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Zur Phase des staatsmonopolistischen Kapitalismus

von Martin Müller und Tibor Zenker

 

 

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1. Einleitung

Ebenso wie der Kapitalismus der freien Konkurrenz unweigerlich Aktiengesellschaften, Trusts, Monopole und die Herrschaft des Finanzkapitals – also den Imperialismus – hervorbringen muss, so benötigt dieser Monopolkapitalismus zu seiner Aufrechterhaltung der Verschmelzung ökonomischer Monopol- und politischer und militärischer Staatsmacht. Die Weiterentwicklung des Monopolkapitalismus bringt unweigerlich den staatsmonopolistischen Kapitalismus hervor – es sind die Bedürfnisse wie die Zwänge des Monopolkapitals, die dies bedingen. Das heißt, der monopolistische Kapitalismus, der im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts den Kapitalismus der freien Konkurrenz abgelöst hat, bedarf also zu seiner weiteren Aufrechterhaltung der Vereinigung der ökonomischen Macht der Monopole mit der politischen des imperialistischen Staates. Die entstandene Verschmelzung, der staatsmonopolistische Kapitalismus, stellt die einheitliche Macht im Interesse höchster Monopolprofite und der Sicherung der imperialistischen Herrschaft und Ausbeutung in Form einer weiteren Entfaltung des Monopols dar. Der staatsmonopolistische Kapitalismus ist also die Entwicklungsphase des Monopolkapitalismus, in der der Monopolisierungsprozess durch die Verflechtung der Macht der Monopole mit der des imperialistischen Staates auf die Spitze getrieben wird. Der staatsmonopolistische Kapitalismus bringt die dem Wesen des kapitalistischen Monopols entspringende Tendenz zur Beherrschung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens im Kapitalismus voll zur Entfaltung und verstärkt den parasitären, faulenden, menschenfeindlichen und sterbenden Charakter des Imperialismus. Dies macht den Stamokap auch zur letzten Phase des imperialistischen Stadiums des Kapitalismus, zur unmittelbaren Vorstufe des Sozialismus, in der die materiellen Bedingungen für die soziale Revolution des Proletariats voll ausreifen. Der Stamokap selbst zeichnet sich durch das zweckmäßige Verwachsen der Monopolverbände der großen Konzerne mit den staatlichen Organen aus. Dadurch entsteht eine effiziente politisch-ökonomische Herrschaftsstruktur, die alle Bereiche durchdringt. Darüber hinaus kennzeichnen die Mechanismen des Stamokap die durch die staatliche Absicherung gesteigerte Machtposition der Großunternehmen, die wechselseitige Einflussnahme von Politik und Wirtschaft, die im Interesse eben der Monopole geschieht, sowie die Tendenz zum Ausbau der Staatsgewalt in eine verstärkt autoritäre Richtung, die mit der Militarisierung im Inneren wie nach außen, mit Aggression und Reaktion, verknüpft ist.

