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1. Der monopolistische Kapitalismus als höchstes
Stadium des Kapitalismus
1.1.
Der Übergang zum
Monopolkapitalismus (Imperialismus)
Der
vormonopolistische Kapitalismus mit der Herrschaft der freien
Konkurrenz erreichte den Höhepunkt seiner Entwicklung in den 60er
und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Während des letzten Drittels
des 19. Jahrhunderts vollzog sich der Übergang vom
vormonopolistischen zum monopolistischen Kapitalismus. Ende des
19. Jahrhunderts und Anfang des 20 Jahrhunderts hatte sich der
monopolistische Kapitalismus endgültig herausgebildet.
Der monopolistische
Kapitalismus oder Imperialismus ist das höchste und letzte Stadium
des Kapitalismus, dessen Grundmerkmal die Ablösung der freien
Konkurrenz durch die Herrschaft der Monopole ist.
Der Übergang vom
vormonopolistischen zum monopolistischen Kapitalismus – zum
Imperialismus – wurde durch den gesamten Entwicklungsprozess der
Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse der bürgerlichen
Gesellschaft vorbereitet.
Das letzte Drittel
des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen großer Fortschritte in der
Technik sowie des Wachstums und der Konzentration der Industrie.
In der Hüttenindustrie gelangten in großem Umfang neue Verfahren
der Stahlerzeugung zur Anwendung. Die rasche Verbreitung neuer
Typen von Antriebsmaschinen – der Dynamomaschine, des
Verbrennungsmotors, der Dampfturbine, des Elektromotors –
beschleunigte die Entwicklung von Industrie und Verkehrswesen. Die
Erfolge der Wissenschaft und Technik ermöglichten es, riesige
Mengen von Elektroenergie in Wärmekraftwerken und späterhin auch
in großen Wasserkraftwerken zu erzeugen. Die Ausnutzung der
Elektroenergie führte zur Schaffung einer ganzen Reihe neuer
Zweige in der chemischen Industrie, der Buntmetallindustrie und
der Leichtmetallindustrie. In vielen Produktionszweigen wurde im
breiten Umfang zu Anwendung chemischer Verfahren übergegangen. Die
Vervollkommnung der Verbrennungsmotoren förderte die Entstehung
des Kraftverkehrs und späterhin auch der Luftfahrt.
Noch um die Mitte
des 19. Jahrhunderts stand in der Industrie der kapitalistischen
Länder die Leichtindustrie an erster Stelle. Die zahlreichen,
verhältnismäßig kleinen Betriebe gehörten EinzelbesitzerInnen; der
prozentuale Anteil der Aktiengesellschaften war relativ gering.
Die Wirtschaftskrise von 1873 bedeutete für viele solche Betriebe
den Untergang und gab der Konzentration und Zentralisation des
Kapitals einen starken Anstoß. In der Industrie der wichtigsten
kapitalistischen Länder begann die Schwerindustrie die
vorherrschende Rolle zu spielen; das heißt vor allem die
Hüttenindustrie und der Maschinenbau, aber auch der Bergbau, zu
deren Entwicklung es ungeheurer Kapitalien bedurfte. Die
zunehmende Ausbreitung der Aktiengesellschaften verstärkte die
Zentralisation des Kapitals noch mehr.
Im 19. Jahrhundert
breitete sich die kapitalistische Produktionsweise rasch über den
ganzen Erdball aus. Noch Anfang der 70er Jahre des 19.
Jahrhunderts produzierte England als das älteste bürgerliche Land
mehr Textilien, Roheisen und Kohle als die USA, Deutschland,
Frankreich, Italien, Russland und Japan zusammen. England hatte in
der Industrieproduktion der Welt den ersten Platz inne und besaß
das uneingeschränkte Monopol auf dem Weltmarkt. Ende des 19.
Jahrhunderts hatte sich die Lage entscheidend verändert. In den
jungen kapitalistischen Ländern war eine eigene Großindustrie
entstanden. Dem Umfang der Industrieproduktion nach nahmen jetzt
die USA den ersten Platz in der Welt ein, während Deutschland in
Europa an die erste Stelle trat. In Russland machte die
industrielle Entwicklung rasche Fortschritte, trotz der
Hindernisse, die das bis ins Mark verfaulte zaristische Regime
schuf. Infolge des Wachstums der Industrie in den jungen
kapitalistischen Ländern büßte England seine industrielle
Vorrangstellung und auch seine Monopolstellung auf dem Weltmarkt
ein.
Mit dem Übergang zum
Imperialismus nahmen die Widersprüche zwischen den
Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen des Kapitalismus
immer schärfere Formen an. Die Unterordnung der Produktion unter
die räuberischen Ziele, die die KapitalistInnen auf der Jagd nach
Höchstprofiten verfolgen, behinderte die Entwicklung der
Produktivkräfte, den Fortschritt der Technik auf mannigfache Art.
Die Überproduktionskrisen wiederholten sich immer häufiger und
gewannen an zerstörender Wirkung; die Arbeitslosenarmee
vergrößerte sich. Während das Elend und die Not der werktätigen
Massen in Stadt und Land zunahmen, wuchs der in den Händen eines
kleinen Häufleins von AusbeuterInnen konzentrierte Reichtum in
noch nie dagewesenem Ausmaß. Die Verschärfung der unversöhnlichen
Klassengegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat bewirkte
eine Verstärkung des wirtschaftlichen und politischen Kampfes der
ArbeiterInnenklasse.
In der Periode des
Übergangs zum monopolistischen Kapitalismus rissen die größten
kapitalistischen Mächte Europas und Amerikas mit Gewalt und Betrug
ungeheure Kolonialbesitzungen an sich. Eine Handvoll entwickelter
kapitalistischer Länder machte die Mehrheit der Bevölkerung des
Erdballs zu KolonialsklavInnen, die ihre UnterdückerInnen hassen
und bekämpfen. Die kolonialen Eroberungen erweiterten die Sphäre
der kapitalistischen Ausbeutung in gewaltigem Maße; der Grad der
Ausbeutung der werktätigen Massen nahm ständig zu. Die äußerste
Verschärfung der Widersprüche des Kapitalismus fand ihren Ausdruck
in den verheerenden imperialistischen Kriegen, die unzählige
Menschenleben forderten und ungeheure materielle Werte
vernichteten.
W. I. Lenin gebührt das
historische Verdienst, den Imperialismus als höchstes und zugleich
letztes Stadium in der Entwicklung des Kapitalismus, als den
Vorabend der sozialistischen Revolution des Proletariats vom
marxistischen Standpunkt erforscht zu haben. In seinem klassischen
Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“
(Lenin-Werke, Bd. 22, S. 189-309) und in verschiedenen anderen,
hauptsächlich in den Jahren des Ersten Weltkrieges geschriebenen
Arbeiten verallgemeinerte Lenin die Entwicklung des
Weltkapitalismus während des halben Jahrhunderts, das seit dem
Erscheinen des „Kapitals“ von Karl Marx verflossen war. Gestützt
auf die von Marx und Friedrich Engels aufgedeckten Gesetze der
Entstehung, Entwicklung und des Niedergangs des Kapitalismus
analysierte Lenin wissenschaftlich erschöpfend das ökonomische und
politische Wesen, die Gesetzmäßigkeiten und die unlösbaren
Widersprüche des Imperialismus.
