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Politische Ökonomie I - Der Markt

 

1. Der Kostenpreis

1.1. Der Kreislauf von Ware und Geld

1.2. Das fixe und das zirkulierende Kapital

1.3. Die Berechnung des Kostenpreises

1.4. Verschiedenheit der Kostenpreise

 

2. Der Marktpreis

2.1. Individuelle Preise und Marktpreise

2.2. Die Angebotsfunktion

2.3. Die Nachfragefunktion

2.4. Der Markpreis

2.5. Veränderungen des Marktpreises infolge der Änderung der Angebotsfunktion

2.6. Veränderungen des Marktpreises infolge der Änderung der Nachfragefunktion

2.7. Die gesellschaftliche Bedeutung des Marktpreises

2.8. Abhängigkeit der Marktpreise von der Elastizität der Nachfrage

2.9. Staatliche Höchstpreise oder Nationalpreise

2.10. Marktpreisveränderungen und technischer Fortschritt

 

3. Kartelle und Trusts

3.1. Ausschaltung der freien Konkurrenz

3.2. Konkurrenz innerhalb des Kartells

3.3. Staatliche Höchstpreise beim Kartell

3.4. Trusts

3.5. Von der freien Konkurrenz zum privaten Monopol

3.6. Die Konzentration des Kapitals und der Antikapitalismus

 

4. Die Zölle und der Marktpreis

4.1. Weltmarktpreis und Inlandspreise

4.2. Der Einfluss des Zolls auf den Inlandspreis bei freier Konkurrenz

4.3. Der Einfluss des Zolls auf die Löhne

4.4. Die Kartelle und die Zölle

4.5. Export und Dumping

 

5. Der Arbeitslohn

5.1. Der Verkauf von Waren und Arbeitskraft

5.2. Preis der unorganisierten Arbeitskraft

5.3. Die Gewerkschaften

5.4. Veränderungen des Kostenpreises durch Lohnerhöhung bei gleich bleibender Arbeitsintensität

5.5. Produktionszweige mit und ohne Weltmarktkonkurrenz

5.6. Der Arbeitslohn in Produktionszweigen mit Weltmarktkonkurrenz

5.7. Der Arbeitslohn in Produktionszweigen ohne Weltmarktkonkurrenz

5.8. Gewerkschaften und technischer Fortschritt

5.9. Die Unternehmerverbände

 

6. Arbeitsintensität und Arbeitszeit

6.1. Die Arbeitskraft als Maschine

6.2. Das Verhältnis von Arbeitslohn und Arbeitsintensität

6.3. Arbeitsintensität und Arbeitslosigkeit

6.4. Wochenlohn und Lebenslohn

6.5. Arbeitszeit und Arbeitsintensität

 

7. Kapitalzins und Unternehmergewinn

7.1. Die Banken

7.2. Der Zinsfuß

7.3. Kapitalisieren

 

8. Die Profitrate

8.1. Profitrate, Profit und Kapital

8.2. Der Ausgleich der Profitrate

8.3. Der Produktionspreis

 

9. Die Ausgleichung der Lohnsätze

 

10. Schlussbetrachtung

 

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1. Der Kostenpreis

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1.1. Der Kreislauf von Ware und Geld

Wir leben in einer Wirtschaft, die sich durch eine weitverzweigte Arbeitsteilung kennzeichnet. Ständig werden viele Millionen von Tauschakten vollzogen; für Geld werden Waren gekauft und Vermögen, die in Warenvorräten angelegt sind, werden in gleicher Weise in Geld zurückverwandelt. 

In einfachster Weise vollzieht sich der Umschlag des Handelskapitals. Der Kaufmann nimmt Geld (G), kauft dafür Ware (W) und verkauft diese Ware wieder weiter, wodurch die Rückverwandlung in Geld (G) erfolgt. Die Geldsumme, die am Schluss dieses Kreislaufes vorhanden ist, wird in der Regel größer sein als jene, über die der Kaufmann ursprünglich verfügte. Wir drücken dies dadurch aus, dass wir dem großen G ein kleines g hinzufügen. Die Formel für die Zirkulation des Handelskapitals lautet deshalb:

G à  W à G + g

Etwas komplizierter verläuft die Zirkulation des industriellen Kapitals. Der Fabrikant nimmt das Geld (G), geht damit auf den Markt und kauft Waren (W). Diese Waren bestehen einerseits aus den Produktionsmitteln (Pm), worunter Wirtschaftsgebäude, Maschinen und Rohstoffe zu verstehen sind, andererseits aus der notwendigen Arbeitskraft (Ak). Nun wird der Kreislauf des Geldes durch den Produktionsprozess (... P ...) unterbrochen, aus dem wieder Ware (W) hervorgeht. Diese Ware wird verkauft und verwandelt sich wieder in Geld (G). „Am Schlusse des Prozesses“, sagt Marx, „befindet sich der Kapitalwert also wieder in derselben Form, worin er in ihn eintrat, kann ihn also wieder von neuem als Geldkapital eröffnen und durchlaufen.“ Die Form des Geldkapitals wurde durch diesen Zirkulationsprozess nicht verändert, wohl aber seine Größe. Da in der Geldsumme, die am Schluss des Kreislaufs vorhanden ist, der Profit des Unternehmers steckt, so wird sie größer sein als die ursprünglich vorhandene. Die Formel für die Zirkulation des industriellen Kapitals sieht so aus:

 G à W { Pm, Ak ... P … W à G + g

Es ist klar: In den Kostenpreis der Ware sind nicht nur die Auslagen für Rohstoffe und Arbeitskräfte einzurechnen, sondern es muss ein entsprechender Betrag für die Erneuerung der verwendeten Fabriksgelände, Maschinen und Werkzeuge zurückgelegt werden. Diesen Vorgang nennt man abschreiben oder amortisieren.