Es war W. I. Lenin, der den Begriff des „staatsmonopolistischen Kapitalismus" geprägt und in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht hat. Aufbauend auf den Erkenntnissen von Marx und Engels erfolgten die theoretische Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus und die inhaltliche Erarbeitung der Grundlagen der Stamokap-Theorie auf Basis einer umfassenden Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus und seiner Entwicklungstendenzen durch Lenin. Lenin schreibt im 1917 veröffentlichten Nachwort zu seinem älteren Werk „Das Agrarprogramm der Sozialdemokratie", dass der Erste Weltkrieg „den monopolistischen Kapitalismus in einen staatsmonopolistischen Kapitalismus verwandelte." Hier steht erstmals das neue Wort für den bereits zuvor v.a. von Engels teilweise inhaltlich umrissenen Begriff – soweit im Rahmen einer wissenschaftlichen Vorgehensweise eben möglich. Es wäre jedoch falsch und auch völlig absurd, hier irgendeine punktuelle „Geburtsstunde" der Stamokap-Theorie definieren zu wollen, zumal Lenin selbst ja auch kein „Theorie-System" explizit unter diesem Oberbegriff zusammengefasst hat. Natürlich müssen Analyse und Strategie Lenins, die ja anhand konkreter Ereignisse analog zur Realität entstanden, in einer fortlaufenden Entwicklung verstanden werden. Es gilt, die Positionen ständig zu überprüfen und die politische und gesellschaftliche Situation mit größtmöglicher und objektiver Genauigkeit festzustellen, um die marxistische Taktik auf der einzig festen Grundlage, auf die sie stets gegründet sein muss, aufzubauen, auf der Grundlage der Tatsachen. Festhalten können wir jedenfalls, dass die zentralen Dokumente aus Lenins Feder, wie z.B. seine Werke „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" und „Staat und Revolution", in den Jahren 1917 bzw. 1918 erstmals veröffentlicht wurden. Ebenso wenig darf der Fehler gemacht werden, Lenin losgelöst von Marx und Engels zu sehen, ist doch die Lenin’sche Etappe des Marxismus die einzige konsequente Weiterführung des wissenschaftlichen Sozialismus in einer Zeit, in der andere wichtige DenkerInnen wie z.B. Karl Kautsky, Otto Bauer oder Georgi Plechanow theoretisch und praktisch falsche Wege beschritten. Lenin verweist auch schon auf die zentrale Bedeutung dieser Entwicklung für den Weg zum Sozialismus. Dieser ist nämlich „nichts anderes als der nächste Schritt vorwärts," er ist ein „staatskapitalistisches Monopol, das zum Nutzen des ganzen Volkes angewandt wird und dadurch aufgehört hat, kapitalistisches Monopol zu sein." (LW 25, S. 369) Lenin greift folgerichtig die Einschätzung, die bereits Marx über die Entwicklung des durch eine „Finanzoligarchie" geprägten Monopolkapitalismus getroffen hat, wieder auf und stellt fest, dass der Imperialismus in seiner staatsmonopolistischen Phase „charakterisiert werden muss als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus." (LW 22, 307) Das soll für uns als SozialistInnen das Hauptinteresse ausmachen, nämlich die Tatsache, dass dem staatmonopolistischen Kapitalismus innewohnende Potenzial und die materiellen Voraussetzungen, die in Richtung Sozialismus weisen, „denn das Monopol ... bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation." (LW 22, S. 304)

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2. Die Herausbildung des Stamokap