Nach Lenins
klassischer Definition sind die wichtigsten ökonomischen Merkmale
des monopolistischen Kapitalismus die folgenden: „1. Konzentration
der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe
Entwicklungsstufe erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die im
Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung
des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer
Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals’; 3. der
Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders
wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale
monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich
teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die
kapitalistischen Großmächte ist beendet.“
(LW 22, S. 270 f.)
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1.2.
Die Konzentration
der Produktion und die Monopole
In der Periode des
vormonopolistischen Kapitalismus, in der die freie Konkurrenz
herrschte, führte das Wirken des Gesetzes der Konzentration und
Zentralisation des Kapitals unvermeidlich zum Sieg der großen und
größten Betriebe, denen gegenüber die kleinen und mittleren
Betriebe eine immer untergeordnete Rolle spielen. Die
Konzentration der Produktion wiederum bereitete den Übergang von
der Herrschaft der freien Konkurrenz zur Herrschaft der Monopole
vor.
Eine der Formen der
Konzentration der Produktion ist die Kombination, das heißt die
Vereinigung verschiedener Produktionszweige in einem Betrieb;
diese Produktionszweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen
der Verarbeitung des Rohstoffes (zum Beispiel Hüttenkombinate, die
die Erzförderung, die Roheisenerzeugung, die Stahlerzeugung und
die Produktion von Walzgut vereinigen), oder der eine
Produktionszweig spielt gegenüber dem anderen eine Nebenrolle (zum
Beispiel die Verarbeitung von Produktionsabfällen). Die
Kombination verleiht den Großbetrieben ein noch größeres
Übergewicht im Konkurrenzkampf.
Auf einer bestimmten
Stufe ihrer Entwicklung kommt die Konzentration der Produktion
dicht an das Monopol heran. Die Großbetriebe bedürfen riesiger
Profitmassen, um sich in dem erbitterten Konkurrenzkampf gegenüber
ähnlichen Riesenunternehmen zu behaupten und die Produktion weiter
ausdehnen zu können; hohe Profite aber sichert nur die
Monopolherrschaft auf dem Markt. Andererseits können einige
Dutzend Riesenbetriebe leichter zu einem Übereinkommen gelangen
als Hunderte oder Tausende kleiner Betriebe. Somit wird die freie
Konkurrenz durch das Monopol abgelöst. Darin liegt das ökonomische
Wesen des Imperialismus.
Das Monopol ist ein
Übereinkommen, ein Verband oder eine Vereinigung von
KapitalistInnen, die in ihren Händen die Produktion und den Absatz
eines bedeutenden Teiles der Erzeugnisse eines oder mehrerer
Produktionszweige konzentrieren zwecks Festsetzung hoher
Warenpreise und Erzielung großer Monopolprofite.
Die Monopole halten
die Kommandohöhen in der Wirtschaft der kapitalistischen Länder
besetzt. Sie haben die Schwerindustrie, viele Zweige der
Leichtindustrie, die Eisenbahnen und die Schifffahrt, die Banken
und Versicherungen sowie den Binnen- und Außenhandel an sich
gerissen und auch die Landwirtschaft in ihr Joch gezwungen.
In ihrem Bestreben,
den modernen Kapitalismus zu beschönigen, behaupten die
bürgerlichen ÖkonomInnen, die Verbreitung der Monopole heile die
bürgerliche Ordnung von solchen Übeln wie Konkurrenz, Anarchie der
Produktion und Krisen. In Wirklichkeit aber kann der
monopolistische Kapitalismus die Konkurrenz, die Anarchie der
Produktion und die Krisen nicht nur nicht beseitigen, sondern
verschärft sämtliche Widersprüche des Kapitalismus noch mehr.
Lenin wies darauf
hin, dass der Imperialismus den Kapitalismus nicht von unten bis
oben umgestalten kann. Bei Herrschaft der Monopole bleiben in
allen kapitalistischen Ländern zahlreiche Mittel- und
Kleinbetriebe erhalten, bleiben große Massen von
KleinproduzentInnen – Bauern und Bäuerinnen, HanderkerInnen –
bestehen.
Ein Monopol, das in
einigen Industriezweigen geschaffen wird, verstärkt nur den
chaotischen Charakter, der die kapitalistische Produktion als
Ganzes kennzeichnet. Die Konkurrenz wird nicht beseitigt, sondern
nimmt noch schärfere Formen an.
Erstens hört die
Konkurrenz innerhalb der Monopole nicht auf. Die Mitglieder der
Syndikate und Kartelle kämpfen gegeneinander um die
vorteilhaftesten Märkte und um einen größeren Anteil (Quote) an
Produktion und Absatz. In den Trusts und Konzernen wird um die
leitenden Posten, um die Aktienpakete, die die Kontrolle sichern,
um im die Verteilung der Profite gekämpft.
Zweitens herrscht
Konkurrenz zwischen den Monopolen: sowohl zwischen den Monopolen
ein und desselben Industriezweiges als auch zwischen den Monopolen
verschiedener Industriezweige, welche entweder einander Waren
liefern (zum Beispiel ein Stahltrust einem Kraftfahrzeugtrust)
oder solche Waren produzieren, die einander ersetzen können
(Kohle, Erdöl, Elektroenergie). Da die Aufnahmenfähigkeit des
Binnenmarktes ihre Grenzen hat, führen die Gebrauchsgüter
produzierenden Monopole untereinander einen erbitterten Kampf um
den Absatz ihrer Waren.
Drittens herrscht
Konkurrenz zwischen den Monopolen und den nicht-monopolisierten
Betrieben. Die monopolisierten Produktionszweige befinden sich
gegenüber den anderen Zweigen in einer privilegierten Stellung.
Die Monopole treffen alle Maßnahmen, um die „Außenseiter“ oder
„wilden“ Betriebe abzuwürgen, die keiner Monopolvereinigung
angehören.
„Die Monopole
beseitigen nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen,
sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine
Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und
Konflikte.“ (LW 22, S. 270) Die Herrschaft der Monopole verleiht
dem Konkurrenzkampf besonders zerstörerischen und räuberischen
Charakter. Die Monopole wenden alle nur möglichen Methoden der
direkten Gewalt, der Bestechung und der Erpressung an und greifen
zu den kompliziertesten finanziellen Machenschaften.
Die Herrschaft der
Monopole bedeutet die weitere Vertiefung der Grundwiderspruchs des
Kapitalismus, des Widerspruchs zwischen dem gesellschaftlichen
Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der
Aneignung. Infolgedessen werden die Krisen immer verheerender.