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1.2. Das fixe und das zirkulierende Kapital

Analysieren wir den Produktionsprozess, so finden wir, dass der Kapitalwert, der in den Produktionsmitteln steckt, in verschiedener Weise zirkuliert. Ein Teil der Produktionsmittel geht seinem Wert nach ganz in das neue Produkt ein, ein anderer Teil überträgt seinen Wert nur allmählich und stückweise auf die neuen Produkte.

Aus der verschiedenen Weise, worin die verschiedenen Teile des produktiven Kapitals ihren Wert auf das Produkt übertragen, entspringen, sagt Marx, „die Formbestimmtheiten von fixem und flüssigem Kapital.“ Aber nur das produktive Kapital kann sich in ein fixes (stehendes) und in ein zirkulierendes (umlaufendes, flüssiges) Kapital spalten; für das Waren- und Geldkapital besteht dieser Gegensatz nicht.

Als fixes Kapital bezeichnet man jenen Teil des Kapitals, der in den Wirtschaftsgebäuden, Maschinen, Werkzeugen, Transportmitteln usw. festgelegt ist. In dem Maße, als diese Arbeitsmittel gebraucht und abgenutzt werden, geht ein Teil ihres Wertes auf die neuen Produkte über. Der andere Teil des Wertes bleibt aber während der Funktionsdauer dieser Arbeitsmittel in ihnen fixiert.

Darum bezeichnen wir das in diesen Arbeitsmitteln angelegte Kapital als fixes oder stehendes Kapital. Der so „fixierte“ Wert nimmt ständig ab, bis das Arbeitsmittel ausgedient hat. Während dieser Zeit wurde der Wert des Arbeitsmittels allmählich, stückweise auf die Produkte übertragen.

Allgemein dürfen wir sagen: Das fixe Kapital stellen jene Produktionsmittel dar, die nicht in dem Zeitraum verbraucht oder abgenutzt werden, in dem das Produkt fertiggestellt und aus dem Produktionsprozess als Ware abgestoßen wird. In derselben Zeit, während das fixe Kapital einmal umschlägt, schlägt das flüssige Kapital viele Male um.

Als zirkulierendes, umlaufendes oder flüssiges Kapital bezeichnen wir den Teil des produktiven Kapitals, der in Rohstoffen, Hilfsstoffen, der Arbeitskraft usw. steckt. Die Produktionsmittel, die das umlaufende Kapital darstellen, haben die Eigenschaft, dass sie in jedem Arbeitsprozess, worin sie eingehen, ganz verbraucht werden. Ihr Wert wird vollständig auf das neue Produkt übertragen. Ein Teil der Produktionsmittel – etwa das Leder, aus dem man Schuhe macht – geht stofflich in das Produkt über, aber ihr Wert bildet dennoch einen Teil des Wertes des neugeschaffenen Produkts.

Suchen wir nun diese Gedanken durch einige Beispiele zu veranschaulichen. Welches Kapital stellt ein Ochse dar? Das kommt auf seine Verwendung an: Wird ein Ochse als Arbeitstier verwendet, so ist er fixes Kapital. Es wird ja nicht in einem Arbeitsgang verbraucht, sondern nützt sich wie eine Maschine allmählich ab. Der Mastochse dagegen , den der Fleischhauer kauft und aushackt, ist zirkulierendes Kapital. Der Eisenbahnwaggon, der in aller Welt herumläuft, ist trotzdem kein laufendes, sondern fixes Kapital. Der Dünger, der nur für eine Produktionsperiode wirksam ist, stellt ein zirkulierendes Kapital dar. Erstreckt sich aber die Wirksamkeit des Düngers auf mehrere Ernten, so wird das aufgewendete Vermögen ein Bestandteil des fixen Kapitals.

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1.3. Die Berechnung des Kostenpreises

Die Produzenten führen in ihrem eigenen Interesse fallweise Kalkulationen durch, um den Kostenpreis eines Meterzenters (q) einer von ihnen geschaffenen Ware zu bestimmen. Wollen wir beispielsweise eine solche Kalkulation vornehmen, so müssen wir eine Annahme über die Leistungsfähigkeit eines industriellen Unternehmens treffen. Unterstellen wir, dass unser Betrieb bei voller Ausnützung der Leistungsfähigkeit (Kapazität) jährlich 1.000 q einer bestimmten Ware erzeugen kann. Die Fabriksanlagen kosten 100.000.- Schilling und sollen in fünfzig Jahren amortisiert werden. Die Maschinen, die 60.000.- kosten, sind in zehn Jahren zu amortisieren. Für Arbeitslöhne, Roh- und Hilfsstoffe haben wir pro Zentner auszugeben: 

Arbeitslohn: 6 S

Rohstoffe: 7 S

Hilfsstoffe: 2 S

Regien: 3 S

= Summe: 18 S

Ist damit unsere Kalkulation schon beendet? Nein, wir müssen jetzt noch die Amortisationskosten für die Gebäude und Maschinen berechnen. Die Rechnung lautet: Die Gebäude kosten 100.000 S und haben eine Lebensdauer von fünfzig Jahren. Wir müssen also jährlich 2.000 S zurücklegen, dann haben wir im Laufe von fünfzig Jahren diese 100.000 herangebracht. Wieviel müssen wir pro Zentner verdienen, um jährlich 2.000 S für die Gebäude zurücklegen zu können? Da wir jährlich 1.000 q erzeugen, müssen wir pro Zentner eine Gebäudeamortisation von 2 S zuschlagen.