„Durch die Zerschlagung der Kleinproduktion bewirkt das Kapital eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Schaffung einer Monopolstellung der Vereinigungen der Großkapitalisten. Die Produktion selbst wird immer mehr zur gesellschaftlichen Produktion – Hunderttausende und Millionen von Arbeitern werden zu einem planmäßigen Wirtschaftsorganismus zusammengefasst – das Produkt der gemeinsamen Arbeit aber eignet sich eine Handvoll Kapitalisten an. Es wachsen die Anarchie der Produktion, die Krisen, die tolle Jagd nach Märkten, die Existenzunsicherheit für die Masse der Bevölkerung. Die kapitalistische Ordnung, die die Abhängigkeit der Arbeiter vom Kapital steigert, schafft gleichzeitig die gewaltige Macht der vereinigten Arbeit." (LW 9, S. 6 f.) So fasst Lenin kurz und bündig die Vorgänge im modernen Kapitalismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen, diese Entwicklung führte schließlich zur vollen Entfaltung des monopolistischen Kapitalismus – des Imperialismus – als staatsmonopolistischer Kapitalismus. Die Herausbildung der staatsmonopolistischen Phase des Imperialismus ist als Prozess zu verstehen, der mit dem Ersten Weltkrieg einsetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Abschluss findet. Aber der Reihe nach – wie steht es inhaltlich um die Herausbildung zunächst des Monopolkapitalismus? Lenin schreibt: „Der Imperialismus erwuchs als Weiterentwicklung und direkte Fortsetzung der Grundeigenschaften des Kapitalismus überhaupt. Zum kapitalistischen Imperialismus aber wurde der Kapitalismus erst auf einer bestimmten, sehr hohen Entwicklungsstufe, als einige seiner Grundeigenschaften in ihr Gegenteil umzuschlagen begannen, als sich auf der ganzen Linie die Züge einer Übergangsperiode vom Kapitalismus zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation herausbildeten und sichtbar wurden. Ökonomisch ist das Grundlegende in diesem Prozess die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzt, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, dass daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten." (LW 22, S. 269 f.) Konkret umreißt Lenin die Bedingungen des Imperialismus nun mit den folgenden Punkten: „1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals’; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist." (LW 2, S. 270 f.) Dies sind auch die zentralen Gegebenheiten des heutigen Kapitalismus, auch der staatsmonopolistische Kapitalismus ist und bleibt nichts anderes als aggressiver und repressiver Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium. Am grundlegenden Charakter des Stamokap ändern auch weitgehende Planmäßigkeit der Produktion sogar im internationalen Rahmen und ein zeitweise auftretender wesentlicher Anteil verstaatlichter Bereiche in der Wirtschaft nichts. Vielmehr geht daraus nur hervor, dass hier die Keime einer höheren ökonomischen Ordnung angelegt sind, denn der staatsmonopolistische Kapitalismus ist nichts weiter als die höchste Stufe und die letzte Phase des Imperialismus. Die Vereinigung von ökonomischer Monopol- und politischer Staatsmacht hat diese Prinzipien nun teilweise gewandelt, teilweise verstärkt. Umgekehrt erwächst der staatsmonopolistische Kapitalismus als unabdingbare Notwendigkeit eben auch auf Basis dieser materiellen historischen Begebenheiten, seine Herausbildung ist schlussendlich auf die dialektisch-materialistischen Entwicklungsgesetze, derer sich die kapitalistische Produktionsweise nicht entziehen kann, zurückzuführen. Die konkreten ursächlichen Begründungszusammenhänge für die Herausbildung des staatsmonopolistischen Kapitalismus bedingen und durchdringen einander natürlich und sind daher auch nicht immer klar voneinander zu trennen, grob können wir aber sagen, dass dafür 1. die Verschärfung des kapitalistischen Grundwiderspruchs im monopolistischen Kapitalismus, 2. der imperialistischen Kampf um die Vorherrschaft sowie 3. die allgemeine Krise des Kapitalismus aufgrund der Verschärfung der zyklischen Krisen, aufgrund der Weltkriege und der unmittelbaren Konfrontation mit dem Sozialismus verantwortlich sind. In der Konfrontation mit den Widersprüchen des imperialistischen Stadiums des Kapitalismus erweist sich die Verschmelzung von monopolistischer ökonomischer und staatlicher Macht für die Bourgeoisie zunächst offensiv wie defensiv zwar als zweckmäßig, doch die „Dialektik der Geschichte ist gerade die, dass ... die Umwandlung des monopolistischen Kapitalismus in den staatsmonopolistischen Kapitalismus ... die Menschheit dem Sozialismus außerordentlich nahe gebracht hat." (LW 25, S. 370)

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3. Kernaussagen der Stamokap-Theorie

3.1. Die Grundbedingungen des Stamokap

Die mit dem Ersten Weltkrieg initiierte Entwicklung war also nachhaltig imstande, „einerseits den Gang der Weltgeschichte ungeheuer zu beschleunigen und andererseits weltumfassende Krisen, wirtschaftliche, politische, nationale und internationale Krisen von ungeahnter Intensität hervorzurufen." (LW 23, S. 313) Die Monopole benötigen nun den Staat mit seinem umfassenden Macht- und Unterdrückungsapparat, mit seinen Potenzen zur Zentralisation materieller und finanzieller Mittel zur Regulierung des Wirtschaftslebens im nationalen und internationalen Maßstab, zur Sicherung einer hohen Kapitalverwertung zu Lasten der Werktätigen, um die Errungenschaften des wissenschaftlich-technischen Fortschritts zur Stärkung ihrer Position im Kampf gegen den Sozialismus (im historischen Kontext also auch konkret in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion) und zur Erhöhung ihrer Profite zu nutzen, um die ArbeiterInnenklasse mit raffinierteren und besser getarnten Mitteln als bisher auszubeuten und unter ihrer Kontrolle zu halten, um die vom Kolonialjoch befreiten Völker in neokolonialistischer Manier beherrschen und ausplündern zu können, sowie um im Kampf gegen die Monopole anderer Staaten zu bestehen. Die Bourgeoisie hat ihre Gefährdung durch die „schlechte politische Hülle des Kapitalismus" mit dem staatsmonopolistischen Kapitalismus vorerst überwunden, und bedient sich nun umfassend und durchdringend der „denkbar besten Hülle", nämlich des Staates. „Daher begründet das Kapital, nachdem es ... von dieser besten Hülle Besitz ergriffen hat, seine Macht derart zuverlässig, derart sicher, dass kein Wechsel, weder der Personen noch der Institutionen noch der Parteien der bürgerlich-demokratischen Republik, diese Macht erschüttern kann." (LW 25, S. 405)

