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Politische Ökonomie II - Die Arbeit

 

1. Einfache Warenproduktion

1.1. Der Begriff der Ware

1.2. Arbeitsteilung durch Warentausch

1.3. Ausgleichstendenz in der einfachen Warenproduktion

1.4. Der Wert

1.5. Das Geld

1.6. Die gesellschaftliche Arbeitszeit

1.7. Übertragender Wert und neugebildeter Wert

1.8. Die Summe der Preise und die Summe der Waren

 

2. Die kapitalistische Warenproduktion

2.1. Wert der Arbeitskraft

2.2. Der Mehrwert

2.3. Notwendige Arbeit und Mehrarbeit

2.4. Drei Formen der Ausbeutung

2.5. Mehrwert, Tauschgewinn und Tauschverlust

2.6. Die Mehrwertrate

2.7. Konstantes und variables Kapital

2.8. Mehrwertrate und Profitrate

2.9. Absoluter und relativer Mehrwert

2.10. Der Klassenkampf - ein Kampf um den Mehrwert

 

3. Wert und Preis in der kapitalistischen Gesellschaft

3.1. Wert und Preis bei gleicher Mehrwertrate, aber verschiedener organischer Zusammensetzung des Kapitals

3.2. Wert und Preis bei gleicher organischer Zusammensetzung des Kapitals, aber verschiedener Mehrwertrate

3.3. Die Aufteilung des Mehrwerts

 

4. Die Akkumulation des Kapitals

4.1. Die kapitalistische Akkumulation

4.2. Die Akkumulationsrate

4.3. Überakkumulation und Unterakkumulation

4.4. Akkumulation und Fortschritt zu höherer organischer Zusammensetzung des Kapitals

4.5. Wirkung der höheren organischen Zusammensetzung des Kapitals auf die Mehrwertrate

4.6. Höhere organische Zusammensetzung des Kapitals und Mehrarbeit

 

5. Die Konjunktur

5.1. Der industrielle Zyklus

5.2. Ursachen der Prosperität

5.3. Ursachen der Krise

 

6. Die Steuern

6.1. Arten der Steuern

6.2. Die Wirkung der Steuern auf die Mehrwertrate

6.3. Der Einfluss der Steuern auf den Arbeitslohn

6.4. Die Steuern und die Akkumulation des Kapitals

 

7. Der Imperialismus

7.1. Die Wurzeln des Imperialismus

7.2. Der monopolistische Kapitalismus

7.3. Der staatsmonopolistische Kapitalismus

 

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1. Einfache Warenproduktion

1.1. Der Begriff der Ware 

In früheren Zeiten haben sich die Menschen alles, was sie für ihren Unterhalt brauchten, selbst hergestellt. Sie haben selbst den Acker bestellt, haben selbst gesponnen und gewebt. Was sie nicht selbst erzeugen konnten, wurde von den Handwerkern gemacht, die ins Haus kamen. Was erzeugt wurde, war nicht für den Verkauf bestimmt, sondern wurde im Hause verbraucht. Doch waren der Selbstversorgung Schranken gezogen, weil Salz, Gewürze und Metallwaren gekauft werden mussten. Im großen gesehen, kann aber gesagt werden, dass die „geschlossene Hauswirtschaft“ imstande war, weitgehend die Bedürfnisse durch eigene Erzeugung zu befriedigen.

Im Gegensatz dazu steht die Produktion für den Markt. Die Produktion für den Markt nennen wir Warenproduktion. Ware nennen wir nur einen Gebrauchsgegenstand, der zum Zwecke des Verkaufs erzeugt wird. Das Getreide, das der Bauer verbraucht, ist keine Ware. In älteren Zeiten waren die meisten erzeugten Güter keine Ware; heute sind die meisten Güter Waren, weil sie für den Markt produziert werden.

Die städtische Bevölkerung erzeugt Waren. Die ArbeiterInnen in den Fabriken erzeugen nicht unmittelbar für den eigenen Bedarf. Auch die kleinen HandwerksmeisterInnen stellen Waren her. Die SchneiderInnen und SchuhmacherInnen produzieren Kleider und Schuhe zum Verkaufen. Auch in der Landwirtschaft dominiert heute die Warenproduktion. Das Futter wird der Landwirt selber verfüttern, aber einen großen Teil des Getreides, der produzierten Milch etc. wird er verkaufen. 

Wir können zwei Formen der menschlichen Wirtschaft unterscheiden: die Produktion für den eigenen Bedarf und die Produktion für den Markt, die Warenproduktion. Innerhalb der Warenproduktion ist wieder zwischen einfacher und kapitalistischer Warenproduktion zu unterscheiden; die einfache Warenproduktion unterscheidet sich von der kapitalistischen dadurch, dass hier die EigentümerInnen der Arbeitsmittel gleichzeitig die manuelle Arbeit leistet.

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1.2. Arbeitsteilung und Warentausch

In der Produktion für den eigenen Bedarf erzeugt der Mensch alles, wessen er bedarf, selber. In der Warenproduktion macht jeder nur eine bestimmte Ware.

Das Wesentliche an der Warenproduktion ist die Arbeitsteilung. Die einzelnen Arbeiten sind auf die einzelnen Menschen aufgeteilt. Die Grundlage der handwerksmäßigen Warenproduktion ist die Arbeitsteilung. Am wenigsten Arbeitsteilung ist in der geschlossenen Hauswirtschaft anzutreffen. Aber auch hier werden gewisse Arbeiten von den Männern und gewisse Arbeiten von den Frauen gemacht. Wenn wir in die Urzeit zurückgehen, so sehen wir, dass der Feldbau zuerst eine Sache der Frauen war, während die Männer mit Jagd, Fischfang und Viehzucht beschäftigt waren. 

Die erste Arbeitsteilung war die Arbeitsteilung von Mann und Frau. In der Folgezeit bildete sich die Arbeitsteilung weiter aus: das Landvolk erzeugte die Nahrungsmittel, die die Stadt brauchte; die Stadt erzeugte dafür die gewerblichen Gegenstände wie Werkzeuge, Kleider, Kochgeschirr usw. Wir sehen hier die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land. Innerhalb der Stadt entstand die Arbeitsteilung zwischen den Gewerben; später innerhalb des Gewerbe selbst im Rahmen eines Unternehmens: die Manufaktur. 