Die Maschinen kosten 60.000 S und haben eine Lebensdauer von zehn Jahren. Für die Amortisation der Maschinen müssen wir demnach jährlich ein Zehntel des Einkaufspreises der Maschinen, also 6.000 S, zurücklegen. Da wir jährlich 1.000 q erzeugen, so entfällt auf die Amortisation der Maschinen pro Zentner ein Beitrag von 6 S.

Zu dem vorhin errechneten Kostenpreis von 18 S kommen daher noch hinzu: 

Gebäude-Amortisation: 2 S

Maschinen-Amortisation: 6 S

= Summe: 8 S

Der Kostenpreis beträgt nach unserem Beispiel also 18 S + 8 S = 26 S.

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1.4. Verschiedenheit der Kostenpreise

Ein alte Erfahrung lehrt uns, dass die Kostenpreise der verschiedenen Unternehmungen keineswegs gleich hoch sind, sondern sehr starke Unterschiede aufweisen. Ihre Differenzierung wird durch folgende Einzelheiten bedingt: 

1. Die Verschiedenheit der technischen Einrichtung: Ein Betrieb mit leistungsfähigeren, modernen Maschinen wird billiger produzieren als ein Betrieb mit veralteten Maschinen.

2. Verschiedene Standorte: Ein Eisenwerk, das bei einem Kohlebergwerk liegt, wird billiger produzieren als ein Werk, das die Kohle von einem weit entfernten Bergwerk zuführen muss. Da ein Eisenwerk sehr viel Kohle braucht, erhöhen die Zufuhrkosten der Kohle den Kostenpreis des Eisens wesentlich.

3. Der durchschnittliche Beschäftigungsgrad des Betriebes: Der Grad der durchschnittlichen Kapazitätsausnützung spielt beim Kostenpreis eine große Rolle. Sehen wir uns doch die Berechnung im Punkt 1.3. an. Bei der Annahme, dass dieser Betrieb durch eine Krise seine Produktion um die Hälfte herabsetzen muss, wird die Gebäudeamortisation von 2 S auf 4 S und die Maschinenamortisation von 6 S auf 12 S steigen. Auch die Regien für Beleuchtung und Beheizung der Arbeitsräume belasten den Kostenpreis mehr, wenn der Betrieb nicht voll beschäftigt ist.

4. Die Größe des Betriebes: Großbetriebe haben in der Regel einen kleineren Kostenpreis pro Einheit als Kleinbetriebe. Sie können bessere Maschinen einstellen, können diese Maschinen besser ausnützen, haben geringere Amortisations- und Personalkosten.

5. Die Tüchtigkeit der Arbeitskräfte: Ein Betrieb, der umsichtig geleitet ist und der gute Arbeitskräfte beschäftigt, wird natürlich billiger produzieren als ein schlicht geleiteter Betrieb mit untüchtigen Arbeitern.

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2. Der Marktpreis 

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2.1. Individuelle Preise und Marktpreise

Unter dem individuellen Preis verstehen wir den Preis, den der einzelne Käufer für die einzelne Ware bezahlt. Jeder, der das Getriebe des Marktes kennt, weiß, dass diese individuellen Preise verschieden sind. Aber es besteht die Tendenz, die individuellen Preise anzugleichen. Seht euch einmal die Oberfläche eines Gewässers an, das vom Winde bewegt wird. Ist diese Oberfläche eine Ebene? Nein. Aber trotzdem hat das Wasser die Tendenz, eine Oberfläche zu bilden. Eine solche Tendenz besteht auch bei den Preisen.

Die individuellen Preise haben das Bestreben, sich einem Grundpreis anzupassen. Diesen Grundpreis, um den wirklichen Preise sozusagen pendeln, nennen wir den Marktpreis. Wir wollen nun das Entstehen, die Veränderungen und die Bedeutung des Marktpreises etwas näher betrachten.

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2.2. Die Angebotsfunktion 

Damit wir nicht mit abstrakten Vorstellungen arbeiten müssen, konstruieren wir zunächst einige konkrete Beispiele. Festzuhalten ist dabei, dass wir, um die Wirkung von Angebot und Nachfrage zu verstehen, freie Konkurrenz voraussetzen.

 

Unternehmer

Produktion bei voller Beschäftigung (q)

Kostenpreis eines Zentners

Hans Müller

380

8 S

Georg Schulz

320

9 S

Wenzel Prohaska

300

10 S

Ignaz Kohn

250

11 S

Eduard Schmidt

200

12 S

Wir nehmen an, dass es in einem bestimmten, für sich abgeschlossenen Wirtschaftsgebiet nur diese fünf Betriebe gäbe. Das Angebot würde sich so gestalten: 

Beträgt der Marktpreis...

... dann beträgt das Angebot in Zentnern:

8 S

380

9 S

700

10 S

1000

11 S

1250

12 S

1450

Unser Beispiel besagt: Beträgt der Marktpreis 8 S, so kann nur der Betrieb Hans Müller produzieren, dessen Kostenpreis so hoch ist wie der Marktpreis. Die Produktionskosten der anderen vier Betriebe sind höher als 8 S pro Meterzentner. Sie müssten daher, da kein Unternehmer dauernd mit Verlust arbeiten kann, die Produktion einstellen. Einem Marktpreis von 8 S entspricht in unserem Falle ein Angebot von 380 q. Stiege der Marktpreis von 8 auf 9 S, so könnte auch die Firma Schulz produzieren, deren Kostenpreis 9 S ist. Bei voller Ausnützung ihrer Kapazität erzeugen die beiden Firmen 700 q. Einem Marktpreis von 9 S entspräche daher ein Angebot von 700 q. Stiege der Marktpreis auf 10 S, so betrüge das Angebot 1.000 q usw., wie es unsere Zahlenreihe zeigt, die wir „Angebotsfunktion“ nennen.