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1.3. Die Konzentration und die Monopole im Bankwesen – Die neue
Rolle der Banken
Die Vorstellung von
der wirklichen Macht und Bedeutung der modernen Monopole wäre
höchst unvollständig, wenn die Rolle der Banken außer acht
gelassen würde. Im Bankwesen vollzieht sich wie in der Industrie
die Konzentration des Kapitals und der Übergang von der freien
Konkurrenz zum Monopol. Ursprünglich waren die Banken
hauptsächlich Zahlungsvermittlerinnen. Mit der Entwicklung des
Kapitalismus erweiterte sich die Tätigkeit der Banken als
Kapitalhändlerinnen. Die Akkumulation des Kapitals und die
Konzentration der Produktion in der Industrie führten dazu, dass
sich in den Banken riesige freie Geldmittel konzentrieren, die
gewinnbringende Anlage suchen. Ständig wuchs der Anteil der
Großbanken an der Gesamtheit der Bankumsätze.
Die Konzentration im
Bankwesen führt, wie in der Industrie, zum Monopol. Die Großbanken
unterwerfen sich mittels Aufkauf der Aktien, Kreditgewährung usw.
die kleinen Banken. Haben die Großbanken die Monopolstellung
erlangt, so treffen sie miteinander Abkommen über die Aufteilung
der Einflusssphären. Es entstehen monopolistische Bankverbände.
Jeder dieser Verbände herrscht über Dutzende, mitunter sogar
Hunderte von kleineren Banken, die faktisch zu Filialen der
Großbanken werden. Durch ein weitverzweigtes Netz von Zweigstellen
sammeln die Großbanken die Mittel vieler Betriebe in ihre Kassen.
Fast das gesamte Geldkapital der KapitalistInnenklasse sowie die
Ersparnisse der übrigen Bevölkerungsschichten geraten so in die
Verfügungsgewalt kleiner Gruppen von Bankmagnaten.
Die Konzentration
der Industrie und die Bildung von Bankmonopolen bewirken eine
wesentliche Veränderung der Wechselbeziehungen zwischen den Banken
und der Industrie. Mit der Vergrößerung der Betriebe erhöht sich
die Bedeutung großer langfristiger Kredite, die die Banken den
industriellen KapitalistInnen gewähren. Das Anwachsen der
Einlagenmasse, über die die Banken verfügen, bietet für eine
solche langfristige Anlage von Bankmitteln in der Industrie große
Möglichkeiten, Die verbreitetste Form der Unterbringung von
Bankmitteln in der Industrie ist der Aufkauf von Aktien dieser
oder jener Betriebe. Die Banken fördern die Bildung von Betrieben,
die mit Aktienkapital arbeiten, indem sie die Betriebe einzelner
KapitalistInnen zu Aktiengesellschaften reorganisieren und neue
Aktiengesellschaften bilden (Gründungen). Der Kauf und Verkauf der
Aktien erfolgt in immer größerem Maße durch die Banken.
Aus bescheidenen
Zahlungsvermittlerinnen verwandeln sich die Banken in allmächtige
Monopolunternehmen des Geldmarktes. Die Interessen der Banken und
der Industriebetriebe verschmelzen immer mehr. Wenn eine Bank
mehrere Großbetriebe eines bestimmten Industriezweiges finanziert,
ist sie an einer Monopolvereinbarung zwischen diesen Betrieben
interessiert und trägt zu einem solchen Übereinkommen bei. Auf
diese Wiese verstärken und beschleunigen die Banken den Prozess
der Konzentration des Kapitals und der Bildung von Monopolen
erheblich.
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1.4. Das Finanzkapital und die Finanzoligarchie
Da die Banken
Mitbesitzerinnen von Industrie-, Handel- und Verkehrsbetrieben
werden, indem sie entsprechende Aktien oder Obligationen erwerben,
und die Industriemonopole ihrerseits Aktien der mit ihnen
verbundenen Banken besitzen, verflicht sich das monopolistische
Bank- und Industriekapital miteinander, entsteht eine neue Art von
Kapital: das Finanzkapital. Das Finanzkapital ist das miteinander
verwachsene Kapital von Bank- und Industriemonopolen. Die Epoche
des Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals.
Lenin hebt in seiner
Definition des Finanzkapitals drei überaus wichtige Momente
hervor: „Konzentration der Produktion, daraus erwachsende
Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der
Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals
und der Inhalt dieses Begriffs.“ (LW 22, S. 230)
Das Verwachsen des
Bankkapitals mit dem Industriekapital äußert sich deutlich in der
Personalunion der Leiter der Bank- und Industriemonopole. Ein und
dieselben Personen stehen an der Spitze der großen
Monopolvereinigungen im Bankwesen, in der Industrie, im Handel und
in anderen Zweigen der kapitalistischen Wirtschaft.
In jedem
kapitalistischen Land halten kleine Gruppen von Großbankiers und
Industriemonopolisten alle lebenswichtigen Zweige der Wirtschaft
in ihren Händen und verfügen über die überwiegende Masse des
gesellschaftlichen Reichtums. Das Wirtschaften der
kapitalistischen Monopole wird unvermeidlich zur Herrschaft der
Finanzoligarchie (das griechische Wort „oligarchia“ bedeutet
„Herrschaft weniger“). Der monopolistische Kapitalismus ist
gekennzeichnet durch die Allgewalt der monopolistischen Trusts und
Syndikate, der Banken und der Finanzoligarchie in den
Industrieländern.
Die Herrschaft der
Finanzoligarchie auf ökonomischem Gebiet wird vor allem durch das
sogenannte „Beteiligungssystem“ ausgeübt. Es besteht darin, dass
ein Großfinancier oder eine Gruppe von Finanzmagnaten die zentrale
Aktiengesellschaft („Muttergesellschaft“) in Händen hält, die an
der Spitze eines Konzerns steht; diese Gesellschaft wiederum
beherrscht durch Besitz entsprechender Aktienpakete mehrere von
ihr abhängige „Tochtergesellschaft“; diese herrschen auf ähnliche
Art über „Enkelgesellschaften“ usw. Mit Hilfe dieses Systems ist
es den Finanzmagnaten möglich, über riesige Summen fremden
Kapitals zu verfügen.
Die Finanzoligarchie
erzielt in Ausnutzung ihrer tatsächlichen Monopolstellung riesige,
ständig wachsende Profite durch Gründungen (das heißt Bildung von
Aktiengesellschaften), Ausgabe von Aktien und Obligationen,
Begebung von Staatsanleihen und vorteilhafte staatliche Aufträge.
Das in den Händen weniger konzentrierte Finanzkapital erhebt von
der Gesellschaft einen immer größeren Tribut.
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1.5. Der Kapitalexport
Für den
vormonopolistischen Kapitalismus mit der Herrschaft der freien
Konkurrenz war der Export von Waren typisch. Für den
imperialistischen Kapitalismus mit der Herrschaft der Monopole ist
der Export von Kapital typisch geworden.
An der Schwelle zum
20. Jahrhundert war in den reichsten Ländern, in denen die
Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hatte, ein
großer Kapitalüberschuss entstanden.