Wir wollen uns jetzt die einfache Warenproduktion ansehen. In der einfachen Warenproduktion sind die Produkte Waren und werden verkauft. 

Halten wir uns an ein Beispiel: Ein Schuster verkauft seine Schuhe; er nimmt die Ware, verkauft sie gegen Geld und kauft sich dafür die Waren, die er braucht. Dafür gilt die Formel: 

W – G – W

Das Geld spielt hier die Rolle der Vermittlung. Die Vermittlung der Waren erfolgt durch Tausch. Der Tausch wird erleichtert durch das Geld. 

Eine Verteilung der Produkte muss in einer handwerksmäßigen Warenproduktion durch fortwährenden Tausch geschehen. Zwischen die Waren tritt als Hilfsmittel das Geld; es wäre kompliziert, die Waren direkt gegeneinander zu tauschen. Alle ArbeiterInnen arbeiten für die Gesamtheit; jeder bekommt für seine Leistung von der Gesamtheit etwas. Der einzelne lebt von Dingen, die andere erzeugt haben. Der Schumacher leidet sich in Tuch, das die Tuchmacherin produziert hat; er ernährt sich vom Getreide, das der Bauer anbaute usw. Seine Leistung für die Gesellschaft ist, dass er ein bestimmtet Gut für sie erzeugt. 

Die Frage ist nun: Was leistet der einzelne Mensch für die Gesellschaft und was bekommt er dafür? Er leistet für die Gesellschaft Arbeit. Er bekommt dafür von der Gesellschaft das Getreide des Bauern, das Tuch der Tuchmacherin usw. Der eine tauscht seine Arbeitsprodukte gegen die Produkte des anderen. Wie geht es bei diesem Tausch zu? Das soll uns ein Beispiel lehren: Ein Schuhmacher hat ein Paar Schuhe erzeugt. Er tauscht sie aus und bekommt dafür Tuch. Der Schuhmacher hat zur Herstellung der Schuhe 20 Stunden gearbeitet. Zur Herstellung des Tuches waren, so nehmen wir an, 16 Stunden notwendig. Das würde bedeuten, dass der Schuhmacher bei diesem Tausch einen Schaden von vier Arbeitsstunden erlitten hat. Er hat für die Gesellschaft 20 Arbeitsstunden geleistet und bekommt dafür ein Arbeitsprodukt, in dem nur 16 Arbeitsstunden stecken. 

Unsere Tuchmacherin hingegen hat ein Arbeitsprodukt von 16 Stunden hingegeben und sie bekommt dafür ein Produkt, worin 20 Arbeitsstunden stecken. Sie hat beim Tausch vier Arbeitsstunden gewonnen. 

Es kann also beim Tausch geschehen, dass ein Produzent Produkte eintauscht, zu deren Herstellung mehr oder weniger Arbeitsstunden notwendig waren als zur Erzeugung seinen Produktes. In unserem Fall erleidet der Schuhmacher einen Verlust von vier Arbeitsstunden. Wir nennen das einen Tauschverlust. Die Tuchmacherin hat einen Gewinn von vier Arbeitsstunden. Wir nennen das einen Tauschgewinn. Festzuhalten ist: Was der eine Mensch verliert, das muss ein anderer gewinnen, so dass sich das aufhebt. 

Wie wäre es jetzt, wenn kein Mensch einen Tauschgewinn und keiner einen Tauschverlust hätte? Da müsste für ein Arbeitsprodukt, worin 16 Arbeitsstunden stecken, ein Arbeitsprodukt von gleichfalls 16 Stunden getauscht werden. Ist ein solcher Zustand möglich? Sehen wir uns wieder unser Beispiel an.

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1.3. Ausgleichstendenz in der einfachen Warenproduktion 

Wenn in einem Produktionszweig Tauschgewinne erzielt werden, werden diesem Zweig Menschen zuströmen. Dort, wo die Tauschverluste sind, wir eher ein Ausscheiden von ProduzentInnen zu bemerken sein. Oder mit anderen Worten: Wo die Tauschgewinne sind, wird sich auch das Angebot erhöhen, die Preise werden sinken, die Tauschgewinne werden kleiner werden und schließlich verschwinden. Umgekehrt dort, wo Tauschverluste sind, wird das Angebot sinken, die Preise werden steigen, der Tauschverlust wird geringer werden und schließlich verschwinden. Wir können uns das in Schlagworten ausgedrückt so vorstellen: 

Schuhmacher

Tuchmacherin

 

 

Im Produkt stecken 20 Stunden

Im Produkt stecken 16 Stunden

Tauschverlust

Tauschgewinn

Abnahme der Zahl der MeisterInnen

Zuströmen von Arbeitskräften

Angebot an Schuhen fällt

Angebot an Tuch steigt

Preise steigen

Preise sinken

Tauschverlust wird verschwinden

Tauschgewinn wird verschwinden

Das Ergebnis dieser Entwicklung wird sein, dass der Schuhmacher für sein Produkt, worin 20 Arbeitsstunden stecken, ein Produkt eintauschen kann, worin ebenso viele Arbeitsstunden enthalten sind. Wir können daher den allgemeinen Satz aufstellen: In der einfachen, d.h. handwerksmäßigen Produktion besteht die Tendenz zur Verteilung der Arbeit in den einzelnen Produktionszweigen in einem solchen Verhältnis, dass Waren gegeneinander getauscht werden, zu deren Herstellung gleich viel Arbeit notwendig ist. Es besteht also die Tendenz, Tauschgewinn und Tauschverlust verschwinden zu machen. In der kapitalistischen Gesellschaft besteht die Tendenz zur Ausgleichung der Profitraten.

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1.4. Der Wert 

Die Warenpreise sind auch unter den Bedingungen der handwerklichen Produktion bald höher, bald niedriger gewesen. Der Marktpreis schwankte, je nach Angebot und Nachfrage. Es bestand aber die Tendenz zum Ausgleich an einem Marktpreis, der den Austausch der Waren zu Relationen sicherte, die den aufgewendeten Arbeitsleistungen entsprachen. Es besteht die Tendenz zur Angleichung der Marktpreise an einen Preis, der bestimmt ist durch die Menge Arbeit, die darin steckt. Es besteht die Tendenz, dass Waren, zu deren Herstellung die gleiche Arbeit notwendig ist, auch gleiche Preise erzielen. 

