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Zu den Ansätzen eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

 

>> Zwei Einwände gegen den geschlechtergerechten Sprachgebrauch

>> Praktische Beispiele eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

>> Wortbildungen und Formulierungen im Singular

>> Wortbildungen und Formulierungen im Plural

>> Pronomen und der Sonderfall "man"

>> Diskriminierende Bezeichnungen

>> Schlussbemerkung

 

 

Die Fragen nach Sinn, Bedeutung und Möglichkeiten eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs bleiben bis heute umstritten – auch in der politischen Linken. Wir wollen uns daher diesen Fragestellungen widmen und im Folgenden aufzeigen, wie einige brauchbare Leitlinien aussehen könnten. Beginnen möchten wir aber mit der Behandlung von zwei oft gehörten „Argumenten“ von Gegnerinnen (die gibt es auch) und Gegnern eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs.

 

Zwei Einwände

„Haben wir keine anderen Probleme?“ – Die haben wir gewiss. Doch als SozialistInnen müssen wir wissen, dass einzelne Widersprüche und Gegensätze im Kapitalismus sich nicht grundsätzlich in eine Schlange der Notwendigkeiten reihen lassen. Widersprüche, die neben dem kapitalistischen Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit bestehen, lösen sich nicht mit diesem en passant. Sie haben von diesem unabhängige Komponenten, die auch unabhängig und konkret bekämpft werden müssen. Zwar geben wir uns nicht der Illusion hin, dass der Geschlechtergegensatz im Rahmen des Kapitalismus tatsächlich überwunden werden kann, aber auch in der Frage der Frauenemanzipation und -befreiung gilt, dass unmittelbare Verbesserungen in der bürgerlichen Gesellschaft erreicht werden können, die sodann auch die materiellen Voraussetzungen für die Überwindung jeglicher Ungleichheit und jeglicher Unterdrückung des Menschen durch den Menschen sein werden. Daher kann auch hier kaum gegeneinander abgewogen werden, denn es gilt, auf allen Ebenen alle Ressourcen allen Fragestellungen zu widmen – dies nicht zuletzt deshalb, weil sie eben zusammen zu guter letzt einen gesellschaftlichen Kontext ergeben, der in seiner Gesamtheit zu überwinden ist. 

„Das bewirkt doch nichts!“ – Kein Mensch wird so naiv sein, zu glauben, dass über die Veränderung der Sprache allein jene materiellen Veränderungen erfolgen, die zur Gleichheit der Geschlechter führen. Doch es ist keineswegs eine idealistische Herangehensweise, diesbezüglich einen Beitrag zu erwarten. Die Gesellschaft materialistisch-dialektisch zu erklären, bedeutet nicht, alles auf einer Einbahnstraße aufgrund der ökonomischen Basis zu erklären, sondern die Beziehung zwischen Basis und Überbau eben dialektisch, d.h. interaktiv zu fassen. Das bedeutet, dass hier eine wechselseitige Beziehung herrscht, von der Marx und Engels ja nur sagten, dass die Basis das in letzter Instanz bestimmende Element sei – dies heißt aber eben nicht, dass es keine Rückwirkung gibt. Somit ist die Sprache nicht nur ein Produkt, eine Widerspiegelung der materiellen Bedingungen der Gesellschaft, sondern sie selbst reproduziert diese. Es besteht die Möglichkeit, in die Reproduktion einzugreifen. Zwar bestimmt das Sein das Bewusstsein, doch ermöglicht die eine oder die andere Bewusstwerdung dem Menschen die Veränderung seines Seins. Der Mensch ist nicht ausgeliefertes und wehrloses Opfer seines Seins, sondern er selbst ist das gestaltende Subjekt, wenn er sich dessen bewusst ist. Und jede Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Menschen ergreift. Die Propagierung und die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache ist kein Selbstzweck, sondern ein aktiver Teil der Bewusstseinsbildung, die wiederum dazu befähigt, Materielles zu schaffen.