Kapital wird hauptsächlich
aus zwei Gründen „überschüssig“. Erstens setzt das Hunger- und
Bettlerdasein der Massen dem weiteren Wachstum der Produktion
Grenzen. Zweitens bleibt die Landwirtschaft immer mehr hinter der
Industrie zurück und wird überhaupt die Entwicklung der
verschiedenen Wirtschaftszweige ungleichmäßiger. Würde der
Kapitalismus die Landwirtschaft voranbringen und die
Lebenserhaltung der werktätigen Massen verbessern, dann könnte von
einem „Kapitalüberschuss“ nicht die Rede sein. Doch dann wäre der
Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der
Entwicklung und das Hungerdasein der Massen sind die eigentlichen
Bedingungen und Voraussetzungen für diese Produktionsweise. Der
Kapitalüberschuss in den kapitalistisch entwickelten Ländern trägt
somit relativen Charakter. „Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr
wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus
"überreif" geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung
der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen)
ein Spielraum für "rentable" Betätigung fehlt.“ (LW 22, S. 245)
Nach Maximalprofit
jagend strebt das „überschüssige“ Kapital ins Ausland. Kapital
wird vornehmlich in rückständige Länder exportiert, in denen es
wenig Kapital gibt, in denen die Löhne niedrig, die Rohstoffe
billig und die Bodenpreise verhältnismäßig niedrig sind. In diesen
Ländern hat das Monopolkapital die Möglichkeit, riesige Profite zu
erlangen und erlangt sie auch wirklich.
Kapital wird außer
in rückständige auch in industriell entwickelte Länder exportiert.
Dies erfolgt in der Periode einer besonders raschen Entwicklung
solcher Länder, einer Entwicklung, die ein Bedürfnis an Zustrom
von Kapitalien von außen mit sich bringt (zum Beispiel die
Vereinigten Staaten von Amerika vor dem Ersten Weltkrieg), oder
aber in einer Periode, wo sie durch Krieg geschwächt sind
(Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, die westeuropäischen
kapitalistischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg).
Die Kapitalausfuhr
geht in zwei Hauptformen vor sich: in der Form des Leihkapitals
und in der Form des produktiven Kapitals. Export von Leihkapital
findet dann statt, wenn an Regierungen, Städte oder Banken anderer
Länder Anleihen gewährt werden. Export von produktivem Kapital
wird vorgenommen, wenn im Ausland Industriebetriebe errichtet,
Konzessionen aufgenommen oder Eisenbahnlinien gebaut werden, oder
wenn schon bestehende Betriebe in (zum Beispiel durch einen Krieg)
geschwächten Ländern zu einem Spottpreis aufgekauft werden.
Die bürgerlichen
ÖkonomInnen und PolitikerInnen stellen die Kapitalausfuhr als
„Hilfe“ und als „Wohltat“ hin, die die höher entwickelten
kapitalistischen Länder angeblich den zurückgebliebenen Völkern
erweisen. In Wirklichkeit aber führt die Kapitalausfuhr bei der
Beschleunigung der kapitalistischen Entwicklung in den
zurückgebliebenen Ländern gleichzeitig zu allseitiger Knebelung
und Ausplünderung dieser Länder durch die ausländischen Monopole.
Der Kapitalexport hängt eng mit dem Anwachsen des Warenexports
zusammen. Die ausländischen Monopole reißen die Absatzmärkte und
Rohstoffquellen in den Schuldnerländern an sich. Somit ist der
Kapitalexport eine der Grundlagen des imperialistischen
Unterdrückungssystems, bei dem einige wenige reiche
Wuchererstaaten einen großen Teil der Welt ausbeuten. Die Welt
spaltet sich in eine Handvoll Wuchererstaaten und in die ungeheure
Mehrheit der Schuldnerstaaten.
Der Kapitalexport
zeitigt für die Länder, die Kapital exportieren, ernste Folgen.
Diese Länder vervielfachen einerseits ihren Reichtum und festigen
ihre Position auf dem Weltmarkt. Sie erhalten von außen einen
ständigen Zustrom von Mehrwert in Gestalt der Anleihezinsen oder
in Form des Profits der im Ausland befindlichen Betriebe.
Andererseits aber stagniert häufig die Entwicklung der eigenen
Industrie des Landes, das Kapital exportiert. Eine der wichtigsten
Folgen der Kapitalausfuhr ist das Anwachsen der Konkurrenz
zwischen den Mächten, ist der Kampf um die günstigsten
Kapitalanlagesphären.
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1.6. Die ökonomische Aufteilung der Welt unter die
Kapitalistenverbände – Die internationalen Monopole
Mit dem Anwachsen
der Kapitalausfuhr und der Erweiterung der ausländischen
Verbindungen und „Einflusssphären“ der größten Monopole entstanden
die Voraussetzungen für die Aufteilung des Weltmarkts unter diese
Monopole. Es bilden sich internationale Monopole.
Internationale
Monopole sind Abmachungen zwischen den größten Monopolen der
verschiedenen Länder über die Aufteilung der Märkte, die
Preispolitik und den Umfang der Produktion. Die Bildung
internationaler Monopole bedeutet eine neue Stufe in der
Konzentration der Produktion und des Kapitals, die unvergleichlich
höher ist als die bis dahin erreichte.
Die VerteidigerInnen
der internationalen Monopole versuchen sie als Instrumente des
Friedens hinzustellen, sie versichern, die internationalen
Abmachungen der Monopolisten seien dazu angetan, die zwischen den
imperialistischen Gruppen und Ländern entstehenden Widersprüche
auf friedlichem Wege beizulegen. Solche Behauptungen haben mit der
Wirklichkeit nichts gemein. Tatsächlich erfolgt die ökonomische
Aufteilung der Welt durch die internationalen Monopole
entsprechend der Stärke der beteiligten Seiten; das
Kräfteverhältnis zwischen den einzelnen monopolistischen Gruppen
verändert sich aber. Jede dieser Gruppen kämpft ständig um die
Erhöhung ihrer Quote und die Erweiterung der Sphäre der
monopolistischen Ausbeutung. Veränderungen im Kräfteverhältnis
bewirken unvermeidlich eine Verschärfung der Widersprüche zwischen
den verschiedenen Gruppen und den sie unterstützenden Staaten. Die
internationalen Abmachungen der Monopolisten haben unbeständigen
Charakter und sind eine Quelle unvermeidlicher Zusammenstöße.
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1.7. Die Beendigung der territorialen Aufteilung der Welt unter
die Großmächte und der Kampf um ihre Neuaufteilung
Neben der
ökonomischen Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände
und im Zusammenhang mit ihr vollzieht sich die territoriale
Aufteilung der Welt unter die bürgerlichen Staaten, tobt der Kampf
um Kolonien und die Eroberung fremder Länder.
Kolonien sind
Länder, die keine staatliche Selbständigkeit haben und Besitzungen
imperialistischer Staaten, der Metropolen, darstellen. In der
Epoche des Imperialismus gibt es außerdem – und natürlich
vermehrt, seit das klassische Kolonialsystem weitgehend überwunden
ist – noch verschiedene Typen abhängiger Länder oder Halbkolonien.
Halbkolonien werden Länder genannt, die zwar formal selbständig,
in Wirklichkeit aber politisch und ökonomisch von
imperialistischen Staaten abhängig sind.