Diesen Mittelpreis nun, an dem sich die Warenpreise in der handwerksmäßigen Produktion anzugleichen suchen, diesen Preis nennen wir den Wert der Waren. 

Wir können also sagen: 

1. Unter dem Wert der Waren verstehen wir jenen Preis, bei welchem der/die VerkäuferIn weder einen Tauschgewinn hat noch einen Tauschverlust erleidet, sondern in der Lage ist, das Produkt seiner Arbeit auszutauschen gegen andere Arbeitsprodukte, zu deren Herstellung gleich viel Arbeit notwendig war.

2. In der einfachen Wareproduktion besteht tatsächlich die Tendenz zur Angleichung der Preise an diesen Wert der Waren. 

Zu beachten ist: In der kapitalistischen Wirtschaft gleicht sich der Marktpreis an den Produktionspreis an, nicht an den Wert.

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1.5. Das Geld 

Wir drücken die Preise in Geld aus. Was ist das Geld? Das Geld war zunächst ein bestimmtes Metall. Wie der Name schon sagt, wird „Geld“ von „Gold“ abgeleitet. Wir benützen heute auch Papier als Geld, aber dieses Papier ist in Wirklichkeit nur eine Anweisung aus Gold. 

Der Wert der Banknote beruht darauf, dass die Notenbank verpflichtet ist, den Kurs der Banknote so zu halten, dass die Banknoten immer den Wert in Gold haben, auf den sie lauten. Die Banknote ist eine Anweisung auf Gold; für die Silber- und Nickelmünze gilt dasselbe. Es ist sichergestellt, dass es möglich ist, für die Münzen Gold zu bekommen. Die Goldmünzen selbst sind nichts anderes als eine Gewichtseinheit in Gold. Geld ist zunächst Gold oder Anweisung auf Gold. 

Wir messen den Wert unseres Geldes immer, indem wir fragen: Wie viel Dollar oder Franken ist es Wert? Das heißt, wie viel Gold ist es wert? Gold ist aber eine Ware, die genau so durch Arbeit hervorgebracht werden muss, wie jede andere Ware. 

Nehmen wir an, die Tuchmacherin verkauft eine Ware. Sie bekommt dafür Geld; dieses Geld kann Gold sein oder eine Anweisung auf Gold. Sie tauscht also ein Tuch aus gegen Gold. Wie viele Arbeitsstunden waren notwendig, um dieses Gold hervorzubringen, das sie für das Tuch bekommen hat? Zur Herstellung des Tuches waren 20 Arbeitsstunden notwendig. Stellte das Gold weniger Arbeitsstunden dar, so hat die Tuchmacherin einen Tauschverlust. Bekommt sie aber für das Tuch, worin 20 Arbeitsstunden stecken, eine Goldmenge, worin 24 Arbeitsstunden enthalten sind, so hat sie einen Tauschgewinn.

Wir sehen, es ist wie beim Austausch anderer Waren. Auch hier können Tauschverluste und Tauschgewinne auftreten. Der Wert der Ware ist aber jener Preis, bei dem weder Tauschverluste noch Tauschgewinne auftreten. Was ist also der Wer? Eine Goldmenge zu deren Hervorbringung ebensoviel Arbeitsstunden notwendig sind wie zur Herstellung der Ware. 

Ein Beispiel: Wir haben Tuch, zu dessen Verfertigung 20 Stunden notwendig waren. Wir haben Goldstücke, in denen fünf Arbeitsstunden stecken. Wie viele Goldstücke ist dieses Tuch wert? Die Arbeitszeit, die notwendig war zur Herstellung der Ware, wird dividiert durch die Arbeitszeit, die in der Goldeinheit steckt. 

Der Wert des Tuchs = 20 Arbeitsstunden : 5 Arbeitsstunden = 4 Goldstücke 

Wert = Arbeitszeit zur Herstellung der Ware : Arbeitszeit zur Herstellung der Goldeinheit 

In einer handwerksmäßigen Warenproduktion werden die Preise der Waren die Tendenz haben, sich den Werten der Waren anzugleichen. Der Wert der einzelnen Ware wird bestimmt durch die Arbeitszeit, die zur Herstellung der Ware notwendig war.

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1.6. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit

Wir sprachen bis jetzt von der Arbeitszeit. Es kann dabei aber nicht darauf ankommen, wie viel der/die einzelne ArbeiterIn an Arbeitszeit braucht, sondern darauf, was an Arbeitszeit im gesellschaftlichen Durchschnitt notwendig ist. Die Gesellschaft braucht Kleiderstoffe. Sie muss bei der Erzeugung fleißige und faule TuchweberInnen beschäftigen; solche mit alten und solche mit neuen Webstühlen. Der Wert der Ware kann nicht von der individuellen Arbeitszeit abhängen, sondern dieser Wert kann nur bestimmt sein durch die gesellschaftlich notwendige durchschnittliche Arbeitszeit. Wir müssen daher eine Korrektur unserer früheren Formel vornehmen: 

Wert = gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Herstellung der Ware : gesell. notw. Arbeitszeit z. Herstellg. d. Goldeinheit

Es kann nicht auf die Arbeitszeit schlechthin ankommen, sondern auf die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Der Wert der einzelnen Waren ist also bestimmt durch die durchschnittlich zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.

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1.7. Übertragener Wert und neugebildeter Wert 

Nehmen wir den Schuhmacher: Der Wert der Schuhe, die er erzeugt, ist bestimmt durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Er braucht dazu Leder und Werkzeuge. Dazu kommt sein Arbeitslohn. Der Wert der Schuhe muss daher bestimmt sein durch die Arbeit, die im Leder steckt und durch die Arbeit, die der Schuhmacher zur Herstellung der Schuhe aufwendet. Wenn z.B. 100 Arbeitsstunden im Leder stecken und 80 Arbeitsstunden notwendig sind zur Herstellung der Schuhe, so sind die fertigen Schuhe 180 Arbeitsstunden wert. In den Schuhen stecken zweierlei Werte: 

1. Der Wert, den die Arbeitsmittel haben – darunter verstehen wir Rohstoffe, Hilfsstoffe, Werkzeuge, Amortisation der Werkstätte usw.; er wird auf das Arbeitsprodukt übertragen.

