Die Befreiung der Frau und die sozialistische Bewegung


von Tibor Zenker


Es war der französische utopische Sozialist Charles Fourier, der als erster formulierte, dass die Stellung der Frau ein Indikator für die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse sei, er "spricht es zuerst aus, dass in einer gegebenen Gesellschaft der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation ist."[1] Damit wird auch der Zusammenhang angedeutet, der zwischen der Befreiung der Frau und dem Kampf um den Sozialismus besteht. August Bebel stellt fest: "Die Frauenfrage ist ... eine Seite der allgemeinen sozialen Frage ..., sie kann daher ihre endgültige Lösung nur finden durch die Aufhebung der gesellschaftlichen Gegensätze und Beseitigung der aus diesen hervorgehenden Übel."[2] Hier gilt es jedoch, weit verbreiteten Irrtümern, Fehlinterpretationen und Vorurteilen entgegenzutreten: Bebels Aussage bedeutet keineswegs, dass der Sozialismus automatisch zur Befreiung der Frau führt und sich die "Frauenfrage" sozusagen "von selbst" en passant löst. Vielmehr geht es um die Erkenntnis, dass die Frauenfrage nicht für sich alleine und unabhängig gelöst werden kann. Es ist eben nur der Sozialismus, der jene materiellen Vorraussetzungen schafft, die für die Befreiung der Frau, d.h. ihre komplette ökonomische, soziale, rechtliche und kulturelle Gleichstellung, notwendig sind, wie z.B. die Vergesellschaftung der Haus- und Erziehungsarbeit. In Lenins Worten (über das Programm der sozialistischen Revolution): "Eine Selbstverständlichkeit ist die volle Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Gesetzgebung. Auf allen Gebieten zeigt sich das Bestreben, die Gleichberechtigung durchzuführen. Wir gliedern die Frauen in die soziale Wirtschaft, Verwaltung, Gesetzgebung und Regierung ein. Wir öffnen ihnen alle Kurse und Bildungsanstalten, um ihre berufliche und soziale Leistungsfähigkeit zu heben. Wir gründen Gemeinschaftsküchen und öffentliche Speisehäuser, Wasch- und Reparaturanstalten, Krippen, Kindergärten, Kinderheime, Erziehungsinstitute verschiedener Art. Kurz, wir machen Ernst mit unserer programmatischen Forderung, die wirtschaftlichen und erzieherischen Funktionen des Einzelhaushaltes der Gesellschaft zu übertragen. Dadurch wird die Frau von der alten Haussklaverei und jeder Abhängigkeit vom Manne erlöst. Es wird ihr je nach Begabung und Neigung volles Wirken in der Gesellschaft möglich. (...) Wir wissen sehr gut, ... dass es noch bei weitem nicht alles zu ihrer tatsächlichen Befreiung ist. (..) Es ist ein guter Anfang in der rechten Richtung."[3] Lenin spricht hier einerseits die nach der sozialistischen Revolution zu schaffenden Bedingungen an, die die Voraussetzungen für die Befreiung der Frau sein werden. Andererseits spricht er auch klar aus, dass mit dem Sozialismus diese Befreiung nicht mit einem Schlage vollzogen sein kann - vielmehr handelt es sich um einen fortlaufenden Prozess, der mit aller Energie aktiv vorangetrieben werden muss und der auch eine Reihe von Widersprüchen und Widerstand zu überwinden haben wird. Dennoch ist klar, dass erst die Veränderung der materiellen Basis die Möglichkeit zur Umgestaltung aller gesellschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen liefern kann. Clara Zetkin erklärt, warum das so sein muss: "Soll die Frau volle Gleichberechtigung mit dem Manne erhalten - in Wahrheit und in der Tat und nicht bloß mit toten Gesetzestexten auf geduldigem Papier -, soll sie wie der Mann freie Entwicklungs- und Auswirkungsmöglichkeiten für ganzes Menschentum gewinnen, so müssen zwei Hauptbedingungen erfüllt werden: Das Privateigentum an den Produktionsmitteln ist aufzuheben und durch das Gesellschaftseigentum zu ersetzen; die Tätigkeit der Frau ist der gesellschaftlichen Gütererzeugung in einer ausbeutungs- und knechtschaftslosen Ordnung einzugliedern. Nur die Verwirklichung dieser beiden Bedingungen schließt es aus, dass die Frau entweder als Weib oder Mutter in der Familie in wirtschaftliche Abhängigkeit vom Manne gerät oder aber infolge des Klassengegensatzes zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten als Proletarierin und Berufstätige im Betrieb unter der wirtschaftlichen Knechtschaft und Ausbeutung durch den Kapitalisten fällt, dass durch einseitige, übersteigerte Anforderungen, sei es der Hauswirtschaft und Mutterschaft, sei es der Berufstätigkeit, wertvollste Kräfte und Gaben verkümmern und eine harmonische Verbindungen beider Pflichtkreise unmöglich gemacht wird."[4] Somit ist auch klar, dass eine wirklich konsequent emanzipatorische Frauenbewegung von einem klaren proletarischen Klassenstandpunkt und nicht von abstrahierten "allgemeinen Fraueninteressen" ausgehen muss. Zielsicherer und radikaler Feminismus ist im Klassenkampf nicht neutral und steht daher schlussendlich auch zwingend im Widerspruch zur bürgerlichen Frauenbewegung, die aufgrund ihrer ökonomischen Bedingungen objektiv andere Interessen verfolgt. Rosa Luxemburg stellt dazu fest: "Die Frauen der besitzenden Klassen werden stets fanatische Verteidigerinnen der Ausbeutung und Knechtung des arbeitenden Volkes bleiben, von der sie aus zweiter Hand die Mittel für ihr gesellschaftlich unnützes Dasein empfangen. Wirtschaftlich und sozial stellen die Frauen der ausbeutenden Klassen keine selbständige Schicht der Bevölkerung dar. (...) Hingegen sind die Frauen des Proletariats wirtschaftlich selbständig, sie sind für die Gesellschaft produktiv tätig so gut wie die Männer."[5]