Die VerteidigerInnen
der Bourgeoisie stellen die imperialistische Herrschaft über die
Kolonien als „zivilisatorische Mission“ hin, die, wie sie sagen,
die rückständigen Völker auf den Weg des Fortschritts und der
selbständigen Entwicklung geleiten soll. In Wirklichkeit aber
verdammt der Imperialismus die kolonialen und abhängigen Länder zu
ökonomischer Abhängigkeit und Hunderte Millionen von Menschen
dieser Länder zu unerhörter Unterdrückung und Knechtschaft, zu
Rechtlosigkeit und Elend, Hunger und Unwissenheit. Der
Kapitalismus ist, wie Lenin ausführte, aus einem Befreier der
Nationen, der er in der Zeit des Ringens mit dem Feudalismus war,
in seinem monopolistischen Stadium zum größten Unterdrücker der
Nationen geworden.
Der Imperialismus
ist ein die ganze Welt umfassendes System der finanziellen
Knebelung und kolonialen Unterdrückung der gewaltigen Mehrheit der
Erdbevölkerung durch eine Handvoll entwickelter kapitalistischer
Länder.
Am Anfang des 20.
Jahrhunderts war die Aufteilung der Welt beendet. Die
Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder hatte zur Folge, dass
alle noch nicht von imperialistischen Staaten besetzten Gebiete
erobert wurden. „Freie“ Gebiete gab es nicht mehr; es war eine
Lage entstanden, in der die Eroberung eines neuen Gebiets
bedeutet, dieses seinem Besitzer wegzunehmen. Die Beendigung der
Aufteilung der Welt setzte den Kampf um ihre Neuaufteilung auf die
Tagesordnung. Der Kampf um die Neuaufteilung der schon
aufgeteilten Welt bildet eines der Grundmerkmale des
monopolistischen Kapitalismus. Dieser Kampf wird schließlich zum
Kampf um die Weltherrschaft und führt unvermeidlich zu
imperialistischen Kriegen.
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1.8. Zusammenfassung
Der Imperialismus oder monopolistische Kapitalismus ist das
höchste und letzte Stadium in der Entwicklung der kapitalistischen
Produktionsweise. Der Übergang vom vormonopolistischen zum
monopolistischen Kapitalismus vollzog sich während des letzten
Drittels des 19. Jahrhunderts. Am Anfang des 20. Jahrhunderts
hatte sich der Imperialismus endgültig herausgebildet.
Die wichtigsten ökonomischen Merkmale des Imperialismus sind: 1.
Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe
Entwicklungsstufe erreich, dass sie Monopole schafft, die im
Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung
des Bankkapitals mit dem Industriekapital und auf dieser Basis
Entstehung des Finanzkapitals und einer Finanzoligarchie; 3. der
Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders
wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale
monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich
aufteilen; 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die
kapitalistischen Großmächte ist beendet. Die Beendigung der
territorialen Aufteilung der Welt führt zum Kampf um ihre
Neuaufteilung, der unvermeidlich imperialistische Kriege
hervorbringt.
Das ökonomische Grundgesetz des monopolistischen Kapitalismus
besteht in der Sicherung des kapitalistischen Maximalprofits durch
Ausbeutung, Ruinierung und Verelendung der Mehrheit der
Bevölkerung des gegebenen Landes, durch Versklavung und
systematische Ausplünderung der Völker anderer Länder, besonders
der zurückgebliebenen Länder, und schließlich durch Kriege und
Militarisierung der Volkswirtschaft.
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2. Die
historische Bedeutung des monopolistischen Kapitalismus
2.1.
Der
Monopolkapitalismus als letztes Stadium des Kapitalismus
Als Lenin den Platz des
Imperialismus in der Geschichte in bezug auf den Kapitalismus
überhaupt bestimmte, schrieb er: „Der Imperialismus ist ein
besonderes historisches Stadium des Kapitalismus. Diese
Besonderheit ist eine dreifache: Der Imperialismus ist:
monopolistischer Kapitalismus; 2. parasitärer oder faulender
Kapitalismus; 3. sterbender Kapitalismus.“ (LW 23, S. 102)
Der monopolistische
Kapitalismus beseitigt nicht die Grundlagen des alten Kapitalismus
und kann sie auch nicht beseitigen. Er ist in gewissem Sinne ein
Überbau über dem alten, vormonopolistischen Kapitalismus, der
allenthalben mit den vorkapitalistischen Wirtschaftsformen
verknüpft ist. Wie es keinen „reinen Kapitalismus“ gibt und auch
nicht geben kann, so ist auch die Existenz eines „reinen
Imperialismus“ undenkbar. Selbst in den entwickeltsten Ländern
bestehen neben den Monopolen sehr viele Klein- und Mittelbetriebe,
besonders in der Leichtindustrie, in der Landwirtschaft, im Handel
und in anderen Wirtschaftszweigen. In vielen kapitalistischen
Ländern bildet einen erheblichen Teil der Bevölkerung die
Bauernschaft, die in ihrer Masse einfache Warenwirtschaft
betreibt. Die gewaltige Mehrheit der Menschheit lebt in kolonialen
und halbkolonialen Ländern, in denen sich die imperialistische
Unterdrückung mit vorkapitalistischen, besonders mit feudalen
Ausbeutungsformen verflicht.
Eine wesentliche
Besonderheit des monopolistischen Kapitalismus besteht darin, dass
die Monopole neben dem Austausch, dem Markt, der Konkurrenz und
den Krisen existieren. Daraus ergibt sich, dass die ökonomischen
Gesetze des Kapitalismus überhaupt im monopolistischen Stadium des
Kapitalismus voll und ganz in Kraft bleiben, ihr Wirken aber durch
das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus bestimmt
wird. Daher wirken sie mit größerer Zerstörungskraft. So verhält
es sich mit dem Wertgesetz und dem Mehrwertgesetz, mit dem Gesetz
der Konkurrenz und der Anarchie der Produktion sowie mit dem
allgemeinen Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, das die
relative und absolute Verelendung der ArbeiterInnenklasse bedingt
und die Hauptmasse der werktätigen Bauernschaft zu Elend und Ruin
verurteilt, so verhält es sich mit den Widersprüchen der
kapitalistischen Reproduktion und mit den Wirtschaftskrisen.
Die Monopole treiben
die Vergesellschaftung der Produktion bis zur der Grenze, die im
Kapitalismus möglich ist. Die großen und größten Betriebe, in
denen Tausende von Menschen arbeiten, produzieren einen
beträchtlichen Teil der gesamten Erzeugnisse in den wichtigsten
Industriezweigen. Die Monopole verbinden gigantische Betriebe zu
einem Ganzen, verteilen die Absatzmärkte und Rohstoffquellen,
stellen wissenschaftliche Kader in ihren Dienst, eigenen sich
Erfindungen und Vervollkommnungen an. Die Großbanken haben fast
alle Geldmittel des Landes unter ihrer Kontrolle. Die Verbindungen
zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen und deren
wechselseitige Abhängigkeit nehmen in gewaltigem Ausmaß zu. Die
Industrie, die über gigantische Produktionskapazitäten verfügt,
vermag die Masse der produzierten Waren rasch zu vergrößern.