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2.3. Die Nachfrage-Funktion

Eines Tages kommen die Käufer auf den Markt und finden, dass die Äpfel teurer geworden sind. Was werden sie tun? Sie werden weniger oder gar keine Äpfel kaufen. Das bedeutet: Die Nachfrage nach Äpfeln sinkt. Man sieht: Die Nachfrage ist vom Marktpreis abhängig, sie ist eine Funktion des Marktpreises. 

Je höher der Marktpreis, umso geringer die Nachfrage – und umgekehrt. Ein Beispiel: 

Beträgt der Marktpreis...

... dann beträgt die Nachfrage:

8 S

1080 q

9 S

1050 q

10 S

1000 q

11 S

950 q

12 S

920 q

Unser Beispiel zeigt, dass den steigenden Marktpreisen eine sinkende Nachfrage entspricht. Die Änderung der Nachfrage wird bei den verschiedenen Waren verschieden sein. Steigen zum Beispiel die Preise für Äpfel, so sinkt die Nachfrage stark. Denn man kann die Äpfel durch ein anderes Obst ersetzen. Brot wird auch dann gekauft werden müssen, wenn die Brotpreise gestiegen sind. Das Brot ist für uns ein unentbehrliches Nahrungsmittel, das schwer zu ersetzen ist. Das Äpfelessen können wir uns eventuell abgewöhnen, das Brotessen nicht. 

Auch die Elastizität der Nachfrage wird daher verschieden sein. Bei Luxuswaren wird schon eine geringe Preisschwankung eine Änderung der Nachfrage hervorrufen. Bei lebenswichtigen Gebrauchsartikel dagegen werden Preisschwankungen die Nachfrage weniger stark beeinflussen. Allgemein dürfen wir sagen: Je unentbehrlicher eine Ware, desto weniger elastisch wird die Nachfrage sein – je entbehrlicher eine Ware, desto elastischer die Nachfrage.

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2.4. Der Marktpreis 

Wir versuchen nun, uns das Entstehen des Marktpreises durch die früheren Beispiele klarzumachen: 

Beträgt der Marktpreis...

... dann beträgt das Angebot

... dann beträgt die Nachfrage:

8 S

380 q

1080 q

9 S

700 q

1050 q

10 S

1000 q

1000 q

11 S

1250 q

950 q

12 S

1450 q

920 q

Wie hoch müsste nach diesem Beispiel der Marktpreis sein? Unterstellen wir einen Marktpreis von 8 S, so kann nach unserer früheren Annahme nur der Betrieb Hans Müller arbeiten, der einen Kostpreis von 8 S hat. Wir haben daher ein Angebot von 380 q. Die Nachfrage aber ist bei diesem wohlfeilen Preis groß. Sie beträgt laut Beispiel 1.080 q. Bei dieser Marktlage werden fast zwei Drittel der Kauflustigen keine Ware bekommen. Bei freier Konkurrenz ein unmöglicher Zustand. Was wird geschehen? Eine stürmische Nachfrage treibt die Preise empor. Steigt der Marktpreis auf 9 S, so kann auch der Betrieb Schulz arbeiten. Diesem Marktpreis entspricht ein Angebot von 700 q. Die Nachfrage wird durch die Preiserhöhung leicht gesenkt. Sie beträgt 1.050 q. Angebot und Nachfrage stehen aber immer noch in einem starken Missverhältnis. Folge: Die Preise werden weitersteigen. Steigt der Marktpreis auf 10 S, so kann auch der Betrieb Prohaska arbeiten. Das Angebot erhöht sich dadurch von 700 auf 1.000 q. Die Nachfrage sinkt infolge der neuerlichen Preiserhöhung von 1050 q auf 1.000 q. Wir sehen: nun sind Angebot und Nachfrage gleich. In unserem Fall müsste der Marktpreis 10 S betragen. Denn der Marktpreis ist derjenige Preis, bei dem Angebot und Nachfrage gleich groß sind. 

Was geschähe, wenn man versuchen wollte, den Marktpreis mit 11 S festzusetzen? Diese Preiserhöhung hätte eine Erhöhung des Angebotes von 1.000 q auf 1.250 q und eine Senkung der Nachfrage von auf 950 q zur Folge. 300 q Waren blieben unverkauft liegen. Das Überangebot würde den Marktpreis wieder auf 10 S herabdrücken. 

Werfen wir noch einen Blick auf unser Beispiel in 2.2. Dort sehen wir, dass die Betriebe Kohn und Schmidt einen Kostenpreis von 11 S und 12 S pro q haben. Sie könnten daher bei einem Marktpreis von 10 S nicht produzieren. Sie blieben auf der Strecke. Der Marktpreis entscheidet, wie uns dieses Beispiel lehrt, über das Schicksal der Betriebe. Betriebe, die eine schlechte technische Einrichtung, einen ungünstigen Standort oder eine unfähige Leitung haben, können bei freier Konkurrenz völlig ausgeschaltet werden. 

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2.5. Veränderung des Marktpreises infolge der Änderung der Angebotsfunktion

Nehmen wir nun an, es wird eine neue Firma gegründet, die wir „Industrie AG“ nennen. Die neue Firma hat eine Kapazität von 350 q und ist technisch so vorzüglich eingerichtet, dass es ihr gelingt, den Kostenpreis pro Zentner auf 7 S herabzudrücken. Was geschieht nun? Das Angebot wird steigen. Beispiel: 

Beträgt der Marktpreis...

... dann beträgt das Angebot vor und...

... nach Errichtung des neuen Betriebes...