In der Vereinigung der Macht der Monopole mit der Macht des imperialistischen Staates zu einem Herrschaftsmechanismus zur Sicherung hoher Monopolprofite, zur Rettung der kapitalistischen Ordnung und zum Kampf gegen die revolutionären Kräfte besteht also das grundsätzliche Wesen des staatsmonopolistischen Kapitalismus, er ist die „Vereinigung der Riesenmacht des Kapitalismus mit der Riesenmacht des Staates zu einem einzigen Mechanismus." (LW 24, S. 401) Unter diesen Bedingungen, der höchsten Form des bürgerlichen Staates, „übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber umso sicherer aus. Einerseits in der Form der direkten Beamtenkorruption, ... andrerseits in der Form der Allianz von Regierung und Börse [heute: Banken; Anm.], die sich um so leichter vollzieht, je mehr die Staatsschulden steigen und je mehr Aktiengesellschaften nicht nur den Transport, sondern auch die Produktion selbst in ihren Händen konzentrieren und wiederum in der Börse ihren Mittelpunkt finden." (MEW 21, S. 167) Durch die Vereinigung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates wird die Monopolisierung auf die Spitze getrieben. Indem die Monopole die ökonomischen und politischen Machtpotenzen des Staates zur Sicherung ihrer Reproduktion und Kapitalverwertung mobilisieren, wird der ihrem Wesen entspringende Drang zur absoluten Beherrschung des wirtschaftlichen und politischen Lebens in der kapitalistischen Gesellschaft noch umfassender durchgesetzt. Die neue Qualität der Monopolisierung im staatsmonopolistischen Kapitalismus bedeutet also, dass die wachsende finanzkapitalistische Monopolmacht staatliche Züge erhält, der staatsmonopolistische Kapitalismus ist jene Stufe des Monopolkapitalismus, die infolge ihres erreichten hohen Niveaus der Vergesellschaftung und der Monopolisierung die Einbeziehung des Staates in alle Bereiche, Phasen und Ebenen des ökonomischen und sozialen Reproduktionsprozesses der Gesellschaft erforderlich macht und dementsprechende Strukturen der Verflechtung der Institutionen und Apparate des bürgerlichen Staates mit jenen der monopolistisch beherrschten Wirtschaft und der Monopole unmittelbar herausbildet. Die Grundzüge der Monopolherrschaft, wie Aufhebung der freien Konkurrenz, Erzielung von Monopolprofit, monopolistische Konzentration und Zentralisation sowie internationale Expansion, erhalten durch die Vereinigung der Macht der Monopole mit der Macht des Staates also eine staatliche Absicherung.

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3.2. Die Rolle der Großunternehmen

Charakteristisch für den staatsmonopolistischen Kapitalismus ist neben der unmittelbaren Verflechtung von Politik und Wirtschaft vor allem also die bestimmende Rolle der Großunternehmen. Lenin beschreibt „die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer" als „grundlegende Besonderheit des jüngsten Kapitalismus." (LW 22, S. 264) Diether Dehm und Horst Heininger stellen das Ausmaß der umfassenden Machtposition der transnationalen Konzerne – wie es sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts darstellt – folgendermaßen dar: „Der transnationale Aktionsradius der Konzerne und der unregulierte Kapitaltransfer schaffen eine politische Allmacht, die eine noch nie da gewesene Globaldiktatur aufschimmern lässt. Wer Standorte gegeneinander ausspielen kann, wer darüber entscheidet, wo Betriebe ausgebaut oder geschlossen, wo Arbeitsplätze erhalten oder vernichtet werden, welche Währung steigt und welche ruiniert wird, welcher Tropenwald zur Wüste, welches Gebiet durch Hunger, Bürgerkrieg oder Seuchen entvölkert wird – der kann die eigenen Interessen politisch und militärisch, auf der Erde und im All durchsetzen." (taz, 6.10.2001) In jeder Branche spielt nur eine kleine Anzahl großer Unternehmen eine bedeutende Rolle, diese Unternehmen nehmen tatsächlich eine umfassend dominierende Stellung auf globaler Ebene ein. Im folgenden eine Übersicht über die größten transnationalen Konzerne, ihre Beschäftigungszahlen und ihre Umsätze.