Zugleich aber
bleiben die Produktionsmittel Privateigentum der KapitalistInnen.
Der entscheidende Teil der Produktionsmittel befindet sich in der
Verfügungsgewalt der Monopole. Auf der Jagd nach Maximalprofit
steigern die Monopole den Grad der Ausbeutung der
ArbeiterInnenklasse mit allen Mitteln. Dies bewirkt eine überaus
starke Zunahme der Verelendung der werktätigen Massen und eine
Verringerung ihrer kaufkräftigen Nachfrage.
Somit verschärft die
Herrschaft der Monopole in höchstem Grade den Grundwiderspruch des
Kapitalismus, den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen
Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der
Aneignung der Produktionsergebnisse. Es zeigt sich immer
deutlicher, dass der gesellschaftliche Charakter des
Produktionsprozesses das gesellschaftliche Eigentum an den
Produktionsmitteln erforderlich macht.
In der Epoche des
Imperialismus haben die Produktivkräfte der Gesellschaft einen
solchen Entwicklungsstand erreicht, dass sie sich nicht mehr in
den engen Rahmen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse
einfügen. Der Kapitalismus, der einst als fortschrittliche
Produktionsweise den Feudalismus ablöste, hat sich im
monopolistischen Stadium in eine reaktionäre Kraft verwandelt, die
die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft aufhält. Das
ökonomische Gesetz der unbedingten Übereinstimmung der
Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte
fordert die Ablösung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse
durch neue, durch die sozialistischen Produktionsverhältnisse.
Dieses Gesetz stößt auf den stärksten Widerstand der herrschenden
Klassen, vor allem der monopolistischen Bourgeoisie und der
GroßgrundbesitzerInnen, die die ArbeiterInnenklasse daran hindern
wollen, mit der Bauernschaft ein Bündnis einzugehen und die
bürgerliche Ordnung zu stürzen.
Das hohe
Entwicklungsniveau der Produktivkräfte und der Vergesellschaftung
der Produktion sowie die äußerste Verschärfung aller Widersprüche
der bürgerlichen Gesellschaft zeugen davon, dass der in das letzte
Stadium seiner Entwicklung eingetretene Kapitalismus vollauf reif
geworden ist für die Ablösung durch eine höhere
Gesellschaftsordnung – durch den Sozialismus.
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2.2.
Der
Monopolkapitalismus als parasitärer oder faulender Kapitalismus
Der monopolistische
Kapitalismus ist parasitärer oder faulender Kapitalismus. Die
Tendenz zur Stagnation und Fäulnis ist ein unvermeidliches
Ergebnis der Herrschaft der Monopole, die Maximalprofite zu
erlangen suchen. Da die Monopole die Preise auf dem Markt
diktieren und sie künstlich auf einem hohen Niveau zu halten
vermögen, sind sie durchaus nicht immer an der Anwendung
technischer Neuerungen interessiert. Die Monopole hemmen den
technischen Fortschritt auf Schritt und Tritt; jahrelang halten
sie höchst wichtige wissenschaftliche Entdeckungen und technische
Erfindungen verborgen.
Somit ist den
Monopolen die Tendenz zu Stagnation und Fäulnis eigen und unter
bestimmten Bedingungen gewinnt diese Tendenz die Oberhand. Dieser
Umstand schließt aber keineswegs das verhältnismäßig rasche
Wachstum des Kapitalismus aus. Jedoch geht das Wachstum immer
wieder äußerst ungleichmäßig vonstatten und bleibt immer mehr
hinter den gewaltigen Möglichkeiten zurück, die die moderne
Wissenschaft und Technik bietet.
Die Fäulnis des
Kapitalismus äußert sich im Anwachsen des Parasitismus. Die Klasse
der KapitalistInnen verliert jegliche Beziehung zum
Produktionsprozess. Die Leitung der Betriebe liegt in den Händen
von bezahltem technischen Personal. Die überwiegende Mehrheit der
Bourgeoisie wird zu Rentiers, zu Menschen, die Wertpapiere
besitzen und von den Einkünften aus diesen Papieren (vom
„Kuponabschneiden“) leben. Die parasitäre Konsumtion der
AusbeuterInnenklasse nimmt zu.
Die völlige
Losgelöstheit der Rentierschicht von der Produktion wird durch den
Kapitalexport, durch die Einkünfte aus den Kapitalinvestitionen im
Ausland noch verstärkt. Der Kapitalexport drückt dem ganzen Land,
das von der Ausbeutung der Völker anderer Länder und der (Halb-)Kolonien
lebt, den Stempel des Parasitismus auf. Das ins Ausland
exportierte Kapital bildet einen ständig wachsenden Teil des
Nationalreichtums der imperialistischen Länder, und die Profite
aus diesen Kapitalien machen einen immer größeren Anteil an den
Profiten der KapitalistInnenklasse aus. Lenin nannte den
Kapitalexport daher auch ins Quadrat erhobenen Parasitismus.
Der parasitäre
Charakter des monopolistischen Kapitalismus tritt auch darin
zutage, dass sich eine Reihe bürgerlicher Länder in Rentierstaaten
verwandeln. Mit Hilfe knechtender Anleihen pressen die großen
imperialistischen Länder riesige Profite aus den Schuldnerländern
heraus und unterwerfen sich diese in wirtschaftlicher und
politischer Hinsicht. Der Rentierstaat ist der Staat des
parasitären, faulenden Kapitalismus. Die Ausbeutung der Kolonien
und abhängigen Länder, eine der Hauptquellen für die
Maximalprofite der Monopole, macht ein kleines Häuflein reicher
kapitalistischer Länder zu Schmarotzern am Körper der übrigen
Menschheit.
Der parasitäre
Charakter des monopolistischen Kapitalismus äußert sich auch im
Anwachsen des Militarismus. Ein ständig größer werdender Teil des
Nationaleinkommens, hauptsächlich das Einkommens der Werktätigen,
wird dem Staatshaushalt zugeführt und zur Unterhaltung der Armee,
zur Vorbereitung und zur Führung imperialistischer Kriege
verwendet. Die Militarisierung der Wirtschaft und die
imperialistischen Kriegen, ein der wesentlichsten Methoden zur
Sicherung der Maximalprofite der Monopole, bedeuten zugleich
bestialische Vernichtung unzähliger Menschenleben und ungeheurer
materieller Werte.
Das Zunehmen des
Parasitismus hängt untrennbar mit der Erscheinung zusammen, dass
riesige Menschenmassen der gesellschaftlich nützlichen Arbeit
entzogen werden. Die Arbeitslosenarmee wird immer größer; es
wächst die Anzahl der Menschen, die die AusbeuterInnenklasse
bedienen oder im Staatsapparat bzw. in der unmäßig aufgeblähten
Zirkulationssphäre beschäftigt sind.