... dann beträgt die Nachfrage:

8 S

380 q

730 q

1080 q

9 S

700 q

1050 q

1050 q

10 S

1000 q

1350 q

1000 q

11 S

1250 q

1600 q

950 q

12 S

1450 q

1800 q

920 q

Wir sehen: Das Angebot ist gestiegen. Nach Errichtung eines neuen Betriebes entspricht einem Marktpreis von 9 S ein Angebot von 1.050 q. Da die Nachfrage bei diesem Preis ebenfalls 1.050 q beträgt, so sind Angebot und Nachfrage gleich. Der Marktpreis wird nun 9 S betragen, er ist durch das Auftreten des neuen Betriebes um 1 S pro Zentner gesunken. 

Die allgemeine Regel, die wir auf Grund dieser Erfahrung aufstellen können, lautet: Wir sprechen von einer Erhöhung des Angebotes, wenn die Angebotsfunktion eine solche Veränderung erfährt, dass jedem Preis ein höheres Angebot entspricht als früher.

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2.6. Veränderung des Marktpreises infolge Änderung der Nachfragefunktion

Setzen wir den Fall, dass durch eine Wirtschaftskrise das Einkommen der Volksmassen verringert wird. Die Nachfrage nach Waren wird sinken. Bei gleichem Marktpreis wird nun die Nachfrage kleiner sein als früher. Beispiel: 

Beträgt der Marktpreis...

... dann beträgt das Angebot...

... dann beträgt die Nachfrage:

Nachfrage in der Wirtschaftskrise:

8 S

380 q

1080 q

730 q

9 S

700 q

1050 q

700 q

10 S

1000 q

1000 q

670 q

11 S

1250 q

950 q

640 q

12 S

1450 q

920 q

600 q

Durch die geschwächte Kaufkraft ist die Nachfrage gesunken. Angebot und Nachfrage sind nun schon bei einem Marktpreis von 9 S gleich. Das heißt: Die gesunkene Nachfrage hat eine Senkung des Preises von 10 S auf 9 S herbeigeführt. 

Schlussfolgerung: Wir sprechen von einer verminderten Nachfrage, wenn die Nachfragefunktion eine solche Änderung erfährt, dass jedem Marktpreis eine kleinere Nachfrage entspricht als früher. 

Diese Betrachtung lehrt uns noch ein zweites: Durch das Sinken des Marktpreises, das durch die Krise bedingt ist, wird der Betrieb Prohaska gezwungen werden, die Produktion einzustellen, weil sein Kostenpreis höher als der nunmehrige Marktpreis ist. Unser Beispiel bestätigt die Erfahrung, dass die Krise technisch unvollkommene oder schlecht geleitete Betriebe zugrunde richtet. 

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2.7. Die gesellschaftliche Bedeutung des Marktpreises

Stellen wir uns eine Bauernwirtschaft im Zeitalter der geschlossenen Hauswirtschaft vor. Infolge einer Missernte wächst wenig Korn. Was geschieht dann? Die Hausmutter wird ihren Familienmitglieder sagen: „Heuer ist wenig Korn gewachsen – wir müssen mit dem Brot sparen, damit wir bis zur nächsten Ernte das Auslangen finden.“ Und sie wird, wenn diese Ermahnung nichts nützt, die Sparsamkeit dadurch erzwingen, dass sie das Brot dünner schneidet. War die Kornernte gut, so wird die Hausfrau sagen: „Esst nur, heuer hatten wir einen so großen Erntesegen, dass wir bis zur nächsten Ernte reichlich eingedeckt sind.“ 

Wie ist es in einem kapitalistischen Staat? Da gibt es auch schlechte Ernten. Wer passt hier den Verbrauch der schlechten Ernte an? Die kapitalistische Gesellschaft wirtschaftet völlig planlos – anarchisch. Hier sorgt keine Hausmutter dafür, dass mit dem Brot gespart wird, wenn eine schlechte Ernte war. Wer also regelt in der kapitalistischen Gesellschaft den Verbrauch? – Der Marktpreis. 

War eine schlechte Getreideernte, so sinkt das Angebot von Getreide. Geringeres Angebot bei unverminderter Nachfrage – das bedeutet: Steigen der Preise. Höhere Preise senken die Nachfrage. Der höhere Marktpreis zwingt also die Volksmassen, weniger Brot zu essen. Die Schwankungen des Marktpreises regeln in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Anpassung des Verbrauches an die Produktion. 

Aber dieses Verfahren der Verbrauchsanpassung mit Hilfe des Marktpreises hat auch eine besondere soziale Wirkung: Die kapitalistische Regelung zwingt nur diejenigen, weniger Brot zu essen, die arm sind. Die Reichen können sich auch bei hohen Brotpreisen so viel kaufen, wie sie wollen.

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2.8. Abhängigkeit der Marktpreise von der Elastizität der Nachfrage

Die Weinernte ist schlecht geraten. Es ist wenig Wein da. Der Weinkonsum muss eingeschränkt werden. Wie bringt man das dem Weintrinker bei? In der geschlossenen Hauswirtschaft ist das höchst einfach: Die Hausmutter wird dem Herrn Gemahl und den anderen weintrinkenden Familienmitgliedern heuer weniger Wein vorsetzen. 

Anders im Kapitalismus. Hier müssen die Preise so hoch gestellt werden (welcher Mechanismus das besorgt, haben wir bereits dargestellt), dass weniger Wein und vielleicht mehr Bier oder Schnaps getrunken wird. Dasselbe ist der Fall, wenn weniger Brot in der Welt vorhanden ist: Die höheren Preise müssen den Brotgenuss eindämmen. 