Tabelle: Die größten transnationalen Konzerne (Umsätze in Mrd. US-Dollar) 

Unternehmen

Staat

Branche

Umsatz

Beschäftigte

ExxonMobil

USA

Öl, Petrochemie

206,083

97.900

Wal-Mart Stores

USA

Handel

191,329

1.300.000

General Motors

USA

Fahrzeugbau

184,632

386.000

Ford Motor Company

USA

Fahrzeugbau

170,058

350.117

DaimlerChrysler

D

Fahrzeugbau

152,446

416.501

Royal Dutch Shell

GB/NL

Öl, Petrochemie

149,146

95.365

British Petroleum

GB

Öl, Petrochemie

148,062

107.200

General Electric

USA

Elektronik

129,853

313.000

Toyota Motor Corp.

JAP

Fahrzeugbau

125,575

210.709

Chevron Texaco

USA

Öl, Petrochemie

117,095

69.265

Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) – World Investment Report 2002

Die Umsätze dieser Konzerne erreichen Größenordnungen, die dem Gesamt-BIP von ganzen Staaten gleichkommen. Unter den 100 größten Wirtschaftsmächten sind mittlerweile mehr Unternehmen als Staaten. Der größte Konzern, General Motors, folgt laut einer Rangliste, die das „Institute for Policy Studies" (Washington D.C.) im Jahr 2000 erstellt hat, nur knapp hinter Österreich (21.) und unmittelbar vor Dänemark (24.), DaimlerChrysler auf Platz 28 lässt mit seinen 400.000 Angestellten Polen (29.) mit seinen rund 40 Millionen EinwohnerInnen hinter sich. Die beiden Schweizer Unternehmen Nestlé (86.) und Credit Suisse (88.) setzten 1999 gemeinsam knapp 100 Milliarden US-Dollar um, was beinahe 40% des BIPs der Schweiz (18.) entsprach. Der Anteil der 200 größten Unternehmen an der globalen Wirtschaftsleistung betrug im selben Jahr 27%, wobei sich hier wiederum eine bezeichnende 50:50-Teilung zwischen den 10 größten TNCs und den folgenden 190 beobachten lässt. Die Prinzipien dieser Relationen, die die Machtposition der Großunternehmen beeindruckend unterstreichen, werden weiterhin kontinuierlich verstärkt.

Innerhalb dieser Gruppe der Großunternehmen ist eine kontinuierliche Konzentration und Zentralisation des Kapitals und die daraus folgende weiter fortschreitende Konzentration der Produktion zu beobachten. Zusammenschlüsse großer Konzerne zu noch größeren, zumeist transnationalen Unternehmen stehen auf der Tagesordnung. Als aktuellere Beispiele wären etwa die Fusionen (z.T. in Wirklichkeit eher simple Übernahmen) von Daimler-Benz und Chrysler, von British Petroleum und Amoco, von Vodafone und Mannesmann, von Hewlett-Packard und Compaq, von Pfizer und Pharmacia oder von AOL und Time-Warner zu nennen. In dieses Schema passen auch – um auch österreichische Unternehmen anzuführen – die Übernahme der Bank Austria durch die deutsche HypoVereinsbank oder der Billa-Märkte durch den REWE-Konzern ebenso wie z.B. umgekehrt die fortlaufende weltweite Expansion des Baustoffkonzerns Wienerberger, der in seinem Bereich inzwischen zum „Global Player" avanciert ist. Die wirklich großen Fusionen spielen sich freilich in ganz anderen finanziellen Dimensionen ab. Das Jahr mit dem größten „Gesamtumsatz" bezüglich Fusionen und Übernahmen war bislang 1999 mit insgesamt 3,6 Billionen US-Dollar. (Financial Times, 28.1.2000) Es darf jedoch damit gerechnet werden, dass dieser „Rekord" nicht allzu lange halten wird. Dass ausgerechnet WorldCom, jenes Unternehmen, das aus der größten Fusion dieses Jahres hervorging, im Sommer 2002 für die größte Firmenpleite in der Geschichte der USA sorgte, verdeutlicht die Aggressivität der Auseinandersetzung zwischen den Großunternehmen, die nicht nur zu immer größeren Fusionen oder Übernahmen, sondern unweigerlich auch zu immer größeren Insolvenzen führen muss.