Die Frauenbewegung hat im Rahmen des bürgerlichen Staates in den letzten 100 Jahren zwar bereits viel erreicht (Wahlrecht, Hochschulzugang, körperliche Selbstbestimmung etc.), dennoch ist die endgültige Befreiung der Frau innerhalb der Grenzen des Kapitalismus nicht möglich. Ein Standpunkt, den - auch wenn gerade ihre Positionen oft verklärt werden - auch Simone de Beauvoir vertritt: "Ich habe niemals die Illusion genährt, die Bedingung der Frau sei transformierbar; sie ist von der Zukunft der Arbeit abhängig, sie wird nur ernsthaft zu ändern sein um den Preis der Umwälzung der gesamten Produktionsbedingungen."[6] Wiederum heißt dies jedoch keinesfalls, dass wir uns mit der Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht beschäftigen und nur auf den Sozialismus warten müssen. Es ist "nicht möglich, die Frauenbewegung ... hinter die Schlange der Forderungen der Arbeiterbewegung zurückzuzerren oder hinten anzustellen, im Gegenteil: es ist notwendig, dass die Arbeiterbewegung die Forderungen des Feminismus zu den ihren macht."[7] Es war nicht zuletzt Lenin, der wieder und wieder auf die Bedeutung der Fragen des Geschlechterverhältnisses und der Frauenbefreiung hinwies: "Wer von Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Sozialismus redet, ohne diese Fragen zu stellen, ohne sie in den Vordergrund zu rücken, wer nicht gegen das Verbergen, das Verhüllen, das Verschweigen dieser Fragen kämpft, der ist der schlimmste Feind der Werktätigen, der ist ein Wolf im Schafsfell, der ist der schlimmste Gegner der Arbeiter und Bauern, der ist ein Feind der werktätigen Frauen, der ist ein Liebediener ... der Kapitalisten."[8] Und es ist wesentlich, im realen Klassenkampf des Proletariats an jedem Punkt die besondere Betroffenheit der Frauen zu thematisieren. Wesentlich ist, bereits heute vehement und aktiv für Frauenrechte einzutreten, sei es für die Verteidigung der Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs und darüber hinaus dessen tatsächliche Legalisierung und Vereinfachung, sei es für die vermehrte Einrichtung öffentlicher Kinderbetreuungseinrichtungen (in Österreich fehlen mindestens 150.000 Plätze), die Optimierung der Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten von Frauen, den ungehinderten Zugang zum Arbeitsmarkt etc. - das alles sind systeminterne Verbesserungen, die die Frauenbewegung im Rahmen eines antimonopolistischen Bündnisses und der revolutionären ArbeiterInnenbewegung zunächst anstreben und auch erreichen kann. Und je mehr die formelle Gleichstellung der Frau im bürgerlichen Staat verwirklicht wird, desto deutlicher wird ihre tatsächliche gesellschaftliche Benachteiligung hervortreten und sichtbar werden.