Da man aber dem Brotgenuss viel schwerer entsagen kann als etwa dem Genuss des Weines – die Elastizität der Nachfrage ist bei unentbehrlichen Artikeln sehr klein – so kann die Einschränkung des Brotkonsums nur durch sehr bedeutende Preiserhöhungen erreicht werden. Beim Wein wird schon eine kleinere Preiserhöhung genügen, um die Nachfrage zu senken. Die allgemeine Regel, die wir aus diesen Erfahrungen ableiten können, lautet: Je weniger elastisch die Nachfrage, desto stärkerer Preisschwankungen bedarf es, um die Anpassung des Verbrauches an die Produktion zu erzwingen. 

Bei guter Getreideernte muss die Preissenkung ziemlich große sein, damit sie eine gesteigerte Nachfrage nach sich zieht. Denn es ist klar: Im Brotessen sind die Menschen nicht so leicht unmäßig wie beim Weintrinken. Wird der Weinpreis gesenkt, so steigt – vorausgesetzt unveränderte Preise anderer Getränke – gewiss der Weinkonsum gewaltig. Sinkt aber der Brotpreis, so steigt der Brotkonsum nicht annähernd so rasch wie der Weinkonsum. Beim Brot müssen schon bedeutende Preissenkungen vorgenommen werden, um eine wesentliche Konsumsteigerung zu erreichen. Sehr gute Ernten können deshalb die Landwirte in eine schlechte Lage bringen. Denn um die Nachfrage zu steigern, sind oft so große Preissenkungen notwendig, dass die Preisverluste viel größer sind als der Gewinn, der durch die gute Ernte entstanden ist. Das ist einer der wirtschaftlichen Gründe, dass oft große Teile der Ernte einfach vernichtet werden. Dass es vom kapitalistischen Standpunkt aus „vernünftig“ sein kann, Unmengen von Lebensmitteln zu vernichten, beweist nur, wie unvernünftig und widersinnig das kapitalistische Wirtschaftsordnung ist.

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2.9. Staatliche Höchstpreise oder Nationalpreise

Zu gewissen Zeiten sind den Regierungen Preissteigerungen unerwünscht. Hätte man beispielsweise im Weltkrieg den Preissteigerungen freien Lauf gelassen, so wäre eine unerträgliche Teuerung eingetreten. Dies hätte Empörung und Kriegmüdigkeit zur Folge gehabt. Die Regierung musste deshalb diese Preiserhöhungen zu verhindern suchen: sie setzte amtliche Höchstpreise fest. 

Die geschichtliche Entwicklung lehrt uns aber, dass sich die Höchstpreise überall mehr oder weniger als unwirksam erwiesen haben. Warum? Aufgrund der bisherigen Untersuchungen des Marktpreises werden wir es leicht verstehen. Der staatliche Höchstpreis verhindert die freie Preisbildung. Er schaltet damit den „Regulator“ Marktpreis aus, der bekanntlich Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen hat. Der Zweck des Höchstpreises ist es ja, die Preise möglichst niedrig zu halten. Niedrige Preise – das bedeutet: geringes Angebot, große Nachfrage. Der gewaltsam niedrig gehaltene staatliche Höchstpreis hat daher zur Folge, dass die Nachfrage um vieles größer ist als das Angebot. Es tritt Warenmangel ein. Die später kommenden Käufer gehen leer aus. Das „Anstellen“ oder „Schlangestehen“, das wir aus dem Weltkrieg so gut kennen, beginnt. Der unausrottbare Schleichhandel durchbricht schließlich alle staatlichen Preisfestsetzungen. 

Der Höchstpreis allein versagt immer und muss immer versagen – denn der Marktpreis, den der staatliche Höchstpreis ausschaltet, ist für die kapitalistische Wirtschaft eine Notwendigkeit. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man die wirtschaftlichen Wirkungen aufheben könne, ohne deren Ursache zu entfernen. Die Ursache aber ist: Die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaft. 

Mit Preisbestimmungen allein ist nichts getan. Wenn man den Marktpreis beseitigt, so muss man auch die Produktion und Konsumtion staatlich regeln. Die Erfahrung bestätigt auch, dass die Staaten, die gesetzliche Höchstpreise einführten, sehr bald dazu übergehen mussten, auch die Verteilung der Waren zu regeln. Man setzte im Weltkrieg in Österreich und in Deutschland nicht nur die Preise fest, sondern ging bald dazu über, auch die Größe der Lebensmittel („Rationen“) zu bestimmen, die die Staatsbürger kaufen durften: man führte Lebensmittelkarten ein.

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2.10. Marktpreisveränderungen und technischer Fortschritt

Der Marktpreis hat in der kapitalistischen Wirtschaft die Funktion, Produktion und Verbrauch zu regeln. Er hat aber daneben auch noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: er fördert den technischen Fortschritt. Wir haben es an unseren früheren Beispielen gesehen: Der Marktpreis entscheidet darüber, welche Betriebe produzieren können und welche nicht. Tritt beispielsweise ein besser ausgestatteter Betrieb auf den Plan, der einen niedrigeren Kostenpreis hat als die bestehenden Betriebe, so steigt dadurch das Angebot. Das Steigen des Angebotes hat aber ein Sinken des Marktpreises zur Folge. Jeder Betrieb, dessen Kostenpreis höher ist als der Marktpreis, geht zugrunde. Die rückständigen, schlecht geführten oder ungünstig gelegenen Betriebe werden also durch den Konkurrenzkampf ausgeschaltet. So zwingt der Marktpreis den Unternehmer bei Strafe des Untergangs zur technischen Vervollkommnung seines Betriebes. Die Erzwingung des technischen Fortschrittes – das ist das Große am Kapitalismus, das von seinen Lobrednern so sehr gerühmt wird. Wir leugnen diese Leistung nicht, wie wissen aber auch, dass diese rücksichtslose Erzwingung des technischen Fortschritts mit ungeheuren Opfern erkauft wurde. 