Karl Marx wies im „Kapital" auf diese Entwicklung hin, die sich abzeichnet „durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich ... die planmäßige Ausbeutung der Erde, ... die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes." (MEW 23, S. 790) Die fortlaufende Marktkonzentration und Zentralisation kann man am Beispiel des österreichischen Bankensektors zeigen. Die folgende Statistik belegt recht deutlich, worin der Charakter dieser Entwicklung, die sich zuletzt durch die Übernahme der PSK durch die BAWAG manifestierte, besteht. Die wenigen marktbeherrschenden Institute bauen ihre Vormachstellung weiter aus, auch innerhalb der „Top-10" der mächtigsten Institute ist zu beobachten, wie sich die Marktanteile kontinuierlich zugunsten der größten Banken verschieben. Lenin dazu: „In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Instituten entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an." (LW 22, S. 214)

Tabelle: Marktkonzentration im österreichischen Bankensektor

 

Marktanteil 1998

Marktanteil 1999

Marktanteil 2000

Marktanteil 2001

Top-10 KI

57,5

59,4

67,2

69,3

Top-5 KI

49,0

50,5

59,3

60,7

Top-4 KI

45,0

46,3

56,4

57,5

Top-3 KI

40,8

42,2

49,9

49,9

Top-2 KI

35,7

36,7

42,0

41,8

 Quelle: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Am Beispiel der bereits angesprochenen Übernahme der Bank Austria durch die HypoVereinsbank kann man die durch fortlaufende Fusionen und Übernahmen geprägte Entwicklungen auf transnationaler Ebene exemplarisch nachvollziehen. Fünf ursprünglich voneinander unabhängige österreichische und deutsche Institute wurden binnen 10 Jahren schlussendlich in einer international agierenden Hand vereinigt:

Tabelle: Fusionen und Übernahmen im österreichischen und bayrischen Bankensektor

1990

Länderbank

Zentralsparkasse

Creditanstalt BV

Hypothekenbank

Bay. Vereinsbank

1991

Z-LB Bank Austria

Creditanstalt BV

Hypothekenbank

 Bay. Vereinsbank

1997

Bank Austria - CA

Bayerische HypoVereinsbank

2000

HypoVereinsbank Gruppe

Damit entstand die drittgrößte Bankengruppe Europas mit einer Bilanzsumme jenseits von 600 Milliarden US-Dollar und über 70.000 Angestellten. Die HypoVereinsbank ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für die Entwicklung und Rolle des Finanzkapitals, dessen Entstehungsgeschichte Lenin mit den Worten „Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie" (LW 22, S. 229) umreißt. Lenin zitiert dazu weiters Rudolf Hilferding, wenngleich er ansonsten wahrlich nicht überall mit ihm inhaltlich übereinstimmt: „Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muss die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital. Das Finanzkapital ist also Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen" (Das Finanzkapital, Wien 1910, S. 301). So auch bei der HypoVereinsbank, deren Beteiligungen und Verflechtungen – im Sinne obiger Definition Hilferdings – tatsächlich unterschiedlichste Bereiche umfassen, u.a. ist sie z.B. auch Mehrheitseigentümerin des bereits erwähnten Bausstoffunternehmens Wienerberger, hält bzw. hielt beträchtliche Anteile am Elektronikkonzern Grundig oder der Münchener Spaten-Brauerei und beteiligt sich global – vornehmlich in Entwicklungsländern – an Kraftwerksprojekten und im Bergbau. Auf der anderen Seite herrscht auch eine wechselseitige Beziehung mit der Münchener Rück-Versicherung, die einen großen Teil (25%) der Aktien der HypoVereinsbank besitzt.

Scheinbar grotesker Weise wird jedoch zur Zeit nicht zuletzt die HypoVereinsbank selbst als Übernahmekandidatin am Bankensektor gehandelt. Dies gründet sich auf die unvermindert aggressive Expansionspolitik und den daraus entstehenden Druck amerikanischer, britischer, französischer und Schweizer Banken, aber auch nicht zuletzt der Deutschen Bank. Die Summen, die von Seiten des Kapitals der Industrieländer jährlich für transnationale Unternehmensübernahmen aufgewendet werden müssen, erreichen folgerichtig mittlerweile astronomische Höhen und steigen dennoch weiterhin an:

Tabelle: Ausgaben für grenzüberschreitende Unternehmensübernahmen (in Mrd. US-$)