Die Fäulnis des
monopolistischen Kapitalismus äußert sich ferner darin, dass die
imperialistische Bourgeoisie aus den Profiten, die ihr die
Ausbeutung der abhängigen Länder einbringt, systematisch eine
kleine Oberschicht der qualifizierten ArbeiterInnen, die
sogenannte Arbeiteraristokratie, durch höhere Löhne und andere
Almosen besticht. Die Arbeiteraristokratie reißt mit Hilfe der
Bourgeoisie die leitenden Posten in den Gewerkschaften an sich;
neben den kleinbürgerlichen Elementen bildet sie den aktiven Kern
der rechts-sozialistischen Parteien und stellt eine ernste Gefahr
für die ArbeiterInnenbewegung dar. Diese Schicht verbürgerlichter
ArbeiterInnen ist die soziale Grundlage des Opportunismus.
Der Opportunismus in
der ArbeiterInnenbewegung ist Anpassung der ArbeiterInnenbewegung
an die Interessen der Bourgeoisie durch Hintertreibung des
revolutionären Kampfes des Proletariats für die Befreiung von der
kapitalistischen Sklaverei. Die OpportunistInnen vergiften das
Bewusstsein der ArbeiterInnen, indem sie den reformistischen Weg
der „Verbesserung“ des Kapitalismus propagieren; sie fordern von
den ArbeiterInnen, dass sie die bürgerlichen Regierungen in ihrer
gesamten imperialistischen Innen- und Außenpolitik unterstützen.
Die OpportunistInnen
sind AgentInnen der Bourgeoisie innerhalb der
AbreiterInnenbewegung. Die OpportunistInnen spalten die Reihen der
ArbeiterInnenklasse und hindern dadurch die ArbeiterInnen, ihre
Kräfte für den Sturz des Kapitalismus zu vereinigen. Darin besteht
eine der wesentlichsten Ursachen, dass die Bourgeoisie in den
meisten Ländern noch weiter an der Macht ist.
Dem
vormonopolistischen Kapitalismus mit der freien Konkurrenz
entsprach die begrenzte bürgerliche Demokratie. Der Imperialismus
mit der Herrschaft der Monopole ist durch die Wendung von der
Demokratie zur politischen Reaktion in der Innen- und Außenpolitik
der bürgerlichen Staaten gekennzeichnet. Politische Reaktion auf
der ganzen Linie ist eine Eigenschaft des monopolistischen
Kapitalismus. Die FührerInnen der Monopole oder ihre Strohmänner
und -frauen nehmen wichtige Posten in den Regierungen
und im ganzen Staatsapparat ein. Unter den Verhältnissen des
monopolistischen Kapitalismus werden die Regierungen nicht vom
Volk, sondern von den Magnaten des Finanzkapitals eingesetzt. Die
reaktionären monopolistischen Cliquen trachten danach, die durch
den beharrlichen Kampf vieler Generationen errungenen
demokratischen Rechte der Werktätigen zunichte zu machen, um die
eigene Macht zu festigen. Dies macht es notwendig, den Kampf der
Massen für Demokratie, gegen Imperialismus und Reaktion auf jede
Weise zu verstärken. Der Kapitalismus und besonders der
Imperialismus machen die Demokratie zu einer reinen Illusion – und
gleichzeitig bringt der Kapitalismus demokratische Bestrebungen in
den Massen hervor, schafft demokratische Institutionen. Verschärft
den Antagonismus zwischen dem die Demokratie negierenden
Imperialismus und den nach Demokratie strebenden Massen.
In der Epoche des
Imperialismus ist der Kampf der breitesten Volksmassen, an deren
Spitze die ArbeiterInnenklasse steht, gegen die von den Monopolen
erzeugte Reaktion von gewaltiger historischer Bedeutung. Von der
Aktivität, der Organisiertheit, der Entschlossenheit der
Volksmassen hängt die Vereitelung der menschenfeindlichen Pläne
der aggressiven Kräfte des Imperialismus ab, die unablässig am
Werk sind, den Völkern neue schwere Leiden und Kriegskatastrophen
zu bereiten.
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2.3.
Der
Monopolkapitalismus als Vorabend der sozialistischen Revolution
Der monopolistische
Kapitalismus ist sterbender Kapitalismus. Das Wirken des
ökonomischen Grundgesetzes des modernen Kapitalismus verschärft
alle Widersprüche des Kapitalismus, treibt sie bis zur äußersten
Grenze, jenseits deren die Revolution beginnt. Die wichtigsten
dieser Widersprüche sind die folgenden drei.
Erstens, der
Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital. Die Herrschaft der
Monopole und der Finanzoligarchie in den kapitalistischen Ländern
bewirkt, dass sich die Ausbeutung der werktätigen Klassen
verstärkt. Die schroffe Verschlechterung der materiellen Lage und
die verstärkte politische Unterdrückung der ArbeiterInnenklasse
rufen deren wachsende Empörung hervor, bringen eine Verschärfung
des Klassenkampfes zwischen Proletariat und Bourgeoisie mit sich.
Unter diesen Bedingungen erweisen sich die alten Methoden des
ökonomischen und des parlamentarischen Kampfes der
ArbeiterInnenklasse als völlig unzureichend. Der monopolistische
führt die ArbeiterInnenklasse an die sozialistische Revolution als
die einzige Rettung heran.
Zweitens, der
Widerspruch zwischen den imperialistischen Mächten. Im Kampf um
Maximalprofite prallen die Monopole der verschiedenen Länder
aufeinander, wobei sich jede KapitalistInnengruppe durch Eroberung
von Absatzmärkten, Rohstoffquellen und Kapitalanlagesphären die
Vorherrschaft zu sichern trachtet. Der erbitterte Kampf zwischen
den imperialistischen Ländern um Einflusssphären führt
unvermeidlich zu imperialistischen Kriegen, die die Position des
Kapitalismus überhaupt schwächen und die sozialistische Revolution
näher bringen.
Drittens, der
Widerspruch zwischen den unterdrückten Völkern der Kolonien und
abhängigen Länder und den sie ausbeutenden imperialistischen
Mächten. Infolge der Entwicklung des Kapitalismus in den Kolonien
und Halbkolonien verstärkt sich die nationale Befreiungsbewegung
gegen den Imperialismus. Die Kolonien und abhängigen Länder
verwandeln sich aus einer Reserve des Imperialismus in eine
Reserve der proletarischen Revolution.
Diese
Hauptwidersprüche kennzeichnen den Imperialismus als sterbenden
Kapitalismus. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Kapitalismus
von selbst abstirbt, durch „automatischen Zusammenbruch“, ohne den
entschlossenen Kampf der von der ArbeiterInnenklasse geführten
Volksmassen für die Beseitigung der Herrschaft der Bourgeoisie. Es
bedeutet nur, dass der monopolistische Kapitalismus jenes
Entwicklungsstadium des Kapitalismus ist, in dem die proletarische
Revolution zur praktischen Notwendigkeit geworden ist und günstige
Bedingungen für den direkten Sturm auf die Festen des Kapitalismus
herangereift sind. Daher kennzeichnet Lenin den Imperialismus als
den Vorabend der sozialistischen Revolution.
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2.4.
Der
staatsmonopolistische Kapitalismus
In der Epoche des
Imperialismus ist die gesamte Tätigkeit des bürgerlichen Staates,
der die Diktatur der Finanzoligarchie darstellt, allein den
Interessen der herrschenden Monopole untergeordnet.