 

Die Frau betrifft im gegenwärtigen staatsmonopolistischen Kapitalismus ein besonderes Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnis, August Bebel hebt dessen Doppelcharakter hervor: "Das weibliche Geschlecht in seiner Masse leidet in doppelter Beziehung: Einmal leidet es unter der sozialen und gesellschaftlichen Abhängigkeit von der Männerwelt - diese wird durch formale Gleichberechtigung vor den Gesetzen und in den Rechten zwar gemildert, aber nicht beseitigt - und durch die ökonomische Abhängigkeit, in der sich die Frauen im allgemeinen und die proletarischen Frauen im besonderen ... befinden."[9] Die Keime der Frauenunterdrückung sind jedoch bereits viel früher auszumachen, wie Engels schreibt: "Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche."[10] Hier spricht Engels deutlich an, was in der Rezeption seiner Schriften zum Geschlechterverhältnis oft - bewusst oder unbewusst - übersehen wird und zu falscher Kritik führt. Es geht also einerseits um die direkte kapitalistische Ausbeutung, von der die Frauen mehr betroffen sind als Männer, andererseits sind es aber eben auch die Herrschaftsverhältnisse aller bisherigen Gesellschaftsformationen, die entsprechende gesellschaftliche Funktionsmechanismen herausgebildet haben und die von der Bourgeoisie bis heute genützt werden - beide stehen in einer dialektischen Wechselwirkung und so sind patriarchale Strukturen, Sexismus und Antifeminismus freilich auch im Proletariat vorhanden, was dem Interesse des Kapitals nach Stabilisierung maximaler Ausbeutungsmöglichkeiten der Mehrheit der Bevölkerung in die Hände spielt. Dennoch, auch hier sind es die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe, also die Klassengegensätze an sich, die das ursächliche Element für die Ungleichheit zwischen Mann und Frau bilden: "Die rechtliche Ungleichheit beider, die uns aus früheren Gesellschaftszuständen vererbt, ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung der ökonomischen Unterdrückung der Frau."[11] Eine wirklich marxistische frauenpolitische Analyse muss also zunächst immer die Klasse als Ausgangspunkt haben - und nicht das klassenneutrale Geschlecht. Lenin erklärt: "Der unlösbare Zusammenhang zwischen der sozialen und menschlichen Stellung der Frau und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln ist stark herauszuarbeiten. (...) Damit ist aber auch die Grundlage gegeben, die Frauenfrage als Teil der sozialen Frage der Arbeiterfrage aufzufassen und als solche fest mit dem proletarischen Klassenkampf und der Revolution zu verbinden."[12]

 