Region/Staat

1997

1998

1999

EU-15

142,1

284,4

497,7

USA

80,9

137,4

112,4

Japan

2,7

1,3

9,8

Industrieländer

272

511,4

677,3

Quelle: UN Conference on Trade and Development – World Investment Report 2000

Die Großunternehmen stehen grundsätzlich in einem widersprüchlichen Verhältnis aus Konkurrenz und Kooperation zueinander, wodurch sie innerhalb ihrer eigenen Systematik zwingend „eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte" erzeugen, denn die „Monopole beseitigen nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr." (LW 22, S. 270) So sind wesentliche Charakteristika des staatsmonopolistischen Kapitalismus einerseits die (auf anderer Ebene) fortgesetzte Auseinandersetzung zwischen den Unternehmen innerhalb des Monopols und natürlich zwischen dem Monopolkapital verschiedener Staaten sowie andererseits die zielgerichtete Kooperation und Verständigung unter den Monopolen bezüglich der Verteilung von Absatzgebieten, Festsetzung von Preisen und Mengen der zu erzeugenden Produkte, sowie über Vereinbarungen über Verkaufsbedingungen und Zahlungstermine, was nicht zuletzt auch wieder negative Auswirkungen auf die Situation der ArbeiterInnen – z.B. in Form der Verstärkung des (internationalisierten) Lohndrucks und der Gefährdung von Arbeitsplätzen – hat. Wenn von der Einschränkung oder gar Aufhebung der freien Konkurrenz durch die Monopolisierung die Rede ist, so bezieht sich das auf die Konkurrenz unter den Unternehmen, aber natürlich keineswegs auf jene unter den ArbeiterInnen, was ja auch eine Grundvoraussetzung der kapitalistischen Lohnarbeit ist. Die Konkurrenz unter den ArbeiterInnen wird gezielt und kontinuierlich verschärft auf Basis der Möglichkeiten internationaler Monopole und der Internationalisierung der Produktion.

Durch ihre große Marktmacht aufgrund ihres Charakters verfügen die Großunternehmen nicht erst im staatsmonopolistischen Kapitalismus über wesentliche Rentabilitätsvorteile gegenüber anderen kleineren Unternehmen, wodurch – wie bereits angesprochen – „die freie Konkurrenz ... die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb", dass sie kontinuierlich „den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte." (LW 22, S. 270) Diese so von Lenin beschriebene Entwicklung führte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zur Herausbildung der Macht der Monopole und erfährt aber bis heute aufgrund der kapitalistischen Entwicklungsgesetze eine ständige Prekarisierung, denn eine größere Konzentration des Kapitals beschleunigt die Aufsaugung kleinerer Unternehmen und umgekehrt: die Zentralisation verstärkt die Akkumulation des individuellen Kapitals und verschärft somit den Prozess der Konzentration.

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3.3. Die staatliche Einflussnahme auf die Wirtschaft

Von primärer Notwendigkeit für das „Funktionieren" des staatsmonopolistischen Kapitalismus sind staatliche Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise, aber auch in die kapitalistische Reproduktion. Diese Regulierungen – die freilich immer im Sinne der Monopole geschehen – manifestieren sich in der staatlichen Steuerpolitik, in Subventionen und Investitionen, in der Erteilung staatlicher Aufträge, durch Exportrückvergütungen sowie durch die Verteilungs- und Sozialpolitik. Nur durch diese staatlichen Einflüsse noch gewährleistet, den kapitalistischen Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung zu entschärfen und zu verschleiern und somit das System als Ganzes aufrechtzuerhalten. Der Staat muss zunehmend in den Reproduktionsprozess eingreifen. Der Anteil am Nationalprodukt, den der Staat umverteilt, und das Ausmaß der öffentlichen Finanzierung ist ständig gewachsen und wird weiter wachsen. Die Intervention ist jetzt nicht mehr zufällig, auf Einzelperioden beschränkt oder nur von außen bedingt, sondern sie wird Normalzustand und dringt auch mehr und mehr in die unmittelbare Kapitalverwertung vor. Gerade unter den Bedingungen der fortgesetzten wissenschaftlich-technischen Revolution sind trotz des immensen Reichtums der Großunternehmen zwecks Erhaltung deren Verwertungsbedingungen staatliche Ausgaben erforderlich, um kostenintensive produktivitätssteigernde Investitionen der Großunternehmen mitzufinanzieren (etwa „Standortsicherung" durch Steuererleichterungen oder Subventionen). Als Beispiel dafür, in welch geradezu bizarrer Weise und in welchem Ausmaß der Staat für optimale Bedingungen für die Konzerne sorgt, ist die folgende Tabelle geeignet. Sie gibt eine Untersuchung der AK Oberösterreich von 1998 wieder und zeigt, wie einige ausgewählte Großunternehmen in Österreich unter Ausnützung aller von staatlicher Seite in ihrem Sinne geschaffenen „Gestaltungsmöglichkeiten" (Wertberichtigungen, Investitionsfreibeträge etc.) schlussendlich von immensen Millionengewinnen ausgehend Steuern zahlen, die sich nur im Promillebereich und somit weniger tausend Euro bewegen.

