die Erde
ihr Drehen
und ihren Atem
anhält.
  
Vom Bojaren zum
Bourgeois
Mütterchen Russland,
dein Weizenhaar
Verbrämt von
sibirischem Zobel
Ist mein, und dein
fruchtbarer Leib sogar.
Mütterchen Russland,
Väterchen Zar –
Als Familie sind wir
ganz nobel.
Mütterchen Russland,
Väterchen Zar,
ich schwöre, ich
liebe euch beide,
ihr brachtet dem
russischen Bourgeois
eine goldene
Morgengabe dar:
ein Riesenland voll
Getreide.
Doch während
woanders Reichtum entstand
Aus Maschinen und
Männern und Frauen,
und Profite rollten
vom fließenden Band,
besaßen wir nichts
als das weite Land
und die Hörigen, die
es bebauen.
Väterchen Zar, bau
mir die Eisenbahn,
das wär’ wunderbar,
damit ich handeln kann.
Und Jahr um Jahr
wächst unser Reichtum dann,
Väterchen Zar, bau
mir die Eisenbahn.
Brüderchen, schau
dir den Atlas an,
schau die gewaltige
Weite.
Und viele
hunderttausend Mann,
die bauten mir meine
Eisenbahn,
dann rollte darauf
mein Getreide.
Herein in das Land
fuhr Kapital
Aus Börsen in
westlichen Staaten,
ich stampfte aus dem
Areal
Fabriken in enormer
Zahl
Und Millionen
Proleten.
Mütterchen Russland,
ich nähre dir
deine Söhne, dass
sie sich vermehren,
sie treiben
Maschinen und mehren mir
alle Werte, und alle
gehörten mir
und natürlich den
Aktionären.
Und morgen schon da
unternehme ich
Die Revolution,
jedoch nur bürgerlich.
Väterchen Zar, der
neue Zar bin ich,
der Bourgeois
regiert jetzt ordentlich…
  
Babouschka-Lied
Wo sind deine sieben
Söhne geblieben,
Babouschka,
Babouschka,
hast du sie heute
schon gezählt?
Einer ist Bauer
geblieben, arm und verachtet,
der Großbojar hat
ihm sein Land verpachtet,
das bezahlt er mit
Arbeit und eigenem Pflug
und seiner halben
Ernte, das ist ein Betrug.
Einer ist Soldat
worden, kämpft für den Zaren,
muss in fremde
Länder und zur Hölle fahren.
Einer ist Matros’
worden, fährt auf’m schwarzen Meer,
das ist ihm lieber,
als wenn er Bauer wär’.
Wo sind deine sieben
Söhne geblieben,
Babouschka,
Babouschka,
hast du sie heute
schon gezählt?
Einer ging zur
Eisenbahn, baut die lange Strecke,
hackt sich durch das
weite Land, schläft in einer Ecke.
Einer ging nach
Petersburg, wollte nimmer ackern,
gießt jetzt die
Kanonenrohr’, muss 14 Stunden rackern.
Einem passt die Welt
nicht mehr, wollte revoltieren,
den schickte der Zar
Nikolaus weit weg zu den Sibiren.
Den siebten Sohn,
den habe ich versteckt vor allen Frommen,
damit sich einer
rühren kann, wenn neue Zeiten kommen.
  
Lied vom Hausbau
Meine Brüder, weit
verstreut
Mögt ihr alle sein,
denkt daran, die
neue Zeit
kommt nicht von
allein.
Meine Brüder,
sammelt euch
Wo immer ihr auch
seid,
einig bauen wir
jetzt und gleich
das Haus der neuen
Zeit.
Der alte Bauplan
taugt uns nicht
Für den neuen Staat.
Neues Werkzeug
brauchen wir
Und Pläne für die
Tat.
Haben wir Werkzeug
nicht dabei,
müssen wir es
finden.
Gibt es keine
Kampfpartei
müssen wir sie
gründen.
Die muss unser
Hammer sein,
der Hobel und der
Plan,
sonst stiehlt man
uns die Freiheit weg,
noch eh’ der Bau
begann.
Im alten Staat
regier’n die Herren
mit ihrem Apparat,
und den werden wir
zerstören,
wir, das
Proletariat.
  
Lied der
Kleingläubigen
Genossen, lasst es
bleiben,
macht endlich euren
Frieden,
wie die Dinge
treiben,
verlieren wir ganz
entschieden.
Löscht die
Sturmlaternen,
trauert um die
Toten,
greift nicht nach
den Sternen,
schon gar nicht nach
den roten.
Ausgerechnet hier,
ausgerechnet wir,
in Russland gelingt
uns das nie.
Macht Deutsche und
Franzosen
zuerst die
Revolution,
zeigt es Englands
Bossen,
wir folgen euch dann
schon.
Ja, in den
Staatskolossen
industrieller Macht
dort soll’n uns die
Genossen
mal zeigen, wie
man’s macht.
Ausgerechnet hier,
ausgerechnet wir,
in Russland gelingt
uns das nie.
 
