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Gemeinsame Resolution der SJ-Stamokap und der
Strömung "Der Funke" zur Gegenwart
und Zukunft der Sozialistischen Jugend Österreichs
(SJÖ),
Wien, 10. Januar 2008
Auf dem Verbandstag 2000 wurde ein linkes Zweckbündnis
geschaffen, um eine Neuorientierung der SJÖ durchzusetzen und eine strukturelle
Reorganisation zu vollziehen. Die Stamokap- und die Funke-Strömung
unterstützten die damals neu gewählten Akteure und Akteurinnen, unter der
Voraussetzung, dass die Neuorientierung der SJ auf einer marxistischen Basis
erfolgt und der Diskurs sowie das Engagement von politischen Strömungen in der
SJ wieder Platz hat. Dieses linke Bündnis bestand somit aus politischen
Strömungen (Funke und Stamokap) und Landesorganisationen (Niederösterreich,
Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg) und ab 2001 mit der Landesorganisation Wien
bzw. später mit Burgenland und Steiermark.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sozialistische
Jugend politisch immer weiter nach rechts und spätestens mit der kurzzeitig
kämpferischen Haltung, aber inkonsequenten Weiterführung des Widerstandes gegen
die Regierungsbeteiligung der SPÖ 2007 und der Nichteinmischung bei der
Auflösung von Gruppen aufgrund ihrer Strömungszugehörigkeit wurde dieses linke
Bündnis einseitig von der Verbandsspitze der SJÖ
aufgekündigt.
Mit dem Wahlsieg der SPÖ bei den Nationalratswahlen vor
mehr als einem Jahr haben viele Lohnabhängige große Hoffnungen auf eine
politische Wende verbunden. Diese Erwartungshaltung wurde durch das Brechen
aller zentralen Wahlversprechen im Zuge der Bildung einer Großen Koalition mit
der ÖVP schwer enttäuscht. Der Unzufriedenheit in den Reihen der
Sozialdemokratie konnte die SJ mit ihren Protestaktionen gegen eine
rot-schwarze Koalition und ihrer Kampagne für eine SPÖ-Minderheitsregierung
einen Ausdruck geben.
Durchaus glaubwürdig setzte sich die Sozialistische Jugend
anfangs gegen die Bildung einer großen Koalition zur Wehr und vertrat die
Auffassung, dass eine SPÖ-Minderheitsregierung die einzig sinnvolle Lösung sei.
Nachdem nach langem Hin und Her einer großen Koalition nichts mehr im Wege
stand, rief man zu Demonstrationen auf, die Löwelstraße wurde besetzt und am
Tag der Regierungsangelobung wurde der Ballhausplatz mit Trillerpfeifen
beschallt.
Als es im Februar 2007 galt, Nägel mit Köpfen zu machen,
verabsäumte es die SJ jedoch, aus den anfänglichen erfolgreichen Protesten
gegen die große Koalition den Grundstein für eine organisierte Linke in der
Sozialdemokratie zu legen. Und vom Widerstand gegen diese Regierung ist
mittlerweile nicht mehr viel zu merken.
Ein Grund dafür war, dass es bereits zu einer Spaltung der
Landesorganisationen im Hinblick auf die nun zu setzenden Maßnahmen gekommen
war. Während die SJ Wien ausschließlich auf das Konzept "Wir sind
SPÖ" setzte, eine Plattform, die dafür kämpft(e), dass die SPÖ glaubwürdig
bleibt bzw. wieder wird, und die mit großem medialem Trara gegründet wurde, nun
aber dabei ist, klammheimlich in der Versenkung zu verschwinden, versuchte die
SJNÖ gemeinsam mit anderen Landesorganisationen ein Jugendvolksbegehren als
ersten Schritt einer Maßnahme zur Bildung einer APO (außerparlamentarischen
Opposition) ins Leben zu rufen, das niemals zustande kam. Es gab keine
einheitliche Linie vom Verband und durch die unterschiedlichen Vorgehensweisen
auch kein einheitliches Mobilisierungspotential sowie keine finale Realisierung
dieser Projekte. Ohne tatsächliche Organisierung wird es nicht gelingen,
"unsere SPÖ" in eine Partei zu verwandeln, die "Politik für die
arbeitenden Menschen" macht. Eine Internetplattform, die mit 1.776
Unterstützungserklärungen darüber hinaus keine konkreten Schritte hin zu einer
Organisierung macht, oder ein nicht realisiertes Volksbegehren sind (leider)
zum Scheitern verurteilt.