Wie sieht sie nun aus, eine konkrete Analyse der Stellung der Frau in der heutigen Klassegesellschaft? Im Kapitalismus wird der Frau eine Rolle als "ein bloßes Produktionsinstrument"[13] zugeschrieben, schreiben Marx und Engels im "Kommunistischen Manifest". Daraus ergeben sich jene Verhältnisse, die die UNO folgendermaßen zusammenfasst: "Jene 1,5 Milliarden Menschen, die mit einem Dollar pro Tag oder weniger auskommen müssen, sind in der Mehrzahl Frauen. Darüber hinaus hat sich die Kluft zwischen den im Teufelskreis der Armut gefangenen Frauen und Männern ... weiter vergrößert. (...) Weltweit verdienen Frauen nur knapp über 50% dessen, was Männer bekommen. (...) Ihre Arbeit wird weder vergütet noch anerkannt. Ihren Bedürfnissen im Hinblick auf Gesundheitsfürsorge und Ernährung wird keine Priorität eingeräumt. Sie haben keinen angemessenen Zugang zu Bildung und Unterstützung, und sie werden kaum an den Entscheidungsprozessen in der Familie und in der Gemeinschaft beteiligt."[14] Wie sehen die aktuellen Daten für Österreich und die EU aus? In Österreich verdienen Frauen im Durchschnitt um 44% weniger als Männer, wobei diese Differenz stetig größer wird und die real verfügbaren Einkommen von Frauen jährlich um das zehnfache mehr an Wert verlieren als jene der Männer. Die BAWAG hat dazu präzise Daten zusammengefasst: "Arbeiter verdienten im Jahr 2001 durchschnittlich 25.714 EUR, Arbeiterinnen dagegen nur 14.483 EUR. Männliche Angestellte hatten mit 44.522 EUR ein fast doppelt so hohes Einkommen wie weibliche Angestellte mit 23.292 EUR. (…) Die Einkommensschere hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert. Belief sich die Differenz zwischen Männern und Frauen 1994 noch auf 55%, so erhöhte sich der Vorsprung der Männer bis zum Jahr 2001 auf 62%. Bei den Angestellten vergrößerte sich der Unterschied von 82% auf 91%, bei Arbeiter[Inne]n von 65% auf fast 78%."[15] Einzig die relativ geringen Unterschiede bei den öffentlich Bediensteten (ca. 16-17% Differenz) führen im gesamten Durchschnitt zu niedrigeren Zahlen. Analog zu diesen Einkommensunterschieden manifestiert sich die weibliche Armut sodann im Rahmen der Arbeitslosenunterstützung oder der Pension. Die konkreten Zahlen: "Durchschnittliches Arbeitslosengeld von Frauen: ÖS 7.650.- / € 555,95 (Männer: ÖS 10.380.- / € 754,34). Durchschnittliche Eigenpension von Frauen: ÖS 9.328.- / € 677,89 (Männer: ÖS 19.052.- / € 1.384,56). 40% aller Frauen haben im Alter keinen eigenen Pensionsanspruch, davon haben 160.000 überhaupt keine Pension."[16] Die EU-Kommission berechnet, dass 33% aller vollerwerbstätigen Frauen Löhne unterhalb der Schwelle dessen, was als "gerechter Lohn" gilt, erhalten (das wären Löhne über der 68%-Marke des nationalen Durchschnittslohnes). Daraus ergeben sich Konsequenzen: "Zwei Drittel ... der KlientInnen in den Sozialberatungsstellen sind Frauen, 31% davon alleinerziehend. (...) Vor allem ... Frauen mit Kindern sind stärker armutsgefährdet als noch vor fünf Jahren."[17] Ihr Übriges tun atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse: Laut Informationen des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger [18] waren im Jahre 2000 bereits 10% aller Beschäftigungsverhältnisse von Frauen geringfügig - dem gegenüber betraf dies männliche Arbeitnehmer bloß zu 3,6%. 1999 waren 87% aller teilzeitbeschäftigten Menschen weiblich, jedoch nur 34% aller vollzeitbeschäftigten. 32% aller unselbständig erwerbstätigen Frauen gingen im selben Jahr einer Teilzeitbeschäftigung nach - und dies ist Ausdruck einer kontinuierlichen Entwicklung: von 1994 bis 1999 stieg die Anzahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten um 106.000, während die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen in denselben fünf Jahren um 42.000 zurückging. Darüber hinaus kommen jene staatlichen Maßnahmen hinzu, die dem Sozialabbau zu einem beträchtlichen Teil frauenspezifischen Charakter verleihen. Und nicht zuletzt kommt in der Regel eben noch die Last unbezahlter Reproduktionsarbeit hinzu: Nach Untersuchungen der Statistik Austria setzt sich die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Frauen von insgesamt 64 Stunden aus 35 Stunden Erwerbsarbeit, 18 Stunden Haushalt und 11 Stunden Kindererziehung zusammen (prozentuelle Verteilung also: 54,7% - 28,1% - 17,2%). Männer kommen in der Regel nur auf 48 Stunden Wochenarbeitszeit, davon 41 Stunden Erwerbsarbeit, 4 Stunden Haushalt und 3 Stunden Kindererziehung (85,4% - 8,3% - 6,3%).