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>> Thema: Frauen

 

Praktische Beispiele eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

Im Folgenden möchten wir anhand einiger Beispiele und Fragestellungen aufzeigen, wie ein geschlechtergerechter Sprachgebrauch funktionieren kann. Es geschieht dies in gedrängter Form und manches muss einstweilen unbehandelt bleiben. Dennoch mögen diese gängigsten Fragestellungen nachzeichnen, worin es im Kern geht: um Sichtbarkeit, Bewusstsein und Dekonstruktion männlich dominierter Strukturen auf allen Ebenen und in allen Bereichen. 

Welche sind nun die geläufigsten Problemstellungen in der Frage des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs? Am häufigsten sind wir heute mit Formulierungen konfrontiert, die vorgeben, in der männlichen Form die weibliche zu inkludieren. Dies ist auch dann abzulehnen, wenn etwa zu Beginn eines Textes explizit angeführt wird, dass im Folgenden die männlichen Formen das weibliche Geschlecht „mitmeinen“. Dieses vorgebliche „Mitmeinen“ kann nun sowohl im Singular wie im Plural von Wörtern bzw. Formulierungen der Fall sein.

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>> Thema: Frauen

 

Wortbildungen und Formulierungen im Singular 

Gang und Gebe ist etwa, dass Politiker (und manchmal auch Politikerinnen) die gewagte Behauptung aufstellen, „der Wähler wird entscheiden“ – das tut er wohl nicht, denn die Mehrheit der österreichischen Wahlbevölkerung ist weiblich. 

Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass es notwendig ist, die Geschlechter explizit zu benennen. Das bedeutet für Singular-Formulierungen, die sich an beide Geschlechter richten oder beide einschließen sollen, dass auch das weibliche Geschlecht explizit anzuführen ist. Somit müsste – wenn wir bei obigem Beispiel bleiben – die Formulierung „die Wählerin und der Wähler“ gewählt werden. Eine andere Möglichkeit wäre, dies zu verkürzen und „die/der WählerIn“ zu verwenden. Von selbst versteht sich, dass immer der korrekte Artikel zu verwenden ist, dies ist auch bei neutralen Wörtern zu beachten: also z.B. „die Werktätige“ oder „der Werktätige“. Analog gilt dies natürlich bei unbestimmten Artikeln, hier besteht bei manchen Wörtern sogar die Möglichkeit des weiteren Verkürzens, als z.B. statt „eine Wählerin oder ein Wähler“ einfach „einE WählerIn“ zu schreiben und somit neben dem großen „I“ auch das große „E“ anzuwenden. 

Offensichtlich ist freilich, dass die Verkürzung nur für den niedergeschriebenen Text, nicht aber für die gesprochene Sprache möglich ist, wenn Missverständnisse vermieden werden sollen. Darüber hinaus gilt im Singular-Fall wohl, dass die Verkürzung mitunter nur bei konkretem Platzmangel sinnvoll ist, da zumindest mit dem doppelten Artikel die Lesbarkeit eines Textes nicht unbedingt erhöht wird. Daneben gibt es auch Ausnahmen, so z.B. den Fall „Arzt und Ärztin“ – „ÄrztIn“ erscheint eher weniger zielführend. Ähnliches kann sich bei Fremdwörtern ergeben: „Magistra und Magister“. Wenn möglich sollte also der ersten Variante (vollständige Paarform) der Vorzug gegeben werden, wobei es durchaus zu begrüßen ist, die weibliche Form zuerst zu nennen und beide Formen sodann je nachdem durch ein „und“ oder ein „oder“ zu verknüpfen. Diese Reihung hat nichts mit „Höflichkeit“ („Ladies first“ oder Ähnliches...) zu tun, sondern basiert auf dem Gedanken, dass eine gesellschaftlich gegebene Vorrangstellung des Mannes gegenüber der Frau nicht auch noch schriftlich reproduziert werden soll. 

Daneben gibt es Wörter, die grundsätzlich einen geschlechtstragenden Charakter haben – z.B. den „Fachmann“. Hier ist es durchaus richtig, von der „Fachfrau“ zu sprechen. Ebenso sind Konstrukte wie die „Frau Landeshauptmann“, wie sich das die ÖVP-Politikerin Klasnic vorstellt, abzulehnen – wir bevorzugen sowieso die Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ;-)

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>> Thema: Frauen

 

Wortbildungen und Formulierungen im Plural 

Wesentlich häufiger als die Singular-Problematik ist der Fall, im Plural die Frauen angeblich „mitzumeinen“. Dies ist zum Beispiel der Fall in dem Aufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ – natürlich wollten Marx und Engels hier die Proletarierinnen nicht ausschließen, aber auch sie waren freilich Kinder ihrer Zeit. Grundsätzlich gibt es in diesen Fällen nun die Möglichkeit, entweder das Geschlecht sichtbar zu machen oder es zu neutralisieren. 