Ein Rückblick in die Geschichte zeigt, dass sich der kapitalistische Konkurrenzkampf in folgenden Formen abspielt:

1. Der kapitalistische Betrieb konkurrenziert den Handwerksbetrieb nieder: Beispiele dafür lieferten die handwerksmäßigen Betriebe der Nagelschmiede, Seifensieder und Färber. Sie sind fast gänzlich verschwunden. Auch die Erzeugung von Schuhen, die früher eine Sache des Handwerks war, ist heute fast ausschließlich auf die Fabriken übergegangen. Nur Handwerke, bei denen es auf eine besondere Geschicklichkeit der Hände ankommt, die man schwer durch Maschinenarbeit ersetzen kann, vermögen dieser Konkurrenz standzuhalten.

2. Die kapitalistische Fabrik siegt über die kapitalistische Hausindustrie: Das bekannteste Beispiel ist hier der Untergang der Hausweberei. Hier spielte sich ein unerhört opferreicher, erschütternder Kampf ab. Nur durch Überarbeit und erschreckend niedrige Löhne konnten sich die Weber einige Zeit gegen die Konkurrenz behaupten. Dieses Elend der Weber schildert sehr gut Gerhart Hauptmann in seiner Dichtung „Die Weber“.

3. Die technisch vollkommene Fabrik siegt über die weniger gut eingerichteten Fabriken. Beispiel: Die österreichische Metallindustrie ist vielfach der technisch überlegenen Industrie des Auslandes erlegen.

Wir sehen: Auf diese harte, unbarmherzige Weise erzwingt die kapitalistische Wirtschaft den technische Fortschritt.

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3 

3. Kartelle und Trusts

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3.1. Ausschaltung der freien Konkurrenz

Die Konkurrenz, die sich die Unternehmer untereinander machen, ist ihnen natürlich unangenehm. Sie schmälert ja ihren Profit. Die Produzenten suchen sich daher diese unleidliche Konkurrenz vom Hals zu schaffen; sie treffen eine Preisvereinbarung. Nehmen wir an, die Unternehmer hätten vereinbart, von nun an ihre Waren zu einem Preis von 11 Schilling pro Zentner abzugeben. Wie würde sich nun die Marktlage gestalten? Setzen wir unser früheres Beispiel fort: 

Wenn der Marktpreis beträgt...

... dann beträgt das Angebot...

... dann beträgt die Nachfrage:

Angebot nach der Preisvereinbarung:

8 S

380 q

1080 q

9 S

700 q

1050 q

10 S

1000 q

1000 q

11 S

1250 q

950 q

1250 q

12 S

1450 q

920 q

1450 q

Wir sehen: Die Preisvereinbarung, die die Unternehmer getroffen haben, verändert die Marktlage sehr wesentlich. Da die Unternehmer vereinbart haben, nicht unter einem Marktpreis von 11 S zu verkaufen, so haben wir nun nach Bildung des Kartells bei den Marktpreisen von 8, 9 und 10 S überhaupt kein Angebot. Der Kartellpreis von 11 S hätte aber ein Angebot von 1.250 q zur Folge, da nun die vier Betriebe, deren Kostenpreis nicht höher als 11 S ist, arbeiten können. Aber die Geschichte hat einen Haken: bei einem Marktpreis von 11 S betrüge die Nachfrage nur 950 q. Es blieben also 300 q unverkauft liegen. Die Unternehmer hätten zwar jetzt einen höheren Preis, aber sie vermöchten fast ein Viertel der erzeugten Waren nicht abzusetzen; ein unhaltbarer Zustand! Die Unternehmer, deren Kostenpreis 8, 9 und 10 S beträgt, würden sagen: Bevor wir die Waren liegen lassen, gehen wir wieder mit dem Preis herunter. Das Kartell würde also gesprengt. 

Dieses Beispiel lehrt uns: Preisfestsetzungen allein reichen nicht aus. Es muss fast immer auch die Produktion geregelt werden. In unserem Beispiel müssten sich die vier Unternehmer einigen, nicht 1.250 q, sondern nur 950 q zu erzeugen. Jedem der vier müsste eine bestimmte Quote (Teil) vorgeschrieben werden, die er produzieren darf. Man spricht in einem solchen Fall von „Kontingentierung“ oder einem Quotenkartell. 

Um kontrollieren zu können, ob sich der einzelne Unternehmer auch an die vorgeschriebenen Quoten halten und nicht mehr verkaufen, wird vielfach auch der Verkauf von Waren vom Kartell besorgt. Das geschieht oft in Form eines gemeinsamen Verkaufsbüros. Wo kein gemeinsames Verkaufslokal besteht, wird der Verkauf dadurch geregelt, dass jedem Mitglied des Kartells bestimmte Absatzgebiete zugewiesen werden. Man nennt die Rayonierung. 

Dieses Kartell höherer Ordnung, wo eine Preisvereinbarung, eine gemeinsame Regelung der Produktion und ein gemeinsames Verkaufsbüro besteht, nennt man auch Syndikat.