Mit der Verschärfung
der Widersprüche des Imperialismus bemächtigen sich die
herrschenden Monopole in immer stärkerem Maße der unmittelbaren
Leitung des Staatsapparates. Immer häufiger bekleiden große
Kapitalmagnaten leitende Funktionen im Staatsapparat. Der
monopolistische Kapitalismus wird zum staatsmonopolistischen
Kapitalismus. Bereits der Erste Weltkrieg beschleunigte und
verschärfte diesen Prozess ganz außerordentlich.
Der
staatsmonopolistische Kapitalismus besteht darin, dass sich die
kapitalistischen Monopole den Staatsapparat unterordnen und ihn
zur Einmischung in die Wirtschaft des Landes benutzen (besonders
im Zusammenhang mit ihrer Militarisierung), um sich Maximalprofite
zu sichern und die Allgewalt des Finanzkapitals zu festigen. Dabei
gehen einzelne Betriebe, Zweige und Wirtschaftsfunktion zeitweise
in die Hände des Staates über (Versorgung mit Arbeitskräften und
Mangelrohstoffen, Bau von Rüstungsbetrieben, Finanzierung der
Militarisierung der Wirtschaft usw.), ohne dass die Herrschaft des
Privateigentums an den Produktionsmitteln angetastet wird.
Die Monopole nutzen
die Staatsmacht aus, um die Konzentration und Zentralisation des
Kapitals aktiv zu fördern und die Macht und den Einfluss der
großen Monopole zu verstärken: der Staat zwingt die selbständigen
UnternehmerInnen mit besonderen Maßnahmen, sich den
Monopolvereinigungen zu unterwerfen; im Krieg erfolgt eine
Zwangskonzentration der Produktion durch Schließung vieler Klein-
und Mittelbetriebe. Im Interesse der Monopole setzt der Staat
einerseits hohe Zölle auf Importwaren fest und fördert
andererseits den Export von Waren, indem er den Monopolen die
Ausfuhrzölle zahlt und ihnen die Eroberung neuer Märkte mittels
des Dumpings erleichtert.
Die Monopole
bedienen sich des Staatshaushalts zur Ausplünderung der
Bevölkerung des eigenen Landes mit Hilfe der Steuern und zur
Erlangung von Staatsaufträgen, die ihnen ungeheure Profite
bringen. Der bürgerliche Staat zahlt den großen Unternehmen unter
dem Vorwand der „Förderung der wirtschaftlichen Initiative“
riesige Summen als Subventionen. Droht einem Monopolbetrieb die
Gefahr des Bankrotts, so gibt ihm der Staat die Mittel zur
Abdeckung der Verluste; die Steuerschulden des Monopols an den
Staat werden abgeschrieben.
Die Entwicklung des
staatsmonopolistischen Kapitalismus nimmt besonders in der Periode
der Vorbereitung und Führung imperialistischer Kriege zu. Lenin
nannte den staatsmonopolistischen Kapitalismus ein „Zuchthaus für
die Arbeiter“ und ein Paradies für die KapitalistInnen. Die
Regierungen der imperialistischen Länder erteilen den Monopolen
riesige Aufträge zur Lieferung von Waffen, Ausrüstungen und
Lebensmitteln, bauen auf Kosten des Staates Rüstungsbetriebe, die
sie den Monopolen übergeben, und legen Kriegsanleihen auf.
Zugleich wälzen die bürgerlichen Staaten alle Lasten der Rüstung
auf die Werktätigen ab. Alles dies bringt den Monopolen ungeheure
Profite.
Die Entwicklung des
staatsmonopolistischen Kapitalismus führt erstens zu einer
weiteren Beschleunigung der kapitalistischen Vergesellschaftung
der Produktion, die die materiellen Voraussetzungen für die
Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus schafft. Lenin
wies darauf hin, dass der staatsmonopolistische Kapitalismus die
vollständige materielle Vorbereitung des Sozialismus ist.
Die Entwicklung des
staatsmonopolistischen Kapitalismus bringt zweitens eine Zunahme
der relativen und absoluten Verelendung des Proletariats mit sich.
Mit Hilfe der Staatsmacht steigern die Monopole den Grad der
Ausbeutung der ArbeiterInnenklasse, der Bauernschaft und breiter
Schichten der Intelligenz auf jede Weise, was unvermeidlich eine
erheblich Verschärfung der Gegensätze zwischen den Ausgebeuteten
und den AusbeuterInnen sowie eine Verstärkung des Kampfes des
Proletariats und der anderen Schichten der Werktätigen für die
Vernichtung des Kapitalismus nach sich zieht.
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2.5. Zusammenfassung
Der Imperialismus ist ein besonderes und das letzte Stadium des
Kapitalismus. Er ist 1. monopolistischer Kapitalismus, 2.
faulender oder parasitärer Kapitalismus und 3. sterbender
Kapitalismus, der Vorabend der sozialistischen Revolution.
Die Fäulnis und der Parasitismus des monopolistischen Kapitalismus
äußern sich darin, dass die Monopole den technischen Fortschritt
und das Wachstum der Produktivkräfte aufhalten, dass sich eine
Reihe bürgerlicher Länder in Rentierstaaten verwandeln, die von
der Ausbeutung der Völker der abhängigen Länder leben. Die Fäulnis
und der Parasitismus äußern sich ferner im Wüten des Militarismus,
im Anwachsen der parasitären Konsumtion der Bourgeoisie, in der
reaktionären Innen- und Außenpolitik der imperialistischen Staaten
und in der Bestechung einer kleinen Oberschicht der
ArbeiterInnenklase durch die Bourgeoisie der imperialistischen
Länder. Die Fäulnis des Kapitalismus verstärkt die Verelendung der
ArbeiterInnenklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft.
Durch das Wirken
des ökonomischen Grundgesetzes des modernen Kapitalismus
verschärfen sich die drei Hauptwidersprüche des monopolistischen
Kapitalismus aufs äußerste: 1. der Widerspruch zwischen Arbeit und
Kapital, 2. der Widerspruch zwischen den imperialistischen
Mächten, die um die Vorherrschaft und letzten Endes um die
Weltherrschaft kämpfen, und 3. der Widerspruch zwischen den
Metropolen und den abhängigen Ländern der Peripherie. Der
Imperialismus führt das Proletariat dicht an die sozialistische
Revolution heran.
Der staatsmonopolistische Kapitalismus ist Unterordnung des
Staatsapparats unter die kapitalistischen Monopole zur Sicherung
der Maximalprofite und zur Festigung der Herrschaft der
Finanzoligarchie. Der staatsmonopolistische Kapitalismus als die
höchste Stufe der kapitalistischen Vergesellschaftung der
Produktion bewirkt eine weitere Verschärfung der Ausbeutung der
ArbeiterInnenklasse, der Verelendung und Ruinierung der breiten
werktätigen Massen. Der staatsmonopolistische Kapitalismus ist die
letzte Phase des Imperialismus und schafft die unmittelbaren
materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus.
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