Vorweg muss gesagt sein, dass uns die tausenden
Toten, Verletzen und Verstümmelten nach den Terroranschlägen in New
York und Washington am 11.9.2001 sehr wohl
betroffen machen und wir als Sozialistinnen und Sozialisten
Terrorismus grundsätzlich ablehnen. Vor allem weil sicher auch in
diesem Fall mehr als 99,99% der Opfer nicht für die imperialistische
Außenpolitik der USA verantwortlich gemacht werden können. Somit sind
diese Anschläge aufs Schärfste zu verurteilen.
Dennoch läuft derzeit eine Kettenreaktion ab, die in absolut keinem
Zusammenhang mit geopolitischen und kriminalistischen Realitäten
steht, und wir müssen erschüttert bemerken, dass auch viele
Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten daran nicht unbeteiligt sind.
1. Problemfeld:
Täglich sterben mehr Menschen an Folgen der
Außenpolitik der "zivilisierten" Welt als je bei einem Anschlag in
einem dieser "zivilisierten" Länder, sei es durch finanzierte/direkt
geführte Kriege, bewusst in Kauf genommene/herbeigeführte
Umweltkatastrophen, Hungersnöte, Medikamentenengpässe, brutalste
Unterdrückung von Opposition oder Vergeltungsschläge.
2. Problemfeld:
Die Herrschenden in den USA sind zumindest indirekt
verantwortlich für diese Katastrophe, nämlich durch jahrelanges
Finanzieren dieser (urplötzlich als Fanatiker und abgrundtief böse
erkannten) Terroristengruppen und "Schurkenstaaten". Solange diese den
Interessen der USA zuwiderhandelnde bzw. unbeteiligte Menschen
ermorden, ist auch genügend Geld da, diese Verbrecher und Verbrechen
zu finanzieren. (Irak, Afghanistan, Chile, Kambodscha...).
3. Problemfeld:
Die USA werden nach diesen Anschlägen irgendwo (!),
offen oder verdeckt, mit oder ohne stichhaltige(n) Beweisen, irgendwen
dafür verantwortlich machen und zu einem gewaltigen Gegenschlag
ausholen, bei dem sodann sogenannte "intelligente" Bomben und Raketen
exakt die "Schuldigen" treffen. Dass dabei natürlich nahezu
ausschließlich unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu Tode kommen
werden, wird wieder mal keinem unruhige Nächte bescheren. Ob dieser
sogenannte Gegenschlag mit oder ohne UNO-Mandat geschieht, ändert zwar
nichts an den furchtbaren Auswirkungen eines militärischen Vorgehens,
dennoch ist klar, dass - sollte es wie zuletzt beim NATO-Angriffskrieg
auf Jugoslawien wieder zu einem völkerrechtswidrigen Willkürakt der
USA und ihrer Verbündeten kommen - damit eine neue Qualität in der
Weltpolitik institutionalisiert würde.
4. Problemfeld:
Diese Anschläge wird in den nächsten Monaten in
nahezu allen "zivilisierten" Staaten Vorwand sein, die Macht von
Polizei und Armee unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung zu erhöhen,
um damit schärfer als je zuvor gegen Opposition,
Globalisierungsgegnerinnen und -gegner, Immigrantinnen und
Immigranten, Linke, "Schurkenstaaten" etc. vorgehen zu können. Im Zuge
dessen werden längst begraben geglaubte Vorurteile gegenüber kulturell
oder religiös anders orientierten Menschen aus der Versenkung geholt
und zur konkreten Bedrohung stilisiert. Die Panikmache und die
medialen Vorbereitungen sind bereits im Laufen (vgl. Reden Bush,
Schröder und Schüssel, lächerliches Flugverbot über Wien, usw..). Die
verunsicherte und verängstigte Bevölkerung wird diesem Verlust an
Demokratie und Freiheit unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung nur zu
gern zustimmen.
Abschließend kann mensch noch die Frage stellen,
wem diese Anschläge eigentlich nützen. Unserer Ansicht nach nützen sie
bzw. ihre mediale Aufbereitung vor allem der Regierung Bush, sowie
deren Bündnispartnern, Financiers und Nutznießern in den USA und der
ganzen Welt.
Unsere Aufgabe als Sozialistinnen und Sozialisten
muss es daher sein, diese Zusammenhänge deutlich zu machen und
entschieden gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung (namentlich
Kapitalismus) und für Freiheit, Gleichheit und Solidarität (namentlich
Sozialismus) aufzutreten.
Solidarität mit Menschen - Ja!
Solidarität mit imperialistischen Großmächten -
Nein!
Wir fordern daher:
1) Entschiedenes Auftreten der SJ und der SPÖ gegen
Kriege jeder Art (Vergeltungsschläge, Terrorbekämpfung, Peace
Enforcement etc...) mit oder ohne
UNO-Mandat.
2) Entschiedenes Auftreten der SJ und der SPÖ gegen
pauschale Verurteilung von Menschen anderer Religionszugehörigkeit und
Nationalität.
3) Entschiedenes Auftreten der SJ und der SPÖ gegen
den drohenden Überwachungsstaat.
4) Entschiedenes Auftreten der SJ und der SPÖ gegen
die Militarisierung der EU.
5) Für eine aktive Friedenspolitik auf
diplomatischer Basis. Gegen eine weitere Aushöhlung der Neutralität
und einen NATO-(Semi-)Beitritt.