Wenn wir beim Beispiel der „Proletarier“ bleiben und als Synonym die „Arbeiter“ heranziehen, dann wäre letzteres der Fall, wenn im Plural etwa von „Arbeitenden“ gesprochen würde. Diese Neutralisierung bleibt jedoch nur zweite Wahl und ist so gesehen bei längeren Texten hin und wieder als Alternative zu verwenden. Grundsätzlich ist der Sichtbarmachung der Vorzug zu geben. 

Somit liegt für die gesprochene Sprache auf der Hand, dass von „Arbeiterinnen und Arbeitern“ zu sprechen ist – dies wird als „vollständige Paarform“ oder „Splitting“ bezeichnet. Diese Formulierung ist grundsätzlich auch für geschriebene Texte heranzuziehen, freilich wird in der Praxis häufig auf „ArbeiterInnen“ verkürzt, was durchaus ebenso legitim und oft auch sinnvoller ist. Anzumerken ist, dass das große Binnen-„I“ aufgrund der grammatikalischen „Falschheit“ bislang freilich noch auf weniger Akzeptanz stößt. So ist etwa klar, dass es sich z.B. in wissenschaftlichen Arbeiten auf Universitätsebene erst durchsetzen muss. Das bedeutet aber nicht, dass wir darauf verzichten, sondern dass wir für die Anerkennung eintreten müssen. Je öfter etwas verwendet wird, desto eher wird es auch akzeptiert. 

Um wieder Grenzfälle, bei denen die weibliche Form nicht nur im Anhängen des „-innen“ besteht, anzusprechen, möchten wir abermals die MedizinerInnen heranziehen. Wenn wir die Formulierung „ÄrztInnen“ verwenden, dann fällt zwar das „e“ der Ärzte unter den Tisch, dies erscheint uns aber als erlässlich. Die Form „ÄrztInnen“ ist in Ordnung. Hingegen würden wir z.B. empfehlen, die in der Landwirtschaft tätigen Menschen nicht in einem Wort zu verkürzen, sondern eben von „Bäuerinnen und Bauern“ zu sprechen. 

Es gilt Analoges bezüglich der Pluralbildung übrigens auch für zusammengesetzte Wörter, wobei hier logischerweise immer die Variante mit dem großen „I“ zu verwenden ist – also z.B. „ArbeiterInnenklasse“. Sollten hier allzu „komplexe“ Wörter entstehen, so z.B. für die „Sklavenhaltergesellschaft“ sodann „SklavInnenhalterInnengesellschaft“, so kann in Betracht gezogen werden, sinnvolle Umformulierungen vorzunehmen. In diesem Fall z.B. „SklavInnen haltende Gesellschaft“ oder „auf SklavInnenarbeit basierende Gesellschaft“. 

Geschlechtergerecht zu formulieren ist nicht unbedingt das Gleiche wie geschlechtsneutral zu formulieren. Damit hat auch der Plural mit dem großen „I“ aus unserer Sicht inhaltliche Grenzen. So ist es freilich sinnvoll und richtig, auch bei aus sozialistischer Sicht negativ besetzten Personengruppen wie z.B. „UnternehmerInnen“ das große „I“ beizubehalten, aber z.B. in bezug auf das Dritte Reich von „NationalsozialistInnen“ zu sprechen, drängt sich vor dem historischen Hintergrund und dem Charakter des reaktionären und konkret antifeministischen NS-Regimes nicht unbedingt auf. Dies ist aber ein Punkt, der keinen Anspruch auf Grundsätzlichkeit erhebt und auch anders gehandhabt werden kann, zumal es zu unterschiedlichen historischen Begebenheiten auch unterschiedliche Ansichten gibt.

