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Landlos in Harare

Zur Notwendigkeit einer Bodenreform in Simbabwe

von Tibor Zenker

 

Etwa 12 Millionen Menschen leben in Simbabwe, weniger als 1 Prozent gehört zur weißen Minderheit, die sich während der Zeit der britischen Kolonialherrschaft hier ansiedelte. Diese knapp 10.000 Menschen besitzen ein Drittel der Gesamtfläche Simbabwes und drei Viertel des verfügbaren Ackerlandes. Bei einer Arbeitslosenrate von 60 Prozent sind über 4 Millionen Menschen im Agrarbereich beschäftigt. Diese Bedingungen bergen einiges an sozialem Sprengstoff in sich, den der Imperialismus diesem Land aufgebürdet hat. Daran änderte auch die formelle Unabhängigkeit des ehemaligen Rhodesiens im Jahre 1980 nichts.

In den letzten Jahren waren immer die gleichen Berichte in den österreichischen Medien zu sehen: ruchlose Schwarze massakrieren oder vertreiben fleißige weiße FarmerInnen und besetzen deren Land – alles mit Billigung von Präsident Mugabe. Das Ergebnis – so die „Analyse“ – sei sodann die Hungersnot, nachdem das Land brach liegt oder (besonders „originell“...) die Unfähigkeit der schwarzen LandbesetzerInnen zu Missernten führt. Was im schwarz-weißen Schauermärchenland zwischen Küniglberg und Muthgasse einen Sinn ergibt, geht freilich ein Stück weit an der Wahrheit vorbei. Es stimmt wohl, dass konzeptlose, willkürliche Landaneignungen vor sich gehen und es dabei zu Übergriffen kommt, nur ist der Hintergrund ein anderer, als ORF und Kronen-Zeitung vorgeben. Die Tatsache einer Unterversorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten ist nicht Resultat, sondern Ursache der gegenwärtigen Vorgänge. Es sind die agrarwirtschaftlichen Großbetriebe der weißen LandbesitzerInnen, die im Sinne der Profitlogik agieren, die in riesigen Monokulturen den Tabakanbau auf Kosten der Lebensmittelproduktion und der Bodenqualität forcieren und permanent Produktionskrisen, Arbeitslosigkeit, Lohndumping und damit Elend, Armut und Hunger generieren. 

Das oft gehörte Argument, die weißen GroßgrundbesitzerInnen hätten ihr Land rechtmäßig erworben, könnte zynischer nicht sein, denn vom britischen Empire okkupierte Territorien diesem abzukaufen, entbehrt wohl jeder völkerrechtlichen Basis. Die heutigen Realitäten bedürfen dennoch einer Lösung – und diese kann nur in einer „gerechten“ Landreform bestehen. Die Forderung nach einer Landreform zugunsten der landlosen Schwarzen, nach der Enteignung der GroßgrundbesitzerInnen und der Agrarmonopole, setzt sich zurecht von selbst auf die Tagesordnung. Heute fordert eine breite Volksbewegung eine Bodenreform, was eine Fortführung des Kampfes um Selbstbestimmung darstellt. Daher ist der Kampf des simbabwischen Volkes, das Land der GroßgrundbesitzerInnen an die Landlosen zu verteilen, zu unterstützen. Diese Bodenreform soll von demokratischen Volkskomitees geleitet werden, um Korruption und Bereicherung bei der Verteilung zu verhindern. Dies kann aber nur ein erster Schritt sein, der das Land zunächst den einheimischen AgrarmonopolistInnen zu entreißen vermag. Doch es verblieben die Bedingungen und der Druck des IWF, der Weltbank und der WTO, die im Sinne sogenannter „Strukturanpassungen“ ihre Kredite an entsprechende „Kooperationen“ binden und einen Kreislauf der Verschuldung reproduzieren, der im Rahmen der Logik des Imperialismus kaum zu durchbrechen erscheint. Auch in dieser Hinsicht ist die Situation Simbabwes symptomatisch für den allgegenwärtigen imperialistischen Widerspruch zwischen Zentrum und ausgebeuteter Peripherie.

 

 

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