Die SJÖ war in dieser Situation nicht fähig, alle Teile des
Verbandes einheitlich gegen die Regierungsbeteiligung zu mobilisieren, und
bildet bis heute keine wirksame Opposition gegen die neoliberale und
klassenverräterische Politik der SPÖ in der Regierung.
Die Entwicklung der SJÖ in den vergangenen Monaten ist
äußerst besorgniserregend. Anstelle einer prinzipiellen Ablehnung einer
Koalition mit der ÖVP trat in der Praxis immer mehr eine Position, wonach die
SJ gemeinsam mit anderen linken Kräften in der Sozialdemokratie versuchen
müsse, von links Druck auf die ÖVP zu erzeugen, damit diese Regierung eine
Politik mit "sozialdemokratischer Handschrift" mache.
Öffentlichkeitswirksame Protestaktionen gegen die Politik der SPÖ-Führung,
einer Politik der offenen Klassenzusammenarbeit, geht die SJ-Spitze im Verband
und in den größten Bundesländern gezielt aus dem Wege. Das "Nein" zur
Großen Koalition steht nur mehr auf dem Papier, Taten folgen dem
Wortradikalismus schon lange nicht mehr. Dabei wäre es gerade jetzt von
entscheidender Bedeutung, dass sich die SJÖ als Angelpunkt einer konsequenten
linken Opposition gegen diese Regierung positionieren kann. Denn nur so wird es
auch zukünftig möglich sein, die SJ in den Schulen, Unis und unter jungen
ArbeiterInnen zu verankern.
Presseaussendungen, die auf Themen reagieren, die ohnehin
schon in der Kronen-Zeitung stehen, sind im Kampf gegen diese Politik nicht
ausreichend, sondern es bedarf sowohl interner als auch öffentlicher Kritik, in
Form von Aktionen und Kampagnen, ohne Sanktionen der Partei zu fürchten, um
weiterhin kritische Menschen anzusprechen und zu mobilisieren. Nur so kann die
SJ ihrer Rolle als konsequent linke Kraft gerecht werden. Generell ist die
Presseaussendung natürlich ein wichtiges mediales Mittel, sofern sie nicht nur
die einzige Reaktion bleibt und sich nicht nur auf bereits bestehende,
"alte" Themen bezieht. Die SJÖ muss wieder kampagnenfähiger werden,
Themen aufgreifen, die für junge und arbeitende Menschen zentrale Bedeutung
haben, und diese in das politische Geschehen einbringen. Zum Charakter einer
marxistischen Kampforganisation gehört, dass sie auf veränderte Bedingungen im
Klassenkampf flexibel und konsequent reagiert.
Das Um und Auf einer funktionierenden sozialistischen
Jugendorganisation ist ein regelmäßig erscheinendes, inhaltlich hochwertiges
und transparent gestaltetes Organ in Form einer Zeitung. Dies soll nicht nur
zur Selbstbeweihräucherung dienen, sondern vielmehr einen weiteren Baustein in
der Bildungsarbeit und die Möglichkeit der Vernetzung darstellen. Unter dem
Motto: lesen, lernen, handeln! - Gegenwärtig ist das SJ-"Trotzdem"
hinsichtlich der periodischen Publizierung als auch der Möglichkeit der
Mitgestaltung durch einfache Mitglieder unzulänglich. Es ist für einfache
Mitglieder sehr schwer, bei der Gestaltung "ihrer" Zeitung
mitzuwirken.
Im Allgemeinen werden durch derartige Vorgehensweisen die
in den Gruppen vorhandenen Potenziale nicht ausreichend genutzt. Eine
Einbindung zahlreicher interessierter GenossInnen z.B. beim Erstellen der
Zeitung, in den Arbeitsgremien (u.a. in der internationalen Kommission)
sowie in der Bildungsarbeit würde zu einer stärkeren Identifikation mit der
Organisation und einer Qualitätssteigerung unserer Arbeit führen.