Es fällt ein Soldat
bei Tarnopol
Es fällt ein Soldat
bei Tarnopol,
weiß nicht, wofür er
sterben soll.
Sag, Vaterland, was
dich bewog,
dass man dich in den
Weltkrieg zog.
Nur weil Frankreichs
Kapital
Deine Kohle hat und
deinen Stahl?
Es ist bei Baku ein
ergiebiger Quell,
es hat Englands Bank
die Hand auf dem Öl.
Vielfach verflochten
ist das Monopol,
darum fällt der
Soldat bei Tarnopol.
  
Jalava-Lied
Von Sonn’ und Kessel
schwarzgebrannt
und auch vom
scharfen Wind,
steht Jalava im
Führerstand,
wo Dampf und Flammen
sind.
Sein neuer Heizer
ist dabei,
der ihm das Feuer
nährt,
auf Lokomotive
zwei-neun-drei,
die heut’ nach
Russland fährt.
Ein kleiner Mann von
schmalem Bau,
der werkt dort auf
der Brücke,
Ruß im Gesicht, das
Haar ist grau –
Es ist eine Perücke.
Jalava, Jalava, du
Finne,
was lachst du so
gegen den Wind?
Ich lache, weil
meine Sinne
alle beisammen sind,
und weil wir
weiterkamen,
und weil die Welt
sich dreht,
und weil mein Heizer
von Flammen
und Dampfkesseln was
versteht.
Sie dampfen ein in
Beloostrow,
wo Schocks von
Offizieren
die Züge auf dem
Grenzbahnhof
penibel
kontrollieren.
Sie prüfen jegliches
Gesicht
bei ihrer
Inspizierung,
doch sehen sie am
Kessel nicht
den Staatsfeind der
Regierung.
Jalava weiß, worum
es geht
und langsam dampft
vorbei
am letzten Posten,
der dort steht,
Lokomotive
zwei-neun-drei.
Jalava, Jalava, du
Finne,
was lachst du so
gegen den Wind?
Ich lache, weil
meine Sinne
alle beisammen sind,
und weil meine
Lokomotive
die Freude auch
verspürt,
und weil sie mit
vorlautem Pfiffe
ihr kostbares
Frachtgut führt.
Da saust die
Grenzstation vorbei,
dir Birken stehen
nackt,
die Lokomotive
zwei-neun-drei
schnauft in erhöhtem
Takt.
Und Jalava lacht in
den Wind,
in den Oktoberregen.
Heizer, wenn wir
drüben sind,
dann wird sich was
bewegen.
Jetzt schneidet der
Oktoberwind
die letzten Äpfel
an,
die an den kahlen
Bäumen sind
an der finnischen
Eisenbahn.
Jalava, Jalava, du
Finne,
was lachst du so
gegen den Wind?
Ich lache, weil
meine Sinne
alle beisammen sind,
und weil uns die
Fahrt in den Bahnhof
hinter der Grenze
führt,
und Wladimir
Iljitsch Uljanow,
mein Heizer, die
Flammen schürt.
  
Kosakenlied
Sie stürmten durch
die Taiga
und schwangen die
Nagaika,
und drückten immer
schärfer
die Bauern und die
Dörfer.
Sie ritten auf
Befehl
auch schnurstracks
in die Höll’.
Hei, die Kosaken
waren
die Reiterei des
Zaren.
Hörst du die Kosaken
lachen,
nur nicht in die
Hosen machen.
Kosak, Kosak, dass
ich dich frag:
zu wem gehörst du?
Auch diese Heerschar
ist nicht
unbelehrbar.
Und als der Zar
versunken,
da waren sie
betrunken.
Dann übernahm die
Führung
die
Bourgeois-Regierung.
Der bürgerliche Rat,
der rief sie in die
Stadt,
den Arbeitern, die
streiken,
mit Schlägen
aufzugeigen.
Hörst du die Kosaken
lachen,
nur nicht in die
Hosen machen.
Kosak, Kosak, dass
ich dich frag:
zu wem gehörst du?
Auch diese Heerschar
ist nicht
unbelehrbar.
Sie sahen auf den
Gassen
die Fahnen und die
Massen.
Und aus der Masse
tönt ein Bass:
Wir sind das Volk
und ihr seid – was?
Der oberste Kosake
Rief wütend zur
Attacke,
und die wilden
Kavalleristen
verdroschen die
Polizisten.
Hörst du die Kosaken
lachen,
nur nicht in die
Hosen machen.
Kosak, Kosak, dass
ich dich frag:
zu wem gehörst du?
Auch diese Heerschar
ist nicht
unbelehrbar.
  