2. Der neugebildete Wert, das ist der Wert der zur Herstellung der Schuhe notwendigen Arbeit.

Der Wert der Ware = übertragener Wert + neugebildeter Wert

Den übertragenen Wert hat der Schuhmacher nicht geschaffen. Der übertragenen Wert wird bestimmt durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, die zur Herstellung dieser Arbeitsmittel – im weitesten Sinne – gebraucht wird.

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1.8. Summe der Preise = Summe der Werte 

In der handwerksmäßigen Warenproduktion besteht die Tendenz zur Angleichung der Marktpreise an den Wert. Die Preise der einzelnen Waren sind aber trotzdem vom Wert verschieden. Die Summe der Preise aller Waren kann aber nicht kleiner sein als der Wert aller dieser Waren. Die Summer der Preise in der ganzen Gesellschaft muss gleich sein der Summer der Werte, weil die Tauschgewinne und Tauschverluste sich aufheben müssen. Was der eine Mensch verliert, muss der andere gewinnen. Das gilt auch für die kapitalistische Warenproduktion. 

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2. Die kapitalistische Warenproduktion

2.1. Wert der Arbeitskraft 

Wodurch unterscheidet sich die kapitalistische von der einfachen Warenproduktion? Die kapitalistische Warenproduktion ist vor allem durch die Trennung der Arbeitskraft von den EigentümerInnen der Arbeitsmittel charakterisiert. Für sie ist wesentlich, dass einE UnternehmerIn da ist, dem/der die Arbeitsmittel gehören. Diese UnternehmerInnen kaufen (als Ware) die Arbeitskraft der ArbeiterInnen. 

Wir stoßen damit auf eine neue Ware, auf die Ware Arbeitskraft. Der Wert einer Ware – sagten wir – hängt ab von der zu ihrer Herstellung notwendigen Arbeitszeit. 

Kann dieser Satz auch auf die tägliche Arbeitszeit Anwendung finden? Die Arbeitskraft wird täglich neu hergestellt durch Nahrung, die dem Körper zugeführt wird. Wir müssen hier das Wort Nahrung im weitesten Sinne betrachten. Unter „Nahrung“ verstehen wir hier auch Kleidung, Wohnung und Ausgaben für die Erhaltung der Familie. Die alten absterbenden Arbeitskräfte müssen durch neue ersetzt werden. Zur ständigen Reproduktion (Wiederherstellung) der Arbeitskraft gehört auch, dass die ArbeiterInnenklasse in der Lage ist, Kinder aufzuziehen. 

Damit die ArbeiterInnen arbeitsfähig bleiben und um ihre Kinder aufzuziehen zu können, bis sie selbst arbeitsfähig werden, müssen sie so viel Lohn bekommen, dass sie sich eine bestimmte Menge Lebensmittel – im weitesten Sinne – kaufen können. Zur Herstellung dieser Lebensmittel ist eine bestimmte Arbeitszeit gesellschaftlich notwendig. Der Wert der Arbeitskraft ist nun bestimmt durch diese Arbeitszeit. Dabei ist zu beachten, dass der Wert der Arbeitskraft nicht der Lohn ist. Der Lohn ist der Preis der Ware Arbeitskraft. 

Bekommen die ArbeiterInnen einen so niedrigen Lohn, dass sie nicht einmal die notwendigen Lebensmittel für sich und ihre Familien kaufen können, dann steht der Lohn unter dem Wert der Arbeitskraft. Das wird sich darin äußern, dass mit den Körpern der ArbeiterInnen Raubbau betrieben wird. Große Kindersterblichkeit deutet darauf hin, dass der Lohn der ArbeiterInnen nicht ausreicht, die Kinder aufzuziehen, dass also der Lohn unter dem Wert der Arbeitskraft steht. 

Vom Wert der Arbeitskraft zu sprechen, ist keine so einfache Sache. Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch die Arbeitszeit, die gesellschaftlich dafür notwendig ist, um sie wiederherzustellen – also zur Anschaffung der notwendigen Lebensmittel. Aber was notwendige Lebensmittel sind, ist nicht leicht zu ermitteln. Ein Mensch, der Schwerarbeit leistet, muss mehr essen, als der Mensch, der am Schreibtisch sitzt. Die notwendigen Lebensmittel sind nach der Beschaffenheit der Arbeit verschieden. Weiters gibt es gelernte und ungelernte ArbeiterInnen. Zur „Wiederherstellung“ der gelernten Arbeit gehört auch, dass  gelernte Arbeitskraft produziert wird. Sie wird nur produziert, wenn die ArbeiterInnen ihre Kindern etwas lernen lassen können. Es muss also auch die Lehrzeit vergütet werden. Sie wird in Form höherer Löhne bezahlt, wenn die ArbeiterInnen ihre Kinder wieder etwas lernen lassen können. Es wird in Form höherer Löhne bezahlt, die die qualifizierten ArbeiterInnen bekommen müssen. Die Arbeitszeit, die notwendig ist, um die qualifizierte Arbeitskraft zu reproduzieren, ist größer als die Arbeitszeit, die notwendig ist zur Reproduktion der ungelernten Arbeitskraft. Daraus folgt, dass der Wert der unqualifizierten Arbeitskraft größer ist als der Wert der unqualifizierten Arbeitskraft. 

Der Umfang der „notwendigen Lebensmittel“ wird somit beeinflusst durch: 1. die Beschaffenheit der Arbeit (Schwerarbeit oder leichte Arbeit); 2. die Qualifikation der Arbeit. Wir sprechen hier vom Wert der Arbeitskraft – nicht von ihrem Preis. Es kann sein, dass zeitweise schwere körperliche Arbeit schlechter bezahlt wird als leichte Arbeit; entweder weil die gewerkschaftliche Organisation versagt oder weil das Angebot größer ist. 

Wir wiederholen: Der Wert der Arbeitskraft wird genau so bestimmt wie der Wert jeder anderen Ware. Die Arbeitskraft muss ständig reproduziert werden. Die ArbeiterInnen brauchen dazu die notwendigen Lebensmittel im weitesten Sinn. Die Arbeitszeit, die gesellschaftlich notwendig ist zur Herstellung dieser Lebensmittel, bestimmt den Wert der Arbeitskraft.