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Pronomen und der Sonderfall „,man“ 

Wie ist es mit Pronomen? Hier sind diverse Formulierungen zu vermeiden und durch andere zu ersetzen. Anstatt z.B. einfach nur „jeder“ zu schreiben gibt es einerseits logischerweise die Möglichkeit „jede und jeder“ zu schreiben, oder aber ganz anders zu formulieren. Im Fall von „jeder“ (noch viel mehr gilt dies für „jedermann“) könnte einerseits „jeder Mensch“ geschrieben werden oder ganz einfach eine Formulierung mit „alle“ gefunden werden. 

Grenzfälle sind wohl die Worte „jemand“ und „niemand“. Hier ist es zwar nicht mehr so offensichtlich, aber dennoch ist hier das Wort „Mann“ versteckt. Bisweilen wird zu diesen Worten keine Veränderung vorgeschlagen, dennoch erscheint es möglich, z.B. das Wort „niemand“ durch „kein Mensch“ zu ersetzen oder andere kreative Umformulierungen vorzunehmen. 

Deutlicher tritt die Herkunft des Wortes „man“ aus dem Wort „Mann“ hervor. Dieses Wort erscheint unbedingt als ein zu ersetzendes. Es gibt diesbezüglich verschiedene Möglichkeiten. 

Je nach dem Inhalt des jeweiligen Satzes kann dieser entweder in eine Passivform umgewandelt werden, oder aber es besteht die sinngemäße Möglichkeit, statt vom unpersönlichen „man“ von „wir“ zu sprechen oder in einer direkten Ansprache die Anredeformen „du“ oder „Sie“ zu verwenden. 

Ebenfalls üblich – aber etwas umstrittener – ist die Möglichkeit, statt „man“ einfach ein kleingeschriebenes „frau“ zu verwenden (wenn nur Frauen gemeint sind) oder dem „man“ dieses „frau“ voranzustellen (wenn beide Geschlechter gemeint sind, also „frau/man“). Im letzteren Fall wir manchmal das „man“ auch durch „mensch“ (ebenfalls kleingeschrieben) ersetzt – auch das ist nicht allzu anerkannt, aber auch dies erscheint uns möglich. 

Grundsätzlich dürfte aber die Variante der kompletten Umformulierung die sinnvollste sein, sofern nicht durch eine der letztgenannten Möglichkeiten etwas Bestimmtes hervorgehoben werden soll.

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Diskriminierende Bezeichnungen 

Völlig klar ist, dass Formulierungen die herabwürdigend oder diskriminierend empfunden werden, abzulehnen sind. So sollte z.B. nicht von einem „schönen“ oder „schwachen Geschlecht“ gesprochen, sondern diese mehr oder minder „poetischen“ Umschreibungen auf den Punkt gebracht werden – das Wort heißt „Frauen“. 

Ebenfalls zu vermeiden sind etwa die übersteigerte Bezeichnung „Dame“ oder die patriarchale Verniedlichung des „Fräuleins“ – dies ist ein „junge Frau“ und sonst nichts. 

Bisweilen ergibt sich Derartiges auch in älteren zusammengesetzten Wörtern, die auf -fräulein, -mädchen oder -schwester enden, so z.B. beim „Dienstmädchen“. Auch das ist zu beachten. 

Manche Herabwürdigungen ergeben sich auch aus dem Kontext: Wenn z.B. die männlichen ORF-Sportkommentatoren zum 100. Mal von den „österreichischen Ski-Mädchen“ sprechen, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu den „Ski-Häschen“ oder „Haserln“ – und dann grüßen eh schon die Playboy-Bunnies...

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Schlussbemerkung 

Obige Vorschläge behandeln nur einige Aspekte und decken nur ein gewisses Spektrum der Möglichkeiten ab – sie sind davon entfernt, in irgendeiner Weise eine vollständige Sammlung von Formulierungen, von unmittelbaren Schablonen zu sein. Es ist dies aber eine Anleitung zu Handeln. Anhand der gängigsten „Probleme“ sind die Lösungswege nachgezeichnet. Es liegt an jedem einzelnen Menschen, den zugrunde liegenden Gedanken der Gleichberechtigung und v.a. des Sichtbarmachens von Frauen zu verinnerlichen und in der Praxis eigenständig und auch kreativ anzuwenden.

 
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