Erstürmung des
Winterpalais
Es donnert ein
Schuss von der Newa her,
das Signal der
„Aurora“ am Kai.
Auf, Matrosen und
kämpfendes Arbeiterheer,
nichts rettet die
Bürgerregierung mehr,
wir stürmen das
Winterpalais.
Jetzt nehmen wir
ihre letzte Bastion
Und wir stürmen in
einem Karree.
Keinen Pardon für
die Reaktion,
wir haben die Ämter
und die Bahnhöfe schon,
wir stürmen das
Winterpalais.
Mann mit dem Hammer,
lass dich nicht beirr’n,
ihr Matrosen der
baltischen See,
das Volk lässt sich
nicht mehr von Volksfeinden führ’n,
es wird sich ab
heute selber regier’n.
Wir erstürmen das
Winterpalais.
 
Wenn ich wieder
reich bin…
Ach, wie war es doch
vordem
in alten Zeiten so
bequem,
da war die Welt noch
heil.
Die Zeiten wurden
bitter,
und meine herrlichen
Güter
die wurden
aufgeteilt.
Wo sie sich einst
begnügten
und meine Äcker
pflügten,
da pflügen sie jetzt
für sich.
Da gründen sie
Kolchosen.
Wo zücht ich meine
Rosen?
Ich kränk mich
fürchterlich.
Ach, wie war es doch
vordem
in alten Zeiten so
bequem,
da war ich ein
großer Herr.
Dann kamen die
Bolschewiken,
und meine schönen
Fabriken
gehörten mir nicht
mehr.
Im Werk, das mir
gehört hat,
bestimmt ein
Sowjetrat.
Adieu, adieu,
Profit!
Und dem Himmel sei’s
geklagt:
sie haben mich nicht
einmal verjagt,
ich arbeit’ auch
noch mit.
Ach, wie war es doch
vordem
in alten Zeiten so
bequem,
da war ich noch
beschützt.
Weit reichten meine
Fäden,
der Staat war da für
jeden,
der Kapital besitzt.
Jedoch das Volk
marschierte,
und seit der Zeit
diktierte
das Proletariat.
Wie konnten sie es
wagen,
den Staat mir zu
zerschlagen!
Jetzt hab ich den
Salat.
Aber:
Wenn ich wieder
reich bin, wird es so wie früher sein,
wenn ich wieder
reich bin, wird es wieder so wie früher sein.
Und dann nehm’ ich,
was mir einst gehörte,
und ich verbanne,
was mich dabei störte,
auf die Art wird es
wieder so wie früher sein.
  
Lied von der Partei
Es waren einmal,
erinnert euch,
tausend Haufen im
Deutschen Reich,
die wollten etwas
ändern,
verstreut in allen
Ländern.
Die Herren waren
schneller,
behoben ihre Fehler,
vereinten unterm
Beile
die ungeeinten
Teile.
Und mit den Tricks,
den alten,
will man uns wieder
spalten,
doch diesmal läuft
es andersrum, dideldum,
weil wir
zusammenhalten.
Die Situation,
die kennen wir
schon.
Was ist daran neu?
Die Partei.
Und immer nach der
letzten Schlacht,
da war der Bürger an
der Macht,
und die kleinen
Leute,
waren wieder Zweite.
Der Bürger holte mit
Bedacht
sich in der
allerletzten Schlacht
mit Pauken und
Trompeten
die Waffen der
Proleten.
Wenn’s wieder ihn
gelüstet,
dass er uns
überlistet,
dann läuft es
diesmal andersrum, dideldum,
denn jetzt sind wir
gerüstet.
Die Situation,
die kennen wir
schon.
Was ist daran neu?
Die Partei.
Als einst Paris
Kommune war,
vergaßen sie den
Bourgeois,
der seine alte Welt
noch in den Krallen
hält.
Es ahnte nicht der
kleine Mann
wer er ist und was
er kann,
sah zwischen Elend
und Bank
keinen Zusammenhang.
Doch heute kennt er
des Bürgers Schmäh
genauso gut wie ein
Bankier,
denn diesmal läuft
es andersrum, dideldum,
wir stürmen das
Winterpalais.
Die Situation,
die kennen wir
schon.
Was ist daran neu?
Die Partei.
  
Stille und Lärm
Als das Sowjetvolk
den Sieg errang,
jagt durch den Äther
wieder
eine große Stille,
die tönend klang
wie große Pause, wie
Fischgesang,
der Schock fuhr in
alle Glieder.
Doch in der Vorstadt
jeder Stadt,
wo Unterdrückte
leben,
hält man jetzt den
Kopf gerad’:
„Lasst uns doch auf
Leningrad
und Lenin einen
heben!“
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