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2.2. Der Mehrwert

Wir wollen einmal annehmen, dass die KapitalistInnen ihre Waren zu ihrem Wert verkaufen. Unter dieser Voraussetzung wollen wir die kapitalistische Produktion betrachten. EinE KapitalistIn kauft die Arbeitskraft. Was bezahlt er dafür? Er muss den ArbeiterInnen mindestens so viel zahlen, dass sie sich die notwendigen Lebensmittel kaufen können. Wir nehmen an, dass die ArbeiterInnen den Wert ihrer Arbeitkraft bekommen. Sagen wir, dieser Wert beträgt bei einem/einer einzelnen ArbeiterIn 10 Schilling. Außer der Arbeitskraft braucht der/die KapitalistIn noch Arbeitsmittel im weitesten Sinne: Wenn der/die ArbeiterIn einen Tag arbeitet, so verbraucht er/sie Rohstoffe und nützt Werkzeuge ab. Dieser Wert der Arbeitsmittel muss auf das Produkt übertragen werden. Wir wollen annehmen, dass der Wert der Arbeitsmittel 20 Schilling beträgt. Es ergibt sich folgende Rechnung: 

Wert der Arbeitsmittel, 20 S (übertragener Wert) + Wert der Arbeitskraft, 10 S (neugeschaffener Wert) = 30 S

Der/die ArbeiterIn hat nun einen Tag gearbeitet und am Abend ist das Produkt fertig. Was wird nun dieses Produkt wert sein? 30 Schilling? Dann hätte ja das Ganze für den/die KapitalistIn keinen Sinn gehabt. Nehmen wir daher an, der Wert des Arbeitsproduktes sei 36 Schilling. Was ist da geschehen? Der/die ArbeiterIn hat einen Wert von 20 Schilling auf das fertige Produkt übertragen. 16 Schilling hat er durch seine Arbeit hinzugefügt. Diese 16 Schilling, das ist der Wert, den der/die ArbeiterIn in 8 Stunden seiner/ihrer Arbeit geschaffen hat. Der/die ArbeiterIn hat ja aus dem Rohstoff, der 20 Schilling wert ist, eine Ware geschaffen, die 36 Schilling wert ist. Der/die ArbeiterIn hat aber nur 10 Schilling bekommen. Der neugebildete Wert ist um 6 Schilling größer als der Lohn des Arbeiters oder der Arbeiterin. Dem/der UnternehmerIn bleiben 6 Schilling. Diese Rechnung lautet daher nun: 

20 S (Wert der Arbeitmittel) +

10 S (Wert der Arbeitskraft) +

6 S (Mehrwert)

------------------------------------------

= 36 S (Wert des Arbeitsproduktes)

Die ArbeiterInnen produzieren, indem sie erstens den Wert, der schon in den Arbeitsmitteln enthalten ist, auf das Produkt übertragen, zweitens darüber hinaus schaffen sie neuen Wert, denn das fertige Arbeitsprodukt muss mehr wer sein als die in ihm verkörperten Arbeitsmittel. In unserem Fall schafft der/die ArbeiterIn einen neuen Wert von 16 Schilling. Aber er/sie selber bekommt niemals soviel, wie er/sie schafft, sonst würde ja für die KapitalistInnen nichts übrig bleiben. 

Was die ArbeiterInnen bekommen, ist nicht der Wert, den sie schaffen, sondern der Wert ihrer Arbeitskraft. Sie bekommen in der Regel nur so viel, dass sie sich arbeitsfähig erhalten können und ihre Kinder zu ernähren vermögen. Was sie darüber hinaus schaffen, dass bekommen die KapitalistInnen. Das ist der Mehrwert.

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2.3. Notwendige Arbeit und Mehrarbeit 

Der Wert einer Ware ist bestimmt durch die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Der/die ArbeiterIn hat einen Wert von 16 Schilling erzeugt. Er/sie hat also in jeder Stunde einen Wert von 2 Schilling geschaffen. Er/sie bekommt an Lohn 10 Schilling. Das ist der Wert, den er/sie in fünf Arbeitsstunden geschaffen hat. Den KapitalistInnen verbleibt der Wert, der in den letzten drei Arbeitsstunden geschaffen wurde. Der Arbeitstag verteilt sich daher so, dass der/die ArbeiterIn fünf Stunden für sich gearbeitet hat und drei Stunden für den/die KapitalistIn. 

Wir teilen den Arbeitstag theoretisch in zwei Teile ein. In den ersten fünf Stunden des Arbeitstages erzeugt der/die ArbeiterIn den Wert seiner Arbeitskraft. Diesen Teil des Arbeitstages, in dem der/die ArbeiterIn den Wert der notwendigen Lebensmittel erzeugt, nenn Marx die „notwendige Arbeit“. In den nächsten drei Stunden erzeugt der/die ArbeiterIn den Mehrwert. Diesen Teil des Arbeitstages nennt Marx „die Mehrarbeit“. 

Acht Stunden ist die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Herstellung des Arbeitsproduktes. Fünf Stunden – das war die Zeit, die notwendig war, um den Wert der Arbeitskraft zu erzeugen; wichtig ist, dies beiden Begriffe von notwendiger Arbeitszeit nicht zu verwechseln. 

Was bedeutet diese Erkenntnis? In allen Gesellschaftsordnungen, die Klassencharakter haben (das heißt, wo ein Klasse über eine andere herrscht und sie ausbeutet), beruht der Reichtum der Herrschenden darauf, dass sie sich die Arbeitskraft der Beherrschten aneignen. In welchen Formen das geschieht, wollen wir nun betrachten.

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2.4. Drei Formen der Ausbeutung

1. Die ursprünglichste, de brutalste Form der Ausbeutung ist die Sklaverei. Die BesitzerInnen können mit ihren Sklaven und Sklavinnen machen, was sie wollen. Sie lassen die Sklaven und Sklavinnen für sich arbeiten. Die Sklaven und Sklavinnen bekommen keinen Lohn. Aber kluge SklavenhalterInnen werden die Sklaven und Sklavinnen nicht verhungern lassen. Sie werden ihnen zu essen geben, damit sie arbeitsfähig bleiben. Sie werden vielleicht auch die Kinder der Sklaven und Sklavinnen aufziehen, um auch in Zukunft Arbeitskräfte zu haben. Die SklavenhalterInnen werden also den Sklaven und Sklavinnen so viel geben, wie notwendig ist, um sie arbeitsfähig zu erhalten. Den BesitzerInnen bleibt das Mehrprodukt. 