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3.2. Konkurrenz innerhalb des Kartells

Manche Leute sind der Meinung, der Abschluss eines Kartellvertrages hebe die Konkurrenz der Unternehmer untereinander auf. Das ist ein Irrtum. Das Kartell verhindert zwar, dass die Konkurrenz die Marktpreise herabdrückt, aber innerhalb des Kartells geht der Konkurrenzkampf in anderer Form weiter. Wir haben es ja gesehen: Die Festsetzung höherer Kartellpreise senkt die Nachfrage und macht eine Einschränkung der Produktion notwendig. In unserem Beispiel müssten die Unternehmer die Produktion um rund 25 Prozent verkleinern. Die Kapazität ihrer Betriebe wäre nicht voll ausgenützt. Das erhöht bekanntlich den Kostenpreis. Jeder Unternehmer ist deshalb bestrebt, bei der Aufteilung der Quoten eine möglichst hohe Quote zugewiesen zu erhalten. Im Kartell selbst wird also ein erbitterter Kampf um die Größe der Quoten geführt werden. Der Betrieb mit der besten technischen Einrichtung und mit dem niedrigsten Kostenpreis wir in diesem Kampf am mächtigsten sein, weil er auf den Abschluss des Kartellvertrages am wenigsten angewiesen ist. Er kann ja auch bei freier Konkurrenz bestehen. Er wird nur dann in das Kartell gehen, wenn ihm eine große Quote bewilligt wird. 

Diejenigen Unternehmer aber, die wegen ihres kleinen, rückständigen Betriebes einen hohen Kostenpreis haben und bei freier Konkurrenz mit wenig Gewinn oder gar nicht produzieren können, werden sich auch mit einer kleineren Quote zufrieden geben müssen. Man sieht: Auch innerhalb des Kartells unterliegt der technisch rückständige Betrieb. 

Aus dieser Tatsache folgt: Da Kartellverträge meist nur für einige Jahre abgeschlossen werden – sie sind gleichsam ein „Waffenstillstand“, den sie als bekriegende Unternehmer schließen, - so wird jeder Unternehmer trachten, in der Zwischenzeit seinen Betrieb auszugestalten, um bei der nächsten Abschließung des Kartellvertrages stärker auftrumpfen zu können. Der Kampf um die Quote zwingt also die Unternehmer zum technischen Fortschritt. 

Damit die großen und leistungsfähigeren Unternehmungen ihre Betriebe besser ausnützen können, kaufen sie oft den kleineren Betrieben ihre Quote ab. Die Großbetriebe können den kleinen Unternehmern ohne weiteres denselben Gewinn geben, den diese früher hatten: Da sie in ihrem Großbetrieb billiger produzieren als der Kleinbetrieb, dessen Quote sie kaufen, bleibt ihnen immer noch ein Gewinn. Und in dem Maße, als sie durch den Quotenkauf ihren Betrieb besser ausnützen können, sinkt ihr Kostenpreis weiterhin. Sie machen also beide ein gutes Geschäft: der Kleine hat denselben Gewinn wie früher und braucht nicht zu arbeiten – der Große gewinnt dabei so viel, als er billiger produziert. Das Ergebnis dieses Quotenkaufes ist: Stilllegung der rückständigen Kleinbetriebe und Konzentration der Produktion in den technisch vollkommensten Betrieben. Auch das Kartell fördert also den technischen Fortschritt. 

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3.3. Staatliche Höchstpreise beim Kartell

Wie wir früher gesehen haben, sind staatliche Höchstpreise bei freier Konkurrenz immer unwirksam und unhaltbar. Es muss zum Höchstpreis auch die Rationierung treten. 

Anders beim Kartell. Hier sind staatliche Höchstpreise sehr wohl möglich, weil hier die notwendige Rationierung schon vom Kartell selbst besorgt wurde und wird. In unserem Beispiel, wo wir den Kartellpreis mit 11 S annahmen, könnte der Staat diesen Preis ohne Gefahr auf 10 S herabsetzen. Was geschähe? Die Nachfrage stiege von 950 auf 1.000 q. Der vierte Betrieb, der einen Kostenpreis von 11 S hat, müsste die Produktion einstellen und die anderen drei Betriebe müssten 1.000 q erzeugen, wozu sie in der Lage wären. 

Das liberale Argument, dass Höchstpreise stets unwirksam seien, gilt nur für die freie Konkurrenz. Da aber beim Kartell die Produktion dem Verbrauch planmäßig angepasst wird, ist bis zu einem gewissen Grad der staatliche Höchstpreis durchführbar.

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3.4. Trusts

Die Trusts sind zuerst in Amerika entstanden. Den Anstoß dazu gab die Gesetzgebung. Das kam so: Die amerikanischen Landwirte waren sehr unzufrieden, weil die Kartelle die Preise für Industrieprodukte so emportrieben. Sie wandten sich an den Staat um Hilfe gegen die Kartelle. Der Staat schritt schließlich ein und aufgrund eines alten Gesetzes wurden die Kartelle verboten. Die Kapitalisten, die über diese gesetzliche Verfügung empört waren, dachten darüber nach, wie sie dieses profitstörende Gesetz umgehen könnten. Sie fanden einen Ausweg: Da die kartellierten Unternehmen fast ausschließlich Aktiengesellschaften waren, übertrugen die Unternehmer nun alle Aktien einem Mann, der damit zum juristischen Eigentümer all dieser Betriebe wurde. Er verwaltete nun alle Betriebe von einer Stelle aus. Er setzte die Preise fest und teilte die Quoten auf. Das Kartell, das gesetzlich verboten war, bestand in dieser Form weiter. Diesen Vertrauensmann, dem die Aktien übertragen wurden, nannte man „trustee“, also Treuhänder. Daher der Name „Trust“. So verschmolz das Kapital gleichsam zu einem Riesenbetrieb – das Gesetz gegen die Kartelle war machtlos. Auf diese Art entstand der Trust. 

Ein Trust ist also eine große Aktiengesellschaft, die man aus verschiedenen, bisher selbständigen Unternehmungen bildet. Manche Trusts schließen heute fast alle Unternehmungen eines Produktionszweiges ein. 

Der erste Grund zur Trustbildung war, wie wir gesehen haben, das Gesetz gegen die Kartelle