Tabelle: Gewinnsteuern ausgewählter Großunternehmen in Österreich (Beträge in Euro)

Unternehmen

Jahresüberschuss

Gewinnsteuern

Prozent

Immuno AG (Baxter)

16,6 Mio.

950

0,01

Steyrermühl

15,4 Mio.

2.335

0,02

Spar

18 Mio.

30.875

0,18

Lauda Air

3,3 Mio.

23.942

0,72

Ericsson Austria AG

6,3 Mio.

208.599

3,3

Quelle: AK Oberösterreich

Wenn wir bedenken, dass die Steuerbelastung bei einem mittleren Bruttoeinkommen eines/einer ArbeitnehmerIn von monatlich etwa 1.600 € zum Zeitpunkt obiger Erhebungen (1998) ca. 11,5 % ausmacht, dann erkennen wir schon recht deutlich, dass die staatliche Steuerpolitik für eine Umverteilung von „unten nach oben" sorgt.

Zum anderen muss – eben angesichts eines zwingend eintretenden Dilemmas für das Kapital und dann auch den Staat – über staatliche Nachfragepolitik für eine Kompensation des Rückgangs der Binnennachfrage gesorgt werden, der mit der monopolistischen Aneignung gesellschaftlichen Reichtums verbunden ist: Denn die Konjunktur und das Durchschnittseinkommen mögen in manchen Ländern zwar steigen – die ungerechte Verteilung des Reichtums wird jedoch kontinuierlich noch ungerechter, was gleichsam eine Gesetzmäßigkeit im Kapitalismus darstellt. „Der Reichtum wächst in der kapitalistischen Gesellschaft mit unglaublicher Geschwindigkeit – zugleich mit der Verelendung der Arbeitermassen." (LW 18, S. 405) Marx erklärt dies mit dem allgemeinen Gesetz der kapitalistischen Akkumulation, das in antagonistischer Weise konkreter Ausdruck der Wirksamkeit des ökonomischen Grundgesetztes des Kapitalismus – des Mehrwertgesetzes – ist: „Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert." MEW 23, S. 675)

Zur Veranschaulichung im Folgenden eine Statistik, die zeigt, wie sich das theoretisch errechnete Durchschnittseinkommen pro Kopf und Jahr in der Realität jeweils auf die reichsten und die ärmsten 20% der Bevölkerung aufteilt. Vom mathematischen Mittelwert ausgehend verteilt sich das tatsächliche Einkommen unverhältnismäßig zugunsten der ohnehin bereits reicheren Bevölkerungsschichten, der Graben zwischen Arm und Reich wird kontinuierlich breiter, obwohl die Durchschnittslöhne scheinbar steigen. Diese Tatsache gründet sich wie gesagt als absolute Notwendigkeit innerhalb der Logik kapitalistischer Verhältnisse und ist innerhalb dieses Rahmens auch nicht lösbar. Diese ganze Polarisierung, die ungleichmäßige Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, hat freilich auch eine internationale Ebene, es besteht ein deutliches Gefälle zwischen den kapitalistischen Zentren, den entwickelten Industriestaaten (v.a. EU, USA, Japan) und den Entwicklungsländern, der „Peripherie", was sich die KapitalistInnenklasse – wie bereits dargelegt – ebenfalls zunutze macht.

Tabelle: Jahreseinkommen pro Kopf in ausgewählten Staaten (Beträge in US-Dollar)

Region, Staat oder  Staatengruppe

durchschnittliches Einkommen/Kopf

Einkommen der reichsten 20%

Einkommen der ärmsten 20%

Europäische Union

19.619,2