Das kann sich z.B. so abspielen: Ein Herr hat Getreide ernten lassen. Davon bleibt ein Teil weg für Viehfutter und für Saatgut; was übrigbleibt ist der Reinertrag. Davon muss er aber den Sklaven und Sklavinnen zu essen geben. Der verbleibende Rest gehört dem Herrn. Bildlich können wir das so darstellen: 

Rohertrag der Felder, die von den SklavInnen bearbeitet werden

|                                                |                                                 |

Mehrprodukt

Lebensmittel der SklavInnen

Saatgut und Viehfutter

Wenn wir unsere frühere Darstellung vom Mehrwert und diese Darstellung vergleichen, so finden wir, dass sie fast gleich sind. Saatgut und Viehfutter, das entspricht dem übertragenen Wert. Lebensmittel für die Sklaven und Sklavinnen, das entspricht dem Wert der Arbeitskraft. Was hier Mehrprodukt ist, das ist dort Mehrwert. Die Ausbeutung ist hier wie dort zu finden – nur die Form ist verschieden. Die Sklaven und Sklavinnen sind Eigentum der BesitzerInnen, die LohnarbeiterInnen hingegen sind freie Menschen. Sie können ihre Arbeitskraft verkaufen, wem sie wollen. Wenn sie nicht wollen, brauchen sie auch nicht zu arbeiten. Sie haben die Freiheit – zu verhungern. Sie sind freie Menschen – sie sind auch „frei“ von Arbeitsmitteln. Sie müssen daher ihre Arbeitskraft verkaufen. Damit geraten sie aber in die Abhängigkeit von UnternehmerInnen und werden ausgebeutet wie einst die Sklaven und Sklavinnen. 

2. Die zweite Form der Ausbeutung ist die Leibeigenschaft. Der Bauer sitzt auf seinen Feldern. Daneben ist das Feld des Herrn. Was muss der Bauer tun? Er darf einige Tage auf seinem Feld arbeiten, die anderen Tage arbeitet er auf dem Fremden. Was er auf seinem Feld erntet, gehört ihm. Auf diese Weise gewinnt er die notwendigen Lebensmittel für sich und seine Familie. Die anderen Tage leistet er unbezahlte Arbeit auf dem Herrengut. Was der leibeigene Bauer dort erarbeitet, davon lebt der Herr. Die Arbeitswoche des Leibeigenen teilt sich in zwei Teile: 

Arbeit für sich

Arbeit für den Grundherrn

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bauer war leibeigen, darum musste er für den Herrn arbeiten. Die ArbeiterInnen sind freie Menschen. Aber auch sie müssen, wie wir gesehen haben, Mehrarbeit leisten. Wenn wir die Darstellung von der notwendigen Arbeit und Mehrarbeit mit dieser Darstellung vergleichen, so finden wir keinen wesentlichen Unterschied. Was hier „Arbeit für sich“ ist, ist bei den ArbeiterInnen „notwendige Arbeit“; was hier „Arbeit für den Herrn“ heißt, das ist bei den ArbeiterInnen die „Mehrarbeit“. In Wirklichkeit müssen also die heutigen ArbeiterInnen, die sich gegenüber den Leibeigenen als freie Menschen dünken, fast ebenso für seine UnternehmerInnen Mehrarbeit leisten wie einst der leibeigene Bauer für seinen Gutsherrn. Der Unterschied aber ist, dass zur Zeit der Leibeigenschaft die Ausbeutung klar sichtbar war – heute ist sie verschleiert und für viele unsichtbar geworden. 

3. Die dritte Form der Ausbeutung ist die modernen Lohnarbeit. Wie sie sich vollzieht, haben wir im vorangegangenen Abschnitt dargestellt. 

Was uns diese Untersuchung zeigt, ist folgendes: Die kapitalistische Gesellschaft kennt keine SklavInnen und keine Leibeigenen mehr, aber sie hat die Ausbeutung nicht beseitigt, sondern ihr bloß eine andere Form gegeben. Die LohnarbeiterInnen bekommen immer nur einen Teil ihres Arbeitsertrages. Sie arbeiten nur einen Teil der Woche für sich, die übrige Zeit leisten sie Arbeit für die UnternehmerInnen. 

Wir haben den bisherigen Überlegungen die Annahme zugrunde gelegt, dass die UnternehmerInnen die Waren zu ihrem Wert verkaufen. Damit haben wir die Sachlage wesentlich vereinfacht; aber so leicht überschaubar liegen die Dinge im Kapitalismus leider nicht. Der Preis der Ware ist nicht identisch mit ihrem Wert.

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2.5. Mehrwert, Tauschgewinn und Tauschverlust 

Angenommen, einE UnternehmerIn ist in der angenehmen Lage, seine/ihre Ware zu einem Preis verkaufen zu können, der höher ist als der Wert der Ware. Er/sie macht in diesem Fall einen Tauschgewinn. Verkauft einE UnternehmerIn die Ware zu ihrem Wert, so erzielt er/sie nur den Mehrwert. Wenn er/sie zu einem Preis verkauft, der über dem Wert steht, so erlangt er über den Mehrwert hinaus auch noch einen Tauschgewinn. In diesem Fall können wir sagen: 

Profit = Mehrwert + Tauschgewinn

Nehmen wir unser altes Beispiel: Der übertragene Wert ist 20 Schilling, der neugebildete Wert ist 16 Schilling. Die Ware hat also einen Wert von 36 Schilling. Wenn nun einE UnternehmerIn die Ware um 40 Schilling verkauft, so hat er/sie einen Profit, der sich zusammensetzt aus einem Mehrwert von 6 Schilling und einem Tauschgewinn von 4 Schilling, zusammen also 10 Schilling. 