 

Anhand all dieser Fakten und ihrer Entwicklungstendenzen wird nochmals belegt, was wir weiter oben schon behauptet haben: Es wäre eine Illusion, zu glauben, die ökonomische Ausbeutung und die rechtliche und gesellschaftliche Unterdrückung der Frau könnten ohne revolutionäre Überwindung des Kapitalismus selbst - also sozusagen auf reformistischem Wege im bürgerlichen Staat - beseitigt werden. Eben deshalb, weil "das Privateigentum die letzte und tiefste Wurzel der Vorrechts- und Vorzugsstellung des Mannes vor dem Weibe ist."[19] Wie wir schon festgehalten haben, ist der Kampf um die Befreiung der Frau wie jener um den Sozialismus jetzt zu führen und gemeinsam zu führen. Keine Frauenbefreiung ohne Sozialismus und kein Sozialismus ohne Frauenbefreiung - diese Festlegung ist kein dogmatischer Automatismus, sondern muss gezielt erarbeitet, ja erkämpft werden. Bebel hält fest: "Auch an die Frau im allgemeinen und an die Proletarierin im besonderen tritt die Aufforderung, in diesem Kampfe nicht zurückzubleiben, in dem auch für ihre Befreiung und Erlösung gekämpft wird. Es ist an ihr, zu beweisen, dass sie ihre wahre Stellung in der Bewegung und in den Kämpfen der Gegenwart für eine bessere Zukunft begriffen hat und entschlossen ist, daran teilzunehmen. Sache der Männer ist es, sie in der Abstreifung aller Vorurteile und in der Teilnahme am Kampfe zu unterstützen."[20] Tatsache ist: Die Frauen repräsentieren heute mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und sie sind jene Gruppe, die im staatsmonopolistischen Kapitalismus am brutalsten und direktesten unterdrückt und ausgebeutet wird. Und es gilt auch, Clara Zetkin 1920 festgehalten hat: "Der Sieg des Proletariats ... ist ohne die ziel- und wegsichere ... Beteiligung der Frauen des werktätigen Volkes unmöglich."[21] Die Frau muss im revolutionären Kampf eine tragende und zentrale Rolle spielen - im antimonopolistischen Bündnis genauso wie in der revolutionären ArbeiterInnenbewegung - und das mit voller Unterstützung der Arbeiter. Im Kapitalismus bleibt die vollständige Befreiung der Frau unmöglich - im Sozialismus wird sie möglich. "Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter."[22]

--------------------------------------------------------------------------------

Fußnoten:

[1] Engels, Friedrich: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft. In: MEW 20, S. 242

[2] Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus. Berlin 1973, S. 25

[3] zitiert nach: Zetkin, Clara: Erinnerungen an Lenin. In: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung, Wien 1979, S. 49

[4] Zetkin, Clara: Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung. In: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung, Wien 1979, S. 68

[5] Luxemburg, Rosa: Frauenwahlrecht und Klassenkampf. In: Luxemburg - Gesammelte Werke, Berlin 1973, Bd. 3, S. 163

[6] de Beauvoir, Simone: La force des choses. Paris 1963, Bd. I, S. 267

[7] Paramio, Adolfo: Feminismus und Sozialismus. In: Neue soziale Bewegungen und Marxismus, Berlin 1982, S. 141

[8] Lenin, W. I.: Die Sowjetmacht und die Stellung der Frau. In: Zetkin, Clara: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung. Wien 1979, S. 53

[9] Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus. Berlin 1973, S. 28 f.

[10] Engels, Friedrich: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. In: MEW 20, S. 68

[11] ebd., S. 75

[12] zitiert nach: Zetkin, Clara: Erinnerungen an Lenin. In: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung, Wien 1979, S. 43 f.

[13] Marx, Karl/Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW 4, S. 478

[14] Die Feminisierung der Armut - Hintergrundinformation Nr. 1 zur 23. Sondertagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, New York, 5.-10.6.2000, S. 1

[15] BAWAG/PSK: Konjunkturmonitor Österreich, Januar 2003. S. 3

[16] OÖ. Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung (Hg.): Gerechte Umverteilung unseres Reichtums! Linz 2001, S. 10

[17] Caritas Österreich: Jahresbericht 2001. Wien 2002, S. 10

[18] vgl. Statistisches Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2001. Wien 2001

[19] Zetkin, Clara: Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung. In: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung, Wien 1979, S. 66 f.

[20] Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus. Berlin 1973, S. 556

[21] Zetkin, Clara: Richtlinien für die kommunistische Frauenbewegung. In: Schriften zur proletarischen Frauenbewegung, Wien 1979, S. 72

[22] Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus. Berlin 1973, S. 30