Eine Organisation, die sich selbst als marxistisch
definiert, muss, um dem gerecht zu werden, für eine nachhaltige flächendeckende
und langfristig durchdachte marxistische Bildungsarbeit sorgen. Nur so ist es
möglich, marxistisches Denken in die Basis hinein zu tragen. Dabei ist es
essenziell, auf die inhomogenen Bedürfnisse (aufgrund der Altersunterschiede,
der unterschiedlichen Bildungslevels sowie der unterschiedlichen geographischen
Besonderheiten) der einzelnen Gruppen einzugehen. Erschwerend kommt hinzu, dass
es den Gruppen aufgrund fehlender Vernetzung nicht möglich ist, ihre
Bedürfnisse zu artikulieren. Ohne zu wissen, dass gewisse Probleme auch in
anderen Gruppen bestehen, werden diese oft durch die Leute nicht wahrgenommen
oder nicht angesprochen und verlaufen im Sand, ohne dass sie bei der Planung
von Bildungsarbeit berücksichtigt und beseitigt werden. Veranstaltungen und
Bildungskonzepte werden derzeit von oben bestimmt und auf die Gruppenstrukturen
aufgesetzt, ohne die Möglichkeit einer Mitsprache zu
schaffen.
Anstatt geschlossen und auf der Grundlage eines
sozialistischen Programms gegen die herrschende Politik und somit auch die
eigene Parteiführung mobil zu machen, wird lieber gegen kritische, linke
Stimmen in den eigenen Reihen vorgegangen. Erstmals seit 15 Jahren wurden in
der SJ wieder linke Gruppen aufgelöst. Und die Verbandsführung kann sich
trotzdem nicht zu einer klaren Verurteilung dieses Vorgehens durchringen. Die
interne Demokratie und das Bekenntnis zum Strömungspluralismus in der SJÖ,
wichtige Eckpfeiler der linken Wende in der Ära Kollross, werden hier mit Füßen
getreten.
All dies droht die SJÖ politisch zu lähmen. Die mangelnde
Kampagnenfähigkeit der Gesamtorganisation ist augenscheinlich. Wenn dieser Kurs
fortgesetzt wird, droht die SJÖ wieder in der politischen Bedeutungslosigkeit
zu versinken.
Die Funke-Strömung und die Stamokap-Strömung rufen
gemeinsam alle SJlerInnen dazu auf, mit uns die besten Traditionen einer linken
SJÖ zu verteidigen.
Wir treten ein für:
- eine Politik der Taten, nicht nur der Worte im Kampf
gegen die große Koalition! Beginnend mit Protesten gegen den Bundesheer-Einsatz
im Tschad und gegen den EU-Reformvertrag soll es regelmäßig öffentlichkeitswirksame
Aktionen der SJÖ gegen die Politik der großen Koalition geben. Die Proteste der
SJÖ gegen die Parteispitze müssen sich auch gegen die GroßkoalitionärInnen in
den SPÖ-Landesorganisationen richten.
- den Aufbau einer organisierten Linken in der
Sozialdemokratie und den Gewerkschaften als politische Alternative zur
Parteiführung und ihrer Politik der Klassenzusammenarbeit.
- die Orientierung auf außerparlamentarische
Bündnisarbeit.
- kein rein auf das Layout reduziertes Kampagnenmaterial
(Comic-SchülerInnenarbeit), sondern für marxistische und linke
Öffentlichkeitsarbeit.
- mehr Transparenz und Mitgestaltung bei Seminaren, durch
die Einbindung möglichst vieler GenossInnen.
- die Einbeziehung der Gruppen bei der Ausarbeitung von
Landes- und Verbandsmaterialien. - Inhalt vor Layout!
- eine demokratische SJÖ. Die Auflösungen von SJ-Gruppen
müssen zurückgenommen und verurteilt werden. Die Verbandsführung kann sich hier
nicht länger der Verantwortung entziehen.
Wir möchten in Zukunft gemeinsam mit SJ-Gruppen in ganz
Österreich an der Verwirklichung dieser Ziele arbeiten. Zu diesem Zweck bieten
wir euch an, uns für ein Rufreferat in euren Gruppen zu kontaktieren, wo wir
unsere Vorstellungen und Ideen genauer darstellen können bzw. ihr uns sagt, wo
der Schuh drückt oder eure speziellen Interessen liegen. Wir haben auch vor,
ein regelmäßiges Treffen linker SJ-Gruppen einzurichten, zu denen ihr herzlich
eingeladen seid. Als ersten Höhenpunkt unserer Arbeit für eine linke SJÖ planen
wir diverse öffentliche Vernetzungstreffen im Frühjahr, wo wir unsere
Positionen mit der Verbandsführung, den Gruppen und allen Interessierten
diskutieren und so zu mehr Transparenz und Offenheit in der Organisation
betragen wollen.
Freundschaft und Rotfront!
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