Wenn die Nachfrage sinkt, so kann es sein, dass einE UnternehmerIn dieselbe Ware um 32 Schilling verkaufen muss. Das bedeutet, einE UnternehmerIn ist gezwungen, die Ware unter ihrem Wert zu verkaufen. Er/sie erleidet einen Tauschverlust von 4 Schilling. Jetzt lautet die Formel: 

Profit = Mehrwert – Tauschverlust

Setzen wir den Fall, ein Eisenwerk verlauft seine Ware an ein Walzwerk. Der Eisenwerkbesitzer erleidet einen Tauschverlust, den Gewinn hat daher der Walzwerkbesitzer. Die Summe der Tauschgewinne und die Summe der Tauschverluste muss immer gleich groß sein. 

Summe der Profite = Summe des Mehrwertverlusts, den Gewinn hat daher der Walzwerkbesitzer. Die Summe der Tauschgewinne und die Summe der Tauschverluste muss immer gleich groß sein.

Summe der Profite = Summe des Mehrwerts

Der Profit des/der einzelnen KapitalistIn muss nicht dem Mehrwert entsprechen, der in seinem/ihrem Betrieb erzeugt wurde. Das wäre nur der Fall, wenn die Waren zu ihrem Wert verkauft würden; dies geschieht aber in der Regel nicht. Die UnternehmerInnen erzielen vielmehr wechselnd Tauschgewinne und Tauschverluste. Der Profit des/der einzelnen UnternehmerIn ist nicht nur abhängig vom Mehrwert, der gewonnen wird, sondern auch von den Tauschgewinnen und Tauschverlusten. Für die gesamte KapitalistInnenklasse ist der Profit dagegen ausschließlich vom gewonnenen Mehrwert abhängig. Denn der Gesamtprofit ist gleich dem Mehrwert, der in den Produktionsstätten erzeugt wird. Der Mehrwert ist die Beute, die die KapitalistInnen auf Kosten der ArbeiterInnen erzielen. Der Mehrwert entsteht nicht auf dem Markt, sondern in der Betriebsstätte, in der Fabrik, am Bauplatz, auf dem Acker, im Bergwerk, kurz: überall dort, wo einE ArbeiterIn für KapitalistInnen arbeitet. Auf dem Markt gewinnen die einen und die anderen verlieren. Aber das ist alles nur Kampf, der um den Mehrwert ausgefochten wird, der von den ArbeiterInnen geschaffen wurde. 

Die UnternehmerInnen, die schlecht spekuliert haben, sagen dann zu den ArbeiterInnen: „Ihr redet von Ausbeutung? Schaut doch meine Bücher an, ich verdiene gar nichts.“ Worauf die ArbeiterInnen erwidern können: „Was wir erzeugt haben, war mehr wert als das, was wir dafür bekamen. Es ist möglich, dass du nichts verdienst, aber dann hast du eben den Mehrwert am Markt verloren. Ist der Mehrwert, den wir geschaffen haben, nicht in deiner Hand, so haben ihn eben andere KapitalistInnen. Für uns ist es gleich, wer den Mehrwert hat. Tatsache ist, das der KapitalistInnenklasse als Ganzes der Mehrwert geblieben ist.“ 

Die UnternehmerInnen wollen das nicht einsehen und dürfen es nicht einsehen, weil sie sonst ihre Existenz aufs Spiel setzen. Sie sehen nur den Markt. Sie anerkennen nur, dass einmal teuerer und einmal billiger verkauft werden muss; einmal wird ein Tauschgewinn erzielt, einmal ergibt sich ein Tauschverlust. Und daher, so glauben sie, komme der Profit. Eine kindliche Vorstellung! Das womit geschachert wird, muss doch vorher produziert worden sein. Worum die KapitalistInnen handeln und feilschen, ist der Mehrwert. Dieser Mehrwert allein ist der Gegenstand der Spekulation. 

Beim Kaufen und Verkaufen allein kann kein Wert entstehen. Der Gewinn der ganzen KapitalistInnenklasse ist nur aus einer Tatsache zu erklären: aus der Tatsache, dass sie auf dem Markt einen Ware vorfindet, die die Eigenschaft hat, mehr an Wert zu produzieren, als sie selbst Wert ist. Diese Ware ist die Arbeitskraft. Nur die Arbeitskraft erzeugt den Mehrwert, über dessen Verteilung auf den Märkten gestritten wird. 

Der Profit der einzelnen KapitalistInnen und der Mehrwert, der im einzelnen Betrieb erzeugt wird, sind zwei verschiedene Dinge. Wenn wir dagegen die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes betrachten, dann fallen Profit und Mehrwert zusammen. Wir können daher den Profit der gesamten KapitalistInnenklasse nicht aus Tauschgewinn und Tauschverlust erklären. Bevor Handel getrieben werden kann, muss die Ware da sein. Die Schaffung des Mehrwerts geht seinem Verwertungsprozess voran. Die Quelle des Profits ist aber die menschliche Arbeitskraft. 

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2.6. Die Mehrwertrate oder Ausbeutungsrate

Wenn wir die Gesellschaft als Ganzes betrachten, so interessiert uns nur, wie viel die gesamte KapitalistInnenklasse über den Wert der Arbeitskraft hinaus verdient. Der Wert, den die ArbeiterInnen schaffen, zerfällt in zwei Teile: in den Wert der Arbeitskraft und in den Mehrwert. Der Arbeitstag der ArbeiterInnen zerfällt ebenfalls in zwei Teile: in die notwendige Arbeit und in die Mehrarbeit. 

Wenn wir nun messen wollen, wie intensiv die ArbeiterInnen ausgebeutet werden, so müssen wir fragen, was die ArbeiterInnen bekommen und was die KapitalistInnen erhalten. 

Wir müssen also die Menge der Mehrarbeit vergleichen mit der Menge der notwendigen Arbeit oder die Größe des Mehrwerts mit der Größe des Wertes der Arbeitskraft. Wir suchen dazu einen Hilfsbegriff; dieser ist die Mehrwertrate oder die Ausbeutungsrate. Diese Rate drückt hier ein Verhältnis aus und die Formel der Mehrwertrate lautet:

Mehrwertrate = Mehrwert : Wert der Arbeitskraft 

oder 

Mehrwertrate = Mehrarbeit : notwendige Arbeit 

Wollen wir die Mehrwertrate in einem Prozentsatz ausdrücken, so verwenden wir die Formel 

(Mehrwert x 100) : Wert der Arbeitskraft 

Bleiben wir bei unserem früheren Zahlenbeispiel, so kommen wir zu dem Ergebnis: 

Mehrwert x 100 : Wert der Arbeitskraft = 6 x 100 : 10 = 600 : 10 = 60%

Das heißt, der Mehrwert ist in diesem Fall so groß wie 60 Prozent des Wertes der Arbeitskraft. 

Die Mehrwertrate zeigt uns das Verhältnis von Mehrwert und dem Wert der Arbeitskraft, sie zeigt uns also das Maß der Ausbeutung.

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2.7. Konstantes und variables Kapital

UnternehmerInnen brauchen zur Führung ihrer Betriebe Kapital. Sie müssen einerseits die Arbeitskraft und andererseits die Roh- und Hilfsstoffe kaufen. Diese Käufe haben verschiedenen Sinn. Wenn die KapitalistInnen die Arbeitskraft kaufen, so wächst dadurch sein Kapital, weil die Arbeitskraft, wie wir bereits wissen, die Eigenschaft hat, mehr an Wert zu produzieren, als sie selbst wert ist. Die UnternehmerInnen kaufen aber auch Rohstoffe. Wie steht es mit diesem Kapital? Diese Kapital bekommen sie in der Regel beim Verkauf der Ware wieder zurück; es bleibt seinem Umfang nach unverändert. 

Das Kapital der UnternehmerInnen teilt sich in zwei verschiedene Bestandteile. Der Teil, der zum Kauf der Arbeitskraft verwendet wird, bringt den Mehrwert hervor; den anderen Teil, den sie zum Kauf der Rohstoffe verwenden, bekommen sie unvermehrt zurück. Wir unterscheiden demnach: konstantes Kapital (beständig) sowie variables Kapital (veränderlich). 

Das für Rohstoffe und die sonstigen Betriebsmittel ausgegebene Kapital bleibt konstant. Das Kapital, das für die Arbeitskraft ausgegeben wird, vergrößert sich, es ist variabel. Das variable Kapital könnten wir auch Lohnkapital nennen. Das konstante Kapital könnten wir als Sachkapital bezeichnen. Diese Unterscheidung ist vom Standpunkt der Werttheorie aus gesehen und nicht mit der in der Betriebswirtschaft üblichen Unterscheidung in fixes und zirkulierendes Kapital zu verwechseln. 

Das variable Kapital ist der Teil, der verwendet wird, um die Ware Arbeitskraft zu kaufen, die allein die Eigenschaft hat, mehr Wert zu schaffen, als sie selbst wert ist. 

Das Verhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital ist sehr verschieden. Es gibt Industriezweige mit vielem konstanten und wenigem variablen Kapital und umgekehrt. Hüttenwerke werden viel konstantes Kapital brauchen. Dienstleistungsbetriebe brauchen verhältnismäßig wenig konstantes Kapital und viel variables Kapital. Die UnternehmerInnen sprechen da von einer hohen Lohnquote. 

Das Verhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital nennen wir nach Marx organische Zusammensetzung des Kapitals. Die Formel zur Errechnung der organischen Zusammensetzung lautet: 

konstantes Kapital

 

Sachkapital

----------------------------

oder

------------------

variables Kapital

 

Lohnkapital

Soll die organische Zusammensetzung des Kapitals in einem Prozentsatz erfasst werden, so ist folgende Formel zu verwenden: 

Sachkapital x 100

----------------------------

Lohnkapital

 

Sachkapital x 100

 

20 x 100

 

---------------------------

=

--------------

= 2000 : 10 = 200%

Lohnkapital

 

10

 

Die organische Zusammensetzung beträgt in unserem Beispiel 200 Prozent.

Marx spricht viel von dieser organischen Zusammensetzung und misst der Unterscheidung der beiden Kapitalteile größte Bedeutung bei. Er sieht beide Teile als eigene Organe an. 

Die technische Ausgestaltung der industriellen Betriebe wächst ständig; das bedeutet, dass das konstante Kapital schneller zunimmt als das variable. Jeder technische Fortschritt besteht darin, dass lebendige menschliche Arbeitskraft durch Sachkapital verdrängt wird. 

Denken wir an die Textilindustrie. Früher saßen unzählige Menschen an den Spinnrädern. Das konstante Kapital spielte eine untergeordnete Rolle. Nun haben wir die Spinnmaschinen, wodurch viel weniger ArbeiterInnen gebraucht werden. Das bedeutet, es gibt heute mehr Sachkapital und weniger Lohnkapital. Die Entwicklung geht dahin, den Anteil des Lohnkapitals zurückzudrängen. Der technische Fortschritt erzwingt eine immer höhere organische Zusammensetzung des Kapitals.

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2.8. Unterschiede von Mehrwertrate und Profitrate

Die Mehrwertrate ist das Verhältnis zwischen Mehrwert und Arbeitslohn. Die Profitrate ist das Verhältnis des Mehrwertes zum aufgewendeten Kapital. Die beiden Formeln unterscheiden sich wie folgt: 

 

 

Mehrwert

Mehrwertrate

=

------------------------

 

 

variables Kapital

 

 

 

Mehrwert

Profitrate

 =

---------------------------------------

 

 

konstantes + variables Kapital

Wenn wir die beiden Größen in Prozenten ausdrücken wollen, so müssen wir den Mehrwert mit 100 multiplizieren.

 

 

Mehrwert x 100

 

6 x 100

 

Mehrwertrate

=

----------------------

=

-------------

= 600 : 10 = 60%

 

 

var. Kapital

 

10

 

 

 

 

Mehrwert x 100

 

6 x 100

 

Profitrate

=

-----------------------

=

------------

= 600 : 30 = 20%

 

 

Konst. + var. Kap.

 

20 + 10

 

Die Mehrwertrate beträgt in unserem Beispiel also 60 Prozent, die Profitrate 20 Prozent.

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2.9. Absoluter und relativer Mehrwert

Wir haben den Arbeitstag in zwei Teile geteilt: in die notwendige Arbeit und die Mehrarbeit.

notwendige Arbeit:

Mehrarbeit:

5 Stunden

3 Stunden

Die KapitalistInnen haben das Bestreben, die Mehrarbeit zu verlängern. In welcher Weise kann das geschehen?